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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Zuiöa.

Nr. 224.

titrantroortild) liii Öen KuauioneUen Le»: Dr. I. Kramer, - für eil Anzeigen: A !<ar*e 11 ei-guiOa. = Ro'arionsdruct u. Üerlay der tfulbaer «ctiendruckerei in Fulda *ernitned>etJh. M. 7e>eur.-Ädrr le: Fuldaer Heilung

Donnerstag, 29. Sept. Z921.

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48. Zahrg,

AW« der MfWW« 6änM»M.

Milllskerpräfident Dtiahb als Vorsitzender des obersten Rates hat dem deutschen Botschafter Dr. Mayer am Mittwoch mittag eine Rote überrei­chen lassen, io der mitgeteilt wird, daß die wirt­schaftlichen Sanktionen mit Wirkung vom 30. September aufgehoben werden.

An die Rote schsietzt sich folgende Aufforde­rung au: Die Alliierten laden die deutsche Regie­rung ein, möglichst bald ihre Delegierten zu be­zeichnen, die zusammen mit den alliierten Sachver­ständigen die Modalitäten feslsetzen werden, nach denen die Lizenzen geprüft und ausgestellt werden in Rederei nstimmung mit der Entscheidung des Obersten Rates oom 13. August 1921.

Endlich sollen also die Schranken fallen, die die beurschrn Rheinlands vom Mutterlands trennten, die die deutsche Industrie vor immer neue Schwie­rigkeiten stellte und den deutschen Handel an allen Stellen lähmte, ganz abgesehen von den persön- stchen Zollfchikanen, denen jeder einzelne ausgesetzt war. Frankreich wird sich jetzt bemühen, die Aus­hebung der Gewaltmaßregeln als einen Akt der Großmut hinzustellen, die Deutschland wegen seiner vielfachen Vergehen und Verstöße gegen die Ver­sailler und Londoner Abmachungen nicht verdient hat. Demgegenüber muß immer wieder darauf hin- aewiesen werden, daß die nun endlich beabsichtigte Aufhebung der Sanktionen nur die Erfüllung einer rechtlichen Forderung Deutschlands ist; hatte doch der Oberste Rat selbst am 14. August versprochen, am 15. September die wirtschaftlichen Strafmaß» nahmen aufzuheben, wenn die fällige Eo'dmilliarde ' am 31. August bezahlt würde. Sie wurde bezahlt, aber unter nichtssagenden Gründen hielt der Feind­bund unter Führung Frankreichs die Zollgrenze im deutschen Westen weiter aufrecht und schädigte hier­durch große Teile der deutschen Wirtschaft in schwer­ster Weise. Wir begrüßen die Aufhebung der wirt­schaftlichen Gewaltmaßnahmen, aber gleichzeitig drängt sich die Frage jedem Deutschen auf: Wann wird die Aushebung der militärischen Strafmaß­nahmen erfolgen, die die rheinische Bevölkerung schwer bedrücken und die ebenso unberechtigt sind?

Das offiziöse (Kommunique der französischen Re­gierung, in dem die Aufhebung der Sanktionen der Oeffemlichkeit mitgeteilt wird, gibt von den Ver­handlungen und von den Gründen, die die Hinaus­schiebung der bereits für den 15. September be­schlossenen Aufhebung der Sanktionen verursacht haben, eine Darstellung, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Wenn in ihr gesagt wird, daß die französischen Kaufleute schon seit Jahr und Tag Veranlassung hätten, sich darüber zu beklagen, daß von deutscher Seite das System der Ein- und Aus­fuhrbewilligungen dazu mißbraucht worden sei, die französischen Waren systematisch von der Einfuhr auszuschließen, so stimmt das mit den Tat­sachen in keiner Weise überein. Die französische Einfuhr nach Deutschland ist seit dem Jahre 1920 von Monat zu Monat g e st! e g e n. Sie hatte be­reits lange vor der Einführung der wirtschaft­lichen Sanktionen eine monatliche Durchschnittshöhe von 200 Millionen Mark erreicht und hat nach deren Einführung, also nachdem das System der Ein- und Ausfuhrbewilligungen mit einer unter di­rekter französischer Kontrolle stehenden Behörde in Kraft getreten war, diese Durchschnittshöhe nicht zu übersteigen vermocht. Das ist wohl ein unwider­leglicher Beweis für die Unrichtigkeit der französi-

IDer Eänsebub.

Frouflscy. r Derfroman von Dina Ernst berge r. 54; -----------

Ein schriller Glockenton schreckte sie auf au« ihren Träumen. Polternd kam e» daher gestürmt; polternd öffnete sich bie Türe.

Seppele und Heinele waren es, die da weinend der Tante meldeten, daß der Batet krank sei und sie das dem Herrn Onkel schreiben sollte.

Marianne begab sich sofort in da« Hau« des kranken Schwagers.

Fieberglühend lag Peter in feinem Bett. Dor ihm stand der Bader und fühlte mit wichtiger Miene den Puls des Kranken. 2ne tr damit endlich fertig war, trat er auf Marianne zu und versuchte es. ihr den Krankheitsziisiand de« Patienten zu erklären. Seinen ganzen Reichtum an Fremdwörtern und medizinischen Ausdrücken bekam da Marianne zu hören. Was aber Peter eigentlich fehlen sollte, das mußte sie sich erst »us seinem Wortschwall non niegchörten Fremawör- tern zusammen!uch:n. Soviel nur konnte sie heraus- bringen, daß der Herr Doktor Bader die Grundursache >r Erkrankung in einem zurückgeschlagenen Schweiß erblickte und diesen zurückgeschtaz-nen Schweiß wieder .aus dem Körper herauszuholen, das schien die Haupt- aufgabe des gelehrten Mannes zu sein. Zunächst ord- Rete er an, tüchtig einzuheizen und h-iße» Tee zu trin- Den, so lange, bis der zurückgeschlagene Schweiß wieder |um Dorschein käme.

Vergebens machte Marianne Einwendungen ge-ren hiese Ordination, vergeben« schlug sie vor, auf ihre Kosten einen erfahrenen Arzt aus «.er S.adt zu rufen. Der Herr Doktorbad,r erklärte, nich:, mit einem Btadtkollcgen zu tun haben zu wollen. Er erklärte seine Ordination für unantastbar und verbat sich jede Ein. Mischung. Mit stolzer Entrüstung hatte er gegen Ma­riannens Vorschlag protestiert; er mußte seine gelehrte Ausdrucksweife im Stillen selbst bewundern. So ge­lehrt hatte er gesprochen das mußte ihr doch ganz Hewallig imponieren

scheu Behauptungen. Unrichtig ist es auch, wenn in dem französischen Kommunique gesagt wird, die deutsche Regierung habe in ihrer Rote vom 26. August gegen die Schaffung einer vom Obersten Rat als Vorbedingung für die Aushebung der Sank­tionen beschlossenen Kontrollkommission so viele Vorbehalte erhoben, daß diese Rote als eine glatte Ablehnung habe angesehen werden muffen. Die deutsche Regierung hat in dieser Rote lediglich und zwar mit vollem Recht darauf hingewie­sen, daß die Forderung der Alliierten einen Eingriff in die Souveränitätsrechte Deutschlands darstelle und daß dis Ausübung einer so'chen Kon­trolle in den bestehenden Verträgen und Abmachun­gen keinerlei rechtliche oder moralische Stühe finde. Sie hat sich, der Gewalt weichend, gleichzeitig be­reit erklärt, mit der Entente in Verhandlungen über die Schaffung eines solchen Sontrn,rnrgan5 einzutreten. Diese Rote ist von den Alliierten überhaupt nicht beantwortet worden. Vielmehr haben diese den 15. September, für den die Aufhebung der Sanktionen versprochen war, verstreichen lassen, ohne ihr Versprechen zu erfüllen.

Jedenfalls zeigt der Verlauf der Verhandlungen über die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktio­nen jedem aufs neue, welche Schwierigkeiten der deutschen Regierung immer wieder von den En­tentemächten gemacht werden und wie in den Krei­sen unserer ehemaligen Feinde immer noch durch den G e w a 11 st a n d p u n k t der Rechtsstandpunkt in den Hintergrund gedrückt werden soll. Zähe, ge­duldige Arbeit allein kann uns vorwärts bringen. Wenn wir kühle Desynnenheit bewahren, werden den wirtschaftlichen Sanktionen auch die ebenso un­berechtigten militärischen Sanktionen in die Ver­senkung folgen müssen. Das Recht wird sich schließ­lich doch durchsetzen, wenn wir nur selbst immer wieder das Recht zum Ausgangspunkt unserer Bemühungen machen und nur auf dem Boden und mit den Waffen des Rechts uns unserer Haut wehren.

Sine französische Beschwerde.

Die frankoiifcbe «opfotrnote, dir Mitte dieses Monats in Berlin emtraf, wird er ft jetzt zum Teil bekannt gegeben. Zn ter Rote wnd behauptet, es bestände in Deutschland eine shste malische Boykottbewegung gegen französische Waren. Der Verband des deutschen Großhandels begünstige die Bewegung, unterstützt von verschiedenen Zeitungen. ES bestände an cheinend ein richtiges Komitee, das die Boh'ottbewegung organisiere und einzelne Reichsstellen batten diese gleichfalls begünstigt.

Tie Rote oei langt, die Reichsregierung solle allen ihren Einfluß aufbieten, um diese Abwehrbeweguug deS deutschen Handels zu beendigen Tie RetchS- regierung will zu dieser Rote erst Stellung nehmen, nachdem die guflänbiqcn wirtschaftlichen Ressorts ihren Inhalt eingehend geprüft haben werden.

Die UreörthUfe der deutschen Znduftr e.

Rathenrm vor dem Reichsverband.

Die Tacgmg dieses Verbandes in München hat eine ganz außerordentliche D beirtursg, nicht bloß für die wir.schastHche Entwicklung, sondern für die g e s a m t e deutsche Politik, denn im Brennpunkt der Verhandlun­gen steht die K r e d i t h i l f e. die Industrie und Ban­ken dem Deutschen Reiche bllsten sollen, und diese Kre-

Energisch nötigte er bann, ohne sich weiter um Ma­rianne zu kümmern, dem Kranken eine neue Tasse Tee hinein

Marianne aber verließ die Krankenstube. Ein« Diertelstunde später war ein Bote nach der nächsten Poststation mit einem Telegramm unterwegs, da« Jo­seph an das Krankenlager seines Bruders rief.

Am andern Tag Marianne saß eben stickend im Garten hotte man ferne« Räderrollen.

Aufhorchend hob sie da« Haupt Sollte die, schon Joseph fein? Näher und näher kam e, heran; Ma- rianne legte die Hand an da» heftig klopfende Herz, al» plötzlich das Räderrollen ganz dicht in ihrer Nähe verstummte. Sie sprang auf und im nächsten Augen­blick stand sie Joseph gegenüber.

Endlich einmal wieder daheim."

Wie ein Ausruf des Wohlbehagens kamen dl- Worte aus seinem Munde, als er mit Marianne dis Schwelle seines Hauses überschritt. Prüfend sah er sie an.

Dir bekommt dar Alleinsein gut, Marianne," sagte er dann.Du wirst ja von Tag zu lag jünger. Merk­würdig wie gut Du aussfa hst. Siehe da dagegen mich! Schon spinnen sich da und dort graue Fäden durch meine Haare."

Marianne lächelte ihn glücklich an

Man sagt. Frauen, die in der Jugend schon den Zau­ber der Schönheit entbehrten, gleichen roten, dauer­haften Rosen, die spät, wenn schon ein rauher, kalter Frost ihre zarteren, schöneren Schwestern entblätterte, vch roeitcrblüben. Der zarten Schöndelt droht am er.

sten bas Vergehen. Ich zähle zu hen baucrhoften. roten Rosen. Verlust broht b;m nur, der besitzt mir aber war von je die Schönheit fern."

Ich höre die bescheidene Marianne sprechen," er­widerte er, während er die Handfchuhe abstrciste und sich bequem in einen Lehnstuhl fallen lief. Er wollt, weiter sprechen, ba tarnen feine be'.ben kleinen Neffen angestürmt.

Onkel, was hast Du uns mitbracht? Hast nix Gut's babei?" riefen sie schon unter ber Türe alle Richtun. j os u nach etoateen Paketchen unb Schachteln aus spähend. 1

diihilse erscheint unbedingt notwendig, um einen Zu- fammcnbtuef) Deutschlands unter der Lost seiner Ler- pstichdunxen zu orientieren.

Demtzi^träß hielt b r Wiederaufbaumtnister Ra- t h en au cu( bet Tagung eine Red«, die über die herkömmliche Begeisterung hinaus zu einer großen programmatischen Kundgebung sich auswuchs.

Er teilte mit, daß im Vorstand des Reichsverban- des der Industrie die geplante Kredilaklion grund­sätzlich angenommen worden sei bei fünf Stimm­enthaltungen. Die letzten gingen aus von Herren, die der deul-schnationalen Partei nahesdhen. Daraus sieht man, daß parteipolitische Ge- sichtspunkte mitg-.spi.lt haben. Die Deutschnattonalen, die sich auf die Katcstrophenpolitik segelegt haben, wollen das Ulibr.aum von vornherein für unerfüllbar erklären und an den Versuchen zur Ausführung nicht Mitwirken. Don diesem Standpunkt aus ist es schon eine Nachgiebigkeit, wenn die betreffenden Herren nicht geradezu gegen dte Krrdichilfe y stimmt, sondern sich nur der Stimme enthalten haben. Die übrigen Mitglieder des Vorstandes haben sich entschelten auf den Standpunkt der Reichsregierung gcstellt, die alle Kraft einsrtzen will, um das Ultimatum zu erfüllen, soweit es überhaupt möglich ist.

Der letztere Zusatz ist nicht neu, sondern hat schon von vornherein alle Welt darüber aufgeklärt, daß die Regierung Wirth zwar ein Kabinett der Erfüllung ist, aber seiners.its keine Gewähr dafür übernehmen kann, daß Deutschland auf die Dauur die aufgr- bürdeten Lasten tragen kann. Das hat der Wiedcr- aufbauminister in München noch besonders betont. Er arbeitet rückhaltlos mit allen seinen Kräften aus die Erfüllung hin und sucht rastlos farmet neue Mittel und Wege zu diesem Ziel. Aber er betemfl offen, haß schließlich sich die U n m ö g 1 i ch k e i t erweisen rv.rde, das Ultimatum vollständig lmrchzusühren, so daß eine Revision in ihrem eigenen Interesse es nicht zum Zusammenbruch des Schuldners kommen lasten werden; da sie seilest dann den größten Schaden haben und schon während der Durchführungsrit suche die empfindlichen Nachteile für ihre Volks- und Finanz, wirtschaft spüren wurden.Die restlose Erfüllung des Ultimatums", Jagt Rachenau aus feiner gründlichen Sachkenntnis heraus,würde die Welt wirtschaftlich noch viel schärsi.r treffen, als uns selbst; die Welt- wirtschaft wird das Ureröglid) sprechen."

Er hasst auf eine Internationale wittschast- fache Verständigung, wie sie auch der englische Minister Churchill in Aussicht genommen hat. Bi» es dcchin kommt, müssen wir Deutsche den guten Wit- len zur Erfüllung vor aller Welt einwandfrei l» künden und zwar durch Taten, die allein als de- weiskräfiig gelten.

Also einerseits die kräftigsten Anstrengungen, um die laufenden Zahlungen prompt leisten zu können, und andererseits die Pflege von internationalen Ver­handlungen, die uns die Aufgabe erleichtern und bti Öen Gläubigern die Rücksichtnahme auf die Wir schaft- fache Solidarität wecken können.

Die größte Schwierigkeit für den Augenblick bietet bekanntlich die Beschaffung der Devisen (ter Aus- Wndswechset in Dollars oder sonstigen Goldwerten). Die toll. Börsenspekulation hat den Ankauf auf dem gewöhnlichen Wege nahezu unmöglich gemacht. Ra- thenau meint nun. wir sollten das Papiergeld, das rn'uttchland zur Erfüllung braucht, lieber in die epent Wirtfck-aft steck-m, statt es den Wucherern mit Dollar- werfen in den Rachen zu werfen. Um das zu errei- chen, bra-ucht Drulschland Sachwerte als Unter» läge für den beanspruchten Kredit, und diese Each- rverte kann In beträchtlichem Umfange die Industrie im Verein mit den Großbanken liefern. Mr müssen ferner dahin streben, daß wir die ouferlegten Tribute möglichst in Sachleistungen abtragen, also durch Lieferungen unb Milarbeil bei dem Wiederauf- bau. Darüber wird weiter verhandelt mit d:n nächst- beteiligten Franzosen.

..Wie geht e« (Eurem Vater?" sagt« Joseph, ohne auf ihre bringenden Fragen einzugehen.

Er sterbt net. hat ber «aber g'agt. Er werb schon

wieber. Er hat ben zrückgeschlogena Schweiß schon

Er sterbt net. hat ber «aber g'sagt. Er werb schon

Du hast nix mitbracht? G'hött bas Paketlo bort un­

ter ?"

Ohne weitere« wollten sie bas einzige, Im Zimmer liegende Paketchen an sich nehmen Joseph aber trat energisch bazwischen.

Es geht wohl besser Bieber brühen?" fragte er Marianne.

Du mußt nicht böse sein, baß Ich Dich rief." er« wiberte sie etwa« ängstlich.Ich glaubte, ba« sei meine Psi'cht 2ch halte Deinen «ruber ernstlich krank unb fürchtete, bie Kunst be« «aber» möchte ihn vollenb» liefern."

Das Ist am meisten wohl zu fürchten bei ber gan- jen Krankheit. Ich kenne diese Wunderkuren be« ge. lehrten Mannes; am eigenen Leibe Hobe ich feine Kunst erfahren. E« wäre wohl am Platze, baß ich gleich ba brühen etwas Umschau halte".

Du Onkel, gelt Du haft uns nlx mitbracht? Hast old' :"rht bie Paketle brinna in ber Kutfch'n g'lafl'n?" machten sich bie beiden Kleinen wieder bemerkbar. Ihre Augen sahen den Onkel so sehnsüchtig so verlangend an, baß er in bie Tasche griff unb jebem ein Markstück in bie Hanb brückte.

»Ich hatte keine Zeit mehr. Euch etwas zu kaufen; hier kauft Euch selbst was Euch gefällt."

5m Nu waren Seppele unb Hejnerie verschwunden.

Er sah arm Küchenfenfter aus, wie sie eilend« zum Krämer liefen.

5ofcph lehnte sich behaglich zurück in ben meinen Polsterstuhl unb schlug bie Beine übereinanber. Ein lefriekigenber Ausdruck erschien auf seinem G sichte u-b her verschwand auch nicht, als sich Marianne ihm g"gen. übersetzte unb etwa? besangen ihm alle« was seit seiner letzten Anwesenheit sich zugetragen hatte, zu erzählen begann. Mit sichtlichem Interesse hörte er ihr zu.

Das ist ein Programm von schwerer Arbeit uni bitterer Sorge; aber wo findet sich ein untrerer Weg, der uns com Abgrund zurückführen könnte? Unb hinter unsewr redlichen Anstrengung winkt doch immer noch die Hoffnung, daß wir durchhalten können, bis die Vernunft in der Wttt wieder zur richttgen Erl» tung kommt.

Deutscher Reichstag.

Die Gppauer Lrp'ofions'lkatastrophe.

Wieder grüßen mich cm Mittwoch von den Türmen und von ber poldgl Hemden Kuppel de« Reichstage, bte! schwarz-rot-goldenen Wimpel von nun en soll-m bie Far­ben brr Demokratie immer flattern, wenn das Plenum tuet. Aber bratnen im Haus ist schon alles recht an tag«- mäfria; nach der langen Pause hat man sich allerseits schnell wieder in ben gewohnten Arbeilsgang h'meingr- sunben. Vor dem Vertun der Vollsiduna bcatschlagen bie Frakt onen. in ber Dandtthalle wickelt sich da« Leben und Treiben mit feinem ewigen Hin und Her gewohnheits- rnäfira atz.

Das Menum wett! lange nicht nrbr bie B-fekunq auf, rote am Vortage. Der zunächst oorfiegerbe Stoff ist auch kaum aee'-met. rrohre allaeme'ne Interest» hervorzurufen; «» sind Sv»tta!fraaen, bte verhandelt werden.

Eine Belchwerd« des kommunlst-fchen Abg. Rem- mr l e wegen einer bei ihm statta»hatz!en Haussuchung wird brm Teschättsorbnitnesceisichtth ützermtefen. Das clriche Schicksal erfciSet ein kommunistischer Antrag wegen Aushebung des Steafrortwr-ej gegen d»n Abg. SBenMin Thomas. Em Entwurf über bi« Vettäng-mna ber Gül» tigteitsdar er ber Abweichuneen von dem Btersteuereesetz wird in 1. unb 2. Lttung gegen einige Stimmen ber bat)» rischen Volkspattei anaenommtm. zur 3. Leimtug kommt e« nicht, weil ber Abg. Jand Einspruch erhebt.

Zu einer längeren Debatte kommt es beim zweite« Nachtrag zum Reickishanstzatt. ber bie Teuerungsru- fatten entböte. Die Varta-n geben zum größten Teil b*ft:mmf sormultette Erklönmaen ab. Vom Zentrum stimmt ber Abg. Dr. H ö fl e dem Nachtrag zu tnvb betont, bah bte Frage ber Tenernne«,lagen so g-rwri» merben mitfite, daß unter affen Umständen eine Mmbestgrmze nach unten f-ftMeht mtrbe.

Das Interesse tm .krause wächst erst in onsm-rksam-mer Teifnafime, ofs man sich brr Jntrrpeffaüon her Aba Mül- ter-Fr an'en u-nb ©ennf-n über das Unolürf in Oppau vroerbet. Mit ti-for Erschütterung nimmt ba« nan.v beutfchr Va'k unb auch b=# b-utfA- Vgsksnerter'img non bem sunch'-baron Unalück. das sich irn Süden des Reiche« rmont*! hat imd bas bttnb-tten non wackeren Arbeitern im Dtenfte bar Arbeit b->n Tob brachte tmb ba- rott in ebensoviele FamLien unsagbares Leib «inbrmges ließ.

Die Inirrp-llafion wirb bermmM vom Mehrhefisso- ziasistcn Abg. Brm, der noch einmal hie furch!bar-n Vor­gänge sch'id-tt tmb nicksich'sfose Aufkfärvna des Gesck»-be. n«n unter H'nu'ttehima non Arb-tternertr^ern nerlangt. Arbeitsminister Dr. Brann, b-w*mnrtet bte Iuterprlla. Hon. Er te'ft mit. bafi mit einer ,?»hf non 400 Toten ar. nrrfj-^f werbrn mufi. unh bie der Verwimbtten bi, in bte Aimbrrte suche. Der Mmttt-r bankt von ber Tri- htm» de, Ne'chstoe», h-ab ben ?lrl»-itern. b<» mft arofirr (Botetrogfrimnvrrt die Feuer unter b-n Kesiekn gelöscht hoben. Dir Naterfuch'-ng werbr rmmifA forfw-trht mrr- ben. man rn~-.be alle Ameg.,e<m Debatte dabei be­

achten. «teher seien bie Sachnerstnubteen her M-mung pero'fon bafi eine Gefafir in der ßaiwirna be, Sa're« roch! bestänb». sch-r bei Anmentema non Soren^kesie-ln 'ass« sich mghl ein» Et-nlosinn b-, Safres b-rhe-sübren. Den hteroffruen Familien sollen E-nrefunterstüfiun»en aiwben unb bte Wferbfiebenm en*f*n,b:nt ro-rh-n. Die Reichs, regterunn werbe nichts unterlassen, vm bte Ursachen des Unglücks se st z u st r U en tmb ben Opfern zu helfen.

Bei her sich nun onfchfi-fienh-n Beivrech-mg sitzen bte Bnternellg^on bas Zuerst ba, Mott b-r Z-ntrmn«atzg. Hgsmann-r'n^mtasbgfm. Ee fohf ror all-m ben He'tzen. trntf b»r Aetzeri-r. bte. der Gttgte- nicht gch-end bte Opfer wnb bte Verwimd-ten au, b«n Trümmern w bergen tze- ""'ch! waren. Auch er fn.>-r! die h-t^e Unt'r- firrfumg her Ursocheu. Dieser Rorbertma fA'i-fim sich alle ff^nern «ebner an. Die TOnner der Vwri, unb bte Männer ber Misienfchatt müssen ihr» gauzr Kraft herein, fefien. mn solch» Kate strolche wie die in Oppau, bie in

»Mir traut unb wohnlich r, hier ist," he»ann er. al« sie schwieg.Es ist boch recht bumm, bitte, rafftof, Weifen, biese« ruhelose Treiben im Strubel ber 6abt, roenn man zu Hau« eine Gebe Gafttg unb ein trau1«« Heim sein eigen nennt Was w-sien fene armen Rel. <f)en in bem großen, steinernen Häusermeer ber S.'äbte uon Frühkingssonnenschein unb Vogelzwitschern; oom übenbfrieben tmb von Heimatglück. Ich liebe das Leben auf bem Laube, mein Heimatbotf unb seine Bewohner mit bem schlichten, anspruchslosen, gläubig fromme» Sinn.

Horchl bi« hier herein hört man bie Lerchen schmet. fern; wie würzig Ist bie Lust, bie durch ba« Fenstei streicht. Recht lange will ich biese« mal bie Reize bet Natur genießen. Nirgenb, ist e« jg schöner rote hier im Dorf zur Lenzeszeit, wenn rings um uns her alle« knospt unb treibt unb duftet und weißer Btütenfch.gee auf jebem Baurn, an allen Sträuchern hängt."

Joseph war aufgeftanben unb an bas Fenster getre. ten. Er beugte sich weit hinaus und atmete mit tiefen Zügen bie warme Frühlingstuft ein.

Mariannen, Augen leuchteten. Sie mutzte sich Ge. walt antun, ihm ihren Jubel zu verbergen. Am liebsten wäre sie zu ihm getreten unb hätte ben Arm auf seine Schulter gelegt unb gesagt:bleibe bei mir! Rur ein wenig habe Scbulb. Versuche e«, vielleicht gelingt es mir. Dir Dein Heim lieb unb angenehm zu machen. Ich will ja alle, tun, habe Du nur ein klein wenig euren Willen!" .

Mitt innigem Blick umfaßte sie die stolze, schöne Man. nergeftalt am Fenster brühen. Da wandte er sich ihr zu: schnell senkten sich die langen Augenlider. Ern zarte, Rot färbte ihre Wangen- er die, wüßte! Wenn er es ahnte, wie lieh, w *r lieb ich ihn habe, dachte sie."

Atzrr bükschncll durchfuhr e, wieder ihr Gehirn: er roill ja aber doch deine Liebe nicht; er kann sie ja nicht erwidern Fast schämte sie sich ihrer Liebe jetzt; wie Schwachheit kam es ihr vor, daß ihr Herz sich fo heiß nach i er Lieb« bkff, Mannes sehnte. Befangen erhob le sich do r rCm Platz, al, Joseph vom Fenster zurück ihr näher tru,. (Fortsetzung total.\ >