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Mittwoch, 28. September 192L
Fuldaer Aeitunq
Druck der Fuldaer Aetiendrnck-rri i« Fultz
Gin Dollar kostet <27 Mk.
Niederreißen geht flinker als Aufbauen. An der Börse wird der deutsche Kredit mit unheimlicher Geschwindigkeit immer tiefer herab^drürkt, wah- rend die Rettungsarbeiten, die der Reichstag und die Regierung planen, aus dem Dchneckenschntt nicht herauskommen können. In wenigen Stunden wurde der Wert der deutschen Mark noch um 10 Prozent weiter herabgedrückt, sodaß wir für einen einzigen Dollar jetzt den unerhörten Preis von 12 7 Mark bezahlen müssen. Im Reichstage aber wird die Aussprache auf Freitag verschoben, und nach derselben soll eine Zwischen- pause von wenigstens drei Wochen eintreten; auch von dem Ergebnis der Kreditverhandlungen mit den Industriellen und den Banken wird noch nichts positives gemeldet.
Das tolle Treiben an der Börse ist im höchsten Grade zu beklagen. Die Bedächtigkeit im Reichstage kann man nicht ohne weiteres tadeln, da gewichtige Gründe vorliegen, jede Ueberhastung zu vermeiden und lieber sorgfältige Vorbereitungen zu treffen, als störende Rückschläge zu riskieren. Doch leider bedeutet die andauernde Unsicherheit eine weitere Eeduldprobe für das oielgeplagte Volk.
Für den katastrophalen Sturz der deutschen Valuta dürfen wir nicht das Ausland allein verantwortlich machen, sondern müssen die wesentliche Mitschuld der einheimischen Spekulanten fest- stellen. Es ist geradezu Verrat am Vaterlande, wenn in der gegenwärtigen kritischen Lage eine Menge von Leuten, die sich deutsch nennen, sich einen persönlichen Prosit zu verschaffen suchen, indem sie die Devisen, welche die Regierung kaufen muß, durch Spekulationskäufe in die Höhe treiben in der Berechnung, daß die Regierung schließlich jeden Preis zahlen müsse, um die nötigen Werte für die Reparationszahlungen zu erlangen. Im Auslande schüttelt man den Kopf zu dieser Selbstzerfleischung, die von den deutschen Börsen betrieben wird, und fragt sich, ob es in Deutschland kein Mittel gibt, um diesem schändlichen Treiben der gewissenlosen Spekulanten eine Schranke zu ziehen. Richt Rewyork oder Amsterdam haben die Führung bei der Entwertung des deutschen Geldes, sondern Berlin s e l b st. Wenn die soliden Vertreter der Industrie und der Bankwelt überhaupt die Kraft haben, die nationalen Kredite zu stützen, so müßten sie doch bald eingreifen, ehe unsere Mark auf den Tiefstand des Wiener Guldens herunter- gejobbert ist.
Die fortschreitende Geldentwertung wirkt auch zurück auf die Hauptaufgabe des Reichstages, dis Erledigung der S t e u e r g e f e tz e. Das große Bukett der Steuergesetze reicht nicht hin und her, wenn der Wert der voraussichtlichen Einnahmen rapid sinkt und zugleich die Verpflichtungen der Reichskasse gegenüber dem Ausland sich auf das Doppelte oder noch mehr steigern. Als wir das Ultimatum annehmen mußten, kam uns der Dollarpreis von 60 Mark schon erschreckend hoch vor. Wie sollen wir jetzt die fällige Milliarde aufbringen, wenn der Dollar über 120 Mark steht? Da erhebt sich schließlich die Frage, ob die Erhöhung der Steuern überhaupt noch einen Zweck hat, oder ob wir io wie so dem Reichsbankerott verfallen müssen.
Die Volksvertretung und die Regierung dürfen trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren die Flinte nicht ins Korn werfen, sondern müssen weiter arbeiten am Rettungswerk, solange noch irgend eine Aussicht ist. Wenn die finanziellen Debatten noch um mehrere Wochen verschoben werden, so ist das an sich nicht erfreulich, aber man darf hoffen, daß die Zwischenzeit ausgenutzt wird zu Vorverhandlungen, die wichtiger sein können, wie die öffentliche Aussprache im Parlament.
Es kommt hinzu, daß auch die Verbreiterung der Koalition besorgt werden muß. Nach den heutigen Nachrichten scheinen die persönlichen Schwierigkeiten so gut wie behoben zu sein. Es kommt also wesentlich auf die sachliche Verständigung unter den arbeitswilligen Parteien an, und dabei steht die große Steuerfrage im Vordergrund, namentlich der Ausgleich zwischen der Steuerpolltik der Sozialdemokratie und der Deutschen Volks- partei. Wird da in der Pause eine Verständigung in den Hauptpunkten erzielt, so kann nachher die versäumte Zeit wieder eingeholt werden.
Der Sänsebub.
Fränkischer Dorfroman von Dina Ernstberger.
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13. Kapitel.
Frllhlingslüfte wehten, Marianne saß am weitgeöff- neien Fenster und ließ die weichen, milden Lüfte durch das Zimmer streichen. Sie war nun Herrin geworden im neuen Hause. Es war alles so Schlag auf Schlag gegangen während der letzten Monate, daß sie gar nichts zur Besinnung kam. Joseph war erst am Morgen jenes Tages zurück in da? Dorf gekommen, an dem der greife Pfarrherr im Dorskirchlein den Segen sprach zum Lebensbunde zwischen ihm und ihr. Prunklor, in aller Stille war die Hochzeit vor sich gegangen. Niemand im Dorf, wie der greise Priester, hatte eine Ahnung davon gehabt, was im neuen Hause vor sich ging. Dieselben Glocken, deren ernste Klänge vor wenigen Wochen die alte Flickschusterin zur letzten Ruhe geleiteten, tönten feierlich über do, kleine Dörfchen hin, als Joseph und Marianne vor dem Altäre die Hände ineinander legten. Der alte Mann am Altäre hatte von des Lebens Ernst und Sorge, von ber Treue über das Grab hinaus, die von nun an die beiden Herzen ineinander bindet, und von der Liebe, die olles tragen und Überwinden läßt, gesprochen. Ernst lauschte Marianne auf die Worte des greisen Priesters; ihre Züge wurden noch bleicher, als er von der Liebe sprach. bie allez tragen hilft. Die Worte klangen ihr wie Hohn. — War das auch recht getan, was hier geschah; war es nicht eine frevle Entweihung, daß sie den Priester fromme Segensworte über den Bund sprechen lieh, obwohl sie wußte, daß dem Manne neben ihr die Liebe fehlte; daß nicht sein eigener, freier Wille, sondern nur der Wille jener Toten ihn zu diesem Schritt gelellet? Ihre Hand, die leicht auf auf dem Arme Josephs lag, zitterte. Scheu, streifte ihr Blick einmal, während der Priester sprach, die Züge des schönen Manner neben ihr. Waz wohl er bei dieser heiligen Handlung denken mochte! — Was würde sie darum gegeben haben, hätte sie die Gedanken lesen tön. «en, die sich hinter dieser breiten, weißen Männer, pirn'e jagten!
! Fest und undurchdringlich wie immer waren auch in dieser Stunde seine Züge gewesen. Es mochte ihm Me Ansprache des Geistlichen zu lange gewährt haben,
Inzwischen wird ber Börsentaumel vielleicht auch seineti Höhepunkt überschritten haben. Also wollen wir trotz alledem noch nicht die Hoffnung fahren lassen.
Zentrumsmehrhett
und Zentrumsminderhm.
Wie ost ist nicht schon fest den Tagen von Weimar dem Zenuum von übereisriLen Gegnern Spaltung. Epiitd-rung und Zersall prophezeit und angcmdjtet worden! Fast bei jeder größeren und wichtigeren po- lilischrn Entscheidung stellten sich in allen Lagern Heine Wichtigtuer ein, und solche Leute, die sich vor der Oeffcntlichkeit als „Eingemühte" ausgaben; sie verkündeten mit Pathos das Krachen des Zentrums- turmes.
Und wie groß und bitter war doch stets die E n t- 18 u s ch u n g, wenn immer gerade das ©egmteil von hem eintrat, was man prophezeit und im feindlichen Lager im innersten Herzen gehofft halbe, wenn jedesmal der Zentrulnsturm sich festgesügrer erhob denn je. Auch jetzt wieder, wo sich in direkter Folg: auf den Beschluß des Görlitzer Parteitages politischer Streit erhob, weil gewisse Querlreiberuien in der volkspartei- lichen Presse, die nicht so von ungefähr kommen konnten, und auch sonst nicht gerade geschmackvoll,: Aeuße- rungen des Herrn Stresemann, nach Abwehr heischen, auch jetzt wieder glaubte man besonders klug zu handeln, wenn man eine Zmtrumsmehrheit gegen eine Zentrumsminderhest ausspielte. Dieses Märchen ist zu schön, zu gern geglaubt, als daß man von ihm lassen möchte. Wir aber und unsere Freunde im Lande wissen, was wir von solchem Fabulieren, das den Wunsch zum Vater des Gedankens hat, zu hasten haben. Denn das eine steht unumwunden fest — wer sich einige Blühe geben wollte, wird das selbst erkennen können — daß die Ueberwindung der vielen und großen Schwierigkeiten für unser Vaterland und die sich daraus ergebenden praktischen politischen Maßttahmm letzten Endes immer wieder ein einiges und in sich fest geschloßenes Zentrum gesunden haben, daß es keinen Beschluß von noch so großer Tragweite gegeben hat, der nicht in Einmütigkeit oller der verschiedenen Teile gefaßt worden wäre. Diese Geschlossenheit ist uns schon oft und viel geneidet worden. G rade sie aber ist ein Ausfluß des großen Verantwortung s 0 e | ü i) 1 s, das dir Vertreter des Zentrums in sich tragen, sie ist ein Zeichen für den Geist der Ber» antwortungssreudigkeit, durch den die in ihren einzelnen Interessen an sich auseinanderstrcbenden Gruppen immer wieder zusammen geführt werden.
Es ist im Zentrum trotz^ mancher Meinungsverschiedenheit, die auch andere Parteien aufzuweisen haben, und die auch wiederum positiv jördernd wirien kann, niemals unters im Zentrum gewesen und wird auch in Zukunft niemals anders sein. Wer aus den Zwist im Zentrum kalkuliert, hat eine salsche Rechnung arufgamacht. Erzberger ist ermoruet. Die inneren Spannungen, die man mit seinem Namen in Verbindung bringen zu müssen glaubte, kann man nicht mehr ausspielen. So sucht man sich ein neues Feld. Sieger- matt) und Wirth sollen jetzt nach einigen schlauen Leuten die Exponenten jein, auf die die Feinde des Zen- trums ihre Hoffnung setzen. Vorbeigeschossen meine Herren! Diesen Lieblingstraum hat Herr Stegerwald durch sein entschiedenes Eintreten für Wirth neulich mit rauher Hand selbst zerstört.
Ob sie nun schweigen werden? Ob sie eines des- seren belehrt sind, jene, die immer alles besser zu wissen meinen, als wir selber? Wir wagen es nicht zu hoffen: denn was man wlll, das glaubt man gern. Mögen sie weiter fabulieren, das Zentrum weiß, was cs zu tun hat.
Zur Reform des Strafrechts.
Aus dem Reichsjustizministerium erfahren wir:
Der Wunsch, an der Rechtsprechung der Strafgerichte Laien in weit größerem Umfange als bisher zu beteiligen, erscheint beteiligt und so dringlich, dah er schleunigst und noch vor der Durchführung der großen Prozehreform erfüllt werben muß. Dabei kommt es barauf an, baß einerseits ber Kreis ber Personen, bie zur Mitwirkung an ber Strafrechrsprechung berufen sind, anbererfeits ber Kreis ber Gerichte, bei denen eine solche Mitwirkung stattfindet, möglichst erweitert wirb. Diese Erwägungen haben schon vor einiger Zeit bahin geführt, bie Tagegelber ber Schöffen und Geben» das war ja wohl Ungeduld, daß er feine Blicke mehrmals wie geistesabwesend durch das Kirchlein wandern lieh. Man sah es ihm an, wie zerstreut er war.
So sehr sich Joseph auch bemühte, der heiligen Hand- lung zu folgen — immer wieder kehrten seine Gedanken zu den lagen seiner Kindheit zurück.
Hier war'z gewesen, wo er als Knabe ministrierte; wo ihm derselbe Priester, der da oox ihm stand, zum ersten Mal die heiligen Sakramente reichte. Doch ganz wie damals sah das Kirchlein aus. Die verschossenen, roten Fahnen und das alte, schlichte Kreuzchen mit dem Trauerflor, der schon zu' seiner Zeit graugrün statt schwarz ums kleine Kreuzchen wehte — wie mächtig erinnerte ihn dies an jene Zeit, wo er mit stolzer Miene, sich fühlend als wichtige Persönlichkeit, bei Prozessionen die Standarte trug. Weh' wenn ihn einer seiner Kameraden mit Warten oder Blicken reizte. Mehrmals war es da oorgekommen, daß er jene geweihten Fahnen, (fangen, die er andächtig fromm mitfragen sollte, zu Züchfigungs. und Rachzwecke» auch benützte. Der baus- backige und schmutzige Engel, der seif M.nschengedenken schon so selbstbewußt aus einem Pfeiler an der Kanzel saß, war einmal das Opfer eines solchen Angriffes geworden. Zu einer Zeit, da zwischen den Ministranten blutige Fehde herrschte und sie sich ganz allein mit ihrem Groll einmal in der Kirche befanden, griff Joseph zorngereizt zur Fahnenstange, die er immer trug, und traf — o Schrecken! — statt den Rücken seines Feindes den Arm des kleinen, ganz unschuldigen Kanz-lengels. — Noch heute saß er dort auf feinem Kanzelplatz — beschmutzt, bestaubt und selbstbewußt wie einst, doch fehlte ihm die Hand, die ehedem, bevor noch jener un= glückliche Ministranfenkampf entbrannte, geheimnisvoll zum Tabernakel wies.
So viel erinnerte ihn hier an feine Jugendzeit. — Er dachte auch daran, wie er im Winter oft frierend mit dünnen Höschen auf den kalten Steinfließen kniete. Wie oft hafte er da in stillem Neide bie anderen Buben, die mit dicke» Kleidern und Mützen zur Kirche kamen, befrachtet. — Er war der Aermsten einer gewesen. Manchmal gab ihm eine gutmütige Säucrin mitleidig ein Kleidungsstück, das ihm feine Mutter zurecht ma. chen fällte oder ein Stück Brot und etwas Dörrfleisch. So beseligt hat nie mehr in feinem Leben ein Dankes- roort von ihm geklungen wir das „Vergelt', Gott", das er als armer, hungriger SBauerniuna* sprach. — Wen»
schworenen zu erhöhen, um dadurch allen Kreisen der werktätigen Bevölkerung, namentlich der Arbeiterschaft, bie Teilnahme an ber Rechtsprechung mehr als bisher zu ermöglichen. In gleicher Richtung bewegt sich ein zur Zeit bem Reichsrate vor» liegenber Gesetzentwurf, wonach ben von ben Selbstverwaltungskörpern in ben Ausschuß für bie Auswahl ber Schöffen und Geschworenen entsanbten Vertrauensmännern Tagegelber gewährt werben sollen, wozu ber umstrittene Entwurf bes Gesetzes auf Zulassung ber Frauen zum Laienrichteramte kommt.
In Vorbereitung befindet sich ein Gesetzentwurf, ber eine Umformung ber Strafgerichte bringt. In ben Sachen, in benen bisher bie ausschließlich mit Berufsrichtern besetzten Strafkammern urteilten, sollen künftig Schöffen mit- wirken. Außerbem soll in biesen Sachen, ebenso wie es schon heute gegenüber den Urteilen ber Schöffengerichte ber Fall ist, die Berufung zugelassen werben und auch bie Berufungsgerichte sollen mit Schössen besetzt werben. Die Wahl der oben erwähnten Vertrauensmänner soll künftig nach bem gleichen unb geheimen Wahlrecht unb nach ben Grundsätzen ber Verhältniswahl geschehen. Die Mitwirkung bes Landgerichts bei ber Aufstellung ber Jahresliste ber Geschworenen soll weg- fallen. Die Iahresliste soll vielmehr unmittelbar von dem zur Auswahl der Schöffen berufenen Ausschuß aufgestellt werden.
Auf dem Gebiete des materiellen S t r a f r e ch t s liegen zurzeit dem Reichsrat der Entwurf eines Gesetzes vor, der eine Erhöhung derGeldstrafdrohungen, eine Ausdehnung des Anwendungsgebietes der Geldstrafe unb im Zusammenhang bamit eine wesentliche Einschränkung ber kurzseitigen Frei- h e i t sst r a f e n vorsieht. Selbe Entwürfe werben voraussichtlich in kürzester Zeit Im Reichsrat zur Beratung gelangen.
In ber Ausarbeitung begriffen ist ferner ein Entwurf, ber die politischen Strafvorschriften des geltenden Strafgesetzbuches den neuen staatsrechtlichen Verhältnissen anpaßt. Dabei wird auch auf einen wirksameren Schutz der verfassungsmäßigen Staatsform und ihrer Repräsentanten Bedacht genommen werden.
Neben diesen Gesetzentwürfen gehen die Arbeiten an der allgemeinen Reform des Strafrechts weiter. Der im Anfang dieses Jahres veröffentlichte Entwurf zu einem neuen Strafgesetzbuch hat Anlaß zu einer Reihe mehr ober minber eingehender Kritiken gegeben. Gleichzeitig sind die Landesregierungen ersucht worden, zu den Vorschlägen des Entwurfs Stellung zu nehmen. Die Ergebnisse der öffentlichen Kritik und die Aeuße- rungen der Landesregierungen werden die Grundlage für die Aufstellung der Regierungsvorlage bilden, die mit größter Beschleunigung fertiggestellt werben wirb.
Hus dem Nachbargebiet.
fpd. Wiesbaden. Unter ber Bürgschaft deS Landkreises Wiesbaden und der beteiligten Gemeinden wird am 28. September versuchsweise ber Betrieb einer Kraffwagenlinie zwischen Hofheim i. T. und Erbenheim ausgenommen werden. Damit wird, da Erbenheim mit Wiesbaden be-eits durch eine elektrische Bahn verbunden ist, das sogenannte blaue Ländchen bem Verkehr ganz erschlosien.
)( Limburg. Zum ersten Male seit Krieg und Revolution fand in Limburg eine Tagung der BorromciuSvereine der Diözese unter guter Beteiligung der Geistlichkeit, darunter der Herren Dr. Hilpisch, Domkapitular Feudel und Regens Dr. H i 1 Ö, sowie besonders auch der Lehrerschaft statt. Nach freundlicher Begrüßung durch Herrn Generaltekretär Müller-Marburg hielt der Vertreter der Borromäuszentra le, Herr Direktor Braun-Bonn ein anregendes Referat über die Lage des Bücheiwesens im kath. Deutschland und über die Notwendigkeit einer stärkeren Mitarbeit zur Velbreitung guter Literatur. Er schilderte die Wirkung der erotischen Verseuchung und der literarischen Unkultur sowohl in der schönen Literatur, wie in populär-mediziiiischen Schriften und vielen Zeitungsromanen. Dann gab er wertvolle Winke jür die Einrichtung von Hausbüchereien, von Bücher« aussiellungen in Vereinen vor Weidnachfen, für die
er erinnerungsversunken der vergangenen Zeit gedachte-, erschien ihm alle, wie ein Traum! — All' diese Geüan. ken und Erinnerungen beschäftigten seinen Geist, als er mit Marianne vor dem Miare stand. Er wurde sich des Ernstes jener Stunde nicht klar. Erst als der Priester schwieg und Marianne langsam den weißen Glacee. Handschuh über Ihre Rechte streifte, wurde er sich dessen ganz und gar bewußt, was hier vor sich gegangen war.
Forschend ruhte einen Moment der Blick der jungen Frau auf bem Antlitz bes zerstreuten Manner, als sie beide das kleine Kirchlein verließen und in den bereit, stehenden Wagen stiegen.
Weir hatte Ev die Türe geöffnet, als der Wagen, der bas junge Paar zurückbrachte, vor dem Haufe vorfuhr. Mit Befriedigung hafte sie gemerkt, wie dicke, schwere Schneeflocken langsam herniederfielen. So wollte sie es haben; so mußte es sein. Wenn dabei Glück sein sollte, mußte es der Braut in den Kranz regnen. Erwar- tungsooll stand sie da und wartete auf den großen Augenblick, wo der junge Gatte fein geliebtes Weib mit innigem Kusse in die Arme schließen würde; — der aber tat nichts dergleichen. Nur ihre Hand hielt er in der seinen, als er die junge Frau über bie Schwelle ihrer neuen Heimat führte. „Gott segne Deinen Eingang im neuen Heim, Marianne," sagte er habet.
So trocken und gleichgültig schien bar Eo; enttäuscht zog sie sich in ihre Küche zurück. Zu ihrer Zeit war dies ganz anders gewesen.
Oder war dies vielleicht immer jo bei den feinen Leuten?
Und als sie nun gar, während sie bei Tisch servierte, horte, wie Joseph seiner jungen Gattin erzählte, welch' zerstreuende Gedanken seinen Geist während der heili- gen Zeremonie in der Kirche beschäftigten, mußte sie nur immer bedenklich ben Kopf schütteln.
Was war dies doch für ein sonderbarer Bräutigam! — Sie bekam ordentlich Sorge für das Glück der jungen Frau. Immer wstder trat sie an das Fenster und sah den schweren, dunklen Wolkenzügen nach. Der düstere, graue Himmel und die wirbelnden Flocken draußen gaben ihr immer wieder Trost. — Das war das richtige Hochzcit-wetterl
Ev vertrug sich gut mit ihrer neuen Herrin. Die liebende Fürsorge der alten Ev trug viel dazu bet, daß sich Marianne leichter, als sie es vermutet hatte, in bie neuen Verhältnisse schickte. Und sie waren oft allein
Ueberwachung von Jugendbiblivtheken durch Eltern« auSschüffe und namentlich über die Einrichtung von Borromäusbidlioiheken. Nach einer recht lebhaften AuStpracke wurden Frl. Reichert-Montabaur, Frl. Menges-Lberlahnstein, Kaplan Papst-Limburg und Generalsekretär Müller in einen Ausschuß gewählt, der die Giünbung einer Diözesanverbandes votbcreiteu soll.
Avsrm aus den Wsleru des Skaudesamks Ma*
Sterbefälle vom 17. Sept, bis 24. Sept. 1921.
16. Kornelius Simon, '/, Stunde. 17. Müllergeselle Franz Bötzner, 70 I. 6 M. 18. Maria Elisabeth Wie, gand, Langenschwarz, 27 I. 8 M. 18 T. 19. Landwirt Ferdinand Kohl, Ellers, 59 I. 8 M. 2 T. 20. Land- wirfs-Wifwe Marnarcfa Mihm, geb. Gerhard, au8 Rodholz. 67 I. 10 M. 23 T. 20. Arthur Hermann Gleis, Lehnerz, 6 M. 24 T. 21. Anna Koster, Langenbieber, 7 I. 5 M. 22. Bäckermeister Damian Reinhardt, 42 3. 7 SR. 7. T.
Neue vücher.
Für bie Verwaltung bes Pfarramts sind die Bestim. mungen des neuen kirchlichen Gesetzbuches über bie' Taufe, Firmung, das Meßopfer, die Diegiiipenbien, bie heilige Kommunion, bie letzte Oelung ufro. von aller- grätzter Wichtigkeit ES kann deshalb nur freudigst begrüßt werden, baß ber soeben erschienene 4 4. Jahr» gangbesTaschenkalenderSunbK' rch li ch-S ta» tistischen Jahrb uche s für ben katholischen Klerus Deutscher Zunge 1922 von Hochschulprofessor Dr. K. A. Geiger (PreiS fartoniert nur Mk. 6—, mit Porto unb Verpackung Mk. 7.—. VerlagSanskalj vorrn G. I. Manz in Regensburg) neben sonstigem reichem prnkiischen Material eine sehr eingehende Abhandlung über die Verwaltung ber heiligen Sakramente nach bem neuen kirchlichen Gesetzbuche bringt Da bet bekannte Kleruskalender in allen einschlägigen Fragen eine schnelle unb zuverlässige Orientierung gewährt, ist er für jeben Priester zum unentbehrlichen Taschenbuch geworben, das auch alljährlich von vielen kirchlichen Amtsblättern wärmstenS empfohlen wirb. Bei bet guten Ausstattung unb außerordentlichen Reichhaltigkeit ift ber Preis sehr mäßig.
Märkte.
fpd. Frankfurt a. m. Der Auftrieb zum letzten Viehmarkt zeigte 344 Ochsen, 162 Bullen, 1681 Färsen und Kühe, 456 Kälber, 281 Schafe unb 848 Schweine. Der Markt war anfänglich lebhaft, flaute aber spater ab. Es würben bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen: vollfleischige ausgemästete 800—900 Mk., nicht auSgemästcte 700— 800 Mk., mäßig genährte 650—700 Mk.; Bullen: vollfleischige aus. gewachsene 700—775 Mk., BcUfletfcbige jüngere 600— 700 Mk., mäßig genährte 500- 600 Mk.; Färsen unb Kühe: auSiemäitete Färsen 750 - 900 Mk., ausgemäst. Kühe 700—800 Mk., wenig gut entwickelte Färsen unb Kühe 250 — 750 Mk.; Kälber: feinste Mastiälbet 900—1000 Mk„ mittlere Mast- unb beste Saugkälber 800 - 900 Mk., geringere Kälber 6 >0—750 Mk.; Schafrt geringere Masthämmel und Schafe 450—550 Mk^ mäßig genährte Hammel und Schafe 350—425 Marks Sch weint: vollfleischige unter 80 Kg. 1200—1400 ML 80-100 Kg. 1450-1500 Bit., 100-150 Kg, 1500—165Q Mark. — Der Hauptmarkt ^ausgenommen f. Schweine) wird vom Montag ben 3. Oktober auf Mittwoch ben 5. Oktober verlegt.
mc Frankfurt a. HL 26. September. Der heutig, Fruchtmarkt war sehr ruhig, bie Preise, soweit st« überhaupt notiert wurden, bewegten sich tn ben Grenzen ber Vorwoche. Futtermittel wurden reger gehandelt Stroh und Heu sind gesucht. In Getreide liegt baS Geschäft still. Kartoffeln, bie jetzt in größeren Mengen angeboten werben, finden wohl Abnehmer, boch schrecken bie Preise noch immer vor giößercn Abschlüßen zurück Man rechnet mit einem Rück ang, boch rotvb au9 Hänblerkreisen diese Nachricht wieder dementiert. Jedenfalls wirb mein mit einem ZenlnerpreiS von etwa 50 ML für bie SBinterrinbedung rechnen muffen.
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Joseph Schmitt, Fulda
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Kleinverkauf: Marktstrasse 32. en
im neuen Hause, die beiden Frauen. Joseph war häufig verreist. Seine verschiedenen Aemfer und Mürben hielten ihn ost wochenlang in der Stabt. Er haft, es Marianne anfangs angeboten, ihn hie und da zu fre. gleiten. — Marianne aber hafte es vorgezogen, daheim zu bleiben. Sie fürchtete, ihm lästig zu fallen. Hielt er stch aber daheim auf, so war sie ängslllch für feine Bequemlichkeit beforgt und all' ihre eigenen Wünsch« traten dann in den Hintergrund. Ihr Herz jubelte, wenn sie dann sah, dah er sich in seinem Heim wohl fühlte. Und in letzter Zeit war es ihr oft vorgekommen, als hielte er sich lieber länger auch daheim auf.
Zu ihrem Schutze während feinet Abwesenheit hafte er einen großen, prächtigen Bernhardinerhund gekauft Das edle Tier war gar schnell Mariannens treuester Freund geworden. Er wich niemals von der Teste feiner Herrin. Auch heute wieder lag er Marianne zu Füßen, während sie träumend empor in den klaren, blauen Aether blidte. Hoch über ihr, dem Auge un. sichtbar, jubilierte eine Lerche; entzückt lauschte sie dem Frühlingsliede des kleinen Sängers. Die warmen, gol- denen Sonnenstrahlen, die weiche milde Luft, das tiefe, reine Blau hach über ihr; — wie Frühlingsahnen zog es durch ihr« Seele. — So sonnenlichf und traut et- schien Ihr heute das Zimmer; — sie fühlte, daß si« eine Heimat hafte. Grüßend sah sie von ihrem Platz am Fenster hinüber nach dem kleinen Dorffriedhof; ein dankerfüllter, langer Blick traf das große, schwarze Marmorkreuz, das stolz über die Heinen, armseligen Holzkreuzchen emporragte. Cs wurde ihr ganz weich um das Herz. — Sie mußte auch an bas ferne Grab her toten Eltern denken, die sie zwar kaum gekannt, doch deren Siebe sie immerbar fo schmerzlich entbehren sollte — Verwaist! — Sie hatte die Härte dieses Wortes stets gefühst; in ihrem Leben blieb die allerfchönfte Stelle leer. Diel Liebe war ihr das Leben schuldig geblieben. Jetzt ist es ihr manchmal, als fühlte bas Schicksal Reue, als wollte es gut machen, was es gegen sie gefehlt; als sollte die neue Heimat ihr ein wenig bie entbehrte Elternliebe ersetzen. — Und Mariann« fühlte dann die Bitterkeit schwinden, die oft ihr Herz erfüllte, wenn anderen fo hell und warm die Sonne schien und sie Im tiefen Schatten stehen mußte. Sie war dem Sd;id{al dankbar für jeden Semirnstrahs t<r sie streifte. —
Tortsetzung folgt.)