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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladt Aulda.

Nr. 223.

üetuntwonlid: tüt Den teouulontUen leti: Dr. I. Kramer, - für öit Ün.ietflen: 3. Parzen,r-guioa. = Rmarion»druä u. Verlag Öer Kulboer Actteudruckerei in Fulda, »erntprediet 9h. u. Teleat.-ilbreffe: Fuldaer Zeitung

Mittwoch, 28. September 1921.

Bezugspreis; ’i'tonatiicn 3.5J Ml. ohne Bestellgeld. Poft» u bezug 4,10 Mk. Abgeholt 3,75 Mi. 2

Anzeigen: U-otoneigelie 70 ptg.; tür mehrspaltig, Anzeigen Zulchläge. Äetlomezeil, (I«rihieltet 25J Ulk.

48. Zahrg.

BeidjstagsbeginiL

Am gestrigen Dienstag ist der Reichstag nach einer an Ereignissen überaus reichen Sommer­pause wieder zusammengetreten. Unser Berliner Vertreter berichtet uns darüber:

Don den Türmen des massigen Reichstagsbaues flattert die schwarz-rot-goldene Fahne der deutschen Republik. Sie kündet, daß im Wallothause die Bolksoertretung von neuem die Arbeit am Staate beginnt. In den Wandelgängen eilt man geschäftig hin und her. Hier eilen Freund und Gegner grü­ßend aneinander vorüber, dort ist eine Gruppe in lebhaftem Gedankenaustausch begriffen; die ver­gangenen politischen Ereignisse und die neue inner- politische Lage mit ihrer Aussicht auf die große breite Koalition der Mitte fordern zur Diskussion Heraus.

Zahlreich sind die Dolksboten erschienen; fast .vollzählig sind die Fraktionen versammelt, das Plenum bei Beginn der Sitzung fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Rur die ersten Bänke des Zentrums sind leer. Sie, die dort ihren ge­wohnten Sitz hatten, sind nicht mehr an die Stätte ,ihres Wirkens für Volk und Vaterland zurück- gekehrt. In den Tagen der Sommerruhe hat sie Der Tod hinweggerafft. Die Plätze von Trim- jborn, Burlage, Hitze und Erzberger sind blumenumkränzt. Violette Asternkränze winden sich um die Tische, umschlungen von dem schwarzen Band der Trauer.

Run beginnt die Sitzung. Präsident Lobe nimmt das Wort zu kurzer, ernster Ansprache, zum warmen Nachruf für die verstorbenen Mitglieder des Hauses. Lautlos und stehend nehmen die Mit­glieder des Reichstages die Worte des Präsidenten entgegen. Auch der verantwortliche Leiter der deutschen Republik ist zugegen: der Reichskanzler Dr. Wirth, von den Ministern der Arbeitsminister und Zentrumsabg. Dr. B r a u n s, der Innen­minister Dr. G r a d n a u e r.

Dem verstorbenen Franz Hitze gelten die ersten Worte des Nachrufs. Seit 1884 war dieser Zentrumsveteran Mitglied des Hauses. „In den Blättern, welche die Verhandlungen der deutschen Sozialpolitik verzeichnen, ist sein Name unvergäng­lich eingetragen und wird noch in ferne Zukunft hin in hohen Ehren in unserm Andenken bleiben", so ehrt Lobe das Andenken des Sozialpolitiker« aus den Reihen des Zentrums.

Der Präsident gedenkt weiter des verstorbenen Führers der Fraktion: Karl Trimborn, sowie des Reichsgerichtsrats D u r l a g e. Beide hoch­geehrt und geachtet, der eine geschätzt wegen des liebenswürdigen Zuges seiner nieversagenden Hei­terkeit und seines goldenen Humors, der andere als ein Vorbild politischer Pflichterfüllung, der verewigte Führer der Zentrumsfraktion, weil er In kritischen Situationen stets helfend eingriff und als Parteiführer stets in versöhnendem und aus­gleichendem Sinn gewirkt hat, Eduard Burlage, weil er als einer der Treuesten seiner stillen Arbeit nachging.

Lobe spricht über Erzberger, über den tücki­schen Meuchelmord, dem er zum Opfer fallen mußte. Der kaltblütige Ueberfall ausgeschickter Mordgesel- len hat ihn dahingerafft. Dor der Tat hat es Leute gegeben, die sie offen herbeiwünschten, nach der Tat solche, die fie billigten, rechtfertigten, ent­schuldigten. Im härtesten Kampfe hat Erzberger Oft gestanden, und manches Mal eine scharfe Klinge geführt, aber er hat auch gearbeitet im Dienste des Parlaments und des Landes wie nur wenige. Viel­leicht mag ihm dabei mancher Fehlgriff unterlaufen sein; aber wer die Verantwortung nicht in seine Hände nimmt, ist vor solchen Fehlgriffen frei. Die Geschichte möge ihm geben, was manche keiner Zeitgenoffen ihm versagt haben. Der Prä­sident teilt mit, daß er im Namen de« Reichstages am Grabe einen Kranz niedergelegt hat.

Ferner gedenkt Lobe des verstorbenen Reichs- tagsabgeorbneten Reißhaus, dessen eifrige Mit­arbeit an den gesetzgeberischen Maßnahmen für die Kriegsbeschädigten er rühmt. Lobe ist noch nicht zu Ende.

Der neuen großen Trauerbotschaft gedenkt er, -die das deutsche Land, da« deutsche Volk heimsuchte und erschütterte; er spricht über das furchtbare kxplosionsunglück in Oppau. In tiefer Trauer steht der Reichstag an der Bahre der Da- »ingerafften; er drückt den Hinterbliebenen fein Bei­teid aus und verspricht, an seinem Teile mitzuwir- . Jen, um das Elend zu lindern, wo es gelindert : werden kann.

। Sodann begrüßt der Präsident die fünf neu ein« : »etretenen Mitglieder des Hauses. Dom Zentrum 'tnb dies die Abgg. Korthaus, Esser, Ha­se m a n n und Eger.

. Dann tritt dar Haus in seine gewohnte Alltaqs- ; trbeit ein. Man wendet sich der Abwicklung der : vorliegenden Tagesordnung zu. 23 An fragen verdcn erledigt-, Dre vorliegenden Interpellationen hergt und Genossen über Getreideverschiebung, Stresemann und Genossen über Ausschreitungen tegenüber Angehörigen nicht sozialistischer Parteien, »gnes und Genossen über Durchkreuzung der Po- sitik des Reichskanzlers d-rch Beamte, Offiziere ifro. werden in der geschäftsordnungsmäßigen Stift ihre Erledigung finden.,

Die Beantwortung her Anfragen brachten keine Niueilunaen, die bilher nicht ickon bekannt netoeien vären. Die NeichShaushaltSrechnuug für 1919 qebt tn den Rechnungsmrsfchuk. DaS Lufiverkel)r??eletz hird einem Anschuß von 14 Mitaitedern über- diesen. DaS Ge kh über die Beipflichtung jur luShtnft über militär-fiskalische Gelder und zu

deren Herausgabe wird in erster und zweiter Lesung angenommen.

Da» HauS vertagte sich auf Mittwoch 2 Uhr: Schleuniger Antrag der Kommunisten aus Auf­hebung der Strafhaft des Abg. Thomas in Bayern, kleine Vorlagen, '-Umlage über die Teuerungszulage für Beamte und Staatsangestellte, soztaivemokratische Interpellation über das Explosionsunglück in Oppau.

Der Arbeitsplan des Reichstags.

Da die Stcuervorlagen nicht, wie man gehofft halte, vom Reichsrat so rechtzeitig »erabschiedet worden sind, daß sie- dem Reichstage bereits haben zugehen können, so hat in dem Arbeitsplan des Reichstags einigen- derung eintreten müssen. Heute wird die sozial- demokratisch: Interpellation über das Explosions- unglück in Oppau zur Verhandlung kommen. Es wird angenommen, daß die Aussprache nur diesen einen Tag beanspruchen wird. Der Donnerstag soll sitzungssrei bleiben, da an d».sem Tage der Auswärtige Ausschuß des Reichstags über den deutsch-amerikani­schen Friedens vertrag beraten soll. Dieser soll dann am Freitag in kurzer Aussprache erledigt werden.

Außerdem werden am Freitag und Samstag die deutschnationale und unabhängige Interpellation über die bekannte Verordnung de, Reichspräsi­denten, die aus Anlaß der Ermordung tes Abg. Erzberger erlassen wurde, besprochen werten. Diese beiden Interpellationen werden, w»: wir aus parla­mentarischen Kreisen hören, Anlaß bieten, über alle politischen Ereignisse der letzten Zeit eine Aussprache stattfinden zu (affen, sodaß am Freitag und Samstag eine große politische Debatte im Reichs- tag zu ermatten ist. Es wird bamit gerechnet, daß bfe Aussprache am Samstag zu Ende geführt wird.

Zur Interpellation über Oppau wird vom Zentrum der Abg. Hofmann-Ludwigshafen sprechen. Zu den beiden anderen Interpellationen wird der Abg. Marx für das Zentrum das Wort nehmen.

Mit bem Samstag sind bann vorläufig die Arbeiten des Reichstages abgeschlossen. Es soll dann eine Pause eintreten und zwar voraussichtlich bis zum Beginn der dritten Oktoberwoche. Es wird erwartet, daß bis dahin die Steuervorlagen dem Reichstage zug,:hen werden. Diese sollen dann vom Plenum des Reichstages bis Ende Oktober durchbera- ten imb an die Ausschüsse verwiesen werden. Um dann diesen letzteren Gelegenheit zur Arbeit zu geben, wird sich der Reichstag voraussichtlich auf 5 Wochen »et- tagen.

Dcr Aeltestenausschuß des Reichstages hat kn Aus- sicht genommen, daß zukünftig alle 14 Tage der Sams­tag und Montag sitzungsfrei bleiben soll, um ten Mitgliedern des Reichstage« Gelegenheit zu geben, persönliche Angelegenheiten in brr Hsimat zu erledigen. Außerdem ist beabsichtigt, einen Wochentag in ftder Woche sitzungsfrei zu lassen, um bat Fraktionen die so notwendige Zeit für Fralktionssitzungen zu geben.

Gesetzesvorlagen.

Der Reichstag hat von der Frübjahrktagung her noch das JugendwohlfahrtSge setz, b'aS Luft- verkehrSgesetz und daS vielumstrittcne Reich »- schulgesetz, sowie eine Reihe kleinerer Vorlagen zu erledigen.

Dazu werden dem Reichstag in den nächsten Wochen noch verschiedene neue Gesetzentwürfe zu­gehen, von denen die wichtigsten die neuen ©teuer* Vorlagen sind. Das Ministerium bei Innern wi'd mit einer Reihe von hygienischen Gesetzent­würfen aufwarten, so mit einer Vorlage zur Be­kämpfung der Geschlechislrankheiten, einer anderen zur Bekämpfung de» Alkoholmißbrauch» und einer dritten zur Bekämpfung der Tuberkulose. Ein fernerer Gesetzentwurf de» Tlinifteiium» de» Innern steht die Errichtung einer Reichskriminalpolizei vor. Eins der wichtigsten Gesetze ist der Entwurf zur Erledigung de» Art. 18 der Verfassung. Gleichfall» au» dem Ministerium des Innern stammt ein Gesetz über da» Reichsverwaltungsgericht als höchster Nevifion«gericht»hof de» Reichs in Verwaltung-streitigkeiten und ein Entwurf über da» Disziplinarstrafrecht für Beamte.

Da» RetchSarbeitkministerium bringt eine Reihe neuer Gesetzentwürfe über Arbeitszeit, Arbeitskämpfe und Berrufserklärungen und übet die Rechtsfähig­keit der Beruftvereine. Das Reichrjustizminlsterium wartet mit Entwürfen zur Reichsjustizreform, zur Reform der kleineren Freiheitsstrafen und zur Milderung der Zahlung von Geldstrafen auf. Da» Auswärtige Amt legt ein Weißbuch über daS Saarrevier vor.

Marx — Trimborns Nachfolger.

Die Zenlrumsfraklion des Reichstages trat am Dienstag erstmalig wieder zusammen. Die Fraktion war nahezu vollzählig versamm.lt. 2kr stell- uertre-tenbe Vorsitzende, der Abg. Becker, eröffnete die Sitzung mit einem warm empfundenen Nachruf auf die verstorbenen Führer und Mitglieder der Frak­tion: die Abgg. Hitze, Trimborn, Burlage und E r z b e r g e r. Die Fraftion ehrte das Andenken der ihr durch tim Tob in so rascher Reihenfolge ent­rissenen Mitglieder in der üblichen Weise.

Der stellvertretende Vorsitzende, der Abg. S:t6?r begrüßte sodann die anstelle der verstorbenen Mitglie­der nm eingetretenen Abgg. Korthaus, Esser, Hage- mann und Enger. Am Samstag wird in der H.dwigs- kirche in Berlin eine kirchliche Irauerfekr und am Sonntag im Sitzungrsaale tes R-ichstages eine wclt- lichr Feier für die v"-ftorbe"en Mitglieder der Zen- trumsfraftion fh'tffoirn. Es sind Einladungen er­gangen an (amtl.^e Aktionen der Einzellandtage, an hie Vorsitzenden der Reickrstagsfrckt'o" -rn die Spitzen

der Behörden und an die Berliner Korporationen und Organisationen, die durch Fahnendeputationen cerlre- kn sein werden.

Dann schritt die Fraktion zur Wahl des ersten Dorsitzenden sowie des brüten Vorsitzenden, welche b.ibe Süllen ja bekanntlich durch den Tod bet Abgg. Trimborn und Burlage verwaist sind. Mit übergroßer Mehrheit wurde der Abg. Marx zum 1. Vorsitzenden und ter Abg. von Guerard zum 3. Vorsitzenden gewählt. Der zweite Vorsitzende der Fraktion bleibt wie bisher der Abg. Becker-Arnsberg.

Die Einigung zwischen Reich und vayecn.

Dem Derfasiungsausschuß bt» bayerischen Land­tages wurden die am 24. September in Berlin zwischen dem Reichskanzler und Reichsminister des Innern und dem bayerischen Ministerpräsidenten und bayerischen Minister d:s St-mern getroffenen Vereinbarungen be» fannta'reben. Danach sind

1. Sie Verordnungen des ReichsprSfi- deuten vom 29. und 30 August zurückzuneh. men und durch eine bis spätestens 29. September zu erlassene Verordnung zu ersetzen. Ferner soll

2. die bayerische ©taatsregierung die Verord­nung über den Ausnahmezustand spätestens am 6. Oktober mit Wirkung vom 15. Oktober außer Kraft setzen,

3. ist die Zustimmung des bayerischen Gesamt. Ministerium, und bei Derfassungsausschuffes des baye- rischen Landtages zu dem vereinbarten Entwurf der neuen Neichsoerordnung unter Aufhebung des Aus­nahmezustandes in Bayern dem Reichskanzler recht­zeitig zum 2. Oktober mitzuteilen,

4. wird festgestellt daß zwischen der Reichsreqierung und der bayerischen Staatsregierung Uebereinkommen darüber besieht, daß die Landesregierungen nach wie vor berechtigt sind, bei Gefahr im Der- zuge auch weiterhin einstweilige Maßnahmen zu treffen, die über den Inhalt der neuen Verordnung hinausgehen und denen gegenüber die Reichsregierung eine loyale Haltung einnehmen wird.

5. wird festgestellt, daß die bayerischen Volks­gerichte mit den aus Artikel 4 Absatz 4 der Reichsvcr- sassung gestützten bayerischen Ausnahmezustand nicht im Zusammenhang stehen und daher bunt) diese Berard, nung nicht berührt werden.

Das Gesamtmtnisterium hat bett Verein­barungen am 27. September zugrstimmr. Aus den octeinbatten Abänderungen bet Verordnung des Reichspräsidenten ist hervotUcheben, daß für Der» bote und Beschlagnahmungen btt Landes- zentraldchörden zuständig sind. Der Reichsminister des Innern kann die Landessentralbehörden um den Aue- spruchs eines Verbots oder einer Beschlagnahmung er- sucht». Glaubt die Landeszentralbehörde, einem sol­chen Ersuchen nicht entsprechen zu können, so teilt sie dd.'s fpätefkns am 2. Tag nach dem Empfang des Er­suchens dem Reichsminister des Innern mit und ruft gleichzeitig Me Entscheidung eines vorgesehenen Aus- schusies des Reichsraits an. Abg. Dr. W o h l g e • muth (Bayerische Dolkspartei), ter Vorsitzende des Derfassungsausschuffes, begründe!,: einen Antrag, wo­nach ter Ausschuß der Vollversammlung empfehlen soll, gegen die von dcr bayerischen Staatsregkrimg getrof­fene Vereinbarung Mnt Erinnerung zu erheben. Was jedoch, den Zeitpunkt der Aufhebung des bestehenden bayerischen Ausnahmezustandes anlange, so bleibt es dem pfllchtrnäßigen Ermessen der baye- rischen Staatsregierung überlassen, zu be­urteilen, wenn sie den Zeitpunkt für gegeben erachtet. Dieser Antrag wurde unter Ablehnung eines Antrages der USP. aus s o s o r t i g e Aushebung des Ausnahme­zustandes angenommen.

Die „7 Parteien“ der vereinigten Kommunisten.

An den gestern gemeldeten Austritt der Herren Adolf Hoffmann und Ernst Däumig au8 der „Bereinigten Ko nmunrstichen Partei Deutschland»" knüpft die .Freiheit' eine Glosse, nach der die kom­munistischen Reichstagtabgeordneten jetzt in .sieben Parteien" zerfalle.

DaS unabhängige Organ gibt folgende Znfam- menfteüuna: 1. die Moskauer: a) d e Unent­wegten : Remmele, Fiöhlich. b) die Abgesagten: Siöcker, Höllein, Söhnen. 2. Die Leviten: Levi, Malzahn. 3. Die RanSgeworfenen: Reich, Düwel, Geyer j»n. 4. Die Ausgetretenen: H. Teuber, Marie Wackwitz. 5. Die Untergebne! ten: Zeikm, Plettner, Eckardt, Braß, Bartz, Heidemann. 6. Die schwankenden Gestalten: Dr. Hetzfeld, Geyer fen., Bärthele, Eichhorn, Thoma», Frte». 7. Die Wildgeworbenen: Ernst Dönrnig, Adolf Hoffmann.

Bosha t bemerkt die „Freiheit" tfann weiter, daß sie neue Veränderungen in dem Bestand der Korn- munistiichen Fraktion laufend registrieren würde.

Hoffmann und Däumig haken übrigen» nach einer neueren Meldung ihre (Betreuen nach sich ge­zogen. Noch weitere 8 komwunistifche Abgeordnete haben sich dem Exodus der bei. en anderen enge» schlossen. Man darf ge'pannt fein, wo dieses Häuf­lein Fahnenflüchtiger b e den wird. Wahrscheinlich wird man da» deutsche Prrteileben um eine neue Partei bereichern. Die .Part. Pol. Nachr/ nnssen id on zu berichten, daß sich Levi, Maltzahn, Reich Düwell, Geyer jun., Marie Wackwitz, Ernst Tättrnig und Adolf Hoffmann im Reichstag zu einer eine« neu Gruppe, der Ko nmunistischen Arbeitsge- mein schäft,» zusammenaelchloffen. Diese FraktionS btldung dürste der Beginn einer neuen Kourmu- nistenparte' fein, die sich von Moskau unab­hängig hallen w ll.

Aus dem besetzten Gebiet.

= (Ein lr nHfiicher Stab'on in Wiesbaden Auf dem früheren Exerzieip.atz an der Lchicritetnerstroße, der von der Stadtoerwaltun, Wiesbaden zum T tl zu Schrebergarten jreigegeben war, errrchicte die fran­

zösische Verwaltung ein Stadion. Tort fand Kit— September etne achttägige ..iranzösiiche Sportwoche* statt. Das Stadion ist zum Gebrauche der Besatzung», truppen und der französisch-bet nschen Kolonie benimmt

— Wegen unkorrekten Grußes eines französ. Offi­ziers wurde ein Düsseldorfer Einwohner mit 500» Mark bestraft. Ferner wurde ein fiert mit 10 000 Mk. Geldstrafe belegt, weil er bei einer Festlichkeit in feiner Wohnung ein fiochzeitslied aus die Melodie eines vaterländischen Liedes hatte singen lasten.

Akademiker und Arbeiter.

vertrelerlag bes Reichsausschusses bet akademischen Berufsstände.

Der Reichsousschuß der akademischen Berufsstände hielt dieser Tage im Abgeordmtenhause in Berlin eine Der-f tretewersammlung ab, zu der neben den Reichs» und Staatsbehörden noch Vertreter der Gewerkschaften und ber Preise geladen waren. Don den beiden fiauptpirnhen der Tagesordnung: „Probleme der Etandesfragen' (Referent Dr. Pmternei!, M. d. L.) und „Die Aufgaben der Aka­demiker im sozialen Dolksstaat" (Referent Dr. Sonnen­schein) interessierte die breite Oeffentlichkeit das letzte Re­ferat noch mehr als das erste. Denn es hat keinen Zweck zu leugnen, daß viele Arbeilerkreife — ob mit Recht oder Unrecht, fei zunächst dahingestellt — den Akademikern und besonders den akademisch vorgebildeten Beamte» r.nß- tramsch und ablehnend gegenüberstehen.

Dr. Karl Sonnenschein, wie stets glänzend in Sprache und Diklion, gab ein ausgezeichnetes Referat über die Ursachen, die nach seiner Meinung diesem Degensatz zugrunde liegen, wie es sich beispielsweise dar stellt in der falschen Erziehung, im fierrenftanbpuntt und im verkehr­ten Auftreten seitens der hingen Akademiker den Arbc ter» gegenüber. Er sprach über die Art und Weise, wie in dem neuen Staat die unbedingt notwendige Annähernng dieser beiden Deoölkerungsschichten zustande gebracht wer­den kann. Als solche Mittel und Wege bezeichnete Dr. Sonnenschein u. a. sehr richtig bas Ablegen jeglicher Vor­urteile seitens der Akademiker und nach der positiven Seite hin die Notwendigkeit der Arbeit am Dolle von fetten der Studentenschast.

Es war überaus reizvoll zu hören, wie ber kluge Menschenkenner sich die Durchführung dieses letzten Mittels denkt, wie er namentlich wünscht, daß das Volk selbst mehr über Wesen und Bedeutung der Hochschule« und der Bil­dung auf den Universitäten und Technischen Hochschulen aufgeklärt werden möchte, bamit es auch seinerseits bat Weg zum Verständnis bes Studenten finden kann. Es würde zu weit fuhren, alle die ausgezeichneten Gedanke« bis ins Einzelne zu skizzieren, es würde aber für die dringend notwendige Verständigung vom geistigen Arbeit« zum fianbarbeiler wesentlich beitragen, wenn diese @e- dankengiinge, die Gemeingut aller Akademiker werden müssen, in entern besonderen Büchlein vam Redner zusam­mengestellt werden könnten. Es muß hervorgehoben wer­den, daß die Rebe eine befreiende Tat war, da sich schon bei der Diskusiion über den ersten Punkt der Tagesord­nung: »Probleme der Srandesfragm der Mtabeeniter* recht rückständige Anschauungen vernehme« ließen, die z. B. in den Gewerkschaften aller Richtungen mehr ober weniger den Feind ber Akademiker betrachten wollten. Hierzu sprach ber Landgerichtsdirektor Schirn- mack manch gutes Wort, indem er geradezu betonte, daß Gewerkschaften und Studentenschaft niemals Gegner sein dürften.

Rach Dr. Sonnenschein befeudjtete Pfarrer Dr. Holstein dasselbe Thema als Korreferent, indem er seinerseits ebenfalls htrvorhob, daß nur durch werktätige Arbeit am ganzen Volke, deren Urgrund die Liebe zum Volk.' sein müsse, die vorhandenetr Ggensätze gemildert werden könnten. Der zweite Korreferent, Senatsprä-. fibent Dr. Paehler, wies daraus hin, daß bte, Gründe, die namentlich in der Diskussion über das erste Referat für das Mißtrauen der Arbeiterschaft gegenüber den akademisch gebildeten Beamten ange­führt worden seien, doch nicht den Kern ter Sache tref­fen. Seiner Ansicht nach wurzele das jetzige Miß­trauen der Arbeit': rbeoölkerung gegen die höheren Be­amten in dem Glauben, daß die höheren Lernten die. jetzige Verfassung nicht als voll a net­te n ne n und die früheren Zeiten mit ihrem Polizei-, geist und ihrer Rückständigkeit auf vielen Gebieten zu» rücksehnten. Selbst ein Mann wie Admiral Scheers habe erklärt, „es sei ganz gleichgültig, wie wir zu der Form der Verfassung in Deutschland stünden, mit ihrs müsse jetzt gearbeitet werden und sie müsse unparteiisch! Dom ganzen Volk verteidigt werden." Er mies weiter darauf hin, daß die volkspatleiliche Abgeordnete Fratr von O h e i m b gesagt habe: „Es sei Aufgabe des deut­schen Reiches, den Beweis zu führen, daß auch bei fei­ner neuen Staatssorm gesunde Verhältnisse möglich sind und die Freiheit des Individuums müsse zurücklre- ten gegenüber seinen Pflichten für den Staat." Eo fci also wahrhaft nationale Arbeit, w.nn die höheren Beamten jetzt der Republik mit der gleichen Hingabe dienten, wie früher dem Königtum. Ein solches Der- halten würde ein großes Mvß von Mißtrauen bei der Arbeiterschast ausräunrn, wenn diese sähcn, daß die Beamten, wenn auch mancher unter Darbringung von Opfern seiner Ueberzeugung, das Wohl bes Volkes höher stell en, als die Slaatsform.

Sn derselben Richtung gingen auch die Ausführ», gen eines Diskussionsredners, des Kammergerichtsrats Wolff, der mit Ächt erklärte, daß man sich auch in den Gedankengang der Arbeiter Hineinoersetzen müsse. Alles in allem hat diese Tagung der deu-schen Akadimiker doch gezeigt, daß auch moderne Auffassungen sich in den Kreisen bet höhevm Beamten Dahn zu brechen beginnen.

veutscher Reich.

* Bersin, 28 Srpt. Der preußische Staats­rat ist vom Präsidenten aus den 11. Oktober etnbe- nren worbttr. — Der Ministerialdirektor im Aus- wärtigtn Amt. Dr Eoppert, ist zum deutschen ®efar-b- b-n tn Helsingsors ernannt worden. Der bish-riM deutsche Vertreter in Finiand, Herr Wallrüth, soll die Gesandtschaft in Riga übernhiae«. —- Staatsmini»