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Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.

Nr. 222.

Scrantruortiid; >ür den ceoauionellen Tri! t. D.: A. Weßter, 2 für bte Änjeigrn: 5. ^atieiler-guioa. = Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer ilctiendruckerei iw Fulda, ^emipied!« 5h. U. Teitgr.«$br«[fe: Fuldaer Zeitung

Dienstag, 2.7. September 192t.

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48. Zahrg,

parlamentsbeginn.

Am Mittwoch wird im wieder zusammemredenden Reichstag dir in-rerpoliUsche Aussprache brginnru. Nämlich tm Anschluß an den deutschnationalen Antrag auf Aufhxbung der Notverordnung. Damit jsoll zugleich di« Interpellation Shesemonn über di» Geroaltlätrgkeircn gwn national« BrrcmstatkmzM und die Interpellation Agnes über Offiziersoerschwö­rungen erledigt werden.

Natürlich wird der Reichskanzler Dr. Wirth da- bei das Wort ergräjim, und man braucht kein Prophet zu sein, um eintgroße" Rede anzukündigen. Das bedingt schon die Fülle des Stoffes, der sich seit der Ermordung Erzdrrgers an^fammdt hat, und ferner die eigenartige Zuspitzung der bisherigen Erörterungen auf die Frage:Für oder gegen Dr. Wirth?"

Der Reichstag hat die Macht, die Verordnung des Reichspräsidenten wieder a-rfzrchebrn. Daß sich sine Mehrheit für die Aufhebung ergaben könnte, ist voll­ständig ausgeschlossen. Di« Verordnung wird in der InbcMtigen Gestaltung, die mit den Bayern vereinbart wird, bestehen bleiben. Ebenso wird sich keine Mehr- ,freit finden, die Herren Dr. Wirch rttoas ausdrückt, was wie ein Mißtrauensvotum gebeutet werden formte. 5m Gegenteil: er darf die kräftigste Unterstützung von den Parteien der bisherigen Koalition (Sozialde- mokratie, Zentrum und Demokraten) rrwartm. Das noch der Klärung bedarf, ist einerseits die Stellung­nahme der bayerischen Dolkspartei nach dem devorst-e- frenden Ausgleich, und andererseits di« Hahung der Deutschen Volkspartei gegerrübn: dem Ge­danken einer erweiterten Koalition. Wenn die Reden Strefemann» dos letzt« Wort roänm, Los die Deutsche Dolkspartei sprechen wolle, so könnte man fren Koalitionsgedanken schon als gescheibrrt betrachten. Denn Strefemann stellt di« nicht gerade bescheidene Dotierung, daß die alten RsgierungsparteLm auf Dik­tat der neu hinzutretenden Deutschen Dolkspartei den bisherigen Kanzler trotz aller f.intr Verdienfbe in die Wüite schicken sollten. Das wird nicht gcschehm, und die Deutsche Volkspartei wird entweder auf d« Kmrzür- ftürzerc! oder auf ihren Eintritt in di« Koalition "ver­zichten müssen.

Wir wünschen ehrlich, daß die besonnenen Elemente in Lieser Parkt bfe Oberhand behalten und den An­schluß an das Kabinett Wirlfr suchen und finden. Die­ses Klärungsverfahren braucht ja nicht überstürzt zu werden. Man kann die Sache einleiten in Preu­ßen, indem über den Eintritt dar D -ulschen Volks- partet in bk Landtagskoalition und in die preußische Staatsregienmg verhandelt wird. Falls dort der An­schluß gelingt, wirb die Einigung tm Reiche erheblich erS ichlnrt werden. Die Doraussetzmtg ist svetttc^, daß bei der bevorstchenden Debatte im Reichstage die Wortführer der Deutschen Vocksportei sich keine per­sönlichen oder sachlichen Ausfälle geftatien, die bei ben alten Koalition»Parteien Mißtrauen und Abnei­gung erwecken würden. Es muß die Abwendung von der konservativen Katastrophenpofittk und die Bereit­schaft zum brüderlichen Zchommsnarbeiton erkmntlich werden. Was mir erstochen müssen, ist die Festig- keil und Stetigkeit der Reichspvlilik. Gercckr das Gegenteil, Schwäche und neue Krisen, würden sich ergeben, wenn ein Genoss« in die Werkstatt aufgmom- mm würde, der im Sinne der letzten Reden Strese- marms dort sich aufspielen wollte.

Die bevorstehende Debatte wird alsnmerpolitische" Aussprache bezeichnet. Das entspricht den vorlieaen- den Anträgen und Arrfra^n. Doch werden dir Ber- chanLstrngen für die auswärtige Politik von we- stntlichem Einfluß fein. Schon deshalb, weil gerade di« Persönlichkeit von Dr. Wirch, die im Brennpunkt der Debatte stützt, für die Stimmung und für das Verhal­ten des Auslandes eine ganz außerordentliche Bedeu­tung erlangt Hai. Herr Strefemann und feine engeren

Der Sämsebud.

fränkischer Dorfroman eon Sina Ernstbeiger.

52' ----------

Sie hatten sich zum Abschiede die Hände gereicht: Marianne zog sich auf ihr Zimmer zurück. Sie sah Jo- seph erst wieder, als der Wagen vor dem Hause hielt, der ihn abholen sollte.

Wie im Traume verbrachte Marianne die nächsten Sage. Ev schüttelte bedenklich ihr altes Haupt, wenn sie ihr so zerstreute Antworten gab. Und wie blaß sie oussah! Kein Wunder auch so große Mühe sich Ev mit ihrer Kochkunst gab, die Speisen wurden von Ma- rianne kaum berührt. Und Eo konnte sich gar nichts Kränkenderes denken, als wenn die Platten mit den Speisen noch so voll und wenig berührt wieder in die Küche zurückwanderten.

Wie sich Marianne diesen Trauerfall gar so sehr zu Herzen nehmen konnte! Die jungen Leute heutzutage .haben halt noch nicht, durchgemacht, darum bringt sie schon ein kleiner Echicksalsschlag ganz durcheinander. Da sollte Marianne einmal si, erzählen hören.

Fräulein Marianne so tut's fei Gut net «eiter, wenn Eie net mehr esse," sagte sie einmal in ganz energischem Tone, als sie die vielen Reste in ihrem Speiseschrank revidierte.Bon Ihr' bißle Esten kann kein Spatz net leb'n. Wenn Sie so fort moch'n, kom. inens bald auch 'naus im Kirchhof, schaun's nur, wie Sie seit a paar Tag aus'chau'n."

Lächelnd versprach Marianne Besterung. Als sie bald nachher auf ihrem Zimmer in den Spiegel sah, mußte sie Ev Recht geben. Sie erschrak, wie alt und ab­gehärmt ihr Gesicht geworden «ar.

Warum nur nahm sie auch alles s» ernst und schwer? Würde nicht jedes andere Mädchen jubelnd ihr Jawort zu einer so glänzenden Heirat gegeben haben? Und i sie, die hier iu wählen hatte zwischen Fremde und i eigenem schonen Heim, konnte so schwer zu einem Ent- \ schlusse kommen. Aufseufzend setzte sie sich an den Tisch, ! auf welchem schon seit zwei Tagen Briefpapier und J linte bereit lagen, um eine Antwort an Joseph a&ju« j

Gesinnung-gsnoflsn mögen sich darüber ärgern, aber fit können die Tatsachen nicht leugnen. ...

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Die Wiederaufnahme der Reichsiagarbeik frei be­reits damit eingefttzt, daß die Parteien Haler sich zusammengetreten sirrd. Am Mo-ttog vor» mittag tagten im Reichstage dir Fraktionen bir ASPD., Kommunisten und der Demokraten, und am sihschmittag die Fraktion der D:utschmationatan. Am: Dienstag treten das Zentrum und dir Deutsche Pslktspartei zu- sammsn.

Die porlamenlarifchen Führer beim Reichetzkanzler.

Am Montag vormittag 10 Uhr fand zsr'jchm dem Reichskanzler Dr. Wirch und den Führern 'der Koa- litionsparteien eine Besprechung statt. In tiefer er­stattete der Wiederaufbamnimster Dr. Rathenau über seine Derhandlunpen mit dem französisstsM Mini­ster für die befreiten Gebiete, Lomheur, Beacht. Auch die Führer der Dppofitionsparteien wxÄ-den vom Reichskanzler am Montag empfangen. Die ^Besprechun­gen waren vertraulicher Nattrr. GrgenstanL» der Aus­sprache waren vornehmlich bte bevorstehenden A r - veilen be» Reichstages; es handelt« sich ins­besondere um die Frage, in welcher Reihenfolge die einzelnen Gesetzesvorlagen zur ErlrdiMMg-rächt werden sollen. Wie verlautet, sind die BespreäMigen auch am Montag nachmittag fortgesetzt xrorben. Die Führer der Koaiittonsparteien bespräche» die.allge­meine politische Lag«, wie es vor Zusammentritt des Reichstages üblich ist, daß dabei auch -rrnverbindiich ein Meinungsaustausch über biß 83 e r fr re i t e r u ng der bisherigen Regierungskoalihkon stattge- fundm hat, darf matt wohl aimehmen.

Wie das® e r (i n e r T a g e b I a tf ' wissen will, wird die Frag« der Hmbilbung im aHgefminm in bet OeffsrMchkcit mit zu großer Hast beurteilt, sodaß manche Meldungen den Tatsachen weist voraus,,'ilen. Die gegenwärtig noch inoffiziellen Besprechungen zwi­schen den Partei«, beschäfligdm sich leijigütfr wfi der prinzipiellen Frage des Zusannn«nge^«ns mit der Deutschen Volkspartei. Es sei zu erwarten, daß dtese Besprechungen in Kürze zu einer Einigung führen würden. Die Frage, unter welchm Sirbingungen die Parteien Zusammenarbeiten könnten uylt würden, fei bisher ebenso wenig geklärt, wie bte Personenfrage. Nach Ansicht parlamentarischer Kreise frei kaum zu er­warten, daß die Frag« der RegterrrnAr-umbildung vor der ersten Hälfte des Oktober gelöst tetiten würde.

lieber den «ventmlten Eintritt der Deutschen Volks­partei in bte Regierung erfährt brr "Berliner Lokalanzeiger": Die Deutsche Dolkspartei ha! in Heidelberg ihre prinzipielle DereittoWgkeit zu einer Koalition aus breiter Basis erklärt. Ein Ausschuß von mehreren Mitgliedern ist eingesetzt wprd-en, um die Dorau-s'tzungeir zu prüfen, unter beiw eine Mitwir- hmg der Deutschen Dolkspartei bei Der Regierungs­bildung möglich wäre." Wie weiter verlautet, sollen dl« Forderungen der Deutschen Dolksprmei wenfaer In Personal- oder Rcssortforderungen, als in der Forde­rung der Aufftellung eines sachlicher frSrograrmrs zur Lösung der aktuellen Freien namenüsich auf flnanzict- lern Gebiete bcstchen. In Kressen der Deutschen Bolts. Partei halte man bte swanzielte Lag* d:s Reiches für außerordentlich ernst. Eine Mitarbesit käme nur dann in Frage, wenn energische Mittel «stcuvandt würden, um das Elend der Reichsflnanzen M beseitigen.

Bayern «n- das Nsich.

Die Münchner Presse verdeutlicht die Mel­dungen über bas von bem netten bayerischen Mi­nisterpräsidenten Grafen Lerchelifeld in Berlin er­zielte Kompromiß bisher ipfrne Kommentar. Das Organ der Bayerischen Boltfjjjartei, derBay­rische Kurier", erklärt, die bischer vorliegenden Nachrichten seien zum Teil widerspruchsvoll, zum Teil unvollständig und unklar; eine Würdigung

fenben. Sie stützte ihr Haupt ry die Hand eine Tsiäire saugte das dichte Gewebe der leuchtend roten Plüschllschdecke auf. Warum weinte sie nur? schmerzte es denn so sehr, ungeliebt zu fette? Mußte sie nicht stoh und dankbar sein, wenn man ihr eine Heimat bot was forderte sie auch von Liebes

Sie war einmal Augenzeuge bei der Verlobung einer Freundin gewesen, auch Lores Verlobung hatte sie mit angesehen: wie doch ganz anders war dies ge. wesen wie jetzt bei ihr! So kakt und nüchtern hatten seine Worte geklungen, als er st- fragte:Wollen Sie meinem Hause Herrin fein?* fjätlfe er wohl zu Lore auch so gesprochen, hätte er da auch gesagt:die Jahre toller Schwärmereien liegen hinter mir. vielleicht auch habe ich sie nie gekannt?"

Corel Was würde sie wohg sagen wenn sie es wüßte! 2hr flogen von jeher <tHy Herzen zu und doch hat Lorcs Herz die wahre, «cht« Liebe nie gekannt Ihr lag von je die Treue fern. Durch eine ganze bangt Jugendzeit hat sie's gefühlt,. mie ihr überall Lore vorgezvgen wurde; oft hatte ihr« junge Sei, deshalb Bitterkeit erfüllt, daß sie grolZenfr an das Schicksal die Frage stellte: Warum ihr aste» und mir nichts? 6ie möchte auch heute wieder dies,- Frage an das Schicksal stellen. Was hilft ihr Reichtum Glanz, Besitz, wenn ihr die Liebe fehlt? Was ist beten Heimatort ohne Liebe? Das ifts ja, was die Heimat uns so teuer macht, daß es dort Menschen gibt, die unfantt in Liebe denken. Man bot ihr Freundschaft ein dürftiger B:helf, wenn sich das Herz nach Liebe sehnt. Und doch gilt treue Freundschaft eines edlen Mannes denn so wenig, daß sie, die Heimatlose, Sterne, sich besinnt, das große Siner- bieten anzunehmen bloß, wett ihr Herz so ungestüm nach Liebe schreit, die man ihr- verweigert. Liebt sie ihn denn so sehr? Wie kam dies nur? Seit wann? Ihr Herz war sonst so ruhig und anspruchslos, was s fachte plötzlich diese unglückstHge Liebe an? Hat sie wohl länger schon tief, tief 'yn Herzen ihr selbst unbewußt, geschlummert unfii erst der letzte W Ile jener Toten rief sie wach? Ob sie die Ruhe findet, die sie sticht, wenn sie fort geht wn hier, weit in die j Frempe?! Hier darf sie für jhn sorgen, stets in seiner 1

der Abmachungen könne bafrer erst erfolgen, wenn authentische Berichte über ben Inhalt be» neuen Kompromisses vorlägen.

Amtlich wirb aus München mitgeteilt: Das Er­gebnis der zwischen der bayerischen Staatsregie­rung und ber Reichsregierung gepflogenen Ver­handlungen über den Erlaß der Reichsregierung vom 29. August und über die Aufhebung des Aus­nahmezustandes in Bayern wird am Dienstag Nachmittag der Gegenstand von Beratungen im Versassungsausschuß des Landtags fein. Um der verfassungsmäßigen Entscheidung des Landtages nicht vorzugreifen, wurde bisher von der Veröffent­lichung des Wortlautes der Abmachungen Abstand genommen. Bedauerlicherweise wurde, da durch eine Indiskretion eine unrichtige Veröffentlichung der Abmachungen erfolgte, ber Eindruck erweckt, als ob nach den jetzt getroffenen Vereinbarungen ber Reichsminister des Innern selbständig Verfügun­gen erlassen könne und baß ben Landesbehörden das Recht der Beschwerde an den Reichsratsaus­schuß zustehe. Dar ist falsch. Es wurde im Gegen­teil tatsächlich vereinbart, daß die Landeszen­tralbehörde allein das Recht zum Er­laß von Verboten hat. Dem Reichsminister des Innern ist lediglich das Recht eingeräumt, an bte Lanbeszentralbehörde das Ersuchen um Erlaß von Verboten und Beschlagnahmen zu richten. Wenn die Landeszentralbehörde glaubt, einem sol­chen Ersuchen nicht Folge leisten zu können, so tritt eine schiedsrichterliche Entscheidung der föderativen Instanz, des Reichsratsausschusses ein.

AmUnÄampshetze -es sächsischen Uultnsminifters.

Ü5rr Dresden hielt am 26. Stieg, ber sächsische Kultus­minister Fleisner, der bekanntlich der USPD, an­gehört, einen Vortrag über das Thema:Brotwucher und Steuervorlagen." Herr Fieisnrr hat sich aber kn feinem Vorträge mit biefem fniretn eigentlichen Thema nur recht wenig befaßt, dafür aber des langen breiten eine andere Fra^ in den Vordergrund sti- ner Ausführungen gestellt und ihr eine Behandlung angodeihm lassen, die als Haße zum Klaf­fe n k a m p f ltezeichnet werden farm. Denn Herr Finstrer hielt es «fit ber Würde des sächsischen Kul- tusmimsb rr für vereinbar, seinen Zuhörern mit allen Mitteln ber Rhetorik die Notwendigkeit des Klassen- kampsos zu beweisen. Er forderte bte Arbeiterschaft auf, sich bereit zu halten, auf der ganzen Linie den Kampf geschlossen gegen da» Bürgertum auf- zunchmen. Die Vorbrreitmigen zu btepm Kampf müß­ten sofort getrosten werben, ba der Klassenkampf j:yt notwendiger fei als wie zuvor. An einen Kompromiß mit km Bürgertum fei überhaupt nicht zu denken und alle Erntohnmigen zur Einigkeit seien nur Phrasen, ttm die Arbeiterschaft einzuseifen. Mit brr Aufforde­rung, sich bereit zu halten, den bürgerlichen Staat zu zerstören, beschloß ber Minister feint Rede.

Gegen Minister F l e i s n e r ist Mnmehr wegen Aufreizung zur Gewalt ein Derlahre« ein- geleitet worben.

Dw Wiesbadener Abkommen.

Dir in Paris für anfangs bietet Woche in Aus­sicht genommene neue Zusammenkunft zwischen den Ministern Loucheur und Rathenau ist in letzter Stunde abgesagt worden. Wie die Blätter melden, habe Rathenau wissen lassen, daß et noch nicht in btt Sage sei, tue von bet französischen Regie­rung gewünschten Abänderungen zu geben. Die Zusommenkunst soll, wie der ,Matin' meldet, am 1. oder 2. Oktober in Wiesbaden ftatlfinden.

MH« sein; er gibt ihr seine Freundschaft für das Le- ben ist das nicht Glück genug? Was fordert sie noch mehr? Läßt Liebe sich erzwingen? Sie weiß es wohl, er kann ihr kein« Liebe geben, weil Herzen, wie das {einige, sich einmal nur dem Licht erschließen und ihren Himmel gründen ober einsam, liebeleer für im­mer durch das Leden gehen. Lore hieß seine erste, ein. zige, große Liebe; für eine zweite hat fein Herz nicht Raum. Ob er wohl immer noch an Lore denkt? Ob seine Seele immer noch die einstige Geliebte sucht? Lore ist frei! Vielleicht weiß sie den Wert der Treue jetzt zu schätzen; vielleicht wenn ihre Wege öfter sich mit denen Josephs kreuzen---wie aber, wenn

sie dann ben Freund verliert!? Noch ist es Zeit, noch kann sie für immer Josephs Freundschaft sichern; nur ein paar Zeilen auf dies weiße Statt von ihr ge­nügen.

Sie sprang auf und trat an das Fenster. Schon breiteten sich der Dämmerung blaue Schatten aus. Ein- fam und menschenleer war die verschneite Straße und da und dort blitzten die Lichter auf. Gar traut ifts in den niederen Bauernstuben jetzt zur Winterszait.

Wie sie beifammensitzen um den Tisch am großen, warmen Kachelofen spinnend, erzählend, froh und mit gar wenigem zufrieden! Glücklich, wer eine solche Heimat hat! 3n bem vertassrnen, meltentlegenen Dorf, chen weilt so gern das Glück. Es würbe Marianne schwer, von da zu gehen.

Sie öffnete weit das Fenster; die falte - Schneelust drang herein. Fragend sah sie in stummer Andacht auf zum schönen Sternenzelt H.mmelshähen und Ruh und Frieden senkten sich tief in ihr Herz.

War die» der Segen von da droben? Ihr wurde es auf einmal klar es wird zum Segen für sie sein, i den Wunsch der toten mütterlichen Freundin zu erfül- ! len. Noch einmal sah sie wie in stummer Frage auf . zum flimmernden Sternenzelt hoch über ihr; schon wollte sie das Fenster schließen, da zuckte sie zusammen in weitem Bogen fiel ein Stern zur Erd«!

^ortjetzung toi/'

Studienreisen französischer

Journalisten durch Deutschland.

Eine Reihe der bedeutendsten frtnjo.tfcben Tages­zeitungen hat fast gleichzeitig ttjre AuSlandsredak, teure nach Deutschland geschickt, damit sie sich an Ort und Stelle von Deutschlands inner- und außenpolitischer Situation em beßeres Urteil zu bilden vermögen, als ei am Schreibtisch auf Grund; un'ulängitcher und mehr oder weniger tendenziös gefärbter Informationen möglich ist. Philipp«' Mil le t vom .Petit Parisien', Sauerwein bonr Matin' und Raimond Recotily vom .Figaro' be< finden sich im Augenblick auf Eludienreijen durch 2)iutid,l;nb.*

Vie Vorbehalte zum amerikanisch- deuts^en Frieden.

Rach Meldungen aus Washington hat die Sc- natskommission für Auswärtige Angelegenheiten ben deutsch-amerikanischen Friedensvertrag mit zwei Vorbehalten angenommen. Der erste bestimmt, daß die amerikanische Staats­angehörigen an den von Deutschland gezahl, ten Reparationen Anteil haben sollen, der zweite sieht vor, daß die Vereinigten Staaten in keine der Organisationen und Kommissionen, in denen Amerika auf Grund der Bedingungen des Dtesailler Vertrages einen Sitz hat, eitrn Verirrter entsenden dürfe, ohne daß dies von dem Kon­greß genehmigt wird. Die tiefere Bedeutung die­ses Vorbehaltes ist, daß der Präsident der Vereinig­ten Staaten keine bindenden Verpflichtungen ohne die Zustimmung des Kongresses eingehen kann.

Rach einer Meldung derChicago Tribüne" hat der Senatsausschuß für auswärtige Angelegenhei- ten, der als Sprachrohr des Präsidenten Harding im Senat gilt, erklärt, daß die Zurückzie hung der amerikanischen Truppen von» Rhein sofort beginnen soll.

Churchill über die Weltlage.

Kolonialminister Winston Churchill sprach am Samstag in Dundee. Den Hauptgegenstand seiner Ausführungen bildete Irland. Mit Rücksicht aus kommunistische Drohungen, die sorgfältig oorberei» tete Versammlung zu sprengen, hatte die Polizei Maßnahmen getroffen, versuche einiger Leute, de» um die Dersammlungshalle geschlossenen Polizei­kordon zu durchbrechen, wurden schnell unterdrückt. Churchill, der mit einem Gemisch von Hochrufen und Zischen empfangen wurde, erklärte, die Regie­rung fei durch de valeras Ablehnung des Dominion Home Rule tief enttäuscht worden.

Besprechung der ymetrmärfigen kndusirkWmi Lage schreib Churchill diese dem Zuscmnue-bmch des intern-atto- nafen Wechselkurs und ber soMMchm Dropaganda zu urtb brückte t6e Hoffnung «ms, baß tri« Wafhmgloner Ab­rüstungskonferenz sich zu einer Konferenz zur Fest­setzung eines normalen Wechselkurses ent- wickeln würbe. Dir Länder, an bte bte Bezahlung zu.er­fasstem hob«, könnten nur m beschränktem Maße auslän- dsfche Ware, di« htfolg« ber Kriegsschuld gepumpte Ware darstelle, aufwehmsn mch m einem Jahre nur eme bestimmte Entschädigung erhalten, weil sonst ihr eigenes industneiles System ernstlich 'm Mitleidenschaft gezogen, ihrer Hrbeiterbcoöltertmg bas Brot vom Munde weoqe- Kommen werden würde. Church ll tatet: Die großen Ra- ttanen der Weit biet hi augenblicklich e'n mre*würbiats pathetisches SchaufM: Amerck«, England. Frankreich. Htalten, alle hoffen rtefipe GÄdfummm von einander odsr von Deutschland heraus,zubekommen. Schulden emlreiben ist eine Harmtlndustrie ermorden und nimmt in den Köpfen zahlreicher Politiker und Parlamente und soaar'ker den HmwtMtz ein. Wenn olle Schulden und Ersschädx-ungen zwischM Nation und Nation bezahlt werben würden, dann würde jedes <818 u bi g e r la nb ge- pumpte Ware erhalten und zwar in Mengen und zu Pveifen, bte für den «ordneten Betrieb ihrer Industrie» verhängnisvoll sem würden. Nicht ein eätjigts der sieg, rrtben Länder, bte vnspnnh auf rieft« Wareneinfichr_als »ezahtang ber ihnen geschuldeten Beträge 6^en, wurde biete Waren, wenn ft» kommen sollten, «warnen Auf ber anderen Seite schaffen sie, und ranz nut Recht, Ta- rffe und all« Arien von Sondergrfetzen. um zu verhm- bem, baß ihre eiaenen Industrien durch solche nesine u n - wirtschaftliche Einfuhr völlig erschüttert

werden. , _,.

Gtaen Ausweg «us ben ganz unholtdaren Zustar ben adlickt Ehuv-bill te fol««rdtm Vorlchtag:Es wurde zum Starte« ber Welt feta, wem, alle int«nretion« len DervfUchtungen. be emsteefem standen sind, von «um, auf praktisch« Dimensio-nen herabgesetzt und in ttee Kategorie für sich reft-üt würden. Od btes möteich sst ober nicht, unmittetaar notevendig ist em TOrtteCwn von mtertxt'fowte«r Woh- runn. das von ^ch-grnrepsiichtunoen unbreÄrftaßi ftin würd» ,mb wenigsten» zeitweilig ivb während der veröde ber Gclmrdung den Staickmtz von Waren zwischen den Na- ttemen auf efnre natürlchen und normalen Gnmsttage sichren würde. So wichtig auch die Konferenz iff. die dem- nFchst in Wofhtaxtcm über bte Frage brr Abrüstung ftaft*. finden soll, eme Konseienz über bte Schaffung nor­maler Währungen würde wertvoller sein und noch domgilicher. Man bars vtelltecht hoffen, daß sich Öte eine aus der tmbem entwickeln wirb.

Hierauf wandt« sich Churchill ber soz! »kisti- schen, kommunistischen und b o l s ch e w i ft i» schon Agitation zu. die ebenfalls große Schuld daran trage daß die Gesundung ber Welt verzögert werde. Er erörterte weiter die furchtbare Lage, di« bte Bolsch-wssien über Rußland gebracht hätten. Trotzkk und Lenin hätten einfach von dem gezehrt, was von bem Reg'ms des Zaren übrig geblieben se!. Sie hätte» von bem Geld gelebt, das sie von der russischen Staats­kasse ober von den Rumänen genommen hätten Sie hätten von den Juwelen gelebt, die sie den Frauen gestohlen hätten, die sie ermordeten. S'e hätten ferner die Getreidereserven aufgezehrt, die die Bauern ge'am. melt hätten, um sich vor einer Hungersnot zu schützen. Der Welt habe keine furchtbarere ß'bre von dem Dahn- sinn der Sozialisten und von den Folgen gegeben wer-