J2 216.
Dienstag, 20. September 1921.
Fuldaer Heilung
$t«tf der Rnlbaer Aetienvrnckerei in Fulda
was veutschlan- von -er Landwirtschaft erwartet.
Durch dir Annahme des Ultimatums vom 10. Mai 1921 hat sich die Mehrheit des deutschen Volkes entschlossen, di» Freiheit des Vaterlandes durch Zahlung eines jährlichen Löse gelbes in der Höhe von un* yefähr 3:/i Milliarden Goldmark zu erkaufen. Die Er- fullmrgsarbeii zerfällt in zwei große Aufgaben, welche beide die äußerste KrastanstrenMng und heroischen Opfermut von uns allen erheischen. Die erste Aufgabe ist eine wirtschaftliche. Sie besteht in der Leistung noch außen. Sie suchte die Antwort zu geben auf die Frage: Wie kann die verarmte deutsche Volkswirtschaft aus ihrem Produkiionsertrag so viel erübrigen, daß wir diese riesenhaften Leistungen dem Bund unserer ehemaligen Kriegsgegner ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen können? Die zweite Aufgabe ist eim f i n a n z p o l i t i s ch e. Sie muß die Frage zu beantworten suchÄi, wie das Reich die Lasten des zu zahlenden Lösegeldes auf die Schultern seiner Bürger verteil!!. Denn das Reich muß die Repora- twnskohlen, die andern Sachlieferungen und die Devisen von den Zechenbesitzern und Fabrikanten kaufen, um diese Werte an die Entente abgeben zu können. Dadurch wird aber die Rcichskasse stark entleert. Es müssen ihr neue Einnahmen zufließen. Das wird versucht durch die zu verabschiedenden neuen Steuergesetze, di« bei der Herbsttogung des Reichstages den wichtigsten Eegenstand der Beratungen bilden und den Ersüllungs- willen auf eine starke Belastungsprobe stellen werden.
Wir wollen die steuerpolitische Seite des R pa» rationsproblems unerörtert lassen und der wirtschaftlichen Aufgabe der Ultimatwnserfüllimg uns zuwenden Die jährl. Wiedergutmachungsschuld von 3Va Gold- milliarden wird in der Hauptsache abgetragen 1. durch Lieferung von Rohstoffen, besonders Kohlen; 2. durch Herstellung und Lieferung von Halb- und Fertigsabri- kateil für die aufzubauenden Gebiete Nordfrankreichs; 3. durch direkte Zahlungen von Land zu Land. Das beste internationale Zahlungsmitdel sind die D e o i s e n, d. h. ausländische Wechsel. Wir lasen daher, wie vor dm einzelnen Ratenzahlungen der ersdm Goldmilliarde die Reichsregierung sich solche Devisen verschafft hat. Wir werden aber nur dann Devifm zur Verfügung habm, wenn wir einen Produktionsüberschuß erzielen, die Aknopostcn der Zahlungsbilanz steigern, die Pas- sioposten Niederhalten. Zu diesem Zwecke müssen wir bie Einfuhr auf das Mindestmaß beschränken und alles das, was wir im Inland erzeugen können, auch im Inland selbst Herstellen. Zunächst gilt es, so- weit der Friedensoertrag uns nicht daran hindert, die Einfuhr von Luxusartikeln durch steuerliche und zoll- politische Maßnahmen zu unterbinden. Den Vezug von gewiss'M ausländischm Rohstoffen, wie z. B. Baum- wolle, können wir dagegen nicht verringern, im Gegenteil, wir müssen ihn erhöhm, denn Dcutschland hat den Charakter eines Deredlungslandes. Unsere Industrie muß aus den eingeführten Rohstoffen hochwertige Aus- stchrartikel Herstellen und so durch dm Produktions- faktor Arbeit mithclfen, Forderungen ans Ausland, oder mit anderen Worten die gewünschten Devism zu erlangen. Einen grohm Posten in der Einfuhr bilden aber bie Lebensmittel. Der Zuschuß an Nahrungsmitteln vom Ausland ist gerade heute besonders groß und gegenüber der Vorkriegszeit gestiegen. Ge- wiß bringt unsere heimische Landwirtschaft immer noch den größten Teil der von der Bevölkerung benötigten Lebensmittel selbst auf. Dieser beträgt aber nur etwa 60 bis 70 Prozent. Das Herabsinken der Produktions- erginbigkeit Hot seine Hauptursache in der Abtretung blühender Agrarüberschußgebiete durch den Friödens- evrtrag und in der Aussaugung und Verarmung des Bodens infolge verminderten Arbeitsaufwandes und verringerter Kunstdüngerzufuhr während des Krieges und zum Teil noch nachher.
Nunmehr muß es unser eifriges Seftrebcn fein, die- [en großen Posten unserer Einfuhr an Lebensmiitel zu verringern. Wenn wir das erreichen wollen, muß die Landwirtschaft auf die hoch st mögliche Produktion etngcstcllt werdm. Wir müssen die landwirtschaftliche Bodenfläche vermehren und aus der bereits bebauten wieder mehr Erträgnisse herausholen. Auf letzteres ist heute das Schwergewicht zu legen. Es kann daher m-mals ein Zurückgbnlen aus eine überwundene Wirtschastsstüfe in Frage kommen oder eine solche dort, wo der Fortschritt sich noch nicht durchgesetzt hat, beibehalten werden. Die Parole muß lauten: Intensive Wirtschaft! Ihre Befolgung bringt
Der 6än|ebiib.
Fränkischer Dorfroman von Dina Ernst berge r. 48! ----------
»Soll man sich da nicht ärgern, „Ochsen".Wirtin,' brauste er auf, mit der Hand aufgeregt durch das duftende Backenhaar fahrend. In der maßlosen Erregung, in der er sich befand, vergaß er sogar darauf, daß er dadurch seinen sorgsam gepflegten künstlerischen Scheitel in Unordnung brachte. „Soll man sich da nicht ärgern," wiederholte er nochmal, „wenn man sich mit seinen Patienten so viel Müh und Plaa macht und man erntet bann so schwarzen Undank dafür? 3a, Undank ist der Welt Lohn, „Och'en"-Wirtin; das ist gewß wahr — ich hab's heut' g'spürk. Jetzt, da ich die Flickschusterin mit unendlicher Mühe und Not aus dem Gröbsten hab' und die Krankheit im Schwinden ist, jetzt bringt der Io. seph so einen Hungerleider, so einen Pfuscher, so einen siebengefcheiten Kollegen aus der Stadt und der Kerl macht mir meine ganze Kur durcheinander. Ich hab' mich geplagt und hätt's in ein paar Tagen wieder ge- sund gehabt und der Tropf, der eisfatt, steckt den Dank ein für meine Plage."
»Der Gaul, dem der Hafer g'hört, der kriegt 'n net, dos is a alte G'fchlcht" Bader,," tröstete die „Ochsen". Wirtin den Aufgeregten. „Geh' rei! schwemm Dein' Zorn mit einer frischen Maß nunter. Ochs dummer! Folg' mir und geh' rei!"
Der gekränkte Herr Baderdoktor belalate den wohlgemeinten Rat. Er tränt und tränt, bis er allen Groll und alle Bitterkeit schwinden fühlte und In hier, seliger, froher Stimmung allen seinen Beleidigern von Herzen verzieh!
Im neuen Hause fuhr täglich der Wagen des neuen Arztes vor. Erst protestierte die Kranke energisch ge. gen diese kostspieligen Besuche, dje der Bader doch viel billiger gemacht hätte; später aber, als die Krankheit mehr und mehr überhand nahm und die Leidende gleichgültiger für die äußeren Eindrücke machte, ergab sie sich schweigend darein, ja sie sehnte sich zuletzt geradezu im. mer nach dem täglichen ärztlichen Besuch, ber die ein- zige Unterbrechung in dem eintönigen Leben der Kran, kenstube bot. Die zahlreichen Krankenbesuche aus dem Dorfe hatte Marianne so lange mit liebenswürdiger Energie hartnäckig zurückgewiesen, bis man endlich müde wurde und keinen Versuch zu einem Besuch mehr wagt«.
nicht nur privatwirtschaftlichen Nutzen, sie gibt vor allein jetzt b:m zufammengibrochenen Vaterland« zu feinem Wiederaufstieg neue Hoffnungen. Ber der größtmöglichen lanÄwirtschastlichen Produktionsstelge- rung können wir unsere Ernährung oerbesiern, unr werden von der Auslandversorgung unabhängiger, die deutsche Idustrie findet bei intensiver Bodenbearbeitung einen weiten Inlandsmarkt. Für die Ultimatums» erfüllung aber würde bi« Folge sein: 3e weniger Devisen wir für ausländische Vrbensm.ittel herzugeben brauchen, um so mehr haben wir solche frei zur De- gleichuna irr jährlichen Loskcmfsumm:.
Einsichtige Führer der Landwirte sind sich dieser oaterlänb. Verpflichtung der deutfchm Landwirtschaft gerade jetzt m unseres Volkes Not wohl bewußt. Sie drängen durch planmäßig« Schulung und Aufklärung darauf hin, aus der Scholle das Letzt- mögliche hrrauszuhole». Sie können dabci mit berechtigt cm Stolz darauf hinweifen, daß in den letzten 50 Jahren durch eine fortschrittlich« intensive Bewirtschaftung die Erträgnisse des deutschen Bodens im Durchschnitt vcrdoppelt oder verdvnfacht worden sind. Zwar nchmen nichr alle Klein- und Mittelbauern an diesem Fortschritt teil. Manche haben heute noch rückständige Wirtschaftsweisen. Diese gilt es cruf;urütte!n und auf die wichtige va'irländische Bedeutung ihrer Arbeit hin- zuweisen. Dafür temmen vor allem in Betracht d i t ländlichenFortbildungsschulenfürdrn Nachwuchs, im übrigen di« verschiedenartigen bäuerlichen Organisationen, dir heute fast die ganze ackerbautreibende Bevölkerung restlos umfassen. Eine besonder« Bedeutung haben hierbei auch die landwirtschaftlichen Genossen- schäften, di« unmittelbar an die Leiter der mittleren und kleinen Betriebe herankommen und ihnen die ein» zuschlagenden Wege weisen können. Ferner ist ein Augenmerk zu richten auf die Beschaffung von Arbeitskräften und deren teilweisen Ersatz durch Maschinen. Wenn so die Hsnimniss« einer intensiven Wirtschaft beseitigt werden, wird man mit besonderer Berechtigung den vaterländischen Appell an den letzten dauern richten dürfen, den der wahrhaft christlichen Geist atmende Satz unserer Reichsvcrfassung enthält: „Eigen t u m verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich Dienst fein für das gemeine Beste." (Artikel 153 Absatz 3.)
Sind sich die Landwirte dieser Pflicht gegenüber der Volksgemeinschaft bewußt und handeln sie danach, so dürfen sie mH doppeltem R chte sich gegen jede nur aus Parteipolitik beabsichtigte Durchführung sozialisti- scher oder kommunistischer Pläne in der Landwirtschaft wehren; sie werden dabei Unterstützung finßrn beidennichtsozialistischenVerbraucher- kreis en.___________ _ _____________
Der evangelische Ulrchentag zur Zchulfraae.
Auf dem evangelischen Kirchentag in Stuttgart stand am letzten Mittwoch das bedeutsame Thema „Die e d a n g e l. Kirche und d i « Schule" auf der Tagesordnung. Berichterstatter war der bayerische Kirchenpräsident Dr. De i t. Seine Ausführungen, die in vielem Uebereinfümmung mit unserer Anschauung zeigen, seien hier kurz wieder- gegeben.
Di r Redner aing davon aus, daß die Schule nickt zum Kamp'ptatz, sondern zum Gemeinschafr?-Saatf«ld mer den solle. Das Ziel der Erztkfeuna soll nicht nur Me Einzelpeijönlichkeit, sondern zullrich die Eingliekeruna in die höheren Lebensgemeinschaften, $Vamil;e, Vol'S- emeinschaft, Staat und Kircke sein. Alle diese ?eh?n?« kreise sind aletchmäßtg berücksickti t im christlichen Er- ziedunasslile. Trennung von Kirche und Schule darf nicht etwa den Streit d°r beiden Erziehung» fnktoren um die Seele des Kindes bedeuten, sondern toll nur veraltete rechtliche Formen beseiti en, um die natürlichen Beziehungen von Schule und Kirche in bessere ckorm zu bringen. Die evangelische Kirche läßt de: Schule völlige Freiheit in ihrer Ausgestaltung und freut sich jedes Fortschrittes echter Boltsbildung, da die evangelische sirömmifteit urteilsfähige Menschen fordert. Um der Einheitlichkeit des Schullebenswillen ist da» Ziel am besten in der Bekenntnisschule aufgehoben, in der alle Fächer des GesinnungSunterrichtS, die Lehr- Persönlichkeiten und die Behandlungen der Schüler vom Geiste des religiösen Lebens getragen werden und befruchtet sind. Die Kirche denkt nicht daran, die frühere Unterordnung der Schule unter der Kirche wieberherzullcllen. Wenn sie auf die an sich Wünschensweite Einheit unseres Schullebens durch die reichsgesehliche Ermöglichung aller Schularten hinziele, so entspreche dies der inneren Zerspaltun i unsere» Vol-
So kam das Weihnachtsfest heran. Während sich im Dorfe alles zur Feier dieses Festes rüstete, schwebte über dem neuen fiaufe der Todesengel Joseph verbrachte die meiste Zeit am Krankenbett. Es schien oft, als kämpfte er mit einem schweren Entschluß, wenn ber Blick der Sterbenden zärtlich In banger Sorge ihn traf.
Die Kranke fühlte, daß sie bald sterben sollte. Auch Joseph wußte es, daß die Lebensstunden seiner Mutter gezählt waren. 3n ernsten Gedanken versunken, saß er an ihrem Bette. Die Kranke schlummerte leise in den Kissen. Dom Turm klang plötzlich Heller Glockenton, da öffnete die Schlummernde langsam die Augen und ver. suchte es, sich emporzurichten. Joseph stützte sie. Krampfhaft umklammerten ihre abgezehrten Hände feine Rechte; sie sah ihm voll ine Gesicht.
„Was bedeut' denn das Läuten, Joseph? 3« heut' a b'sonderer lag?" fragte sie im Flüsterton.
„Die Glocken läuten das Weihnachtsfest ein, Mutter. Heute ist der heilige Abend," sagte er in zärtlich leisem Tone.
„Der heisige Abend!" wiederholte sie langsam und schloß mühe, sekundenlang die Augen. „Sonst war'» a schöner Tag für mich! Weißt'» noch, wie immer hin- kern Tisch der Daum brennt hat? Solang' ich aufg'hängt hab', hast Du mif'm Peter in der Kammer bet’, daß auch das Ehristkind recht viel mitbringt. Und wenn ich fertig war, und ber Vater hat Euch g'holt — was war das für a Seligkeit und Glück. Nie mehr hab' ich mei Dub'n fo glücklich und zufried'n g'seh'n wie unter’m Weihnachtsbaum am heiligen Abend. Der scheckig' Hans- wurst und der Sterz'nfchlager; nix hat Euch je im Leben mehr wie das lumpig’ Spielzeug g’freut. Mit keinem Köniz hättet ihr da «a'.'scht. Es war doch schön damals, im klein armseligen Schusterhäusl« Könnf ich mei Bub'n noch einmal nur so glücklich s«h'n wie dort."
„Das Glück ber Kindheit blüht uns nur einmal! So reines Helles Glück, wie sich's in Rinberaugen unter’m Weihnacksisbaum spiegelt, finbej sich nirgends sonst Im Leben mehr."
„Habt ihr fein Baum hevf putzt? Ich macht' ihn gern noch einmal brennen sehen."
„Ich hab' es untersagt, einen zu schmücken; ich buchte mir, bas regt Dich auf."
Erschöpft von dem vielen Reden sank die Krank«, bi« Augen schließend, in die Riffen zurück. Auf ein.
ke», di« sich künstlich nicht beseitigen ließe, und dem Erziehungsrecht der Eltern. Wenn endlich in allen Schularten der religiöse Unterricht nach den Grundsätzen der betreffenden Religionsgemeinschaften erteilt werden soll, so tann und darf den evangelischen Unter- richt nicht der Staat, sondern nur die Kirche durchfuhren, wobei sie in weitestem Matze die Religionsiehrer selbst zu Hilfe nehmen und die Frage Kirche und Schule im Geiste der Eintracht lösen wird "
Wir sehen hier wiederum die Forderung nach der Bekenntnisschule vertreten, welche umso nachholtiger wirken muß, weil eine so bedeutsame Tagung sie vertritt. Im Gegensatz zum Demschen Lehrerverein, der stets von der Zertrümmerung der deutschen Volksschule spricht, wird hier mit Recht betont, daß die Bekenntnisschule „um der Einheitlichkeit des Schullevens willen" zu verlangen ist. Ein weiteres Referat, Weiß- München, der gleichfalls über die Schulfrage sprach, argumentierte in demselben Sinn. In der einstimmig sich hieran anschließenden Kundgebung wurde als oberstes Ziel der Erziehung der fromme und sittliche Mensch im Geiste des Evangeliums bezeichnet und um dieses Erziehungszieles willen für e d a n g e L Kinder nächdr ü ck l i ch Schulen ihres Bekenntnisses gefordert, in denen das ganze Schulleben von einem einheitlichen Geist durchdrungen ist und in denen für die Charakterbildung in bester Weise Fürsorge getragen wird. „Der Kirchentag erkennt das geschichtliche Recht der S i m u l t a n s ch u l e nicht a n. Soweit sie sich in einzelnen Gebieten eingebürgert hat, fordert er, daß überall da, wo Schulen evang. Bekenntnisses vorhanden sind ober gesetzmäßig von ev. Erziehungsberechtigten bewahrt werden, diesen Schulen volle Entfaltungsmöglichkeiten gewährt wird. Dem Religionsunterricht soll Wert und Stellung gewahrt werden.
Es ist erfreulich, zu beobachten, in welch entschiedener Weise der evang. Kirchentag Stellung zu der so wichtigen Schulfrage nimmt und diese Stellungnahme wird auf weite protestantische Kreise, die bisher in dieser Frage nicht entschieden genug waren, aneifernd wirken. Uebrigens hört man jetzt, da die Gegner der Konfesiionsschule sich einer geschlossenen Phalanx gegenübergestellt sehen, daß vonseiten dieser Gegner der Gedanke einer Zurückziehung des Reichsschulgesetzentwurfs in die Debatte geworfen wird, weil er den Bekenntnisschulen zu viel Rechnung trage. Um kein falsches Bild entstehen zu lassen, sei darauf hingewiesen, daß gerade die Gegner der konfessionellen Schule auf die Ausarbeitung eines Reichsschulgesetzes hinarbeiteten, das sie sich feierlich so vorftellten, daß damit der Bekenntnisschule das Grab gegraben werde. Vergessen möge auch nicht werden, daß bis heute noch beispielsweise in Preußen die Konfessionsschule die gesetzliche und dte ©t mul« tanfchule die Ausnahmeschule ist. Wie nun allemal der Appetitt beim Essen kommt, so sind diese Herren noch nicht einmal mit einer gesetzlichen Umkehrung der bestehenden Verhältnisse zu- frieden, sondern sie wünschen unsere Konfefstons» schule ganz beseitigt. Ein Erreichen dieses Zieles wird gottlob immer mehr aussichtslos. H.
Aus dem Nachbargebiet.
me. Frankfurt a. M. Die Tabakmeiie findet in Frankfurt a. M. vom 25. Sept, bis 1. Okt. und dieseSmal in bedeutend erroeiterien Umtana _ Flatt. Die gewinnt besondere Bedeutung durch die Erhöhung der Tabaksteuern, die artt 1. Okiober eintritt.
fpb. ilrantintt a. M. Große Banderolen- diebstäble, bie die Fronkturter Polizei bei ber Silgutabfertiguna aufiiebetft bat, haben überall zu Nachforschungen Beianlafsuna gegeben. In Frankfurt rouiben Banderolen im Werte von 428000 Mk. unterschlagen. Bei Einbrüchen in Wurzburg fielen den Dieben l,3 Mill. Mk., in Bruchsal 600000 Mk., in Köthen über eine Million Maik und in Düsseldorf logar mehrere M lltonen Mark an ©teuer- banbetolen in die Hände.
vermiKtes.
* wieder ein Vettkonzern verkracht. Der Zu- sammenbruch der Wettkonzerne geht immer weiter.
mal richtete sie sich wieder auf: „Ruf' mir bie Ev, ich muß mit ihr noch red'n, bevor ich sterb'," kam es stoßweise, aufgeregt über ihre tobesblafi n Lippen
„Laß', Mutter, sorg' Dich nicht für mich! Du regst Dich auf unb schabest Dir. Ich werde immer Hände finden, die mich sorgsam pflegen, wenn auch die Mut» terlieb'e nichts ersetzen tann."
„Kein Tag im Jahr wirft Du Dich fo verlafsin und vereinsamt fühl’n wie g’rabe am heiligen Abend, wo alle Menschen froh und glücklich sind."
Eie seufzte tief auf und sah wie träumend zur Decke empor.
Joseph schwieg. In feine« Zügen arbeitete es heftig, während er wie geistesabwesend vor sich htnstarrte. Da flüsterte die Kranke wieder seinen Namen. Er neigte sich über sie, damit er sie eher verstehen konnte.
„Ich hab' mir von Dein’ Geld viel zusammeng spart, Joseph," hörte er sie jetzt langsam, Wort für Wort sprechen. „Dort drinnen im Schränkte wirst Du's ftnb’n, wenn ich nimmer bin Des is für die Fräul'n Ma. rianne mein Vermächtnis. Gib ihr's, sie hat's verdient und kann's auch brauch'n. Als letzt’n Dank von mir soll fie’s annehmen. Sie wird's am schwersten fühl’n, wenn ich am al nimmer bin. Mit mir geht ihr zum zweit’nmal bie Heimat verlor’n."
Roch tiefer neigte sich jetzt Josephs Haupt zur Kranken nieder; fein Angesicht war auffallend blaß, die Stimme klang beschwert.
„Beruhige Dich, Mutter," sprach er sanft, „Marianne soll für immer eine Heimat haben."
Die Augen der Kranken öffneten sich weit; es sprach daraus Frage und lleberraschung. Joseph sah ihr lä- chelnd in bas totenbleiche Gesicht.
„Es ist meine Weihnachtsgabe für Dich Mutter, bah ich mich mit Marianne verlobe, wenn Marianne will!"
Zweifelnb, als könnte sie das Ungewöhnliche nicht fasten, ruhten ein paar Herzschläge lang die Augen ber ßeibenben forschend auf dem Antlitz ihres Sohnes. Eine Träne rollte über ihre Wangen; sie faßte Josephs Hand.
„Weiß Marianne schon davon?"
„Roch nicht, Mutter. Bald werde ich's ihr sagen. Du sollst bie Erste sein, die von meinem Entschluß weiß."
„Jetzt will ich gern fterb’n. Ich weiß, Marianne wird Dich glücklich machen. Wem, ick da hrob’n etwa»
So ist der „Rhenaniakonzern" in Nieder- schöneweide jetzt aufgehoben worden, dessen Inhaber allerdings mit den anvertrauten Geldern vorher das Weite gesucht hatte. Noch bis in die letzten Tag« wurden übrigens vom Publikum noch Einzahlungen vorgenommen. Da alle Unterlagen, aus denen die Hohe der Einzahlungen ersichtlich wäre, von den „Gründern" vernichtet worden sind, so läßt sich vorläufig gar nicht feftftellen, um welche Summen die vertrauensseligen Einzahler geprellt sind. Auch die „S p o r t b a n k" W i 1! y L a m p e, die am 20. September mit der erstmaligen Auszahlung der versprochenen Dividende von 100 (!) Prozent beginnen sollte, hat ihre Zahlungen eingestellt. Die Passiven betr-gen hier annähernd 2 Mill. Mk.
Märkte.
fpb. Frankfurt, a. TR-, 19. Sept. Der heutige Di eh- markt verzeichnete nur einen verhältnismäßig geringen Austrieb, nämlich nur 311 Ochsen, 150 Dullen. 1480 Färsen unb Kühe, 258 Kälber, 274 Schafe und 1252 Schweine. Der Rinder- und Kleinviehmarkt wurden bei lebhaftem Handel geräumt, auf dem Schweine- markt, der sehr gedrückt verlief, verblieb ein größerer Ueberftanb. Es wurden bezahlt für einen Zentner Le. bendaewicht: Ochsen: vollfleifchige ausgemaftete 750—850 Mk. junge fleischige 600—750 Mkk., mäßig genährte 350—650 Mk.; Bullen: vollfleischige 550—750, mäßig genährte 500—550 Mk.; Färsen unb Kühe: vollfleischige 700—850 Mk.. wenig gut entwickelte Färsen 350—700 Mk.. ältere und wenig entwickelte jüngere Kühe 450—600 Mk., mäßig unb gering genährte Tiere 250—400 Mk; Kühe: feinste Mnstkälber 850—975 Mk. mittlere Mastkälber 750—850 Mk., geringere Ware 600—700 Mk.; Schafe: geringere unb mäßig genährt« 350—550 Mk; Schweine vollfleischige unter 80 Kg. 1100—1300 Mk., über 80 Kg. 1400—1550 Mk. — Sm Winterhalbjahr 1921/22 beginnen bie Rinder- und Schweinemärkte um %XA Uhr, die Kälber, unb Schafmärkte um 9 Uhr. Marktschluß um 12Uhr.
fpb. Frankfurt a. HL. 19. Sept. Infolge ber steigen- den Preise war das Angebot auf dem heutigen Getreidemarkt erheblich stärker, namentlich in Körnerfrüchten. Es wurden bezahlt Roggen, recht fest 370—375 Mk., Weizen 460—470 Mk.. Hafer 360-375 Mk. Weizenmchl 710—720 Mk.. Roggenmehl 475 Mk., weißer Maisaries 480—490 Mk. Heu 190—200, Stroh 68—80 Mk, Weizenkleie recht fest, 250—255 Mk. Bunte Dohnen 350—360 Mk.,' weiße 380—670 Mk. Linsen, neue Inlandsware 1100—1150 Mk., Wicken 390—400 Mk. Reis, Preise unverändert Valencia 880—930 Mk., Siam 840—850 Mk. unb Burma 750—760 Mk. Die Preise für bessere Tell'löle sind seit einigen Tagen außerordentlich in die Höhe gegangen. Die Fabiken verlangen per Kilo 24—25 Mark einschließlich Faß frei Frankfurt.
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für Dich tun kann, bann wird Dir viel Glück und Segen noch werden, Joseph."
Liebkosend strichen ihre Finger über feine Hand; ein glücklicher zufriedener Ausdruck zog wie em Sonnenstrahl über ihre leibenden Züge hin, bann schloß sie er. schöpft bie Augen. Ganz stille wurde es jetzt in der Krankenstube: mit glücklichem, friedvollem Lächeln war die alte Frau eingcfchlafen. Borsichiig, damit er die Ruhe ber Schlummernden nicht störe, zog Joseph feine Hand zurück. lief bewegt blieb er noch eine Zeitlang am Krankenbett stehen, dann verließ er still das Zimmer, um Ev oder Marianne zur Wache an’s Krankenlager zu rufen.
Langsam senkte sich die Dämmerung der heiligen Nacht hernieder. Joseph hielt es nicht mehr länger aus im Haus, sein Herz war voll zum Zerspringen; es zog ihn mächtig hinaus in das stille, nächtliche Schweigen. Durch die kleinen Fenster niederer Bauernhütten drang schwacher Lichtschein auf die menschenleere, verschneite Straße; kein Laut eines lebenden Wesens war hörbar. — Ein Sternlein nach dem andern blitzte auf, bald er. strahlte in gehe mnisvoller Pracht ber klar? Sternenhinr mei der Dezembcmacht. — Weit ab von dem unstetes, rastlosen Treiben der Stabt lag in friedlicher Ruhe daß kleine Dorf da — einsam und weltentlegen inmitte" des Zaubers einer sternenhellen Winternacht.
Joseph war allein weit in der Runde. Gedanken, versunken stapfte er weiter unb weiter durch den tiefen Schnee. Da durchzitterte plötzlich bas leise St.tagen eines Glöckleins bie Luft. Horchend blieb er stehen; das kam vom kleinen Forfthaus dort am Waldessaum, — Er kennt dies ferne, süße, fromme Klingen.
Heilige, stille Nacht! Ein seltsam, sonderbar Gefühl erfaßte da fein müdes Herz; ein süß Erinnern weckte ber feine Glockenton, der helle Lichtschein, der durch- Fenster auf die Straße fiel und Weihnachtsfreude ihm verriet. Er blickte empor zum blitzenden Sternenzelt hoch über ihm — der alte, süße Glaube seiner Kinderjahre, den ihm die Mutter einst ins Herz gepflanzt, den er al» munterer, froher Knabe andachtsvoll im Herzen trug und dann als Mann im heißen Lebenskampf verlor; iP» weckte wieder jener leise Glockenton zu neuem Leben. Bor seinem Geist erstehen plötzlich die Bilder seiner eigenen Kindertage.
(Fortietzung folat.)