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Fuld aer Zeitung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

fit. 215.

Beranlw örtlich für den teoowonrilen Teil i. D^: 2L Weßter, 2 für Vie Anzeigen: 3. Parrerier-eiuwo. 5 Rotationsdruck u. Verlag der yulbaer adlenbrujeret in Fnlda. .^emipretSet Ur. 9. Telegr.«9.lfcre'ie: ßnihKr 5 e 11U na

Montag, 19» September 1921.

Lrzugspret»; Monatlich 3,53 ZRt. ohne Bestellgeld. Poft» - bezog 4,10 Mk. Abgeholt 3.75 2P.L -

Anzeigen: i oioneijetle 70 Ptg.; für mehrfpaitige Anzeigen Zuschläge. Reklamezelle (L«ridrrite> 2 50 NU.

48. Zahrg.

ZchitzW öer WriUss Krifis.

Die Antwort Bayerns.

Daß man in Bayern an dem Schreiben des Staats» kommiflars Wuißw.Mm nicht achtlos vorüberyehen konnte, ist klar. Daß deshalb eine Meinungsäußerung der bayerischen Regierung zu den im Schreiben ent» halteneu Vorwürfen erfolgen mußte, hat jeder erwar­tet. Die Erklärung der bayerischen Negierung liegt nunmehr vor. Im Ständigen Ausschuß des Land­tages hat am Freitag im Namen der bayerischen Re» gierung Staatssekretär Dr. S ch w e y e r die erwar­tete Klarstellung gegeben. Nach einigen einleitenden Bemerkungen, die in dSr nachdrücklichen Verwahrung gipfeln,daß ein Organ eines anderen Bundesstaats in Bayern tätig wird, ohne sich mit der bayerischen ins Benehmen zu fetzen", kommt er zum Kern der Sache zu den in dem Schriftstück gegen den Iustizminifter Roth und Polizeipräsidenten Poehner aurgr- fprochcnen Vorwürfen. Nach den Erklärungen Dr. Schweres hat der Iustizminifter Dr. Roth für seine Person bereits zu der gegen ihn erhobenen Anschuldi­gung Stellung genommen und ftstgestellt, daß dies« aus durchsichtigen Gründen aufgestcllten Behauptungen glatt erfunden seien.

lieber den angeblichen Verkehr des Polizeipräsi­denten Poehner mit Ehrhardt ergriff von München aus folgende Feststellung: Es wird zuge­geben, daß als nach dem Kapp-Putfch im März 1920 die Marine-Brigade Ehrhardt aufgelöst wurde, der Korwttenkapitän Ehrhardt allerdings einige Male m das Polizeipräsidium München und zu anderen baye­rischen Stellen gekommen sei, um dort wegen der Un­terbringung einzelner Gruppen seiner Leute vorstellig zu werden. Dabei habe es sich ausschließlich um die Beschaffung entsprechender Arbeitsgelegenheiten gehan­delt. Dr. Schweyer fügt hinzu, daß zur selben Zeit Ehrhardt auch im Reichswehrministerium aus- und eingegangen sei. Der Haftbefehl gegen Ehrhardt set noch nicht bekannt geworden. Nach seinem Bekannt­werden hätten sämtliche bayerisck)en Polizeibehörden auch noch Ehrhardt gefahndet. Der Vorwurf, daß Ehrhardt noch immer bei Polizeipräsident Poehner ein- und ausgche, werde vom Polizeipräsidenten zurückge- wiefen und trüge für jeden unbefangenen Beurteiler Jren Stempel der Erfindung an der Stirn. Seit Bekanntwerdon des Haftbefehls fei der Polizeipräsident Poehner nicht mehr mit Ehrhardt in Berührung ge­kommen. Er, Dr. Schwerer, habe den Ginbrut?, daß der preußische Staatskommissar in seinem Berich höchst leichtfertig umgegangen fiel.

Es wird nunmehr nach den Münchener Erklärun­gen in erster Linie Sache des Staatskommifsars Weiß­mann fein, sich von dem Vorwurf der Leichtfertigkeit zu reinigen und seinerseits zu den Ausführungen des Staatssekretärs Dr. Schweyer eingehend Stellung zu nehmen, damit die dringend »rotwendigen Aufklärungen geschaffen ererben. Denn es läßt sich doch wohl schwerlich onnchmen, daß diese amtlich: Stelle ihre Be­hauptungen von Grund aus völlig aus der Luft gegrif­fen habe und ein derartig in feiner politischen Wirkung einschneidendes Dokument, das selbst gegen bestimmte Personen schwerste Bornriirfe erhebt, in die Hände des verantwortlichen Leiters der deutschen Politik Gelegt habe, ohne daß genügend Unterlagen zu seiner Erhär­tung vorhanden sind. Dabei macht es zunächst in sei­ner direkten Wirkung auf dm Kanzler und seine politi- g)en Schlüsse, die er ziehen muß, keinen wesentlichen nlerschied aus wenn dieses Schriftstück von Herrn Weißmann, wie von verschiedenen Stellen angegeben wird, als vertraulich brznichnri worden sei, da der Kanzler doch auch in diesem Falle annehmen mußte, daß die amtliche Stelle, von der es ausging, ihm nichts vorlegen werde, was nicht hieb- und stichfest sei. Die Vertraulichkeit riso roäm durchaus keine Entschul- im» nii i* 1 * * * * mwiiirrrnr uw wir rin w im

Der GsmlebuK

Kränklicher Dorfroman von Dino Trostberger. 471 ----------

11. Kapitel.

Die Flickschusterin hatte Recht behalten. Es war frühzeitiger als sonst Winter geworden. Schon um Allerseelen wirbeljen kalte, weiße Flocken hernieder und begruben unter einer dünnen, weißen Decke die schreiend grelle Pracht des kleinen Dorffriedhofes. Während alle Dorfleute trotz Schnee und Kälte hinaus an die Gräber der verstorbenen Lieben wallten, um das Fest der To. ten betend zu feiern, mußte die Flickschusterin daheim in ihrem Zimmer neben dem warmen Ofen sitzen. Zum erstenmal blieb sie an diesem Tage dem Grabe ihres Gatten fern. Schon seit Wochen fühlte sie sich nicht mehr rech» wohl. Die ganzen Nächte mußte sie im Bette sitzen und konnte keinen Atem bekommen, und während des Tages fühlte sie sich müb und elend, daß sie kaum aufrecht gehen konnte. So faß sie denn den ganzen Tag in ihrem großen Lehnstuhl und betete oder las in der Legende. Marianne bat täglich, sie möchte doch den Arzt rufen lasten: sie drohte sogar, über den Krankhcitszustand Joseph Mitteilung zu machen, wenn sie sich nicht für einen Arzt entschließen sollte, aber trotzdem konnte sie damit nichts weiteres bezwecken, als daß sich di« alte Frau einmal nach einer ganz be­sonders schlechten flacht endlich bereit erklärte, den Bader kommen zu lasten.

Der versteht mehr, wie all' die Aerzt' zusamm'", sagte sie, als Marianne gegen diese ärztliche Autorität protestieren wollte.All' met' Lebtag is in utfer Haus fei anderer Doktor kommen, wie der Bader; etz» in tret alt'n Tag'n soll des net ander, merb'n."

Marianne wollte durch ihren Widerspruch die Kranke nicht noch mehr aufregen. Sie sah auch die völlige Zwecklosigkeit ein, dietelbe von der Ueberzeu- gung obzubringen, daß ein Arzt ihre Krankheit bester erkennt und heilen kann, wie der Bader Schließlich hatte sie auch schon im Dorfe fo viel von den Wunder»

digung für seine innere Unhaltbarkeit. Der Kanzler ober war immerhin vorsichtig genug,, dieses Schrift­stück ohne Kommentar und persönliche Meinungs­äußerung wiedcrzuyeben. Er hat damit ungleich foch- licher gehandelt als diejenigen, die in Bayern die A'.rl- wort gaben. Denn es scheint uns brixurerlich, werm Dr. Schweyer in dir Wiedergabe des Dementi auch noch Bemerkungen r-ffir politischer Art hirrrick verflachten hat. denn er hob hervor, daß es ihm schlechterdings un- erfindisch fei, wie sich das Borchen der Reichsrrgie- rtmfl mit dem wiederholt zuoesiiherten Willen zu einer Klärung b»r Verhältnisse zusammenrrirnrn soll. Er mag deshalb hier noch einmal festgestellt werden, daß der Kanzler selbst zu w-.eborhoiterr Malen versichert hat, wte sehr er von dem festen Willen beseelt fei, die Eini­gung hrrbeizusühren, aber man müsse sich häfccrfe::;g entgegenkommen und gegenseitig auf berechtigte In­teressen Rücksicht nehmen.

Wir sind der Auffassung, daß es am Willen zur Verständigung auf Viten des Reiches sicherlich nicht fchlt. Und schließlich kann es nur als erlösend pfunderr werden, wenn triefet ganze Wirrwarr endlich einmal geklärt wird. Nachdem nunmehr die Aeuße» rungen der bayerischen Regierung vorliey.n, ist noch am Samstag das preußische Staotsministe» r i u m zu einer Sitzung über die bayerisch? Anoelezeer- heit zuscmimengetreten. An dieser Sitzung hat auch der Staatskmumissar Weißmann teilgerrommen. So steht zu erwarten, daß von feiten des Staatskoirninsiars Weißmann schnellstens nunmehr auch das Material offengelegt werden wird, das ihm die Unterlagen zu feinem Bericht gegeben Hal.

Die Stimmung in der Bayerischen DolkSyartei.

Wie die Stimmung und die Absichten in der Bayerische» Volkspartei auger.bitcki'ch sind, läßt sich ersehen auS zwei Anträgen dieser Fraktion und auS einer Rede des volksparitiischon Mrrnfterö Oswald.

Ter erste Antrag bezweckt di« Einsetzung eine? Staatspräsidenten rn Boyer«. Da dieses Ober­haupt der StoaiSreßierung m Rahmen der Be­stimmungen der Reichsversofsung" handeln soll, so t ändelt es sich hier im Grunde nur. um eine rein bayerische Angelegenbeit, t» die sich ba# Reich ober die anders« Länder nickt entzumische« habe». Preußen hat etRcn besonderru Smar-prLsidenten verrichtet, damit richt zwei derartige Würdenträger in Berlin nebev«!nc>nd«r amtieren. Die Bayern mögen aus »er jüngsten LstiursterkrisiS, die «ijt partiell war, dann total wurde und Zweitel über die Aknons- sähigkeit deS omiierenden GeschäftSininisteriumS er­regte, wobt Veranlassung haben, eine Verkörperung der Staatsgewalt in einet sturmfreien Persönlichkeit anzustreben. Sollte sie den Nebengedanken haben, dadurch die Wüide und die Kraft Bayern- im ReichSverband zu beben, so kann uns da» auch recht sein, so lange die Reichsverfassung und die Eintracht der deutschen Stämme gewahrt bleiben.

Der zweite Antrag greift weilet und tiefer. Er bezweckt eine Aenderung der Reichsverfa;- sung zur Einschränkung gewisser Besugniste des Reichspräsidenten, und zwar in der Richtung, daß die Hoheitsrechte eines Lande» unantastbar und der Vollzug eines Ausnahmezustände»Sache der Landes­regierung^ bleiben soll. Im Falle der Weigerung einer Landesregierung soll der Reichspräsident die Entscheidung des ReimSrateS herdeiführen. Zu letz­terem Punkte würde sich natürlich der Verbesserung«» anirag einstellen, daß die Berufung an den Reichst at von der widerstrebenden Landesregierung einzulegen sei, wie dnS auch bei den bisherigen Ausgleichsverbandlungen vorgesehen war. In der Hauptsache ist zu beachten, daß eine derartige

kuren des Baders erzählen hören, daß sie nach und nach selbst zu der Ueberzeugung gelangte, dos müsse ein außergewöhnlich weiser Mann sein. Schweigend ließ sie deshalb zu, daß Peter den Bader herbeiholte. Sie nahm sich aber fest vor, sobald sich der Zustand der Kranken verschlimmern sollt«, umgehend Joseph davon Mitteilung zu machen-

Wenige Minuten, nachdem Peter gegangen war, die ärztliche Hilfe des Baders anzurufen, kam er auch schon wieder zurück; an seiner Seite ging mit wichtig ernster Miene und eiligen Schritten der gelehrte Baderdoktor.

Na, Frau Flickschusterin, wie geht'» denn? Wird doch so schlimm nicht sein, rolts ausschaut. Ihr seht wahrhaftig recht bedenklich aus. Na, wollen wir halt seh'n, was sich dagegen machen läßt."'

Gönnerhaft ließ er sich auf einen Stuhl neben der Patientin nieder.

Nur das Schnaufn wenn net wär'; mir fehlt sonst gar nichts," erzählte ihm die Kranke, ihren Zustand er­klärend.Ihr wißt doch für alles was, Bader; gibt's denn da nix dafür, daß des wieder wegging? Nur nachts wenn ich met' Ruh' davon hätt'l"

Na, na, fo einfach ist die Sache nicht," antwortet» ihr der Bader. Gr sprach bei Konsultationen nie Orts, dialekt.Bitte, wollen Sie mir Ihre Hand geben! Hm! Der Puls läßt sehr zu wünschen übrig. Und die Zunge? Nur recht weit heraus. Hm! Luch nicht zum besten. Meine liebe Frau Flickschusterin, da heiht's abwarten und geduldig sein. Ich hasse, daß es mir gelingen wird, den Ausbruch der schweren Krankheit,

I die sich da im Anzuge befindet, zu verhindern. Sie

; leiden an Atemnot, Schlaflosigkeit, Müdigkeit usw., nicht

! wahr? Ist'» nicht so?"

Grad so is! Ich hab', ja gleich g'wußt, daß Ihr meine Krankheit am best'n müßt."

O je wenn ich das nicht auf ben ersten Blick sehen sollte! Denkt nur einmal, bei einer fo langjährigen Praxis und Erfahrung! Was hab« ich schon für kom- plizierte Fälle zu behandeln bekommen! Ich lese es meinen Patienten immer schon an- den Augen ab. was

i ihnen setzst. Bei "no haben wir na» deutlich Lun-

Abänderung der ReichSverfasiung zu viel Umstände und Zeilveriust macht, um Die Lötung der gegen» wärt.gen Schwieric.krtten davon abbättgy zu machen. Erst muß ein vorläufige r Ausgleich wegen der Retchsoerorönung und des bayertichen Ausnahme­zustandes abze'chloffen werden; dann können wir uns die Verfasimtgsänderungeu in Ruhe überlegen.

Der Minister Oswald stellte in der erwähnten Rrdx drei Richtlinien für die bayerisch« Vo'kspartei auf:

1. Keine Koalition mit den Sozialdemokraten.

2. Aufrechterholtunri der bisherigen Koalition.

3. Zurück zu Kahr!

Tas klingt iebr scharf, aber wir hoffen, daß eS nicht lo ichlium gemeint ist.

Ob die bayerischen Brüder b!e dortigen Mehr» beitSliizialisten für lnalitionS.äh-g halten, ist ihre Sache Tie icht schroffe und radikale Agitation der Soycib«mo?toten erschwert natürlich den Uebrrgang der Reich-ffoelition auf Bayern.

Dos nun die Aufrechterhaltung der bishe­rigen Koalition angrht, so wird in einigen Blät­tern ein fei}» wichi'ger Satz der Oswaldschen Rede 'tderühen, nämlich folgende Absage an die äußerste Rechte:

..Wir lehnen den Föderalismus ob, der darauf Ut'jieit, die Preuntsche Vorherrschaft wieder in an­derer Fo m herzuftellen. Wie wir die Ext re» j .n ir; e rt ?oa links ablehnen, fo lehnen wir mit tzfe-chee E rsthlrnrchrit die von rechts ab. Wer mit ur<griffe* Mitteln kämpft oder gar den Mo - d pi OpoHtrk, her mag uns mit feiner Freund- schäft verlchEtt."

d>e deutschnationalen Katastrophen» P->ltti"-r oosaesckieden werden, so ergebe sich eine Koalition von Deutsche VolkSpartei, Bayerische Kolkspsrtei und Demokraten, die bei allseitigem guten W llrn wohl att-hfiebert kann.

Damit fällt auch ein milderndes Licht auf die dritte \ Parole: Zurück zu Kahr! Wenn Herr von Kahr t aus dem Einflüsse des bisherigen Iustizmimsters Roth > und der sonstigen konservativen Extvemen herausge- { schoben wird, braucht feine Persönlichkeit wirklich kein i Stein de, Anstoßes mehr zu werden. Um fo weniger, wenn Kohr auf den Posten des unverantwortlichen Staatsprälid-'.'.tnr, erhoben werden soll und die Minister- Präsidentschaft einer mehr diplomatisch begabten Per- sönsickkei- zufnllt.

Alles in allem genommen gebe« wir trotz hohen Wellenschläge?' nicht bte Hoffnung auf, daß das schwan­kende Schifflein in den Hase«'der brüderlichen Ver­ständigung kommen wird.

e»»r Erklärung der preußischen Regierung.

Die preußischeStaatsregierung über» mittest dem Wolssschen Telegraphrnbureau folgende Erklärung:

In der vom Reichskanzler am 15. September im AuSschutz fceS Reichstages verlesenen Niederschrift, die der preußische StaatSkommiflar für öffentliche Ordnunn dem Reichskanzler auf deflen Wunsch übercab. Ist von Ermittelun ten die Rede, die in Bayern von bem (Staats» fommtffar veranlaßt wurden. Die Ermittelungen fan­den im Mai 1920, und zwar auf Anordnung der bnmaltaen Reichrregierunn statt. Zur Erklärung hier­für dient, daß der preußische DtaatSkommiffar für öffentliche Ordnung feit Bestehen der Einrichtung auch von den ReichSinstanzen in Anspruch genommen wird und von diesem Aufträge empfängt. Da» ReichS- fommiffariat für öffentliche Ordnung war zudem da­mals erst int Entstehen begriffen. Da» preußische Staatsministerium erhielt von den durch seinen StaatS- kommiflar anaeitenten Ermittelungen erst durch die Verlesung der Niederschrift durch den Reichskanzler im NeichStagSauSschuß Kenntnis. Das Staatsmintfterium bedauerte, daß derartige Schritte eine» feiner Crrone in einem anderen Lande ftattfanben, ohne daß darüber die Regierung diese» Landes unterrichtet war. ES bedauert weiter, baß darüber der Oeffenttichkeit Mitteilung gemacht wurde, bevor die Reaterung de» beteilt len Landes die Möglichkeit hatte, sich zu dem EricbniS der damaligen Ermtttelunaen zu äußern.

genemph . . emph. . emphusion. Jawohl, ganz genau Lungenemphusion mit Herzeffektion Dagegen nehmt Ihr dreimal täglich vier Löffel voll Pfefferminztee und die Seite reibt Ihr recht mit Fett ein, bann wird's gleich bester werden. Morgen bringe ich Euch Tropfen mit, da sollt Ihr dann einmal seh'n, wie es Euch gleich leichter wird."

So kam der Bader als behandelnder Arzt mehrere Tage lang früh und am Abend zum Besuche seiner Patientin in das neue Haus Da das Krankheitsbild trotz der Einreibungen und Tropfen hartnäckig immer da, gleiche blieb, verordnete er alle Tage etwa, an. derer. Zuletzt, als er gar nichts mehr wußte, vertröstete er die Flickschusterin auf den nächsten abnehmenden Mond.Wenn der Mond wieder abnimmt, nimmt auch die Krankheit wieder ab und da werde ich dann schon Herr über sie. Jetzt beim Vollmond kann ich der Krank» heit nicht recht beikommen, da hat sie zu viel Macht über den Menschen."

Die Kranke glaubte das aufs Wort. Sie zählte im Kalender die Tage ab, bis der Mond wieder abnahm, und ergab sich, diese Zeit geduldig abwartend, vertrauend in ihr Schicksal.

Marianne empfand es als eine Gewistenspflicht, Jo­seph nunmekre von der Krankheit seiner Mutter in Kennt­nis zu setzen. Sie glaubte nicht mehr an die Wunder» kuren des Baderdoktors, die man sich im Dorfe erzählte- Ohne daß die Ärante vorher eine Ahnung davon hatte, fuhr eines Tages Joseph vor dem neuen Hause an und brachte seinen Arzt mit. Nach einer gründlichen Unter- suchung mußte der letztere es eingestehen, daß ihm eine Heilung der Krankheit viel schwieriger erschien, wie dem Herrn Dorfbader. Er faßte die Sache von etwas em» stercr Seite auf. Wo die Gelehrsamkeit des Dorfbabers spielend zu kurieren dachte, da schien die Kunst des Herrn Kollegen aus der Stadt zu Ende. Bedenklich schüt­telte er den Kopf als er Joseph das Resultat feiner Untersuchung mitteilte.

E, ist der Anfang vom Ende," sprach er ernst.Zur Frühlingszeit, vielleicht auch schon früher, wird sie lur Ruhe gehen."

Gegen die Wiederholung derartiger Dorkommniste {in6 die geeigneten Vorkehrungen getroffen.»

Stegtrwalb über den bayerischen Streitfall.

Heber den materiellen Streitfall zwischim Reich unü Bayern hat der preußische Ministerpräsident Sieger» wald einem Vertreter des Wolssschen Telegraph^ bureaus aus Befragen folgendes erklärt:

Wie schon durch den amtlichen Prestedienst der pm ßischen Regierung mitgetctlt worden ist. habe ich am letzten Dienstag mit dem Herrn Reichskanzler eine De. fpredjung über die durch die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 29. August in Bayern und im Reiche geschaffene Lage gehabt. Ich habe mich bei dieser Gelegenheit auch dahin ausgesprochen, daß ich es für dringend erwünscht hatten würde, wenn die augenblicklichen M e i n u n g s v er sch i e d e n h ei t e n zwischen dem Reich und Bayern möglichst bald bei­ge l e g t werden könnten und daß mir hierzu die neuen bayrischen Abänderungsvorschläge zu der Verordnung vielleicht mit einigen Modalitäten als eine annehmbare Grundlage erscheinen. Aus diesem Standpunkte stehe ich auch jetzt noch. Heber die Frage des Ausnahmezu­standes in Bayern habe >ch mich nicht ausgesprochen, da es sich dabei meiner Ansicht nach um eine Einzel- frage handelt, die ausschließlich zwischen dem Reich und Bayern selbst abzumachen ist. Der Minister ist weiter der Ansicht, daß die jetzige Zeit bei der außerordentlich ernsten außenpolitischen und finanziellen Lage des Rei- ches und bei der Erregung im Innern aus Anlaß der Ermordung Erzberger, nicht geeignet ist. Fragen der staatlichen Zuständigkeiten zwischen dem Reich und den Ländern auf die Spitze zu treiben und bis zur endgil» tigen Klärung zu bringen. Ich würde es auch aus diesem Gesichtspunkte mit besonderer Befriedigung be­grüben. wenn durch all fettig es Entgegen» kommen die derzeitig« Spannung möglichst bald aus der Welt geschafft werden könnte. Dazu ist meiner Meinung nach allerdings nötig, daß die Dinge nicht durch parteipolitische DriUcn, sondern ruhig und sach­lich betrachtet und behandelt werden.

Aeuherungen Ehrhardts.

DieFranks. Ztg." gibt den Inhalt einer Erklä­rung wieder, die Korvettenkapitän Ehrhardt über seine Beziehungen zu München aus Salzburg den Münchener Neufften Nachr." zu dem Bericht des Staatskornmissars Weißmvnn gesandt hat:

Ehrhardt sagt daß er nach dem Kapp-Putsch ve» sucht habe, einen Teil der Leute unterzubringen. D» meisten seien In Norddeutschland angesiedrlt, nur ein kleiner Teil und zwar vorwiegend Süddeutsche, in Süddeuttchland und Bayern. Bei dieser Gelegenheit sei er «inigemale auf dem Polizeipräsidium und bei dem Polizeipräsidenten Pohner gewesen. Wohlweislich hatte er, Ehrhardt, sich vorher erkundigt, ob irgend eine Anweisung wegen feiner Person von Berlin vorläg«. da ihm bekannt geworden, daß gegen Oberst Bauer lind Hauptmann Pabst Haftbefehl erlassen war. Gegen Ihn hätte man den Haftbefehl zurückgv- lasten, solange die Brigade noch im Munsterlager stand. Als er nach Auflösung der Brigade dank seiner Ser­binbungen in Berlin erfahren habe, daß auch gegen ihn der Haftbefehl erlassen sei und nach Bayern entsprechende Anweisungen gegeben wurden, habe er sich schleunigst entfernt und nichts mehr von sich hören und sehen lasten. Ehrhardt gesteht, er sei inzwischen gelegentlich In Deutschland gewesen, doch unter Anwendung solcher Vorsichtsmaßnahmen, daß man seiner unmöglich hätte habhaft werden können Er sei nicht fo töricht gewesen, ausgerechnet bayrische Grenzstcllen zu überschreiten. Don einer Konferenz ir Rosenheim wisse er nichts. Oberst Bauer habe e Ötn Budapest, Hauptmann Pabst seit br agen überhaupt nicht mehr gesehen. Mit Mi- nister Roth sei et weder mündlich noch schriftlich noch durch Mittelsperfonen je in Verbindung getreten.

Man wird biefe Erklärung Ehrhardts nicht gerade als eint Widerlegung der hinsichtlich seiner Person auf» gestellten Behauptungen güten lasten können. Nur formt seine Beziehungen zu Iustizmmister Roth in Frage kommen, tragen die Feststellungen Ehrhardts bas Gepräge einwandfreier Deutlichkeit. Seine Anga­ben über ben Verkehr mit bem Polizeipräsi» benten Poehner sind undurchsichtig in bem, was sie zugeben unb absolut unzugänglich in ben Punkten, Joseph war von dieser Mitteilung tief erschüttert. Er nahm sich vor, jede Woche einige Tage hierher z, kommen, um die letzten Lebenswochen der geliebte» Mutter durch seine Gegenwart zu verschönern.

Als der Baderdoktor am Abend zur Visite kam, fand er seine Patientin im Bett und seine vielen Töpfchen und Gläfer mit Salben und Heilmitteln waren spurlos verschwunden. Seinen fragenben, vorwurfsvollen Blick beantwortet« Mariann« durch bi« Mitteilung, daß der Herr Joseph mit einem Arzt angekommen sei, und auf besten Anordnung hin alle, so gemacht worden märe. Ihre Einladung, in da, Wohnzimmer einzutreten, schlug «r rundweg ab und verließ tiefgekränkt das Haus.

Er war es gewohnt, auf dem Rückwege von feinen täglichen ärztlichen Visiten den wißbegierigen Freunden und Bekannten genauen Aufschluß über ben Befund der verschiedenen Krankheitsfälle zu geben. Heut« schritt er bi« Dorfstraße hinab, ohne nur einen Blick nach rechts ober links zu tun. Nicht einmal bie Fenster besOchsen". Wirtshauses würdigte er eines Blickes, obwohl er sonst dort am liebsten und häufigsten sein« wissenschaftlichen Vorträge hielt. DerOchsen"-Wirtin und ihren Gäste« fiel diese, Benehmen aus.

DieOchsen"-Wirtin öffnete geräuschvoll bas Fen­ster; der Bader aber achtete nicht darauf. Mit finsterer Wien« schritt er weiter, al» gäbe es für ihn weder Wirtshaus nochOchsen".Wirtin.

Bader! Baher!" schrie jetzt die resolute Frau Wir- ttn fo laut und etelig, daß sich ihre Stimme überschlug und statt des Baders'nur ein krächzender Laut hörbar war.

Erschrockne wandte sich das Gesicht des (Berufene» den sonderbaren, schrillenden Tönen zu.

Da winkte ihn dieOchsen"-Wirtin mit beiden Hän- den an dar Fenster heran.

Geht, vielleicht schlecht da droben?" fragte sie, auf da, neue Hau, deutend.Du machst ja a G'sicht rote t* verbrennte Hutzel."

(Fortsetzung folg»..