Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 213.
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Freitag, 16* September )92|,
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48. Zahrg.
Me AlishedW des DerslhMmester.
Zum 15. September sollten die Sanktionen tro Westen aufgehoben werden, aber Frankreich hält Ke schädliche Zollgrenze noch aufrecht. Zugleich Nimmt Me Entwertung der deutschen Papi er mark neben dem tollen Dö^entaumel ihren Fortgang. Auch die oberschlesische Schick- falsfrage bleibt noch wie ein Damoklesschwert über unfern Häuptern hängen . Damit hätten wir doch wahrlich schon Sorgen und Merger übergenug. Aber ffl diese gewichtigen Angelegenheiten werden jetzt bei keile geschoben durch die Enthüllungen aus Anlaß der lSriesbacher Mordtat und durch die i n n e r e K r i f i s, Ke sich im Anschluß an die Notverordmmg entwickelt
Was sich da enthüllt, ist frellich kein liebliches Bild. Qer Mord an Erzberger stellt sich nicht dar als die Verwirrung von zwei Tollköpfen, fondern als die Fre- »eltat eines großen Komplottes. Die Umstürzler, die tuns voriges Lahr den Kapp-Putfch in Berlin beschert haben, sind nicht ausgeräumt, sondern haben in Bayern Vine Zufluchtsstätte gefunden, in München sich ein fliest gebaut, das bisher überraschend wetterfest war. iöas fortgesetzte Wühlen dieser Berschwörcr hätte für ■Den inneren Frieden und den Bestand des Reiches geradezu verhängnisvoll werden können, wenn die Vorbereitung des Umsturzes ungestört weiter getrieben worden wäre, bis die Verhältnisse reif geworden waren für eine grundstürzende Katastrophe.
Die Deutschnationalen verleugnen natürlich diese waghalsige Sturmkolonne und oerwahren ihre Partei gegen verbrecherische Absichten. Aber die Partei betreibt doch tatsächlich eine Katastrophen- politi k. Ihre rücksichtslose Opposition, die sie fortwährend mit den linksradikalen Umstürz- lern zu einem gemeinsamen Nein führt, gibt den Verschwörern Mut, und ihre leidenschaftliche Hetze gegen die Person Erzbergers hat den Mordplan gezeitigt.
Die Gefahr war und ist wchrlich groß genug, um die Notverordnung des Reichspräsidenten als wirkliche Staats Notwendigkeit zu rechtfertigen. Wenn aus der Notwendigkeit sich eine Reibung zwischen Berlin und München entwickelte, so mußte diese Seglet!» erscheinung zunächst lebhaftes Bedauern erwecken, doch die weitere Entwicklung der Dinge zeigte nur, daß die Krisis in Bayern unvermeidlich war, um eine Ausscheidung der Krankheitsstoffe und eine Gesundung des Reichskörpers herbeizuführen. Ohne die Mordtat und chre Nachwirkungen auf polizeilichem und politischem Gebiete hätte das Feuer unter der Münchener Asche sich wndir entwickeln können, bis eines Tages die Flammen aus dem Reichsdache geschlagen wären.
lieber die Einzelheiten der Enthüllungen wird noch tocitere Störung erfolgen müssen. Aber im großen und ganzen steht schon fest, daß eine sehr ernste Gefahr von der Verschwörer-Zentrale in München drohte und eine Umbildung der dortigen Regierung und Verwaltung zum Schutze von Volk und Reich unbedingt notwendig geworden war.
Das soll keine Anklage gegen die baye- rischenBrüder sein. Im Gegenteil, es freut uns, feststellen zu können, daß die schlimmen Umtriebe von landfremden Elementen ausgingen und daß von der bodenständigen Bevölkerung Bayerns sich höchstem» einzelne Personen der Schwäche gegenüber den Ordnungsfeinden schuldig gemacht haben. Die Bayern selbst erkennen und beklagen diesen Mißbrauch ihres Gastrechts, und deshalb darf man wohl annehmen, daß sie selbst dafür sorgen werden, das Bayernland fortan zu säubern von den Verschwörern und Hetzern, die es zum Brutmst und ©prungbnett für die Revolution machen wollten.
Die Regierungskrisis in Bayern verzögert Me Verständigung mit der Reichsgewalt. Wir wollen
Der Gänfebub*
Fränkischer Dorfroman von Dina 6rn ft berget.
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Als Joseph ganz spät endlich in das Bett kam fühlte *r sich, dank der mütterlichen Sorgfalt, äußerst unbe- haglich in den unergründlichen Tiefen seines weichen Flaumenbettes Erst als die Hälfte Ballast über Bord geworfen war, konnte er sich einigermaßen zurecht finden, doch lag er noch lange mit offenen Augen da.
Auf einmal war es ihm, als hörte er leise, schiel, chende Tritte vor seiner Türe. So spät in der' Nacht; wer mochte dies sein? Er hob das Haupt und horchte angespannt auf das sonderbare Geräusch! Da — leise, ganj leise klinkte die Türe auf und sein Mütterlein steckte ängstlich horchend den Kopf durch den Türspalt. Schnell versteckte er das Haupt in die Kisten und tat, als ob er schliefe.
Schritt für Schritt kam sie heran und stellte sich dicht »or ihm an das Bett. In der Hand hielt sie eine Flasche, aus der sie einige Tropfen laufen ließ, die sie bann, leise betend, segnend auf die weißen Kissen des Bettes spritzte.
Der Mond erleuchtete schwach das Zimmer; ein Licht- schein fiel auf das gefurchte Antlitz der alten Frau. Joseph schien es auf einmal furchtbar gealtert und müd! Es wurde ihm plötzlich ganz weid) umz Herz. Genau fo war sie immer am Beitchen des Knaben gestanden. Ihm war'-, als fühlte er noch heute die harte, schwielige Hand der Mutter liebkosend über seine Locken streichen, wie sie s immer tat, wenn er mit Peter fromm sein Nachtgebet gebetet hatte. — Ganz f0 wie heute hielt sie segnend ihre müden Hände über das Beitchen der Kleinen und leise fielen kalte Tropfen von geweihtem Wasser nieder auf die müden Gesichtchen.
Es ist doch etwas Großes, Hocherhabenes um Mutterliebe. Sie stammt von droben, denn nichts Heilige- res konnte uns ein Gott verleihen. Der steht nie einsam und allein im Leben, wer noch eine Mutter fein eigen nennt
aber hoffen, daß die Verständigung um so gründlicher und dauer Hafter wird. Von Rerchswegen fehlt es offenbar nicht cm Nachgiebigkeit und Entgegenkommen. Es handelt sich im Grunde nicht um einen Rrngkampf zwischen Reich und Einzrl- staat, sondern um bas brüderliche Zusammenwirken der Regierungen, bit nur ein gemeinsames Ziel haben können: Die Sicherung der Verfassung und des inneren Friedens.
Die Verhandlungen im lleberwachungsausjchuh.
Im Ueberwachungsausschuß des Reichstages berichtete Reichskanzler Dr. Wirth, der bayerische Ge. sandte habe ihm mitgeteilt, daß das zur Zeit amtierende Geschäftsministerium nichtin der Lagesei, gegenwärtig mit Berlin weitere Verhandlungen zu führen.
Abg. Müller-Franken (Soz.) wies darauf hin, daß die 10 in München erfolgten Verhaftungen er- wiesen hätten, in welch engem Zusammenhang die An. gehörigen der Ehrhardt-Mordbrigade zu dem Morde an Erzberger stehen. 3m übrigen habe er b e- stimmte Nachrichten, daß der Hochverräter Ehrhardt in der näheren Umgebung des Münchener Polizeipräsidenten Pöhner gesehen worden sei.
Hierauf verlas der Reichskanzler ein Schrei, ben des Staatskommissars für Sffentliche Ordnung Weißmann vom 14. September 1921, in dem es heißt, seitens des Oberreichsanwalts sind in dem Hochverratsverfahren gegen den Ober" st en Bauer. Mafor Papst und Korvettenkapitän Ehrhardt Haftbefehle und Steckbriefe erlassen worden. Alle Bemühungen, der Verfolgten habhaft zu werden, sind indessen gescheitert. Bereits um Mitte September 1920 wurde mir vertraulich mitgrteHt. daß sich die genannten Kapp.Putschführer zumeist in Bayern aufhalten Bei der Bedeutung dieser Mitteilung und in Erkenntnis der bereits damals bestehenden Schwierigkeiten des offiziellen Verkehrs mit den zuständigen bayerischen Behörden habe ich 2 Krimi, nalbeamfe mit dem Auftrag nach Bayern geschickt, die Richtigkeit dieser Meldung nachzuprüfen. Diese Beam- ten sind nach einigen Tagen zurückgekehrt, ohne i h r en Auftrag vollständig ausführen zu kön- neu. Die Beamten haben mir berichtet daß in der Nahe Münchens die gesuchten Personen sich v e r. schanzt aufhalten sollen, wo sie von Männern ihrer Gefolgschaft, zum Teil sogar von aktiven bayerischen Polizeimannschaften durch scharfe Bewachung geschützt werden. Es sei so gut wie unmöglich, sich in ihren Schlupfwinkel einzu. schleichen, weil jeder, der sich nähert, mit Feuer empfangen würde. Ich habe alsdann erneut versucht auf vertraulichem Wege näheres zu erfahren. Darauf ist mir vor kurzer Zeit zuverlässig mitge. teilt worden, daß nach wie vor Kapitän Ehr- Hardt und auch ein bekannter anderer Kappputschführer sich in der Umgebung Münchens aufhalten Kapitän Ehrhardt geht bei dem Polizeipräsidenten ein und aus. Desgleichen steht er im Verkehr mit dem vor einigen Tagen zurückgetretenen Iustizminister Roth. (Nach einem neuen Telegramm leugnet Roth die Bekanntschaft mit den Kappisten. D. R.)
Abg. IDittmann (U. S.) führt aus, daß die Feststellungen des Staatskommiflars für öffentliche Ordnung die Richtigkeit feiner Behauptung von dem Bestehen einer deutschnationalen Mörderclique in München erwiesen hätten. Die Reichsregierung muffe dafür sor-
Wo Mutterliebe fromm die Hände zum Gebete fat. tet, da bleibt des Himmels Segen auch nicht fern. Oft überhörten wir im heißen Lebenskampf, im Strudel toller Lust das leise Mahnen tief im eig’nen Herzen; da stand auf einmal vor uns warnend mild der Mutter teueres Bild und führte uns mit starker Hand zurück auf die verlassenen stillen Wege. — Es war die Kraft des Muttersegens, die durch weite Fernen drang und schützend uns znrückzog, wenn der Fuß am steilen Abgrund straucheln wollte.
Joseph hatte in der Fremde der fernen Mutter Gebet und Segen oft, gar oft gefühlt. Dem harten, ener. gischen Mann wollte das Auge feucht werden, als sich das Haupt feiner alten Mutter über die Kissen seines Bettes neigte; tief und tiefer — bis ihre Lippen feine Haare berührten.
„Mutterle, was willst Du denn noch, warum gehst Du nicht zur Ruhe?" flüsterte er mit bewegter Stimme.
Erschrocken, wie ertappt auf böser Tat, fuhr die alte Frau zurück: „Sei net bös' Joseph, daß ich Dich aufgeweckt hab'", entschuldigte sie sich ängstlich. „Ich hab' nur noch sehn woll'n, ob Du Dein« Ordnung hast und schlafen kannst."
Joseph hatte sich im Bett aufgesetzt; er hielt die Hand der Mutter in der seinen: „Gönne Dir nur Schlaf, Mut- terle", sprach er zärtlich. „Du regst Dich durch mich viel zu sehr auf. Da darf ich so schnell nicht wieder kommen."
Sie hatte sich auf die Bettkante gesetzt und während sie die Hand auf das Haupt ihres Sohnes legte, bog sie fein Gesicht etwas zur Seite, daß der Mondschein voll auf seine Züge fiel. Schweigend sah sie ihm fe. .undenlcmg ins Auge: „Bist denn wirklich glücklich, Joseph? Bist zufrieden?"
Bange Sorge klang aus ihren Worten, lag in ihrem Blick.
„Was fällt Dir denn ein, Mutter; was sollte denn mir fehlen? Leg' Dich doch schlafen. Du bist aufgeregt."
„Laß mir nur noch a bißle mit Dir rebt), Joseph. Ich bin alt, wer weiß, wie lang mir Zeit noch bleibt
gen. baß bie staatrgefährbenben Zustänbe in München fobalb wie irgenb möglich aufhören.
Abg. Hergt (Dntl.) erklärte, baß, wenn bie De. hcmptungen über bie Tätigkeit ber Ehrharbtleute wahr wären, jeher Deutschnationale biese Taten scharf verurteilen würbe. Er erklärte weiter, niemals persönlich unb schriftsich mit Ehrharbi in Verkehr geftanben zu haben. Er verlangt Untersuchung ber Behauptungen über bie angeblichen SBerbinbungen seiner Partei mit Morbplä- nen unb Gewalttaten. Jeber, ber biese Verleumdungen wieberhole, fei ein Hunbsfott. Der Rebner begrün- bet bann einen Antrag auf Aufhebung ber Ausnahme- oerorbnung bes Reichspräsidenten.
Reichskanzler Dr. Wirth: Was Hergt (Dtschntl.) zu berDerorbnung bes Reichspräsibente» gesagt hat, steht einzig ba Hergt ist ber Meinung, bas Gehirn bes ein- fachen Mannes fei burch bie Derorbnung verwirrt unb M Gewalttätigkeiten aufgereizt worben. Wir (ber Reichskanzler) verzichten im Augenblick barauf auf diese Behauptung des deutschnationalen Abgeordneten unter Anführung eines riesigen Materials zu antworten, das zeigen werde auf welcher Seite die hetzerische Tätig, reit liegt. Daß aber die Verordnung des Reichspräsidenten unmöglich zu Gewalttätigkeiten aufhetzen kann beweise der ruhige Verlauf der im ganzen Reiche nach 2®r, ZEdung Erzbergers erfolgten Demonstrationen. Der Reichskanzler betonte ausdrücÄich, daß er bie volle m-e,ria<nt^°.r.tu"Q bie Derorbnung übernehme. Nicht ber Reichspräsibent fei bafür verantwortlich fon» bem lediglich ber Reichskanzler unb bie Reichsregierunq. Sie Angriffe ber Rechten gegen bie Verordnung feien gana verfehlt. Nun a6er muffe endlich diesen Der- hetzungen ein Damm entgegengesetzt werden Nicht die freie Meinungsäußerung soll unterdrückt nicht die ae- genteilige politisch« Ansicht mundtot gemacht werden sondern die A u f f o r d e r u n g z u Mord und G e. walttat sollen verboten werben. Auch bie Verantwortung für bas Verbot zum Tragen ber Uni. form übernehme ber Reichskanzler vollkommen. Es soll damit nicht bk Trabition bes alten Heeres verunglimpft merben.DaDon fei ber Reichskanzler weit entfernt ober bte Uniform bes ehrlichen beuffchen Solbaten sei zu Wabe, als baß sie zu Parteizwecken mißbraucht werben bürfe.
Nach weiterer Aussprache würbe bie Sitzung vertagt
Die Quertreibereien in der preffe.
Bezeichnend für Me Art, wie Me politische Atinos- ppare burch deutsch tMtwnale Quertreibereien in der Preffe vergiftet wird, ist folgeWee: Gestern brachte zu- nächst die „Münchcr-.-Augsburger-Abendzeitung" und nach ryr Me deutschnationalen Blätter aller Art, auch Me „Frankfurter Nachrichten", die Mittet- lung, daß sicherem Vernehmen nach diepreußische Regierung die Forderung der bayeri« sch en Regierung, die Verordnung des Reichs- Präsidenten vom 29. August abzuändern, auf das wärmste unterstützt habe, fodaß Preußen und Bayern eine Einheitsfront bildeten. Es konnte von vornherein als sicher gelten, daß die Nachricht in dieser Form falsch sei, mb das wird denn auch von Herrn Sieger wald in einer Erklärung mitgeteilt, die er durch den amtlichen preußischen Pressedienst veröffentlichen läßt. Die Erklärung lautet:
Die in der „München-AugSburger Abendzeitung" erschienene Notiz über daS Vorgehen beS preußischen Ministerpräsidenten in Sachen deS Streitfalles zwischen der ReichSregieiung und Bayern entspricht in der Form ber Veröffentlichung nicht ben Tatsachen. Richtig ist vielmehr, daß am letzten Dienstag zwischen dem preußischen Ministerpräsidenten unb bem Herrn Reichskanzler eine Besprechung über die bayerische Frage stattge- fitnben hat, in der der preußisch« Ministerpräsident ben Reichskanzler bat, mit Bayern auf bet ®runblage der neuen bayerischen Vorschläge, vielleicht mit einigen Modalitäten, zu einer Verständigung zu getan'tn. lieber die Beurteilung ber gegenwärti- gen Gesamtlage unb bie VerftänbigungSberert. schäft zwischen bem Reich unb Bayern bestand zwischen dem Herrn Reichskanzler und dem preußischen Minister- präsid!nten völlige Uebereinstimmung.
Stegenvald hat also im Sinne ter Beilegung des Konfliktes gearbeitet, die Deutfchnatiorialen nehmen die
dazu. Oft is mir so, als bauert’s nimmer lang, unb ich hält' Eil, wenn ich noch etwas b'sorg'n müßt ba. Zwar hab' ich nix, was mich noch brückt unb mich net ruhig fterb’n ließ, boch macht mir was manchmal boch a recht bittere Sorg! Schau, Joseph, sei net dös', wenn ich'z Dir sag', aber ich wär' boch viel, viel ruhiger, wärst Du versorgt."
„Was sprichst Du ba benn von versorgt? Dm rch s benn nicht? Was meinst Du bamit?"
„Ich mein’ halt, wenn bie Ev amat stirbt, bann bist allein. Wer macht Dir bann Dei Arbeit fo genau, fo wie bie Ev? Wer sorgt bann bafür, baß Du bie Orb- nung hast unb Kost, so wie Du's gewöhnt bist von ber Ev unb mir? Unb' wenn Du gar noch alt unb krank wirst, Joseph, wie sollt's Dir bann geh'n, wenn Dich die Ev bann nimmer pflegt unb versorgt?"
„Was machst Du Dir für unnötige Sorgen ba? Vorläufig lebt sie noch, bie treue Ev!"
„Sie is aber schon alt, Du wirst's um lange Iaht' noch überleb’n
„Dann wirb sich eine anbere Ev für mich finden lasten."
„2t zweite Ev wohl schwer."
.Um's Gelb bekommt man alles."
„Nur bes net, was Du brauchst. Anhänglichkeit, bie Treu', bas Mitg'fühl unb bie Reblichkeit, bie taffen sich net kaufen net um’s teuerste Gelb. A Dienstbot' wer bie Eigenschaften hat, is felt’n. Die Ev hat’s gehabt; brum wirst Dich nach ber Ev an feine anbere mehr g'wöhna tönna. Staat, baß Du Dich versorgt glaubst, fühlst Dich in Dein eigna Haus d errat’« unb verkauft. Was uns um’s Gelb geschieht, bas schmeckt anbers — o ganz anbers, als was Lieb' unb Anhäng, lichkeit gibt. Drum, Joseph, schau! Ich mein’ halt, für an Mann is immer besser, er bleibt net allein "
„Was soll Dein Sieben benn bezwecken, Mutter? Sag', frei heraus, mir büntt, Du hast noch mehr am Herzen."
„Schau, Joseph, ich mein halt, wenn Dich entschließ'n könnt'st unb heiratest noch — es wäre für Dich viel besser."
Gelegenheit wahr, diesen Anlaß zur Bertiefun- des Konflikts auszunutzen.
Der bayerische Landtag
wurde auf den 21. September, nachmittags einberufen. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des Ministerpräsidenten.
Der Mord an Erzberger.
Als Täter tet der Ermordung Erzbergers kommt der angebliche Leutnant Hütter, der sich in P o t s d a m selbst gestellt hatte, nicht in Frage. Die Abteilung U der lsälizei war bereits auf ihn aufmerksam gemacht worden und hatte sein Lichtbild der Staatsamvaltfchaft noch Djfenburg gesandt. Diese teilte darauf mit, daß Hütter als Täter nicht in Frage komme. 3n den nächsten Tagen werden die Bildnisse von T i llesser, und Schulz plakatiert werden, um ihre Verfolgung zu erleichtern.
Die Münchener Staatsanwaltschaft stellte fest, daß der bisherige Gang der Untersuchung für das Bestehen einer geschloffenen Organisation zur Verübung politischer Morde keine Anhalts- punfte ergeben habe. Ein Gerüchte daß einer der Mörder in einem Hotel verhaftet worden sei, erweist sich als falsch. Es handelt sich um einen Bruder des flüchtigen T i l l e s s e n, der nach München gekommen nxtr, um sich den Behörden zur Verfügung zu stellen.
Dir schweizerischen und italienischen Behörden erhielten von den deutschen Gerichts- bchörden dringendeSteckbriefe gegen die Mörder Erzbergers 3m Falle einer Verhaftung der nach der Schweiz oder Italien entkommenen Mörder wird die deutsche Reichsregierung sofort ein A u s l i e s e- rungsbegehren wegen Mordes stellen.
Deutschland; wirtschaftliche
und finanzielle Lage.
Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers haben in letzter Zeit mehrere Aussprachen mit den Präsidiail- mitgliedern der Reichsverbcmdes der deutschen 3ndustrie und mit den Vertretern der Banken stattgeftmden Gegenstand war die ernste finanzielle und wirtschaftliche Lage des Reiches. Von allen Seiten wurde ber gute Wille betont, praktisch und mit besonderen Opfern an dem Problem mitzuwirken unb dem Reiche die zur Erfüllung seiner Verpflichtungen notwendigen Mittel zu beschaffen. Die Verhandlungen sind bereits gut fortgeschritten und werden in rascher Folg- weitergeführt werden.
Die Sanktionen.
Don Wolffs Telegraschen-Büro w rd soeben folgende offiziöse Erklärung verbreitet: Nach ter letzten Mitteilung des Obersten Rats vom 14. August 1921 war Mr Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktioi'en für den 18. September 1921 ins Auge gefaßt, nenn bis zum 31. August dir fällige Goldmilliarde bezahlt, und wenn die deutfche Regierung ihre Einwilligung zur Schaffung eines interalliierten Organs jur Vermeidung von „Dis. kriminotionen" bei Erteilung von Aus- imfe Einfuhr» g-crichmiguirgen für das besetzte Gebiet erteilt hätte. Die deutsche Negierung hat die fällige Zahlu'ng geleistet, und ihre grundsätzliche Einwilligur.q zur Schaffung eines interalliierten Organs zur Verhütung von „Diskriminationen" in ihrer Note doctu£6. August ausgesprochen. Eine Antwort ist ihr bisher daraus nicht erteilt worden. Die schweren wirtschaft- lichen Folgen, welche das Wirtschaftsleben nicht nur des besetzten Gebiets, sondern ganz Deutsch, l a n d s durch das Fehlschlägen der von den Alliierten durch ihre Ankündigung erweckten Hoffnungen erleidet, können nicht der deutschen Regierung zur Last gelegt werden, sondern müssen von ben alliierten Regierungen verantwortet werden.
„Dacht' ich rnir's boch, bas ist's, was Dir fo schweren Kummer macht! Mir ist's, als hättest Du geschrie- den, bie mir von Dir bestimmte Braut hott' einen an« beren mir vorgezogen."
„Des hat's auch tan bie Kunbl. Doch einer Staub'» wegen krepiert tet Geiß; a anbere Mutter hat schon a noch a schön'? Kinb. Die Kunbl hat schon net rech/ zu Dir paßt; ich seh's etzt ein."
„Dann ist's bie Kunbl nicht, bie Du ba meinst? Unb wie heißt bann bie Neuerwählte, bie Du roürbtg fin. best. Deine Schwiegertochter zu heißen?" Belufttgi schaute er seine Mutter an, beren Gesicht im Schein« des Mondes blaß unb tiefernst erschien. Durch sein« Stimme klang's wie luftiger Spott, als er, nachbem et dergebens auf eine Antwort gewartet hatte, nochmal fragte: „Na fag's boch, Mutter. Ich bin wirklich neugierig. Wie mag sie heißen? Anb'l? Lies'l? Maiglk Bärb'l?"
„Marianne!"
Nur bies eine Wort hatte bte Flickschusterin ertöt» bert, kurz unb rauh warb es gesprochen. Bewegungslos ftanb sie vor ihm, ben Oberkörper leicht vorgebeugt, als wollte sie feine Züge bester fetten- Man sah es sie erwartete mit Spannung eine Antwort.
Joseph hatte sich zurückgezogen; er lag jetzt im Dunkel. Die Mutter konnte seine Zuge nicht mehr unter- scheiben. Es war auf einmal mertoürbig still im kleinen Zimmer geworben. Durch bie Stille ber Nacht hörte man ein wüstes Schreien unb Singen;, bas Freibier tat im „Ochsenwirtshaus' seine Schulbigkeit. Es war, als horchten bte beiben ba auf ben roilben Gesang der be. trunkenen Dauern. Sekunbenlang war es ganz still im Zimmer. Man vernahm beutlich bas leise Ticken der goldenen Taschenuhr, bie auf bem Nachttischchen vor bm Bette lag.
„Es wirb boch nichts geben ba unten im Wirtshaus?", frug Joseph plötzlich, wie aus seinen Gabariten heraus. „Sie scheinen alle betrauten zu sein. Es ist schon spät; bte Turmuhr schlug vor kurzer Zeit schon Mitternacht- Setz' nup ui Sett, Mutter" (Fortsetzung stützt.)