FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Aulda.
Nr. 212.
Leranttvottlich für den ceöontoneUen Teil: Dr. Kramer, = für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuida. u Rotationsdruck u. Vertag der Fuldaer Actirndruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffr: Fuldaer Zeitung,
Donnerstag, l5. Sept |92t
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48. Zahrg.
Der Mord von Griesbod) und die bayerische Krisis.
Sm politischen Getriebe gibt es manchmal munter- siche Verknüpfungen ter Dinge und überraschende Nach- , Wirkungen eines Ereignisses. ®t> übt jcht die Erinor- ■inmg Erztergers einen gewissen Einfluß auf die Entwicklung in Bayern aus. Allerdings nicht in dem Sinne, wie es die Frevler und tee sonstigen Feinde Erzberges wünschen, fontent vielmehr in ter entgegengesetzten Richtung, indem die Bayern abgeschreckt rverten von allen Bestrebungen, die dem Umsturz förter- ttch sein könnten
! Die polizeilichen Ermittlungen in ter Mordsache haben klar gestellt, daß din Mörder von München gekommen sind und nach der Tot sich wieder mich München begeben haben, und daß in München sich schuldige Mitwisser des Mordplanes befinden. Dadurch fallt! durchaus kein Flecken auf die Ehre der Bayern; denn hie Frevler tmb ihre Begünstiger waren zugewandut. Aber gerade ter Umstand, daß die Mörder und Umstürzler die bayerische Hauptstadt zu ihrer Zentrale machen, gibt den Bayern zu denken. Sie merken, daß der Ausnahmezustand, ter jetzt als bayerisches Re- fervotrecht so leidenschaftlich verteidigt werten soll, doch sein; bedenklichen Schattenseiten hat, da unter dessen Fittichen in München sich Leute versammeln, die keine Bayern sind, sondern „Preußen" im schärfsten Sinne des Wortes, und die für die bayerische Selbstherrlichkeit nur deshalb eintreten, weil sie von Bayern aus den Hebel zum Umsturz der Reichsverfassung ansetzen wollen.
Bekanntlich hat die Deutschnationale Partei ihren Parteitag in München gehalten und dort die Bluttat in üblicher Weise verurteilt. Die Mörder selbst wurden abgeschüttelt, aber nicht die rücksichtslose Agitation, die zu dem Frevel geführt hat. Auf die strafrechtliche Frage oder auf die Gswissensfraae ter „Mitschuld" an tem Mord kommt es nicht an, sondern vielmehr auf die richtige Einschätzung des ganzen Getriebes, aus dem die Frevler hervorgehen. Durch die jüngsten Er- Inittlungen ist nun em grelle» Licht gefallen aus die gesamte Tätigkeit der zugewanderten Hetzer in München. Die für ihre Eigenart besorgten -Bayern sehen jetzt, daß chre Hauptstadt zu einer Zen« -trale für ,„Rechtsbokfchewistqn" gemacht wird, daß „ihrer" Presie ein vielgewandelter morddeutscher Prediger a. D., der Pastor «Traub, das groß' Wort führt, daß aus tem bayerischen Ministerrot Nichtbayern den entscheidenden Einsstrß haben, und daß die mühselige DermitÄungsarbeit der berufenen bayerischen Volksführer schließlich sabotiert wird von Elementen. dd-Bayernweder lieben poch ehren, sondern nur ausbeuten wollen für ihren Zweck.
Diese Erkenntnis wirkt in ter Tat wesentlich mit izur Klärung der Stimmung im Volk und im Land- läge. Da» zeigt sich besonders in tem jüngsten Artikel des „Ba y e r i s ch e n Kurier", ter mit ter ^landesüblichen Deutlichkeit ausführt: die Schürer des Konfliktes mit ter Rrichsregieruirg feien Schein- 'F ö d e r a l i st e n, die ganz andere als bayerische Ziele verfolgten, die den bayerischen Namen mißbrauch, ten und ihrerseits nur Verachtung hätten gegen die- jenigen, die sich unbewußt zum Vorspann für eine antibayerische Politik hergÄen, usw.
Sehr richtig sagt dieses Blatt, das bayerische Volk, das durch die furchtbare Schule ter Erfcchrungen von 1919 gegangen, verlange entschieden, daß Bayern gegen jeden neuen Umsturz gesichert bleibe, auch gegen tenUmsturzvonderGegen-
r e v o lu r i o n. Darin stimmen wir alle ein, und auch die Reichervgrerung ist ja chrlich besorgt und eifrig bestrebt für die Sicherung der Ordnung in Bayern wie im ganzen Reiche. Daher sollen den Bayern auch Zugeständnisse gemacht werden, die ihnen die Gewähr geben, daß sie auch nach Aushebung ihres besonderen Aurmchmezust-antes mst Hilfe ter Reichs- verordmmg den inneren Frieden durch ihve eigenen Organe wirksam schützen können.
Es freut uns, daß dort sich te Erkenntnis durch» ringt von der Möglichkeit und ter unbedingten Notwendigkeit eines brüderlichen Ausgleiches. Das läßt hoffen auf Umbildung ter Regierung und ter Koalition in Mtmchen, die das gegenseitig: B e r- trauen wieder begrüntet.
Die Gefahr kommt nicht von tem amtlichen „Berlin", sondern vielmehr von jenen Berlinern und Preußen, die nach tem Ausdruck des genannten Münchener Blattes „das bayerische Ga st recht zu verbrecherischen Umtrieben mißbraucht habe n'\__________ ______________
Erzbergerr Mrd«.
Zu ter Entdeckung der Ettzterger-Mö-rder wird wei« ter berichtet: Durch das tatkräftige Zugreisen ter badischen, württembergischen und bayerischen Kriminalpolizei ist es gelungen, eine Anzahl Personen zu verhaften, die nach tem bisherigen Ergebnis ter Untersuchung in Beziehungen zu den Tätern stan- den. Es hantelt sich um 7 P e r s o n e n, die sich teils seit Wochen, teils ftij kurzer Zeit angeblich zu Studienzwecken in München aufhielten. Es sind Manfred v. Killmger, Erhard Kautter, Atels Hoffmann. Ordert Müller, Fritz Otto Heimich, Karl Schueter und Johann Leue. Kittinger ist beschuldigt, vor der Be- gchung des Mortes an Erzberger mit Schulz und Tillesien die Tat befprochenzu haben. Ferner hat v. Kittinger, um den Mördern die Flucht zu er- leichtern, deren Gepäck bei sich aufbewaLrt. Die übrigen Beschuldiaten sind verdächtig, in den W» ter beiten Mörder eingeweiht zu sein, aber trotzdem keine Anzeige erstattet zu haben, so daß Schulz und Tillesien den llstord imgeftört ausführen konnten. Bis jcht ergab sich nicht ter geringste Verdacht, daß an ter Vorbereitung zur Tat. an ihrer Ausführung und an ter . Hilfe zur Flucht ter Mörder bodenständige Münchener oder Bayern beteiligt waren.
Nach einem späteren Münchener Telegramm sind rm ganzen 10 Personen verhaftet worden. Außer den bereits namentlich aufgeführten sieben Personen be. finden sich jcht noch in Hast ter Student Ulrich Klintzsch. ter Stutent Wilhelm Bollinger und ter Äutent Karl ©reM. Sämtliche Verhaftete werden demnächst nach Offenburg gebracht, um dort vernommen zu werten. Da di- beiden Mörder Schulz und Tillesien in Regens- terg bei D r. H e i m studiert hatten, wurde in tem Zimmer, das die beiten bewohnt hatten, eine Unter- suchung vorgenommen. Daß von Kittinger tem Schulz 3-ur Flucht verhalfen hat. ist dadurch erwiesen, daß er ihn im Auto zur Bahn gebracht hat. Die bodrsche Polizei ist zur Zeit mit ter Durchsuchung des beschlagnahmten Gepäcks der Verhafteten beschäftigt. Boi den Haursuchuingen wurde auch ein Revolver gefunden. Beim GenerafftaatscmwÄt trckf einSchrei- ben aus Italien ein, das in italienischer Sprache die kurze Mitteilung enthält: Halten uns in Mailand
auf. Der Brief Hai keine Unterschrift. Es muß erst untersucht werten, ob es sich um eine Mystifikation hautest.
3n Berlin hat sich ein Mann, ter sich als Leutnant Hüter b-zeichnet, als Mörder Erzbcrgers ge- meldet. Seine Angaben erscheinen jedoch unglaubwürdig.
v. Hirschjeld.
Der frühere Fähnrich o. Hirschseld, ter den ersten Mordanschlag gegen Erzberger verübte, befindet sich nicht in Freiheit, sondern verbüßt seit tem 10. September weiter feine im Februar über ihn ver- hvngte Strafe. Nur ter neue Hctsttefehl wegen Mordverdachts ist aufgehoben.
Vie Rechlsbolschewisten.
Smrt „D. Z. a. M." gelang es in Schlesien, in ten letzten Tagen einigen geheimenNachrich- tendien st zentralen radikal-reaktionärer Greife auf tee Spur zu kommen. Nunmehr sei es auch gelungen, einen ter Leiter einer solchen Organisation in Neubielau festzunehmen. Es sei dies ter betonte antiftlmit-isch? Privatdozent Arnold Rüge aus Heidelberg, der falsche Ausweise unter dem Namen eines Geheimrats Berger besessen haben fott. Auch weitere Mitglieder seien verhaftet worden.
Keine Rückkehr Kahrs.
Wie die Blätter aus München melden, hat die bayerische Lolkspartei gestern zwei Frak- Äonssitzungen abgeh alten, von denen die zweite noch in ten Abendstunten andauerte. Nach tem Ergebnis ter Beratungen könne schon jetzt mit Bestimmtheit darauf gerechnet werten, daß die bayerische Volks- Partei an v. Kahr nicht mehr mst tem Ersuchen herantreten wird, auf seinem Posten zu verbleiben. Da auch dir Demokraten sich an einem neuen Kabinett Kahr nich mehr beteiligen würden, sei also schon jetzt, mit Sicherheit zu sagen, daß eine Rückkehr Kahrs nicht mehr erwartet werden kann.
Aus parlamentarischen Kreisen wird dem „Berl. Tagebl." mitgeteist: Obwohl die Lage in München noch ungeklärt ist wird die für Donnerstag cnteraumie Sitzung des Ueberwachungsausfchus- s e s tes Reichstages, ter sich mit ter bayerischen Frage zu befasien hat, n i ch t v e r t a g t werden. Es fft jedoch anzunehmen, daß die Sitzung nur kurz fein wird.
Der Reichsbörgerrat begreift.
Für die Politik der Versöhnung.
Eine Abordnung ter Präsidiums deS Reichs« bürgerraie8 unter Führung des StaatsministerS v. Loeb eil Überreichte dem Reichskanzler Dr. Wirth eine Resolution deS Reichsbürgerrates. Die Erklärung der Vertreter des Reichsbürgerrates, nach allen Richtungen versöhnend wirken und positive Mitarbeit beim Wiederaufbau Deutschlands leisten zu »vollen, nahm der Reichskanzler bankend entgegen. Mit einer Schilderung der gegentoärtigen politischen Lage begründete der Reichskanzler die Notwendigkeit der letzthin ergangenen Verordnungen. Die Aussprache schloß ab mit der Erklärung deS StaatS- minisiers von Loebell, daß die Vertreter deS Reichsbürgerrates mit den vom Reichskanzler vorgetragenen Grundanschauungen einverstanden sind. Sie hoffen, daß durch gemeinsame Arbeit daS gewünschte Ziel der Beruhigung der politischen Lage erreicht werde.
Die thüringischen Wahlen.
Das amtliche Gesamtergebnis.
Das entgültige Wahlergebnis der thüringischen Landtagswahlen ist folgende«: S. P. D. 13 Sitze und 548 Restimmen, U. S. P. D. 9 Sitze und
Der Sänsebub.
Fränkischer Dorftoman een Dina Smflberger. 44’ ----------
„Recht guten Tag Euch allen," grüßte der Ankommende die schweigende Schar während Hanni ohne Gruß im Amtsschritt bis in die Mitte des Zimmers vorging und mit den Worten: „So. da is er etza, weil ichs Euch versprochen hab," die Borstellung übernahm.
,Kennen'- denn den nimmer", fuhr er fragend fort, »-Ai 9ßnnerteft auf einen Mann deutend, der verlegen lächelnd kräftige Stöße aus seiner qualmenden echten Ulm» Tabakspfeife blies, als sollten ihn die dichten Rauchwolken den Blicken des ehemaligen Iugendkame- rasen entzieh.^, „No, kennens ihn nimmer?" wiederhole Hanni feine Frage, als er sah, wie Joseph, sich besinnend den viereckigen Schädel des rauchenden Bauern bewach.ete Ex fühlte sich nun ganz Herr der Situation.
„Schneiders.Schorsch!" hörte man da einen Verwegenen rufen.
„Schneiders-Schorsch?" nachdenklich wiederholte Jo- feph nochnia. den Namen, dann plötzlich erinnerte er sich des alten Freunde, mieber und lachend streckte er seine Hand dem einstigen Kameraden entgegen. Schwerfällig erljo6 sich der Begrüßte. namenloser De-rlegenheit murmelte er einige unverständliche Worte die seine Freude über das Wiedersehen zum Ausdruck bringen sollten. Wenn er doch um alle? nur wüßte was er sagen, wie er den einstigen Jugendfreund' anreten sollte. „Flickschusterioseph konnte er doch nicht sagen .Herr Schusterjoseph" — das klingt auch toll. Wie eine Erlösung aus höchster Not dünkte es ihm. als sein Nachbar, just der Vorwitzige, der zuerst Schneidersschorsch tief, ganz ungeniert und ftech dem noblen Freunde zu. rief: „Ha, und mich kennens nimmer, Herr Joseph? Hab'» doch allweil mitananber Eänz g'hät und die Professors Lore dazu. Weißt's denn nimmer? Ich bin tioch der Schultespeter.^
Also Herr Joseph mußte man sagen. Aufatmend aernahm es der Schneidersschorsch
. »Ach der Schultespeter", rief Joseph erfreut. „Na- Erlich kenne ich Dich noch. — Wie mich das freut, all
die lieben Freunde und Bekannten wiederzusehen, llnd wer sind denn die anderen? Mir dünkt, ich kenne sie auch; kann aber nicht mehr ihre Namen finden."
Sofort übernahm Hanni wieder mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit die Vorstellung.
„Ha, des is omal der Görg'nmichel; ter fett ist der Fritzen-Hans; no, und der — Potzkreiz! no den (en. nens erfch recht gut, das is der Webermichel. Weßia, Herr Joseph, der wo alleweil einsag'n hat müsi'n in der Schul drinna."
Lachend begrüßte Joseph all die SocgefreUten, jedem freundlich die Hand schüttelnd; bann setzte er sich mitten unter sie und erzählte und ließ sich erzählen und als das Wort „Herr Josephs immer häufiger an fein Ohr drang, ■ bat er sie, doch nicht mehr Herr zu ihm zu sagen, son. bern dar alte traute „Du" wieder wie einst beizubehalten. Jetzt war »st die richttze Stimmung da.
„Etza fehlt ner noch as Fäßle auf das Späßle", flüsterte der Schultespeter dem Webermichel ins Ohr, als ebn Seppele und Heinele angestürmt kamen, um den Herrn Onkel zum Abendessen heim zu holen.
Wilde Protestrufe wurden laut. Mit Gewalt wollte man den Herrn Joseph noch länger hier behalten. Der erklärte aber fest und bestimmt, daß er seine Mutter nicht länger warten lassen dürfe.
„Die Dunnerwetters-Weibsbilder sind doch an all'n schuld", meinte seufzend der Schultespeter. „Meine da- heim is a so a Luder. Kaum bin ich im Wirtshaus, läßt f mich wieder holln. Verheirat' wennst erscht wärst! Pötzdunnerkeiler, da könnft was fpür'n!"
Leise zupfte der Fritzenhans den kühnen Sprecher am Arm: „Du Bruder, mit dem Fäßle das wird nix. Red's ihm ama( a wenig hin: Du hast as meist Ku. raschie."
„Das glaub ich, a, dazu wär' ich Euch recht, zum Bürgermeister nehmt Ihr Euch an andern."
„Laß geh! Dir hätt's ja doch am besten g'schmeckt. Zum Bürgermeister bist uns viel zu g'scheit, mei Sie. der!"
JJaft recht! Bei Euch kann nur a Rindviech Bur- germeifter sein."
„Söll des wohl heiß'n, daß der Friedlers-Görg a Rindviech is. Putzdunnerkell. as. Rindviech bist Du"
Trotz heftigster Erregung erwiderte der Schultespeter nicht sofort die tiefe Beleidigung seines Feindes. Mit offenem Munde horchte er angespannt auf die Worte, die der Herr Joseph eben zu den Versammellen sprach.
„Trinkt auf mein Wohl und macht Euch einen guten Abend. Der Hundertmarkschein trag' zur frohen Stirn, mung etwas bei."
-Was is denn mit dem Hundertmarkschein, Sorg?" fragte der Schultespeter rasch, den Nächststehenden am Arme zupfend, während der Fritzenhans, alle Kränkung vergessend, dem Fragenden ganz liebevoll zuflüsterte:
„Das gibt mehr als a Fäßle, Peter. A Hundertmarkschein i» ka Katzadreck!"
Stürmisch drängte sich nun alles an den großmütigen Spender heran, der sich anschickte, fortzugehen. Ein jeder wollte ihm nochmal die Hand drücken; ein jeder wollte ihm ein recht baldiges Wiedersehen an das Herz legen. Mit tiefem Bedauern erfüllte es alle, daß Jo- feph schon am nächsten Tage das Dorf wieder verlassen wollte. Schon stand er unter der Türe, da — auf ein Zeichen des Schultespeter brach die ganze Schar in ein brüllendes „Hoch" aus, das sich so lange fortsetzte, bis der edle Freund hinter den Mauern seines Hauses verschwunden war.
3m neuen Hause herrschte an diesem Abend eine frohe Stimmung.
Er war schon spat; die Lichter waren längst ange. zündet, aber die alte Flickschusterin wollte heute nichts vom Schlafengehen wißen. Sie konnte sich gar nicht satt hören, wenn Joseph erzählte — daß er aber auch am andern Tag schon wieder fort wollte! >— Sie wußte noch so vieles zu fragen und vieles wollte sie ihm auch noch sagen! Sie hatte nicht nachgelasien, bis Joseph versprach, auch die Nacht hier im Hause bei ihr zuzubringen. Als er bei seinen Bekannten im Ochsen- Wirtshaus war, hatte sie das kleine nette Gastzimmer schnell mit Marianne für den lieben Gast hergerichtet.
Die vollsten, weichsten Kiffen legte sie ihm in dar Seit und die schönste Wäsche holte sie heraus. Weil die Herbstnächte manchmal schon recht kalt waren, legte sie vorsorglich : - rechte heiße Wärmeslalcke in das Bett. Allein — allzu viel ist ungesund
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2811 Reststimmen, K. P. D. 6 Sitze und 541 Rest« stimmen, Deutschnationale 4 Sitze und 2859 Reststimmen, Landbund 10 Sitze und 7531 Reststimmen, Zentrum keinen Sitz und 7394 Stimmen, Deutsche Volkspartei 9 Sitze und 1196 Reststimmen, Wirtschaflspartei keinen Sitz und 4126 Stimmen, Demokraten 3 Sitze und 1677 Reststimmen. Damit stehen 28 Sozialisten 26 Bürgerlichen gegenüber.
Kus dem besetzten Gebiet.
* Die Sanktionen Nach den Informationen bei Vereins der Industriellen des Kötner Regierungsbezirks, ist mit der Fortdauer der Sanktionen mindestens noch mehrere Wochen zu rechnen, da die Ber, Handlungen im UeberwachungsauSschutz zu einem Ergebnis noch nicht geführt haben. — Die öffentlich, rechtliche Abteilung des deutschen JuristentageS, die zur. zeit in Bamberg tagt, beschäftigte sich mit den Sank- tionen. Nach dem Referat von Prof. Dr. Meurer- Würzburg und deS österreichischen Justizministers a D. Dr. Klein-Wien wurde folgende Entschließung angenommen: Der deutsche Jurlstentag spricht als feind einmütige Rechtsüberzeugung aus, daß die sogenannten Sanktionen widerrechtliche Gewaltmaßnahmen sind. Sie verletzen den Versailler Vertrag uni) das Völkerrecht.
Deutscher Reich.
(y) Zusammentritt des preußischen Landtages. Der preußisA Landtag ist vom Präsidenten Leinert zu Mittwoch, 28. Sept., nachmittags 2 Uhr, einberufen worden. Auf ter Tagesordnung ter ersten Sitzung nach den Sommerferien stehen nur kleine Vorlagen und Anträge. Beabsichtigt ist, in ten ersten Zagten nach tem Wivderzusammentrirt zunächst einig« große Anfragen, darunirr auch die Anfrage über die Augustoerordnungen (Zeitungs- und Versamm- tongsDerbote) zu besprechen und hierauf in der E t a t s- beratung sort,znfahrech Die rotierenden Etats sollen bis Ente Oktober verabschiedet werden.
* Die Slenrreinnahmen im ersten Halbjahr. Vom 1. April bis Ende Juli stellten sich die Einnahmen an Zöllen, Verbrauchssteuern und sonstigen Abgaben insgesamt auf 22 829 Milliarden (gegen das Vorjahr mehr 16 052 Milliarden, ferner aus der Post- und Dolegraphenverwaltung auf 8 052 Milliarden (mehr 3 049 Milliarden). Der Stand der schwebenden Schuld am 31. August wird auf 219 061 Milliarden beziffert.
* ZeitungSverdote. Die in Berlln erscheinende ,Rote Fahne' ist vom 15. bi§ 17. September und das in Gotha erscheinende,GothaerVolksblattt vom 15. bis 22. September auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. September vev boten worden.
Ämlanö.
* Mm das Burgenland. Nach Zeilungsmeldungen wird die Botjchafterkonferenz eine energische Note, vielleichtsogareinUl t im a tu m an Ungarn schicken, damit es in Ustereinstimmung mit tem Frie- densvertrag seine Truppen aus dem Burgenlande zurückziehe.
* 3um griechisch-türkischen Krieg. „Daily Chro- nicke" schreibt in einem Leitartikel, vom territorialen Standpunkt aus hätten die Griechen von Kleinasien mehr erobert al- nötig gewesen sei, um befriedigende Frietenstedmcmngen zu erlangen. Man müssa jetzt die Einstellung der Feindseligkeiten wünschen. ______________ _______________
Äur der katholischen Welt.
Erzbischof P. Dionysius Schuler wurde aus Anlaß feines hier schon erwähnten goldenen Ordensjubiläums in Kloster Gorheim (Sigmaringen) am Sonntag in weitgehendem Mäße geehrt. Schon in früher Morgenstunde überraschte die Musikkapelle der Stadt Sigmaringen den Jubilar mit einem wohlgelungenen Konzerte im Klosterhof. Die kirchliche Feier hatte zahlreiche Teilnehmer aus dem Ordens, und Weltklerus — darunter Domkapitular Dr. Rösch als Vertreter des Erzbischofs von Freiburg und den hochw. Herrn Erzabt von Beuron — sowie die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden Siama. ringens versammelt. P. Provinzial Theoph ' l W i tz el nahm die Funktionen des Jubiläumsvitus vor. In der Festpredigt führte P. Definitor Bertr and (Mün- eben) aus, daß in dem 50jährigen Ordensleben des Jubilars besonders ein Wort in vielfachem Echo am stärk- sten stets wiederklinge: „Alles Gott zuliebe"; die Gefühle des Jubilars an feinem goldenen Jubeltage charakterisierte er mit den Stichworten: dankbare Freude, demütige Unzulänglichkeit vertrauensvolle Bitte. Es war ein weihevoller Augenblick, als der greife Jubilar nach dem Pontifikalamt an die Stufen des Mtares schritt, um feine vor 50 Jahren abgelegten heiligen Ortensgelübde in die Hände des P. Provinzials zu erneuern.
Ein im Refektorium des Klosters veranstalteter F c st. a k t führte am Montag die Geistlichen ber Umgebung zusammen, die der Feier am Sonntag nicht hatten beiwohnen können. Im Mittelpunkt des Programms stand ein Dortrag des Fr. Ladislau O. F. M über die Franziskanermifsionen o< den Philip. P inen. Die Erfolge, die die Missio re seit dem Jahre 1575 dort erzielt haben, gehören mit zu dem Glorreichsten, was die Missionsgeschichte auszuwcisen hat. Eine Reihe von Orchesterstücken rahmten den Festakt stimmungsvoll ein._Se. Exz. zeichnete den Anwesenden selbst in den Hauptzügen das Bild seines 50jährigen Ordenslebens mit zum Teil ergreifenden Einzelheiten aus der Leidenszeit des Kulturkampfes. Zum Schluß wurden dem Jubilar im Namen des anwesenden Weltklerus durch Domkapitular Rösch im Namen der Ordensprovinz durch den P. Provinzial Theophil Witzel die wärmsten Glückwünsche ausgesprochen. Als erster von den zahlreichen Glückwünschen aus der allen und neuen Welt traf schon am 7. Sept, ein Telegramm des Papstes Benedikt XV. ein, das in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut hat: «Zur bevorstehen' den Feier des 50. Jahrestages Deiner heiligen Ortens- profeß wünscht Dir der Hl. Baker freudigen Herzens Glück und dankt mit Dir Gott dem Herrn für diesen Erweis besonderer Gnade. Als Zeichen feiner vaterli. chen Siebe und als Unterpfand himmlischer ©nabenga» den spendet er Dir aus vollem Herzen den apostolischen Segen. Kardinal Gaspari." - ........