Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Dienstag, 1Z. September 1921
Nr. 210
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ohl ist Dein reiches Wirken uns entschwunden; Doch nie Dein Bild im Herzen uns verblaßt, Wenn Du auch trägst in opferschwere» Stunden An fremder Stätte hehren Amtes Last.
Des Heilands Lehre sollst Du laut verkünden;
Umbraust vom Tosen einer andern Welt, Des Glaubens Türme zielfest stärker gründen, Ob auch Dein Werk dem niederen Sinn mißfällt.
Wenn haßerfüllt in finsteren Gestalten Der Feind der Kirch« Deiner Arbeit droht, Sei eingedenk, daß nach des Sturms Gewalten. Des Glaubens Flammenfeuer heller loht.
Du trägst der Gnaden Fülle in den Händen.
Zieh, Hirt, hinaus in tagendes Gefild, Zerstreuter Herde Himmelstrost zu spenden, Das Wappen Thristt sei Dir Schutz und Schild!
Engelbert May-Fulda.
Parzelier-Fulda. z tldaer Aetiendeutkerri in Fulda.
Einen Hirtenbrief
richtet der neue Bischof von Meißen anläßlich seiner Bischofsweihe an die Gläubigen des Bistums Meißen. Er gibt darin eine herzerquickende Darstellung über Herkunft und Ursprung des Bischöflichen Amtes und spricht über den Geist und die Gesinnung, die ihn bei der Verwaltung seines Amtes leiten solle.
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Scheidegrutz.
Dem Hochwürdigsten Herrn Bischof vr. Schreiber.
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Das Wappen des neuen Bischofs von Meißen
ist vielgestaltig und farbenprächtig. Ein das ganze Wappen nebst verziertem Kreuz überragender grüner Hut zeigt an links und rechts herabhängenden grünen stlberdurchwirkten Schnüren 4 Reihen ebenfalls grüner Quasten. Diese vier Reihen Quasten sind ebenso wie die von Regensburg und Osnabrück durch mehrere Jahrhunderte herkömmlich. Das schwarze Kreuz aber links in goldenem Felde (Bistum Merseburg) weist auf den Leipziger Kreis hin. Der silberne Schlüssel oben rechts, gekreuzt mit silbernem Schwerte und goldenem Griff und Parierstange stehen in tiefrotem Felde und vertreten das Bistum Raumburg-Zeitz, zu dem einst das sächsische Vogtland sowie das heutige Altenburg und Reuß gehört haben. Das silberne Schäfchen unten auf carminrotem Grunde, dessen Ostersähnchen ein hell- rotes Kreuz trägt, indeß Fahnenstange und Querholz golden sind, deutet hin aus das Hochstift Meißen. Auf den neuen Bischof Bezug hat ein Schildchen in der Mitte, da» aus azurblauem Grunde eine aus weitem heüvioletten Aermel und weißer Handkrause heroor- tretende Hand zeigt, die in der Elle gebogen ist und zwischen den drei Fingern eine silberfarbene schön entfaltete Kielfeder führt (Schreiber). - In dem darunter geschlungenen Spruchband befindet sich der Wahlspruch: „In chäritate Dei“.
Zur Lonsekrationsfeier
werden u. a. folgende auswärtige Gäste erwartet: Der frühere Kronprinz von Sachsen, ferner der langjährige Hofchef der Landgräfin von Hessen Baron v. Both» mer, Geheimrat o. Savigny-Hof Trages; von sächsischen Geistlichen nehmen an der Feier teil: Prälat Skala- Bautzen, Konsistorialrat Dr. Kaiser-Dresden, der Präses des Dresdener Konsistoriums Hartmann, Prälat und Kanonikus Sauer aus Bautzen, Vertreter der Eisterzienser- innenabteien Marienstern und Mariental, Pfarrer Stranz- Leipzig.
Gelegentlich der Fahrt des Hoch«. Herrn Bischofs nach feinem BischofssitzDautzen, die am Samstag angetreten wird, finden auf den zur Diözese Meißen gehörigen Bahnhöfen in Leipzig und Dresden Begrüßungen durch die dortigen katholischen Gemeinden statt.
die durch die Bischofsweihe gegeben wird. Als Zeichen feines Herrscheramtes werden dem neugeweihten Bischof Stab und Ring überreicht. Der Hirtenstab ist ein schönes Sinnbild für die Art des kirchlichen Regiments, als eines milden, versöhnlichen, väterlichen. Ein „Pastor bonus", ein guter Hirt, wie der Heiland selber, soll ja der Bischof fein. Der Ring deutet auf die geistige Vermählung des Bischofs mit seiner Diözese. „Nimm hin den Ring, der da ist das Zeichen der Reue, auf daß du.
morgigen Mittwoch, am Feste Kreuz- ? erhöhung, wird der hohe Dom in Fulda A eine Feier erleben, an der das ganze L katholische Deutschland innigen Anteil K nimmt. Dr. Christian Schreiber, der langjährige Regens des Fuldaer Priester- Seminars, vom Hl. Vater in Rom zum Bischof von Meißen ernannt, empfängt aus der Hand unseres Hoch- würdigsten Herrn Bischofs unter Assistenz der Hochw.Herren Bischöfe von Limburg und Paderborn die Weihe, an die alle Bischöfliche Vollmacht und Gewalt geknüpft ift, die den Ernannten einreiht in die lange ehrwürdige Reihe der Nachfolger der Apostel. Der am Grabe des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen, geweihte Bischof aber zieht dann hinaus in eine Diözese, die schwierigstes Arbeitsfeld darstellt, die nach jahrhunderterlanger Verwaisung jetzt durch die Fürsorge des Hll Vaters wieder aufgerichtet ift, damit auch in deutscher Ostmark den zerstreuten Kindern der katholischen Kirche die Ermunterung und Kräftigung in Glaube, Hoffnung und Liebe durch die Sorge eines Bischofs in reichem Maße zuteil werden kann.
Die Liebe und Verehrung, die man in Stadt und Diözese Fulda der Person des zu weihenden Bischofs entgegenbringt, verstärkt noch das Interesse und die Anteilnahme an der morgigen Konsekration. Wie sehr auch alle Kreise der Bevölkerung, arm und reich, gelehrt und ungelehrt, bei der Nachricht vom Weggang des Herrn Regens schmerzlich getroffen worden sind, so erfüllt es uns doch alle mit Stolz und Befriedigung, daß das Oberhaupt der katholischen Christenhett in Rom den Priester, den wir alle kannten und verehrten, aus den vielen würdigen Dienern im Heiligtum ausgewählt hat für das hohe und bedeutungsvolle Amt.
Freudig stimmt es uns auch, daß der hohe Dom in Fulda den Schauplatz für die Weihe abgeben darf und daß unser verehrter Bischof die hl. Handlung vornimmt. Bei Anlaß einer Bischofsweihe entfaltet die Kirche die ganze Majestät ihres Kultus und umgibt die Weihs, deren Kern- und Mittelpunkt in derHandauflegung, Salbung und Uebergabe der bischöflichen Insignien besteht, mit einem reichen Kranze von Zeremonien, um die Erhabenheit des bischöflichen Amtes dem Auge des Volkes recht sinnfällig darzustellen.
Zur Konsekration sind zwei Altäre festlich hergerichtet, einer für den weihenden Bischof, der andere für den zu weihenden. Von zwei Bischöfen geleitet tritt der zu weihende Bischof vor den weihenden, und die Geistlichkeit bittet diesen, die hl. Weihe vorzunehmen. Doch er willfahrt nicht sogleich, sondern fragt zunächst, ob der Papst, der Oberhirt der ganzen Kirche, die Wahl bestättgt und die Weihe genehmigt hat. Nachdem man ihm die Bestätigungsurkunde vorgezeigt, befiehlt er, sie dem versammelten Volke vorzulesen. So werden die Gläubigen, die der hehren Feier beiwohnen, Zeugen dafür, daß die Weihe des neuen Bischofs ordnungsgemäß geschieht, und daß derselbe durch feine Verbindung mit Rom ein wahrer Bischof, ein rechtmäßiger Nachfolger der Apostel ist. Dem hl. Vater leistet nunmehr der zu Weihende den Eid der Treue und beteuert, daß er als guter Hirt entschlossen sei, das Evangelium mit feinen Lehren und Geboten zu halten.
Jetzt beginnt die heilige Messe. Nach dem gemeinsamen Staffelgebet begibt sich der Gewählte zu seinem Nebenattar, um hier gesondert das hl. Opfer fortzusetzen. Alsbald werden ihm das Brustkreuz und die einzelnen bischöflichen Gewänder angelegt, und nun folgt die unmittelbare Einleitung zum eigentlichen Weiheatt. Die ftreitenbe Kirche wendet sich in flehendem Ruf an die triumphierende. Alle beugen in Demut ihre Knie, ja der Gewähtte selbst wirft sich im Bewußtsein menschlicher Armseligkeit auf fein Antlitz zur Erde nieder und aus Herz und Mund erschallen die ergreifenden Bitten und Anrufungen der Allerheiligenlitanei.
Wenn er sich wieder erhebt, erfolgt der Weiheakt ourch die Handauflegung, wodurch der Bischof die ganze Fülle des Priestertums empfängt, zugleich mit der hi» h dasselbe auf andere zu übertragen. Die Gebete, Handauflegung folgen, wurden schon in den hi.L’nJl Seiten der Kirche gebraucht. Während x unb noch geraume Zeit nachher trägt der nnhprfLrki Evangelienbuch auf seinem Rücken, eine . Jahrtausende alte sinnvolle Zeremonie. Sie 2?nnhbas bischöfliche Amt ist eine schwere Last, ist Ö^Dfltthfunn5!.015 e,bic Sürbe des Evangeliums, ist die Joch des Evangeliums, das der Bischof Zuerst selbst zu tragen und als Lehrer ™ Erde selbst sein ganzes Handeln
^Thmmphr ten bss Evangeliums einzurichten.
ftanh^emitdß-hrir ble SaI6ung des Hauptes und der xan' ein wahrhaft hohepriesterlicher unö komgl.cher Akt, der die Fülle der Gnade finnbitbet,
Verantwortlich für den cedaaionellen Teil: Dr. Kramer, - für die Anzeigen: I. ~ Rotationsdruck u. Verlag der Ful ______________
fternlpredjet Nr. 9. Telegr.-Adresie: Fuldaer Zeitung.
geschmückt mit unversehrter Treue, die Braut Gottes, die heilige Kirche, unbefleckt bewahrest! Hierauf nimmt der Äonsekrator das Eoangelienbuch von dem Rücken des Geweihten und übergibt es demselben mit den Worten: „Nimm hin das Evangelium, geh' und predige es dem dir anvertrauten Volke!"
Das hl. Meßopfer wird nun fortgesetzt, von jedem gesondert auf eigenem Altäre bis zur Opferung, von da aber gemeinsam von beiden auf dem Hochaltäre. Welch ein rührender Anblick! Zwei Hirten der Kirche, brüderlich vereint an einem Altäre, ein und dasselbe hocherhabene Opfer darbringend, zwei Bischöfe wie Brüder, von einem Brote essend, aus einem Kelche trinkend. Bei der Opferung überreicht der Neugeweihte dem Weihenden Kerzen, Brot und Wein. Die Kerzen weisen daraus
hin, daß er seine Kraft, wie das brennende Licht sich verzehrt, verzehren wolle für Christus. Wie zehrt in der Tat das bischöfliche Amt an allen Kräften des Leibes und der Seele, an der Gesundheit, an den Nerven, am Gemüt und an der geistigen Kraft! Brot und Wein sinnbilden die Liebe und Freigebigkeit des Bischofs in leiblichen und geistigen Nöten, besonders gegen Arme und Bedürftige aller Art und erinnern in unserer Zeit an den sozial ausgleichenden Charakter des bischöflichen Amtes.
Bei der hl. Kommunion genießt der weihende Bischof nur einen Teil der hl. Hostie und des hl. Blutes und reicht dann dem Neugeweihten die hl. Kommunion unter beiden Gestalten. Nach dem Jte miffa est folgt die Segnung und Uebergabe der bischöflichen Kopfbedeckung, Mitra oder Inful genannt. Die Kirche nennt sie den „Helm der Kraft und des Heiles/" Die beiden Spitzen versinnbilden das Alte und Neue Testament, deren volle Kenntnis der Bischof besitzen muß, um den Feinden des Glaubens siegreich entgegentreten zu können. Die Uebergabe der Handschuhe bedeutet die Reinheit des Herzens und des Wandels.
Es folgt sodann, wenn der zu Weihende in seiner Bischofskirche die Weihe empfängt, die Intronisation; der Konfekrator nimmt den Neugeweihten bei der rechten Hand und fuhrt ihn zum bischöflichen Thron, auf dem sich derselbe niederläßt und die Huldigung der chm unterstellten Geistllchen entgegennimmt. Alle küssen zum ersten- male den bischöflichen Ring. Die Freude und Begeisterung, die alle Herzen ob der vollzogenen Weihe erfüllt, findet in dem Te Deum einen treffenden Ausdruck, währenddessen der Neugeweihte in vollem Bifchofsornat von den zwei assistierenden Bischöfen durch die Kirche geleitet wird und den bischöflichen Segen erteilt. Mit dem dreimaligen, vomneugeweihtenBischof gesungenen ad multos annos — auf viele Jahre— klingt die Weihe aus.
Im Herzen des katholischen Volkes der Diözese Fulda wird es weiter klingen im frommen Gebete: Dem Bischof Christian vonMeißen Heil und Segen
auf viele Jahre.
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