Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
Nr. 207.
Verruuworttich für den ceoauioneUen Teil: Dr. Kramer, - für die Anzeigen: Z. Par zeUer-Fulda. z Siotattonebrud u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^errnprecher Nr. 9. Teleqr.-ilbreife: Fuldaer Zeitung
Zreitag, 9. September 1921.
Bezugspreis: Monarli-d 3.53 Hit ohne Bestellgeld. Post- - bezug 4,10 Btt. AbgehoU 3.75 Ml. -
Anzeigen: ü, o Ionel geil« 70 ptg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklame zelle (Tertbrehei 2 50 ZHf.
48. Zahrg.
As MW m die Ejilheitssllliit.
Wir haben in den letzten Tagen wiederholt auf die Notwendigkeit einer Zusammenfassung aller merftätigen Kräfte des deutschen Vol- k e s, soweit sie aus dem Bodcn 6er Versassung zu treten gewillt sind, hingewiesen, um so die angesichts der schwerwiegenden außen- und innenpolitischen Entscheidungen die nötige Einheitsfront herzustellen. Es ist unseren L.sern bekannt, daß die Zentrumsfrak- t i o n seit der Neuordnung der Dinge im deutschen Reich ihre Politik darauf eingestellt hat, eine Zusammenfassung der am Wiederaufbau unseres Volkes tätig m:twirkenden Kräfte herbeizuführen. Zur rechten Zest hat der preußische Ministerpräsident Sieger - wald in einer Uuieiretning mit einem Vertreter des „Deutschen", die wir gestern schon eingehend mitteilten, ebenfalls diese NotwenLigkeit stark betont.
Was Stegerwald zu dieser Frage ausführte, deckt sich vollkommen mit dem. was die Zentrumsstakiion des Reichstages erstrebt hat. Denn nur bei der Zusammenfassung der am Wiederaufbau tätigen Kräfte ist es möglich, die Grundlage zu schaffen für eine stetige Politik der Reichsregierung. Es ist nicht möglich, bei ständig wechselnden Mehrheiten den Kurs der äußi'vm und inneren Geschäfte des Reiches gleichmäßig zu steuern, weil er bei den fortwährenden Wandlungen und je nach der Zusammensetzung der Regierungsmehrheiten immer mehr oder weniger Schwankungen ausgesetzt ist. Darum muß man dringend wünschen, daß der Appell des Ministerpräsidenten Stegerwald in den Kreisen, denen er am meisten gilt, ein williges Gehör findet.
Wir haben in den letzten Tagen bereits darauf bin- gewiesen, daß der gute Wille zur Mitarbeit bei der deutschen Volkspartei zweifellos vorhanden ist. Wie sich die Sozialdemokratie zu der Frage stellt, das läßt sich noch nicht völlig üderfehen. Wohl ist nicht zu bezweifeln, daß die besonneneren Steile der Sozialdemokratie sich von Anfang an der Einsicht nicht verschlossen haben, daß ohne die Verbreiterung der Regierungsgrundlagie nach rechts auf die Dauer eine stetige Politik des Reiches nicht möglich ist. Aber es gibt leider in der Sozialdemokratie Kreise, bin ihren Blick über den eng gezogenen Parteihorizont nicht hinaus heben können und die auch nicht davor zurückschrecken, unter Verdrehung von Tatsachen in der sozialdemokrat. Partei Stimmung gegen ein Zusammengehen mit der deutschen Volkspartei zu machen.
Die ganze Frage der Konsolidierung der Regierungsmehrheit sowohl im Reich wie in Preußen wird m nächsten Zeit in ein akutes Stadium treten. 3n Preußen stehen Verhandlungen w.'gen einer Umbildung der Regierung unmittelbar bevor, und es versteht sich von selbst, daß diese Verhandlungen, ja nachdem ihr Ergebnis fein wird, nicht ohne Rückwirkung auf das Reich sein können. Der Ministerpräsident Stegerwald hat vollkommen recht, wenn er u. a. erklärt: „Was wir brauchen, ist Ruhe undStetig» k e I i in der deutschen Politik, die nur durch eine kompakte Mitte einschließlich eines st arten Ar- beiterflügels erreichbar ist. 3e später das deutsche Volk zu dieser Erkenntnis kommt, desto größer und andauernder wird die Bedrängnis und Opferperiode sein, die es auf sich nehmen muß .... Ich halte für das nächste Jahrzehnt eine starke Milte für eine deutsche Lebens- und Existenzfrage."
Damit hat der Ministerpräsident den Nagel auf den Kopf getroffen und es scheint auch, daß selbst bei der äußersten Rechten die Ausführungen Sieger- wmds nicht ohne Eindruck geblieben sind. Der Berliner „Tag" begrüßt die Ausführungen Steg.'rwatt», von denen er sagt, daß sie beweisen, daß Herr Stegerwald sich als ein Staatsmann bewährt habe. Zu die- fer Einsicht hätte der „Tag" schon längst kommen kön
nen. Denn was Stegerwald zum Ausdruck gebracht hat, ist durchaus nicht etwas Neues, sondern stets von ihm und von der Zentrmnsfraktion vertreten und gefordert worden.
Bezeichnenderweise ist ober der „Vorwärts" mit den Ausführungen Slegerwalds durchaus nicht zufrieden. Nun ist allerdings nicht zu übersetzen, daß der „Vorwärts" nicht das offizielle Organ der gesamten sozialdemokratischen Pardei ist, sondern vielmehr das Organ der radikaleren Strömung innerhalb dieser Partei. Die Ausführungen des „Vorwärts" beweisen, daß er und die Kreise, die hinter ihm stehen, nach wie vor sich der Einsicht verschließen, daß ohne eine starke Mitte die Geschäfte des Reiches und auch Preußens auf die Dauer unmöglich geführt werden können. Auch in der sozialdemokratischen Provinzpresse scheint ein Verständnis für die politische Notwendigkeiten, die Stegerwald entwickelt Hai, nicht im geringsten vorhanden zu sein. Die Frankfurter „Volks- stimm e" wenigstens spricht in einem Ton von diesen ernsten Dingen, der jede Hoffnung verschütten muß. Sie spricht über Siegerwalds Aeußrrungen als von b r Kateridee eines reaktionären, lästigen undunerträglichen Staatsmannes.
Es wird abzuworten fehl, ob diese Stimmung in der sozialdemokratischen Partei die Ueberhand behalten hat, ober ob jene Kreise, die für die Zusammenfassung der Parteien von der deutschen Volkspartei bis zur Sozialdemokratie sich eingesetzt haben.
Die $rage der Regierungsumbildung in Preußen
war Gegenstand von Verhandlungen, die am Donnerstag nachmittag zwischen Vertretern der Zentrums- fra Mion, der demokratischen Fraktion und der sozialdemokratischen Fraktion des preu- ßscheu Landtages in Berlin stattgefunden haben.
Die Vertreter der genannten Parteien sind vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, ßeinert, zu diesem Zweck nach Berlin berufen worden. Es handelt sich zunächst nur um eine vorläufige Aussprache, da die endgültige Entscheidung nur von den Fraktionen selbst getroffen werden farm. Da bei der deutschen Bolkspartei augenscheinlich die Bereitwilligkeit besteht, gegebenenfalls in die preußische Regierung einzutreten, so wird die Entscheidung in der Hauptsache von der Sozialdemokratie abhängen, über deren Haltung man ein einheitliches Bild noch nicht gewinnen kann. '
Die Entscheidung der sozialdemokratischen Fraktion wird offenbar bei dem Parteitag der Sozialdemokraten in Görlitz liegen. Bis dahin werden endgültige Entscheidungen kaum zu erwarten sein.
vorläufiger Abschluß -er bayerischen Verhandlungen.
Die Verhandlungen der Reichsregierung mit den Vertretern der bayerischen Reg-erung fanden gestern ihren vorläufigen Abschluß. Die bayerischen Vertreter reiften nach München und werden das Ergebnis der Besprechungen mit der Reichsregierung der bayerischen Regierung unterbreiten.
Trotzdem über den materiellen Teil der Verhandlungen der Reichsregierung mit der bayerischen Delegation vorläufig strengstes Stillschweigen bewahrt wird, glaubt der „Lokal-Anzeiger" auf Grund zuverlässiger Informationen anbeuten zu dürfen, daß der bayerischen Regierung für den Verzicht auf den Belagerungszustand hinreichende G a- rantien angeboten worden sind.
Richtlinien -es Deutschen Gewerk- schastrbun-es.
Am 4. und 5. September trat in Berlin der große Ausschuß des Deutschen Gewerk- schaftsbundes zusammen, der die Gefamtverbände der christlichen Gewerkschaften, der Deutschen Angestelltengewerkschaften und der Deutschen Beamten- und Staatsangestelltengewerkschaften umfaßt. Die politischen Richtlinien, die bei der Sitzung beschlossen wurden, sind von großer Bedeutung. Es heißt da u. a.:
Das erste und allen Deutschen gemeinsame Ziel, der Wiederaufbau des Vaterland es und die Wiederherstellung feiner nationalen Unabhängigkeit, muß in diesem Kampf der Leidenschaften aus ebn Augen verloren gehen. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn das deutsche Volk sich einmütig auf den Boden der demokratischen Staatsverfassung stellt und die gewaltsamen Bedrohungen unterdrückt.
Bezüglich der Finanzpolitik ist vor allem folgender Satz bemerkenswert: Der Ausschuß des Deutschen Ge- werkschastsbundes erwartet von der Reichsregierrmg, daß sie vor einem Eingriff in die Substanz der großen Vermögen nicht zurückschrecken wird, soweit durch diesen Eingriff nicht das für die Aufrechterhaltung der Produksion unentbehrliche Betriebskapital vernichtet wird.
Ein weiterer wichtiger Satz ist folgender: Der Ausschuß vorlangt mit Nachdruck, daß die durch die Steigerung der Lebensmittelpreise sich ergebende Werterhöhung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes unter Anpassung an die besonderen Produktionsverhältnisse der Landwirtschaft und unter gleichzeitiger Inangriffnahme der Neuoibnimg des Hypotheken- und Bodenrechts voll erfaßt wird.
Mit der Wohnungsfrage befaffen sich folgenbe Richtlinien: Weder der uneingeschränkte Drivathausbesitz noch das System der Meisämter können auf die Dauer den Bedürfnissen nach einer sozialen Gestaltung des Wohnungswesens gerecht werden. Für die Verwaltung und Bewirtschaftung von Mietwohnungen wird daher eine Form gemeinnütziger Selbstverwaltung in Erwägung zu ziehen sein, die unter Zusammenfassung einer Anzahl Wohnungsgrundstücke zu Wohnunosgcmeinschaften das Problem der sozialen Miete durch Mitbestimmung aller Beteiligten zu lösen sucht. Die Baustoffbewirtsdj'af- tung ist durch Ausbau und Umgestaltung der Syndikate unter entscheidender Mitrrsirkung von Arbeitnehmern, Der- brauchern und Vertretern der Allgemeinheit den öffentlichen Interessen unterzuordnen.
Lin Ronservattver über -ie -rutsch- nationale Hetze.
Eine durchaus zutreffende Charakterisierung der deutichnationalen Hetze gegen Erzberger und die Männer des deutschen Volksstaates eibt der alte konservative Chefredakteur Adam Röder, wenn er schreibt:
„Ich will an ein geschichtliche? Beispiel erinnern. AIS der Böttchergeselle Kull mann in den Zeiten des Kulturkampfes ein Attentat auf BiSmarck auSiibte, war man auf der ganzen Rechten und bei den Ratio, natliberalen der Uebergeugung, daß die scharfe Sprache der Zentrumspresse und -Partei doS Attentat veranlaßt habe. BiSmarck selbst war eS, der im Parlament sa te: .Dieser Kullmann hängt an den Rockschötzen der Zentrumspartei." Und die große Mehrheit des Parlaments stimmte dem zu. Nun muß man aber nicht glauben, daß die Agitationsformen der Zentrumspartei und -Presse auchnur von Ferne mit denen des heutigen NechtSradilaliSmuS zu vergleichen wären; das ist ein Verhältnis wie Limonade und Sekt. Sintemalen aut) im alten „Obrigkeitsstaaf der Staatsanwalt rettun^S- ic>8 gegen Uebergiiffe cingcldintten wäre, während in der heutigen „freien Nepubite" die Gc.mer eine Sprache und eine Agiiationsmethode bi lieben, die beispiellos ist und in ihrer widerlichen Unmoraiität leine#- ivei6 durch den Begriff der Freiheit gedeckt werden kann.
Der Gänfebub*
Fränkischer Dorfroman von Dina Ernstberger.
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Auch sie hatte sich mit oberflächlichem Blick kurz Der, rteigt. War cs der finstere, unnahbare Ausdruck seines Gesichtes, der ihr auffiel, oder dämmerte plötzlich die Erinnerung in ihr auf, daß sie diese Züge schon ein- mQ[ gesehen hatte? Ihr Gesicht wandte sich ihm noch g? 8u und fragend sah sie ihn sekundenlang an. Sehr blieben aber starr und fremd, und nichts verriet * £■ “Qb_ er sie kannte. Da mochte sie wohl glauben, sitzen, während andere von ihm sprachen.
Plaudernd wandte sie sich nun einigen ihr bekannten Damen zu; Joseph hörte sie ganz deutlich sprechen. Ihre er'"™6». ^°*te "'cht mehr den harten, hochmüngen Klang, den er vernahm, als er sie zum letztenmal hörte. Z?0, “’m'e sprach, redete sie immer im Dorfe mit chm- le ch" doch fctefe Stimme an die vergangenen Jugendtage erinnerte! Mitten in der Unterhaltung ertappte er sich immer wieder daß er mit halbem Ohr auf jenen trauten wohlbekannten Ton aus fernen, schönen Togen lauschte.
_. $*? 2aufc bcs Abends rief einmal der Gastgeber Sofepb beim . amen und fragte ihn als Sachverständi- gen um sein Urteil über ein Unternehmen der Stadt. Joseph sah, wie Lore bei Nennung des Namens schnell aufsah und nochmal forschend ihre Augen auf seine Züge richtete. Sn lebhafter Unterhaltung sah er Le gle-ch nachher mit der Dame des Hauses reden Er suhlte es d°K man sich von ihm unterhielt. Da erhob er sich von seinem Platz. Ihm war es peinlich, f0 ruhig hier zu sitzen während ander von ihm sprachen
In einem anschließenden Gemach- fa^en 5Iterc ^et, ren rauchend und trinkend bei einer Partie Whist: dorr! hin wollte er sich zurückziehen. Ta stand plötzlich Lore vor ihm. Verbindlich lächelnd sah sie ihr, an
„Ich erfuhr eben erst genau Ihren Namen. Jetzt weiß ich doch, warum Sie mir gleich f0 auf fielen; mir war es immer, als hätte ich Sie schon mal gesehen. Nun freue ich mich, daß ich mich nicht getäuscht habe.
und daß ich hier einen lieben, alten Bekannten wieder- finde. Sie erinnern sich meiner wohl gar nicht mehr?" fuhr sie fragend fort, als Joseph so gar keine Miene machte, feiner Freude über das Wiedersehen Ausdruck zu geben.
„Habe ich mich denn so sehr verändert? Können Sie sich nicht mehr der kleinen Lore erinnern? Sie war ja der alljährliche Sommergast Ihres kleinen Heimatdorfes!"
Wie Enttäuschung klang es durch ihre Stimme. Sie hatte erwartet, daß er sie nicht nur sofort wieder erkannt, sondern auch ihre sich stets gleichbleibende Jugendlichkeit bewundert hätte, wie sie es von anderen gewöhnt war. Statt beffen war er fremd und steif vor ihr stehen geblieben und sah sie mit gleichgültiger Mime an, als wollte er sie fragen: „Ja. was willst Du denn eigentlich von mir, ich kenne Dich ja gar* nicht?"
„Doch, gnädige Frau," erwiderte er nun ruhig und einfach. „Die kleine Lore habe ich nicht oergeffen."
„Sie ist es, die mit Ihnen eben spricht. Erkennen Sie mich nun?"
Bestürzt sah sie ihn an.
„Wie soll ich dies verstehen?" Kaum hörbar kamen die Worte aus ihrem Munde, bann sah sie ihn nochmal forschend an.
„Täusch ich mich denn? Sie warm doch der kleine, fleißige Flickschusterjunge, der mit der kleinen Lore Gänse auf die Weide trieb; ihr Spielgenosse und ihr ständiger Begleiter?"
„Ganz recht! Der war ich, gtubige Frau.'
„Erwachsen h*rin iah man sich dort im stillen Dörfchen w-eder. Die Freundschaft, die die kleinen Herzen einst verband, war auch den Herzen der Erwachs nm nicht fremd geworden. Cs waren schöne, sonnige Tage, die wir da zusammen mit Marianne verlebten. Ich habe Ihrer später oft gedacht."
„Das mag für Sie wohl sehr unterhaltend gewesen sein, dies luftige Spiel mit jenem dummen, gefühlseligen Bauernjungen. Auch ich mußte später oftmals daran denken. So etwas Tolles bleibt in der Erinne
rung wohl haften; man lacht darüber noch nach langen Jähren." i
Bett offen sah Lore den Sprechenden an. Seine sonderbaren Worte und mehr noch der Ton, in dem sie gesprochen wurden, ließen plötzlich in ihr die Erinne. rung an das Wiedersehen tn ihrem Salon erstehen. Das machte sie verlegen und unsicher.
„Sie tragen es mir nach", begann sie stockend wie- der, „weil ich nicht treuere Freundschaft hielt, als un- fere Wege später hier sich nochmals kreuzten. Das war ja dumm und unschön von mir, ich gesteh'«. Ich hab' hernach bereut, doch-wor's gescheh'». Die allzugroße Ueberraschung und manch' anderes macht mein unüberlegtes Handeln von damals entschuldbar."
„Sie täusche» sich, gnädige Frau, wenn Sie da gfau. den, ich dächte heute, nach so viele» Jahren, noch im. mer an jene Begegnung zurück. Die Lehre mag wohl damals herb und tief einschneidend gewesen sein. Mir war'z von Nutzen für mein ganzes Leben. Don Eitelkeit blieb ich immer verschont."
Er hatte ganz ruhig und leidenschaftslos gesprochen; nur hatte es manchmal, während er sprach, geschienen, als wollte» sich seine Lippen zu einem spöttischen Lächeln kräuseln.
Lore bemerkte dies. Es war ihr unlieb, daß er sich ihr gegenüber so fremd und unnahbar stellte. Jetzt, da sie sah, welch' geachtete Stellung er einnahm und wie sich ihm alle Türen der vornehmen Kreise öffneten, hätte sie c$ ganz gerne gehabt, wenn zwischen ihnen wieder das alte, freundschaftliche Verhältnis bestanden hätte. Zudem verlebte es ihre Eitelkeit empfindlich daß er sich ihrer liebenswürdigen Annäherung gegenüber so kalt und ablehnend verhielt. Sie war es gewohnt, daß sich die Männerwelt um ihre Gunst stritt. Seme Kälte reizte sie. Sie wollte doch sehen, ob die Gleichgültigkeit, die er ihr zeigte, auf Wahrheit beruhte; ob wirk, sich nirgends mehr in seinem Herzen ein Fünkchen glimmte oon Jener Glut, die ihn einst verzehrte, bas sich nochmal anfachen ließe zur lodernden Flamme.
„34 freue mich von ganzem Herze», Sie wieder ge. sehe» zu haben", sprach sie mit liebenswürdigem Lächeln, al« er schwieg. „Man trifft Sie doch hoffentlich öfter
Zeitungsverbote un- Unruhen.
Der Reichsmm'ster des Innern hat die in K a f f e l erscheinende ko m m u n i st i s ch e „Hessische Arbeiterzeitung", ein Organ der K. P. D„ wegen eines die Reichsregierung beledigenden Artikels Berfa o t e n. Ferner wurde das d e u t s ch n a t i o n ale „G ö 11 i n g er Tageblatt" wegen Scleiingung des Reichspräsidenten vom Oberpräsidenten auf 14 Tage verboten.
Wie die „Braunschweigische Landeszeitung" berichtet, ist es am Donnerstag an verschiedenen Stellen der Stadt Braunschweig anläßlich einer vom „Stahlhelm" einberufenen Versammlung zu Unruhen gekommen. Kommunistische Elemente stürmten das Standquartier des „Stahlhelms" und durchsuchten die Räume, Verschiedene Personen wurden verletzt. Es gelang schließlich, die Menge auseinander zu treiben, die dann in verschiedenen Straßen der Stadt Unfug verübte.
Mtnnngsverschie-Mheiten in -er Luten e.
Kommt endlich die Einsicht?
Aus den letzten Verhandlungen innerhalb der Entente und der Entente mit Deutschland über die Festsetzung der deutschen Kriegsschulden ist erinnerlich, daß gerade Frankreich es war, welches hartnäckig auf feinem Schein bestand und allen Vorstellungen, die namentlich von englischer Seite kamen und die auf die schwier'ge Finanzlage Deutsch- lavds hinwiesen, sich verschloß.
Jetzt ist es eigenartiger SBeife Frankreich, welches seinerseits auf einer Revision des Finanzab- kommensvoml 3. August hinsichtlich der 23 erteil u n g der deutschen Goldie ist ungen besteht. 2B:r als Deutsche haben keine Veranlassung, uns in diesen Streit der Entente einzumischen, verbuchen ober doch die Tatsache, daß augenscheinlich jetzt auch in Frankreich die bessere Einsicht allmählich zur Getttmg kommt.
Ein Beweis dafür ist eine Auslastung des Pariser „Temps", der u. a. ausführt, daß es englische Fa ch leute waren, die auf die Fehler der Londoner Vereinbarungen in diesem hinwiesen, indem si« entweder wie Keynes die Zahlungsunfähigkeit Deutschlands voraussagten, oder indem sie, wie der Londoner 23anfier Gradmond, auf die Gefahr der deutschen Konkurrenz hinwtesen, die entstehen müßte, wenn Deutschland so viel importiere, wie zur Erfüllung seiner Verpflichtungen notwendig sei. Sehr im Gegensatz z» seiner früheren Austastung stimmt der „Temps" jetzt diesen englischen Befürchtungen durchaus zu unbetont seinerseits, daß b:e gegenwärtige deutsche Finanzwirtschaft nicht länger aniwuern könne. Reichskanzler Wirth habe auch mit Recht darauf hingewie- sen, daß es en großer Fehler war, die T e r m i n e der deutschen Zahlungen im voraus festzusetzen, weil die Valutaspekulation daraus Nutzen ziehe. Kurz, das Londoner Abkommen zeigt nach Ansicht des offiziösen Pariser Blattes so große Mängel, daß sich schon daraus die Notwendigkeit einer neuen Besprechung zwischen den französischen und englischen Fachleuten ergebe.
Rene Kreditgewährung an Deutschland?
„Evening Standard" meldet, daß ein neuer Plan der Kreditgewährung an Deutschland in den Vereinigten Staaten entworfen werde. M'ster Malcolm Summer, ein sehr bekannter amerikanischer Anwalt, ist in London aus Berlin eingetroffen, wo er Verhandlnnegn in dieser Frage gepflogen hat.
Hus -em besetzten Gebiet.
• Scheckfälschungen über eine Million Mark. $•. Mainz sind durch die Reichsbank große Schccksälfchun- zu ben iTeeabenben unseres liebenswürdigen Gastgebers? Merkwürdig, die Einnerungen der Jugendzeit bleiben dem Gedächtnis doch am treueften. Wie oft mußt ich der sonnenhelle» Tage gedenken, die ich als Kind in Ihrem kleinen Heimatdorfe verlebte. Ob wohl noch immer Kinder auf dem Weideanger Gänse hüten? Nicht wahr, Sie werde» mir von dort erzählen? Wir sehn'n uns doch beim nächsten Teeabend hier wieder?"
„Kaum; gnädige Frau, ich habe vor. zu verreisen." „Für längere Zeit?"
„3e nachdem."
„Wie schade! Ich hätte mich auf ein Plauderstündchen so gefreut."
„Dann würde» Sie wohl sehr enttäuscht von diesem Plauderstündchen g wese» sein. Ich habe kein Talent zu angenehmer Unterhaltung."
„Das ist mir neu. Früher war dies anders."
„Es ändert sich ja so manches in dem Laufe der Jahre."
„Ich weiß. Wüßte ich es nicht, ich müßte es heute erfahren. Ich sah Sie sehr verändert wieder. Sie waren einstmals so ganz anders. Da konnte man sich stundenlang mit Ihne» unterhalten; Sie waren stets so nett und mitteilsam, doch heute sind Sie stolz und unnahbar geworden."
„Und dachten Sie dies auch, als wir das letztemal in Ihrem Salo» uns sprachen? Fanden Sie dortmals auä) meine Unterhaltung nett und angenehm? Und doch sind wir uns seither nicht begegnet. Worauf begründet sich Ähr Urteil bann?"
„Gott! Ja! Ich sagte schon einmal, daß ich bereut’. Vergessen Sie doch endlich, wenn ich Sie gekränkt. Der. zeihe» Sie so schwer? Steckt immer noch der alte Groll in Ihrem Herzen?"
„Wer sagt den», daß ich grolle gegen Sie? Das setzte eine Leidenschaft voraus. 3n meinem Innern lodern keine Flammen mehr Ruhig, von keiner Leidenschaft bewegt, empfindet mein Herz weder Groll, noch — Liebet"
(Fortsetzung folgt.).