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M 205.

Mittwoch, 7. September 192L

Reichskanzler Dr. Wirth

g setzt anschnnerL, nachdem die Erzbergerhetze mit Ermordung des den Nationalisten verhaßten Man- einen tragischen Abschluß gefunden hat, als Gegen- ^nb der persönlichen Angriffe der Deutschnationalen proklamiert werden. Auf dem deutschnatiorealen Par- jeitag in München hat sich Helsftrich mit grofrzr Schärft gegen Wirch gewandt, den er immer wiÄ>er als Sozial- holirokraten bezeichnete.

Wenn noch ein bischen gesimder Sinn im bart- ,Ken Volke steckt, denn wird es auf dieses Manöver des Haßprvdigcrs von München nicht herornfallrni. stuf dem Frankfurter Katholikentag ist Dr. Wirtl^ der Reichskanzler, weite» Steifen des Volkes persönlich bekannt geworden. Spontan sind diesem Manne die Herzen aller zugeslogen, die ihn da gesehen und gehört haben. Rem gefühlsmäßig schon schenkt man dieser jugendfrischen, stattlichen Erscheinung, diesem of­fene», ehrlichen Gesicht, dieser unverbrauchten Persön­lichkeit weitgehendes Sar trauen. Man merkt, daß dieser Mann die ihm von Gott verliehene Beredsamkeit ungewöhnliche'' Art nicht dazu mißbraucht, Gedanken zu verhüllen, sondern tn herzlichem Appell an Verstand und H:rz feiner Hörer für das Gute wirkt, zur opferbe­reite» Vaterlandsliebe begeistert. Es wäre doch un­säglich traurig, wenn nut em Aufruf zum neuen Döl- knmord, zum Klassenhaß und Klassenkampf im deut­schen Volk Aussicht auf ein Echo hätte, dagegen der llftrf zu Versöhnung, zur helfendm Nächstenliebe, zur Volksgemeinschaft im Geiste echten Christentums die Resoncmz nicht finde» würde.

Es ist erfreulich, daß auch in anderen Kreisen die Persönlichkeit Dr. Wirths Lebhafte Anerkennung findet. So schreibt jetzt Theodor W o l ff imBerliner Tgbl." folgendes:

Auch die Gegner der Republik sollt« doch eigentlich tmertermen, daß der Reichskanzler Wvch ein Mann, und ein kräftiger begabter und fympachischer ist. An Indi- vSdualitäten besteht in Deutschland bekanntlich kein Usber- fdch, der nfoeüierenbe und umforntieronbe Untertanen» staat hat die Entwicklung selbständiger, willmsstarker poli­tischer. latente nieLergehalten, der tüchtige Geheimrat im Ministerium ist Jahrzehnte hindurch der höchste Aüchtungr- ersoig des Systems gewesen, die Schute des Parlamen­tarismus kann erst allmählich ein neues Geschlecht von staatskundigen Führern heianbildem, und so sollte alle Welt sich freuen, wenn einmal eine Persimlichkelt mit frischem Geist, unverbrauchter Tatkraft, ehrlichem Devcmtwortungs- ßl und unleugbaren Regierungseigenfchaften m den ergründ tritt. (3a, wenn Dr. Wirth nicht katho­lisch wäre! D. Red.) Es ist wirklich der Gipfel der Anmaßung, wenn die nationalistischen Monarchisten sich in dem Glauben wiegen und den Glauben verbreiten wol­len, im Vergleich mit den herrlichen Erscheinungen, die früher auf Ministerbänken saßen, sei olles, was heute regiere, unfähige Mittelmäßigkeit. In Wahrheit wären nur wenige der ehemaligen kaiserlich-königlichen Minister anstonde, unter den Schwterigekiten und Stürmen der Gegenwart sich zu behaupten, und die meisten von ihnen konnten überhaupt nurFigur machen', als in einem um- besiegten, ruhigen, umsonntm Deutschland alle Dinge sich nach dem bursaukrasischen Schema erledigen Letzen und der Kleinste durch die Tressen, die man ihm ans den Rock heftete, Bedeutung gewann. Rach dem Sturz des Herrn v. Bethmarm Hollweg den man auch nicht Äs staats­männisches Genie bezeichnen kann war der Talen toor- rot so erschöpft, daß man bat Dr. Michaelis zum Reichskanzler machte.

Wir geben die Hoffnung nicht auf, daß sich ein objektives Urteil über Dr. Wirth, seine Befähigung, fei­nen guten Willen, sein staatsmännisches Talent durch- jetjeti wird. Es wäre zu wünschen, daß namentlich auch in den Kreisen der deutschen Katho­liken bald nur noch eine Meinung über Dr. Wirth herrschte. Geradezu unverständlich muß es einem sein, nxrM sich katholische Intellektuelle, namentlich jüngere Akademiker darin gefallen, in ihrem Urteil über Dr. Wirth dcutschnationatc Vorurteile zu akzeptieren. Ha­ben wir wirklich so wenig Rückgrat, daß wir uns scheuen, den oft so kurzsichtigen Argumenten bietet deillschnationalcn Standesgenossen mit aller Entschie­denheit en tgegengu treten? MLsftn wir wirk­lich jode deutschnationale Legende über ben Kriegsver­lauf, über das Kriegsende, über die Männer bes neuen Deutschlands widerspruchslos schlucken? Im Gegen­teil, die katholische gebildete Jugend Deutschlands hätte allen Grund, stolz darauf zu sein, daß ei» Mann, der durch seine Weltanschauung, durch seinen Bildungs­gang, durch sein verhältnismäßig jugendliches Aller

Mldaer

ihr so nahe fleht, besten Anschauungen so ibed m* zukunstsfroh sind, durch ihre Mitarbeit und Unter» stützung hi ben Staub gefefot wirb. In Tagen schwerst" Not das Schicksal des deutschen Volk« in glücklichere Dahnen zu lenken. Dr- *

was das Bürgertum

nicht vergessen sollte.

In derSoin. Vollreitung" wird die Zuschrift eines bayerischen Kathollt«r veroffMMcht, die eine Reihe von Gedanken ausspricht, über «e weitete Steife des Bürgertums einmal gründlich nach­denken sollten. Nachdem auf die Zufammenha^e zwischen der nationalistischen Hetze und dem Morde an Erzhetger hingewiesen ist, heißt es dort:

Es acht ein Fluch auf all«,, was die Hände rechtsradikaler Katostrophenpolltcker -n- «reifen. Mögen sie sich, wem, alles fotzende Elend über ihnen zUfammenschlägt, ihrer Schuld erinnerns Das gi» auch unter taulond anderen ben frivolen DevVfkÄtem Re- wisier Feste, die das cm sich ehrsnvoll« Bestreben alter SoDaten, ihren kamerabsihaftzsichen Geist zu pflegen, zu Demonstrationen gegen bte heutige Ordnung mitz- biauchen. Mögen on ihre Brust Wagen all«, die m Wort und Schrift, sei es aus partikular,sttschen, m es aus materiellen und steuerlichen Sonder- inteiesf«, ständig Del ins Feuer gegossen hÄbenr obwohl sie wußten, rote sie dadurch die sozäalistlfchen M-asien, die lchnehm von diab»Lichen Scndlingen des DÄschewismirs ständig in der roffmierteften Wefle bearbeitet roerb«, in röte ne«e Bewegung, vielleicht «fährsicher als all« frühe- ren, Hinemireiben würden. 5B.tr sollten stets bedenken, daß bei der heutigen BesitzverMebung sich bk proletarflche Snnee vergrößert hat um Millionen aus dem ehemmsigen MMeksiaNd und aus ben Kreisen der Beamten und Ange­stellten. Wer de-nA nicht an die ungLrudsiche Flut von Hohn tenö Mißachtung, mft der die deutschnatiorale Presse ben Dertzsiungstoy (11. Augusts mft seinen schliöbten und würdigen E-innerunasfetern überfchttttet h«. Es wiro rat frötz sich zu erinnern an alle«, was in den letzten Monaten in den Spalten cteter dsutschnatiorÄsr Blätter, die geradezu Organe des Hasies und der Lüge gewoiiben (W, gefchrteden wurde. Wir denken dabei noch nicht einmal an gewiße «mz extreme Dlästchen. bk der an- stSMge Mensch nicht gsm nennt, roemr ihnen auch ein gwisier DWungspabel begeistert zajauchyt.

Rach einer Kennzeichnung Mzelnet Leistungen die- fer Presseorgane schreibt der Mitarbeiter der ^K. D." folgendes:

Mr stehen vor ungeheuren EvfchAienmgen des poli­tischen Lebens. Dte Folgen des verlorenen Krieges be- pinnen greifbar zu werden für jeden einzelnen. Rot, Teuerung, alle Schrecknisse stehen vor der Tür und die kurzsichtigen Politiker der Siechten glauben, der begin- nenlbe Orkan fei gerade dte gewünschte gute Dvife, me ihrem ParteiWfl Me Segel schwellt. Die EnttLuschmig wird furchtbar fein. Entfesselte Naturgewalten lasten sich nicht immer in dte gewünschten Kanäle leiten. Solche Ge­walten werden auch durch eine kurzsichtige Steuerhetze entfesselt. Di« DeutfchnastvnÄen machen k Regierung dafür verantwortlich, dqß wir unerhörte Steuerlasten bekommen, weil sie bas UVimatum angenom­men habe. Em Mann rote Admiral Scheer dagegen hat die Annahm« als das kleinst« Hebel erklärt. Di« Steuer- lasten sind die logisch« Folge der »ertöte- nen Krieges. Der «eeget über bk Regierung er. innert an ben Aerger bes Manner, der SchuDen gemacht hat. über ben Gerichtsvollzieher, der bei ihm bk Zwangs­vollstreckung durchführt. Solche Mätzchen sind unverant- wörtlich, und man sollte gerade dem rechten Flügel der Bürgertums mehr Verständnis zutrauen. Äs daß es eine Regierung angveist, welche ollem vielleicht imstande ist, einen Ausgleich zwischen ben verschiedenen Interessen in der ßöfteroertetitmg herdeizusühren, eine Regierung, die habet schon Mühe genug Haden wirb, dte DekämMng ihres Programms, die leider auch in der Mehrheitssozial- demo kralle in einer Weste, die für eine Regierungspartei ausgeschlossen fein sollt«, eingesetzt hat, zu überwinden.

Möchte altes dar endlich auch in den Reihen bes rechtsgerichtetvn Bürgertums beachtet werden und zu dem Entschluß führen, der einzig und allein vielleicht noch m letzter Stunde Helsen kann: energisch« Lossagung vom Rechtsradikalismu» der deutschnationolen Parteipolitik, entschlossene Dekermtn's zur Derfassimgstreuel Politik ist bi« Kuns! bes Doraussorgens. Die Stärk« d«s deutschen Bür- gretums gegen Umsturz von rechts und links ktegt in einer ehrlichen Demokratie, heute ebenso rote 1919. Das gilt artch ganz bssonders für dos katholische Bürger­tum. Wir hrMtchen eine starke demokratische Mittel Das war dte letzte Parole Trimborns. Das

Heilung

Kiek tarnt aber Ächt durch unentschlossenes Lavieren, durch ZickMpoktik erreicht werden, sondern nur durch kräftig« Snftiatioe. Wenn wir nickst bk Führung behalten, geht dir Geschichte über uns hinweg.

Hus dem Nachbargeblet.

(mc) Frankfurt a. Bl. Der hier statt gehabte K a- tholikentag machte sich im De rkehrslebe » äußerst stark bemerkbar. Nicht nur, baß di« Eisen- bahnen eine äußerst starke Frequenz auszuweisen hat, teil, hatte auch die hiesige Straßenbahn von der Tagung groß» Vorteile. Die Einnahmen, bte sonst gegen Ende des Monats etwas abflauen, zeigten einen Mehrertrag von nahezu 100009 =31, u. a. wurden täglich durch­schnittlich 3000 SonbettagsabomMnentsbarten gelost.

(fpb) Frankfurt a. HL Die in demAfa^Orts- farteH orgonifierten kaufirännischen und technischen Angestellten, fast 40 000 Personen, haben den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses, der ihnen ehe weitere Teuerungszulage zutnlligte, als un­genügend abgelehnt. Die Frist zur endgültigen Annahme ober Ablehnung des Spruches wurde vom Schlichturgscnisschutz auf ben nächsten Freitag mittag 12 Uhr ftstgsisetzt. Die Lag: wird in den Angestellten- kreisen als e r n st betrachtet.

(fpb) Kassel. Unter starker Beteiligung aus allen deutschen Gauen hielt hier der Bund deutscher Wanbervereine sein» diesjährige Hauptver­sa m m l u n g ab. Di« von Direktor Kifsmger-Darm» stabt geleitete Tagung brachte eine stattliche Reihe wichtiger Sorträge über die Wrmdsrbewogung. Fvrst- sochlvute sprachen sich tn -i.ihüennensw-stttvr Mase über die Bewegung aus, bekämpften aber auch in schar­fer Art die Auswüchse der Wandervogelbewogung. Dem Geschäftsbericht zufolge hat der Ausschuß für Du- gendherb'rgen eilte reiche Tätigkeit entfallet. Beson­dere BsacAmg fand ein ausgezeichneter Vortrag von Forstmeister Ountrum Heppenheim überWald und WaiÄerer". Der Ausgabe von Sonntagskarten nach dem StuftTt Englands, wo bte Karten bis Mon­tag .Gültigkeit haben imb nicht an einen bestimmten Ort grfnmiten sind, soll bei ben Ei senbahimerwaltungen besondere Sorgfalt xugewenbet werben. Zu besonders eindrucksvollen Kundgämngen für die Reichseinheit ge­stalteten sich Begrüßungen der Vertreter aus Mainz und Köln. Dte nächstjährige verbcmbstasung findet vommssichtüch in Mainz stellt.

vermischtes.

* Aufsehen erregende Erfindung. AuS Düssel­dorf schreibt man uns: Die Not der Zeit hat eine Erfindung von unübersehbarer Bedeurung gezeugt. Der Düsseldorfer Privaigelehrte Jos. Marcu» hat einen Luftdruckmotor zu Patent ongemelbef, bet ohne jegliche Art Speisematerial nur allein von der einfachen aimoiphänichen Luft getrieben totrb, von verplüffenb einfachster und billigster Konstruktion ist und z. B. in der Größe eines Dcnzinmv'oies von 50 Ps. ca 1900 Ps., in bet Größe 13:3:5 Meter ca. 700 000 Ps. erzeugt. Ter Mo or läuft, einmal in Gang gesetzt, stets weiter, er steuert sich selbst automatisch. Er ist in jeber Lage verwendbar für Fabriken, Eisenbahnen, Straßenbahnen, Auto?, Luftfahrzeuge, Schiffe, Berg­werke, auch für kleine Betriebe.

* Einen uiederträchligen Trick wandten Taschen­diebe am Sonntag im Zoologischen Marten in Dresden an. Der Garten war mit etwa 30000 Besuchern gefüllt, «18 plötzlich der Ruf erscholl: Der Löwe ist los! Da man meinte, daß einer bet Hagenbeckschen Löwen ausgebrochen sei, ent­wickelte sich eine unglaubliche Panik, während bet die Taschendiebe reiche Ernte mochten. Biele Portemonnaies, Damentaschen, Uhren und Ketten sind als abhanden gekommen angemelbet.

* Eine wackere Tat vollbrachte ein Kriegsbe­schädigter aus Witten. Im Knoppjchaftskranken- hause in Langendreer lag ein schwerkranket blut­armer Patient, dem das Leben nur dann zu retten war, wenn ihm durch Ucbettragung das nötige Blut zugeführt wurde. Der Kriegsbeschädtgte stellte sich dem Krankenhause freiwillig zur Verfügung und ließ sich zweimal je 10 Kubikzentimeter Blut entnehmen, das auf den Körper des Kranken erhalten zu können.

Druck der Fuldaer Aetieudrnckerei ht Fuldü

Der T«d im Schueesturm. Der Wiener Krimi­nalinspektor Viktor Maar und seine Frau sind bei einer Tour in den Tauern von einem Schnee­sturm überrascht worden und haben durch Erfriere» den Tob gefunben.

Gottesdienstordnung.

Donnerstag, 8. Sept. Fest Mariä Geburt. Zrauenbera (Abiatztag f. d. Lerziaren.» 8 Levitenams naajm. >/,5 feiert Vesper m. sakram. toegen. General, abfolution für die Terziaren.

Amtliche Anzeigen.

D« aus Mittwoch, ben 14. September d. I. in Hetzer Stadt angesetzte Dlehmarkk wird unter den seither betannt- gegebaten BestdmmmgM abgehÄten. Mit dem Austrieb darf um 61/, Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 1 der Polizeiverordnung vom 5. April 1914 (Amtsblatt Seite 182) «ft der gewerbsmäßig« Handel mit Klauenvteh tat Stadtbezirke außerhalb bes Markt­platzes verboten.

Auf Grund bes § 47 der viehfeuchenpoltzelsichen An» ordmmg vorn 1. Mai 1912 wird beftimmt, daß nach 8^» Uhr vormittags Tiere nicht mehr zum Markt gebracht wer­den bürfen.

Besonders mache ich noch darauf aufmecüfam, daß durch dm 2. Zugang (cor der Lindenftraße) zum Viehmarkt- platz nut vorunterfuchtes Dich trafgetrieben werden darf.

Auf Gründ des § 168 Absatz 3 der Ausflchrungs- beftimmungen zum Ausführungsgefetz« zum Btehseuchen- gesotze vorn 25. Juli 1911 wird ungeordnet, daß aus Or­ten, in denen Maul- und Klauenseuche herrscht /n«h Per­sonen von dem Besuche des Marktes ausgeschlossen stutz

Fulda, dm 2. September 1921.

Der t CanbraL 3. 33.: Schuster.

Dte Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden hierdurch an Erledigung meiner Dorfüaung vom 30. Aug. d. 3. 3.-91. I. 4229b betreffend:Mitteilung, wleoles Hausbesitzer (bejro. Stellvertreter von Hausbesitzer«) bod vorhanden sind," mit Stägiger Frist erinnert.

Fulda, den 5. September 1921.

Der CanbraL 3. B.: Schuster.

Diejenigen Getneimbevorstände des Kreises, welch« mfl der! Anmeldung des Betriebs flossrs (Benzol) für landwirtschaftliche Betriebe für ben Monat Rovencher 1921 gemäß meiner Rundverfügung vorn 5. Februar 1920- II 1335 noch im Rückstände sind, werdm an Ein­sendung der Anmeldung mit Frist bis spätestens zum 1. Oktober d. 3s. erinnert. Spätere Anmeldungen könne» verückflchllgmkg nicht mehr finden.

Die beteiligten Landwirte wollen ihre Amnewimg M bet dsr Ortsbehörde sofort bewirken.

Fulda, ben 1. September 1921.

Der Canbtaf. 3. 33.: Schuster.

Weissweine

Rotweine

Kleines Feuilleton.

Tie höchsten Temperaturen in Deutschland. Temperaturen von mehr als 359 E im Schatten find an einzelnen Tagen und einzelnen Gebieten Deuts t lands vorgekommen: 1900, 1904, 1905, 1908, 1911 und 1921. Ter höchste zuverlässig beobachtete Thermometerstand in Deutschland betrug bisher 88,69 C; er wurde am 16. August 1892 in Liegnitz und in Grünberg i. S. obgelesen; eine Temperatur von 89,8 °, die man am Tage zuvor in Amberg (Bayern) beobachtet haben will, kann nicht als zuverlässig gelten. Im Juli dieses Jahres wurde» dagegen an mehreren Orten 40° sestgestellt. In Berlin, das die längste Tcmperoturrethe von allen deuischxn Städten besitzt, wurde in 200 Jahren, tert 1716, eine Temperatur von 379 C nur dreimal ^reicht oder überschritten, am 4. Juli 1781 (37,5), Wang Juli 1819 (37,5) und am 20. Juli 1865 tt* 4- allgemeinen kann man jedenfalls uur 1010)6 .Amperraturen für verläßlich hallen, die von 6en "ltentlichen Beobachtungsstellen selbst (aber ntqt etwa bon den weitverbreiteten Wetter« und Uramafaulen) mitgetetll werden. In keinem Falle ober verdienen die meist übertriebenen Temperaturen G.auben, ite an heißen Sommerlagen der Well bei kündet werden, D EoS

, ^s. bct Geschichte bet w-lkerkunde. Ein- zelne Erschemungen der Wlltenma mußten natur- ö-rt- seit den ältesten Z-ften die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich lenken. Die Ruinen Babylons haben zah reiche christen Ei fert, bte sich mit dem Wetter befassen. Auch das Alte Testament itrtb bte Dichtungen Homers mch Hesiods enthalten viele Wen- bmtgeti £)ittji<f)tjtf) der Witteruugsoerhällmsft. 3n Gritechenlanb tauchen tm fünften Jahrhundert vor Christi Geburt bte ersten regelmäßigen Auszeichnungen rre- teorologischer Daten auf. e«e würben als sog.Pu- ropegmata" an of entuchen Orten angeschlagen und Bruchteile dieser taienberartigen Notizen sind erhalten geblieben. In spaterer Zeit wurde bte Wlnbrichtuna beobachtet. Der beruhm.eTurm der Winde" zu Lthen ist ein Beleg dafür. D« ersten Dtitimnmngen der Regenmenge wurden m Palästina zu Beginn un­srer Zeitrechnung durchgeführt. Die Römer haben k^cht viel zm Entwicklung der Meteorologie bei getragen und in ben barbarischen Zeilen nach bem Zusammen­bruche der Alten Welt verfiel sie vollkommen. Erst tm 13. und 14. Jahrhundert ist ein Wiedererwachen die- frt Bestrebungen zu verzeichnen, das allmählich zu Miseren Tagen hinübkrleitet. Die Atestev systemalte

schen Wotterberichte wurden trt Oxford von William Merle in ben Jahren 1337 bis 1344 gemacht, kos

Die Erfindung des Regenmessers. Zur Messung her Regenmenge bedienen sich ine Meteorologen be­kanntlich eines Auffanggefäßes, dessen Inhalt nach jedem Regenfalle ober täglich mit einem Meßglase ge­messen wirb. Die Erfindung dief.s Apparates schreibt man dsm Italiener Castelli zu, der Zeitgenosse Galileis war. Dr. Wada, Direktor des meteorologi­schen übferrator'-ums in Tschemuipo, bat aber nach- Mwiesen, daß schon 200 Jahre früher Regenmesier in Korea in Gebrauch wären. Der Rogen hat nämlich für Korea eine besondere Bedeutung, weil er für bas Gedeihen des Reises, des HauptnechrmigsmitteLs der Bewohner, unentbehrlich ist. Dir erste Regenmesser in Korea wurde 1442 durch König Sejo entführt und bestand aus tmtm Brontzegefäß, das auf einem Pfeilor aufgcstellt war. Nach jedem Regenfalle mußten be- foitdeve Samte die Regenhohe messen und bem Könige mitteüten. Instrumente gleicher Größe und Form wurden in den Provinzen verieill und auch aus diesen mußte der Regensoll dem König mitgeteill werden. Noch heute fintet man i» Korea manchenorts Pfeiter, die einst Regemvasser trugen. So steht ein solcher im Garten beim früh?ren Kaiftrpatast. kos

Spinnen als Detlerprophelen. Ms es noch ferne Barometer gab, wurden die Spinnen, besonders die Haus- imd Kreuzspinnen, mehr geschätzt als heut­zutage, wenn überhaupt heute von einer Wertschätzung dte Rede sein kann. Dian findet jetzt bte Tierchen ekelhaft und entäußert sich ihrer so schnell rote möglich. Das mag seine Berechtigung haben, immerhin sollte men bte Ab'cheu nicht übertreiben. Ein tieferer Ein- blick in das Spinnenleben ist äußerst lchrreich, muten UNS boch schon bte Spinngewebe rote kleine Wunder­werk« an, die keines Menschen Hand nachzuahmen ver­mag. Besond.rs intevessant sind die Spinnen aber auch als Wetterpropheten. Früher richtete man sich sehr gern nach ihrem Tun und wußte deshalb immer genau, ob in etlichen sechs bis zchn Stunden Wind und schlechtes Wetter Eintreten würde oder helles, son­niges Wetter. 2m ersten Falle zieht sich die Spinne scheu in einen Winkel zurück, mit dem Leib dorthin gerichtet, von woher unfehlb« das Wrtter kommt. Sitzt die Spinne aber sorglos tn der Mitte ihres Netzes ober spinnt sie sich etwas Neues, so kann man sicher darauf rechnen, daß gutes Wetter ehrtriti ober boch das gute Wetter noch lange anhält. mos

Papier als Baumaterial. Die verroenbrmg von Paptermasse im Bauwesen bürste in nicht zu ferner Zeit enorm {ein. Man weiß, daß n^n ausPapier", wft

man sich kurzweg, aber eigentlich ganz falsch ausdrückt, schon vielerlei anzufertigen verficht, Lagerfässer, Tele- grapher-stangen, Eisenbahnräder usw. 3n Amerika fertigt man aus natürlich besonders präparierter Pa- vtermafse mich Fußböden, Dachzrog.l, ganze Wand- slächen, Bauornamente und dergleichen an. Für diese Zwecke wird Zelluloft mit einem geeigneten Binde­mittel zu einem steifen Mörtel verarbeitet, der noch einen Zusatz erhält, welchsr ihn feuerfeft, wasserdicht und wetterbeständig macht. Wie man jetzt Gipswände und Mpsdielen hat, so wirb man bald auch Bausteine und größere Bauquader aus Paptermässe Herstellen. Lhr Vorteil liegt 'm ber Villigkeit, ber Loichtigkett und der Haltbarkeit. Feuchte Wände und also imgefimte Räume können nicht mehr vorkommen, ja man kann innere Feuchtigkeit durch Papirrmasft direkt bekämpfen, ebenso wie Ungeziefer und bte berüchtigte Hellhöriccheit, b. h. d« Schalleitung bes Hauses, da Papier die Ge­räusche außerordenilich dämpft. Ein roetterer Vorteil besteht darin, daß Papi er mässe sowohl Wärme als auch Kälte sernhält, daß sie beim Einschlagen von Nägeln nicht abbröckelt und gegen Einslüjft von Feuer ebenso roiberstandsMig gemacht werben kann, rote_ gegen solche von Wasser, Winb unb Watter. Es wäre nur zu wünschen, baß Inbustrie unb Fachleute diesen idealen Baustoff -recht bald zur Einführung bringen.

Die schöne Gurke, dte jetzt den G.'müsemarkt beherrscht, stammt aus Vorderindien, ist aber sehr wahrscheinlich auch dorthin erst im grautften Altertum von den malayschen Inseln hinübergebracht worden. Von da kam dte Pflanze »ach Kteinasien, und etwa im 7. Jahrhundert n. Ehr. nach Griechenland, später nach Rom. Erst durch Karl den Großen wurde die Gurke auch m Deulfchcmd ein^führt. 2m östlichen Deutsch- laich war sie freilich durch Brmittlung der Hunnen imb Tataren schon sehr viel früher bekannt: diese sind es auch wahrscheinlich, w:lche die säuerliche Zuberei- tung erfunbtn hoben. 2m alten Rom war die Frucht so b.fitbt, daß man sie genau so anbeute rote jetzt und ju jeder Jahreszeit Gurken verspeisen konnte. Reis« Gurken schmecken vorzüglich, sie kichlen unb löschen den Durst, besitzen f« doch 97 Proz. Wasser. Diesen Saft, ab:r auch bte Körner soll man niemals wegtun: ste enthalten eine beträchiliche Menge Eisen und Phos- phorsäure. Die saure Gurte schmeckt säuerlich infolge burch Gärung erzeugten Milchsäure. Diese macht die saure Gurke empfthlenswert namentlich für Zucker­kranke imb solche, die nicht zuckerkrank werden wol­len. mos

Rauchen trab Wachstum. Neber ben Einfluß des Rauches hat ber amerikanische Arzt Dr. Seaver

sehr interessante Untersuchungen angestellt. Für seine Slubien benutzte er 187 Studenten, die teils rauchten, teils Nichtraucher waren. Der Arzt fand nun, daß bei den Nichirauchem bas Körpergewicht um durchschnitt­lich 10 Proz. mehr zunahm als bei betten, die nur gelegentlich einmal rauchten. Bei dem Längemvachs- tum betrug der Unterschied 24 bezw. 14 Proz. mehr, ter Brustumfang war bei den Nichttauchern um 26 tezw. 22 Proz. größer als bet den anderen, und dte Lungentätigkeit sogar um 77 bezw. 49 Proz. größer. Ganz ähnliche Beobachtungen sind auch von anderen Aerzten und Fachgelehrten gemacht roorbert Es ist daher der reisen Lugend dringend anzuraten, bas Rau­chen göttlich zu unterlassen, oder sich überhaupt gar nicht erst daran zu gewöhnen. mos

Wer ist flörter, der Mensch oder ter Elefant? Gemeinhin staunt man über dieRiesenkräfte" eines (Elefanten, weiß aber zumcist gar nicht, daß dies nur absolut zutrifft. 2m Verhättnis bsttachtet liegt bte Sache ganz anders; da ist nämlich ter Elefant viel schwächer als der Mensch! ®enaue Berechnungen, Die man einmal anstellte, haben ergeben, daß 50 Männer im Gesamtgewicht mm 3400 Klgr. 3970 Kigr. auf eine bestimmte Höh« zogen, also 570 Klgr. mehr als ihr eigenes Gewicht. Ein (Elefant, der 5440 Klgr. wog, zog jedoch nur 3970 Klgr. zur selben Höhe. jomU 1470 Klgr. weniger, als sein eigenes Gewicht. mos

Die bte Naturvölker Stieben schließen. 225 Tage hat es gedauert, bevor man in Paris und Weimar dem Weltkrieg ein Ende machte, unb bie Herren Ame­rikaner nahmen sich sogar 1014 Tage Jett, um mit Deutschlanb halbwegs wieder ins Reine zu kommen. Da sind bie Wilden doch bessere Menschen! Bei diesen geht ein Frrebensschluß sehr viel schneller vor sich, ja teilweise sogar recht gemütlich, unb keine Partei braucht zu fürchten, baß ihre Delegation mit Steinwürfen bombardiert wirb. Die norbamerikamschen 3nbiartet z. B. vergraben einfach ihre Streitaxt unb beim ist man sofort wieder gut Freund. Auf den Südfte- 2rrftln zerbricht man bte Spieße zum Zeichen bes Frtebensschlusses. Diele Naturvölker werfen ihre Waf­fen kurzerhand weg und wedeln mit Daumzweigen, «irrige bassen barm noch gemeinsame Mahlzeiten fol­gen unb tcmsc'.en g.genjeitig Geschenke aus. Auf Ha- wai flechten beib- Parteien zusammen einen großen Kranz, ter ben Göttern dar gebracht wird. Bei den Mass» in Ostafrika leistet man }td)_ gegenseitig eine Fricdensbüt^ schäft, indem man auf längere Zett Km- ber austauscht, unb diese später, wenn auch ber letzt« Haß unb Zorn verraucht ist, ftterlich triebet zurück- holl. wo«