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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

; Nr. 204.

BerantwonUch für den ceoouionellen Teil: Dr. Kramer, u für die Anzeigen: I. ParzeUer-Fnioa. - Rotationsdruck u. Verlag der öulbaer Actiendrnckerei in Fulda. ^ernipre*er Nr. 9. Telegr.-Adrelse: Fuldaer Zeitung

Dienstag, 6. September 192b

Die innerpolitische Lage.

Bezugspreis: Monatlich 3,50 IRL ohne Bestellgeld. Post- - bezug 4,10 IRL AbgehoU 3,75 IRL =

Anzeigen: u o'onelzeile 70 pfg., für mehrfpaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (Ten«reite> 2 50 Ntk.

48. Zahrg.

Die innerpolitifche Loge Deutschlands ist Zweifel- 6s außerordentlich gespannt.. Nicht nur, daß die innere Zerklüftung unseres Volkes bedauerliche Fortschritte gemacht hat, wir stehen auch noch vor an- deren sehr tief einschneidenden Entscheidungen, das ist vor allem die Erledigung der großen Steu­er v o r l a g e n, die in wenigen Wochen im Reichstag vorgenommen werden muß. Es geht dabei um Ent­scheidungen von so großer Tragweite, daß sie nur dann Zu einem gedeihlichen Ende geführt werden können, wenn eine möglichst breite Mehrheit der Volksvertretung die Verantwortung für die Entscheidung des Reiches trägt.

In diesem Zusammenhang ist es von besonderer Bedeutung, daß die Führer verdeutschen B o l k s p a r t e i mit aller Deutlichkeit zu erkennen ge- geben haben, daß sie die Politik, wie sie zurzeit von der deutschnationalen Volkspartei ge­trieben wird, weit von sich weifen. Das hat erst jüngst wieder der Verlauf des parlamentarischen Hebet« wachungsausschusses bewiesen, in welchem der Abg. Dr. Kahl erklärte, daß die deutsche Volkspartei zur repub­likanischen Verfasiung stehe und der Regierung das Recht zuerkenne, die Republik mit allen Mitteln gegen eine gewalttätige oder verhetzende Agitation von rechts oder links zu verteidigen. Es mag zu weit gehen, wenn man in diesem Bekenntnis des Abg. Dr. Kahl eine Preisgabe der grundsätzlichen Stellungnahme der deutsch. Volkspartei zur Monarchie erblicken will. Diese Frage wird in der Preffe zwar sehr eingehend erörtert, aber wir halten sie im gegenwärtigen Augenblick doch nicht für so überragend bedeutend, daß darauf näher eingegangen werden müßte. Uns erscheint nid wich­tiger die Tatsache an sich, daß die deutsche Volkspartei gewillt ist, sich auf den Boden der gegebenen Tat­sachen zu stellen und daß sie bereit ist, die Verfasiung zu schützen und positive Arbeit am Wiederaufbau un­seres Volkes zu leisten.

Die bemerkenswerten Ausführungen des Abg. Dr. Kühl sind ergänzt worden durch Ausführungen, die der Führer der deutschen Volkspartei, der Abg. Dr. Stresemann in Magdeburg tat. Dr. Stresemann erklärte dort, daß er Monarchist sei und bleibe, aber über den Gedanken des Bekenntnisies zur Monarchie stehe der Gedanke, daß Volk und Vaterland nicht lei­den dürfe durch neue Bürgerkriege, die uns zerreißen. Das ist nur zu wahr.

Diese Ausführungen des Abg. Stresemann in Ver­bindung mit denen des Abg. Dr. Kahl, zu denen auch noch Ausführungen der parteioffiziösenNationallibe­ralen Korrespondenz" kommen, die ebenfalls erklärt, daß die deutsche Volkspartei auf dem Boden der ver- fasiungsmäß^gen Grundlagen des Reiches steht, schien uns doch eine Gewähr dafür zu bieten, daß endlich das gelingen wird, was die Zentrumsfraktion des Reichstags in den letzten Jahren herbeizuführen mit allen Mitteln bestrebt war: Die Zusammenfas­sung aller im werktätigen Leben ste- henden Kräfte unseres Volkes, die bereit sind, mitzuwirken am Wiederaufbau des Vaterlandes. Die Erttörungen von feiten der deutschen Volkspartei sind um so bedeutsamer, als im Reichstag die bereits erwähnten Entscheidungen über die Steuerfragen be­vorstehen, als auf der andern Seite Preußen allem Anschein nach vor einer Umbildung seiner Regierung steht.

Nun kommt es ja allerdings nicht nur auf die deutsche Volkspartei und die bisherigen Regierungs­parteien, sondern auch auf die Sozialdemo­kratie an. Aber auch innerhalb dieser Parteien hoben offenbar diejenigen Kräfte an Einfluß gewon-

Der Sänsebub.

Fränkischer Dorsroman von Dtna Ernstberger. 36; ___

9. Kapitel.

2m Dorf herrschte ungewöhnlich große Aufregung. Das neue Haus stand nun vollständig fertig Schon F>t_ Tagen kamen aus der Stadt Kisten und Käste,, und Gabelstücke aller Art, um dasselbe gar vollständig ein» rnbten zu können. Schreiner und Tapezierer arbeiteten M der inneren Ausschmückung der Räume, aber noch ?onnte mon den Namen des Besitzers nicht er- s^dren. Nun war auch noch, um die Neugierde der Leute voll 3u machen, eine Dame eingetroffen, die im herein mit den Handwerksleuten von früh bis nachts die Einrichtung der verschiedenen Zimmer im neuen ijoufe leitete. Viele sagten, das wäre die Frau des neuen Besitzers-, andere wieder meinten, das könne nicht der Fall fein, denn die fremden Hcmdwerksleute nennen Üe Fraulein, und die Frau eines so reichen Mannes würde auch nicht fo fleißig schaffen und arbeiten. Die Ochsenwirtnr bei der die Dame zu Mittag speiste, ver­suchte es stets, em Gespräch anzuknüpfen. um Näheres gu erfahren aber an be, Verschlossenheit ihres Gastes prallten alle derartigen Versuche ab. Einmal als die dann gerade wieder beim Mittagstisch im Ochsenwirts, baue saß, kam der Tapezierer und sagte etwas wegen de, Einrichtung eines Zimmers. Da hörte die Ochsen- Wirtin, wie er die Dame Fräulein Marianne nannte. Die Ochsenwirtin rieb sich energisch bie @(irn. m0 f>atte sie nur schon diesen Namen gehört? Ueberhaupt so oft sie die Dame sah. war es ihr gewesen, als hätte' sie dieselbe schon früher einmal gesehen. Sie' rieb sich nun °uch noch die Augen aus und betrachtete die Fremde durch das kleine, schmutzige Küchenfenster von allen Seifen. Sinnend lehnte sie bann eine zeitlang an der Küchentür bann auf einmal legte sich ihre Hand im ra» scheu Entschlüsse auf den Drücker ber Küchentüre und räuspernd trat sie in die ÜBirtsftube.

3d) weiß net. sind Sie« oder sind Sie's net, sprach sie langsam, während sie sich auf einen Stuhl der Dame gegenüber "iederließ.

nm, bie zu einem Zusammenarbeiten mit der deut­schen Volkspartei im Rahmen der bisherigen Koalition bereit sind.

An dem guten Willen der deutschen Volkspartei ist nach den erwähnten Ausführungen ihrer Führer ein Zweifel wohl nicht mehr zulässig.. Es ist zu hoffen, daß die verständigen und vernünftigen Kreise inner­halb der Sozialdemokratie in der Lage fein werden, sich durchzusetzen gegenüber jenen Kreisen in ihrer eigenen Partei, die sich nicht über einen engherzigen Patte standpunkt erheben, die letzten Endes nichts anderes tun, als was sie der Rechten stets trormerfen, nämlich die Parteiinteressen über das Gesamtwohl zu stellen.

(Eine Entschließung d»r Deutschen Volkspartei.

Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei trat gestern mit dem Vorstand der preußischen Land- tagsfraktton zu einer außerordentlich stark besuchten Sitzung zusammen. Rach einem eingehenden Bericht Stresemanns über die politischen Vorgänge der letzten Zeit folgt.? eine ausgedehnt« Debatte, in der die An­wesenden einmütig die von den Fraktioirsvorsitzenden, dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler abgege­benen Erklärungen über die Notwendigkeit einer gleichmäßigen Anwendung der eriaffeinen Aus- nahmebcstimmungnn auch für die radikale Linke bil­ligten. Die Regierung hat durch das Verbot mehrerer kommunistischen Organe bereits bewiesen, daß sie in diesem Sinne, gegen Rechts- und Links- b o l s ch e w i st e n, die Verordnung zu handhaben ge­denkt.

Der Konflikt mit Bayern.

In einer mehrstündigen Sitzung beriet der bayerische Ministerrat gestern nachmiitag die Polnische Lage. Endgültige Beschlüsse wurden nicht gefaßt, da man zunächst die Ansicht der Führer der Koalitionsparteien abwarten will, die heute mittag noch zu einer gemeinsamen Sitzung zusammentreten. Münchener Regterungskreise sehen die Lage als sehr ernst an.

Lin Gesetz zum Schutze der Ehre.

Der Reichskanzler sagte, wie wir schon be- richteten, in seiner Kebe auf der Berliner Zentrums­versammlung vom letzten Sonntag:Wir brauchen ein Gesetz, und ich will mich dafür etnsetzen, daß es schnell kommt, welches die Ehre unserer Mitbürger, die im politischen Kampfe stehen, schützt, genau so, wie das in England und anderen parlamentarischen Ländern bereits der Fall ist. Kommt ein derartiges Gesetz nicht, so wird sich kein anständiger Mensch mehr in Deutschland finden, der bei den jetzigen Verhältnissen in die politische Arena steigt und feinen und seiner Kinder Namen den vergifteten Masten der Verleum­dung aussetzt."

Ein solches Gesetz wurde schon seit längerer Zeit vorbereitet, ober als Stück der allgemeinen Re­form des Strafgesetzbuches. Bis die letztere zustande kommt, können wir mit dem Ehrenschutz nicht war­ten. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit ist ja durch die jüngsten Ereignisse nur zu deutlich dargelegt. Die bestehenden Strafparagraphen gegen Beleidigung und Verleumdung erweisen sich als unzulänglich. Es wird m der Presse und in Versammlungen in einem fort mit dem saftigsten Schmähworten und den gröbsten Anschuldigungengearbeitet* im Vertrauen daraus, daß der Angegriffene keinen Strafantrag stellt oder daß man, wenn er es doch wagen sollte, im Gerichts-

Diese schaute die neugierig Fragende groß an, dann antwortete sie mit oerlegenem Lächeln:Was meinen Sie, Frau Wirtin?*

Ich mein', wir hab'n uns schon amal wo g'seh'n. Sind denn Sie zum erschtenmal im Dors?* fragte die Wißbegierige weiter, während sie ihren breiten Mund im liebenswürdigsten Lächeln bis an die Ohren zog.

E- schien, als hätte die Fremde die Frage überhört.

«Sind S' denn zum erschtenmal im Dors? Ich mein doch immer, wir ha'n uns schon amal wo g'seh'n,* wiederholte die Ochsenwirtin nochmals.

Jetzt schaute die Dam« von ihrem Teller auf.Ganz recht, Frau Wirtin. Wir haben uns schon einmal im Leban begegnet. 2ch war vor vielen Jahren schon ein. mal bei Ihnen.*

.Hotzdunnerei! Sie sind am End denn gar die Jung­fer Bas von der Fräul'n Lore?" rief jetzt die Ochsen- rofrtin freudig aus, während sie ihren Stuhl noch näher an die Fremde heranrückte.

Hab' ich's net allweil mir schon denkt. No, die Freud! Und des schön', groß' Haus g'hört der Fräul'n Lor«?*

Tausenderlei Fragen durchfuhren blitzschnell bas Ge­hirn der neugierigen Frau. Sie hätte die Großmagd am liebsten beohrfeigen mögen, die sie eben dringend in die Küche rief. Nur widerwillig folgte ste dem Ruf. Ms ste gleich nachher wieder in die Wirtsstube zurück- kehrte, war die Fremde fort. An jenem Abend wurde dann endlich die Neugierde der Dorfleute gestillt. Man erzählte sich, daß das schöne neue Haus ber Professors. Lore gehöre.

Am nächsten Tage ließ Marianne das Esten in die Wohnung holen. Das war der Ochenwrtin sehr leib; gerade heute wollte sie bas Fräulein Marianne ordent­lich aussorschen. Sie hatte sich sehr viel von ihrem Vor- haben versprochen. Die Neugierde hatte sie schon lange genug gequält nun da sie endlich gestillt werden konnte, blieb ihr Gast aus.

Als nun gar noch die Nachbarin kam und ihr die Neuigkeit brachte daß die Fremde In dem neuen Hause all die alten Möbelstücke, bie im Austragstübchen der Flickschusterin standen, um iünbteures (Selb angetauft

faal erst recht in einem Sensationsprozeß ihn bloß stellen kann. Sm Prozeß Erzberger-Helfs e- r i ch haben wir es ja staunend erlebt, wie bei dem gegenwärtigenRechtsverfahren* die Rollen vollstän­dig vertauscht, der Kläger zum Angeklagten gemacht und aus dem sogen. Ehrenschutz ein Mittel zur raffi­nierten Untergrabung der Ehre gemacht werden kann. Der zeitweilige Erfolg Helfferichs hat Schule gemacht auf beiden Flügeln des Radikalismus. Das Defchmn- pfen und Verleumden ist zur Lieblingswaffe geworden. Wenn der Vergleich nicht zu anrüchig ist, kann man sagen: Auf dem politischen Kampfplätze fahren zahl­lose Tanks herum, die Jauche verspritzen in der Berechnung, daß keine weiße Weste wieder die alte Sauberkeit erlangen kann, wenn sie von diesem ver­leumderischen Unrat getroffen worden ist.Es bleibt immer etwas hängen", wie schon das uralte Sprich­wort sagt, und heutzutage bleibt häufig trotz aller Gegenbeweise so viel hängen, daß der Verleumdete die Möglichkeit des Weiterwirkens, unter Umständen sogar das Leben verliert.

Das Ziel des Gesetzes soll nicht der Aus­schluß der sachlichen Kritik fein, sondern nur der Schutz gegen die persönliche Beschmutzung. Die Ausgabe sieht einfach aus, aber ihre Durchfüh­rung macht große Schwierigkeiten. Es fragt sich, ob wir in Anlehnung an die englische Art des Ehren- fchutzes die Schwierigkeiten überwinden tonnen.

Einige meinen, die Hauptsache fei die Ausschlie­ßung des sogen. Wahrheitsbeweises. Es ist ja richtig, daß der Versuch des Wahrheitsbeweises eine schlimme Waffe in den Händen der Ehrabschneider ist. Unter dem Vorwand, ihre Anschuldigungen oder we- nigstens ihrenguten Glauben* an die Wahrheit zu beweisen, setzen ste einen großen Apparat m Be­wegung, der möglichst viel Staub aufwirbelt zum Schaden der Beleidigten. Die Angreifer können die Ausdehnung des Prozestes aushalten, denn das Unter­graben der Ehre ist ja ihr Geschäft, sehr oft ein gut bezahltes Geschäft. Der Angegriffene aber wird durch die Tortur in seiner Arbeitskraft gelähmt, in seiner Gesundheit geschädigt. Wird mm der Wahrheitsbe­weis einfach ausgeschlossen, so sagen die H'ntermänner des Verleumders:Seht ihr, die Anschuldigung kann nicht widerlegt werden; unser Freund ist der Märtyrer der Wahrhaftigkeit.* Sm Falle des Ausschlusses des Wahrheitsbeweises müßte also die Strafe auf die Ehr­abschneidung mindestens so scharf sein, daß der Ver­leumder selbst und auch seine Hintermänner von d'esem Martyrium* abgeschreckt werden. Vielleicht ist es möglich, das Prozeßverfahren so zu verbestern, daß der Wahrheitsbeweis nicht ganz ausgeschlossen, jedoch auf den Kernpunkt der Sache beschränkt und nur im Falle des durchschlagenden und lückenlosen Erfolges alsgelungen* anerkannt wird. Auf jeden Fall muß der Richter unbedingt verhüten, daß der angeklagte Verleumder Nebensachen heranzieht, die auf weitere Ehrabschneiderei berechnet sind.

Alles das wird freilich nicht genügen, so lange nicht in der öffentlichen Meinung sich ein Unffchwung vollzieht in der Richtung, daß die Leute, die mit Schimpfworten und Verleumdungen arbeiten, von vornherein der Verachtung anheimfallen. Zur Zeit gibt es leider noch ganz große Parteien und mächtige Gruppen, die bei solchen schmutzigen Angrif­fen von vornherein dem Verleumder mehr Glauben schenken, als dem Verdächtigten.

Es gehört anscheinend zu den Kinderkrankheiten dem Demokratie, daß die Führer des Volkes zu le'cht dem Neide, dem Argwohn oder einer gewisten Scha­denfreude anheimfallen. Machen wir den Versuch, auf gesetzgeberischem Wege diese Unsitte e'nzuschränken, aber vergessen wir nicht, daß die Hauptsache die fort­gesetzte Belehrung des Volkes ist und seine Erziehung ja einer gewissenhaften Beurteilung der Per­sonen und der Verhältnisse.

habe und damit ein Zimmer im neuen Hause eingerich. tet hätte,kannte ihre Neugierde keine Grenzen mehr. Sie nahm sich sofort fest vor gleich morgen einmal das Esten selbst dem Fräulein Mariann« hinzutragen.

Du hast net recht g'hört Nany,* meinte sie nach einigem Ueberlegen zur Nachbarin.Die können sich schon neue War' anschaff'n: die brauch'n ber Flickschuste­rin ihr alt's Gerastei net*

Sell hab' ich auch schon gmeint. erwiderte die Nachbarin.Ich hätt's net glaubt, wenn ich's net g'seh'n hott', rot« der Peter des alt' (B'lump mit hin- tragn hat. Der Bader hat g'sagt. es gibt scho' so när. rische Leut, die wo teures Geld für so a alte War' zahl'n. Je älter und schlechter, je lieber is solchen när­rischen ßeut'n. Der Flickschuster hat hast amal überall as Glück. So a Zeug hält' man in jebn Haus genug hab'n tönna; grab der hat wiederas Glück habn müssn.*

Mitten in der Unterhaltung wurden die beiden Frauen durch lautes Räderrollen gestört. Die Dorfstraße kam ein feiner Sanbauer heraufgelahren. (Es war dies immer ein kleines Ereignis. Neugierig stellten sich die beiden unter die Hausiüre, als ber Wagen am Wirts­haus vorüber kam. In sprachlosem Erstaunen richten die beiden Frauen ihre Augen auf, als die Snfaffen ein Herr und eine ältere Frau freundlich grüßend ihnen zunickten.

Hotzkreiz, roer waretzt des!* rief die Ochsenwirtin, nachdem sie sich von ber großen Ueberra'chung etwas erhost hatte. Sie stellte sich mit eingestemmten Armen breit mitten auf bie Straße unb sah dem noblen Gefährt nach. Da hielt es plötzlich not dem neuen Hauie direkt an Dort mußte man bie Ankommenden schon erwartet haben, denn leichtfüßig kam Marianne die Treppe herabgesprungen unb half der alten Frau aus dem Wa­gen und hieß die beiden willkommen. Wie ein Toller keuchte der Bader indes die Straße herauf.

Habt Ihr bie zwei net kennt!* schrie er aufgeregt schon aus ber Ferne.Mein Freunb Josevh war da drin und seine Mutter, die alte Flickschusterin."

Alle gutn Geister! Hab' ich mir denn net denkt, die komm» mir bekannt vor. Am End' hast Dich aber doch

Geheimhaltung des Wiesbadener Abkommens.

In der gestrigen Sitzung des Reichskabinetts wurde ein vorläufiger Bericht des Wiederauf» bäum inisteriums über die Verhandlungen zwischen Loucheur und Rathenau in Wiesbaden er­stattet. Wie dieDeutsche allgemeine Zeitung" mit» teilt, können gemäß der mit der französischen Regie­rung getroffenen Vereinbarungen Miiteilungen über den Inhalt des Ablommens noch nicht gemacht werden.

Die Suche nach den Mördern Erzbergers.

Die bisherigen Nachforschungen nach den Mördern des Abgeordneten Erzberger und die Aussagen des verwundeten Reichstagsabgeordneten Diez haben der Polizeibehörde soviel Material in die Hand gegeben, daß nunmehr im ganzen Reiche ein Plakat ange chlagen wird, worin eine genaue Beschreibung der Mörder, Handschrifiproben usw. gegeben werden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei erstrecken sich auch in der Richtung, festzustellen, woher die iüiörbet die reichen Geldmittel hatten und ob noch Hinter» männer der Täter in Frage kommen.

Das Einkommen der Pfarrer.

Der Ständige Ausschuß des Preußischen Landtags hat die Verordnung über die Gewäh­rung von Notzuschlägen zum Grundgehalt, zur Grund- vergütung, zum Oriszuschlag und zu den Kinderbei­hilfen der preußischen Staatsbeamten und Lehrper­sonen angenommen. Ein Antrag, den die Angeho- rigen der Zentrumsfraktion im ständigen Ausschüsse gestellt haben, in die Notverordnung eine Bestimmung aufzunehmen, wonach entsprechend dieser Verordnung die durch das Pfarrerdiensteinkommenge­setz vom 17. Dezember 1920 vorschußweise zur Ver­fügung zu stellenden- Mittel zu erhöhen seien, wurde aus formalen Gründen von einer geringen Mehrheit abgelehnt. Die Staatsregierung ist aber der Ansicht, daß entsprechend den in der Notver­ordnung vorgesehenen Erhöhungen auch ohne daß es eines besonderen Gesetzes bedürfe, die im Ar­tikel 2 des Pfarrerdiensteinkommengesetzes vom 17. Dezember 1920 seitens des Staates vorschuß­weise zur Verfügung zu stellenden Mittel zu e r - höhen seien. Die Auszahlung würde auf An­trag der Diözesen bezw. Kirchenge- meinden erfolgen. Seitens des evangelischen Oberkirchenrates ist ein entsprechender Antrag für die Geistlichen der evangelischen Landeskirche bereits ge­stellt worden.

Der Artikel 2 des Gesetzes über die Bereitstellung von Mitteln zur Aufbesterung des Diensteinkommens der katholischen Pfarrer vom 17. Dezember 1920 lautet:

Soweit bie eigene Leistungsfähigkeit ber Diözesen unb Kirchengememden nicht ausreicht, bie Besobdungs- und Ruhegehaltsbezüge ihrer preußiichen Pfarrer den Dienst- urtb Dersorgungsbezügen berfenigen unmittelbaren Staats­beamten anzupassen, die ihre erste planmäßige Anstellung in einer Stelle ber Besoldungsgruppe 10 ber staatlichen Besolbung-orbnmtg finden, werden vom 1. April 1920 ab bis zum 31. März 1923 seitens des Staates dieienigen Mittel vorschußweise zur Verfügung ge­stellt, die über den im Artikel 1 bezeichneten Betrag hinaus alljährlich erforderlich werden, um die Bezüge ber Pfarrer auf bie erwähnte Höhe zu bringen.

Die Auszahlung erfolgt also nur auf Antrag der Diözesen bezw. Kirchengemeinden.

täuscht, Bader; bie sind ja ins neu Haus gangen und net zum Schusters-Peter nei!"

Das kann alles fein, wie es will. In dem Wagen war mein Freund Joseph mit seiner Mutter drinnen. Ja meine Ahnung, meine Ahnung, meine Ahnungen trügen nie!* So hörten ihn bie zwei Frauen im rein, ften Hochdeutsch rufen, dann lief er im Sturmschritt wei­ter, um feinen Freund Joseph zu begrüßen.

Das war ein Aufstand im Dörfchen, als es nach und nach bekannt wurde baß ber Bauherr des neuen Hau. ses ber Flickschuster-Joseph sei. So viel Ülufregtmg brachte sonst nur die Bürgermeister wähl mit sich. Eini­ges Befremden machte bie Anwesenheit Mariannes, doch wußte der Bader nntb diesen Umstand den Leuten zu erklären.

So große Bauten, wie dies Haus hier, gehören fetten einem allein," erklärte er.Da haben immer mehr daran teil und bas nennt man Aktiengesellschaft. Einer muß mehr bezahlen, ber ist dafür an ber Spitze, und das ist mein Freund Joseph. Die anderen geben weniger dazu. Zu ihnen gehört bie frembe Dame, darum hcu die auch bas meiste Recht, da zu wohnen."

Die meisten glaubten bie Erklärung bent Bader aufs Wort; ber Bürgermeisterin aber machte die Sache im­mer noch Bedenken.Hanni*, sagte sie Zum Gemeinde, diener,wenn des nur net fei Braut isl*

Genau dieselben Gedanken hatten auch Hanni schon gequält. Er ließ sich aber beileibe nichts amnerfen da­von; im Gegenteil, ganz entrüstet klang feine Stimme, als er ihr erwiderte:

0 Bürgermeisterin, Bürgermeisterin, seid doch sonst g'scheit unb da wollt Ihr so dumm sei'!*

No warum?as könnt abj doch sei',* meinte ver­zagt die Frau Bürgermeisterin.

Na, des kann ebn net fei, west der Joseph ka' an. bera wie Euer Ktmdl nennt unb mag. Die alte, dürre Jungfer schon glei' gar net, die könnt ja zehnmal fei' Mutter fei!*

Nach diesen mit vollster Ueberzeugung gesprochenen Worten Hannis beruhigte sich bie Bürgermeisterin. Nur beauftragte ste noch Hanni, am anbem Tag in aller Frühe mit ihrem Mann in das neue Haus Zu gehen, um dem Joseph eine kleine Aufwartung zu machen. (F. s.)