- Auldaer EZeitung
*-♦-* Druck der Fuldaer
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M 202.
SamStag, S. September 192L
Laritative Schulung.
Generalsekretär Kuno I o e r n e r, Freiburg i. Dr D1Ler jn der caritationr Arbeit bereits einige Er- fc,hr7na ^ammeil Hot. wird sehr bald «kennen, daß 8 g^tzen Fülle der Aufgaben, weiche dre Liebes- an den Einzelnen stellt, die Erwerbung ^Ä^icker Lorkenntnifse erforderlich La 9 (o läßt sich das Ziel des caritatioen Wirkens,
„nrrlidift gründliche und nachhaltige Hilfeleistung fr6 ^^Nolleidenden, in wünschenswerter Weise er- lur7*7 ns ist daher zur übereinstimmenden Heberyu- ieI i alkt geworden, die auf dem Gebiete der Wohl- öenilept tätig sind, daß ein gewisser Grundstock an SS Wissen unentbchriich ist.
car2)er Caritas-Berband für das katho- lische Deutschland trägt diesem Dedürsnis schon leit Satiren dadurch Rechnung, daß er jeweils in ir.n ML nuten August und September am Sitze seiner Zen- ttale zu Freiburg im Breisgau caritatioeLehr- Länge veranstaltet, die in erster Linie der Schulung ehveiromtlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, ins» heföichere der Mitglieder von cavtatioen Vereinen aller Art, dienen soll. Aber auch für berufliche Kräfte der Wohlfayttsarbeit ist der Besuch dieser Lchrgönge von Wichtigkeit zur Aussrischung der bereits erworbenen Kenntnisse und zu deren Ergänzung. Ebenso ist es von nicht zu mtterschätzeiÄvr Bedeutung, daß die» jmigen Earitasfteunde, die nur aus einem einzelnen Fachgebiet tätig sind, nicht den Ueberblick über das gesamte Gebiet der christlichen Liebestätigkeit verlieren.
Ln diesem Jahre sand zunächst vom 17. bis 26. August in den Räumen der Freiburger Universität ein allgemeiner Caritasfthrgang statt, welcher in zehntägiger Dauer die caritatioen Organisationen und das G-ftauttgebiet der mannigfachen praktischen Caritosauf- ßaben behandelte. Vom 6. bis 10. September schließt sich sodann ein Sonderlehrgang für Kinder- und I u g e n d f ü r s o r g e an . Die Vorträge wer- den von hervorragenden Persönlichkeiten der Caritas» arbeit aus ganz Deutschland gehalten. Ein reicher Born von Erfahrungen wird sich für alle eröffnen, welche den Ausführungen lauschen, die aus langjähriger eigener Wirksamkeit aus den Fmhgebieten der Kinder» und Jugendfürsorge hervorfließm. Die Teilnahme an bitfk'm Sonderlchrgang empfiehlt sich ganz besonders für alle, die sich in irgend einer Form in den Dienst der Lugend gestellt haben, seien es Geistliche oder Ordensleute, Lehrer ober Lehrerinnen. Kinder- schrmstern oder Jugenbleiterimien, Mitarbeiter an Waisenhäusern, Erziehungsanstalten oder Jugendäm» lern, sowie für die Mitglieder der in allen Landesteilen so opferwillig tätigen Jugendfürsorgeorganisationen.
Da Jugendfürsorge und -Sxlsorgshilfe auf das engste miteinander verbunden sind, so ist zu erwarten, daß recht viele Teiinehmer sich auch zur Beteiligung an dem folgenden Sonderkurs für Caritas» Hilfe in der Seelsorge entschlichen, der gleichfalls in der Universität zu Freiburg durch die Zentrale des Deutscheic Caritasverbandes veranstaltet wird. In der Zei» vom 13. bis 16. September werden die Grundlagen, die Organe, die Aufgaben und Hilfsmittel des Laienapostolates behandÄt. Der Caritasoerband hat es stets als Ehrenpflicht betrachtet, auch die seelische Caritasarbeit als Krone und Höhepunkt christlichen Linbeswirkens in fein Programm einzustellen. Auf zahlreichen Earitasiaxen stand die Frage des Seien» apoftolates im Mittelpurrkt des Interesses. Aus dem Earitastrg zu Essen im Lahre 1910 wurden hierüber allein 7 wichtige Referate erstattet, welche die Gründung der „Freien Bereinigung für Caritashilfe in der Seelsorc^" als Fachverband des Caritasverbandes zur Folge hatten. Vor Jahresfrist wurde auch ein be» fonbmr Fachausschuß innerhalb des Zentralausfchufles des Deutschen Caritasverbandes gebildet, weicher die tatkräftige Förderung der Caritashilfe in der Seelsorge tezweckt Em hauptamtlicher Geschäftsführer ist an der Zentrale des Caritasverbandes ständig für den Ausbau des Laienapostolates tätig, ohne den eine wirksame Caritasarbeit im christlichen Geiste in den meisten Fällen undenkbar wäre.
Der Teilnehmerbeitrag beträgt für die beiden Lehrgänge je 30 Mark. Studierende und Ordensleute haben jeweils nur die Hälfte des Beitrages Ml entrichten. Wohnung und Verpflegung werden auf Wunsch von der Zentrale des Deutschen Caritasvcrbandes vermittelt. Schon jetzt liegen zahlreiche Anmeldungen zu den Kursen aus allen Teilen Deutschlands und aus dem Auslande vor. Selbst die überseeischen Länder werden vertreten sein. Es ist daher zu erwarten, daß auch die bmorstehenben Caritaslehrgänge wiederum
em Markstein karitativer Schulung werden zur Befruchtung und Vertiefung der christlichen Caritasarbeit.
Sie Ml« etMtolieilommlnno Des Mol. SrauenbnnOes MMM.
In der großen Organisation der katholischen Frauen- bewegung, dem Katholtschen Frauenbund Deutschlands, der zurM 250 000 Mitglieder in 800 über Deutschland verbreiteten Zweigverewen umfaßt, rüstet man sich zur achten Generaloersammlung. Sie wird am 9, 10 unb 11. September in Würzburg m den Schrannensälen statlsmderr. Dre Ernzelverhanü- lunaen stehen unter dem teilenden Dbertnä: „Der Geist der kaiholijchen Frauenbewegung".
äu diesem teil enden Lberkitel machte der Hochw. ßen Kardinal Bertram von Breslau in einen, an den Zentralvorstand gerichteten Briese vom 11 August die nachfolgenden schönen Ausfuhmngrn: Von der diesjährigen Tagung der Generalversammlung des Kmholifchen Frauenbundes dürfen wir gewiß eine begeisternde und an Anregungen reiche Wirkung erwarten, weil sie in weiiblickcnder Erwägung „dem Gifte der katholischen Frauenbewegung" gewidmÄ sein soll. Das begrüße ich besonders freubig. Denn es ist und bleibt „der Geist, der lebendig macht." Möge schwcben über ter Tagung in Würzburg der Geist der edelsten aller Frauen im Hause zu Nazareth, der Geist einer Maria und Martha von Bethanien, der Marty- rergeist der Frauen auf Golgatha, der Geist jener Hel- binnen der ersten Lcchrhmrterle, die auf dcm Forum zu Rom als Apologetinnen der ewigen Wahrheiten mutig ihre Stimme erhoben, der Licbesgeist unserer deutschen hl. Elisabeth und Hedwig, verbunden mit einer Liebe zu Kirche und Vaterland, wie sie im Herzen einer Katharma von Siena lebte. Und — lassen Sie es mich hinzusetzen —, der' Geist unserer eigenen Müt- ter, zu deren Herzen in stillen Stunden unsere Gedanken so oft zurückeilen. So möge term diese Tagung von Gottes reichem Segen begleitet sein, zum Nutzen für die hohen Aufgaben, die unser wackerer, treu be- währter Frauenbund in entscheidender Zeil zu erfüllen berufen bleibt"
Ln ähnlichem Sinne haben zahlreiche andere Mitglieder des deutschen Episkopales dem Katholischen Frauenbund Deutschlands ihre oberhirtlichen Segenswünsche zur achlen G- neralVersammlung entboten. Der Hochw. Herr Kardinal Faulhaber von München nennt es ein hohes G famtthvma, „die katholische Frauenbewegung nach ihren unterscheidenden Merkmalen von Frauenbcwsglurrgen anderen Geistes zu kenn- zeuhnen und so das Persönlichkeitsbild des katholischen Frauenbundes zu geben." Unb in einem Brief« des Hochw. Herrn Bischofs Klein von Paderborn wirb die eminente Wichtigkeit hervorgehoben, „baß sich die katholische Frauenbewegung ihmr selbständigen Bedeutung und ihres Eigenwertes als katholischer Kulturbewegung immer mehr bewußt werde und danach ihre Artest einrichte." Und endlich schreib! der Hochw. Herr Bischof Schreiber von Meißen, das Programm der Würzburgs Tagung lasse erkennen, „wie sehr der Katholische Frauenbund Deutschlands in durchaus katholischem Sinne unb nach durchaus katholischen Grundsätzen zu arbeiten gewillt ist, was denen, die ihn kennen, nie ein Geheimnis war, was aber vor aller Öffentlichkeit auszusprechen von größtem Nutzen und vorteilhafter Wirkung sein wirb."
Der Katholische Frauenbund Deutschlands wirb sich bemühen, den Erwartungen zu entsprechen, die man allgemein seiner achten Generalversammlung entgegenbringt (Alle Anfragen richte man an die Zentralstelle des Katholischen Frauenbundes Deutschlands, Köln a. Rh., Roonstr. 36; Wohnungen vermittelt das Sekretariat des KFD. in Würzburg, Koeliksrstr. 11.)
Der Zusammenbruch.
Das Urteil eines militärischen Fachmannes.
Sn der „Soff. Ztg." bespricht Generalmajor Fchr. von Schoenaich in einem „Alles Syeer und neue Wehr" überschriebenen Artikel bie Ursachen unseres militärischen Zusammenbruches. Er sagt darüber:
„Ms seit beim Fehlschlag der letzten Offensive im Juli 1918 die Front erst langsam, dann immer schneller ab- bröckelte, bestanden bte alten Regimenter nur noch aus denselben bunt zusammengewürfelten Elementen, rote die neuen Reserve- unb Landwehr-Regimenter. Die lieber- [ieferung wurde getragen von em paar allen Fristens-
offizieren und Unteroffizieren. Jn den schweren Rückzugs- kämpfen hatten die Kompanien kaum mehr als ein Dutzend Gewehre in der Front.
Sn der Heimat in den Ersatzformationen stand neben ollen mehrfach verwundeten unb kriegsmüten Soldaten der ungenügend ausgebildete Jahrgang der Siebzehnjährigen, die feit vier Jahren vaterlos ausgewachsen waren. Hunger und Elend unb das von der Heeresleitung nicht eingeftanbene, aber vom Volke langsam eriamtte Mißglücken der großen Früh» jahrsofsensive hatten eine geroisie Derzweisltmgs» stimmung erzeugt, die durch die ungeheuren Fehler der preußischen Kammern in der Frage des Wahlrechts kröf- ttg genährt wurde. Der sozialistischen Agitation blieb zu tun wenig übrig.
Der Zusammenbruch der bulgarischen Front machte es auch dem Dffndesten klar, daß auch cm letzter Derzroe-slungswiberitanb nichts an. dem end» gültigen Ausgang ändern formte daß er aber eine weitere Opferung einer halben Million Menschen bedeuten würde.
Der plötzliche Uebergong von künstlich genährten Sie- geshoffnungen zu sintflutartiger Verzweiflung machte die Revolution unvenmeiblich, der Anstoß mtx'jte kommen, von wo er wollte. Daß er von der Marine kam. lag in den riaenärtigen Dechältnisien der zur Untätigkeit verurteckten Flotte. Auch dafür ist es belanglos, ob ihre Opferung beabsichtigt mar oder nicht.
Die Aufständischen fanden am 5., 6., 7. tmb 8. No» vvinber nirgends irgendwelchen Wider st and. Die Ersatztrurvon gingen zu ihnen über, ohne aus bte Befehle der Offiziere zu hören, bie off gar zu schnell die Kommcmbogeweckt Preisgaben. Selbst in Metz ging ein schnell herbeigeholtes StMnntbettarllon der Front ohne Besinnen zu den Aufständischen über.
Am 8. ’ftonember, abends, naben Vf- Berlin, Kriegs» nmnifter »ich Gouverneur den Befehl zum, „Wiborstaind bis arffs äußerste". Ob sie, m deren Hand mit der Re-chs» hmwtltadt das Schcklos des Reiches log, an den Erfolg geglaubt haben, ^scheint nach den Ereinmsien der vorhergehenden Tage umvohrscheinfich. Das vielunistrittene Schteßverbot an die Berliner Truppen ist ganz befteutangs» los. Di» Berliner Truppen hätten auch obre Schießrer- bot zweifellos ebenfowenft geschosien wie die in den Tagen vorher m Kiel, Hamburg, Hannover und KAn.
Die wahren Ursachen umfmr Niederlage werden h'-er von einem angesehenen militärischen Fachmann richtig gekennzeichnet. Das Fehlschlägen der Frühjahrsoffensive gab dem halbverhungerten Heere den Rest und raubte ihm den letzten moralischen Halt. Das Märchen von dem „Dolchstoß von hinten" wird von den Kriegsverlierern nur deshalb weiter kolportiert, um dahinter bie eigene große Schuld zu verbergen.
Kur der katholischen Welt.
• fiarfclloerfammlung des C. V. der kakhol. deuk- schen Sfubenfetroerbtnbungen. Zum 52. Male versammelten sich die Vertreter des Verbandes, dem zur Zeit fast 100 farbentragende Verbindungen an sämtlichen Hochschulen des deutschen Sprachgebiets in Mitteleuropa angehören, und zwar diesmal in Linz a. d. Donau. Auch aus dem besetzten Gebiet, aus Danzig, der Tsche- choslowakei sind Vertreter erschienen. Die Entwicklung die der Kartesiverband noch vor 25 Jahren eine Der. einigung von 80 Korporationen, von denen nur sechs bis acht größere Stärke erreichten, genommen hat ist außerordentlich. Oesterreich bat an diesem Fortschritt verhältnismäßig den allerstärksten Anteil. Aus damals vier Verbindungen sind deren 18 geworden Aus dem Fortschritt des kathosifchen Lebens ist heute in Ö fter, reich der Kartelloerband richt mehr roegzudenken. Seine Stellung ist dort wo er die einzige große Organisation katholischer Akademiker ist. noch bedeutsamer als in Deutschland, wo doch mehrere mächtige kotholffche Aka- demikerverbände nebeneinander wirken. Es ist ein Zei- chen des Ansehens, das sich der Kartellverband auch bei den Burschenschaften und Korps Oesterreichs, im Lager jener akademischen Verbände erworben bat. die ihm weltanschmilich und posttisch vielfach ferneftehen daß die alten heftigen Gegensätze und häßlichen Kämpfe ver- schwunden sind und einer vornehmen Verständigung Matz gemacht haben. Das Ringen nach vorwärts, nach tiefer Erneuerung, das heute allenthalben die katholische Jugend beseelt, drängt mächtig auch mitten im C. V. nach Ausdruck. Jn einem Geleitwort zu der Linzer Ta. gung das die Alten Herren, die Universitätsprofessoren Dr Ebers (Köln), Dr. Kasch (Ete’-noroifv. Dr. Tillmann (Rektor der Universität Bonn). M-niste. riatrat Dr. Schellbera (Berlin) und Oberpräsident Dr Wue rmeling (Münster) in der „Akademia", der Zeitschrift des Kartellverbandes, veröffentlichen, wird gesagt daß die Linzer Tagung auch die Reform des E. D. in den Mittelpunkt ihrer Enllchließungen und De- ratuna stellen wird. Es heißt darin: „Der Sinn der Zeit ist Verwirklichung aus notgeborener Einsicht, daß unsere ganze christlich-europäische Kultur dem Abgrunde zurast wenn nicht ieber an seiner Stelle Mann wird unb Vorbild gibt. Die Linzer Tagung wird der Welt
zeigen, daß der katholisi Schulen marfdjiert
Aus dem Nachbargebm.
]:[ Welkers Am 1. September trat Herr Lehr« Maurus D i e g e m a n n in den Rlcheftcmd. Ueber 41 Jahre lang hat et in der ©.'meinte Welkers und zwar zeitweilig unter recht schwierigen Verhällmffen, mit rastlosem Eifer und höchst segensreich gewirkt. Daneben sanden bei ihm Hilft- unb Ratsuchende stets einen bereitwilligen Hctsrr und Berater. Sowohl bte Regierung, als auch die Bischöfliche Behörde habe» ihm in warmen Worten ihren Dank und ihre Anerkennung ausgesprochen: außerdem hat ihm der Hochw. Herr Bischof den Kantortitel verlfthm. Möge es Herrn Dirgelmami, der abgesehen von einem Rheuma» tismusleiten, noch körperlich und geistig sehr rüstig ist, ein recht langer Lebensabend hn Kreise seiner Familie beschieden sein!
X Hilders. Ein Vorkommnis, wie man es in unserem gerate gegen Fremde so freundlichen Ort wohl nicht hätte ermatten sollen, spielte sich am vorigen Sonntag Abend yz9 Uhr hier ab. Mit schmetternder Marschmusik unb wehenden Fahnen rückten unsere beiden Jugemdoerein« in strammem Schritt und musterhafter Disziplin vom Petersberg zurückkommend ins Dorf. Dom Petersberger Fest hatten sie eine Anzahl Lampions mitgebracht, die bie beiden Fahnen hübsch umrahmten. Zahlreiches „Bravo" und Händeklatschen aus fast allen Fernstem befuntete die volle Zustimmung der Bürgerschaft zu dem guten Einfall. Als der Zug das Muttergottesstandbild gegenüber tem Engel erreichte, kam ihm ein Trupp der „Sportfreunde" von oben her entgegen. Ohne von ihnen Notiz zu nehmen, bogen unsere Vereine in die Battener Straße ein. Da hörte man aus einmal ein wildes Geschrei: „Ihr Kolpingsbrüder, ihr dreckige Gesellschaft, chr schwarzen Hallunken", scholl es bte Dorfstraße hinaus. Leider formte nicht mit Bestimmtheit sestgestellt werden, aus welchem Ort diese sportlichen Kulturträger stammten, um sie entsprechend an den Pranger zu stellen. Für das katholische Rhönvolk aber ist hier ein neuer Beweis geliefert, welcher Geist m einem Teil ter heutigen Sportbewegung steckt utti) wie recht bte berufenen Führer des Volkes habe«, wenn sie ter Jugend dringend raten, sich katholischen Derer nm «mzuschlteßen.
— Motte». In Nr. 200 unseres Blattes hatten wir die Mitteilung gebracht, daß die Firma C. A. Arnd in Fulda hier den Gedenktag ihres 50jährigen Bestehens mit einem Dankgottesdienst begangen habe. Das ist insofern unzutreffend, als die Firma C. A. Arnd sich eines bedeutend höheren Atters erfreut, als hier angegeben wurde. Gründungsjahr ist das Jahr 1832.
(fpt) Frankfurt a. Hl. Da fcer Entwurf der neuen Städteordnung nunmehr endgültig feftgelegt fft und dem Landtag iir aller Kürze vorgelegt werden dürfte, ist mit den neuen Stadtoerornetenwahlen für Ende November zu rechnen.
□ Frankfurt o. Kl. Die farbenprächtigste Kmrguruh- art, das ostanstralische gelbfüßige Seifen« känguruh, war in den letzten Jahrzehnten in den Sammlungen lebender Tiere ganz verschwunden. Letzt endlich nach einem Vierieljahrhuttdert, tauchte es im Tierhandet wieder auf, — freilich nur in einem einzigen Paar — dessen Import der rührigen Firma Ruhe in Alfeld a d L. gelungen war. Durch einen Tausch war es tnöglich, diesek reizenden Zwerge dem Frankfurter Zoologischen Garten zu sichern. Es ist eine Freude, diese vollkommensten Spring, und Kletterkünstler tn ihrem Treiben zu beobachten.
Hus Geisa und Umgebung.
[:] Buttlar. Nach langem Sehnen ist endlich unsere Gemeinde mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft versehen Waiden. Tie Anlage gehört nicht zum Rhönwerk, sondern befindet sich in der Bein'sche« Mühle hier und ist von Herrn Ingenieur Munkej aus Liebenstein wohlgelungen ausgeführt worden
vermischtes.
* Etiffserbhteng Tiallen-Schweden. In Italien plant man die Errichtung einer neuen Luftverbmtdung für Passagiere und Post von Genua nach Stockholm, bte Linie geht über München, Berlin unb Kopenhagen, bie Reift wird nur 15 Stunden bauern.
* Die Wirkung des amerikanischen Lnsischlffunglück» Der amerikanische Marinestaatssekrstär Derby erklärte in Washington, daß nach bem Unfall tes „L. R. 38" Amerika keine größeren Luftschiffe mehr im Auftrag geben wird. — Vielleicht versuchen es bte Amerikaner ein«
Der Gänfebub*
Fränkischer Dorfroman von Dina Ernst berge r.
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Die Purpurröto auf Mariannens Wangen war einer keichenhaften Blässe gewichen. Langsam zog sie ihre Hand aus der Josephs.
„Verzeihung, Herr Verger! Ich habe offenbar die Hausnummer verwechselt!"
Joseph hatte einen Sessel herangezogen und sie ge. beten, Platz zu nehmen; Mariann« aber blieb wie festgewurzelt an ihrem Platze stehen.
„Ich habe Ihrer oft und gern gedacht in all der Zeit", fuhr Joseph herzlich fort, als sie nichts sagte, „und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir erzählen wollten, wo Sie die vielen Jahre immer gesteckt und wie für Sie die Zukunft sich gestaltet bat Es ist doch seltsam daß ein Zufall, nur em Irrtum, Sie gerade in dieses Haus geführt. Sie sind wohl hier verheiratet? Daß ich Ihnen nie begegnet bin auf der Straße!
Während Joseph sprach, hatte Marianne ruhig den Vlick auf den Sprechenden gerichtet. Ihr« Hand, bie ein einfaches, schwarzes Ledertäschchen an metallner Kette hielt, ließ ständig leise klirrend das Kettchen durch die Finger gleiten; die Spitze ihres schlanken Fußes bewegte sich nervös auf dem dichten, bunten Ge- webe des kostbaren Teppich, und brachte den Saum ihres Kleides in langsame Bewegung. In ihren Zügen arbeitete es heftig; sie schien offenbar mit einem fchwe. rsn Entschlüsse zu kämpfen.
Joseph schwieg. Er erwartete ihre Antwort.
»Ich bin nicht immer da, das heißt; meine Heimat 'st nicht hier", entgegnete sie mit leise bebender Stimme “nb noch leiser fügte sie bei; „ich habe keine Heimat". - $Qnn streckte sich plötzlich der schlanke Körper; ihr Kopf der bisher geneigt war, erhob sich stolz und voll soy sie Joseph in das Gesicht.
Ab will Sie nicht belügen, Herr Berger. Darum auch soll t5 denn leugnen, daß ich arm bin und den steinigen 3ßeg des Brotverdienens gehen mutz. Zwar s I M°mend. arm zu sein und anderen zu dienen doch schändet Armut nicht. Mich führte nicht ein Zufall 1)'er In Ahr« Wohnung. Ihr Inserat — ich kam, ich glaubte — Sie kannten meinen Namen nicht — ich bin Die Dame, die Sie engagieren wollten."
Stoßweise hatte Marianne diese Worte gesprochen. Sie atmete tief auf, als sie geendigt.
Erschüttert hatte ihr Joseph zugchört.
„Jst's möglich? Muß ich so Sie wiederfehsn?" sprach er ernst. „Traf Sie des Schicksals Hand mit solcher Wucht daß Sie so rauhe, ungewohnte Wege wandern müssen? Die Jugend war für Sie so schön! Da fühlt man doppelt schw«, und tief de» Leben» blutige Streiche."
„Richt doch! Die kleine Marianne kannte schon tes Lebens Ernst. Am Grab der Eltern lernte sie dem Schmerz ins Auge seh'n. Wie leise» Ahnen künftigen, großen Leides zog es schon damals durch der kleinen Waise junge Seele, und was am Elterngrab das Km- derherz geahnt, hat sich erfüllt. Die kleine Marianne war gar arm, viel ärmer wie im Dorf der arm« Schusterjunge, der hungernd sich ins dürftige Deltchen legte und frierend tief durch Schnee unb Eis da» Holz vom Wald heimwärts schleppte. Ex hatte feine Heimat — Elternhaus und Mutterliebe; klein' Marianne aber hungerte und fror, weil sie der Mutterliebe goldenen Sonnenstrahl, der Kindheit höchster, reichstes Glück, entbehrte. Sie sehen, nicht unerfahren bin ich in dem Kampf des Lebens; ich habe eine gute Schule hinter mir, bie schon dem Kinderherzen die Entbehrung lehrte.
Armut ist nicht schwer zu tragen dem, der die Ent. fagung kennt; viel tiefer schmerzt es, wenn die Seele darbt. — Doch nun genug, ich möchte Sie nicht gerne länger stören. Verfehlte mein Besuch auch seinen Zweck — das Wiederseh'-n war es wert. Mir war'-, als grüßte mich ein Ton aus ferner, alter Zeit"
Langsam kam die Sprechende nun aus Joseph zu und hielt ihm ihre Hand zum Abschied hin.
Tiefernst hotte er ouf jedes Wort gelauscht. Sie schwieg schon längst sttll, er aber dachte noch immer gedank-nversunken ihren Worten noch. da sie abschiednehmend auf ihn zukom streckte er unroiUtür. sich wie abwehrend, beide Hände aus.
„Sie sagten mir nur, was klein Marianne litt; ich aber möchte gern die Schatten kennen, bie sich dt düsternd durch ihr spätere» Leben zogen und ihre Lebenswege in ungewohnte, kalte Dahnen riffen. Nicht Neugierde ist'»; mich drängt nur tiefe», warm-, Mitgefühl zu dieser Frage. Sie stellen sich so fremd mir gegenüber; soll denn der Zufall, der nach Jahren uns zusammenführte, nun damit enden, daß wir fremder, ferner noch, al» Die un» jemals waren, für immer »oh
einander geh'n!? Sie ließen einst den dummen Bauern, jungen ihre Freundschaft fühlen; warum verweigern Sie mir jetzt die kleine Gunst der kurzen Unterhaltung. Ich wohne hier mit meiner Mutter. Soll ich sie rufen, daß sie mit mir bittet, ein wenig den Besuch noch zu verlängern?"
„Wie? Ihre Mutter wäre hier?" überrascht rief es Marianne, bann zog sie ein goldene» Uehrchen aus dem Gürtel und sah sekundenlang auf das kleine Zifferblatt nieder.
„Roch sind einige Stunden Zeit zum nächsten Zug", sprach sie mit raschem Entschlüsse. „Ich bleibe hier; Sie sollen alles roiffen."
Ruhig hatte sie Platz genommen. Jetzt, da sie den Schleier zurückschlug, sah Joseph erst, wie gealtert und abgehärmt die einst so frischen, jugendlichen Züge geworben waren.
War, denn so lang schon, seit er sie nicht mehr sah! Ob wohl auch Lores stolze Schönheit schon verblühte? Ober bat hier der Kummer erbarmungslos, frühzeitig seine Siegel aufgedrückt, daß schnell die Jugend floh? Vielleicht war er auch alt unb unschön geworden, und sie dachte von ihm das Gleiche, wie jetzt er von ihr!
Sie mochte wohl seine Gedanken erraten haben. Eine Blutwelle flutete über ihr eingefallenes, mageres Ge- sichtchen, als sie langsam sprach:
„E, bat mich überrascht daß Sie mich sofort wieder erkannten. Ich habe mich sa sehr recht sehr verändert."
„Die Züge sind die gleichen geblieben, wenn auch der glücklich- frohe Ausdruck fehlt."
„Glücklich und froh! War ich das je! — Doch ja! Auch meine Jugend hatte Sonnenstrahlen. Die Waise fühlt oft der toten Ettern Segen. Ich bin gewiß solch teuere Toten sind uns nah: ihr Geist folgt uns schützend auf dornigen Wegen und liebewerbend flüstern sie den Menschen Mitleid zu. — Ich habe meine Eltern kaum gekannt. Zwei einzige Momente nur aus jener Z it, da Ich noch beide Ettern hatte, konnte mein Geist fest- halten. Aus dämm'rttefem Dunkel tauch! da ter Ettern teures Bild auf. Dos eine Mal roar es ein Weihnachtsabend; das andere Mal war es der Tag, an bem der Vater auf der Totenbahre lag. Das erste Mal stand Ich im Lichterglanz des brennenden Weihnachtsbaum-s; das zweite Mal im Lichterglonz von Totenkerzen. Ich I fah die blonde Puppe im Rosakleidchen mit den langen, Hellen Locken noch ganz deutlich auf grünsamtenem Diwan fitzen, und weiß auch noch, daß eine große schöne
Frau liebkosend mich am Arme nahm unb mir bti süßen, blitzenden Sachen alle vom Christbaum zeigte. Später begriff ich, daß dies meine Mutter war. — Das andere Mal führte man mich in ein schwarzverhängtes Zimmer. Diele hohen Kerzen brannten rings umher unb warfen grelle Lichter auf ein starres, bleiches, von bunttem Bart umrahmtes Angesicht. Am Fuß bes Totenbettes kniete eine dunkle, schluchzende Gestalt. Scheu steckte ich mein Köpfchen in die Kleiderfalten jener Frau, die mich zur Totenbahre führte. Die bange Stille, all der Lichterglanz und jenes starre, düstere Totengesicht erschreckten mich. Ich weiß noch, daß man mich weinend in ein anderes Zimmer trug' wo viele Blumenkränze tagen und wo ich spielend mich der bunten Blüten freute und schnell mein Leid vergaß. Er war das letzte, einzige Bild, das ich von meinen Ettern mir bewahrte. Meine arme Mutter hatte nie des Lebens Leid gekostet und nie gelernt, ein großes Weh zu tra. gen. Der erste, wuchtige Schlag bes Schicksals streckte sie deshalb zu Boden. Kaum lag der teuere Tote unter der Erde, da ward ihr Geist urnnachtet. Mir ist aus jener Zeit keine Erinnerung geblieben. Verwandte nahmen sich der verwaisten Kleinen an. Man sagte mir es später, ich hätte Heimat, Elternhaus unb Mutter rasch vergessen; — nur nm bett kleinen Karo, meinen Spielgefährten, hätte ich noch tagelang gemeint.
„Rach vielen Jahren", fuhr Marianne fort, „hab' ich bie bamals ungeweinten Tränen um bte verlorene Hei- mat heiß unb bitter nachgeweint. Sie wisien es ja schon; ich bin bei Lores Eltern groß geworben. Ihr SSater war ber Bruder meiner toten Mutter. Seiber sollte auch ber Onkel nicht gar zu lange leben; er starb ein Jahr später, nachdem der Tod mir die Mutter nahm. Sie kennen dann mein Leben bis zu Lores Heirat. Ich zog mit ber Tante fort, um stets in Lores Nähe zu sein. Als bald darauf bie Tante leibenb mürbe, pflegte ich sie jahrelang unb hielt geduldig ihre Launen aus. Ich wußte ja, daß tch arm war unb nur von ber Wohltätigkeit ber Verwandten lebte. Mein kleines Vermögen hafte bie lange Krankheit meiner Mutter ganz verschlungen. Dann — eines Togcs starb bie Tante unb ich war allein. Ich hatte schwer gelitten unter ben krankhaften Saunen biefer Frau und doch wog alle» nicht das stechend heiße Weh auf, das mein Herz durchschnitt, als ich nun ganz verlassen, mutterseelen. allein an ihrem Grabhügel kniete. — Run bin ich fast au Ende. Sore war selbstverständlich die alleinige Erbin