M 20V
Freitag, 2. September 192L
Fuldaer Eieitunq
Druck bet Swfbeer iüetieudrnckerei tu "Snfbi «
Sozialismus und Menschen.
So sehr die einzelnen sozialdemokratischen Parteien die wir seit Kriegsausbruch bei uns zu verzeichnen haben, die Mehrhsitsfoziallften, die Unabhängigen, die Kommunisten und Syndikalisten in ihren Theorien und praktischen Forderungen auch auseinandergehen awaen in Zwei Dineen stimmen sie überein: ht dem unausführbaren »erlangen nach der Verwirklichung des Kommumsmus sowie in der fatschen Auffassung vonderangeborenenDortresflichkeitdes Menschen. Dabei ist auch folgendes bezeichnend. Le mehr nach Links die einzelne Partei oder Richtung steht, um fo ausgeprägter ist auch diese ver- kehrte Menschcnemfchötzung. Ln tret Auffassung tret politischen Kommunisten und Syndikalisten ist dem- gemäß irr Mensch von Natur aus auch am idealsten; und niemand irrt tiefer als eben auch die Prediger dieses Kommunismus und Smchikalisvms.
Grundlegend ist bei beiden die Verneinung des Staates und auf bet anderen Seite die scharfe Hervorhebung der Einzelpersönlichkeit. „Der (sozialistisch-kommunistische) Umbau und die Umwälzung können", so heißt es z. D. in dem Programm der kommunistischen Partei (Spartakusbund) vom 14. Dezember 1918, „nicht durch irgendeine Behörde, Ko-mruisston oder ein Parlament dekretiert werden, ste können nur von der Dolksmasse selbst in Abgriff genommen und durchgeiührt werden. . . Das Wesen der sozialistischen Geselllchaft befbchl darin, daß die große arbeitende Maffe aufhört, eine regierte Masse zu sein, vielmehr das ganze politische und »in« schaftliche Leben selbst und in bewußter steter Selbig bestimmung lenkt." — Der neue Staat baut sich also nach kommunistischer Auffassung auf auf einem möglichst freiwilligen Zusammmschluß und Zusammenarbeit der Massen. — Aehnlich auf w i r t f ch a f t- l i ch e m Gebiete. „Die Proletoriermaflen müffen lernen aus toten Maschinen . . . zu denkenden freien Sentern des Produktionsprozesses zu werden. Sie müssen das Deranlmmmngsgefühl wirkender Glieder der Allgemeinheit erwerben ... sie müssen Fleiß ohne UMernehmerpeitsche, höchste Leistung ohne kapitalistische Antmiber, Disziplin ohne Loch und Ordnung ohne Herrschaft entfalten. Höchster Idealis- mus im Interesse der Allgemeinheit, straffste Selbstdisziplin, wahrer Bürgersinn der Massen sind für die sozialistische Gesellschaft die moralische Unterlage." Aehnliche Gedankengänge findet man in der sogn. Prinzipienerklärung der Syndikalisten vom Dezember 1919.
Und doch muß eben der „Syndikalist" (1921, Nr. 21), das offizielle Organ der syndikali schon Bewegung in Deutschland, gcstehcn, wie sehr diese künftigen Träger des kommunistischen Ldealstaates heute schwache Menschen sind, und wie wenig Recht der Proletarier bat, „s i ch als den besseren Teil der Menschheit anzusehen". „Auch in der Ar- beiterschaft sehen wir", so heißt es dann wörtlich, „alle kapitalistischen Untugenden und gemein-egoistischen Triebe, vermissen wir den kameradschaftlichen Geist, die Solidarität, die Wahrhaftigkeit und Geradheit, die Ehrlichkeit und den Opfermut für die gemeinsame Sache. Der Arbeiter ist zwar stark kritisch veranlagt, er steht die Fehler aber nur an anderen, selten an sich selbst. Er schimpft über Verrat durch das Führertmn und kann doch des Führers nicht entbehren. Gar zu gern wählt er andere, die seine Interessen vertreten sollen, anstatt selbst die eigenen Angelegenheiten zu regtln, Tatkraft und Mut aufzubringen, um gegen alle ihn knechtenden Bedingungen sich zur Wehr zu setzen. Dabei hak sich in Arbeiterkreisen noch die Untugend eingebürgert, den Nebenmenschen zu meiden und mit un- guberen Mitteln zu bekämpfen nur feiner politischen nschauung wegen. Diestr inrflnntge Brrderkampf nimmt zu mit der parteipolitischen Zerklüftung der Arbeiterschaft. Das sollte auch der letzte Arbeiter nun schon begriffen haben, daß es in allen Parteien und Gruppen Männer und Frauen gibt, die ehrliche Menschen sind, und daß es ander- ftits gar nicht für die Qualität des einzelnen Menschen zeugt, wenn er sich dieser ober jener „radikalen" Gruppe zuzählt und sich irgendeinen Namen beiliegt. Der geistig hochentwickelte Mensch kann deshalb doch ein rechter Sump fein, und der wenig geschulte SHtMtet kann ein wahrer Prachtkerl, ein wirklicher Charakter fein. Auf die Entwicklung der Charaktereigenschaften aber muß es uns Syndikalisten vor allem ankommen."
Wie aber die Kommunisten und Syndikalisten den ^sn Natur fo unvollkommenen Menschen zu bei Lbeal menschen machen wollen, ohne betr e in frgenbroie georteter Sozialismus gar nicht möglich ist, das bleibt ihr Geheimnis tfl
besonderen und aller Sozialdemokraten im allgemeinen. Der Sozialismus als ein besseres wirtschaftliches und soziales System kann nur die Folge einer hinge« bungsvcllen Erziehungsarb.'it am Menschen selbst sein, und zwar einer solchen Arbeit von Jahrzehnten.^ Wie unendlich viel da in erster Linie für die Sozia^emo- tratie selbst zu tun bleibt, hat sie am nachhaltigsten in den sitzt m hüben Lahr-n am eigenen Leibe erfahren. Dill bie Sozialdemokratie Vorarbeit für wirklichen Sozialismus leisten, so Helse sie zuerst einmal wahre Menschen schassen.
Das deutsche Heer elnst und jetzt.
Eine Ausstellung über bie Kopsstärke des beutschen Heeres nach bem Stande vom Lahre Lahre 1913, als sich die deutsche HeereSmacht auf ihrer stolzesten Höhe befand, unb im Lahre 1921, da wir in der Reichs- wehr eine Söldnertruppe, die uns im Versailler Frie- densvertrog aufgezwungen ist, besitzen, ergibt folgendes:
1913 1921
Generäle u. Stabsoffiziere (Dberften, Oberstleutnants, Majoren) 3000 717
Hauptleute 7 289 1 121
Oberleutnants urib Leutnants 16674 1 958
Heeresbeamte — 204
Unteroffiziere und Mannschaft« 7S2117 96 000
779 000 100 000
Sanitätsoffiziere 2 400 300
Deterinäroffiziere 865 200
Die Samitäts- und Dsterinäroffizlere sind in die Zahl des chunderttaufend-Mann-Heeres nicht einbegriffen.
Der Bestand der Marine stellt sich wie folgt: 1913 1921
Admiräle und Stabsoffiziere 441 136
Kapitänleutnants 546 147
Oberleutnants und Leutnants zur See 1318 159
Insgesamt 2 305 441
Sanitätsoffiziere 822 91
Ingenieurofsiziere 537 163
Zahlmeister 259 80
Feuerwerks-, Torpedooffizieren und
Torpedo-Jngenieurpersonal 230 —
Unteroffiziere und Mannschaften 69 495 14 025
Gesamfftärke der deutschen Marin« 73 148 15 000
Der Heeresetat des letzten Friedensfahres 1913 betrug 1497 Millionen Goldmark, für bie Marin« wurden im Lahre 1913 1968 Millionen Goldmark angrfortrert. 8m Rechnungsjahre 1921 belaufen sich für Reichswehr unb Marine zusammen trotz der er- heblichen Derringenmg bie Kosten auf nicht weniger als 3395 Millionen Mark, wobei man indessen be- achten muß, daß es sich hi« um Papiermark handelt.
Hus der katholischen Welt
— K. K. v -Zugendtag. Der verband katbokiscker kaufmännischer Vereinigungen Deutschland«, e. v Essen (Ruhr), veranstaltet in den Taoen vom 10 bi» 12. September d«. 3». in Essen (Sluhri einen Westdeutschen ft. ft. B.-Iupendtsg. Für SamStaa, den 10. Sep- tember, seien Referate betr. die ft. ft. V.-Iu endarbeit und die Pfleae be« Sport« im R ft. v. mit anschließen, der Aussprache vorgesehen. Hm Abend diese« Tape« wird die im Jahre 1910 pearündete Wanderver- einiguna de« Verbände« kath. faufm. SBereiniflumen Deutschland«, die Wanderzunft (abgekürzt: WZ), zum ersten Male mit einer besonderen Äbeno-Veran- staltung auf dem herrlich peleaenen PasioratSberg bei Werden <Ruhil an die breite Oeffentlichkeit treten. Sonntag, den 12. September, ist vormittag« 9 Udr in der Münite.kirche zu Essen ein feierliche« Pontifikalamt, hierauf Festzug mit anschließender Festversammlung. Nachmittag« werden sich die Jugendabteilungen de« Verbände« ft. ft. 18. in sportlichen und turnerischen Wettkämpfen auf dem Sportplätze Essen-Huitrop messen; abend« findet die PreiSverteilung an bie Sieger statt. Der nächste Tag dringt eine Besichtigung der Stadl Essen und wenn möglich, die Einfahrt in ein Kohlenbergwerk. Nachmittag« ist eine Konferenz der Herren ft. ft. B -Jngendpiäfide« mit den Vorstandsmitgliedern der ft. ft. B-Ju endvereinigungen ganz Deutschland«. Eine Abschiedsfeier findet am Abend diese« Ta^e« im Stadtgarten zu Steels (Ruhr) statt.
10 Gebote für den Güterverkehr.
Die gesteigerten Anforderungen be« Herb n verkehr» an bie Eisenbahn machen sich bereit» geltend. Der durch bie Erfüllung de« FriedenSvertrage«
auf« äußerste geschwächte Wagenpark reicht im Herbst nicht au», um allen Anforderungen sofort entfpr-ben zu können. Bedeckte Wagen müssen an andere, stärker notleidende Bezirke zum Versand von Getreide, Mehl, ftaitoffeln, Obst, Riiben unb sonstigen Lebensmitteln abgegeben werden. Die« führt zu Ausfällen im eigenen Bezirk. Die Eisenbahndirektton kennt bte Anforderungen und die Not aller Betriebe au« jahrelanger Erfahrung, muß aber allen Ansprüchen durch möglichst gerechten Ausgleich zu genügen suchen. Man soll folgende« beachten:
L Schnelle unb fristgemäße Be- und Entladung der Eisenbahnwagen. Ladekolonnen verstärken. Doppelschichten einlegen. Größere Men. en von Massengütern wie Koh.en, Kok«, Erze usw. tn An- schlutzwerken auch nacht« entladen. 23a enstandgeld und Lagergebühren können zu Zeiten der Verkehr«, unb Wagennot grundsätzlich nicht erstattet werden!
2. Stückgüter den Lranrportanforderungen entsprechend ausreichend und gut verpacken ur.b deutlich, zweifelSfre: und in Uebereinstimmung mit den Angaben im Fiachtbrief bezeichnen, alte Anschriften vorher entfernen. Bei Tacken, Körben und ähnlichen Verpackungen Tignieisahnen mit Metallösen verwenden und mit geglühtem Draht befestigen. Abschriften bet Bezettelung auch unter dre Verpackung einlegen (Not- adresse).
ij. Bezettelung muß enthalten: Absender (er. wünscht und sehr zweckdienlich ist auch bie Ancabe be« Empfängers), Zeichen oder Buchstaben unb Nummer, Veriandstciion, Aufgabetag unb — äußerst wichtig — tarifmäßige Bezeichnung der Empiangsstation, bei Plätzen mit mehreren Bahnhöfen auch Empfanzsbahn- hof. Alle« in genauer Uebereinfttmmun.i mit den Angaben im Frachtbrief. Eisendahndlenftstellen halten vvrfchrislSmäßrge Stgniervorbrucke zum Verkauf b 't
4. Auflieferung größerer Ntengen möglich^ in den frühen Morgenstunden, sonst tm Lause des Vormittags, weil gegen Annahmeschlug Gedränge, Zeitverlust, hastige Auflreftrung unb damit Gesahrbung ber sicheren Beförderung.
5. Sendungen nach einem Platz möglichst in größeren Mengen, nöti^ensalls nach Sammeln, gleichzeitig aufliefern. Dadurch Wo.teil ber zusammen- gefaßten unb schnellen Beförderung im geschlossenen Wagen. Auch richtungSweije Auflieferung bietet solche Vorteile.
6. Beach ung ber AuS- und Einfuhrschristen bei Sendungen nach bem Ausland unb dem Siheinzollgebiet. Vorherige Erkunbigungl Bei Mangern erhebliche BesörberungSoerzögerungen infolge ber vir-chragen und nachträglichen Erteilung de. Vorschriften. Ver» stopfung ber Zoll, unb Vorvahnhöse uno ti)uteihöben oaieibft ist zum erheblichen Beil auf solche Mängel zurückzuführen.
7. Pünktliche Abholung der Güter, ba sonst UebcrfuUung ber (Suterbosen uno Bahnhöfe und als deren Zolge Guterverrehrs^perre.
8. Fernsprecher auch dort, so ftontorbienft erst um 9 Uhr beginnt, frühzeitig beheizen, damit unmei« düng der nachts elngelaustnen Guter so zeitig als mög- rch geschehen und Empfänger sofort den Fuhrmann verständigen kann.
9. Möglichst enge Fühlung mit den Dienststellen unb beten Aieitern, gute gegen> ertige Verstan- dtgung.
10. Niemand denke, daß e« auf ihn nicht an. komme. Wenn biete lässig sind, leidet cie Allgemein, heit. Nur wenn bie Eiiciwaqnverwaltung nach ooigen Leitsätzen Unterstützung pnoer, laßt sich bte BerkehrSnot auf ein möglichit geringes Matz herabdrucken. Die Eisenbahnberwaltung hat selb^oerstänbli'ch tut eigenen Betrieb ebeufaU« alle iborbereuungen getroffen, um den Anforderungen des gesteigerten HerostvertchrS nach Möglichkeit zu genügen.
aus dem lluchbargebiet.
£ Lehncrz. Ein bsdamrnswerler Unglücksfall ereignete sich am Mittwoch in unserem Dorfe. Der Dach, deckergrhilfe Krönung, gebürtig von Zh-rzell, stürzte beim Ausbessern des Daches vom Leipziger Hof auf das Pflaster. Das Kran-temmlo brachte ihn sofort in das Sandkrankenhaus. Daferbst wurüe fest- gestellt, daß er einen Lecken-, Arm- und Schlüssel- beinbruch erlitten hat.
□ Soffet Die Stadt Kassel beabsichtigt auch die Straßenreinigung zu modernisieren. Ln den letzten Tagen haben Probworsührungm einer neuen Sttaßenkehrmaschine stattgesunden, die von der Firma Krupp konstruiert worden ist. Eine solche Ma- schine hat bisher drei Pserde-Kehrmaschinen ersetzt. Die Stadt beabsichtigt nun, drei solcher Kehrmaschinen anzuschassen, außerdem eine Reseroemaschine. Lede Maschine kostet 78 7U0 Mark. Mit der Zeit sollen sämtliche-Pferde abgrschossl werden, die im Dienste der Straßenreinigung stehen. — Oberbürgermeister Scheibemann hat in dm letzten Tagen eine große Anzahl D r o h b r i e se erhalten, die alle m unflätigen
und schimpflichen Formen abgefaßt sind. Scheidemcrmt befindet sich gegenwärtig in Bad Kissingen zur Kur. Sowohl nach Bad Kissingen mit auch nach Kassel sind Briefe gelangt, in denen Scheldemann dasselbe End« angedroht wird, das Erzberg r hetzt gefunden hat.
(mc) Frankfurt a. IN. Der bei einem hiesigen Abwicklung-amt angestellte Kaufmann M. aus Oberrod hat sich bei feiner Tätigkeit Millionenunter schlagungen zu Schulden kommen lassen. Zahlreiche Autos hat er auf eigene Rechnung verkauft und auch sonst Gelder genommen, wo er sie' bekommen konnte. Wie e« der Mann trieb, geht aus der Tatsache hervor, daß er selbst zwei Automobile besaß, mit denen er große Touren machte. Ende der vor'gen Woche nun wurde er mit mehreren seiner Familienmitglieder Berfjaftcf. Die endgültige Summe der veruntreuten Gelder steht noch nicht fest.
Hus Geisa und Umgebung.
k. Fladungen (Rhön). Das lieberlanbtoert Rhön hat die Hochspannungsleitungen von §0006 Bolt von Dorndorf über Empiertshait'en, Klings, Kaltenwestheim bis Fladungen, sowie alle von bieien Leitungen abzweigenden Suchlettungen in Betrieb genommen. ___
aus Gberhessen und den hessischen Aemtern
A Kirchhain. In einer heute im Bahnhofshotel hier abgehalienen Versammlung des landwirtschaft- lichen Kreisvereins, ber sich eine Sitzung des Bauernvereins anschloß, mürbe u. a. die Gründung einer Kreisviehverftcherung angeregt. Ein Abgesandter der Stadt Buer in Westfalen überbrachte den Dank für die übe-cn-s freundliche Aufnahme von 83 Ferienkindern in Kirchhain. Eine Anregung, in jedem Jahr eine Anzahl schulentlasfener Knaben etwa zwei Jahre den Landwirten als Knechte zuzuweisen, damit sie nachher körperlich gekräftigt ihren Bergmannsberuf ergreifen könnt-n, fand Anklang. In der sich anschließenden Sitzung des Bauernvereins besprach man das Umlageverfahren und die neuen Steuervorlagen.
A Marburg. Eine in den Stadtsrlen tagende, von etwa 1000 Landwirten besuchte Beriammlung des hessiichen Bauernvereins beschäftigte sich mit den neuen Steuervorlagen und nahm eint Entschließung an, in der besonders der Plan der Goldgrundichilld bekämpft und vorgeschla en wird, nur die Eriragswerte heranzuziehen. Bei Besprechung der Teuerungswelle wurde beschlossen, daß die Landwirte ihre Hand dazu bleien, den bedürftigen Rentnern und Kriegsinvaliden durch direkte Belieferung von Getreide und Kartoffeln unter Umgehung des alle? verteuernden Zwilchengeschäfts unter die Arme zu greifen. Der Unterschied zwischen den Getretdepreisen und den Mehlpreisen jet recht bedeutend und könne Umgänge» werden._________________-
Israelitischer Gottesdienst.
Earnrtag, 3. September. Dorabenbgottesdipnst 8,30, morgens 7,30, nachm. 4,30, SabbathauSgnng 7,50 lltzr. — Wochengottesbienst: Morgens 6,10, nachm. 8,15, abenb« 7,40 llbr.
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Da« 75iä6ri«e GetchSstSrnbilSum feiern im'Sewtember b. S, bie Weinbrennereien S. A. Win'eliian en in SSr.-CtetR«. i Otaroearb). Im Jahre 184^ gründet» ber Kan mann tS nkel- banien nach feiner Ueberfieb'nnfl van Daniig nach Br.-Etarearb ein Rplonia’toar n- unb DeftiUationraefchaft, aus bem bie ftfeiae D-IiNrma entstanden ist. Schon im Jahre 1911 beielÄttefe bie reich«amtliche Statistik biefeie Jirma al? .bie arSite ftoonof« brennerei tm Lande. Snft r bem Stammbauie in B. -Staraarb ver uat sie über te eine Brennerei in (Seniac la VaUue (Grande Cbamvaanei, >n Staraarb in Sommern und in Maabebnrn. bie ebnfcebrt 88. Sultan inTborn- Rocker eine <$!a«bütte in Danria. e;ne Waitbinen obrif, zwei Sägewerke mit Killensabr-kation. eine StrgbvuUen abrik. e ne Spunde-, Kurien- unb Fa-iabrik. riesiae Basiin« !ür Robwar-n, laLlre che Eüendabn». KeNel und Bottich- Wagen. Lastautos und Gespanne. 12fio Angestellte und Arbeiter steben in ihrem Dienst. Die rübm'ichst bekannten 'harten llnb: »embrmtb »Alte Reserve", .Weinbrand-Ber.Lnitt", .Deutscher Rum , Wermutwein .Corbelw".
Spirituosen und Liköre I F rnchtbranntwein, Zwetschenbi anntwein, Kirschwasser, Steinhäger, Weinbrarid, Cognac, Rum, Cherry Brandy, Cnracao, Goldwasser, Halb und Halb, Vanille. Cacao, Ei-Creme Advocaat, Alpenkräuter, Maraschino, Allasch-Kümmel uad andere
in grösster Answatil. 622
Joseph Schmitt, Fulda.
Sie MIMe IlelmMkbeMM.
lieber die Uebertrittsbewegung vom Katholizismus zum Protestantismus und umgekehrt gelangen von Zeit zu Zeit Nachnchten in die Oeffentlichkeit, bte leider durchweg einseitig berichtm. Es scheint deshalb wünschenswert, einmal die Zahlen gegenüberzustellen, die von katholischer und evangelischer Seite als amtsiche veröffentlicht worden sind. Da die katholische kirch- ltche Statistik erst seit 1910 eine Konversionsstatistik für ganz Deutschland erhoben hat, können Vergleiche nur von diesem Zeitpunkte an ang'stellt werden.
Es
traten tn ganz
Deutschland
über:
vom KMbott-lsrnuS
bem Brotestmittrmn»
Sabri
tom Protestantismus:
»um KatbMirismuS r
1910
8 301
4 992
1911
8 684
4 988
1912
8 488
5191
1913
8 597
5 3:2
1914
7 372
4 712
1915
5 470
4134
1916
5 239
3 647
1917
4 873
4141
1918
5 491
4 271
1919
8 926
7 295
Es fällt zunächst auf, daß mehr Katholiken, und (war in den ersten Jahren erheblich mehr, zum Pro» testanttsmus übertraten als wir umgekehrt Prob stau- ten zum Katholizismus. Diese Tatsache steht fest und es wäre Unrecht, sie damst aus der DeU schaffim zu wollen, daß man die Richtfgkeft der protestantischen Zahlenangaben bczwrifest. Der Stmtstiber sieht aber auch keinen Grund dafür. Denn er ist für ihn selbst- verständlich, daß in einem Lande, das fast -wei Drittel mchtkatholische Bevölkerung aufmeift, die lieber- trifte vom Katholizismus zum Prob stmrtismus zahl- reicher sind als wie int umgekehrten Falle, weil für ben Katholiken die Gefahr, vom Protestantismus an* gezogen zu werden, doppelt so groß ist wie umgekehrt für den Protestanten. Das statistisch normale Verhältnis wäre also vorhanden, wenn von der Gesamtzahl der zwislch.'n den beiden Konfrssicmsgenwinschoflen Uebertretenden die Kacholiken den gleichen Prozentsatz stellten, wie bei der Gesamtbevölkerung.
Bei der Volkszählung von 1910 zählte nun Deutschland 36,7 Prozrot Katholik« und 61,6 Prozent Evau-
gotische. Bei den Uebertretenden dagegen (sieh obige Zahlen) waren die Prozentsätze:
Jahr,
Uebertritte
bem KatSallriSmu« ium Träte itenti«mtti:
bem Tret OanIiSmuS tum Äatietutfmuii
1910
62,4 »/.
87,6%
1911
6^°/e
36,5%
1912
62,1 e/e
37,9%
1913
61,7
383 %
1914
61,0 %
39,0 %
1915
57,0%
43,0 %
1916
59,0 %
41,0 % '
1917
54,1 %
45,9 %
1918
56,2 %
43,8 %
1919
55,0%
45,0 %
Die Ziffern waren also bereite 1910 für die Katholiken günstiger als noch ihrem Anteil an bet Bevölkerung zu erwarten gewesen war. Die Pro^ntsötze haben sich aber noch ständig gebessert, sodaß im Lahre 1919 die Uebertritte vom Protestantismus zmn Katholizismus bereits 45 Prozent ausmachten. Diese Beferung ist um so höher anzuschlagen, weil infolge des Friedensoertrages (Abtretung von Elsaß-Lothrin- gen, Posen, Westpriußen, Eupen Malmedy) der An- teil ber Katholiken an der Sesamtbevölkenmg Deutsch- lands von 36,7 Prozent auf etwa 33,5 Prozent herab- gefunfen mch der Anteil der Evangelischen fast in gleichem Maße gestieoen ist - Wir haben also allen Grund mtt den Zahlen über den „Konfessionsaus- tausch" mit dem Protestcmtismus jufrieben zu fein.
Die Gesamtzahl aller Austritte, also auch der- jeniss-n vom Katholizismus und Protestantismus zu anderen Sekten, zum Judentum und vor allem seit 1919 zur Religionslosigkeit, betrug im Laho- 1919: aus der katholischen Kirche Deutschlands: 33 842. aus den evangelischen Landeskirche Deutschlands dagegen: 231 346.' Vom Protestantismus hat sich eine ganz tebeutenb größere Zahl derReligionslofigkeit zugewandt wie vom Katholizismus. Dm Lahre 1920 traten insgesamt rund 44 000 Katholiken aus ber Kirche aus, während man die Austritte aus den eoan» gelischen Landeskirchen protestantischerseits auf eine halbe Million schätzt! Die genauen Zahlen übet das Lahr 1920 liegen mx1 nicht vor. Dr. k.
Kleines Feuilleton.
— Siuderaugeu und Kinderohren. Gottlob, wenn sie gesunde Augen und gesunde Ohren haben, unsere Ätitoer! Was jagt nicht alles ein glückliches, treuherziges Stinterauge, wie sehr vermag der Blick dec Ünsc^tld uns Große ins ernste Liben zurückzuführen, wenn mir sorgenvoll oder leidvvll nicht wissen, woher wir Trost und Hilfe nehmen sollen, und wie sehr oergröhett anderseits ein Mick aus unseres Kindes Auge das Glück unseres Lebens! lind das Kinder- ohr! Was plappert nicht alles ein Mäulchen, das durch das Ohr dies und jenes ausgeschnappt hat und nun m naiver Weise mietet gibt oder sich deutet nach seinem Empfinden. Wie sehr ist es nun die Pflicht der Ellern, Kinderaugen und Klnderohren vor allem Häßlichen zu bewahren, damst die reinen Quellen so unsagbarer Freuden nicht getrübt werden! Man sollte in dieser Bezi-Hung auß>.rordentlich streng mit sich selbst sein und in Gegenwart von Kindern nie und nimmer Differenzen austragen oder gar in Zorn und Streit geraten, niemals auch in ihrer Amvefenheit abfällig über dritte Personen, verwandte, Dienstboten usw. urteilen, auch nid), häusliche oder berufliche Geschäfte besprechen. D;e Kinder mit ihrer noch kleinen Umwelt und ihrem regsamen Geist, mit ihrer Phantasie, ftjrcm Nachahmungstrieb und ihrer großen Aufmerksamkeit für ihnen noch unbekannte, ungewohnte Eindrücke sind eben sehr empfänglich für solche. Sie halten auch noch fest an der Liebe zur Wahrheit, und so entsteht das bekannte errtftmt fettible. Ist man mit seinen Kindern zusammen, so gönne man ihnen seine Zeit und seine Liebe, lasse allrs andere beiseite und lenke sich selber ■b von allem Argen, dos das Herz bedrückt. Dann werdet: unterer Kinder Augen und Ohren auch nichts Böses vernehmen und allezeit glückselig ins Dasein schauen — uns selber zum Segen! mo
— Die Bekämpfung der Wespen und Hornissen geschieht am wirksamsten und erfolgreichsten möglichst frühzeitig, da nur die Koni nen, die dickleibigen Weibchen, stiegen unb jedes g fte Tier demnach der vernchtung eines ganzen N^,.. gleichkommt. Das Töten kann durch Niederschlagen der Tiere im Fluge od« müteto eme» Lanavetzes ättoejjea. fisäi« bot
das Töten einzelner Wespen und Hornisse wenig Zweck. Da muß man schon die Nester zerstören. Ist das Nest in einem Baum, so muß man abends ober nachts bie Tiere mit Chloroform, Aether ober Benzin betäuben, bann bas Nest abschneiden, in einen Eimer fallen lassen und mit kochendem Wasser begießen. Die Erdnester begießt man zur Nachtzeit mst Wasser, dem man Terpentinöl zugesetzt hat, ober man gießt etwas Schwefelkohlenstoff in das Flugloch, das dann gleich zugestopft werden muß. Gelingt es nicht, die Nester zu finden, so muß man sich eben begnügen, möglichst viel einzelne Wespen und Hornisse zu täten. Man hängt größere Gläser, halb mit Johannisbeerwein gefüllt (auch Sirup* oder Zuckerwasser), zwischen die Zweige der Bäume des Gartens in etwas schräger Richtung. In schlimmen Wefpenjahren kann man darin oft an einem Tage Hunderte dieser schlimmen Gäste fangen. Am besten ist es, zum Anlocken Lohannis- beeröem zu nehmen, da die kleinen Hon'abienen diese Flüssigkeit meiden und so diese nützlichen Tierchen verschont bleiben. kos
— Damvferzengung aus Müll. Die Dampferzeugung aus Müll hat in den letzten Jahren vor dem Knege die städtfchen Kollegien Münchens lebhaft beschäftigt. Der Plan, ehre Müllverbrennungsanstalt zu errichten, scheiterte m erster Linie an ungeklärten Fragen der verbrenmmgstechnik. Wie aus einem Vortrag des Direktors Wollenhaupt hervorgmg, ist die Technik während des Krieges derart verbessert worden, daß man heute schon von Müllkraftwerken sprechen kann, die den Müll fast vollkommen mechanffch und hygienisch einwandfrei verarbeitm, verbrennen und bte Feuergase (Unterfeuerung) zur Dampferzeugung benützen. Eine deutsche Gesellschaft hat in Amsterdam eine solche Anlage erbaut und sie im Spätherbst 1919 dreißig Tage lang probeweise betrieben. Dabei wurden je Stunde und Kessel 5237 Kilogramm Dampf erzeugt: von Flug- sand, ber bei dem Münchener Prosekt viel Sorge machte, soll nichts mehr bemerkt werden: die Schlacke wird auf mechanischem Dege zerkleinert unb gegen gutes Geld wieder zum Straßenbau und zur Beton- arbeit abgesetzt. Alle Wochen erspart das Werk 43 Eisenbahnwaggons Kohlen ein. kos