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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

48. Zahrg

Donnerstag, 1* September 1921

fir. 200

tierantworilitfi lüt den leoauionellen leii L 15.: L Weh ter, - für fcte Anzeigen: I. Parzenet-Fuioa.

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öl. der

Bierter Tag.

Frankfurt a. M., 30. August 1921.

Die Genklar-MlüNWlung des Boitsoerelns für das totdoiliiüe DeMlM.

Dienstag morgen halb 9 Uhr fand die Eröffnung der Generalversammlung im Hippodrom statt. Der stellv. Vor­sitzende Lanügerichtspräsident Mar; begrüßte die trotz der frühen Stunde schon In sehr stattlicher Zahl erschienenen Mitglieder und gedachte zunächst des herben Verlustes, dir der Dolksverein durch den Tod des Staatssekrclärs o. D. T r i m b o r n und des Prof. Prälaten Dr. Hitze erlisten Heck. Ein weiterer schwerer Verlust erwuchs durch das Hinscheiden des Reichsgerichlsrats B u r l a g e und auch des jüngst auf so grausame Werse aus dem Dasein gerissenen Erzberper muß der Volksverein als eines seiner För­derer und eisrigsten Mitarbeiter dankbar gedenken. Dos Gedächtnis der Dahingeschiedenen ehrte die Versammlung durch Erheben von den Sitzen. Der Vorsitzende begrüßte sodann unter lebhaftestem Beifall der Versammlung den Hochw. Herrn Bischof von Fulda und die mit ihm erschienenen Ehrengäste.

Den Bericht über die Tätigkeit des Dolksverrins feit der letzten Generalversammlung in Würzburg 1920 er- stattete Direktor Dr. Hahn. Aus diesem Bericht oeht her­vor. daß der Mitgliederbestand alles in allem um 40 (XM) ge­wachsen ist. Die Finanzlage des Vereins hat sich durch dar Septenat 19141921 erheblich verschlechtert; ober eine halbe Million Mark hat aus den kümmerlichen vor dem St riefle oufaesammellen 91»fernen entnommen werden müllen. Die Ausgaben sind west über die Erträge der inzwischen er­folgten Beitrooserhöhunoen hinausoewachsen. Auf Kre- dit kann ein Verein nicht 1»ben. Soll unsere Organ'sation weiter bestehen oder nicht? Wir können nicht noch ein Jahr aushalten. Der Vorstand muß daher eine Verdon- pelung de« Mitgliedsbeitrooes von 4 aus 8 Mark in Vorschlag brina-'n. Wir zweifeln nicht an der Opferwilligkeit des katholischen Volkes, wenn es gilt, eine kampferprobte llOsäbrioe Organisation zu retten. Nach Herste halten fast 700 000 deutsche Katholiken treu zum Volksverein. Er ist die letzte grolle Allianz der deutschen Katholiken, welche die Notwendiake't eines vertraglichen -und aus geglichenen staatlichen M-?meinschastslebens durch Wort und Schrat provaaiert. Nirgendwo Hot er die Re- vokrstion gebilligt; er hat sich entschieden auf d»n Boden dee Weimarer Verkasiuna gestellt. Er arbeitet mit an dem Wiederaufbau, an der Wiederaefundung der Berufsstände, an der Neubefestiouna d»s wirtschaftlichen Friedens, ebenso stecht er auf d»r katholischen kirchlichen Doktrin. In den Dienst seiner Arbeit stellt er olle Mittel einer volkstüm­lichen V»'kshilduno, eines organisierten Vereinslebens. Er wird festhalten an fein-m Programm, und wir werden als Katholiken unüberwindlich sein, wenn wir daran fest­halten. (Sehh. Beifall.)

Der Vorsitzende bearüßi den inzwischen erschienenen Bischof von Limburg. Direktor Dr. Hohn gibt zu dem ge- drt'chten Jahresbericht und nur N-chmmgsablo-'e noch einige Erlöukerunoen. Es ist vom Vorstände eine Sotzunos- Änderung dahin beantragt, bgß d»r peringst" B»stra»»l»tz 8 M. b-traoen soll brzw. 500 .44. für leb»nslö--<>Oche Mit­gliedschaft und doll für 1921 ein freiw'll'oer Be'tran von 4 M als Gedächtnisspende Trimborn-Hihe nach»-boben wird.

Stflchtrat Rau- Münch-m b-rmerkt. doll der Volksn»rein bisher Grolles geleistet hab» und an der f^an-i'eöen n-ch« sche^-nn dürf». Der vo'ksnerein müff» singnzsell ne- stänkt werd»n. br-nf er als Strflf'm-Wne fr-T i-rffm Ar, beiten erhalten bleiben kann. lB--ll.->ll ) Arbeitlee'-etär Gotthard- Frgnklort tritt glchkolls für die Erhöhung des P-itrogs »ig. der von vo-nbe-n'n zu vi»dng b»-nell»n gom-fen fei. f^'fir rich^nl) D "'»lksvrrein bah» Quaf:« tf'twbrt geleistet. kBr^fglf.) R-'chs. und 9anMnnsahn. Herold lmst Hnndeklgikchen kehhglt benfüllH »mvsiebst mit ernsten »inbrirepthen Worten hie Bestransgrhrbüng. damit der Volksoer«in in «einer Tätigkeit erfolarech fortarb»it?n bann, um alle Schichten u-h Nände d»s Volkes zu per» föhnen und zu v»reinen. Auch in d-n Landwirt schalt hie er vertret» .werb» k»m Mitglied dieses geringe Opfer scheuen. (Lebh. Beifall.)

Die Satzungsänderung über die Beitragserhö­hung wird efnfftmnra befchloffen.

Bei den Neuwahlen zum Vorstm-b wird die fatzungsgemäll »usfchndertd» H^fff» der Dorstondsmitolie- der wiebergemöblt und auf Vorschlag des Vorsitzenden werde» fofggn.de fünf Mitglieder n»u in d»n Vorstand hm« zuggwähst: E. B. Gelen. Fr. Brandt. Dr. Ho-ster, Fa- brikaM Bergmann und Gutsbesitzer Lenrino-Hüihum.

Vr'chstgnsoba. Domkapitzstgr st eicht ehrt barguf >n einer feterfitben Anfnrache dos (9-,'äAhii« von Karl Trim- b o v n. W'mhgrbor habe Trimborn bM» große Orogni» fctfon bu-'he'f'hrt, die auche'n» R»voln"on erf<fr"lf»rn konnte. rBennst > Pei dm Volk«n»rem hei feiner Grün­dung '--itgen-i-ll a»wef»n. fo fei »r h-u-e ro,nM,nb!a',r drnn ie. llllir wollm e« e»,ob',n. zu fahren Trim^gr"« die Was» srnrüstung H"S hlnnk zu »rfaff1»*!. Dazu

falle auch bl» G»däch'g!zs>>»-d» h:-n»n; m;r moll"n sie der To'en wnrhig Pmpfffp. an;r Vgnn-g wollen tr-" stehen zum D»"'lchen V--ch, sBe'fall^ Mir woll»n Bestand'-ll d»S d-irtsch-n Vo'r-q un6 h.a hn,(f^n s>lst-

b»n. lalange TmiWanhnd Bmern »r-stieren. (B»'fgll.) Da« »ar»- D-uOchsmch f0[f p:, wollen h»n Na-

m»n kkgrf Tr-mborn ehr»n. in-d»m wir n-schlosien olle Lan- h»steil.. bfe'hen «reue Mitg'-e^r H-« f""s»ereins für dos kathnlilche D»,'llchlgnd. fStürm. Beifall )

3vm Kedoch'nis Franz fiihes führt» Reichg'ags- «baeordneter Vrölat Dr. Xu»uft Diener aus- N-°d»n Franz Brandt. Wi Vat»r des Volksvereins, wie :fjn Kaff Trim- borg am gsf»n»n Grab» -annte mar f«it b»m erstm A-ggn- bfitf h-s Volksnereiv« Fr»nz Hitz- die Mutt-r. di« Se»Ie des Dolksnereivs. Vor allm Diggeg f,o"» Hitz- b»n io» ziaksn Ge-'st. d-n wahren Volksfamilieng-lst im ch-iN''h-n 6inne. Das Krö^e an H'tz» war. dgh er m» B-lchof v. Ketteler es verstand aus f»in»n !?<«H*fem Lu-o-m zu wach-n sie mit frn-m Ge st» und der Li-h, V1 h^, h^d-'-'-k. en Brüdern zu erfüllm. N'ch d'» Vehnerhrh"« war I-in Dlatz. vielmehr die rufr»e. st'll» A-hgt am ^chreibt"che. 8n oll»n Lasern des kfrentl'ch»n Lebens habe er An­erkennung. Verehrung. Freundschaft und S'»he reemfet. Hitze habe uns gezeigt wie man aus e:nem Ikb-Merfchen km ®em»inftbaffsm»nf(6 und dann fruchtbar wird. Sein Erbe wollen wir iünqere nicht klein erachten: es soll uns hrUia fein. Erwoifen mir uns vor Gott und d-r Dell

eines Franz Hitze würdig, indem wir feine Arbeit im Volks- verein würdig fons.-tzen. Wir wollen Liebe aus sozialem Gebiet üben; zeigen wir uns würdig dieser Männer, indem wir ihre Arbeit würdig fortsetzen. (Brausender Beifall)

Der Vorsitzende begrüßt dann noch den erschiene­nen Weihbischos Hennemann und den Reichspostminister Eiesberls (Lebh. Beifall) und überbrachte Grüße des gestern wieder nach Berlin berufenen Reichsarbeitsmini- sters Dr. Broun. Graf Henckel v. Donnersmarck über­brachte die Grüße und Wünsche des Präsidiums der Gene­ralversammlung und bat, das Ziel der verstorbenen Führer im Auge zu behalten.

Bischof Alliaa-Limburg führte aus, die Bischofskonfe­renz in Fulda habe ihn beauftragt, dem Dolksverein seine höchste Anerkennung und seinen verbindlichsten Dank für die Leitung des Dolksvereins auszusprechen. (Beifall.) Der Dolksverein. über desien Notwendigkeit kein Wort ge- sagt zu werden brauche, pumpe das B'ut unaufhörlich in den Gesamtorgan'sinus hinein, und die Bischöfe spielten die Rolle eines Hausarztes. Möge der Dolksverein weiter blühen nud gedeihen. (Beisoll.) Nach Dankesworten des Vorsitzenden schließt der Vorsitzende mit einem dreifachen Hoch auf die Hochw. Herren Bischöfe und das gesamte Episkopat die Generalversammlung des Dolksvereins.

Dritte öffentliche Bersamminng.

Wir schlossen unseren gestrigen Bericht Wer die dritte öffentliche Versammlung im H'ppodrom mit der Rede des Pfarrers Adolf Rofch, Andernach (Rhein) überDie katholische Presse der Esgemvart."

Dm Schumanntheater sprach Bischof Okkokar Pro­haska, Stuhl weiten bürg (Ungarn) über:

Freiheit, Autorität und Kirche.

Er Haftete zunächst feinen wärmsten Dank für die ehren­volle Einladung und für den Vorzug, an dieser Stelle zu den deutschen Kacholiken sprechen zu dürfen. Der unga­rische Kirchenfürst legte dann ein von der Versammlung mit sudelndem Beifall ausgenommenes Bekenntnis zum Deutsch­tum und zu der Zuversicht ab, daß am deutschen christ- I-ichen Wesen noch einmal die Welt genesen werde. Dann sich seinem Thema zuwendend legte er dar. wie die Kultur nach der Kirchenspaltung sich von der Kirche abwandte, ihre eigenen Weg« ging, die Freiheit als das Ideal pro­klamierte und setzt mit der Ueberspannung des Freiheits- begriffs bis zur Zügellosigkeit in den Abgrund gestürzt ist, den der Bolschewismus repräsentiert. Diese gral'same, ober unerbittliche Entwicklung lehrt uns. daß Freiheit nur Hand in Hand mit der Autorität sich be- haupten kann. (Stürm. Zustimmung.) Die absolute Freiheit hat nicht den Schwachen gestärkt, sondern den Star­ken ,den Gewalttätigen nur noch stärker und gewalttätiger gemacht. Die zügellose Freiheit hat uns Parlamente ge­bracht. deren Niveau fortgesetzt im Sinken begriffen ist. Den Bolschewismus muh man erlebt haben, um zu wissen, daß er die Fratze der Demokratie, die Beugung der ganzen Kultur und alles Fortschritts, die Leugnung des Ehristentums und der Kirche ist. Er ist keine orientalische Erfindung; er ist eine russisch-südifche, aber auch eine euro­päische Krankheit. (Stürm. Beifall.) Der Bol­schewismus ist zugleich die Leugnung feder Freiheit des In­dividuums. Die bolschewistischeSulfur* ist ein« Lüg«, eine Maske. Wir haben diese Entw'cklung mit erlebt, wir sind Zeugen des Zusammenbruchs einer ganzen Kultur ge­wesen; es sind di« Zeilen des Zerfließens des Wahns, daß die von aller Autorität losgelöste Freiheit ein Glück gründen, ein Himmelreich aufrichten kann. Freiheit ohne Wahrheit, ohne Gerechtigkeit kann unmögsich zum Siege kommen. (Stürm. Beifall.) Wir katholische Christen glau­ben an die Freiheit, die von der Wahrheit und von der göttlichen Gnade unterstützt wird. Diese Freiheit muß von Wahrheit, Gesetz und Gerechtigkeit getrogen werden. Wahr­heit geht vor Freiheit. (Erneuter großer Beifall.) Wahr­heit ist die gr^oße Sehnsucht der Mensrlzenherzen. Die Frei- bif muß aber auch das Maß. das Gesetz an ihrer Seite tjaben. In der Abtei Mortinsberg hängt ein Bild, das ein Faß darstellt, von dem die Reifen losgeoangen sind und aus dem der Wein nach allen Seiten ausftrömt; darunter steht:übertate periit". An der Frechest ist das Faß zu Grunde gegangen. (Stürm. Heiterkeit.) Jeder Ka­tholik kann ein guter Republikaner, ein guter Demokrat ff'"- Di« Kirche hat den Liberalismus verurteilt. Papst Prus IX. hat ihn die Pest der Welt genannt. Wie Recht er hatte, sehen und erleben wir fetzt. Die Kirche hat ihn verurte'lt, weil et die Freiheit zu Grunde richtet. Es gibt keine Selbstherrlichkeit der Menschen auf der Welt. Es gibt kem freies Denken, der Glaube hat keine Vor­bedingungen, et muß eine vernünftige Huld'gung sein. Es gibt auch keine Autonomie des Wollens, di« große Auto­nomie ist der Wille Gottes, der W'lle Gottes ist das Licht des Geistes. Die anarch'stisch» Freiheit bat unendliches Unhe'l in die Wett o»bracht; sie hat das Inskrmitschießen des Eooismus, der Goldoier gebracht. Die Kirche mußte zuwarten, wie die Entwchlung der modern-n Demokratie sich vollziehen würde und der Lauf der Geschichte hat ihr ercht g»g°ben. Daß sie sich diesen g»pri«ftnen sreihe't- lichen Bestrebungen jrrenüber fremd und abwart-md ver- hiest. Für Demokratien des G-ldsacks, einer korrupten Bresse, für Demokraten der Vlutokratie und des Imperia- lismus ereifern wir uns nich*; man soll uns damit vom Lehe bleiben. (Stürmische Heiterfeit.) Weiche Hstfe hof>»n wir nun mit Recht von der Kirche zu erwarten? Wir muffen oll»s aufbieten, damit die Kultur wieder ch-chtlich me-de. Geschieht das nicht, fo wird Europa eine Mythe. Mit riesiger Arbeit unsererseits und durch eine hochgemute Kooperation seitens der Worimität kann diese grore oe- lösf werden. Dann wird eine neue Welt, ein« christliche Kultur geichafsen werden durch Wahrheit. Autorität und Foeiheitl Dann wird es auch wieder mit Recht heißen: Germania botet.

In nicht endemvollenden De'foll brach die Ver­sammlung aus, nachdem der Redner geendet hatte; nur langsem legte sich der Beisallesturm.

Dasselbe Thema behandelte Weihbischof Sprott, Würzburg.

Er führte aus, daß sittliche Freiheit zum Zulommen. bruch der mmschlichen Gesellschast, daß eine W ff en schäft, die von der Autorität völlig gelöst sei. zum Relativismus führen muffe. Zum Schluß hob Redner hervor: Die Autorität der Kirche will und soll nicht eine Feindin der Freiheit sein, sondern sichere Führerin gerade da. wo menschl ches Irren und Fahlgehen ersahrungsegmäß so nabe liegen. Die Autorität bat lelblt ichösk»rii^»

Kraft, sie bindet den Menschen an die großen Tradi­tionen, recht ihm die Lebenserfahrungen der Jah:hunderte und gibt ihm festen Boden unter die Füße.

Schlußwort des Präsidenten.

Die Versammlung im Schumanntheater schloß Ge- Holmrat Dr. Held:

Wir stehen am Schluß von drei großen Tagen geistiger Genüsse, einer großartigen Erhebung und der Stählung des Wollens zur Tat. Wir haben manifestiert die Einig­keit der Katholiken, den Mauden und die. Hoffnung in Ehristo, wir haben dir Versöhnung dokumentiert. Die Tagung ist glänzend verlaufen, die Besucherzahl war erorm. Damit steht diese Tagung an der Sv'tze aller bis­herigen Generalversammlungen. 20 000 Zuhöver sind am Sonntag in dm drei großen Dersamlungen gewesen. Wir sind beehrt durch dm Besuch des Apostolischen Runtns und der Mschöse, des Rechskanzlers, des preußischen Mi­nisterpräsidenten, bayerischer und anderer Minister, der katholischen Dolksvereine. der stlchmtischen Vereine und andere haben sich einmütig m der katholischen Gesinnung zusammengesunden, ferner d'« Frauen, die Kaufleute, die Beamten und ander«. In der herrlichen Stadt Frankfurt sind wir fast ausnahmslos freundlichen Gesichtern begeg­net, und wir nehmen einen herrlichen Eindruck mit nach Haufe. Innerlich ist Großes und Bedeutungsvolles für di« Katholiken geleistet worden. (Beifall.) Alle großen brennenden Fraom der Gegenwart wurden in den ge- schloffmen Versammlungen besprochen, und man suchte sie zu lösen, fo die Caritas, die innere und äußere Mission, der Bonifatius-Verein; alle Kulturfragen wurden ein­gehend oewüvdigt. Die öffentlichen Berfammlunaen wa­ren wuchtig« Kundgebungen zur Hebung der geistigen und sittlichen Rot des Volkes. Der Präsident weist im einzel­nen auf die pröcht'pm Reden hin mit dem Erfolg der Sammlung und Stärkung des katholischen Volkes.

Der Frankfurter Tag solle auch beitragen zur Völker- Versöhnung. In Metern Sinne haben wir besch'ossen. Der katholische Ideasismus hat in Frankfurt neue Nahrung geku-.rden. Ich hab« mit meiner Hoffnung recht behalten, daß insbefonbere die .Frankfurter Zeitung" über unsere Tagung obsektiv berichtm werde. Ich spreche auch der gesamten Press« unseren Dank für ihr« Mühewaltung aus. Der Präsident dankt ferner für die Vorbereitungen dem Lokalkomitee, besonders dem Derbcnten Vorsitzenden Dr. Servatius, und allen einzelnen Kommissionen. Er dankt mit Handkuß (Heiterkeit) den Frauen für ihre Teil­nahme und dankt mdlich der Stadt Franksmt und ihren Bewohnern. Frankfurt habe sich als eine geeignete Stätte für die Katholikenverfmnmlungen bewährt. Frankfurt Hobe von jeher katholische Beziehungen gehabt und schon vorher zwei große Versammlungen der Katholiken Deutschlands gesehen.

Es ist uns auf dieser Tagung gut gegangen. Wir ha­ben zu danken den Rednern, dem Zentroskomitee, besonders dessen Vorsitzenden Fürsten Löwenstein und dem Büro, so­wie vor allem dem lieben Gott! (Stürm. Deisall.) Wir sind hier nicht zu einer vouschmden Feier zufammenaekom» men, sondern zu einer Dienstübung. Entscheidend ist die Tat, aufbauendr Optimismus soll unsere Parole fein bei der Mitwirkung am Aufbau des Vaterlandes. Das beut- sche Volk soll abweisen allen faulen Indifferenfismus und sich der prakttschen Arbeit hingeben. Wir sind alle Kinder eines Gottes. Gott will es, darum auf zur Arbeit und auf Wiedersehen im nächsten Jahve in München! (Großer Beifall.)

Der vischos von zu!da richtete darauf an die General. Versammlung eine Ansprache, in der er bemerkte, daß der Wunsch des Kardinals Bertram von BreSlau, die bevorstehende Generalversammluna bte eine neue 'Jlera der katholischen Generalversammlungen einleiten, voll und oanz in Erfnllun, reaanaen ist, indem die Versammlun, wie sie sich entfaltet bat, in der Tat eine neue tlera für die kommenden katholischen Generalver» fammlun -en in Deutschland einzuleiten verrpricht. Der Herr Bischof spricht seine« seit» den Wunsch auS, daß die Beaeisteruno, die alle Teilnehmer, Bisü öse, Priester und Laien, in sich ausgenommen haben, hinaurgetra.ien werde in unser liebe» deutsche» Vaterland. Bischöfe, Priester und Laien, die zusammengehörten, müßten werden Apostel de» Worte», Apostel der Tat und Apostel de» Gebet» im Sinne der drei leuchtenden Vor- bilber Leo XIII., Piu» X. und Benedikt XV. Geschehe da?, dann werde diese Generalversammlung herrliche Frucht tränen. Zum Schluß richtete der Bischof Worte de» Danke» an die Generatorrsammlun.i, vor allem aber auch an deren Präsidenten, der sich selbst bei der Abstattung de» Danke» vergesien habe. Innigsten Dank statten wir dem aUmächttgen Gott ab.

Kn'ernd empfing darauf die Versammlung den S gen, den die Herren Bischöfe Dr. Kilian, Weihbifchof Sproll und Abt von Marienstatt Eber­hard Kolb gemeinsam spendeten.

Nun solg'en drei Strophen des , Großer Gott wir loben d'ch", ton den Taufenden bereist rt gesungen, ein mach'vvller, jubelnder Lobgesang für den Allerhöchsten.

Der Vorsitzende schloß darauf die Versamm­lung mit dem Wunsch« aus frohes Wiedersehn in München und dem christkatholischen Gruße:

ott fei W CMiüu in alle Ewigkeit!"

Tie Schlußan'prache im Hippod'om hielt Grai Denlei von D onneiSmat ck. Bi schof K11 ian tagte bot Grteiluna des Secnns, do z Nuntius Vocelli ibn benachrichtigt habe, wie wohl ihm die Liede der beuticben Katholiken znm Papste geian habe. Auf dem deutschen KatHoiikeniag Habe er sich auBeto benili* Hl gefühlt. Der Nuntius ,k*-tie 20000 Mark füc bte Armen FrankfurtL

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WMu M die MMen-MU

Die Eindrücke und Anregungen, die s-'dem Teil­nehmer an d.'l 61. Genlatoelsammiung d r deutschen Kathcliken in Frankfurt a. M. in einer verschwende­rischen Fülle sich dargeboten haben, gewinn n jetzt, wo man in ruhigerer Umgebung auf das Ereignis zurück» btickon kann, P.riiefung und Einheitlichkeit. Das (ine Gefühl drängt sich allen anderen voran: das Glück und die Freude über die G e f ch l o j f e n h e i t und Einig­keit, über die Sicherheit und Ruhe des k a t h. Volkes in einem Augenblick, in dem alle an», dein Dentrichtungen so jeglicher Klarheit, Geschlossen-: heil und Zuversicht entb.hren, so sehr allen Stimmun-' gen und Einwirkungen der Tagesereignisse preisgcge- den wird Gott sei ban*, daß wir kath. sind! Dieses Be­kenntnis drängt sich da aus die Lippen eines jeden, bet' sich nicht damit begnügen will, wie ein schwankendes Rohr zu sein, und von Tag zu Tag ohne Ausblick auf- die Entwicklung zu leben. Alle die Reden und Kund-- gedungen in Frankfurt a. M. bewiesen, daß der, der: den katholischen Glauben zum Fundament g>:wählt hat, zu allen Fragen des modernen Lebens auch im Chaos' unserer Zeit leicht und sicher St.llung zu nehmen im Stande ist.

Prösident G heimrat Held hat es immer wieder verstanden, die richtunggebenden Grundanschauungen der Katholiken zu den aktuellen Fragen als Ergebnis der verschiedenen Reden herauszuschälen und den ver- samrneldm Tausenden, darunter die vielen, vielen Füh­rer und Unterführer des katholischen Volkes, einzu­prägen.

Arn bemerkenswertesten schien es uns, daß immer wieder das restlose Bekenntnis zum Gedanken des Christentums im Staatsieben zum Aus­druck kam. Im inneren Leben des Volkes sowohl als in den Beziehungen zu den anderen Völkern soollen christliche GrmÄfätze zur Geltung kommen. Weg mit Völkerhaß, weg mit dem Parteihaß! Friede bett Menschen aus Erden! Mr haßt, der g-ehört nicht zur Gemeinschaft des katholischen Volkes. Wir ver­langen für uns die Erfüllung der Gebote der 2bebe; wir sind bereit, auch unsererseits in Christo zu l i e b e n. Hier scheiden sich die Weg:. Wer den Völkerhaß schü­ren will, wer mit den Augen des unversöhnlichen Has­ses die Weltdinge betrachtet, wer Völkerkamps ober Klassenkampf als das Ziel feines Strebens anfteht, der kann sich nicht einen katholischen Christen nennen!

Solche 3been, in den verschiedensten Tonarten, ht Anwendung auf die verschiedensten B.'rhältnisse, mit tem verschiedensten Temperament vorgetragen, haben immer aufs neue und widerspruchslos den stürmi­schen Beifall der Versammlungen ge-- funben Str diesem Sinne waren auch die riesigen Kundgebungen zu deuten, die Reichskanzler Dr. Wirth, dem Repräsentanten der Verföhnungspolitik, zu teil geworden sind. Da sah die Welt: die deut­schen Katholiken sind einig. Das ist eine unvergleichlich wichtige Feststellung des Kalholiken- tag,:s gewesen. Mag über cinzelne Fragen der Taktik auch wieder einmal in unserer wilden Zeit sich ein Meinungsstreit in unserem Lager erheben: Immer wieder wird man Hinweisen tonnen ausdieFrank- furter Tagung, dieser Kundgebung der Einigkeit der deutschen Katholiken im Willen zu Frieden und Verjöhnung nach innen und nach außen.

Nun noch eins. Eine Reihe der Standesorgam- sationen im katholischen Deu.fchland benutzte die Ta­gung, um für ihre besonderen Verhältnisse Klarheit zu der Zeitlage zu gewinnen. Es tagten inr-er anderen der katholische Frauenbund, die katholischen kaufmännischen Vereine und in der dem allen Her­kommen entsprechenden Form auch die großen katholi­schen Studentenverbände. CV., KV., und Unitas hveiten Festkommerse ab, die eine über die ge­sellige Unterhaltung weit hinausgehende Bedeutung halten. Der Kommers des KB. (Verband katholischer Studentenvereine) brachte Reden aus berufenstem Munde, die in der kathol. Akademikerwelt allgemeinste Beachtung finden müssen. Wer die Stimmung in den katholischen Sludentenkreisen kennt, hat sich über alle Maßen gefreut, daß von unanfechtbaren Autoritäten einmal unzweideutig zu brennenden Zeitfragen d» katholische Ansicht bargelegt worden ist, damit endlich der Wühlarbeit nationalistischer Verhetzungs- zentroben, die sich gerade die Sludentenschast als Ar»' beitsscld ausgesucht haben, ein Paroli geboten werdens kann.

Der Präsident der Generalversammlung, Geheim­rat Held, Mitglied des K. 53., feierte in herzwarmew Worten die Vaterlandsliebe, die unverbrüchliche Treu»! der deuischen Kcetholiken zum deutschen Volk und Staat., Aber ebenso entschieden warnte er vor dem na­tiv na l i st t feste n Treiben, das mit dem Chri-i stentum in Widerspruch stehe. Der Bischof von! Limbur g aber, gleichsalls Mitglied des K. 23, der, mit wahrhaft väterlicher Freundschaft an die Herzen! seiner 'Verbandsbrüder appellier:':, sorderle von ihnen die Bereitschaft mit allen Volksgenossen, namentlich auch mit der A r b e i t e r s ch a s t, in christlicher Liebe zusammenzust^hen. Versöhnung, Ueberbrückung der sozialen G aensötze, Friede und Eintracht, das sind d'e Tore, die zu einer neuen deutschen Zu­kunft in Glück und Größe führen können, zu dem Deutfchmnd. das, als letzter der glänzenden Kom- inmsredner, der Bischof von Stuhlweißen­burg in Ungarn mit den hinreißenden Worten eines gottbegnadeten Dichters und ehrwürdigen Kirchen- fürften vor dem geistigen Auge seiner Hörer aus- baute, Dr. K.