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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 198.

Verantwortlich für den cedauionellen Teil i. V-- A Weßler, 2 Mr die Anzeigen: I. Parze, ler-Fulda. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ikernlprecher Nr. 9- Telegr.-Adrelse: Fuldaer Zeitung

Dienstag, 3d» Huguft 1921

Bezugspreis: Monatlich 3.50 Mt. ohne Bestellgeld. Post- - bezug 4.10 M. Abgeholt 3,75 Btt. -

Anzeigen: Lolonelzeile 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Retlomezell» (Tepdreiie» 2 50 Btt.

48. Zahrg.

61. Ge«eM-Vers6MlMS der Mhsliken De«tsGk«ds.

bomlebens. Alle Freude ruht in Gott, mit dem man sich in Gemeinschaftsmesien und gemeinsamem Abendgebet als Abschluß aller Feste aufs Innigste vereint. Di« reife­ren Quickborner, di« in diesem Jahr di« erste Tagung hatten, streben bewußt nach Weserisgemeinschaften, als lebendigen Gliedern des mystischen Leibes Jesu, der Kirche. Ihr« Gemeinschaft geht ouss Letzte und Unbedingte und fordert als solche restlose Hingabe. Daraus soll di« Per­sönlichkeit erwachsen, der neue Mensch, der di« Wie­dergeburt Europas einleitet und wenn die Stunde da ist aus lebendigem Kirchentum heraus selbständig eine neue Kultur schasst.

Dieser Quickbom wird nun im öffentlichen Leben von den einen teils geliebt, von anderen mft Mißtrauen be­obachtet oder abgelehnt oder gar gehaßt. Der Redner machte selbst mit aller Ehrlichkeit aufmerksam auf drei Punkte, an die Dorwürfe anknüpfen können. Er fügte aber gleich hinzu, daß genügend verantwortliche Führer da sind, die nicht in einem jugendlichen Rausch leben, son­dern mit beiden Füßen auf dem Boden stehen. Jedem, der sich ein Urteil bilden will, sei das Flugblatt empfohlen: Autorität und Freiheit stn Quickborn" (Verlag Deutsches Quickbornhaus). Die Quickborner entstammen katholischen Familien. Sie bekommen ihren ordentlichen Religions­unterricht und stehen in der Opfergemeinschast der Eucha­ristie. Sie erkennen die Autorität von Schule, El­ternhaus, Kirche und Seelsorge freudig und willig an. Aber zugleich wünschen sie mit vollem Ernst und m der Freude des eigenen Tuns ein Jugendreich sich aufzu- bouen, in dem sie selbst schaffen und worin alle Führer- anlagen und Verantwortung im Bereich sugendlicher Zu­ständigkeit zur Entfaltung und Auswirkung kommen. Auch in diesem Reich suchen sie den alleren, erfahrenen Freund, Priester und Laien. Aber er soll durch die Wahl ihres Vertrauens getragen, nicht blos ihnen gesetzt sein. Eine Parallele dazu bietet im katholischen Leben die freie Wahl des Beichtvaters. Während anbere schreiben, schasst die Arbeit der Führer in Quickborn die Verwirklichung. Die Möglichkeit eines Vorwurfs ergibt sich aus der gemein­samen TaMNg von Buben und Mädchen auf der Burg. Was hierüber an Klatsch imb Verleumdung rundgetragen worden ist, überbietet alles. Es dürfte wirttich nichts sein, daß ein Katholik, der etwas tut, was nicht ohne weiteres von jedem verstanden wird, ohne Kenntnis des wirklichen Tatbestandes von feinen katho­lischen Glaubensbrüdern herunter gezogen wird. Es ist beschämend, welch geringes Matz von Vertrauen unter uns lebendig ist. Wer heut« noch behauptet. Jungquick» born wandere gemischt, der verleumdet. Die gemeinsam« Tagung einmal im Jahre ist auf Burg Rothenfels. Sie ist dort möglich. Die Wohn-, Schlaf- und Waschräume für Buben und Mädek sind durch zwei große Höfe und durch dazwischenliegende Gebäude voneinander genügend getrennt. Die Teilnehmer bewegen sich unter aller Augen. Hundert und Aberhundert verantwortungsvoll« Männer und Frauen, Geistliche. Ordensleute, Lehrer, Aerzte, Vä­ter, Mütter haben die Tagungen mitgemacht und bekennen: Wo eine solche Atmosphäre des Vertrauens, der religiösen Erhebung, der sittlichen Zucht und des Derantwortungsbe- wußtseins herrscht, und der einzelne getragen ist vom star­ken Willen der ganzen Gemeinschaft, da ist eine gemein­same Tagung möglich. Auch hier packt Quickborn eine Erziehungsfrage an, bie das schwerste Problem der Päda­gogik und der Seelsorge berührt. Die ängstliche Absper­rung der Geschlechter ist nicht deutschen Ursprungs, sie ent stammt romanischen Weltanschauungen. Es ist erfreulich, daß die frohe und zugleich tief beherrschte Unbefangenheit des deutschen Mittelalters wieder ersteht. Es ist erfreu­lich, daß Quickborn von der in der Literatur niedergelegten Theorie zur Tat schreitet. Sein Erfolg ruht auf der gött- lichen Gnade. Diele Borwürfe erwuchsen Quickborn dar­aus, daß er gewiss« Formen der Geselligkeit mit dem Wandervogel gemein hat. Man denkt an Freideutsche Meißner Formel und wirst Quickborn gleiche Denkart vor. Die Formen, die der Wandervogel gefunden, sind längst Gemeingut deutscher Jugend geworden. Der ka­tholische Sinn hat Quickborn vor Ueberbreibungen bewahrt. Quickborn hat schon mcmchem den Weg zur katholischen Kirche geebnet, Quickborn liebt di« irrenden und suchenden Brüder und freut sich des Wortes Augustins an die Gnosti­ker:Ich wüte nicht gegen Euch wie andere, denn ich weiß, wie schwer es für ben ist, die Wahrheit zu finden, ber im Irrtum ist." Ein herzliches Verhältnis sucht Quickborn zu den anderen katholischen Jugendbewegungen. Alle eint die katholische Idee, die sie vor dem Schicksal der anderen bewahrt, die sich immer mehr in Bünde, ja in Einzelmen scheu zersplittern. Die Quickbornsngend will sticht, daß alle ihre Wege gehen und alle ihr in allem Recht geben. Aber sie erhofft und erwartet von allen Verständnis und Liebe, Verträum und Gerechtigkeit. (Leb­hafter Beifall.)

Als Korreferent betritt Pater E f ch -Köln, der Generalsekretär des Verbandes der studierenden kath. Jugend, mit stürmischen Bei fall empfangen, die Red­nertribüne. Seine lebendigen, mit begeistertem Schwünge vorgetragsnen Ausführungen schlagen die Versammlung völlig in ihren Bann.

Er führt aus, daß die katholisch« Jugendbewegung drei Ideale hat: Jugend, Vaterland, Kirch«, Eie setze sich zum Ziele, für die Reinheit zu kämpfen. Sie ge­höre in diesem Kampfe an die Front und nehme auch eine solche Frontstellung tatsächlich ein. Die katholische Jugendbewegung wolle einen neuen Lebensstil schaffen. Sie wolle die Ehrfrucht vor der deutschen Frau, vor dem deutschen Mädchen wiedererwecken, die in den letzten Jahren zu verschwinden drohte. Soffen wir der Jugend ihre Freude, lasien wir ihr die Freude am Wandern und am Sport; aber die katholische Jugend ist zuerst Katholik und bann erst Sportler und Sportlerin. (Leb­hafte Zustimmung.) Die katholische Jugendbewegung sieht das Problem in der Veibindung von Freiheit und Autorität, sie erblicke in der Kirche ein festes Funda­ment, will aber dabei auch Freiheit für ihre eigene Initiative und Betätigung. Ihr zweites Hochziel ist das Vaterland. In unserer Jugend lebe das lebendig« Bewußtsein: Deutsch waren wir, deutsch wollen wir auch bleiben! (Stürmischer Beifall.) A!S drittes Ideal leuchte die Kirche über die anderen hervor.^ Die katho­lische Jugendbewegung müffe streng konfessionell sein; die Eltern hätten für die konfeffionelle Schule gekämpft, also wäre es Verrat der Jungen, für eine interkonfesiio- nelle Jugendbewegung zu kämpfen. (Stürmischer Bei­fall.) In den Rahmen dieser Bewegung stelle sich der Verband Neudeutschland. Ihm gehörten bereits 25 000 studierende Jungen in 320 Gruppen an. Er stehe treu ;u dem. wozu bie Väter gestanden hätten. Er stehe

DritterTag.

Frankfurt a. HL, 29. Aug. 1921.

Auch die nichtkatholische Presse Frankfurts, soweit sie Anspruch auf Beachtung erheben kann, gesteht, daß der bisherige Verlauf des Katholikentages ein hoch- bedeutsames, weiherwirkerrürs, einzigartiges Ereignis ist.

Die Veranstaltungen am Montag haben den ge­waltigen Eindruck ber Tagung noch verstärkt. Die stürmisch ausbrechende Begeisterung, die den Sonntag ausgezeichnet hatte, war heute abgelöft durch emsiges Mühen an der Herausarbeitung der unschätzbaren Werb:, die unser hl. Glauben gerade für die schweren Nöte unserer Afft in sich birgt. Freilich fehlte auch dem hAttigen Tage nicht der Zug ins Große, ja ins Er­habene. Das P o n t i f i k a l a mit im alten Kaiserdom feierte am Montag unser Hochw. Herr Bischof Joseph Damianus. Es war eine erhebend: kirchliche Feier. Der Dom, der aufs herrlichste geschmückt ist. ganz nach den Vorschrift«, die vor Jahrhunderten bei Kaiserkrönungen in Anwendung kamen, war bis auf den hetzten Platz gefüllt. Eine große Anzahl <;ahnendeputationen, darunter viele Studentenkorpora­tionen, nahmen an dem Hochamte teil. Große Men­schenmassen füllten den weithin fahnengeschmückten Domplatz, als sich nach dem Amte der Bischof und die Geistlichkeit vom Dome nach dem Pfarrhaus begaben. Grün: Sicherheitspolizei hielt mustergiltig die Ordnung aufrecht.

In der geschloffenen Vormittagsoer­sammlung, die der Jugendfrage gewidmet war, herrschte wieder ein solcher Andrang, daß die Räum: in keiner Weise ausreichten. Trotz drangvoll fürchter- kicher Enge und brennender Sonnenhitze hörten Tau­sende die hochinteressaMen Referate.

Genau wie am Sonntag war am Montag um 5 Ahr das Riesenrund des Schumanntheaters bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Bischöfe von Limburg und Fulda bildeten bei ihrem Erscheinen Gegen­stand herzlichster Ovationen.

Der Verlauf der RicssnVersammlung war abermals reich durchwoben von Augenblicken spontan einsetzen­den Kundgebungen. Freiin o. Geb sattel vertrat die Forderung der Bek.nntmsschuld als Voraussetzung für einen echten Geist der Volksgemeinschaft mit großer Wärme. Als sie das Verlang«: des katholischen Vol­kes nach der Bekenntnisschule programmatisch aus­sprach, setzten langdauernde Beifallsstürme ein; das gleiche war der Fall, als sie dem Geheimrat Marx für seine Arbeit in der Schulfrage den Dank des kathal. Volkes aussprach.

Im Anschluß an die Rede wurde durch den Vize- Präsidenten Oberbürgermeister Farwick- Aachm, ei­nen prächtigen Versammlungsleiter, eine Entschließung vorgetragen, worin die deutschen Katholiken dem deut­schen Volke ihre Hilfe in den Tagen der Not anbieten. Wie ein Schwur wirkte die Kundgebung: wir wollen fein ein einig Volk von Brüdern!

Abg. Prof. Dr. Schreiber-Münster, der durch seine Rede auf der Windthorstbundestagung in Fulda kein Unbekannter ist, sprach giäwpnÄ, von Beifall um­braust, in Worten patriotischer Begeisterung, von den Dildungsaufgaben des deutschen Ka­tholizismus. Anschließend wurde dem Gedächt­nis mt Dante durch die Rede des Prof. Dr. Merkle- Würzburg Rechnung getragen. Auch am Montag war wieder eine überfüllte Parallelversammlung im Hippo­drom, zu der sich im Lause des Nachmittags auch' der Hochw. Herr Bischof von Fulda bcgab.

Zweite geschlafene Versammlung.

Der Präsident G:heimrat Held eröffnete die Ser« Mtmtung kurz nach 10 Uhr. Auf der Estrade hatte unter dm Ehrengästen auch der Weihbischof von Pa­derborn Platz genommen.

Aus der Tagesordnung steht zunächst di«

Jugendstage.

2ter Präsident begrüßt den Herrn Weihbischof unter kebhastestem Beifall und weist ferner darauf hin, daß Mn erstenmal auch katholische Schwestern auf der Generalversammlung erschienen sind und die Frankfur­ts Generalversammlung auch dadurch ein besonderes ©epräge erhalten hat. Zu dem Thema sind zwei Re­ferenten bestellt, an beten Vorträge sich eine Erörte­rung anschließt.

Das erste Referat erstattet Kaplan Joseph A u ß e m - Opladen:

lieber bie Sugenbf rage.

. @5 ift ein Bild naturgemäßen Wachsens, wenn wir den Werdegang Qu i ck b o r n's betiadjten. liebet jebn Jahre bestanden im Anjchluß an di« Abstmenzbe- roegung, die such opferbereite u. sozialdenkende Katholiken erfaßt hatte, abstinente Schülerzirkel. Um diese Zeiten ent- stand unter der deuischen Jugend eine machtvolle Be­wegung, die eine ganz neue natürliche Lebenshaltung schuf und die Mechanisierung, die alle Lebensgebiet« ergriffen patte, von der Wurzel her, der Seele des Menschen zu überwinden sich onfchickte Karl Fischer (Berlin-Steq- utz), der den Wandervogel schuf, wirb dauernd in dank-

Herzen einen guten Klang haben. Was an seelischem «ut ber Wondervogelbewegung zugrunde lag faßte in «r katholischen Jugend zuerst Fuß bei denen die abstinent waren. Run wurde der abstinente SchAerbmid Quickborn Jugendbewegung. Bald wuchs diele so in die Tiefe und Grefte, daß sie 1919 die herrliche Burg Roichensels a M. i?uflich erwarb. Im August 1919 war die erste Tagung, uuitfbom wurde sich seiner Eigenart als Jugendbewegung lotholischer Schuler bewußt. Der von Pros. Hoffmann m Breslau gegründete Wandersreund kam hinzu Der »weite Ouitfbomtag zeigte einen Fortschritt insofern, als uch die älteren Quickborner eigens zusammenschlossen. Nun sttzt im Quickbom ein Verjüngmigsprozeß ein. Die dies- latlrige Tagung war ganz eine Tagung der Jungen. Red.

wtinirfeii« fyennrf «in anschauliches Bild des <^-ick.

auch treu zum Vaterland« und treu zur Kirche. Er wolle kein neuer Studentenverein fern, sondern in den alten Verein gehen.

Beide Referat»: wurden von der Versammlung mit reichem Beifall ausgenommen. Der Präsident stellte fest, baß ber, besonders der zweiten Red: gespendete außerordentliche Beifall erkennen lasie, daß ein Be- durfms zu einer Diskussion nicht besteh:. Zur An­nahme gelangte folgende vom Vorstände vorgeschla- gene Entschließung:

Die 61. Generalversammlung bet Katholiken Deutschlands freut sich des frischen Strebens, bas in . der gesamten katholischen Jugend herrscht. Im Hin- blick auf die heute so groß« Gewährung der Jugend hält sie es für dringend notwendig, daß zur Unter- stützung der erzieherischen Aufgaben der Familie di« Heranwachsenden Söhne und Töchter den ihrem Alter und ihrem Berus entsprechenden Jugendorganisationen zugeführt werden. Die Generalversammlung bittet alle Katholiken, die so wichtige Iugendsache mit allen Kräf­ten zu unterstützen und zu fördern."

Gras Hermann zu Stolberg-Stolberg sprach über ben

Bonifatiusverein.

Er dankte zunächst dem Zentralkomitee, daß es in Würdigung ber hohen Bedeutung des Vereins auch für die 61. Generalversammlung die Vertretung der Bonffatms- vereinsfoche in weitherziger Weise vorgesehen haben. Di« Wichtigkeit des Bonisatiusvereins sei immer schon hervor­gehoben worden. Was Bischof Konrad Martin von ihm sagte, daß er die wichtigste ßiebestätigfeit der deutschen Katholiken sei, das habe Papst Pius X. in einem Handschreiben vom Dezember 1913 wiederholt, in dem er u. a. sagte:Di« Hauptpflicht des katholischen Deutschland ist die Unterstützung des Boni- fatiusvereins." Diese päpstliche Empfehlung hatten dann di« deutschen Bischöfe in einem Hirtenschreiben vorn 21. August 1918 m die Wort« gefaßt:Unser wichtigster Der- em heißt Bonifatiusverein." Diese gewichtigen Empfeh­lungen werben durch bie Verhältnisse und die Erfahrungen in ber Diaspora vollauf gerechtfertigt. 70 000 Sce'.an, darunter 40 000 Kinder, gingen ber katholischen Kirch, in der Diaspora jährlich in offener Trennung schon vor dem Kriege verloren, von den innerlich mit ber Kirche' und ihrem Glauben Verfallenen gar nicht zu reden, drei Fünftel der geschloffenen Ehen roaren gemischte, zwei Drittel der Kinder dieser Ehen gingen dem Katholizismus verloren. Der Krieg und feine Folgen haben di« Derhältnisie in der Diaspora nicht gebessert, sondern bei Weitem verschlimmert. Die Entwertung unseres Geldes ist nicht nur bei ber Ge­haltsfrage ber Geistlichen und Lehrer, sondern auch sonst von tief einschneidender Bedeutung. Die katholischen Pri­vatschulen sind schwer bedroht und nur bei äußerster An­strengung wird es möglich fein, diese Mittelpunkte der Diasporäseelsorge zu holten. Mit tiefstem Schmerze hoben bie Hochwüridgsten Bischöfe dem Ausdruck gegeben und bestimmt, daß m allen Schulen der Schutzengelverein ein­geführt und die Hälft« der Einnahmen dieses Bersins an die Kinderhilfe der Diaspora obgeführt werden soll. Di« Hoffnung des Vereins beruht dabei in erster Linie auf dem Interesse der katholischen Lehrerschaft. Es wird erwartet, daß neben ben Volksschulen auch die Mittel- und Hoch- schulm der Bonifoinsoereinssache Ihr« Hilfe angebeiiyert lassen. Um den gesteigerten Anforderungen der Diospora- serlsorge gerecht zu werden, sollen auch Laien, Normen und auch Frauen zur Unterstützung herangezogen werden. Be­reits zwanzig Diasporahelferinnen bilden sich aus zur Aushilfe ftn Religionsunterricht und zum Besuch« zer­streuter Katholiken. Aus alldem ergibt sich zur Genüge, welch große und gewaltige Anforderungen an den Boni- fatiusoerein und an die deutschen Katholiken gestellt wer­den. Deswegen muß «mich jetzt der Bonifatiusverein bie wichtigste Ausgabe der deutschen Katholiken bleiben. Im Anschluß an das genannte Fuldaer Hirtenschreiben bitten wir bie Geistlichen, den Bonifatiusverein in ollen Ge­meinden einzuführen und di« Beiträge monatlich elnsom- meln zu lassen, auf Priesterkonferenzen regelmäßig über die Förderung des Bonifatiusoereins zu beraten, in regel­mäßigen jährlichen kirchlichen und außerkirchlichen Beran- ftaltungen für ihn zu wirken. Die katholischen Lehrer und Lehrerinnen bitten wir, den Schutzengelverein mit eifriger Lieb» überall einzuführen. Alle deutschen Katholiken ober mögen den Bonifatiusverein unterstützen durch Geldmittel, liebend» Fürforge, besonders zur Rettung und Erhaltung der katholischen- Priootschule und durch frommes Gebet, dann wird auch Gott unserer Sache mit seinem Segen helfen.

Bischof Dr. Kilian-Limdurg: lieber die Notwendigkeit und die Nützlichkeit des Bonifatius-Dereins haben bie hochwürdigsten Herrn herrliche Worte gesprochen und ge­schrieben, aber feines saßt diese Notwendigkeit so treffend zusammen, wie das des großen Bekennerbischofs Marttn: Von ollen Vereinen ist der Bonifatiusverein der aller- notwendigste." Was wäre aus dem katholischen Volksteil in Deutschland gewcffden ohne den Bonifatiusverein? Tuen Sie also alles, was Sie nur formen, für ben Bo­nifatiusverein, damit unsere Brüder in der Diaspora das. Glück des firchlichen Gottesdienstes und der Postorifotion genießen form en. (Lebh. Beifall.)

Weihbischof v. hähling-Paderborn: Ganz Den schsond ist eigentlich Diaspora, es gibt nur einige roeiriae festgefügte katholische Landesteile, sonst im W-ften und Osten überall Diaspora. Unsere Bischöfe sind faft alle Diaspora-Bischöfe und sehen es mit Schmerzen, wie der Kirche so viele Seelen verloren gehen. In einem Dorf in der Dresdener Gegend ist eine' Missions-Station errichtet worden; weil man sich nicht Helsen konnte mit den 200 000 Mark, die der Bonifatiusverein zur Verfügung hatte, hat sich ein sächsischer Fabrikant veranlaßt gesehen, für 600 000 Mark onzukaufen. (Beifall.) Besonders danken wir dem Vor­sitzenden des Kindheft-Jesiwe«eins, wir sind erfreut über das liebevolle Entgegenkommen, das mir beim Kindheit- Jesuverein gefunden Haden. Wenn hier m Frankfurt und in Berlin geordnete Derhältnisie bestehen, so ist bas m erster Linie dem Bonifatiusverein zu danken. Wir wollen den Diosporabischäfen dos Versprechen geben, daß wir olles tun wollen, um zu verhindern, daß olle Jahr« 70000 un­serer Glaubensgenossen der katholischen Kirche verloren gehen, weil nicht bie nötige Tatkraft aufgewendet wird, um diesen entsetzlichen Notstand zu beseitigen. (Lebh. Beifall.) Bischof Joseph Damian SchmlN-Fulda: Als Hüter am Grabe des hl. Bonifatius schließe ich mich diesen Dorten i an. Wenn.ich am Grabe des hl. Bonifatius fniee, dann I iieat «r vor mir in einer SDlwnorttahre mit der Mitra m» *

schmückt. Er erhebt sich aus dem Grabe, das deutet man so: Er steht auf und schaut um nach seinem Werke:Hier habe ich den Glauben gepreirigt in Hessen, Thüringen und Franken." Hier ruht er inmitten der orar Nationen, die er zum heiligen Glauben geführt hat. Da schaut er um und sieht, vieles ist zu Grunde gegangen. Darum bitte ich in seinem Namen Sie all« rech! herzlich, das Werk unseres Glaubensvaters zu unterstützen. (Lebh. Beifall.)

In der roerteron Diskussion sprechen olle Redner sich begeistert für eine tatkräftige Förderung des Bvnifottus» Vereins aus. Lehrer Jngenbrand aus Herdorf !m Siegerland empfiehlt die Förderung des K i n d h e i t« Jesuverein s. Wer diesen Verein unterstütze, stärk« sogleich den Bonffatiusversin. Kaufmann Oft e r bemerkt als Vertreter des Kindheii-Iesuverein, daß mit dem Bi­schof von Paderborn die Vereinbarung getroffen sei, daß der Beitrag für den Kindheit-Jesuverein verdoppelt werde, damit mehr für die Glanbensbrüder in der Diaspora getap werden könne.

Angenommen wird nachstehender Antrag:

Die 61. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands empfiehlt ben deutschen Katholiken dringend bie tatkräftige Unterstützung und Förderung beS Bonisatiusvereins. Zunehmend ttehen in ber Diaspora bie wichtigsten Lebensinteressen zahlreicher Katholiken auf bem Spiele und zwar sowohl auf dem Gebiete der eigentlichen Seelsorge, als ber Schule unb Kinbererziehung. Und wie die Aufgaben an Umfang angenommen haben, so sind sie durch bie jetzige Geld- uns Wirtschaftslage entsprechend kost» fpteltgec unb schwieriger geworden. Sie können nur bann in etwas bewältigt werden, wenn bie Katho­liken von ganz Deutschland dafür ihre volle Kraft einsehen. Die 61. General-Versammlung ber Katho­liken Deutschlands richtet eine besondere Sitte zunächst an den deutschen Klerus; sie erinnert an bie Herr­lichen Worte, mit benen ber deutsche Episkopat bie Sache des Bonifatius-Bereins empfohlen hat unb rechnet vertranensooll auf eine tätige Beihilfe. So» bann wendet sie sich an die katholischen Lehrer unb Lehrerinnen mit ber inständigen Bitte, durch Ein. fuhrnng unb Förderung des Schutzengel-VereinS unter ben katholischen Schulkindern die schwer gefährdeten Diaspora-Schulen vor dem Untergang bewahren zu helfen."

Ein vom Abgeordneten v. P'aten vorgeschlagener Antrag findet gleichfalls einmütige begeisterte An­nahme :

Die seit Eintritt der Weltkatasirophe zum ersten Male in der 61. General-Versammlung zu Frank­furt a. M. vereinten Katholiken Deutschlands erachten es als ihre christliche und nationale Pflicht, voller Ueberetnftimmung mit den ihnen Dom Hl. Vater durch S. Exz. den apostolischen Nuntius erteilten Er­mahnungen, der gesamten Welt zum Ausdruck zu bringen, daß sie fest entschlossen sind, tm Geiste wahr­haft christlicher Nächstenliebe an der Verstänbsgung mit allen Völkern unb an dem Wiederaufbau bet durch ben Krieg zerstörten moralischen und materiellen Güter, mit allen ihren Kräften mitzuarbeiten. Nur in unserer heil. Kirche geförderter Geist wahrer Völkerversöhnung wird allein imstande sein, bie Wunden zu heilen, die das Abirrcn aller in Krieg verwickelter Nationen von den Wegen der göttlichen Gebote, der gesamten Kulturwelt geschlagen hat. Die Katholiken Deutschlands glauben unb hoffen, baß ber uns vom Hl. Vater in seiner unendlichen Siebe s« oft gewiesene Weg zum Ziele führen wird, wenn auch bie Glaubensgenossen der einst feindlichen Länder in wahrhaft christlichem Geiste zu wandeln entschloffen sind unb babon abstehen, bie Schult» an ber Ent­stehung und an ber Führung bes Weltkrieges für bereu Abwägung es in der Gegenwart objektive und menschliche Richter nicht geben kann einseitig auf ben Besiegten gbzuwälzen. Die Zerstörung ber menschlichen Zivilisation wirb erst Einhalt getan werden können, wenn bie Katholiken ber. gesamten Welt anstelle ber Macht, bes Haffes und ber Ser» leutr.bung, Recht unb bie Liebe setzen, mit ber unsere heil. Kirche alle ihre Kinber in gleicher Weise um­fängt."

Missionsbischof Franziskus Hennemann aus der Ordensgenossenfchast der Pcllotiner, Apostolischer Vikar von Kamerun, behandelte das Thema:

Die Sage und Aussichten ber beutschen Missionen:

Zwar hat ber Weltkrieg den beutschen Missionen schweren Schaben gebracht. Allein, von 4000 beutschen Glaubensboten konnten doch brei Viertel auf bem gelbe ihrer Tätigkeit bleiben. Zudem sind seit Friebensschluß schon wieder 140 neue Missionare zu ben Heiden unb gegen 150 tn anbere Koloniallänber gezogen. Deutsche Priester unb OrbenSleute wirken heute nicht nur auf ben meisten ihrer alten Arbeitsfelder, sondern haben auch verschiedene neue Gebiete in Angriff genommen, wie in Japan, China und Amerika. Trotz ber großen Not, bie über unser Volk hereingebrochen ist, ist festzu­stellen, baß ber Idealismus der deutschen Katholiken auch jetzt noch zu außerordentlichen persönlichen unb materiellen Opfern für bie Weitmission Christi bereit ist. Redner wünschte eine der Teuerung ent|prechende gesteigerte Unie» stützung der Missionen, Missionshäuser unb Missionsvereine und wies darauf hin, baß bie meisten Ausgaben für bie deutschen Missionen im In­land«, also ohne Valutaverlust, gemacht werden können.

Bischof Joseph Damian Schmitt-Fulda empfiehlt, wie bie Unterstützung bei Bonifatius-VereinS, auch bie Unterstützung bes Heibenmissions-Vereins im Sinne beS hl. Paulus, des ersten HeidenrnifsionarS. In jeher Pfarrei müsse ein St. Xaverius-Verein bestehen, in zweiter Sinte sei ber übrigen Missionsvereine zu ge­denken.

Bischof D. Kilicn-Sitnbutg sprach ben edlen Missionaren Trost zu in schwerer Stunde.Sie werden wiederkommen mit großer Freude, um bie Garben einer reichen Ernte bem Herrn barzubringen". (Sebh. Beifall.) DaS beutfche Volk wirb biesen edlen Männern, die unter unsäglicher Entbehrung unb Lebensgefahr benjenigen, bie in TobeSschatten unb Finsternis beS Heibentums baS Evangelium verkünden, nie unb nimmer im Stiche lassen. (Brcmsenber Beifall.) Die zur Förberung ber äußeren Mission eingebrachten Ent- jchließungen werden schließlich emftimmig anqenommer.