Aul-aer Zeitung
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Kleines Feuilleton
mehr möglich sei. Es würde mit das größte Verhäng« nis für das deutsche Voll sein, wenn aus Anlaß solch« Vorgänge die Kluft noch weiter vertieft würde. Das Gebot der Stunde ist die Sammlung, und dies« ist, wie gerade 'm diesem Augenblick ein fügender Poli- tiker der Deutschen Volkspartei, der Abg. v. C a ra p e mit Nachdruck und überzeugend gelte nb macht, nur dadurch zu erreichen, daß man den Gegemvartsstaat „statt in rückschauender Kritik den Rest unserer Kraft zu zerfleischen."
Vie Berliner „Konlrollversammlung".
Aus Berlin schreibt uns em besonderer Mitarbeiter: Am vergangenen Mittwoch, den 24. August, wurde im Berliner Stadion ein vom Nationalverband deutscher Offiziere und dem Verband nalonalgestmü:r Soldaten veranstalteter „Frontkämpfertag" abge- hatten. Dabei haben sich Ding: ereignet, an denen wir nicht vorübergehen können, weil sie zweifellos auch das Parlament in Anspruch nehmen wenden. Wir wollen zunächst nur das Tatsächliche sprechen lassen.
3m Stadion hallen sich Tausende versammelt. Die Schätzungen über die Teilnehmer gehen freilich sehr ous« einander. Die einen berichten von 15 000, die andern von 50 000 Anwesenden. Das Protektorat über die Der» onstaltung hatte Goneralseldmarschall von Hindenburg übernommen. Er lehnte aber ob zu erscheinen mH der Begründung, daß er Berlin nicht liebe. Dagegen war General L u d e n ü o r f f zur Stelle. Er war Gegenstand rauschender Ovationra. Die Mannschaften nebst Offizieren der ehemaligen Gardetruppen, auch der Marineschutztrup- pen usw. marschierten im Parademarsch vor Ludendorfs vorüber, an der Spitze Prinz Eitel Friedrich. Graf Wal» dersee begrüßte den Prinzen Eitel als den Sohn des allerhöchsten Kriegsherrn. Er sagte u. a.: „Der Haß steht in DoutsHland auf der Wache. Deshalb haben wir euch heute zur Kontrallverfammlung gerufen." Später hiell der Generalmajor von der Goltz eine Ansprache,
JK. 196.
SamSlag, 27. August 1921.
neuem wieder zu bildendem Koalitionskabinett von Eschlaggebender Bedeutung sei.
Wer gewogt ist, die Dinge vom reuten Standpunkt und nicht von dem irgendwelcher Wünsche aus anzu- stherk, wird zugrben müssen, daß beide Mögüchbnten eine Aussicht auf Erfolg nicht haben: denn wir g!aub.Ti nicht, daß selbst eine Wahlparole, wte sie der brandenburgischen Orgamsation der mchrheitssozialifti- schen Partei oorschwebt, eine solche Verschiebung ter politischen Situation mit sich bringen würde, daß für die Mehrheitssozialdemokratie wie für die Linke über- haupt eirt wesentlicher und sichtbarer Erfolg daraus entspränge. Wir glauben auch, daß besonnene mehr-< heitssoziallstiche Kreise dies längst erkannt Huben und daß ruhige Führer eine durchaus andere Politik als die der immerwährenden Dmnruhigung erstreben, weil sie wissen, daß sich die Aussichten der Sozialdemokratie durch derart stürmische Maßnahme« durchaus nicht bessern dürsten.
Was aber in Wirklichkeit bei einer derartigen Taktik, wie sie vom brandenburgischen Bezirksverband der Mchrheitssozialdemokratio vorgeschlagen wird, erreicht und erziell würde, das hat Herr von Campe in seinem jüngsten Artikel in der „Köln. Zog." treffend gekennzeichnet, wenn er sagt:
„Eine Politik, hie sozialistisch, hie Besitzer von Goldwerten, bedeutet geradezu die Gefahr des Bürgerkrieges. Käme es zu einem Wahlkampf unter dieser Parole, er würde an Zersetzung und Verhetzung alles übertreffen. Die Folgen wären erneute Erschütterungen bis ins Mark, Verzögerungen eines innerpolitischen Ausgleiches um lange Zeit."
Es handelt sich unseres Erachtens bei der ©teuer« gefetzgebung nicht um die Durchdrückung irgend eines parteipolitischen Standpunktes, sondern aL'-än um die Staatsnotwendigkeit, daß der Staat aus einer neuen Steuerbelastung Quellen für sich erschließt, die ihn in d:n Stand setzen, den Forderungen des Ultimatums gerecht zu werden, soweit dies im Bereich einer Möglichkeit liegt. Daraus ergibt sich die einzig zu erhebende Forderung, daß alle Schichten des deutschen Bockes in einer Weise herangezogcn werden, dir ihren geldlichen Leistungsmögiichteuen entsprechend, weil dir Abtragung der Forderungen der Entente eine gemeinsame Sache des ganzen deutschen Volkes ist. Hier sicht die Sache noch weit höher über der Partei als in irgend einem andern des gemeinsamen Schicksal des deutschen Volkes betreffenden Falle. Denn am Gelingen der neuen Steuergesetzgebung hängt die nächste Zukunft.
Dabei sind wir stets der Meinung gewesen, daß in erster Linie der Besitz zur Abtragung der großen Lasten, soweit wie dies überhaupt möglich ist, heran- gezogm werden muß» daß aber eine einseitige Belastung sei es gugunften oder zu ungu-nsten irgend einer Schicht zu vermeiden ist. Wenn alle Parteien gewillt sind, in sachlicher Weise das ihrige beizutragen, dann müßte es gelingen, ohne Erschütterungen des politischen Lebens auch das neue große Unternehmen unter Dach und Fach zu bringen.
von den schönen Blumen für die Trauung zu bitten. Der Professor gewährte die Bitte und sprach:
I „Bringet diese Blumen der Braut und sagt rhr, durch I ihre Tugenden sei sie würdig, die schönste und seltenste I der Blumen als Brautstrauß zu tragen." Am folgenden Tage schmückte die Kartoffelblume wirk-
I sich die Braut. kos
I — Der Gagat. Aus dem Gagat, oder „schwarzen I Bernstein*, haben die Menschen von jeher, seit I der älteren Steinzeit, auch in der jüngeren und I in allen folgenden Perioden bis in die Gegenwart I Schmucksachen hergestellt. Es ist offenbar ein Um» I Wandlungsprodukt von Nadelhölzern. Ein schönes I Vorkommen des Minerals befindet sich in Wirrstem» I berg, im LiaS (Posidonienschiefer) bei Balingen. | Auch in Aorkjhire, bei San Jago de Compostello, auf Bornholm, in Sizilien uiw. wird es gefunden. Die Gagatnester sind selten mächtiger als drei Zentimeter, daher die Schmucksachen flach und dünn. Auffallend ist ein Vorkommen von Armringen, die nicht aus Gagat, sondern aus ähnlichem Stoff bestehen, der die Holzstrukiur noch bester erkennen läßt und nicht so schwarz ist, Lignit genannt; diese Gegenstände sind großer als jene. Man glaubt, daß die Beschaffenheit des Gagats durch Bitumen bestimmt ist, das aus Harz, aber auch aus tierischen Resten entstanden gedacht wird, während Lignit weniger oder kein Bitumen enthält. kos
— Das echte Kaugummi, auch Chiclegummi genannt, das die amerikanischen Soldaten den ganzen Tag im Munde haben, wird von dem Baum Achras Sapota gewonnen, indem man die Rinde anschneidet, den austretenden Milchsaft über Feuer eindickt und dann nach verschiedenen Methoden reinigt; hierbei verliert das Gummi die Hälfte seines Gewichts und erhält Zusätze von Zucker, Vanille und Pfefferminzöl. Mit der Herstellung von Ecsatz-Kaupräparaten beschäftigen sich viele Verfahren. So soll man 6,5 Kilogramm Kolophonium mit 0,5 Kilogramm geruchlosem Vaselin und 1 Kilogramm französischem Fichtenharz zufammen- fchmelzen, das erhaltene Produkt mit 2 Kilogramm Wasser durcharbeiten, die Maste feucht in Leinwandsäckchen hineinbringen und darin erstarreu lasten. Etn deutsches Patent geht zur Herstellung von Kaupräparaten von Katechu aus, wärend ein englisches Verfahren Extraktivbestandteile des Dammar- harzes mit Katechu mischt. kos
— Eigen artiger Eisenbahnbetrieb. Das Innere stuf trottens ist auch hotte noch zum aroßen Teil un»
” Dle Abstammung unseres Dackels ift erst durch Öte Untersuchung C. Kellers und anderer Forscher emrgermaßen geklart worden. Der lange, schlanke Leib, fräffiaer? E den Hängeohren und dem
SSFmS fc?“5 6lrctfe' st^fe H°« kerm- wST St”! Waldmann als euren Verwandten des LLS'.br sE^s nicht mrf dem einheimi- Ewp^chm Boden entstanden, sondern ein Kind des Dom abessinischen Wolf, einem Ew m NEter von wtlichgelber Farbe, ab- eEL.?1 ägyptischen Windhund stammen ^°ssen ab, die sämtlich schenk und ^emiysind mch sich über die ganze Erde verbreitet TE ist allem Anschein nach das Züch- rateK?“ft altägyptischen Modetorheit,
«rofen ^nXt 53 5o^ren eine Zwergform der ltebtm .ber Mopshund in Mode kam,
tora Zeitlang gewffse Windhunde,
Jo r>t^^"..^^Effche Verkümmerungen zeigten. fihrftt;* (,:ßerfunimcrun9 wurde wahrscheinlich auch feS„2erDfr0erufen’ lmd zwar dadurch, daß den yeromvachfendM lungen Tieren jeder Kalk in der Nah- wurde; eine Folge davon war, daß, cken Aschen Krankheit der Kinder, die Kno-
6’C weich blieben und sich unter dem bes wachsenden Körpers verbogen. In den ^kammnn von Benihastan findet sich eine Zeich- webr' ^f=5 ^r- Ä Achen ist, baß damals schon, also Mina zwei Äihrtausende vor der neuen Zeitrech- ,n Aegypten gezüchtet wurden; mäßio scheint damals die Rasse noch verhältnis- bei 30 ^nn die Ohren sind wie
reckt Sammeltern, den Windhunden, noch auf. K L^Lmstge Wiederkehr der rostbr^n^ Fär- Erim-rrt n J*1 ,Q 0o®cn Körper erstreckt,
sche?M^r^?-^ Stammvater, den roten abessini- tiner Dackel also ursprünglich von
roürö:aprm^a ^^I-PPe OrIn abstammt, di« merk- bis« Io» bestand-« ^wurde und auf das chrwür- meL ^rtausenden zurück- bi£n 1 dach heute einer der festesten und bestän- femen liebenswürdigen 6ÄÄ W<^nann vor allen Hunden ganz stunden. ^r3 des Menschen zu gewinnen ver-
— ObfffuretL Wenn auch bei uns in Deutschland die vbstkuren immer mehr Beifall finden, so geschichts doch noch lange nicht in dem Maß, wie es eigentlich sein sollte. Es gibt sogar noch Leute genug, welche den Obstgenuß für eine Leckerei hallen, und auch solche, die ein Schüsselchen Kompot für genügend er- achieu. ^ In Amerika ist der Obstkonsum ganz beträchtlich größer als bei uns. Man genießt dort das Obst ut altertet Form, namentlich auch als Fruchtsast und Marmelade. Fruchlsäfte, so sagen die Amerikaner, wirke» stärkend auf Hirn und Nerven. Nervöse ge- meßen besonders gern rohe und gekochte Pflaumen, Aepfck dienen zur Beruhigung und Blutbiidung, Stein* traiche» begünstigen das Anfetzen von ^ü. Diese Ansichten sind freilich irrig, denn in den verschiedenen Obstsorten Unioersalheilmittel gegen bestimmte Krank- hüten zu suchen, ist nach wissenschaftlichen Festsetzungen geradezu unsinnig. Richiig ist, daß jedes Obst, und zwar wegen seiner mancherlei Nährsalze, feiner Sau- ren und fernes Zuckergehaltes, die Gesundheit fördert, und man soll deshalb von allem, was die Jahveszeit bietet, soviel essen wie möglich, besonders als Marmelade zum Frühstück und Vesper, und als frugale, barm» anregende Abendmahlzeit, roh ober gekocht, einfach mit Brot oder Semmel gekaut. Ißt man nun noch mittags wenig Fleisch unb gönnt sich täglich ein Stündchen wackire Bewegung in freier Lust, so spürt man schon nach acht Tagen ein Gefühl geistiger unb körperlicher Frische und Gesundheit sondergleichen. mo.
— Die Kartoffelblume als Brautschmuck. In der Geschichte bet Naffau-Orcmischen Lande von Arnoldi wird über die Einführung der Kartoffel folgende ergötzliche Geschichte erzählt: Im Jahre 1621 lebte in Herborn der Profejsor I. Matthäus, der ein großer Blumenfreund war., Er hatte zum intimen Freunde einen Professor in Oxford. Zu jener Zeit waren in England die Kattoffeln bekannter geworden, und der Oxforder Prfoessor erhielt mehrere Knollen der neuen Frucht zum Geschenk. Er be- chloß, einige davon als große Rarität seinem i deutschen Freunde zu senden. Dieser pflanzte die i Knollen mit großer Freude in Blumentöpfe, de nn er glaubte, eine neue schöne Blume be ommen zu haben. Die vermeintlichen Blumen gingen auf, grünten und blühten, und alle Welt wunderte sich mit dem Professor über die herrlichen Blüten des neuen fremdländischen Gewächses. In dieser Zeit hafte die Tochter des Nachbarn Hochzeit, und da sie I mit dem Professor befreundet war, hatte sie die I Kühnheit, ihn durch ihren Vater um ein Sträußchen 1
ßmUMrWtMt MMmiizWk? uns klSrmAoüikni.
Von Landwirtschaftslehrer Hahn.Fulda.
Die Ernte ist unter Dach; ihr Ergebnis hat in frühere» Zeiten den Konsumenten nicht merklich in» tetef fiert War dies im Kriege der Rationierung wegen anders, so wenden auch heute wieder anläßlich der Preisentwicklung für Getreide und Brot m weiten Kreisen Fragen der landwirtschaftlichen Gmererzm- gung diskutiert. 3n das Durcheinander von Auffas. jungen zind Pteinungen trögen ei» paar Volkswirt- schädliche Erwägungen hrneingeworsen sein, nicht um die Erzeeigerpreije zu mchff.rngen, sondern lediglich zum V e r st ä n d n i s der wirtschaftlichen Zusammen- hänge.
Zwartgswirtschaft und staatliche Preispolitik halten die Landllvirlschaft auf einen moralischen Tiesstand gebracht, Di»n dem sie erst genesen mußte, um dank der unter Hitzwies durchgeftchrten oerniurfttgen Ncchrungs- politik dtp Erzeugerfreusigkeit wiederzugewmnen und sich mm einer stärkeren Produktion von Lebensmittel» zuzuwenden. Die Produklionskurve der demsche» Landwirtlchaft, welche in den letzten 30 Friedensjahren stetig unb so rasch gestiegen war, wie in keinem Land der Erde, kam im Kriege nicht nur zum Stehen, sondern er> hafte sogar ein scharfer Abstieg eingesetzt. Nicht plötzlich unb unvermittelt war bas Zmüagehen I der Ertrage eingeireten, der früher ins Land gegebene Betriebsatufwand mußte noch längere Zeit günstig nach- mirten. Der Abstieg von ter einmal erreichten Höhe kam laiigzam, aber um jo sicherer, je länger der Boden insbesondere Kunstdünger unb sachgemäße Bearbeitung entbehren mußte, lieber bie Schäden, welche die Blockade der demschen Landwirtschaft zugefügt Hatz ist im Frühjahr 1919 im Reichsernährungsmunsterium eine Denlichrift ausgearbeitet worden, welche auf Grund der damaligen Durchfchnitsprcise die Summe von 1 9,5 Milliarden tatsächli cher Schaden für die landwirtschaftliche Substanz und den Produktionsaussall errechnet. In dieser Summe ist der Gesamtausfall der Fleifcherzeugmtg allein tritt 32 Milliarden und die vom Futtermittel- mangel besonders betroffene Milchproduktion mit 17,4 Milliarlien bewertet. Die Verarmung der Böden an mmeraliifchen Scährstoffen, infolge Fehlens der notwendigen LMckstoss- un Phosphorjimredunger, infolge des Sialldmigermangels ufw., ist mit 14,9 Plilliarden berechnetz
WoU noch nie ist die Ackerkultur eines Volkes von einer Katastrophe betroffen worben, wie sie sich in brefert Zahlen ausdrückt. Anderseits sagen uns dieselben auch, daß der angebliche schlechte Lieferwillen zu einem guten Teil auf eilte verminderte Leistungsfähigkeit zurtÄzuführen ist.
Die im Friedensvertrag geforderten Gebietsabtretungen nchmen uns 13,5 Prozent der land- wirtfchaMich b-nutzten Fläche fort, dabei fällt ins Gewicht, mch Pofen und Westpreußen als Ueberfchutz- gobiete «etwa ein Sechstel des gesamten Nährwertes im Rei.He alten Umfanges erzeugten. Außerhalb der heutigen. Grenze liegen 16 Prozent der früheren Brot- getreideftäche, 18 Pwz. der Karwffelfläche und gar 20 Protz, der Zuckerrübenfläche. Der Abgang an Be- völkemitg ist bei weitem nicht der gleiche. In der Nahrunßsmitteloerforgmig find wir daher heute weit mehr D:$m Ausland abhängig als in der Vorkriegszeit. Begreiftfich, daß alle maßgebenden Stellen einer gesteigerten Eigenerzsugung auf deutschem Boden so nachdrücklich das Wort reden.
Der technisch so gut durchgebibdete deulsche Agrar- stattd darf und wird sich mit der Erreichung der früheren Ernten nicht zufrieden geben. Die schnell um» gestellte Maschineninrustrie hat den Mangel an Geräten und Maschinen bald beheben können. Die reichen
. aus der wir nach den Berichten beutschnotionatet Mütter I nur folgende Sätze zitieren: »Ew. figl Hoheit, Kameraden! I Hobt Dank dafür, daß ihr gekommen seid und für eure
Diszchvn. Wir hätten noch lange fern von der Heimat I UNS unserer Haut wehren können, wenn nicht zu Haus Hochverräter den Allerhöchsten Kriegsherrn für abgesetzt I erklärt, und so dem Heere seine Führer genommen und I wenn nicht Erzhalunken seit Annahme eines urrbe» I preislichen Waffenstillstandes und Friedens um jeden Preis I das Vaterland wehrlos gemocht, obwohl die Frontkämpfer I nicht gemeutert haben, sondern noch zwei Tage nach dem I 9. November die Franzosen siegreich in die Maas war- fen. (Stürm. Bravorufe!) Es ist eine dumme Lüge, zu >1 behaupten, die Militärpartei habe den Krieg vertirngert, I nachdem unsere Feinde selbst zugegeben, daß sie nie Frie- I den geschlossen, ehe Deutschband am Boden lag. Eine Mi- I IKärpartei hat es niemals in Deutschland gegeben. Außer I den vielen Resolutionsgswmntern ist alle Welt mit den I jetzigen Zuständen unzufrieden. Auch viele Arbeiter seuf» I zen über die kaiserlose, die schreckliche Zeit. Nur die Par- I teilt)rannen verbieten ihnen den Mund. Unser altes Heer I mar rät bis ms kleinste femgefügter Mechanismus, in I dem Daterlandrliebe, Dsszipkin, Ehrgefühl und anständige I Gesinnung herrschte. So war in Wahrheit unser Heer, I dem man jetzt aus feiger Angst die Leipziger I Schmach ottiut und dadurch der Weltveroumüung neuen I Stofs bietet. Als noch der Revolutitm Freiwillige aus I dem alten Heer sich fanben und im Innern unb im Bal- I tifum die neuen Machthaber gegen den Bolschewismus I schützten, nxrif man sie auf bie Straße, sobald bie Gefahr I vorüber war. Da beschimpfte man sie als „Daltikurner" I usw. Noch heute bekommen die Verstümmelten ans dem
Baltikum keim Staatsfürsorge, well man ja vor Toten und Krüppeln keine AnM mehr zu haben braucht. Wir ftldgvauen allen So (baten müssan dafür sorgen, daß in irgend einer Form em Ersatz für dieabgeschaffte allgemeine Wehrpflicht geschaffen wird, weniger in militärischer als in volkserzieherifcher Hinsicht. Oberschlesien kann sich bei einem Poleneinfall auf uns oer- lassen. Aber wir verlangen von der Regierung, daß sie den Grengdeuischeet bei ihrem Recht der Notwehr nicht wieder in den Rücken fällt. Deutschlands Zukunft gehört dem Geist feiner Frontsoldaten, oder es wird zugrunde Schm."
Inzwischen war ein Telegramm des Kaisers aus Doorn eingegangen. Noch dessen Verlesung wurde „Hell Dir im Siegerkranz" gespielt und gesungen. Darauf ergriff L u- ! dendorsf das Wort zu folgender Ansprache: „Nach den Worten des Grafen v. d. Goltz hob« ich nicht mehr viel zu sagon. Aber eines noch: Der Wille und die Sssges- ztwersicht der Frontkämpfer haben uns beide, den Fsld- marschall unb mich, immer wieder beseeK. große Anforderungen an das Heer zu stellen. Ich entsinne mich, wie im Oktober, am 24. Oktober 1918, der Fsldmarschall in einem Armeebefehl die Hoffnung aussprach, daß kein fauler Friede geschlossen, daß wir einen Frieden in Ehren er» kämpfen möchten. Der BeftW ton nicht mehr Zur Aus- sührrmg. Das internationale pazifistische Denken daheim, j bie verfluchte Miniera-rbeit, hoben ihn nicht zur Ausfüh- । rang kommen lasten. Denken wir in Zukunft immer art Preußen, das Deutschlands Kraft verbürgt. Ohne Preußen kein Deutsclsianb. An Preußen wird Deutschland sich i aufrichten. Wir stehen nach wie vor zu Preußen unb seinen Farben schwarz-weiß." (Minutenlanger Beifall.)
Die Feier endete mit einem abermaligen Parademarsch unb einem Zapfenstreich mit Fackel,zug.
Soweit bas Tatsächliche der Feier selbst. Nach der Deranstaltung tarn es zu sehr schweren nationalistischen Au-schreituirgen, die durchweg antisemitischen Charakter hatten, lieber alle diese Dinge wollen wir uns jetzt nicht weiter verbreiten. Aber wir können es nicht unterdrücken, auszusprechen, daß derartige Reden, roe? sie unpolitische Generäle bei solchen An- läffen halten, und auch jetzt wieder gehalten haben, zu den schwersten innen- und außenpolitischen Folgen führen können. Daß jetzt, da wir unter unaeheirer- lichem Drucke feufoen und da wir alles anfparmen .müssen, um uns wenigstens einigermaßen von den feindlichen Ketten frei zu machen, nicht die Stunde ist, um mwerhohlen zu einer gewaltfsmen Gegenwehr und zur Neuaufrichtung der allanmeinen Wehrpflicht aufzu- rufen, liegt mich für einen politischen Laien auf der Hand.
Am ärgsten zu beklagen ift aber doch die Derwir- timg. bie iiber bie Schuld am Ausgang des Krieges durch bie wiederholten Aeußerungen Lu» dendorffs und so mich durch bie Ansprache im Sta- bio» an gerichtet wird, wenn ßubenborfi die Dinge so darzustellen sucht, als sei durch ein Versagen der Heimat die Front zusammengebrochen. So peinlich es ist, so muß doch daran erinnert werden, daß Ludenborff selbst es war, bet im Verein iriii Hindenburg die damalige Regiemng beschwor, doch innerhalb 24 Stunden f?rieben zu machen, da ein Halten der Front gegenüber bet wachsenden Uebermacht nicht
besiedelt^ Eisenbahnen finden sich nur an den Küstenstrecken.. So kam es, daß bis vor wenigen Jahren bie beiden Hauptbezirkst — Westaustralien unb Südaustralien — ohne direkte Eisenbahnverbindung untereinander waren. Währettl» des Krieges ist dann die austrlll.ifche Querbahn eröffnet worden, die bie bisher auf den- Landrmg nicht verbundenen Wirtschaftszenivm verbi niet unb 1700 Kilometer lang ist. Dieser Länge entspreihend bauert auch bie Reffe über anderthalb Zage, und die Eisenbahnoerwaltimg Hatz um diese Reise sfo angenehm wie möglich zu machen und bat' Verkehr, zu heben, allerlei Bequemlichkeiten geschaffen. Schon hie Spurweite der Bahn, die zu 1.60 Meter gewählt Morden ist, gestattet einen bequemen unb behaglichen Wusbau der Wagen. Die wöchentlich dreimal durchgehenden Züge bestehen aus Schlafwagen, Speise» unb Sialonwagen. Besonders eigenartig ist es aber, baß sämtliche Reffende gezwungen sind, Schlaf» wag«nplätze zu belegen, ähnlich also den früher nach Ijem Orient verkehrenden Luxuszügen, nur daß aus dey australischen Bahn zwei Klassen vorhanden sind. Als befördere Eigenart ift aber bie Tatsache zu ver» zeichneri, baß in den Fahrpreis die Verpflegung untern,:gs einbegriffen ift. Die Reifenden erster Kiafsu türmen außer in ihrem Slbteil auch in dem Salonpragen sich aufhalten, der in Raucher- u. Nichtrauchen cingeteilt ist. Schreibtische, eine Bücherei und, ein Brausebad sind besondere Vergünstigung; eine währeMd der Fahrt zugfftellte Zeitung gibt den Reisenden. Mitteilung von den wichiigsten Pressenachrichten. 31us all diesen Maßnahmen zeigt sich, baß die Eisenlmhnverwaltung alles baran setzt, um die Kon- kurrenK mit dem Seeverkehr aufnehmen zu können. Die Verkürzung der Reisezeit auf anderthalb Tage gegen vier Tiage Seefahrt scheint also nicht allein die Land- fahrt su empfehlen. Die Fahrpreise gelten für australische Verhältnisse nicht für besonders hoch Auf Erund der Valuta in deutscher Währung umgerechnet erscheirten sie uns aber doch recht hoch, selbst wenn wir Misere erste Klasse dagegen vergleichen. Der Fahrpreis (allein kostet 15 L 7 s 6 p. Das sind rund 4000 Mark, dazu kommen 130 Mark für bas Bett in der 1., 65 Mark in der 2. Klasse, und für die Verpflegung 170, dezw. 143 Mark. Die Bersfflegungskosten sind also gegenüber dem Fahrpreis verhältnismäßig gering, zumal ba für Kinder von 3—14 Jahren noch eine bedeutende Ermäßigung eintritt und Kinder unter 3 Iahrem frei verpflegt werben. kos
—। Arauenfchickfal unter den hakkas. Der Hakka- Stamq» wohnt in mehreren Provinzen Süd-Chinas.
Sozialdemokratie. Steuern und Neuwahlen.
Dor einigen Taam Hal der Brandenburgische Bezirksparteitag der fozialdemokratifchen Partei auf Antrag feines Hmiptereferenten Otto Wels, des Vorsitzenden der Gefamtpartei, eine Refolutton angenommen, die in der Hauptfache sich mit dem von der Regierung ausgearbeiteten Steuerprogramm befaßt. 6n dieser Entschließung heißt es:
,S«r Bezirksparteitag der sozialbAnokvattschen Partei für die Provinz Brandenburg erklärt, daß die von der Roichsvegierung oorgeschiagenm, Steuern in dieser Art für die sozialdernokratlsche Partei unannehmbar sind. Der Bezrrkspanteitag wünscht, im Falle des Feschaltens der Regierung an der Gesamtheit dieses Eteuerprogvamms, bie Neuwahl des Reichstages. Durch Befragung des VoKes soll bann fiat gestellt werden, welche Steuer bas deutsche Volk tragen kann. Der Parteitag ventennt durchaus nicht bie Notwendigkeit der Gesundung des Geld- und Finanzwesens. Wir müssen cus der Unsicherheit unseres GeLnvssens henulskommen und der Bermchrung der papiernen Zahlungsmittel ein Ende bereiten. Wir müsien Ordnung in den Reichshaus- halt bringen und die der Entente gegenüber emgegangenen Verpflichtungen erfüllen. Um diesen auch km Interesse der Arbeiter liegenden Ausgaben zu genüge.., ist die sozialdemokratische Partei bereit, Opfer zu bringen, aber sie muß fordern, baß zuvor die besitzenden Staffen in besonders einschneidender Weise zur Steuerleistung herangegogen werden, sodaß die Steuerverpflichtungcn des Besitzes der künftigen Steuerreform den Stempel aufdrücken. . . . Daher muß die Zustimmung zu brat Finanz- Programm ber Regierung davon abhängig gemacht werden, daß es nebeln ben unerläßlichen steuerlichen Belastungen ehre scharfe Erfassung der Goldwerte aller Kopitalbssitzer Vorsicht."
Worauf es bet dieser Resolution vor allem an- tomml ist bte Tatsache, daß Darin die deutliche unb unzweideutige Forderung ausgesprochen wirb, daß man, wenn ber sozialdemokratische Standpunkt in den Sreuervorlagen sich mcht überall durchsetzen sollte, zu Neuwahlen fdjreitem müsse. Eine soziald.mokratische ßanixsorganifation unb zwar nicht gerade bi klrinste erklärt bies in einem Augenblick, wo die Regierung, die bekmmllich auch aus ber sozialdemokratischen Partei angehörendsn Ministern besteht, eine Anzahl von Steuereiftwürfcn vorlegtz die zweifellos im Koalitionskabinett eine eingehende Erörterung gefunden habe» unb schließlich zum mindesten von der Mchrhett jeiner Mitglieder angenommen worben sein müssen. Man ist versucht, es fast als ein betrübendes Beispiel von mißverstandener Demokratie asMsehen, wenn eme Partei in der Unzufriedenheit über bie Be- B eines Koalttionskabinetts, dem ihre eigenen
er angehören, über die Köpfe dieser hinweg einen Appell ans Volk richten zu muffe» glaubt, um auf diese Weise mit dem Kabinett auch die ihren eigenen Reihen angehörenden Minister zu entfernen. Der erste Schritt einer mit den Handlungen des Kabinetts unzufriedenen Partei würde nach ben Regeln der Logik bes | parlamentarischen Systems, wie bas auch schon von anderer Sette hervorgehoben würben ist, boch ber sein, daß zunächst einmal ein Austritt der biet re f. fenben Partei aus dem Kabinett erfolgen müßte. Offenbart also bte Resolution bes Bezirks- parleitages der sozialdemokratischen Partei für die Provinz Brandenburg zunächst eine, eigenartige Anschauung über bte Aufgaben einer sich zur Demokratie bekennenden Partei, so nmtz man auf der anderen Sute die Frage erwägen, was für ein praktischer Er- folg solchen Bestrebungen beschisden fein könnte und ob unser politisches Leben in seiner Gesamtheit einen Borteil davon hätte. Daß bie vom brandenburgischen Bezirkspartettag der sozialdemokratischen Partei im "Falle des Festhaltens der Regierung an der Gesamt- fteit dieses Steuerprogramms" gewünschten Neuwahlen unter ber Parole vor sich gehen sollten: „h i e P r o- leiarter, hie Besitzer von Goldwerten" liegt nach dem Wortlaut ber Entschließung selbst klar' auf ber Hand. Will man sich auf sozialistischer Seite von. biejer Parole einen wirklichen und sicheren Erfolg versprechen, bann müßte bte Sazicllbemokratie bie Aus- sicht auf Verwirklichung zweier praktischer Möglichkeiten haben. Die erste bestände darin, daß die Linke öei einer Neuwahl die absolute Mehrheit bekäme, mn etrre Steuergesetzgebung vollständig nach ihrem eiae nen Willen durchzusetzen, bte zweite müßte sich so cie- stalten, baß bie Mhrheitssoziaidemokratte eine solche Verstärkung erführe, boß ihr Einfluß in einem von