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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 193.

Berantwortltch für den redatlionellen Teil: Dr. Kramer, - .. lür die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. -

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Lctiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. Telegr.-Adreffe: FuldaerZeitunq.

Mittwoch, 24* Kugust )92|>

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48. Zahrg.

aber,

wie oben erwähnt, noch nicht erzielt worden.

Letzt strahlte Hannis Gesicht wie ein Vollmond.

Jedem das Seine in gewissen Grenzen. Landwirte macht Euerm Stande Ehre; gebt Eure Erzeugnisse, besonders die Kartoffeln zu einem erträglichen Preise ab. Verkauft nicht an gewissenlose Händler, die in Spekulation und Gewinnsucht Euch Preise bieten, die Euch selbst in Erstaunen setzen. Laßt Eure Kartoffelsuhren die Brücke schlagen über den Fluß der Zwietracht, der Stadt und Land scheidet zum Bande der Eintracht und Brüderlichkeit unter den Volksgenossen."

als man im Etat annahr». Man habe im Reichsver- kehrsmimstermm bereits an eine neue Tarif­erhöhung gedacht, die sich wohl kaum ermöglichen lasse. Reichspostminister Giesberts erklärte, die Post habe einen ungedeckten Fehlbetrag von über 2 Milliarden. Da wäre eine Erhöhung aller Post-, Fern- sprech- und Telegraphengebühren im Verhältnis 1:10 notwendig. Ein Brief würde künftighin 1 M kosten. Die Besoldungsvorschlägs der Regierung, d'e eine Erhöhung der einzelnen Teuerungs,Zuschläge in den verschiedenen Ortsklassen um je 15 Prozent vor­sehen, wurden von sämtlichen Vertretern der Beamten und Arbeiter als unzureichend bezeichnet. Man einigte sich schließlich aus einen Kompromißvor­schlag, der Zulagen von 20 Prozent vorsieht. Den in Ortsklaffe E. eingestuften Beamten soll außerdem ein annehmbarer Ausgleich zugesichert werden. Als Kinderzulagen sollen in Ortsklasse A 200 Prozent, in B und C 175 Prozent und in D und E 150 Prozent gezahlt werden. Mr die Diätare wurde zu gesagt, daß sie'In den beiden ersten Jahren 90 Prozent des plan­mäßigen Beamteneinkommens, im dritten und vierten Lahre 95 Prozent und vom vierten Jahre ab das volle Beämtengehalt bekommen sollen. Den Arbeitern wurde eine Aufbesserung des Stundenlohns um 85 L zu­gesichert.

Die Berliner Lohnverhandlnngen.

Die gestrigen Verhandlungen zwischen den Rogie- rungsvevtretem und den Beauftragten der Deamten- organisationen und der Gewerkschaften, bei denen der Reichskanzler wiederum den Vorsitz führte, haben zu keiner Einigung geführt. Der Reichskanzler erklärte in einer kurzen Ansprache, daß die Regierung sich die Forderungen der Gewerkschaften nicht in allen Punkten zu eigen machen könnte. Um den Abbruch der Besprechungen zu vermeiden, erklärte der Reichs­kanzler schließlich, daß er heute die Besprechungen in der Reichskanzlei sortzusetzen wünsche, und daß er zu dieser Sitzung die Fraktionsführer des R e i ch s t a gs laden werde.

Aus dem Verlauf der Montagsverhandlungen wird bekannt, daß der Finanzminister die Forderungen der einzelnen gewerkschaftlichen Organisationen für eine Mehrbelastung des Reichsetats um 14 Milliar­den erklärte. Die Gehaltswünsche des Deutschen Be- amtenbunÄes würden 1618 Milliarden erfordern. Weder für diese noch für andere Forderungen sei Deckung vorhanden. Reichsverkehrsminvster Groener sprach über die Verhältnisse bei den Re ichseisenbahnen und erklärte, daß infolge der großen Betriebsausgaben dos Defizit für das Jahr 1921 sich nicht in st) engen Grenzen bewegen werde.

Die Auszahlung der neuen Gehälter und Löhne soll bereits am 1. September erfolgen, da die Regie­rung dem Reichsrat unverzüglich eine entsprechende Vorlage überreichen wird. Eine Einigung ist

sich gar nicht genug wundern könne, wie schön Du Trom. pet'n blas'n kannst." ;

Der Webermichel war ganz rot geworden vor Freud* über das gespendete Lob.

»No Reiz! Wenn ich etzt des net formt*. Die Musik, fünft, die is mei Lebtag scho auf unferm Haus. Mei fterrke hat schon Trompet'n blas'n und mei Vater a; da werd' ich's blas'n aber doch versteh'."

Sell macht Dir aber ka zweiter nach," sprach der Schmiedbauer dazwischen.Da sollt' der Joseph erscht amal Dein Hos'nwankera hör'n. Hptz Kreiz! Ro, der sollt horch'n. Wie bist denn Du zum Schuster-Joseph komma?"

I endlich stoßweise hervor.Ich hab's tüchtig rausg'strich'n, I die Jungfer Kundl; der Joseph wär* bald ganz närrisch I mord'n z'letzt. Verliebt es er word'n wie a Ochs 'n an I Schübel Heu."

Gottlob! Jetzt war die Lüge doch noch fertig ge. worden.

Die Bürgermeisterin erhob sich.Hanni, des vergeß I ' Dir net so lang' ich leb', und die Kundl a net. Ich I will Dich etza nicht weiter anstrenga; kumm dann run­ter zu mir und erzähl' mir weiter. Heut' mittag braucht Dei Frau ka Mittagsupp'n koch'n: Du ißt bei ims, hast g'hört? Und da hast noch a Kleinigkeit, weil Dei Sach so schön g'macht hast. As kummt scho mehra nach," sagte sie und drückte dem ganz gerührten Hanni nochmal ent Silberstück in die Hond.

Jetzt, nachdem die Sache mit der Kundl so gut ge­glückt war, bekam er wieder Schneid. Am darauffol­genden Sonntag ging er schon frühzeitiger wie sonst in das Wirtshaus. Konnte er doch auch einmal von der j Stadt erzählen, ohne die alten Erlebnisse aus seiner Sol. I datcnzeit immer durchwühlen zu müssen. Sonst, wenn ' er G'mahanni in die Wirtsstube trat, und es war alles ''fetzt, rückte kein Mensch vom Platze. Die Kerls hat­ten verdammt wenig Respekt vor seiner Amtswürde. Heute auf einmal wollten sie alle für Hanni noch Platz machen. Er aber blieb zunächst ganz unnahbar. Mit stolzer Miene betrachtete er erst alle Tische in der Wirts­stube: die liebenswürdigen Einladungen schien er alle Lu überhören: dann schritt er hoch erhobenen Hauptes aus den Tisch fn der Ecke zu, wo er seinen Freund, den langen Webermichel, sitzen sah. Mit großer Umständ- lichkeit nahm er hier stillschweigend Platz. Er wollte es an sich kommen lasten, bis er von feiner großen Reife erzählte. Es dauerte eine geraume Welle keiner sprach ein Wort. Hanni wurde schon ängstlich. Wenn Dich von den Lümmeln etza aber fancr fragt,' was sangst dann an, Hanni?" fragte sich der Weit, gereiste. Nach kurzem Ueberlegen räusperte er sich ener­gisch, dann sagte er recht laut und deutlich zu seinem Freund in der Ecke:An recht'n schön Gruß soll ich , Dir cmsricht'n, Michel, vom Schuster-Lfexh. Er hat 1

Die Teuerungssrage als Lockruf der Kommunisten.

Apfelbaum-Lmowjews Rak.

Die zurzeit in Lena tagenden Kommunisten Hecken bekanntlich von Rußland her eine ganze Reihe von Tagesbefehlen bekommen, was sie tun sollen, um in Deutschland den Bolschewismus einzufühveu. Dar­unter ist auch ein ausführlicher Befehl des berüchtigten Sinowjew-Apfelbaum. Für das politische Verhalten der deutschen Kommunisten gibt Herr Sinowjew Rat­schläge, zu deren Veröffentlichung die Mischung von Anmaßung, Unkenntnis und Zynismus gehört, die den Bolschewisten eigen ist. Die deutschen Kommunisten sollen danach die Teuerungsfrage in den Vor­dergrund ihrer Agitation stellen. Es ist auch für Herrn i Sinowjew eine Leistung, die Frage der Teuerung an» zuschneiden, obwohl er genau weiß, daß es keinen rus­sischen Bolschewisten gibt (abgesehen ran den Kom- missaren, den Schiebem und Spitzeln, denen es in Räte­rußland bester als je geht), geschweige denn die Mil­lionen Nichtbolschewisten 99 Prozent der Bevölke- rung ,die nicht die deuffche Teuerung als ein P a« radies empfinden würden, gegenüber derHölle", die die Kommunisten als Ergebnis ihrerpositiven" Arbeit über Rußland gebracht haben. Man lese, so schreibt dieVoss. Ztg.", was Zinaida Hippius, die Petersburger Schriftstellerin, in ihrem Tagebuch, das sie bei ihrer Flucht retten konnte, verzeichnet hat:

In der Buchweizengrütze (wir bekommen zuweilen welche zu 300 Rubel das Pfund) finden wir immer eiserne Nägel. Sie sind zwar nicht groß, aber es sinh ihrer so viele. Die Kinderfrau holte gestern beim Kochen zwölf Stück heraus. Dann holten wir noch ver. schiedene aus dem Mund. Soeben habe ich nach drei Löffeln Grütze zwei Nägel aus dem Munde geholt. Man tut sie wohl zur Vergrößerung des Gewichtes hinein. Aber wozu man ins Brot gestoßenes Glas hin. eintut, kann ich nicht begreifen. Solches Brot bekamen Freunde von uns durch eine Gelegenheit aus Moskau von ihren Bekannten. Ich lese die Novelle Ljaßkows Das Jammertal". Sie handelt von der Hungersnot in Mittelrußland im Jahre 1840. Unsere Lage ähnelt sehr der Lage jener Leibeigenen auf dem Gute im Orjolschen Gouvernement. Auch sie mußten aller Rechte, selbst des Rechtes fortzuziehen, beraubt, an Ort und Stelle ster. ben. Aber ihrJammertal" dauerte bloß zehn Monate. Außerdem bekamen die Leibeigenen von den Guts, besitzern nicht ein achtel sondern ganze drei Pfund Brot pro Tag. Drei Pfund Brot! Man glaubt es kaum."

, Seite für Seite dieses Tagebuchs, das den Eindruck absoluter Glaubwürdigkeit macht, ist eine Anklage gegen Zustände, deren Vorstellung fast über menschliches Ver­mögen hinousMht.

Weite Kreise Deutschlands leiden schwer unter der zurzeit herrschenden Teuerung. Aber darüber sind sich doch wohl die vernünftigen Leute einig: durch Radi­kalismus, durch Phrafendrefchen, durch Nachahmung der russischen Methoden ist keine Abhülfe zu erlangen.

(Ein bischöfliches Mahnwort an die Bauern.

| Bischof Sigismund Felix von Passau I richtet an die Bauern in der Umgebung von Paffau I folgendes Mahnwort:

Gott hat diesen Sommer reichen Segen über Eure | Weizen, und Kornfelder gesoffen. Mächtig floß der I goldene Strom der gelben Siebten in Eure Speicher. Euer Herz lachte und sprach: Heuer brauchen die Städter keinen Hunger zu leiden!

Die Seele des Städters ist aber in jahrelanger Knappheit und Einschränkung ängstlich und engherzig geworden. Er heft von Dürre und Fettmangel, von Milchteuerung und Aufhören der Zwangswirtschaft. Da fast ihn die Sorge: Ich will wenigstens nicht am Tagtäglichsten, am Brot, Mangel leiden; ich habe den Hunger gekostet genug; ich forge mich vor, ich decke mich rechtzeitig mit Brotgetreide ein.

So stürzen sich die einkommenSstarken und kapital- 1 kräftigen Stadtbewohner, so stürzen sich die Aufkäufer für die Wohlhabenden, Schlemmer und Prasser auf das freigewordene Getreide. Täglich jagen sie die Preise höher, sie fragen nicht um den Preis. Sie werfen das Geld hin; wenn sie nur ein gedeckt sind.

Nicht Eure Forderungen sind diese hohen Summen. Nein, Angstgebote find es von raff» und habgierigen Menschen, die nur an sich und ihre vollgefüllten Vorrats­kammern denken!

Mit lähmendem Schrecken sehen die Einkommenlosen, die Kleinrentner, die Familienväter, die gering bezahlten Privatangestellten mit einem Wort die Minder- bemittelten, die von ihrem knappen Gehalt Lebenden diese Entwicklung der Dinge, die Preissteigerung des Lebensnotwendigsten, des tägliche« Brotes.

Wieder eine Hoffnung, daß es besser wird, betrogen Enttäuschung, Zorn, Erbitterung steigt in ihrer Seele auf über die beklemmende, unerschwingliche Verteuerung des Brotes. Der Glaube an Gerechtigkeit und Vor­sehung wantt. Schon rechnen die radikalen Umsturz- kreise auf Brot« und Lebensmittolunruhen im kommenden j Winter! Bauern! Landwirte! Es ist nicht Eure Absicht den Notleidenden, Minderbemittelten unter Euch das Brot zu verteuern.

Hört darum auf unfern Aufruf! Zeigt Eueren christlichen Sinn in der Tat!"

Der Bund der Kinderreiche» erlaßt von M.-Gladbach aus einen offenen Brief a n die Landwirte es heißt darin zum Schluffe:

Die Truppenverftärkungen für Gberschlefien.

Vom 25. August ab werden von Mainz aus Verstärkungstruppen für Oberschlesien durch Deutsch­land transportiert und zwar sind auf Ersuchen der Entente Vorbereitungen getroffen für den Transport von zwei Bataillonen Engländern, wofür vier Züge bereitgestellt worden sind und einer Brigade Franzosen, die in 16 Zügen nach Oberschlesien gebracht werden sollen.

Die Transporte beginnen am 28. August und laufen die Strecke Mainz, Frankfurt a. M.-Süd, Hanau-Ost, Fulda, Bebra, Gerstungen, Weißenfels, Tobrilogk und Oppelu. Täglich werden vier Züge gefahren. Die Bewohner der von den Transporten berührten Gebiete werden zur Vermeidung von un­liebsamen Zwischenfällen darauf hingewieftn, daß es im allgemeinen Interesse liegt, den Transporten keinerlei Schwierigkeiten $u bereiten.

Die Verschiebung

öes Reichrtagstermins.

Der Beginn der neuen Tagung des Reichstages war auf den 6. September oorgeschen. Letzt hat der Präsi­dent im Einverständnis mit der Regierung und den Parteiführern bechlossen, die Ferien noch drei Wochen langer dauern zu lassen, also bis zum 2 7. Sept.

Diese Verschiebung zeigt nach der einen Seite hin, daß augenblicklich nichts Kritisches vorliegt, was einen unmittelbaren Eingriff des Reichstages notwen­dig machen könnte. Auf der andevm Seite aber sehen wir, daß auch unsere Volksvertretung unter dem Zei­chen der Verzögerung steht, wie die ganz,: poli- tffche Entwicklung in diesem Sommer.

Amtlich werden zwei Gründe für bin Verschiebung geltend gemacht: Erstens die Uirfertigikeit der Steuergesetze, die zur Zeit noch dm hierzu be- rufenM Körperschaften zur Vorberatung unterliegen, und zweitens die andauernde Unerrtfchiedmhqt der Zu­kunft Oberschlesiens.

Als der Reichstag am 7. Juli sich vertagte, kannte man noch annehmen, daß die Entente ihre Entscheidung über OberfchLesien spätestens im August treffen werde. Die Ratlosigkeit des Obersten Rates hat diese Berech­nung durchkreuzt. Der Seitensprung zum Völkerbunds­rat führt zu einer Verzögerung, deren Ende noch gar nicht obzusehen sst. Wer weiß, ob am 27. September bas letzte Wort schon gesprochen sein wird? Zunächst muß der Vülkerbundsrat sich informieren und sich schlüssig machen, und dann muß der Oberste Rat neuer­dings zusammentreten, um diesen Beschluß rechtskräftig zu machen oder auch etwas anderes zu beschließen. Für diese Doppelaktion sind fünf Wochen eine kurze Frist. Da überdies Frankreich keine Eile hat, so ist es noch sehr zweifelhaft, ob der Reichstag bei fernem Zusam- i meniritt bereits die Lösung der Oberschlesischen Frage vorfinden wird.

Nach unserer Ansicht darf man daraus nicht etwa den Anlaß zu einer weiterer Verschiebung der Tagung nehmen. Ende September ist der äußerste Termin für die Aufnahnn der gesetzgeberischen Arbeit, wenn im Winter noch das große Steuerbukett fertigge- ftellt werden soll. Es wird schon sehr viel Fleiß er­forderlich sein, um auch nur die wichtigsten von diesen I Entwürfen, deren Verzögerung jeden Tag Millionen «fften würde, rechtzeitig in das Gesetzblatt zu bringen. I

Ss besteht allerdings ein gewisser Zusammenhang Zwilchen der oberschlesischen Frage und der Steuerstage. 1 Erst wenn mir wisstn, was von diesem hochwichtigen I Industriegebiet uns verbleibt, können wir die wirt- I schaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands und die | Zweckmäßigkeit gewisser Steuern mit Sicherheit cck- I schätzen. Aber, die Notwendigkeit einer Steuerreform I i]t für Deutschland so dringend, daß wir unsere inner- I politische Entwicklung auf diesem Gebiete nicht an- I dauernd abhängig machen können von den diplama- I tischen Schachzügen der Ententemächte.

WähranÄ wir diese Zeilen schreiben, kommt die I Nachricht, daß der spanische Botschafter in Poris ben Auftrag, im Völkerbund über die oberschlesische Frage Bericht zu erstatten, abgelehnt Hobe. Es muß also erst noch ein anderer Berichierstattcr gesucht werden. Das verstärkt die bereits erwähnte Befürch­tung, daß die Entscheidung sich auch noch über den 27 September hinaus verzögern werde. Der Reichstag muß also den Mut haben, aus jeden Fall in die I Beratung der Steuergesetze einzutreten, und zwar un­ter der erklärten Voraussetzung, daß die Entscheidung in Oberschlesien gemäß der Volksabstimmung, noch dem I Vertragsrecht und nach der wirtschaftlichen Vernunft erfolgen, also zugunsten der deutschen Industrie aus- jcttm werde. Sollten die Franzosen und Polen ihre Gewaltpolitik durchsetzen, so wäre das eine sehr pein- I iiche Enttäuschung und würta den Volksvertretern im Reichstag neue Sorgen und Mühe machen. Doch die Zefahr darf den Reichstag nicht hindern, entschlossen I an die Arbeit zu gehen.

Der Schafspelz fallt!

Die Deulfchnationalen und die Katholiken.

I DerReichsbot e", der wegen seiner maßlosen 1 Beschimpfungen der Katholiken von der deutschnational. I Parteikorrespondenz, wie wir mttteilten, zur Ordnung gerufen worden war, läßt sich jetzt von Tag zu Tag be- I schein,gen, wie seine Katholikenhetzeganzden i »Ma sollt net denk'n, was für Dinga gibt aüf bera I Welt," meinte der philosophisch angehauchte Weber- michel sinnend,von so an Vieh hab' ich mei Sebtaa I no nej g'hört."

..Sell glaub ich schon; as is ja gar fei Vieh, des is a Mensch," erklärte Hanni, die Dummheit seiner Zu­hörer stolz verlachend. Er dünkte sich in diesem Mo. ment unendlich erhaben über die Unwissenheit seiner Landsleute.

»Hast g'hört, Du, Hanni, lüg' uns fei net gar so an; Tier is allaweil ka Mensch. Wennst Lüg'n sag'« I willst, dann hältst Dei Maul." Ganz erregt rief dies der Schneidersgörg, der selbst gern Hannis Reiseerleb­nisse genossen hätte, neidisch über den Tisch herüber.

Donnerkeil! Sag' mir noch amal, daß ich lüg'! Kann ich da was dafür, wenn Du so dumm bist und des net verstehst." Hanni war aufgesprungen; ganz rot war er geworden vor Zorn bei dieser Beschuldigung. Wer weiß, was nicht alles geworden wäre, wenn der ftied- liebende Webermichel den Tiefgekränkten nicht energisch auf seinen Platz zurückgezogen hätte.Dscht! bscht!" rief er begütigend dazwischen.Net ftreün. Weißt, Hanni, ich kann des schon a net recht verschteh; a Tier is allaweil ka Mensch; da hat der (Borg schon recht. Du kannst Dich doch versproch'n hab'n; erzähl' halt wetter, wie die Sach' sich da verhält."

Hannis Gntrüftung über die Bosheit des neidischen Görg war noch zu groß, als daß er sofort wieder ruhig weiter erzählen hätte können. Minutenlang saß er stumm und anscheinend ganz gleichgültig wieder in feiner Ecke. Der Qualm aber, den er in kurzen, hefti­gen Stößen aus seiner großen Ulmer Tabakspfeife ent. sandte, sprach nur zu deutlich von dem heftigen Aufruhr in seinem Innern. Erst als der Webermichel zum zwei­ten Male dringend aufforderte, doch weiter zu erzählen, würgte er heldenhaft seinen Groll^hinunter. Cs hätte ihm ja auch bas Hez abgedrückt, wenn er seine inter­essante Reiseschilderung nicht zu Ende hätte führen kön- neu. Er räusperte sich einige Male und machte noch einige recht ausgiebige Züge aus seiner Pfeife, und

jßte.« mit seiner Erzählung weiter. iKM. y

I "Ro, gelt ihr wißt gar net, daß i a Reis' g'macht hab' net in die Stadt? Da hab' ich hall en Joseph an gleich b'sucht. Hohdmmerkeil! mei Lieba, des is Euch a feiner Kund'. Sei Haus is größer nu wie unser Kirch'n und Kammern fett da drinna no, Leut un Sinnet! Unfern Herrn Lehrer fei feina Stub'n, des is a Katza- dreck bagegn. Die Fußböb'n, bie fen fo sauber gfegt, daß d' manft, es is a Spiegel anstatt Bretter. Mei Lieba! Ich hab' da fei net brauf spuck'n traut und schneuz'n scho gleich gar net. Ich hab' mein Nasn wie die feina Leut' no an mein Gollafutter putzt."

Daß Du ba doch ncr neitraut hast, Hanni, Du hast halt scho meilebtags meist Kuroschie' g'habt,," unter, brach der Webermichel, seines Freundes kühnen Mut bewundernd, den Erzähler.

Doch Hanni lieh ihn nicht weiter sprechen, die Worte sprudelten ihm nur so heraus. Ihn jagte förmlich eine wilde Angst, er möchte noch mal unterbrochen werden und die Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörer könnte durch irgend einen Vorfall von feinem interessanten Dor­ttag abgelenkt werden.

Wenn ma ins Haus nei geht, gleich linker Händ is a Hans, gläfers Häusla," fuhr er eifrig fortDa hockt Tag und Nacht a Portier drinna."

Was? A Bohrtier? Was is denn etza des für a Vieh?" unterbrach der wißbegierige Schmidbauer schnell SpM ------ - ------

Die Voraussetzung ist freilich, daß bis zum 27. Sept, die sämtlichen Entwürfe der Steuergesetze nicht bloß von den Ministern, sondern auch vom Reichs rat und Wirtschastsrat vollständig fettiggestellt und regelrecht oorberaten sind. Solange Einwendungen ge- macht werden könnten, würde die Opposition von rechts und von links sich gewiß darauf berufen, um den Gang der Beratungen zu erschweren.

Wenn dagegen der Plan lückenlos und einwandfrei vorliegt, können die positiven Patteien auf Beschleuni- gimg bringen. Auch dann wird es noch schwer genug fallen, über all die zweifelhaften und strittigen Punkte eine Verständigung zu erzielen, die auf eine sichere Mehrheit für das Ganze rechnen läßt. Umsomehr ist es geboten, recht schnell m die Ausschußberatungen und in die sonstigen Ausgleichsverhcmdlungen einzutreten. Mit der kostbaren Zett, die im Warber noch bleibt, muß sehr sparsam umgegangen werden.

Daher lautet das Gebot der Stunde: rechtzeittg be­ginnen, kurz reden, fbeißig arbeiten und fing handeln! Alles in dem steten Bewußtsein, daß das Vater- land über der Partei und über den Klassem nteresscn steht.

Zusammentritt des Preußischen Landtages.

Der preußische Landtag dessen Hauptausschuß bereits gestern seine Arbeit ausgenommen hat, wird am Freitag, 28. September, zusammentreten.

Der Eänsebub.

Fränkischer Dorfroman von Dina Gm ft berge r.

nei! Was sagst da etza zu der Bürgerma. leib Iugft D'<h da naus, Hanni?" flüsterte er

ein ^in- Spät in der Nacht kam er heim. Wie jjaus Dorbti^ er vorsichtig am Bürgermeister-

vrn«,2ast in aller Früh Hanni brachte Ws Hann?^^^ aut ~ klopfte es an das Fenster, ftenfter öffn J 5 ""willig über diese Störung das Als hätte er Qnb DDr 'l>w die Frau Bürgermeister. Soviel er @eift S^hen, so prallte er zurück, war ihm no^ne A"?barüb" "pachte, es hinaus und öfL ^ge e,»gefallen. Langsam ging er arüftuna befam2 ? Hausture. Noch vor der Be. ba/er lange kein X" fLV?10'" $uftenanfaI1'

Endlich brachte er n f .

Stau Burgermafterin,

Dan» bekam er gleich toie^ Guer ° ^luck!

Der Neugierde der E, 'e" Husttn-mfall 6as zu lange u Bürgermeisterin bauerte

.Hanni! So sag' wer nur ,

H°t er wirkli an schön'- ? f° md,?

Eeibesträften an. ? ^r,e f*6 'h" aus

Da ließ ber Husten etwas nack,nS .

^h"e Unterbrechung von all dem pJ?- er ^^^ahtte bann sehen. Als aber die Frau cr

fragte:No, Hanni, und von ber Kundi-st 6r 6 was greb?" kehrte ber Anfall zurü^ l^r ,bcrnn wie vorher. Er gestikulierte als 3roar den Hänben. -antwort nur mit

®ie Frau Bürgermeisterin setzte sich aber,srs- große» alte» ledernen Lehnstuhl neb^. 8htb5r " dl- m S»°b

Ham» wieder reden konnte. wartete, bis

-An recht'» schön Gruß soll ich ausrichfn srm,

fobaft Dle mögli weg'» der Jungfer Kundl,- ^adjte er