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48. Zahrg

Dienstag, 23. klugust 1921

Nr. 192

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wenn's an Herrn Vettern

auf einmal ganz liebens-

venn das nicht gleich ge-

(8M. folgt.)

bierber aeiühtt batte.

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bißle auffuch'n tät'n gern, recht is.'

Jegt wurüx der Portier würdig.

,3a, warum haben Sie

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Vie Handwerker gegen die Zteuerplane.

In ter Hauptversammlung des zweiten deutsch«» Handwerkertages in Magdeburg wurde einstimmig ein«, Entschließung angenommen, tee feierlich Verwahrung einlegt gegen die beftmtti gewordenen Steuerpläne ter- Regierung und sich besonders gerxn den Gedanke« einer Zwangshypothek verwahrt.

Auch wir halten es für unmöglich, daß die Ulti­matums-Forderungen in ihrer jetzigen Gestalt aus die Dauer Bestand haben. Wenn Deutschland jetzt daran geht, durch die Bewilligung eines ganzen Bündels neuer, schwerer und in alle wirtschaftlichen Verhältnisse tief eingreifender Steuern Milliarden-Summen auf­zubringen, so zeigt es gewiß seinen besten Willen, eine einmal übernommene Verpflichtung nach Kräften emzuhalten. Es wird sich aber sehr bald zeigen, daß wir die Grenze unserer Leistungs- fähigkell erreicht haben, und daß trotz aller Anstren- gungen die Erfüllung nicht möglich ist. Dann wird von einer Aufrechterhaltung dieser Reparations-For- derungen keine Rede mehr sein können.

sagst ihm halt no, dmmer Neil des werft scho selber wiss'n, Dei Schaden werd's net sei.'

So kam es, daß der Gemeinde-Hanni zum Erstau­nen aller Dörfler plötzlich eine Reise machte. Den Zweck derselben kannte aber niemand, denn Hanni hatte er. stens keine Sammlungen zu machen und zweitens war sein armes Gehirn so sehr von seinem Reiseplan in Anspruch genommen, daß ihm für nichtssagende Unter­haltungen bei der Wichtigkeit seiner Mission absolut'keine Zeit übrig blieb.

Josephs Adresse hatte sich Hanni von der Schusterin geben lassen und ihr gesagt, daß er auf seiner Reise vielleicht auch ihren Joseph besuchen werde. Als er im Festtagsstaat mit seiner ledernen Tasche auf dem Rücken und dem groß geblumten Reisesack von der Frau Bür. germeisterin Abschied nahm, drückte sie ihm einen großen Beutel voll Geld in die Hand.As kummt scho noch mehra nach, Hanni,' sagte sie mit einem bedeutungs. vollen Blick dazu.

Munter und wohlgemut kam Hanni in der Stadt an. Als er am Bahnhof ausstieg und die vielen Menschen und Fuhrwerke Iah, ward es ihm doch ein wenig be- klommen zumute. Eine Zeillang sah er dem ungewohn­ten Treiben zu, dann ging er frisch auf den Nächststehen, den zu und faßte ihn kräftig am Arm:Mag mir der Herr Vencr net sag'n, wo ma da a gut's Glas Bier kriegt?' fragte er, eifrig bemüht, möglichst hochdeutsch zu sprechen. Der erstaunte Herr Vetter zeigte ihm die Wirtschaftsräume des Bahnhofs und bald faß der gute Hannj bei einem frischen Maß und legte sich noch, mal seinen Plan zurecht. Frisch gestärkt, trat er seine Wanderung in die Stadt an. Die Adresse Josephs hielt er krampfhaft In der Hand und las dazu alle Firmen- schilder. ob sich darunter nicht auch Der Name von 3o. sephs Hotel finden ließe. Als et dies so eine Zeitlang vergebens getrieben hatte schüttelte er einen Vorüber- gehenden wieder kräftig am Arm. .Herr Vetter, wo is denn da des Hotel Belle-vu-e?"

Der schaute ihn noch erstaunter an, wie Der erste am Bahnhof, lachte und sagte, während er weiter ging, das läge in entgegengesetzter Richtung. Aergerllch überlegte Hanni, was nun tun; dann machte er Kehrt und schritt in entgegengesetzter Richtung weiter.

Nach einer Weile fragte er eine Dame wieder, wo beim das HotelBelle-vu-e" märe. Sie lächelte zwar auch, führte ihn aber bann durch mehrere Straßen und

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auf einmal stand er vor einem großen Gebäude und da stand groß zu lesen:Hotel Bellevue'.

Er war so überrascht, daß er es ganz vergaß, seiner liebenswürdigen Begleiterin zu danken und sich zu ver­abschieden. Bon außen betrachtete er das Gebäude von allen Seiten, aber hineinzugehen getraute er sich nicht. Lange ging er auf und ab in der Erwartung, der Schuster.3oseph würde herauskommen. Er spürte allmählich Hunger und Durst und dies Empfinden ließ ihn endlich die Scheu überwinden, durch das große, mit Blattpflanzen verzierte Tor einzutreten. Sein er- fter Blick fiel auf die Loge des Portiers.Portier' las er da angeschrieben.Portier!" flüsterten ängstlich seine Lippen. Scheu drückte er sich an die Wand, um in möglichst weiter Entfernung von dem Glaskasten des ge­fürchteten Portiers vorüberzukommen. Da riß dieser aber auch schon die Türe auf und frug den Hanni ganz heftig, was er eigentlich hier zu schaffen habe.

3m ersten Moment war Hanni vor Schrecken ganz sprachlos; bann, als er sah, daß ber Mann mit dem scheckigen Anzug nichts weiter machte, fragte er zaghaft, ob der Herr denn daheim sei.

Welcher Herr?' schnurrte ihn der Gefragte an.

No. der Herr Schusters-3oseph!'

Hier ist kein Schusters-Joseph; machen Sie, daß Sie fortkommen!' ward ihm barsch zur Antwort.

3etzt wurde Hanni noch ängstlicher.

3ch geh' schon,' antwortete er zaghaft,aber sag'n S1 mir nur, heißt denn Der Herr von dem Geschäft net 3oseph?'

Doch! Aber wozu wollen Sie bas wißen?'

3ch bin Der Gmahanni von R.. da, wo der Herr Schusters-3oseph her ts, und da möchf ich ihn Hali a

lagt? sprach er ganz freundlich.Bitte, warten Sie ein wenig, ich will gleich nachsehen, ob Herr Berget zu sprechen ift*

3n banger Erwartung stand Hanni Da; auf einmal kam ein rascher Tritt die teppichbelegte Treppe herab.

Jfanni! Welche Uederraschung! Aber das freut mich ungemein, daß ihr mich aufsucht,' hörte Hanni sprechen. Bor ihm stand Joseph im feinen schwarzen Gehrock-

Der Gänfebub*

Fränkischer Dorftoman von Dina Ern st berge r. 26] ----------

Und Hanni setzte sich auf die Ofenbank, versicherte noch, mal heilig, daß er es sonst nirgends und gar nieman­dem feige, und erzählte bann geheimnisvoll:

Es gibt bald wieder a Hochzeit, Leut'. Da Schu- sters-3oseph möcht' die Bürgermeisters-Kundl zu feiner Fra.

Bis Hanni feine Runde gemacht und die Gelder alle glücklich einkasiiert hatte, sprach das ganze Dorf schon von bet bevorstehenden Hochzeit.

2)as war natürlich auch der Frau Bürgermeisterin v«ht verborgen geblieben.

, 7^annil sagte sie eines Tages streng.Du hast ganz 8 unß wieder recht saudumm g'reb'. Wie kämen denn will ' °'8 Öa &rauf- daß der Joseph unser Kundl

?0' $eut> und Sinnet, des hat doch a Blinder x ei*"» fc Dümmst' müßt des verstand'n hab'n daß nur auf Euer Kundl abg'feh'» hat. Eher, daß iw Da was verrat', was ich in Euren Haus da hör', Ui e^Er la$ ich mich köpf'». Auf mi da könnt 3br Euch verlass-«, Bürgermeisterin.'

Damit hatte Hanni Das Mißtrauen Der Frau Bür- germetf enn vollständig widerlegt, denn schmunzelnd schenkte sie ihm gleich ^chhet ein Gläschen von ihrem berühmten Zwetschenschnapg ein und sagte geheimnisvoll dazu: ..Als kummt icho mei)r nod_

Einige Tage nachher nahm sie ihn einmal mit in Die Ramm«Su ^nnt. fQgte fie bort -2)u t5nnft uns an groß n 3 fall n «m. Schau, as is halt a so a Ding, »enn unser Kundl an Schuster.Ioseph heirafn soll. Ma weiß ,a gar net »er feine Küh' und Ochs'» fen. 3ch man haft mer Wh doch amo[ neifahr'n in bie Stab, und ^n. obs mirRi Io großorng ist mit it)m Mei Kundl kriegt a schon Batz n Ge d; da will ma halt o net die Katz im Sack Örtnna tauf n. Wie manst? Du bist doch als Soldat drei Jahr schon i» Der Stadt drin» g'west und kennst Dich aus und maßt, wie man Des macht; hast Bildung und Manier wennst einmal neifahr'n tätft und schaust die S'schicht' brtnn an. G'sällt Dirs bann «ochst beim Joseph gleich an B'such und richt'» ihm an schön' Gruß aus und faaü ihm hast na. ft __ und

Doppelt hüll besser; darum möchten sie ihr Veto schon im Völkerbundsrat geltend machen, um einen Beschluß zu verhindern, der die öffentliche Mei- mmg gegen die französische Gewaltpolitik enmchmen und die Isolierung Frankreichs offenbar machen konnte. Zu dem Zweck wird dafür agitiert, daß auch der Bol- kerbundsrat dm Grundsatz der Einstimmigkeit an- nehme, d. h. dem französischen Vertreter ein Veto ein­räumen soll.

Die Ablehnung des Mehrlftitsbeschluffes steht tn Widerspruch zu allen Regeln der Demo­kratie, und die Franzosen wollten doch die richtigen Vertreter des demokratischen Prinzips fein. Aus, sol­chen Mdersprüchen macht sich aber diehohe Politik" der Pariser nichts. Die geht vielmehr zfelbewußt aus auf die Vernichtung Deutschlands und die Beherrschung des europäischen Kstlandes.

Diesen Zielen werden die Imperialistm und Mili­taristen cm ter Seine leider immer näher kommen, so lange England vor den Pariser Drohungen zurück- weicht. Europa wird nicht eher zum Frieden und zur Ruhe kommen, bis Lloyd George den Stier bei den Hörnern faßt und den französischen Gewollpolitikern klar macht, daß ihr Veto keine Kraft mehr hat gegen- über dem entschiedenen Willen der anderen Mächte.

anzug, viel feiner, wie ihn Hanni zur Hochzeit im Dorfe gesehen, und reichte ihm die Hand.

Wie ein Zentnerstein fiel es nun von Hannis Herz. Er stand da und hielt in ber einen Hand krampfhaft feine Reisetasche und wußte vor Verlegenheit gar nichts zu sagen. 3oseph aber nahm die Tasche in bie Hand, reichte sie dem erstaunten Portier hin und führte Hannt die Treppe empor in fein Zimmer.

Hanni konnte noch immer keine Worte finden; et war halb betäubt von all der Pracht. Erft als ein be« fratfter Kellner den Tisch deckte und alle möglichen le­ckeren Genüste vor ihn hinstellte, und Joseph sich nach allen im Dorfe jo freundlich erkundigte, kam er wieder zur Besinnung. Aber Hunger und Dürft und auch seine Mission alles war vergesien. Er hätte ja ganz gern von diesen guten Sachen allen versucht, aber halt das Besteck, die Serviette und nicht zum wenigsten die Anwesenheit des Befrackten schafften ihm großes Sie­benten. Aus alles Zurede» hin erwiderte er nur immer'* daß er gar keinen Hunger habe und nichts elfen könne. Innerlich aber sagte er sich leise:Dummer Kerl! mär ich nur erscht da wieder drauß'n,' Josephs Einladung »och länger hier zu bleiben, wehrte er heftig ab, nut der Begründung, baß er unbedingt heute noch hei« müffe.

Joseph verstand Hannis Beweggründe, er begriff e» nur zu gut. baß Hannt sich in dieser Umgebung furchtbar unheimlich fühlen mußte. Nachdem man in der Küche ein mächtig großes Paket für Hanni zum Mitnehmen gepackt hatte, verabschiedete er sich glückstrahlend, mit tausendfachem Dank von seinem vornehmen Landsmann. Unterm Tore kehrte ihm der Mut. Ganz keck sah er diesmal auf den Mann im Glashause, und als er merkte, baß dieser ganz respekwoll grüßte, erwiderte er herablassend und schritt hinaus.

Draußen atmete er erst eintgemale tief auf, bann brückte er fein Paket krampfhaft unter den Arm und wanderte schleunigst dem Bahnhof zu. Sinigemale lehnte er sich an Straßenecken und suchte mit der Hand das Paket auf den 3nhalt zu prüfen; es war aber alles gleich­mäßig hart, er konnte absolut nicht herausbringen, was da drinnen fei. So fand er es am besten, wenn er mit dem nächsten Zuge heimfuhr. Die Neugierde hätte ihn sonst umgebracht. Als er wieder im Zuge saß. erinnerte er sich auch wieder besten, was ihn eigentlich

Amerika und Deutschland.

Ueter den bevorstehenden Abschluß des Friedens- Vertrages mit den Vereinigten Staaten von Amerika und ten darcm anschließenden Abschluß eines Han­delsvertrages gingen in der letzten Zfiii durch die ameri­kanische und auf dem Umwege über sie auch durch dfe deutsche Poesie allpchanü Mitteilungen, die zum Test irresühreird waren. Wie jetzt aus einer halbamt­lichen deutschen Erklärung hervorgeht, stehen, bk Son- dersriedensverhandlungen, die in Berlin zwischen dem Auswärtigen Amt und dem amerikanischen Geschäfts­träger Dresel geführt werten, tatsächlich kurz vor ihtem Abschluß.

Reichskanzler Wirth hatte in dm letzten Tagen mit bat Parteien mit Ausnahme der Kommunisten dm Vor­schlag des Reichskabinetts über bie Grundlagen zu bie- fern Frieden besprochen und deren Zustimmung erhalten. Nach biefen Vorverhandlungen mit ben Parteien wird der Entwmf der «Regierung direkt dem Plenum des Reichs- tages vorgelegt werden, sobald aus Washington die be­stimmt zu erwartende Zustimmung eingetooffen fein wirb. Die Hinausschiebung des Reichstagsbegimrs ist nicht wegen der Steuergesetze, sondern wegen der noch schwebenden SJerbanblungen mit Amerika erfolgt.

Die Rechtsparteien dürften, so heißt es, um so weniger aus ihrer wohlwollenden Neutralität heraustreten, als be­stimmt damit zu rechnen ist, daß, entgegen den amerika­nischen Pressemeldungen, die Washingtoner Regierung bie Frage der Schuld am Kriege nicht zu berühren gedenkt.

In Dem Handelsvertrag, der sich dem Sonderfrieden anschließen soll, wird auch die Frage der in Amerika be- schlagmchmten deutschen Guthaben geregelt werden, sodaß zu hoffen ist. daß diese Guchaben in irgend einer Weise für die Reparationszahlungen nutzbar gemacht werden können.

Diese deutschen Mitteilungen werten auch durch eine Washingtoner Depesche bestätigt. Das Washing­toner Staatsdepartement hat Herrn Dresel außerordent­liche Vollmachten erteilt. Der Dnesel übergebene Frie- densverftag enchält eine Wiederholung dsts Abschnittes 2 ber Entschließung Knox-Porter, ter bekannten Friedensresolution', die den Vereinigten Staaten alle Rechte eines Siegerstaates bteläßt, ohne daß sfe damit auf die DerpslWungen entgingen, in rein europäi­schen Fragen, beispielsweise in Grsrnzfragen, mitzu­sprechen.

Die Bauernvereine

und die neuen Steuern.

Auf der Tagung der 27 deutschen Bauernvereine in Frankfurt a. M., auf der rund 700 000 deutsche Bauern durch ihre Vorstände und Delegierte ver­treten waren und an der Abgeordnete aller bürger­lichen Parteien teilnahmen, wurde folgende Reso­lution gefaßt:

Die Erfüllung des Ultimatums tft, wenn überhaupt, so nur in dem Falle möglich, daß bie Substanz beS Volksvermögens ungeschmälert erhalte» bleibt. Daher dürfen zur Aufbringung Der erforderlichen Mittel nur bie Erträge des Volksvermögens herangezogen werden. Wirb Dagegen bie Substanz durch konfiSkatorische Steuern verkleinert oder in fremde Hand überführt, so werden naturgemäß die Erträge bes öerbleibenben Restes von Jahr zu Jahr kleiner werben unb von Jahr zu Jahr weniger auSreichen, bie verlangten Leistungen aufzu- bringen.

Der Sozialismus verlangt Erfüllung auf Koste» ber Vermögenssubstanz, um durch bie dann nötig werbende» Konfiskationen bezw. Notverläufe den privaten Besitz mehr unb mehr zu beseitigen. Die bürgerlichen Streife,. inSbefonbere ber Bauernstand halte» dagegen daran fest, daß daS deutsche Nationalvermögen unter alle» Um« stäuben ungeschmälert in deutschem Besitz erhalte» bleiben.

Ganz abgesehen von ber Frage ber Erfüllungsmöglich- - leit des Ultimatums gibt nur die restlose Erhaltung des deutschen BolkSvermögenS in der schaffende» Hand, des deutsche» PrivatwirtschaftlerS die Gewähr für bie" notwendige Erhöhung der Produktion : insbesondere ist dies der einzige Weg auf dem Gebiete der landwirt». schaftliche» Erzeugung, die für die Sicherstellung der, Ernährung dringend notwendigen Höchstleistungen zw erreiche».

Weiter wurde eine Resolution angenommen, iu der dagegen protestiert wird, daß in den Entwürfe« der Vermögensbesteuerungauch für dauernd land- und forstwirtschaftlich benutzte Grundstücke der Preis, der bei einer Veräußerung erzielt werden könnte (gemeiner Wert), für die Bewertung des Vermögens maßgebend sein solle*. Bezüglich der Fahrzeug« steuer wird verlangt,daß der Erhebung nicht die Zahl der vorhandenen Fahrzeuge, sondern die An­zahl der im Betriebe benutzten Gespanne zugrunde' zu legen ist, wobei das Gespann, den ortsüblichen, Verhältnissen entsprechend, sich aus zwei, drei oder vier Zugtieren zusammensetzt.*

Vie Ananzlast des deutschen Volkes.

Der englische Nationalökonom K e y n es, der in Deutschland besonders durch sein Buch über die Wir- kungen des Versailler Friedensvertrages bekannt ge­worden ist, hat sich dieser Tage in derDeutschen Allg. Ztg." in überaus bemerkenswerter Weise über die Fmanzlast des deutschen Volkes, wie sie sich auf Grund ter Reparationsfortenmgen ergibt, geäußert. Die Ausführungen verdienen die größte Aufmerksam­keit im ganzen deittschen Lande, und wir möchten nur wünschen, daß auch das Ausland auf diese Stimme ter Vernunft hören möge. Keynes fft ter unbedingten Auffassung, daß das Ultimatum in seiner jetzigen Ge­stalt unter gar keinen Umständen zu erfüllen sei. Im besten Falle könnte Deutschland noch auf ein I a h r die Zahlungen leisten. Zwischen dem Februar und August 1922 müsse aber unvermeidlich die Zah- lungsunsähigkeiit Deutschlands .eintreten. Besonders wichtig erscheinen uns in diesem Rahmen seine Aus­führungen über die Lasten, die auf dem deutschen Volke durch seine Finanzverpflichtungen siegen. Keynes sagt darüber im einzeln«: folgendes:

Die Gesamttast beträgt, ba bie brutsche Bevölkerung jetzt gegen 60 Millionen zahlt, 1250 M für jeden Deutschen, Mann, Weib unb Kinb. Aus ber Brüsseler Konferenz wurde das deutsche Einkommen für den Kopf der BevAkerimg auf 3900 Papievmark geschätzt. Diese Ziffer Hieb wahrscheinlich damals hinter ben tat- sächlichen Verhältnissen zurück. Infolge dos weiteren Wertschwundes bet Mark ist sie auch sicherlich heute zu tief gegriffen. Die Ansetzung eines Einkommens von 5000 Popiomiark für den Kopf Der deutschen Bevölkerung würde Sher bas Richtige treffen. Auf dieser Grundlage berech­net, betragen die RaparationÄasten ben vierten Teil bes Deutfdjien Nationaleinkommens. Wenn sich Deittschftmb auch die größte Sparsamkeit auferlegte und so weit ginge, selbst bie Kriegsanleihen nicht mehr einzulösen unb bie Zahlung der Kriegsrenten einzustellen, io könnten bie Kosten für die lokale sowohl wie für die zentrale Ver­waltung Deutschlands kaum mehr als auf 1000 Papiermmk für ben Kopf herab gebrückt werden. Sie würden dann insgesamt 60 Milliarden betragen, eine Summe, bie an die jetzige Ausgabezisfer noch lange nicht heranreicht. Aus diese Weife würden 45 Prozent bes deutschen Einkom­mens für bie Steuern verausgabt werden. Zwar könnte ein reiches Volk unter gewissen Umständen eine solche Last tragen. Aber man vergesse nicht das oben von mir anMsetzte Jahreseinkommen von 5000 Papiermark für ben Kopf der Bevölkerung kommt nach dem heutigen Valutastand 17 Pfund Sterling unb inbezug mif feine Kaufkraft innerhalb der deutschen Grenze 35 Pfund Ster- fing gleich. Das bedeutet aber fo viel, daß nach Abzug ber Steuern das wöchentliche Durchschnittseinkommen auf ben Kopf der Bevölkerung nach englischen Verhältnissen nur eine Kaufkraft von sieben Schilling besitzen würde. Wenn man Deutschland «ne Frist bemiOigte, so würde fein Einkommen und bannt auch seine Zahlungs­fähigkeit wachsen, aber bei den gegenwärtigen Lasten, He das Sparen vollständig ausschfießen, ist ein allgemeines Sinken Der Lebenshaltung viel wahrscheinlicher. Wäre es nun, so frage ich, den Polizei, unb Steuerbeamten irgend einer Regierung, bie bie Geschichte kennen, mög­lich) gewesen, die Hälfte feiges Einkommens aus einem Volke hernuszupreffen, bas sich in einer solchen Lage be- findet wie das deutsche? Und doch habe ich mich in ter Schätzung der Werte ganz besonder« Mäßigung be- flerßigt. Denn die gegenwärtigen Kosten für die Staats- Verwaltung samt den Ausgaben für die Reparations­ansprüche für 1922 ergeben für den Kopf ber Bevölkerung 3200 Papiermark, während nach ben letzten deutschen ©tu- tistiken bas Einkommen bes deutschen Volkes im Durch­schnitt 4500 Mark beträgt. Dann kämen wir zu dem Ergebnis, daß nicht etwa nur die Hälfte, sondern gut zwei Drittel dieses Einkommens für bie Reparation beansprucht werden. Die erste Schlußfolgerung, bie ich ziehe, ist also bie, daß bas neue Abkommen über bie Reparationen zwar dem deutschen Volke eine Atempause bis 1922 gestattet; trotzdem bietet es ebenso wie seine Vorgänger keine Mög. lichtesi für eine Dauernde Besserung."

Die Zwangsjacke

der Einstimmigkeit.

Der Vorsitzende des Vötkerbundsrates, Botschafter Ischi, soll nach französischen Berichten für dm Be­schluß über die oberschlesische Grenze die Einstimmig­keit für notwendig erklärt haben. Dem wurde von anderer Seite widersprochen. Letzt liegt ter Wortlaut des Schreibens von Ischi vor, unb daraus ergibt sich, daß er die Einstimmigkeit zwar nicht als notwendig, aber doch als Gegenstand seiner Hoffnung und Ziel seines Strebens hingestellt hat.

Er schreibt wörüich:Unter dieser Voraussetzung, snämlich ter ungestörten Freiheit des Völkerbirndsra- tes) hofft ich fest, daß der Bölkerbundsrat ... in kur­zer Frist eine Empfehlung, die von allen Mitgliedern des Rates einstimmig angenommen worden ift, wird vorlegen können."

Der Unterschied zwischen dm beiten Auffaffungm ist praktisch nicht sehr groß. Der gegenwärtige Vorsitzende will freilich keine zwingende Vorschrift über Das Stimmenverhältnis machen, aber er setzt voraus, daß ter Bölkerbundsrat auf die Einstimmigkeft hinaus- tommen werde.

Die Einstimmigkeit entspricht dm französischen Wün­schen und bildet das wirksamste Mittel in ter Taktik ter Pariser Machthaber. Sie haben eine erklärliche Schm vor jedem Mehrheitsbeschluß, da sie wissen, daß ihre Gewaltpolitik bei freier Abstimmung überall in ter Minderheit bleiben würde, sowohl im Dölkerbundsrat wie im Obersten Rat. Wenn aber Einstimmigkeit verlangt wird, dann ginnten die Pari­ser, ebensoviel Gewicht zn haben, wie alle Andersden­kenden zusammen, indem sie hartnäckig ertlären, sie könnten ihrerSicherheit" oder ihrerEhre" halber sich dem Wunsche der Mehrheit nicht anschließen.

Im Reichstage des alten Königreiches Polen war bekanntlich die Einstimmigkeft vorgesehen. Jedes Mit­glied dieser Körperschaft konnte jeden Beschluß unmög­lich machen, wenn er sein Veto einlegte. Das Spiel mit dem einzelnen Veto hat wesentlich zum Verderben des alten polnischen Staatswesens beigetragen. Wenn Frankreich nun in ähnlicher Weift sich auf die Macht seines Vetos verläßt, so entsteht die Frage, ob die En­tente ans die Dauer dieses Spiel aushalbm kann.

Bei den früheren Tagungen des Obersten Rates «oar ja Frankreich mit feinem Veto dnrchgedrungm. England unb die anderen Mächte wollten unbedingt die (Entente aufrecht erhallen und gaben nach, wenn Frankreich hartnäckig blieb. Auf ter letzten Tagung in Paris war jedoch der Widerspruch gegen die ftan- zösische Gewaltpolitik so scharf geworden, daß ter Zu­sammenbruch ter Entente in den Bereich ter Möglich- feti kam. Trotzdem gab Frankreich in ter Sache selbst nicht nach, solchem verstarb» sich nur zn einer weiteren Verzögerung bei Einschiebung einer Zwischeninstanz.

Dem eingeschobmen Völkerbundsrat gab man je­doch keine schiedsrichterliche Vollmacht, sondern nur ei- nen gutachtlichen Auftrag. Die letzte Entfchei- bung ist nach wie vor dem Obersten Rat Vorbehalten, kann also erst auf der künftigen Tagung des Obersten Rates fallen. Bei dieser nächsten Konferenz können also die Pariser Machthaber wieder mit ihrem Veto­trick arbeiten, intern sie in ter nicht mehr ungewöhn­lichen Weise erklären: Entweder müßt ihr uns eine Grenzlinie nach den polnisch-französischen Wünschen bewilligen, ober wir tun nicht mehr mit, kaffen die Entente auffliegen unb besorgen bas weitere durch Foch, Le Rand unb Korfanty.

Diese Aussicht auf die künftige Tagung des Ober­sten Rates genügt aber den Franzosen noch nicht.

Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

Beranttvortlich für ben reDaaioneUen Teil: Dr. Kramer, - für bie Anzeigen: I. Parzeiler-Fnlba. :: Rotattonsbruck u. Verlag ber Fuldaer Actienbruckerei in Fulda, ifemfpredjer Nr. 9. Xelegr.-Slbreffe: Fuldaer Zeitung