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Samstag, 20. August t92L

- Fuldaer Zeitung Druck der Anlbaer Äctieudrnckerei in F«ld,

Die neue Reichsvermögenssteuer.

Don einem besonderen steuerpolitischen Mitarbeiter wirb uns geschrieben: .

Die neu: Reichsoermögensstruer, die nunmehr bte Reichsregierung der Oesfentlichkeit unterbreitet hat, rollt Probleme von ganz außerordentlicher Tragweite mrf. Ein näheres Befassen mit den Einzelheiten des Gesetzentwurfs zeigt doch, wie voreilig jene, vorab in b:r sozialistischen Presse geübte Kritik an dem angeblich geringfügigen Ertrag dieser Steuer war, und wie vor allem fci>2 auf jener Seite beliebte Darstellung falsch ist, als ob diese Steuer den Besitz und die Sach­werte nicht genügend oder gor nicht erfasse. Mr werden im Einzelnen aus diese Dinge noch zurück­kommen, aber wir heben jcfot schon prinzipiell hervor, daß diese geplante Reichsoermoxenssteuer in der Toi die Sachwerte in schärfster Form angreift, und daß sie in ihrer wetteren Wirkung auch einen unmittelbaren Eingriff in die VermiMnssubstimz darstellt.

Der Schaffung einer Rkichsvermögsnssteuer stehen erhelüiche Hindernisse im Wege, das größte ist die Existenz des Reichsnotopfers. Die ihm gestellte Auf­gabe Hal dieses Gesetz in keiner Weise erfüllt. Das lag einmal daran, daß der Stichtag des 31. Dezember 1919 feine Grundlage zur Vermögensberechrnnlg ange­sichts des inzwischen vor sich gegangenen Sturzes der Mark mehr darstellt. Und zum zweiten hat dte Ser- K'ilung der Zahlungs-Quoten auf 30, und für bestimmte lcmdwirtschastliche Objekte sogar auf 50 Jahre, den Notopfn-GÄtarrken von vornherein zu Fall gebracht. Wir schen uns im Grunde, zumal nach dm inzwischen vorgekommenen gesetzgeberischen Änderungen des Reichsnotopfergesetzes einer laufendm Vermögens­steuer gegenüber.

Daraus soll mm unter allmählichem Abbau des Reichsnoiopfers eine wirkliche Vermögenssteuer ge­macht wurden, die nach zwei Seiten grundsätzliche Der- ichiedrnheit aufweist und die wegen ihrer wirtschaftlichen und politischen Wirkungen zweifellos zu den heftigsten politischen und parlamentarischen Kämpfen Anlaß ge­ben werden, ja, man kann sagen, daß über diese grund­sätzlichen Fragen der eigentliche Steuerkampf entschieden Mrd. Und diese beiden Pfeiler sind einmal dir fort- bauernde, periodisch zu erneuernde Veranla­gung, und zum zweiten die grundsätzliche Aende- rung des Bewertungs-Maßstabes. Jetzt soll nur noch der gemeine Wert gelten. Mst allen Veranlagungsmaßstäben, wie sie bisher in Gestalt der Erundlayr der Gestehungs -Kosten oder des Er­trag s - Wertes üblich waren, wird gebrochen. Das bedeutet den Wegfall aller Vergünstigungen, die bisher für den landwirtschaftlichen Besitz, aber auch für das Betriebsvermögen in Geltung waren, letzteres ist ja noch bei der Veranlagung zum Reichsnotopfer mit nur 80 Prozent herangezogen worden. Man muß sich nur einmal die Wirkung der Verechnungsgrundlage nach dem gemeinen Wrrt vor Wegen führen, um einen Ueberblick über die tiefeinschneidenden Folgen zu ge- romrren. Diese Methode btbeutet nichts anderes als die Umstellung sämtlicher Sachwerte von der Gold- mark auf die Papiermark. Ein Betrieb, brr mst einem Friedenskapstal von 100 000 Mark arbeitete, wird künftig mst einem Dermögenswert von 1 Million Mk. veranlagt. Das Gleiche soll gegenüber der Landwirt­schaft gt schehrn. Man braucht nur das myudeuten, um sosort sich Rechenschaft geben zu können über die unge­heueren Widerstände, die der Durchsetzung dieses Prin- zips von allen Seiten und nickst zuletzt auch aus den Regierungsparteien selber heraus entgegengestellt wer­den.

Das Reichsfinanzmimfterium und die Mehrheit des Reichskabinetts, der sich übrigens auch der Reichswirt, schaftsminifter Schmidt anfchloß, haben dieser lausen­den Vermögenssteuer dm Vorzug gegenüber den im Rcichswirtschaftsministerium ausgrheckten Plänm ge­geben, deren eigentlicher Vater der Staatssekretär Hirsch ist. Die Reichsregierung steht auf dem durch- aus zu billigenden Standpunkt, daß in euer Zett, in der wir das allergrößte Jnteresie daran haben, die Produktion zu heben, keine Experimente gemacht wur­den dürfen. Man muß genau wissen, welche Wir­kungen und welchen Erfolg bte vorzuschlagenden Maß­nahmen haben werden. Bei der Idee von der Gold- Hypothek, oder von der Belastung, ja sogar der Uebcr- fihrung eines Teiles der Sachwerte an die Hände des Reiches hätte man das nidjt gewußt. Daß aber auch die neue Vermögenssteuer einen Eingriff in die Sub-

Oie Tage der „wieiervereinigung" 19(8 im Elsaß.

Aus dem Molen, das über obige Frage geschrieben wurde, möchte ich, der ich jene „Tage der französischen Sie­ges-Posaune" im Elsaß miterieben mußte, die markantesten und bte erwähnenswertesten Symptome jener Zoll hier züsammenfasseAb nieder legen.

Heber eines muß man sich jedoch beim Lesen dieser Zeilen im Klaren sein, und «an darf es bei der Dem» teilung der effässischen Dolksseete, namentlich rote sie sich naf) dem unglückseligen Dölkerrtergen zeigte- nie außer Acht “fien: Preußen hatte es nicht verstanden, die Bevölkerung jenes reichen Landes zwischm Rhein und Sogefen für sich

Un,& man sich die Frage vor, rote sie . 2*® ^eser dieses Aufsatzes aüfzwingen wird: Wer hat T. bte hysterische Erregung der elsäflischen Volks- der Franzosen verschilldtt? — so muß - derselben zu einer schweren Anklage

"gebenden Stelle« führen, in beten Hände S» Kn°se- bte Gefckstcke des elsässischen

«n-..:tj.i, Gs nicht «eine Aufgabe, dies des ®er sich eingehender mit dem Be- Werk „ElsaHZ^.b^m will, dem sÄ Spahns Ach^q ifen still st ander schwand die

^Rch^stat^^^te itoUn±n™03'

P°t?i^en Verhältnifle Elsaß-Loch-

Deutschland enden werde. Mst einem lefitoten^nteb«1 Sworferun, -Demütigten und armen De^Lan'b Golste' man aber nicht mehr fern, nanuattr*

< . . , . rncht mit eurem

^»sichtend, da- e- tn ferner Manz, und Machtperiode so Mr nicht verstanden hatte, bte elsässische DÄksi-ete w behandeln und die Elsäfler für sich zu geromnen. So soll- ten nim die „Einwanderer", die Aktdeutschen oder kurz „die D its ch wie das Volk sie nannte, Opfer »erben für die feit 1871 im Elsaß begangenen Fehler deu-schcr Machthaber. Und bte meisten wurden ht jenen

1922 S. auch den Aufsatz in der .(Sermama* iwm 12. März

stanz dorsttllt, mag aus folgvrfcem hervor gehen: Der Steuersatz bewegt sich zwischen V$ und 1 Prozent, dazu kommt aber ein Notopferauffchlag für die nächsten 15 Jahre in Höhe von 300 Prozent, das macht durch­schnittlich 3—4 Prozent des Ertrages des Vermögens aus, tn den meisten Fällen aber nsch mehr, llnb etwas Derartiges ist auf 15 Jahre hincws gar mcht zu ertragen ohne einen unmittelbaren Zugriff auf die Substanz. Der Zuschlag kann mir unter dem Gesichts­punkte verstanden werden, daß er einen Anreiz zur Verminderung des Verbrauchs und zur Steigerung der Produktion darstellen soll.

Das große Problem ist nunmehr aufgezeigt! Die jetzt zu erratrtenien großen Debatten in der Oefsent- lichkeit, wie in den Körperschaften der wirtschaftlichen und politischen Lnteresienten werden zeigen muffen, welche Aussichten der Plan der Reichsleitung hat, und wie sich danach die Stellung der Regierung in den parlamemarischen Körperschaften «gibt. Die Besitz­belastung ist ja mit dieser Steuer noch nicht abgeschlos­sen, über das Problem der K a p i ta l i s ie r un g der K ö r p e r s ch a s t s st e u e r mit dem Ziele der Schaf­fung einer Vermögensbasis als GrmÄage für große Krättoperationen und des wetteren das Problem einer Zwangsanleihe vom produftivM Kapital schwe­ben noch die Verhandlungen.

Der Kampf um die „Goldwerte".

Der_ „23 o r ro ä r t s" veröffentlicht Ausführungen des „Sozialdemokratischen Parlamentsdienstes", in denen die bevorstehende Beteiligung des Reiches an der Industrie im Abschluß an die Körperschaftssteuer be­grüßt wird. Diese Pläne befinden sich noch in Sta­dium vorbereitender Erwägungen —, in denen aber andererseits „mit aller Entschisdenheit" zum Ausdruck gebracht wird, daß eine GoldweribLlastung, die den läMichen Grundb.fitz völlig unangetastet lasse, von der Sozialdemokratie auf keinen Fall Eingenommen wer­den könne." Die Sozialdemokratie fordett eine Gold- tvertsteuer des ganzen agrarischen und industriellen Kapitalbesitzes, tricht an Stelle, fonfcimt neben den be- tehenden und neugeplanten Steuern. Das Organ der ozialdemokratischen Partei bestreitet, daß die politi- chen Kräfte fehlen, um die Erfassung der Goldwerte mrchzusetzm. Das Volk sei noch nicht gefragt worden, ob es zu seinem Teile die dazu nötige Macht ouszu- bringen geneigt sei. Dos ist ein sehr deutlicher Hin­weis auf Neuwahlen.

Die „Freiheit" wtederhoü in einem „©ebortfe und Tat" überschriebenen Artikel tijre Kampfansage gegen das Kabinett Wirth und die „bürgerlichen Par­teien". Nachdem sie betont hat, daß es jetzt Aufgabe der Organisationen der Arbetter und Angestellten fei, alle Maßnahmen zu treffen, um im wirtschaftlichen Kampf die reuen Lasten zu überwälzen, erklärt sie, daß die Arbetterklasse eine geschlossene Front bilden müsse, um die Abbürdung ter Hauptlasten für die Re­parationen auf die besitzende Klassen durchzudrücken Die Negierung Wirch habe wohl schöne Gedanken, aber sie habe Angst vor der eigenen Courage. Sie fei, trotz ihres rechtssozialistischen Einschlags, lediglich eine kapitalistische Regierung und sie werde sich hüten, bei der Verwirklichung ihrer Gedanken eine größere Energie aufzuwenden, als es geschehen fei, solange an der Spitze des Kabinetts ein Scheidemann ober ein Dauer stand. Die laufende Vermögensabgabe sei trotz der hohen Säge and trotz der newn Beaverlungs- vorschriften ungefährlich für den Besitz, weil die be­sitzenden Klassen „tausend Mittel hätten, um selbst den schärfsten Steuermaßnahmen mtszuweichen."

Es braucht kaum gesagt zu werd-n, daß durch diese Art der Erörterung eine sachliche Lösung der außer­ordentlich schwierigen Aufgaben der Repmationswirt- schäft in ferner Weise gefördert wird.

Luxus und Armut.

Die deutsche Außenhanbelsstatistik für 1920, die so- eben vorliegt, verzeichnet eine Ausfuhr im Werte von 69L Milliarden Papiermark. Demgegenüber steht eine Einfuhr, die privat auf 97 Milliarden geschätzt wird. Da. nach hätten wir eine stark passive Handelsbilanz mit einer Zahlungsunterbilanz von rund 27 Milliarden Mk. Wir haben also alle Veranlassung, an einer Beseitigung dieser Unterbilanz zu arbeiten, die auf die Dauer lagen der „Wiedervereinigung" Opfer im wahren Sinne des Wotts, Opfer der fanatischen Wut eines losgelassenen däbels, Opfer der französischen Schikanen und In­trigen.

_ Welcher Deutsche, der in jener Zett der staatlichen Um- wäizungen im Elsaß wohnte, würbe von der einheimischen Bevölkerung bes Elsaß nicht mit dem betannten Schimpf- neunen „Schwob" bedacht? — Mit jenem Spottnamen waren die „über dem BächÄ" schon Anno 1871, nach dem Frieden von Frankfurt (Main), als sie elsässischen ©oben betraten, empfangen worden. Die Gassenjugend begann, in den Straßen herumoagabundterend, das schöne Sprüchlein halb fingenb, halb deklamierend zu verkünden: »Nimm be Schwob am Ärüjele, Setzen uffs Wäjttel — Führen wer be Rhin : 's Elsaß isch net sin".

Je näher ber Zag bet „Befreiung" mtb her „Dinier. Vereinigung mit bsm Mutterlande" hennmahte, desto lau­ter und frecher erklang der Gassenhauer. Niemand ahnte wohl, daß man schon zwei Jahre daraus in den nämlichen Straßen und auf den gleichen Plätzen, roo man bte Deut- schen verhöhnte und bes Landes verwies, den Sers hören konnte:

„O rote wäre wir so froh. Wäre d' Schwowe wieder do!" Donnerstag, den 21. November 1918, m»r- schiert en die ersten °'cmzösischen Soldaten, bte „ruhmreichen poÄus", durch bte Straßen der ttsaß^othringifchrn Hmrpt- stobt. Stürmisch und begeiftert wurden sie unter Kanonen­donner und Glockengeläute von der Bevölkerung begrüßt. Französische Fahnen, wohin bas Auge sich, überall blau- weiß-rote Fahnen, biau-weih-rote Plakate mit franzö­sischer Aufschrift, m französischer Sprache die Schilder der Geschäfte, unb der gallische Hahn auf deutschen Monomen- ten. Das alles war — man glaubte in einem Zauber- lande zu leben — über Nacht gekommen, rote ein Reif, der alles weiß färbt, mir war es hier Feuer, Feuer der Be- geifterung für die „gloine be la France", für den Steges­ruhm Frankrichs. Der Kleberplatz, auf dem das be­kannte Kleberdenkmal steht, glich im Nu einem südlän­dischen Jahrmarkt, im alten Siebet') schien bas siegreiche Frankreich verkörpert, denn er wurde von der Straßen-

’) Kleber, 1753 in Straßburg geboren, war französischer General und Sieger über die Türken in der Schlacht bei Heliopolis im Jahre 1800. Er wurde im nämlichen Jahr« i» Kairo van einem Türken ermordet.

unserer ohnehin stark geschwächten Wirtschaft höchst ge. fährlich werden muß. Das kann auf zwei Wegen ge­schehen. Einmal können und wüsten wir unsere Ausfuhr wesentlich zu steigern versuchen, um sie mindestens an die Höhe der Einfuhr heranzubringen. Oder aber wir suchen unsere Einfuhr einzuschränken, um auf diese Weise zu einem Ausgleich von Einfuhr und Ausfuhr zu gelangen. Eine solche Minderung der Ein. fuhr kann insbesondere bei der sogenannten Luxusein­fuhr einsetzen, ohne daß deshalb ein Volk in (einem lebensnotwendigen Bedarf beeinträchtigt und in feinen berechtigten Ansprüchen übermäßig geschädigt zu wer­den braucht.

Wie weit das möglich ist, untersucht eine lehrreiche Abhandlung: „Die deutsche Luxuseinfuhr vor und nach dem Kriege" im .Wirtschaftsdienst" 1921, Nr. 26. Der Legriff bes Luxus wird hier sehr eng gezogen. §Daß Kaviar, Austern und Hummern, Schaumwein, Seibern waren, Spitzen, Schmuckfedern, Elfenbeinsachen, Pelze, Parfüm, Kosmetika, Edelsteine unb Gold- und Silber, waren einzubeziehen sind, wird niemand beftreiten. Doch sind darüber hinaus alkoholische Getränke schlechthin, so­wie Tabak und Tabakerzeugniste eingerechnet worben; die Einfuhr ausländischer Biere und Weine kann heute nicht eigenllich als nationale Notwendigkeit bewachtet werden; der Verbrauch von Zigarren und Zigaretten hat aber längst einen Umfang angenommen, der ihn aus bem Bereich des anregenben Genusses längst in den sinnloser Vergeudung gerückt hat. Dagegen bleiben Kaftee, Tee und Kakao, Südsrüchte und Gewürze von der Betrachtung ausgeschloffen; es sind zwar keine Nähr, stosse, doch in mäßigem Umfang durchaus nicht ent­behrlich."

Auf Grund eingehender Untersuchungen und Schätzun" gen kommt der Artikel im „Wirtschaftsdienst" zu einem Ergebnis, das für uns wenig günstig und erfreulich ist. Danach gibt die deutsche Volkswirtschaft für die legitime Einfuhr von Luxuswaren im engsten Sinne, einschließlich alkoholischen Getränken und Tabak, monatlich 1,7 Papiermilliarden Mark aus, gegen 133 Goldmillionen Mark im letzten Friedensjahr. Von jener Summe entfällt ein Fünftel auf Branntwein, Bier und Tabak, gegen rund ein Neuntel im Jahre 1913. Das Verhältnis zeigt noch ungünstigere Setten, wenn man darauf achtet, rote ein großer Teil der Luxuscinfuhr g e. deckt werden konnte. 3m Jahre 1913 verblieb hierbei ein Einfuhrüberschuß von monatlich 4L7 Millionen Mk., im Jahre 1920 war er auf 1,3 Milliarden angewachsen. Der Anteil der nicht durch entsprechende Ausfuhr kom­pensierten Einfuhr an der Gesamteinfuhr ist also von 31 Prozent auf 75 Prozent gestiegen. Auf die deutsche Ge- samteinfuhr an Waren berechnet, ergibt sich für 1913 bis 1921 eine Steigerung des Anteils der Luxuswaren (nach Abzug der gesamten Luxusausfuhr, was eher zu günftige Verhältnisse schafft) von 5,2 Prozent auf 21,1 Prozent, für Bier, Branntwein und Tabak im Jahre 1920 5,7 Prozent, der Rest von 16.5 Prozent für andere Luxuswaren; ohne Abzug der Luxuseinfuhr im ganzen 28 Proz., davon etwa ein Mertel für Bier, Branntwein und Tabak.

Bei vorstehenden Angaben handelte es sich um die legitime, d. h. die gesetzlich erlaubte Einfuhr. Dazu tritt die Einfuhr auf Schleichwegen die auf 6 bis 12 Milliarden im Jahre geschätzt wird. Auch wenn von die. ser abgesehen wird, bleibt nach den Schätzungen und Rechnungen des „Wirtschaftsdienst" zu vermuten, daß zur Bezahlung so fragwürdigen Verbrauches im Iahte 1920 (10 Monate) nicht weniger als der ganze Ausfuhr­erlös folgender Industrien beansprucht werden muß: Farben: 2810, Kali: 1174, elektrotechnische Erzeugnisse: 1859, Baumwoll-Fabrikate 1754, Woll.Fabrikate: 1080, Papier und Papierwaren: 2234, Flachs- und Jutewaren: 447, Spielzeug: 883, Bücher: 289 Millionen Mk. Wenn nicht der ganze Betrag der Luxusausfuhr von der Ein. fuhftumme abgesetzt werden darf, wie es wohl billig ist, da ja ein erheblicher Teil jener Ausfuhr von dieser Einfuhr unabhängig ist, so wird man den Ausfuhrerlös der Maschinenindustrie mit 4,7 Milliarden ganz oder zum Tell noch in Kauf geben müssen.

Die Frage, ob ein Staat von der heutigen Armut des Deutschen Reiches sich noch eine solche Luxuseinfuhr gestatten darf, dürfte gewiß nicht unberechtigt sein. Mit weitgehenden gesetzlichen Einfuhrverboten dürfte zur Zeit aus verschiedenen Gründen aber weniger zu erret« chen fein als durch die freiwillige Selbstein- schr ä n tu ng, die zu üben heute als eine ndtio. nale Pflicht erscheint.

jugenb rote Honig von wilden Bienen umschwärmt. Bald war er nicht mehr recht zu erkennen: man hatte ihn nut blau-weiß-toten Bändern vollkommen überschüttet. Am andern Morgen konnte jeder, der oorirberging, zu feinen Füßen den Kopf Kaiser Wilhelms I. liegen sehen, den man seinem SianbbiD aus dem Kaiser Friedrich-Matz abgeschlagen hatte. Der fanatische Pöbel hatte ihn roh und rücksichtslos an einem SeA durch die Straßen der Stadt geschleppt und hierher gebracht.

Ein Altelsäster, im übrigen ein guter Franzose, der die Zeremonie mit angesehen hatte, schritt» mir am anderen Tage wortwörtlich wie folgt: „Die Leute hier sind närrisch, außer sich Soll das der Anfang eines neuen Glücks sein? — Mich hat der Anblick jenes Schauspiels mit Ekel über den Haß meiner Landsleute erfüllt; ich wmde nachdenklich. — Was wird auf diese Tage brauschender uni» betäuben­der Feste folgen?" —

Die Franzosen hatten gestaunt über Ke RttnKchleit Straßburgs, tn vielen ihrer Städte warm sie an andere Dinge in diesem Punkte gewöhnt. Bold sollte bte Sau­berkeit der Straßen und Plätze schwinden, um dem Schmutze Platz zu machen. Auch hier war der Kleberplatz verbild- Kch Es waren dort Duden und Stände, Automaten aller Art aufgeschlagen worden. Die Leute kauften Apfelsinen, Schokolade, Zigaretten, Obst, Zeitungen us-w. Uebetbleib- sel von den Früchten, ZigartttenstummÄ, Papierschnitzel wirbelten einem nun um die Füße. Der Münsterplatz mit seinem herrlichen hohen Münster war in wenigen Tagen von einem Strom von Jauche umflossen. Die Hel- denpoilus scheuten nicht davor zurück, sich um das Gottes­haus zu postteren und hier chre Notdurft zu verrichten. Mitten auf den JWrücken konnte man sie sehen, wie sie jene Hundesitte nachohmten. Recht merkwürdig sah es sich an, wenn daun die jungen Elsässerinnen in ihrer kost­baren Landestracht, geschmückt, die Haare gebrannt, auf Stöckelschuhen einherstolzierend, sich durch den Wirrwarr und Schmutz schlängeLen. So und ähnlich soll es in allen Städten und Städtchen des schönen eisüffischen Landes zu- geHangen sein, hier etwas toller, dort etwas weniger hitzig. Nur von zwei Dörfern im Kreise Molsheim ist mit bttannt, daß sie die Franzosen nicht festlich empfingen, daß nirgends eine blau-wttß-tote Fahne prangte. Es folgte natürlich „zur gerechten Sühnung dieses Verbre­chens" eine Strafe und Buße von ttlichen 10 000 Mark.

Zehn Kilometer von diesen Ortschaften entfernt, in eines Kantonsstadt, trieb man es um fo rasender und när« teichi». In der Nähe des Bahnhofs wurden Ne ersten *«Äöütoen Soidates tx*u 8jsgegiitiüei Lr. L. UM d«

Bus den christl. Gewerkschaften.

V Konferenz für das Transportgeroerbe. Der ZenirÄ- verband christlicher Transportarbeiter hatte am 31. Juü 1921 feine Beriauensleute aus dem Transport- imb Han- dttsgewerbe zu einer Konferenz nach Mainz geladen. Diese war aus den beiden Gauen Mainz und Koblenz gut be­sucht und nahm zu allen. Ne Arbeiterschaft dieses Ge- werbes m der heutigen Zett interessierenden Fragen Stel­lung. Abg. Tremmel, Zentralvorsitzender des Ver­bandes, sprach über bte Bedeutung des Transport- und Handelsgewerbes für unsere Volkswirtschaft. Herr Kuhn, Berin, Mitgied des Reichsrorrtschaftsrats und Fachgruppen­leiter für das Dransportgewerbe, sprach über Arbeits­gemeinschaft und Tariswefeu im Transport- und Ha-ndels» gcroerbe, sowie über organisatorische und agitatorische Mög­lichkeiten für den weiteren Ausbau der Fachgruppe Trans­port- unb Handelsgewerbe. Das Ergebnis der Konferenz sand ihren Niederschlag in den folgenden einst-nnmig ge­faßten Entschließungen: Die in dem Zentralverband christ- licher Transportarbeiter Deutschlands organisierten Trans­port-, Verkehrs- und Hmrdelshilfsarbetter aus bem Gau Mainz unb Koblenz erblicken in den Arbeitsgemein, s ch a f t e n ein geeignetes Mittel praktischer Gemeinschasts. arbeit. Durch sie ist Ne Möglichkeit «egebon, Arbeitgeber und Arbettn .«er einander näher zu bringen unb dadurch auch die Lösung der wirtschaftlichen und sozialpolitisches Fragen zu beschleunigen. Alle Bestrebungen, N- daher daraus abzielen. Ne Arbeitsgemeinschaften zu zerstören, rverdcu von der Konferenz auf das entschiedenste verurteilt und zurückgewiesen. Die Konferenz erwartet jedoch von den Arbeitsgemeinschaften sozialpolitisches Derftöndnis und positive Arbeit im Sinne der von ihnen ausgestellten Richt- linien. Die Konferenz verurteilt weiter die in letzter Zett zutage getretenen Bestrebungen im Transport- unb Handelsgewerbe, den 8-Stundentag und die Sonntags­ruhe zu durchbrechen. Die Organisation wird beauftragt, nichts unversucht zu lasten, um diese Deskrebungen, bte nur zum Schaden der Arbeiterschaft fern können, zu unter- Nnben. Die Vertreter-Konferenz christlich organisierter Transport- und Haridelsarbetter Südwestdeutschlands spricht ihr lebhaftes Bedauern über die unverständliche, die _Ar» beitnehmer-Jnteressen auf das schwerste schädigende Hal­tung des DerÄschen (foziolMchen) Transportarbeiterver, bandes .anläßlich der Verhandlungen über den Abschluß eines Reichsrahmenvertrages aus. Der vorq Deutschen Transportorbeiterverband verfochtene Derbands- egoismus hat nicht nur den Abschluß des RÄchsrahmen, Vertrages, sondern auch vielfach das Zuftandttomrnen von Bezirks-Lohnabkommen verhtt.dert. Der Transportarbeiter­schaft war es dadurch unmöglich, den Zcitverhältuisteg entsprechende Arbeits- und Lohnbedingungen zu erreichen. Die Haltung des Deutschen Transportardeiterverbandez sicht im Widerspruch mit den geroerkschafüichen Grund­sätzen und mißochttt gleichzeitig den Arbeitsgememschafts« gebrnfen. Die Vertreter-Konferenz spricht der Leitung des Zentralverbandes christlicher Fabrik- und Transportarbeiter Deutschlands Dank und Anerkennung für bte geleistete Ar­beit aus und ersucht dieselbe, trotz aller Schwierigkeiten auch fernerhin nachdrücklichst auf den Abschluß von Reichs- wch Dezirkstavifoerttägen hinzuwirken.

Bus dem Nachbargebiet.

--- Bebra. Die auch von uns gebrachte Nachricht über die Verschiebung von Getreide ins Ausland am hiesigen Bahnhof bat sich als eine harmlose Sacke herausgeftellt. Es handelte sich um eine be­förderungstechnische Maßnahme, weil die Zollpapiere noch nicht eingetroffen waren. Eine Verschiebung lag nickt vor.

A Eschweqe. Hier fand in der katholischen Schule durch den Herrn Kreisschulrat Dithmar die feierliche Einführung des HerrnHetzler in sein neues Amt als erster Haupt lehr er an der katholischer Schule statt, die nunmehr zum dreiklassigen System ausgebaut ist. Der Choral „Auf, meine Seel', saug' an zu loben" leitete die schöne Feier ein. Krets- schulrat Dithmar sprach über das verantwortungs­volle Amt eines Jugenderziehers und führte danv Herrn Hehler in sein Amt ein. Herr Bürgermeistei Dr. Stolzenberg widmete dem Herrn Haupt­lehrer namens der Stadt und besonders im Namen der städtischen Körperschaften herzlichen Glückwunsch. Herr Pfarrer Storch gratulierte im Auftrage der Kirchengemeinde. Warme Dankesworte der katho­lischen Elternschaft, vertreten durch Herrn Kaufmann Brand, folgen. Die Glückwünsche wurden ge- scklossen durch die warmempfundenen Worte der Kollegen. In einigen Gedichten und mehrstimmigen Liedern brachten dann die Kinder ihre Glückwünsche, ihre Ver'pi echunqen und ihren Dank zum Ausdruck. Auch die Vorstände des Männer», Frauen» und JunofrauenvereinS nahmen an der Fe:er teil. Tief-

„Herr Moire", und vom Gemeind erat feierlich empfangen. Drei alte Jungfern aus der Zett vor den siebenzigor Iah. ren hatten schon lange mit größter Sehnsucht nach bat „heißgeliebten postus" aus gespäht; jetzt konnten sie bte Her» zenssteube über Ne Wiederkehr nicht mehr zurückhalten: sie fittsn den französischen Offizieren um den Hals unb küßten sie herzlich! Das waren „patriotische Ltebesküffe".

Auf dem Geländer der K . . . brücke waren die Büsten des Kassas und der Kaiserin ausgestellt. Dom Kaiser hatte man den Schnurrbart mit Kriegsmarmelade beschmiert unb ihm an Stück Schwarzbrot, sog. „Schwowebrot", lange- hängt. Die Kaiserin hatte ein Roifehütchat auf. lieber dem Ganzem war zu lesen: „Zeigt uns niemand den Weg noch Holland?" — Bevor der brüderliche Festzug über die Drücke schritt, gebot der ihm voranschrsitende Bürgermeb- stör, stolz aufgerichttt mit ber Gest« eines Richters, diese „Karrikaturen" zu entfernen. Der Pöbol gab bat Düsten einen Stoß unb sie flogen in Ne Fluten des Flusses.

Nach dem Einzug vertestten französische Soldaten unter Ne Kucker Schokolade utib Weißbrot. Darüber herrschte allgemeiner Jubel. Beim Festesten ber Offiziere, Fabri­kanten unb anderer Stabtgrößen auf dem Rathause konnte jedoch das Volk, das vier Jahre all« Entbehrungen des Krieges ertragen hatte, zusehen, wie gut es den „Oberen" schmeckte. Die Einwohna waren immer noch buchstäblich toll vor Freude. Em typisches Beispiel hierfür sei noch berichttt. Der Fabrikant D., an Altelsäster, sprang am Abend bes französischen Einzuges in den Straßen jener Stabt herum, bafb drehte er sich irn Kreise, bald sprang er in die Höhe. Seinen Zylinda schwang er in der einen Hand, mit der anderen ftchr er nach Art ber Indianer in der Luft herum. Dabei schrie er aus voller Kehle „Moe, vive, vioe la grame — und noch omol (einmal) oive, vive, Dine la Fnmce!" unb so ging der Tanz durch alle Straßen der Stedt. Die Leute glaubten, er sei vor Freude über das hohe Glück der „Wiederveremigung" irrsinnig geworden. Nun braucht nur noch erwähnt zu werden, bah jener Herr danmls nahezu 60 Jahre alt war!

Schon nach drei Tagen der „Wiedervereinigung" be­gann bte Begeisterung sich abzukühlen unb die Bevölkerung sich ein, daß sie unter französischer Herrschaft ebenso um ihr täglich Brot arbeiten müsse wie vorher und nicht alle» Gold war, was glänzte. 3a, noch mehr! Schon nadj vierwöchentlicher Franzosenherrschaft klopften sich in jener Stabt Elsässer unb Franzos und so noch in mehrerer Stabten des Elsasses!

Da Ne Elsässer sich nun als echte Franzosen fühlten, — tarne« LtzÄ tem ÄNWM LwMdNchs. jo wurden sie dort