M l87.
Mittwoch, 17. August 192t
Fuldaer Leitung
------- ------——
Druck der Fuldaer Dctieudruckerei in Fuldt
Wolfram von Eschendach, der Dichter des deutschen Mittelalters.
Heimat Wolframs, das Kerne rmttelfränkifche Stadtchm das sich jetzt nach fernem großen Sohne Wolf. 5?"'^lchenLach nennt, hat in diesen Tagen die ^OOjahrlge Wiederkehr seines Todesjahrs ge- seieri wenn es ja auch bei den dürftigen Nachrichten Wer tos Leben des Dichters mcht ganz sicher ist, daß er wirk. /$L.;p21 Sestorben ist. Zahlreich hatten sich auswärtige Jöalte jum Tag der Feier eingefunden in dem kleinen Ort, EL ™ St-lle ländlicher Ahgeschloflenheit fein ba- ^»Ares und ausgeglichenes Dasein verträumt. Nun cZ™, r eurmal zu eigenem Erstaunen zu einem lauten, ÖHQ^tL^^D?^n Mchouplatz geworden. Ein SS Eetalterlicher Festzug, gestellt von den Bür- mb am a)^rF^’rJ?ms bie verwunderten Straßen, mrfUuLrt ward em schön und altertümlich Spiel für dimm' ^6mtt Dichterkrönung und der Huldigung berubelten »tm*?’, Eschenbacher den wirkungsvollen und Echffen des^8Ä fttniL Die alten, gisbelgedrängten MSN her benn^m^15 6aben den stmrmungsvollen Rah-
E'che^bach y gehört al- bescheidenes rnd der Rotenlmra^^Ä ehrenvollen BerwaMschast »JrfSÄÄ Wertheim und Miltenberg. G^tes E. sich inmitten der protestantischen IHäeriranen h *t:psnSurftentmn5 Ansbach katho. tal’ Stt Besitz »es Deutschen^.
LeWng sünes bsgeist^te^§^!5"' ^if-r Md unter der on Wolfram ocfeto • Skrdtpfarrers die Erinnerung hin Ie(S X ^chtnis auch weiter-
statt, bei dem mchrere em Festkonzert
wurden. ’ "erternte Parzivallexte dargeboten
Dich^s gedacht "vor^ollmi ’T®1
wird es noch tun, und ba c^roL 0061 m<m
D°ntefeiern' das Krnde von den
jetzt die beiden Dichter veratei»^' J W m®n d<n-fig fe der Tat verlmZet s^^L^EmengeftelltUni) «sginn und ersten Höhepunh des k „ M» om
D«nte schließt es mit& V^1“’
hundert weist schon in vielem auf die' rrf"" 2°^" Dichter aber sind unlösbar verknüpft mit Gedankenwelt, der ihre Werke entwachsen r.L ^!e selbst im Mittelalter nicht unbedin^ • - $
«Me mn auf das Epes Gottfrieds von Straßburg Triltan
Isolde, das den vollendetsten Ausdruck einerreinu-ött- ^Erlchen Lebensausfasiung mit stark sriL k^chtfertigem Emschlog bedeutet. Wagner hat ja in seiner di« alte Sage Mich vertieft urch gehoben.
Der Seift der Kath. zrauenbewegung.
Bon Hedwig Dransfeld.
Man hört zuweilen wohl das Urteil, daß mit der tog. „ftaatbürgerllchen Gleichberechtigung der Frauen , wie die Verfassung sie fesllegt, der Frauentewegung der Wind aus den Segeln genommen Jeu Sie habe ihr Ziel erreicht und damit ihm Aus^e erfüllt, ^denn da nunmehr Männer und Frauen nebeneinmii«! m (Bcfcttcrcbunfl urd) SenDdiuits tws ojfcruliujc Leben ÄS flUe es, wenn die lederen an den neu. gewonnenen Plätzen die weiblichen Interessen vertreten. Eim Sonderbewegung der Frauen sei also solgenchüg nicht mehr nouoendig.
Es kommt vor, daß auch die katholische Frauenbewegung in derartige Urteile mit einzrschlossen wird. Aber die Folgerung ist falsche weil die Voraussetzung falsch ist: die katholische Frauenbewegung will bewußt keine Äampfbewegung um Rechte und Interessen sein, llrtö selbst wenn sie es wäre, brauchte sie deshalb noch nicht aus dem toten» Geleise zu laufen. Tenn mit einigen grundlegenden^ Artikeln der Verfassung, auf denen die sog. staatbürgerliche Gleichberechtigung der Frauen" beruht, ist die Umschichtung der Rechte und der organische Einbau des Neuen in das Alle im Sinne der Verfassung nicht vollzogen. Es bedarf noch langjähriger Kleinarbeit auf allen Rechtsgebieten, um bis irt gesetzliche und verwaltungstechnische Einzelheiten hinein jene grundlegenden Artikel zur praktischen Auswirkung zu bringen. Und eine BewsMing, die einen weiblichen Mafsenwillen herausarbeitet und in die öffentliche Entwicklung einschaltet, würde nötig bleiben, um immer wieder sinngemäß Einzelziele herauszu- pellen und Einzelwvge zu diesen Zielen zu weisen und auszubauen.
lieber diese Erwägung hinweg aber muß festgrhal- ten werden: die Frauenbewegung hat ganz gewiß auch die Aufgabe, rein äußerlich Hemmungen zu überwinden, die einer neuen Rechwentwicklung mit bezug auf die Stellung der Frauen in der Volksgemeinschaft eM- gegenstchen. Aber das ist nur eine Leilaufgabe, und nicht einmal die hauptsächlichste und fruchtreichste. Sie gehört gewiß auch zum Wesen der Frauenbewegung, deren Urgrund aber viel tiefer sich senkt, deren Ideale viel höher steigen, als mit „Rechten Und Interessen" umschrieben werden könnte. Mit andern Worten: die Frauenbewegung ist, nameMich im Sinne unserer kacholischen Weltanschauung, in ihrem tiefsten Kern und in ihren letzten Auswirkungen eine Kullurbewe- gurrg. die den Zweck hat, die ganze Fülle echten Frauentums aus Michen Motiven heraus zu wecken und für neue Zettforderungen nutzbar zu machen.
In dieser Auffassung ist das Recht nur ein Mittel, das Ziel ist die Pflicht; die Wahrung eigener Änteref- sen, mögen diese aus dem Gebiete der Familienstellung, der Derufsarbett, der Betätigung im öffentlichen Le- ben liegen, geschieht nicht im Dienste des eigenen Selbst, sondern im Dienste brr Volksgemeinschaft. Das Wohl dieser Volksgemeinschaft im seelisch-sittlichen und sozial- wirtschaftlichen Sinne ist letztes und höchstes Kriterium aller Frauenforderungen. Für uns, die wir derartige Kriterien an den Lehren und Grundsätzen unserer Kirche messen, ja aus ihnen hervorletten,, ist deshalb die Frauenbewegung noch tiefer als in der Michen Pflicht des Gemeinschaftsdienstes, nämlich unmittelbar in der Religion verwurzelt. UW deshalb umfaßte sie zunächst alle Aufgaben, die aus Sselentiefen heraus den echten, läuternden, nach oben weisenden Seelendienst an der eigenen Persönlichkett und an andern leisten, um ein Reifen von innen heraus in neue Verhältnisse, neue Arbeitskomplexe, neue Verantwortungen zu erzielen. Das alte christliche Frauenideal soll dabei nicht verneint, sondern mit all seinen Wesensmerkmalen in die andersartige Gegenwatt umgezelchnet werden: hier und dort mtt schärferer Linienführung, betonterer Heraushebung von früher weniger beachteten und gepflegten Charakterzügen, well eben eine andersartige Gegenwart andere Einstellungen verlangt. So soll uns di« Frauenbewegung fähig machen, aus dem bewähr- ten Alten heraus die Gegenwart in ihrer ganzen äußeren und tnnern Bedeutung zu erfassen und Frauenkrast rvllgüllig in ihren Dienst einzustellen. In diesem Sinne letten wir aus den vermehrten Rechten, die uns die Verfassung gibt, und aus den damit verbun- itenen erweiterten Betätigungsmöglichketten für die Frauenwelt die zwingende Notwendigkeit her, das Neue doppell sorgsam zu prüfen und — gerade weil du Gelegenheit günstig ist — Kraft und Arbeitswillen (üzLJL oberer Geschäftigkeit, in Ueberhastung und Rechtelei, irr leeren Ansprüchen und tönenden Theorien
zu verlieren. Es heißt vielmchr, die religiös-sittlichen Beweggründe der Bewegung innrer tiefer zu betten und den Gedanken der Frauenrrchte bewußt als Terl- begriff in den beherrschenden und zusammenfassenten Kulturgedanken, den Gedanken der dienenden Mitarbeit einzubmien. Für uns Katholiken aber mündet der Kulturgedanke letzten Endes im Ewigkeitsgedanken. Und weil dieser heute so schwer gefährdet ist, und weil ffÄe Bewegung eines Massenwillens heute verdoppeltes Schwergewicht und verdoppelte Stoßkraft hat, muß gerade die religiös orientierte Frauenbewegung zu einem unersetzbaren Faktor des öffentlichen Lebens werden.
Neben ihr und zum Teil über sie hinaus wachst die Frauenbewegung des anderen Lagers in all ihren verschiedenen Prägungen; und mtt ihrer quantitativen Ltßeren Macht nimmt ihr innerer Kumireinfluß zu, wenn auch natüttich nicht in gleichem Maße und nicht mit unbedingten Dauerwetten, well ja innere Kraft nicht von der Länge und Brette äußerer Ausdehnungs- bezirke abhängt. Und doch ist die Maste bekanntlich gerade heute und für das Heute in ihrer Wirkung nicht zu unterfchätzen, ja sie ist vielfach ^stimmend für dir Umformung der Gegenwattsoerhälmisse. Des- halb ergibt sich für die katholifche Frauenbewegung die Pflicht, auch äußerlich Schritt zu hatten, indem sie mehr und mehr die breiten Schichten der zu ihr gehörenden Frauenwelt zu erfassen und in ihre Reihen nicht nur organisatorisch, sondern in geistig-sittlicher Bewußtheit einzugliedern sucht. Aber dieser äußere Ausbrettungswillr dars die Tiefe der Beweggründe und die Kraft des Erziehungswillens nicht gefährden, sondern mutz eben aus Tiefe und Kraft, also aus sprossender, innerer Fülle heraus erwachsen.
Und endlich — man könnte es im heutigen fliegenden Rhythmus gsellschaftstcher Ausgestaltungen und Umgestalmngen sogar die Kernpflicht der kacholischen Frauenbewegung nennen — muß sie in möglichster Schärfe die Unterfcheidungsmerkmale kennzeichnen, die sie von der FrauenbeweMmg des anderen Lagers trennen. Es stehen freilich die gleichen Probleme vor uns. Aber in der Auffassung dieser Probleme und in den Wegen, die zu ihrer Lösung führen, gehen wir vielfach auseinander: und zwar aus Weltanfchammgs- gründen, also angefangen bei Quellen und Fundamen- ten. Diese Verschiedenheit berührt das Wesen unserer katholischen Frauenbewegung, ändert also nicht nur ihr äußerns Gepräge und paßt ihre Taktik den Gesetzen des Werdens und Reisens an — entgegen dem Starren und Traditionslosen des eigentlichen Frauen- rechtlertums. Wohl mußte sich der Geist der katholischen Frauenbewegung aus innerer Notwendigkeit heraus besondere Formen und Methoden schaffen; aber darüber hinaus ringt er auch, während er an der Lösung von Einzelproblemen der Frauenwett arbeitet, nach einem immer klareren Sichbewußtrorrden seiner ganz besonderen, wesensanderen Aü und seines ganz besonderen, aus der Ewigkeitsidee heraus erzeugten Eigenwcttes. Aus diesem Sichbewußtwerden sproßt, wie der Stamm aus der Wurzel, der Wille, Eigenart und Eigenwert zur Geltung zu bringen. So wird die Erkemunis unterscheidender Wesenszüge die katholische Frauenbewegung naturnotwendig dahin führen, mehr und mehr von innen nach außen utttgestallend in unsere Kultur hineinzuwachsen. Denn aus tiefen Erkenntnissen wachsen heilige Ueberzeugmigen uni> damit starke, selbstbewußte Taten.
Ueberzeugungen und Taten, die auf den drei Hauptsächlichsten Betätigungsgebieten der Frau: in der Familie, im Beruf und im öffentlichen Leben, in Me Zeitentwicklung ihren lebendigen Formwillen einweben sollen! Derrn es ist sicher, daß die Frauenbewegung des andern Lagers gerade für die Lösung der Frauenprobleme, die auf den drei Gebieten fort- gesetzt neu austauchen, vielfach andere Ziele aufstrllt. In diesen aber sehen wir entsprechend unserer Auffassung vom Wohl der Volksgemeinschaft und von echtem Frauentum zum Teil eine Gefährdung, ja eine Zerrüttung unserer Kultur und damit unserer nationalen Zukunft. Man braucht nur cm die famiiien- auflösenden Tendenzen xu denken, die insbeisondore aus der sozialistischen Frauenbewegung hervorwachsen, an einseitig oder übertrieben wirtschaftliche Wertungen der weiblichen Berufsarbeit, an die Ausschaltung natur- gewollter Bindungen aus der Mttarbeit der Frau im öffentlichen Leben.
Der Katholische Frauenbund Deutschlands (Zentrale Köln, Roonstr. 36) will deshalb in den Verhandlungen seiner achten Generalversammlung, die vom 9. bis 11. September dieses Jahres in Würzburg stattfindet, aus den Notwendigkeiten der Zett heraus
Don den beiden christlichen Epikern ist nun Dante sicher ber {fro&ore Md umfassendere Geist. In der größeren ge st^en Weite seines Werkes wö der stärkeren Sicherheit des gedanMchen Aufbaus spricht sich MeiMvs. — gern abgefegen von der persönlichen Serantagung, — auch der zeitliche und räumliche Abstand zwischen beiden Dichtern E- Hiliidert Jahre kulturellen und wisienfchafll^chen Fortschritts, vor allem das Aufblühen der Scholastik und der Philosophie und bas Eindringen ihrer Ergebnisse such in die Miemvrtt sind Dante ztWtte gekommen, daneben Wer auch der Vorsprung, dm Italien als altes Kultur- tani) damals vor dem kulturjungen Deutschland befaß, bas 100 Jahre vor Wolfram noch wenig Städte kannte, und dessen LoienkuWm auch damals noch mm den Rittern ge- ober Ist der Vertreter eines jener Mchenden städtischen Gemeinwesen, die in Italien bi« Mittelpunkte des geistigen Gebens bedeuteten. In Deutsch, fanb ober werd der Glanz jener Zett etwa das Mast»» Rttterfest Barbarossas oder die Höfe zu Wien und Eisenach (Wartburg) bezeichnet. So ist Wolfram zwar auch der vollste Ausdruck der Kulturseele seiner Zeit, aber diese Kultur war im wesentlichen, — vor allem im Literarischen — eine ritterliche. Wolframs Werk ist dieschÄiste und großartigste Schöpfung dieses Standes der chrifllichen Ritter des Mittelalters, dessen Blütezeit bald danach »u Ende geht. Der Dichter aber ist die t i e s st e und g r ö ß t e Gestalt des deutschen Mittelalters, der be- beutendste deussche Dichter vor bei klassischen Zeit, der aber zu seiner Zeit auch außerhalb bes deutschen Sprachgebiets keinen Ebenbürtigen hatte.
Eigentlich noch mehr wie Dante für sein Land, ist nun Wolfram der Höhepunkt eines ganzen Zeitalters glanzvollster Mute beutschen Lebens. Dielleicht war diese Zeit des 12. mrd 13. Jahrhunderts, — die Gren- zen sind natürlich flüssig, — die schönste und größte unseres Volks, do sie eine Blüte auf allen Gebieten sich, — non wissenschaftlich gelehrter Forschung abgesehen. Grundlage war die Macht des deutschen Kaisertums, das unter, den Staufern Friedrich Barbarossa, Heinrich VI. und in den ersten Jahren Friedrichs II. noch einmal sich zu strahlendem Glanze emporhob, ehe es dann so tief ver- sank. Gesünder und tiefgreifender waren die Auswirkungen der unbändigen Lebenskraft bes deutschen Volks im Osten, das damals einen großen Tess des heutigen Sprachgebiets, Pommern, Brandenburg, Meißen, Schlesien und Preußen, sich gewann, in zäher ge- m einsam er Arbeit von Ritter und Mönch, Bürger und Bauer._ Tort im Osten bat das deutsche Volk als Ganzes die größte Tat seines Mittelalters, vielleicht seiner <3e* schchte überhaupt, vollbracht, die zwar wicht so von oben- teuerlichem Glanze umleuchtet ist wie die Römerzüge und Kreuzfahrten, aber unvergleichlich bedeutungsvoller gewog
ten katholischen Gedanken In der Frauenbewegung herausarbetten: gegenüber jenen Organisationen und Strömungen ter Frauenbewegung, die in andern Weltanschauungen wurzeln. Das beten- tet einerseits bt negativem Sinne eins Absage, ein Abstecken von Grenzen — anderseits aber auch pcsi- tivste Arbeit: Aussaat und Ernte zugleich aus dem eigenen Reichtum höchster religiös-Micher Moli« und Eigenwerte.
In logischer Dreiteilung sollen ine hauptsächlichsten Detiitiyungsgeblete ter Frau: Familie. Beruf, öffentliches Leben verhandelt und in Beziehung zu neuzeitlichen Frauenfordenrngen und Frauen- aufgaben, aber ebenso zu tiefster Pflicht des Opferns und Dienens gesetzt werden, ohne Scheu vor etwaiger Problemfiellmrg und in der starken Mterxugung von der siegenden Kraft der katholischen Weltanschauung auch auf allen Gebieten des Frauenlebens.
aus Geisa und Umgebung.
(!) Geisa. Man schreibt uns: Die Notiz in Nr. 183 über die Aufhebung des Finanz- und Rentamtes Geisa eutsprrcht nrcht ganz den Tatsachen. DasFinanzamtGeisawurdemitdemFinanzamtVacha vereinigt. Es hat seinen Sitz in Vacha. Das Thür. Rentamt Geisa für den Amtsgerichtsbezirk Geisa ist am 1. Juli 1921 eröffnet worden. Von ihm werden alle Landesangelegenheiten erledigt. Es besteht in Geisa fort. Tie Eröffnungsanzeige erschien in der,Fuldaer Zeitung' vom 1. Juli 1921. Nur die Reichssteuerangelegenheitcn für den Amtsgerichts- ßezirk Geisa werden von Vacha aus erledigt.
vermischter.
* Ei« Riesenschleppzug auf dem Rhein. Dieser Tage passierte ein Schleppzug die Stadt Coblenz, wie man ihn hier noch nicht gesehen hat. Es war der große neue Schlepper „Braunkohle", dessen Anhang aus zwölf großen Rheinkähnen bestand.
♦ Schäfer Ast ist tot. In Radbruch bei Wiesen ist der bekannte Kurpfuscher und „Wunderdoktor^ Schäfer Ast im Alter von 73 Jahren gestorben. Diesmal aber wirklich. Bekanntlich ging vor einer Reihe von Jahren schon einmal die Nachricht von seinem Tode durch die Blätter, sie stellte sich aber bald als „ein wenig übertrieben" heraus. Schäfer Ast hat es durch seine „Wunderkuren" mit eiu paar ganz harmlosen Mittelchen, für die er Tausenoe von Leichtgläubigen und Dummen fand, die auf ihn schworen, zum Millionär und Rittergutsbesitzer gebracht und konnte sogar seinen Sohn studieren lassen — Medizin natürlich.
* Deutsche Kinder in der Schweiz. In Bem tra wieder ein Sonberzug em, ter über 700 deutsche Kinder, dazu noch einige hundert im Ausland wohnende schweizerische Kinder zu mehrwöchigem Aufenthalt nach der Schweiz bringt. Die deutschen Kinder werten zum Teil in Freiplätzm in schweizerischen Familien, zum Teil in ten Heimen ter schweizerisch-deutschen Hllsskommission für notleidende deutsche Kinder untergebracht. Es ist dies der 50. Zug, den btefe segensreich wirkende Vereinigung in Gemeinschaft mtt ihrer von Prof. Dr. Abderhalden getetteten deutschen Zentralstelle in Halle a. S. orgarrifiert hat. Nach und nach find in der Schweiz auf diese Weife über 25 000 deutsche Kinder mttergebracht worden. Darunter befindet sich eine erhebliche Anzahl von tuberkulösen Kindem, die durch Kuren von irret Monaten bis zu einem Jahre in den Hermen der schweizerisch- telltschett Hllsskommission gerettet werden können. Die dafür notwendigen Geidmitketn wurden hauptsächlich in Amerika, außerdem auch ht England, Dänemark und Spanien aufgebracht. Ehrenpräsident der schweizerisch- deutschen Hilfskommission sind ter deutsche Gesandte in Bern, Dr. Adolf Muller, imd der schweizerische Gesandt,: ht Berlin.
* Nordpolfahrt mit Fliegerbegleitung. Der norwegische Nordpolfahrer Roald Amundsen hat feinem Bruder schriftlich mitgeteilt, daß er auf seiner Nord. Polexpeditton einen Flieger mitnehmen wird. Es hat sich bereits ein norwegischer Militärflieger ge- Milden, der ^mundsen auf seiner Nordpolexpeditron begleiten w d.
Markte.
fpd. Frankfurt a. M , ltz. August. Der Auftrieb zu^
heutigen Viehmarkt war ein ganz gewaltigerr 855
ben ist. Die zwei deutschen Hauptstädte, Wien und Berlin, liegen auf neugewonnenem Land. Damals umspannte tatsächlich deutsche Krast halb Europa, von Livland, wo bte Schwerst,rüber christianisierten und die beutfchen Städte Riga und Reval erwuchsen, bis bis hinab nach Mtttellialien Md Slzttim, wo der Staufer Friedrich II. den ersten modernen Beamienstaat schuf, wo deutsche Dien-stmannen- geschlechter bte Verwaltung h, Händen hatten, von ben Ufern bet Rhone und Maos, wo damals noch deutsche Dischöse sahen, bis nach Siebenbürgen. Ueberall regte sich eine glanzvolle Frische und Straft, die auch im Innern Deutschlands große Taten vollbrachte. Die Vollendung der Rvdearbeit in ben Waldgebirgen und der Beginn der glänzenden Städteentwlckdmg fallen in jene Zeit.
Vielleicht am stärksten in unserem Bewußtsein lebt die Dorstellung von der Blüte brr Baukunst im Mttel. alter, die jo schon um 1000, mit dem Mainzer Dom em- setzte, und noch bis ine 14. und 15. Jahrhundert fort- dauerte. Erst war es die wmanffche, bann die gotische Kunst, bte der großartige Ausdruck der Kulimsseefe bes Mittelalters, vor ollem bes deutschen, geworden ist, wenn auch der gotische Stil auf dem Beben — bes im übrigen stark germanischen — Nordfnmkreich entstanden ist. Die herrlichsten Denkmäler frommer Liebe und opfermutigen Glaubens entstehen, wie die unvergänglichen Dome, Mün- fter und Siadstirchen zu Gelnhausen (1230—60), Marburg (1235—83), Köln (1248 begonnen), Freiburg (1270 vollen, bet), Meißen (um 1200), Bautzen (1213 begonnen), Samberg (1237 vollendet), Fritzlar, Straßburg (feit 1200),, um nur einige zu nennen aus der reichen Fülle. Sie künden den staunenden Nachfahren von der Größe vergangener Jahrhunderte.
Und zu ollem kommt schließlich noch die mittelhochdeutsche Dichtung, deren Blüte kurz aber schön und reich mar. Neben bem kunstmäßigen Epos erfuhr bte gewaltige Nibelungenfage mtt ihren ganz einzigartigen Gestatten die letzte Form im Nibelungenlied. Eine zarte, reiche Lyrik erblühte, der SDliimefang, jene seine KuÄturblüte bes Rittertums, ht ber bte Sprache mit bewundernswerter Grazie behandelt ist. Vielleicht ist nie wieder in Deutschland eine so gepflegte, reine und kunstvoll abgetönte Dersfproche gewesen. Für die weitere Nach- wett hebt sich allerdings nur eine Gestalt bauernd hervor, Herr Walter von der Vogelweibe. ben mir den größten Lyriker vor Goethe nennen körnten. Vergessen wir auch nicht, daß die Minnesinger, unter denen wir die Staufer Heinrich VI. und Konradin finden. Dichter, Komponisten und Sänger ihrer Lieder zugleich waren. Leider ist uns von der Musik fast nichts echalten.
Diese gesinnte Kultur nun wird getragen und innerlich fjanj erfüllt von der einheitlichen, unbezweifrtten katho- tifchzq KettanfchauunL die ihr die erhabene
Ochsen, 134 Bullen, 2029 Färsen und Kühe, 343 Kälber 143 Schafe und 1202 Schweine. Der Rindermarkl wurde bei starkem Handel geräumt. Bei dem Kleinvieh und den Schweinen vollzog sich das Geschäft schleppend. Schweine dinterließen Ueberstand. Es wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht; Ochsen: vollfleischige auSgemüstete SCO—700 M., junge vollfleischige 500— 600 M., mäßig genährte 400—500 Mk.; Bullen: voll, fleischige ausgewachsene 450—550 Mk., vollfleischipe jüngere 400— 450 M., mäßiggenährte 350—400 Färsen u. Kühe: auSgemäsieie Färsen 550—675 M., auSgcmäftete Kühe 500 - 600 Mk., wenig gut entwickelte Färsen 200—300 M., ausgemäitete, ältere Rübe und wenig gut entwickelte jüngere 300— 450 M., mäßig genährte Kühe und Färsen 250—300 M., gering genährte Tiere 150—250 Mk.; Kälber: feinste Mastkälber 700 -800 Mk., geringere Mast- und gute Saugkälber 500—675 Mk., Schafe: geringere Masthämmel und Schafe 450—550 Mk., mäßig genährte Hammel und Schafe 300—400 Mk.: Schweine: vollfleischige unter 80 Kilo 1100—1300 Mk., über 80 Kilo 1300—1425 M.
41. Hauptversammlung des Verbandes kath. ksm-vereinigungenveutschlands
IL
Darauf fand durch die auf 400 Delegierte berechnet, Tagung eine
Entschließung
begeisterte Aufnahme, in der der Verband feine allzev treudeutfche Gesinnung durch das Gelöbnis selbstloser und uneigennütziger Mitarbeit bei der Wiederaufrich, tung der deutschen Gesellschaft und Wirtschaft aus bei gegenwärtigen Not bekräftigt. Getreu der alten Der- banbsbecife: „Ehrlich im Handel und christlich im Wandel", motten sich die Verbandsmitglieder mit allen Kräften für eine christliche Praxis des Wirt, f ch a f t s l e be n s e i n s e tz e n. Sie sehen indessen in den jeder rechtlichen und moralischen Grundlage enlbeh. renden Gewaltmaßnahmen der Entente das größte Hindernis für den sittlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbau und erheben insbesondere energischen Einspruch gegen die widerrechtlich auferlegten und fortgesetzten Sanktionen, welche die zur Durchführung der Wie. derguttnachung notwendige Leistungsfähigkeit der deut, scheu Wirsschaft unterbinden und den deutschen Handel insbesondere bes besetzten Gebietes dem Ruin entgegenführen. Sie fordern die Reichsregierung auf, unablässig um die Beisetzung dieses unerträglichen Zustandes bemüht zu bleiben und nicht zu ruhen und zu rasten, bis der letzte Rest der Gewaltmaßnahmen beseitigt ist. Das gilt auch für die Regelung der oberschlestschen Frage. Nach dem Ergebnis der Abstimmung unterliegt es fei. nem Zweifel, daß Oberschlesien deussche Erde und feine Bevölkerung überwiegend deutscher Gesinnung ist. Der Derband erwartet von der Reichsregierung, daß sie ten ungerechten Ansprüchen der Polen und den Intriguen der französischen Politik mit zäher Festigkeit entgegentritt und alle Kraft zur Erhaltung dez ungeteilten deutschen Oberschlesiens aufroen« bet.
An die Katholiken der gesamten Kulturvölker der Welt richim die katholischen Kaufleute Deutschlands den dringenden Appell, eingedenk der hohen Christen, pflicht der Bruderliebe in ihren Ländern den Gefühlen der Gerechtigkeit und Nächstenliebe zum Durchbruch zu verhelfen und dadurch einem wahren und dauern de nDölkerfrieden den Weg zu ebnen.
3m weiteren Verlaufe her Tagung sprach bas Mitglied Manzerli »-Wiesbaden bes Dsrwaltungsrates be< Reichsversicherung für Angestellte über 1
„Alke und neue Dege in der Angeflelllenversicherung."
Die eingehenden Ausführungen sanden ihren Nieder- schlag in einer Ensschließung, wonach die von gewissen Seiten erstrebte Aufsaugung der Angestelltenversicherung mit aller Entschiedenheit abgelehnt wird, da ein Ausgaben der Selbständigkeit ber Angestelltenversicherung ein nicht wieder gut zu machender Schaden für die Versicherten sein würde. Don Regierung und Reichstag, insbesonbere auch von der Zentrumspartei wird bestimmt erwartet, baß sie jeden Verfchmelzungs- versuch mit der Invalidenversicherung zurückwei- f e n werben. Das Gesetz vom 6. 3uli 1921 kann nur als Notbehelf angesehen werden. Der seit Jahren geforderte Ausbau der Angestelltenversicherung zum Zwecke der Angleichung an die veränderten Verhältnisse, ist noch in diesem Herbst durchzuführen. Die schon lange geheg. ten Wünsche der Angestellte» nach erhöhter Selbstverwaltung der Versicherung sind dabei endlich zu berück- sichiigen. Der § 73 ist als unzeitgemäß gänzlich zu strei. chen und die jetzige Rentenberechnung, die die seitherigen Versicherten nur schädigen würde, durch eine zeitzemäße zu ersetzen. Die Gehaltsgrenze ist zu streichen.
Die Hauptversammlung richtete an Se, Heiligkeit Pap st Benedikt XV. folgendes Huldigungstelegramm: 1
„Heiliger Vater! Don der felsenfesten Heber,Zeugung durchdrungen, daß menschliches Sinnen und Arbeite» nur dann zum Segen des Einzelnen und des Bofker gereichen kann, wenn Gottes Segen darauf ruht, hat der
GefchÄssenheit verleiht, die uns fett der Reformation fehlt tmb deren Verlust der protestantische Romantiker Nova- lis in seiner Schrift „Europa oder das Christentum" so schmerzlich beklagte. Die größte Künstlergestalt ber Zeit aber ist Wolfram. Don seinem Leben wissen wir nicht allzuvtel. Er ist ein wenig begüterter Ritter gewesen, bei Losen und Schreiben nicht oder doch nur dürftig erlernt ber aber die gesamten Bitdungselemente ber ritterliche« Gesellschaft sich angeeignet hatte. Auf fernen Fahrten durch deussche Londe hat er auch längere Zeit auf der 2Bartbur{ geweilt wo er mtt Walter von der DogeSwedde zusommen- getrosfen ist. Dte fpätere Lage vom Sängevkrfeg, bei dem Wolfram eine hervorragende Rolle spielt, knüpft daran an; sie lebt in Wagners Tannhäuser fort. Das Hauptwerk Wolframs ist bas große Ritterepos P a r 3 i 0 a {, bem eine keltische Loge ursprünglich zugrunde liegt Eine Fülle buntester Abenteuer wird mit nie ermüdender Freude am Erzählen vorn Dichter anemanderyereiht zugleich aber wich ihm fein Werk, wie allen großen Dichtern, 3um Gefäß tiefer Gedanken, die es zur bedeutungsvollsten Erscheinung ber mittelhochdeutschen Literatur machen.
Der Sinn des Gedichts und ferner Handlung ist klar und einfach, wenn wir ihn heraushebm aus der verwirren-- ben Fülle ritterlicher Taten, Kämpfe, Turniere, Fefte: Parzivoll, ber Hauptheld bes Gedichts, wird nach vielerlei Erfahrungen, Zweifel und Irren würdig, die Krone des Grolkönigtums yi tragen. In den Rittern des Grals vechichtet sich Wolframs Auffassung vom idealen, christliche« Ritter. Sie wohnen aus einer herrlichen Burg, im tiefsten Walde, und hüten als kostbares Heiligtum ben Gral, ber Sage noch bte Schlüssel, in der Joseph von Ari- machäa bas Blut Christi auffing. Sie leben in Reinheit und Liebe nur bem Dienste ihres Heiligtums, fernab bei Wett ihren Kämpfen und eitlen Freuden. Nur einzeln,/ werden hin und wieder ausgesandt zu uitterlicher Hilfe fite Bedrängte und Schutzlose, wie z. B. Lohongrin. Die Aufnahme in diesen edlen Kreis, an dessen Spitze ein König teht, ift nur höchster Würdigkeit Vorbehalten. Die ganze DorstÄlung von diesen Gralsrittern bei Wolfram erinnert offensichtlich on die gesstlichen Ritterorden der Deutschritter, Templer unb Johanniter, bte in den Kreuzzügen erd» tanben.
Bei fernem ersten Besuch aus ber Gralsburg unterläßt Porzival die Frage bes „Mitleids" an ben fronte» König Arnfortas, die diesem die Erlösung und Parzival bi« ihm vorausbestimmte Krone gebracht hätte. Er wird mit Schimpf entlassen, auch au? der Tafelrunde des Königs Artus verstoßen, ber bte vollkommensten Ritter in rein weltlichem Sinn um sich versammelt hat. Da oerzweiselte f sarzival an ber Güte und Gerechtigkeit Gottes, — nicht an dessen Dasein, denn das konnte dem Mittelalter nicht in Sir» tommeft, — «ch irrt in schwarzem Zweifel unb