Nr. 185
Samstag, 13. fluguft 1921
48.3afjr&;
Die wittfchaflllchen Sanktionen
D« Diskussionen des Obersten Rats Haden, bevor ihnen durch den Beschluß, den Völkerbund zu befragen, Sefttzt wurde, eine solche Zuspitzung 'erfahren, daß Lloyd George mit Abreise drohte. Ueber dieses StMum der Dechmrdluiigen und insbesondere über
Bezugspreis: Monatlich 3,50 Alk. ohne Bestellgeld. Post- - bezug 4,10 Mk. Abgeholt 3,75 Mk. -
Anzeigen: E olonelzeiie 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (Teftdreite) 2.50 Mk.
Zweifelhaft bleibt ferner noch, ob die Herren vom ^Rat des Völkerbundes einen förmlichen Schiedsspruch oder nur eine Untersuchung verlangen werden. Im ersteren Falle müßten sie von vornherein die Verpflichtung übernehmen, sich dem Schiedsspruch HU unterwerfen und dazu wird Frankreich am wenigsten geneigt sein. Im anderen Falle kommt aus dem Verfahren nur ein Ratschlag heraus, und dann Essen die Verhandlungen zwischen England, Italien Hvrd Frankreich aufs neue beginnen. Das Ergebnis ,-würe nur eine Pause in den kritischen Verhand- chmgen, und diese Verzögerung paßt leider bester in die französische Taktik als in die engsische.
Die angerufenen Artikel 11 und 12 der Völker- hmdssatzung sprechen von „Kriegsdrohung" „Streitfällen, die zum Bruch führen könn- rm. Die Anrufung würde also das Eingestcmünis bedeuten, daß die Gegensätze auf der Pariser Konfe» renz sich zugespitzt hätten zu einer Kriegsgefahr oder
Lloyd George abgereist. — Der Völkerbund Schiedsrichter über Oberfdjlefien.
münzen im versperrten Wandschränkchen neben des ver. I storbenen Flickschusters großer, schwerer Nickeluhr, deiy I einzigen Familienschmuckstück, das für die einstigen Flick- I schuster-Nachkömmlinge hier sorgfältig aufbewahrt lag, I Wenn Joseph später einmal in Not käme, dann sollte er I her an seinem ersparten Selbe Hilfe finden. Sie selbst I plagte sich nach wie vor und nicht um eine Linie wich I sie von der herkömmlichen Speiseordnung ab. Jeden Tag I mittags Drei, «löse oder Kartoffeln mit Buttermllch; I abends regelmäßig nebst einem großen Haufen Äartof.
frfn dünner Kaffee. Das war die Speisekarte für das ganze Jahr, Sonntag gab es ein halbes Pfund Fleisch und da hatten Peter und sie übergenug davon. -
Dir Dorfleute fragen eifrig nach Joseph. Da fatrte sie dann zwar immer, daß es ihm recht gut gehe, aber daß er so viel Geld verdiente, das erzählte sie nieman. dem. Leden Sonntag, wenn Peter in das Wirtshaus ging, schärfte sie ihm ein: „Erzähl' fein nix von Joseph
I Tu net groß. Du machst Dir nur Neider und wir woll'tt I stm Gluck net b'schreio. Wenn Du g'fragt wirst, sag' nur, es geht chm gut unberufen. Des „Unberufen-, des vergiß fein net; a Glück kann man leicht b'fchreja d«»» kommt Unglück b’rauf."
sie oft halbe Nächte in ihrem Bette faß und für ihren Buben draußen in der Fremde betete, wußte selbst Peter nicht. Joseph aber ahnte und fühlte zuweile» gar mächtig den Segen dieses Gebetes.
Oft kam es ihm wie ein Traum vor, was er oller- erlebt in diesen wenigen Jahren. Lore war er nach dem erstmaligen Zusammentreffen'noch einige Male am Arme eines vornehmen Herrn begegnet. Er hatte das Paar nur ganz flüchtig mit einem Blick gestreift, aber dies hatte doch genügt, um zu sehen, daß der Alters, unterschied zwischen den beiden ein zu großer war, als . . n dies Sore’s Verlobter sein könnte. Marianne die 'hm später einmal auf der Straße in den Weg lief' und freundschaftlich auf ihn zukam, erzählte, daß dies wirk, sich Lore- Bräutigam, ein älterer, aber sehr reicher Fabrikant sei. Bald hernach las er in einem Blatte die Bermählungsanzeige; sie war mit ihrem Gatten weit, west fortgezogen.
I Diese Worte, ganz umrahmt von Tintenspritzern und I Schmutzflecken, die deutlich von der mühevollen Arbeit I der Schreiberin sprachen, bildeten jedesmal den Gruß I der Mutter. Wenn nach geschehener Arbeit die Flick- schusterin dann die Feder aus der Hand legte und sie I den Schweiß von der Stirn trocknete, dann war es ihr I immer leichter ums Herz. Lieber wollte sie ihren Jo. I stph betteln sehen, als daß er sich mit fremdem Gut be- I reicherte.
2hr Großvater hEe ihnen als Kinder öfter von I einem Manne erzählt, der einmal in der Weihnachts- I nacht einen verborgenen Schatz hob. Man hatte im | Dorfe schon lange beobachtet gehabt, daß unter einem | Saume in der Nähe des Friedhofes immer nachts ein Licht brannte. Es gatt dies als Zeichen, daß da ein I Schatz verborgen lag. Niemand vom Dorfe fand aber den Mut, hinzugehen und den Schatz zu heben; man I sagte, der Böse selbst täte ihn hüten. Jener Mann nun | brauchte gerade vor Weihnachten recht dringend Gold, j Ohne nun einem Menschen etwas davon zu sagen, ging er am Weihnachtsabend, just, als die Glocken zur Mette I läuteten, hin und holte sich den Schatz. In der Weih- | nachtsnacht konnte ihm der Böse nichts anhaben; jo ] erzählte immer der Großvater, weil da alle Teufel in | der Hölle fein müssen. Da fuhr denn der Mann, als er I den Schatz hotte, in der Kutsche spazieren und arbeitete | nichts mehr und trug selbst an den Werktagen Festtags. I Neider. Wenn sich die Dorfleute plagten und schwitzten, | dann lag er gähnend oben auf dem Heuboden und tränt j Bier dazu. So ging es ein Jahr lang. Als die Glocken zur Mette wieder läuteten, holte der Döse feinen Schatz ! Zurück imb noch mehr dazu. Da war der Mann dann ärmer wie zuvor. Nun mußte er sich noch mehr pla. gen als zuvor, aber es wollte ihm nichts mehr gelingen, er starb hungernd und bettelarm.
S«it Joseph dar viele Geld schickte, mußte sie immer I m, die Erzählung ihres Großvaters denken. Wenn So- seph auch so? — nein! so etwas durfte sie von ihm I 9ar nicht denken; dazu war er viel zu fromm. Aber I woher er nur das viele Selb hatte? Keinen Pfennig I baoon hotte sie noch für sich verwendet. Sorgfältig ein- I . gehüllt in einen Pupiertack. tagen die blintzndeg GM, >
wirtschaftlichen Sanktionen (Zollgrenze | am Rhein usw.) zugegen zu sein. Der französi- Ische und der englische Oberkommissar, Tirad I R o b e l l i o n, sind bereits seit einigen Tagen in Paris. v
Uriegsbeschuldigte und Sanktionen I Der Oberste Rat begann, nachdem Lloyd George I sich verabschiedet hatte, die Beratung derFrageder deutschen Kr i e g s b e sch u l d i g ten. Rach I kurzer Diskussion wurde beschlossen, die juristischen Der- I irekr der «einzelnen Länder, die den Verhandlungen in I Leipzig beigewohnt haben, aufzufordern, schriftliche I Beruhte zu erstatten und Vorschläge einzureichery I welche Haltung man gegenüber den Urteilen einzuneh- I wett hab'. Die endgültige Entsch-eidung soll einer spä- I ieren Konferenz des Obersten Rates vorbehal- I ten bleiben.
I Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung, die voraussichtlich die letzte sein dürste, steht die Frage dzr
I Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen.
Verstärkung der oberschlefischen Besatzung.
Lm Laufe der gestrigen Dormitiagssitzung des Oberstm Rates wurde Uebereinftimmiung dahin erzielt, daß die neu geschaffene Sage die Verstärkung der | 'nter alliierten Truppen in Oberschlesien erforderlich mache. Es wurde beschlossen, daß diese Verstärkungen zu gleichen Teilen von Eng. land, Italien und Frankreich gestellt werden sollen. Neber die Höhe der Kontingent und über den Tag des Abmarsches wurde keinerlei Beschluß gefaßt, wozu das Selb der oberfchlestsche»
Steuerzahler benutzt wird,
! Zu Beginn deS letzten Polenaufstandes hatten dre polnischen Insurgenten 20 italienische Offiziere und Soldaten ermordet. AIS Sühne hierfür hatte die italienische Regierung von der polmschen Regierung u. a. die sofortige Höhlung «ner Entschädigung von 7 Millionen'Lire gefordert. Dtese Entschädigung ist aber, wie jetzt herauSgekommen, nicht von der polnischen Regierung, sondern von der interalliierten Kommission mit den Geldern der oberschlesischen Steuerzahler bezahlt worden, wie das folgende, von dem franw-' )i;q)en Direktor be3 Finanzdepartements bei der in- terauuetten Kommission unterschriebene, vom 20, Mat datterte Schriftstück beweist:
Ja 1 .S^eruHfMmipaaffe angewiesen, 9i mrrrUrd) Reichsbankstelle hier bte Summe bo» 24 Millionen Mark gutzuschreiben.
foK 7 Millionen italienische Lire Sm ?s?afen lur Rechnung der italie. Eskaffe an die Bank von Italien in Nom SählunJCht,8 re Falls öur Durchführung dieser
L°hlung die Eröffnung eines besonderen Kontos erfor. her1 f°™are dres getrennt von dem Konto'
der Interalliierten RegrerungSkommission zu führen. „-.Sollten nun die 24 Millionen Mark nicht hin- r^'J0 ,.tottb Ihnen der Restbetrag angewiesen ^^ I^uid die Höhe des Betrages zur Erfüllung der gedachten Zahlung genau feststeht. 8
.Hingegen wäre ein etwaiger Ueberschuk an die Regrerungshauptkaffe zurückzuüberweisen." ,,®ic lMWsHe „TreuhäMer"-Gesellschaft in Ober- schleften schämt sich also nicht, für die Erfüllung pol- finanziAer Verpflichtungen die Gelder der overMesrschen Steuerzahler zu verwenden, deren Vsr- Miltung ihr zu treuen Händen übertragen worden ist. Ein wetterer Beweis, wie direkt schamlos, einseitig und parteiisch die Franzosen ihr Amt in Oberschlesien wahrnehmen. Natürlich geschah und geschehen alle diese Manipulationen in der Hoffnung, daß es gelingen wird, Obarschlesien den Polen zuzuschiebcn. ' ,
I Unter den Türen sitzen plaubemb, den Strickstrumpf I in der Hand, die Frauen, und draußen auf dem großen
Weideanger grast bas Vieh wie einst.
I ^t*5' a(s hörte er die Heimatglocken klingen — fuß, tackenb, traut, als riefen sie ihn heim ins Eltern, haus, wo eine fromme Mutter um seine Rückkehr betet. r, Sofato legt bie Hand auf das Herz; ein heißer stechender Schmerz erpreßte feinem Munde dumpfe Laute. . .
Dann biß er bie Zähne übereinander und verließ mtt festen Schritten fein Stübchen.
6 Kapitel.
Joseph gab sich nun mit ganzer Straft seinen Arbei- ten hin. Den Gedanken an eine Rückkehr in bie Heimat halte er vollstänbig aufgegeben. Er galt im Hotel als die Seele bes Geschäftes unb manch wertvolle Bekanntschaften hatte er dort durch den Verkehr mit hohen Herrschaften, denen er durch sein aufmerksames bescheidenes Wesen gefiel, angeknüpft. Seine Finänzen hatten sich mehr unb mehr vermehrt. Jeden Monat schickte er an feine Mutter eine namhafte Summe unb bat sie, sich nichts abgehen zu lassen unb nicht mehr zu arbeiten. Auch für Peter versprach er zu sorgen. Die Flickschusterin war anfangs über biefe Geldsendungen mehr erschrocken als erfreut. „Wie kann dies mit rich. tigen Dingen zugehen? So viel Geld läßt sich doch nicht verdienen," meinte sie. Alle möglichen Gedanken tarne« ihr da in den Sinn. Wenn Peter an Joseph einen Dries zu schreiben batte, bann durfte er nur drei Seiten voll schreiben. Die letzte Seite mußte für die Flick- schusterin frei bleiben. Da steckte sie dann bie große, schwarze Hornbrille — ein Erbstück ihres Vaters — auf die Nase, hielt bie Feder krampfhaft fest in der Faust i unb schrieb mit großen, kratzigen, nur für Joseph le,er. kiche« Schriftzügen bie stets gleichen, inhaltschweren Worte barauf: „Lieber 2u. bleib’ ehrlich unb brav und geh' alle Sonntag in Der Kirch'. Und hüt' Dich vor an unrecht'n Pfennig; ein unrechter Heller frißt zehn ehrliche. Derhunger lieber, als daß Du einem Mensch'« was ntaunstt" » ' J
Verantwortlich für den cedattionelleuTeil L 23.: A.Weßler. - M die Swzergen: L Porzeller-Fnlda. n Rotanonsdrack n. Verlag der Fuldaer Artienbruckerei in Fnkda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fu Idaer Zeitung.
Der GänfebuK
Fränkischer Dorfroman von Dina Ernstberger.
Joseph brehte sich um, daß Marianne sein Gesicht ^cht sehen konnte. Als er sich nach wenigen Minuten ihr rnteber zuwandte, reichte er ihr feine Hand hin. .taffen Sie mich jetzt allein, Fräulein Marianne," sprach «r mit bebender Stimme, „ich will heim und arbeiten."
Mariannes Augen waren feucht.
basz. 2°seph," sprach sie weich. .Die »roen tst die beste Trösterin, ich kenne dies aus Er- vtzrung.
-„J^enb schaute sie noch eine Zeitlang der sich rasch
HW'rafttSen Gestalt Josephs nach, dann bog T n,„e ®tfe unb Sing denselben Weg, den Joseph »orher gegangen war.
G^ritts kehrte er nach Hause zurück. Dort bircft cmpor 'n sein Zimmerchen. d 1 hin auf den Boden und drückte
fas heiße Gesicht gegen die harten Bretter. Als er nach "''S °usst°nd, waren seine Wangen naß zcht schämt er sich — er hatte gemeint
So hatte sie ihn also damals auf ber Straße doch 5!an"t ,73 ,Def eu9net “nb öurückgestoßen. Zu feia, um ftre Falschhett emzugestehen. hat sie durch Lügen ihr £ 8"et- Soll er da trauern, daß er
5>o« ^r- -3f f Z er noch ihrer denkt?
iief tn seinem Herzen die Verzweiflung um sie tobt pnb tbm das Leben ohne ihre Lieb- unerträglich scheint? r- Wird fernem Herzen wieder Rude merhonS ?ie sie die Heimat gab! - Es ist Sonnta^eute^r Mt im Geiste di- Mutter in dem kleines Stübchen Ptzen, das gramdurchfurchte Angesicht betend über ein frommes Buch gebeugt und rings um sie ist Rübe tiefer Friede! ' ' 9 ~
Unter ber Dorflinbe sitzen jetzt bie jungen Burschen ferne Kameraden, biertrinkend, tachenb, scherzend frZh- vch unb zufrieden. Sorglos genießen sie bes Bonntaas «frraben; gleichmäßig fließen ihre Tage hin, und kommt »u einem j- ein schweres Kreuz, so helfen es mitteibia
anberen tragen. .
diese Grenzführung Deutschland das ganze Industriedreieck zufallen lassen. Mü Ausnahme eines Heinen Einschnittes östlich von Kattowitz, wodurch Pen Polen Kochlowitz, Deutsch- Schönwald und Myslowitz mit ihren Gruben und Zinkfmbriken zufallen würden. Diese Grenzsüh- rung in dem Irrdustrieteil Oberfchlesiens entspricht durchaus -der ursprünglichem Linie Percival-de Marini, welche Polen die Bezirke Plrß und Rybnik zuweist, die allerdings recht ausgedehnt find, deren Ausbeutung aber wen ig ergiebig ist, während an Deutschland Kattowitz, Königshütte, Beuchen, Hindenburg und Gieiwitz fallen roikben, also die hauptsächlichsten Industriezentren. Me englischen Zugeständnisse dieser Linie Per- cival-de Marini gegenüber kommen nur in dem landwirtschaftlichen Teil im Norden des Jndustriebezirks zum Vwcschein, wo die vorgesehene Grenzlinie nunmehr Lublivttz, Guttentag und Rosenberg an Poker, fallen lassen würde.
Sofort nach seiner Rückkehr zum Quai d'Orsay um 7 llhr abends beauftragte Briand die ftanzösi- scheu Sachverständigen, den englisch-italienischen Entwurf nach seinen wirtschaftlich«, und ethno- Maphischsn Folgeerscheinungen hin zu prüfen. Freitag vormittag fand ein französischer Minister rat statt. Daran anschließend suchten Briand und Loucheur die englischen Minister auf. Das Ergebnis dieser Unterredung ist der Beschluß, die stall- ttge Arigelegenheü dem Völkerbund zu überroeifen.
Oct Beschluß der «bersten Rates
lautet nach einer Meldung der „Europa-Preß":
„Ehe er bie Grenze zwstchen Deutschkmd und Polen llfmaß Art. 88 des Dersmller Vertrages bestimmt, be» schloßt der Oberste Rai gemäß Art. 11 Abs. 2 bes Böl- kerbuckl-sstaltuts, die Grenzoorschlöge dem Völker- bunosrat zu unterbreiten und ihn um ein Gut- achten zu bitten. In Anbetracht der kritischen Sage m Oberschlesien wirb ber DölkerbimbsrM gebeten, biefe AngeLgenhett als äußerst bringend zu betrachten."
Ditraus geht hervor, daß die Entscheidung nicht einem Schiedsspruch des Völkerbundes anheimgegeben ist. 50er Oberste Rat verlangt nur ein Gutachten vom Völkerbundsrat. Die letzte Entscheidung hat sich der Oberste Rat Vorbehalten.
Vas Eingreifen Millerands.
Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Julda.
Die Verhandlungen vom Donnerstag hatten die
völlige Umriöglichkeit berausgestellt, daß es zwischen , x. — ... . . muv« England unb Frankreich zu einer Verständigung kam- I ®run** der A^rstimnnmg Lloyd Georges gibt ein men könnte. Die Verhandlungen hatten sich derart I „Franks. Ztg. aus London Aufschluß:
zugespitzt, daß es fast zum Briche zu kommen schien. I betonen, daß Driands Haltung sich
Donnerstag vormtttag hatte der Sachoerständtgen- Der® h°be »Daily
ausschuß seinen Bericht ÄtWereicht. K bZi- SSÖaÄ M i?i7?»^
lich zu dem Ergebnis, daß in dem Industrkbezirk als Millerand entscheidend mngrgrif-
Ganzes 16 uttteilbare Gruppen bestehen, wovon 10 8S°"MSen wurde, Lloyd
entschieden polnisch find, 6 deutsch, allerdings erschei- 5 aSe
net unter den letzteren die großen Städte Druthen, L, Gwrge erroar-
Kattowitz, Glewitz, Hindenburg und Köni^hütt«. I ^cht machen korme. „Daily Telegraph" erklärt Wenn die sachlichen Vorarbeiten zu Ende gefiWwä- mtt französi sch. polnischen Geheim- ven, blieb es die Aufgabe der Regierungen, die Grenz- wirtschaftlicher,
liitie selbst festzusetzen. y “OW territorialer Natur und von
Um 6 Uhr besuchten Briand und Loucheur ^erand ftlbst etngegmgen seien. Offenbar machen neuerdings die beiden englischen Minister und zwar *l3. ^^sche^ innerpolrtische Umtriebe geltend. Die dauerte die Unterredung eine Stunde. Der enaljsche I "~ime5 2XK*>>g^ fo-gsar eine französische Kabinetts- Ministerpräsident teilte ihnen mtt, daß die auf leie- I Der Rückfall Driand », besonders aber
graphischem Wege Ängegangene Antwort de Lalecas I Eingreifen Millerands, hat Lloyd ihn nötige, dringlichst nach London zmück- ®CDr®e.' mrc 0113 feiner Haltung ersichtlich ist, stark zukehrrn, da das englische Kabinett über die Antwort I nerstimmt. der Sinnseiner beraten müsse.
Gleichzeitig überreichte Lloyd George an Briand
®nttLUr-J Grenzlinie, der auch die I Wie Hava, meldet, ist der belgische Ober- Zustimmung!^r italienischen Abordnung gefunden hat. ! kommissar im Rheinland, Sacquemtn, in rixA. 9?8'n' u^l^ der diplomatische Be- Begleitung zweier Hilfsbeamten in Paris emgetroffen, fdtt Anziehen können, dürfte I um bei der Besprechung der im März verhäirgten
Wtb Paris, 12. Aug. Die oberschlefische wenigstens zu der Gefahr eines Bruches, d. h. des Irase wird durch ein Sampromiß geregelt. I Zusammenbruches der Entente. Für uns tst es ja an- ubereingekommen, die oberschle- I genehm, zu hören, daß Lloyd George gegenüber der L Stage auf Grund von Artikel 11 I französischen Gewaltpolitik m der Sache selbst noch und 12 des Dölkerbundsstatuls dem Völker- nicht umgefallen ist. Roch nicht. Ob die Verschie- rar schiedsgerichllichen Eut- bung nicht schließlich doch gefährlich wird für die ! ch e i b u n g zu überweisen. I Sache der Gerechtigkeit und des Friedens, muß sich
Vom Obechen Rat zum Völkerbund. Eine über- erst noch zeigen.
«chhende Wendung! Lloyd George ist am Frettag I Wie steht es nun fn völkerrechtlicher Hin- .mittag nach London zurückgereist, angeblich wegen drin- I ficht? Deutschland ist nicht Mitglied des Völkerbundes g-enber irischer Angelegenheiten und nur vorläufig, in I Md an dessen Anrufung nicht beteiligt. Maßgebend Wirtlichkeit wegen der gegenwärtigen Aussichtslosigkeit I für uns ist nur der Vertrag von Versailles; und nach Der Verhandlungen mü Frankreich. Damit die Unter- I dem sind England, Frankreich und Italien berufen, Hrechung der Pariser Konferenz nicht als Zusammen- I die Zukunft von Oberschlesien zu regeln, und $n>ar druch der Entente erscheine, hat man im letzten Augen- I nicht nach ihrer Willkür, sondern nach dem Ergebnis dlick den Völkerbund in die Sache hineingezogen. Dem I der Volksabstimmung, die einen klaren Rechtsanspruch obigen Telegramm wird noch hinzugefügt, um halb I Deutschlands ergeben hat. Wenn die Sieger beim 12 Uhr seien die Vertreter der alliierten Regierungen I Völkerbund oder sonstwo einen Ratschlag einholen Au einer Beratung zusammengetteten. Dieser Zusatz I wollen, so ist das ihre Sache; doch für Deutschland Emm vermuten taffen, daß der entscheidende Beschluß I hätte ein Spruch des Dölkerbundsrates keine Rechts- uoch ausstand, als die T^vesche abging. I kraft. Etwas Verbindliches kann nur zustande kom-
Wenn da von einem Kompromiß gesprochen wird, I men, wenn diejenigen Mächte, die nach dem Vertrage kommt in diesem Zusammenhand eine Verstwchigung I von Versailles dazu berufen sind, ihrerseits eine Ent- über die Sache selbst nicht in Frage, sondern nur die scheidung treffen, die den Vorschriften desselben Der-
DerstäMMng über die formelle Behandlung, I krages entspricht.
dämlich bie Anrufung des Völkerbundes. I Unsere Rsgiemng ist angesichts der gespannten
Femer ist zu bemerken, daß die angerufene Behörde I Lage schon in Beratungen eingetreten mtt dem Reichs-
AW dü Vollversammlung des Völkerbundes ist, son- I tagspräsidenten und dem Vorsitzenden des parlamen- «ern vielmehr der R a t dieses Bundes. Denn die er- I torischen Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. wähniLn Artikel 11 und 12 des Statuts sehen vor, I Der letztere kann ja leicht einberufen werden. Ob der ^daß bei einer Kriegsdrohung der „Rat" zu berufen I Reichstag vorzeitig einberufen werden M, und daß „Strettfälle, die zum Bruch führen tonn« I muß, ist doch noch sehr zweifelhaft. Es ten, dem Schiedsgerichtsverfahren oder einer Unter- I könnte vielleicht angezeigt fein, wenn Deutschland von ^strchung durch ben Rat unterbreitet" werden sollen. Es I vornherein einen Protest gegen die Berechtigung des >wirü nun berichtet, daß der Völkerbund zu einer Voll- | Völkerbundsrates ergehen taffen wollte. Ob dazu Ver- sitzung am 5. September d. I. wieder zusammen- I anlaffung vorliegt, läßt sich erst ersehen, wenn die 'treten soll. Ob das schon abgemacht ist und ob die I amtliche Form des betreffenden Beschluffes vorliegt, kurze Frist zur Vorbereitung einer Vollversammlung I 3m ganzen ist die Lage so, daß wir bei der Wen- >von Vertretern aller beteiligten Staaten ausreicht, I düng in Paris noch nichts Greifbares gewonnen, aber iHeibt noch ungewiß. Wir könnten freilich nur wün- I auch nichts Ernstliches verloren haben. Jnnner wieder scheu, daß noch rechtzeitig eine Vollsitzung stattfände, I Geduldsprobe^ da in derselben das Unrecht, von dem Dstttschlaüd be- I ml .. _ ,.x ..
droht ist, wenigstens gchörig besprochen werden kann. I Wtt OIC (tlttfCtyCtOUllU jtCL
Roch beffer wäre es freilich, wenn der Wlkerbund zu- 1 rsmftft.eine Erneuerung seines „Rates" vornähme.
Wie die Dinge jetzt liegen, ist der Rat eigentlich nichts anderes, als die Entente unter anderer Firma, so daß die Verschiebung der Sache vom Obersten Rat an den Völkerbund für unsere Rechte und Intereffen keinen : greifbaren Vorteil bedeutet. Für die uneinigen Mächte ber (sntente wird freilich Zett gewonnen unter einem beschönigenden Borwand.