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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 182.

Verantwortlich rüi den reOouioneUenTeil i B ''l Metzler = _ für die Anzeigen: I. Porze'ler-Fulüä. :: Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Attiendruckerei in ßulba ^ern.orecher Nr. 9. Teleqr.-Adresse: Fuldaer Zeitung

Mittwoch, 10. fluguft 1921.

Bezugspreis: Monailicb 3.50 2RL ohne Bestellgeld. Post- = bezug 4,10 M. AbgehoU 3,75 Mt. -

Anzeigen: ti. o i on e 13 e i l e 70 Pjg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklame,eile Giert breite* 2 50 tttk.

48. Zahrg.

,2)09

.Nur dringend alle Zeit

scheint auch mir."

zwingen mich, die Unterredung aizubrechen." eine Frage noch, um deren Beantwortung tch bitte. Zum Dank dafür will ich Sie dann für von meiner Gegenwart befreien: naben Sie

neulich auf der Straße mich erkannt, als ich Sie be. grüßen wollte?"

Einen Moment zögerte Lore mit der Antwon.

' v (Fortsetzung folgt.)

Die neuen 5teuerplane.

^6 Aufzählung bet treuen Steuern br weift unzwrrdeutig, daß die Rnchsregierung durchaus De» dacht darauf genommen hat, die Lasten, die der ver- lorene Kneg und die Erfüllung der Verpflichtungen aus dem Friedensvettrag notwendig macht, gerecht und gleichmäßig zu verteilen. Es ist selbstverständlich, daß der B e s 1 tz m e r st e r Linie zur Tragung dieser Lasten herangezogen werden muß, das ist in der Hauptsache aber schon geschehen. Wenn von der äußersten Lin- ren m der Kritik der Steuervorlagen darauf hingr-

2egt huschte ein verbindliches Lächeln über Lores stolze Züge.

»Sie müssen mir das nicht übel nehmen, wenn ich Sie hier unter die mir ferner stehenden Menschen zäh- 1 l£n muß. Die Sommerfrische gewährt gar mancherlei ! Freiheiten, die unter dem Formenzwang des gesellschaft­lichen Stadtlebens nicht bestehen können. Was auf dem Dorfe hingeht, geht hier nicht. Das ist nun einmal fo Die Standesgrenzen find hier streng gezogen."

Sie hielt einen Moment inne, als wollte sie warten, was Joseph darauf erwidere. Als er nichts sagte, fuhr sie fort:

»Nicht wahr, das sehen Sie doch ein, daß wenn wir uns hier auf der Straße noch einmal begegnen soll, ten, nicht nicht"

» nicht kennen roerben. Gewiß, das sehe ich eins" vollendete Joseph mit Hartern Tone.

»Treffen wir uns draußen auf dem Dorfe einmal wieder da mag die Freundschaft zwischen uns dann noch die alte sein."

»Seien Sie außer Sorge, wir werden uns auch dort nicht kennen."

»Ei. sei Warum gleich so gekränkt? Gut denn, ich nehme die Kündigung Ihrer Freundschaft an."

Was Sie dem einstigen Sugenbfreunb für seine tiefe, treue Liebe bieten, verdient den heiligen Namen Freund, schüft, nicht."

Jugendfreund? Liebe? Was ficht Sie an? Was sollen solche Worte zwischen mir und Ihnen?"

»Nichts mehr. Das war einmal. Jetzt ist's vorbeil"

»Mir scheint. Sie haben meinen harmlosen Verkehr mit Ihnen sehr mißdeutet."

Lösung? Unmöglich ist das nicht, denn es steht jetzt I wirklich die Ehre und die Wohlfahrt des britischen I Weltreiches in Frage. Ob diese Möglichkeit ober zur I Wirklichkeit wird, wer kann dafür heute schon bürgen?

Bis die Konferenz zu Ende kommt, kann noch vre- I les passieren, und wenn ernt ungesunde Halbheit be- I schlossen werden sollte, so wird die Logik der Tatsachen I die Unzulänglichkeit der Diplomaten mott machen I müssen.

Ruhig Blut! Lassen wir uns nicht durch die | Küchengerüchte aufregen, sondern warten ob, bis die I verbündeten Köche fertig sind. Dann wird sich zeigen, I ob das Gericht genießbar ist.

Erste Sitzung.

I Paris, 8. Aug. Aus der heutigen Sitzung sind noch I einige Einzelheiten lrachzut ragen. In der Erwiderung auf I die Begrüßungsanfpraäte, mit der Briand die Sitzung er- I öffnete, erklärte Lloyd George, daß das 0 berfchke» I fische Problem zweifellos bic heikelste oller Fra­gen fei, mit der sich der Oberste Rat zu befassen habe. Bon außen hereingetragene Komplikationen, die mit der Frage selbst wchte zu hm f ten, hätten ferne Lösung er­schwert. Trotzdem aber fei er überzeugt, daß, wenn der Oberste Rot den festen Willen habe, zu einer Verständi­gung zu kommen, eine Losung gefunden werden könne. Slopb George schlug sodann vor, zunächst die Sochoerstän- ! big« zu hören und sodann erst die Frage der Derstär- 1 Klagen zu diskutieren.

Englands Vorschlag.

Der engkffche SachverftänÄge Sir Cecil Hurst mochte geltend, daß von den abgegebenen Stdnmen 7 Elftel sich für Deutschland und nur 4 Elftel sich für Polen ausgesprochen hätten. Die Abstimmung nach Ge­meinden ergebe 13 Dreißigstel für Polen und 17 Dreißig­stel für Deutschland. Diesem Resultat müsse die Teilung Rechmmg tragen. Für England feien insbesondere die folgenden drei Prinzipien ausschlaggebend:

1. Die Grenze muß -ms dem 2U>ftümm$ngsergefmis nach Gemeinden markiert sein.

2. Unter allen Umständen muffen Enklaven vermieden werden, selbst wenn gewisse Mmderhetten darunter leiden sollten.

3. Die Gemeinden, die wirtschaftlich zusammenhängen, dürfen nicht getrennt werden.

Auf Grund dieser Prinzipien sehe England das in­dustrielle Dreierf mit ben Ecken Beuchen, Glemntz und Kattonntz als untrennbares Ganzes an. Dieses Dreieck fei deutsch und es müsse deshalb an Deutschland gegeben weiden. England erkenne immerhin an, daß m den Randgebieten des Industriegebietes gewisse Konzessionen möglich feien.

Der französische Sachoerstänlüge fetzte fobamt den be- reite bekannten französischen Standpunkt auseinarcher. der die Zuteilung des Industriegebietes and von Wetz und Rydnik sn die Paten wünscht.

Zweiter Sifcungstaa.

Paris, S. Äug. In der heutigen Morgensitzimg erhielt zunächst das Wort General Le Rand, der den franzö- I suchen Standpunkt vertrat, baß die in Oberfchlesien vor­handenen Ernent et rappen zu schwach feien, um die Ord­nung aufrecht erhalten zu können, wenn infolge der Ent- toctinmg des Obersten Rates dort neue Unruhen ausbre­chen sollten, ©ir fxnolti Stuart erkannte an. daß noch viele Waffen in Obsrschlesten verborgen seien. Er äußerte jedoch seine feste Ueberzeugmrg. daß die Deutsche«, die unter General fiöfer sich lebigsich erhoben hätten, um den polnischen Ausstand nstÄerzmversen, die Waffen nicht wieder ergreifen, wenn sie nicht von den Polen durch einen neuen Aufstoschsversuch dazu gezwungen würden. General De SDtarinis ist zwar der Ansicht, baß die Zahl der Truppen nicht ausreichend sei, aber auch er ist ganz der Meinung seines errgTHdten Kollegen, daß die Schwierigkei- tm nicht durch neue Truppenfwidrmgen, sondern nur durch «neunoerzüglicheRegelung und «e sofortige L>uterllmg der den betiten Ländern zugrsprochenen @e- I bictsteile überwunden werben können. Nach ferner lieber- I zwMng wurde die Intemlliierte Kommission fedenfalls I roert mehr ArüarstSt getrabt haben, wenn sie überhaupt kern Biftii zur Verfügung gchcrbt haben würde. I

für ihn enden sollte? Vielleicht hatte sie seiner schon längst I vergessen! Vergessen auch die inhaltsschweren Worte, die sie am letzten Abend zu ihm .prach und die sein Leben in ganz andere Bahnen lenkten. Während er i *m blutigen Kamps mit dem Schicksal rang, sich einen I ~ für Lore im Leben zu erringen, I liebt sic vielleicht längst einen anderen und eines Ta­ges hörte er, daß sie sich verlobt. Dann war alles zu Ende.

Schleppend, müde wurde auf einmal fein Schritt | « sank in sich zusammen. Da schreckte er plötzlich auf die Haustüre wurde geöffnet und zwei Damen ver. ließen das Haus. Unwillkürlich trat Joseph etwas zu- rück in der einen der beiden Damen batte er Ma. riatme erkannt. Die andere Dame war bedeutend älter, denn die Haare waren von weißen Fäden schon durch- I Zogen. Trotz des dichten Schleiers sah man die tiefen

I Falten des mageren Gesichtes das konnte nur Lores Mama fein.

Wenn jetzt Lore allein in ber Wohnung wäre! War. um sollte er sie nicht aussuchen? Nochmals überdachte er, was er alles zu ihr sagen wollte bann streckte sich plötzlich seine Gestalt und mit großen Schritten stieg er die Steintreppe zur Haustüre empor. Im ersten Stock hielt er die eiligen Schritte an und las nochmals den Namensschild er war an Ort und Stelle. Ohne sich I zu besinnen, drückte er auf den Knopf bet elektrischen Glocke: ein schriller Ton klang durch das Haus, und gleich daraut stand ein Dienstmädchen in weißem'Häubchen I ihm gegenüber und frug nach seinen Wünschen.

Da war ihm auf einmal wieder aller Mut gesunken. I «ein Herz klopfte so heftig, daß er fast nicht sprechen I konnte. I

3ft Fräulein Lore zu sprechen?" fragte er mit teile ' vibrierender Stimme.

Wen darf ich melden?"

»Sagen Sie nur. ein alter, treuer elanmer von ber Sommerfrische "

Das Mädchen verschwand: er hörte eine Tür öffnen und halblautes Sprechen. Den Kopf näher in den dunk­len Korridor Fineintteckend, hörte er jetzt deutlich Lores St'mme. Er fühlte, mic feine Hände vor (Erregung zit. ter ten.

Der Gänfebub*

Fränkischer Dorfroman von Dina Ernstberger.

16; ___________

Sorgfältiger wie sonst machte Joseph bei seinem nach- Ren Ausgang Toilette. Die ganze Nacht vorher war rem Schlaf in feine Augen gekommen. Er hatte nur immer nochgebacht was er Lore sagen wollte. Als er am anberen Morgen nach dem Wetter sah, regnete es und fr:r pimmel war ein einziges schmutziges Grau. Das machte em Zusammentreffen mit Lore sehr zweifelhaft. Alifmerksam beobachtete er das Wetter; gegen Mittag liefe der Regen nach und hier und ba tarn sogar die ©onne unter Wolkenschleiern hervor, um sofort wieder bmter einer anderen Wolkenwand zu verschwinden. In semem besten Anzug, ganz neuer Krawatte und neuen Handschu en ging Joseph vor dem Hause, das die Frau Professorswrtwe Falkner bewohnte, auf und ab. Schon war eine verstrichen und noch niemand außer einem Dienstmädchen featte bas Haus verlassen. Der Postbote .am und trat in bas Haus: als er wieder her. auskam, redete Joseph an und frug ihn, ob die Fran Professor Falkner nichr eine Tochter hätte.

»Zwei sogar! Die öräul'n Lore und die Fräul'n I Marianne; das heißt - die Fräuln Marianne ist nur eine Verwandte, lautete die Antwort

Run wußte es Joseph fidjer, baß die Lore hier wohnte. Unermüdet ging er die Straße auf und ab- er jitterte vor Aufregung War es nicht Tollheit, baß er hier auf Lore wartete! Ware es nicht besser wenn er wieder in sein Heimatdorfchen zurückkehrte und' die ganze Geschichte zu vergessen suchte? Warum auch verließ er I Heimat und Elternhaus, wo alle Menschen gut unb fromm und ehrlich waren u:d treue Mutterliebe ihn I umgab! v I

War er hier in dem hastigen, unsteten Treiben auch nur eine einzige Stunde je schon io ruhig unb innerlich, zufrieden gewesen, wie er es täglich In ber Heimat war I Täglich? Bis er die Lore wiedersah. Seitdem waren Ruhe und Frieden fort. Ja, könnte er wieder fein, unt­er einst mar Warum auch führte ihn das Schicksal mit Lore rusammen. wenn ber süße Traum so traurig j

polnische Drohungen.

Die polnische Regierung verösfemlicht eine Note, die sie dem Obersten Rat in Paris überreichen ließ Darin wird erklärt, die polnische Negterung Hobe die Beilegung des ätzten oberschlesischen Ausstandes durch die Alliierten durch ihre moralische Unterstützung »ge- fördert". (!) Sie könne den Alliierten aber nur bann eine gleichemoralische Unterstützung" bei der Durch­führung der Ett.schüdung leihen, wenn diese Entschei­dung definitiv und dengerechten" An­sprüchen Polens entsprechend sei. Andernfalls werde das oberschlesische Volk nicht zur Ruhe verhalten' werden körnten.

Nach den neuesten Meldungen scheint der Beginn des Polenaufstand.'s verschoben zu fein, die Franzosen scheinen den Polen Winke gegeben zu haben, ihnen das Konzept J>ei den Pariser Berhandlungen nicht zn crderben. Sollte die Pariser Entscheidung nicht so aussollen, wie es die Polen wünschen, dann, das sagt ja die Warschauer Regierung in ihrer oben wicder- gvgebenen Note deutlich genug, ist mit dem Schlimm­sten zu rechnen. Aber auch jetzt ist von einer Be­ruhigung keine ReLe. Ueberall halten die Polen Der- sammlungen ab, in denen sie sich über die geeigneten Maßvegeln besprachen. Daß sie nicht daran denken, den Aufstand aufzugeben, geht daraus hervor, daß sie neuerdings wieder Ausrufe an den Anschlagsäulen veröffentlicht haben, in denen sie gegen die Deutschen Hetzen. Auch die Drohbriefe, die in großen Massen an die Deulschgesinnten komimen, beweisen, daß die Polen trotz aller Ruhe mcht daran denken, ihre Gewalltatev auszugeben.

Die Fälle häufen sich, in denen ganze Banden junger Burschen von Polen her die Grenze überschrei­ten. Sie treten in Stärke von 30 bis 50 Mairn auf und lassen sich geschlossen in den Landorten nieder. Sic sind gut ausgerüstet und wahrscheinlich auch be­waffnet. Die Burschen tragen ein unerhört heraus­forderndes Benehmen zur Schau und spielen sich als die Herren in den Landorten aus.

3m Jndustrrcgebvet treiben die Polen eine wütend» Generalstreikhctze, aber völlig erfolglos.

iit letzter Appen K r.bors.

Die deutschen Parteien und Gewerkschaften bei Stadt Ratibor haben einen Mahnruf an den Oberstem Rat gerichtet, in dem es u. a. heißt, sie geben sich der zuversichtlichen Erwartung hin, daß der Gesamtkreis Ratibor zusammen mit den übrigen Ab. sti mmungsgebieten bei Deutschland verbleibt. Für die Aufrechterhaltung des wirtschaft­lichen und industriellen Lebens im Streife Ratibor sind Re Kohlengruben im nordwestlichen Streife Rydnik von lebensnotwendiger Bedeutung. Die deutschen Parteien machen auf die drohenden wirtschaftlichen Ge­fahren aufmerksam, bte den Frieden und die Ruhe' rn Oberschlesien für immer vernichten würden. Der Oberste Rat möge eine gerechte Entscheidung fällen mtö die deutsche Bevölkerung, die gewillt ist, ihre ganze Straft für den Wiederaufbau der europäischen Wirt­schaft zu verwenden, vor Berelendung und Verzweiflung

Sie Iflünng Oes Mo Ms.

Die Zeichendeuterei.

Hinter jeher Sitzung des Obersten Rates und sogar hmter jeder Besprechung einzelner Minister sind die «fngen Berichterstatter her. Neben den offiziösen Herolden auch die eigenmächtigen Späher und Aus- bsater aller Einzelheiten. Alle Reden und auch die Mienen lassen sich verwerten, um daran Vermutungen ober sogar Prophezeiungen über das Ergebnis der Konferenz zu knüpfen. So wird em großes Rätfel- loten in Gang gebracht. Die Menschen sind so neu­gierig, daß sie gar zu gern heute schonwissen" möch­ten, was ihnen nach acht ober vierzehn Tagen beschert werden soll.

Die vorläufigen Berichte mögen ja interessant sein; ober es ist doch die größte Vorsicht geboten, wenn man daraus Schlußfolgerungen ziehen will. Man soll sich nicht in Sorge und Angst jagen lassen durch diese oder jene Einzelerscheinung, die ungünstig gedeutet werden könnte. Noch weniger ratsam ist es, hoffnungsselig zu werden und den Sommer für gesichert zu halten, wenn n«l eine Schwalbe ausfliegt.

1 Aus deutscher Seite könnte man tn dieser Hinsicht wohl durch Erfahrung klug gemacht sein. Wir hoben nachgerade doch Konferenzen genug erlebt, um zu wis­sen, daß ihr Ende meistens anders aussieht, wie ihr Anfang. Die ersten Anzeichen, die uns auf ein gutes oder wenigstens mildes Ergebnis hoffen ließen, haben sich nur zu ost als trügerisch erwiesen. Das dicke Ende kam hinten nach. Was uns günstig schien, fiel schließ­lich um. Das Sprichwort, vom Masten, ber nachg'bt, verwirklichte sich in ber Weise, daß die blinbeifrige Leidenschaft den Sieg b-oontrug über die Besonnen­heit,. die nicht den ÜDhrt hatte, ihr besseres Erkcmitnis burcknufetzen.

Also ist es geraten, auf das Ende zu warten, und den Tag nicht vor dem Abend zu loben, aber auch nicht vor dem Abend zu verurteilen.

Was im Anfang einer solchen Konferenz geredet Und getan wird, muß man einschätzen als Borsviel, als Einleitung, als Tast- und Aufklärunasversuche. Das Drama kommt erst beim zweiten ober dritten Akt in rechten Gang; manchmal sogar erst im vierten ober fünften.

Im vorliegenden Fall, nämlich bei der Lösung der vberschlesischen Frage, ergibt sich für uns eine eigen­tümliche Lage. Bei anderen Konferenzen konnten wir oft gewisse Hoffnungen auf ein Kompromiß setzen, da ein Ausgleich auf ber mittleren Linie uns Erleich­terung versprach, wenigstens in dem Sinne des kleine­ren Hebels. In Oberschlesien ober müssen wir als unser Recht und als unsere politische und wirtschaft­liche Staatsnotweridigkeit die Erhaltung des ganzen Inbustriebezirks fordern. Wenn mm aus Paris gemeldet wird, daß der Grundsatz der Unteil­bar k eit ins Schwanken geraten fei und England sich der französischen Auffassung nähere, so daß ein Ausgleich auf einer mittleren, von den Italienern cm« I pfohlenen Linie zu ermatten fei, fo ist das für uns I durchaus nicht beruhigend. Hier ist ein Prmki, wo I Deutschland keine Halbheit und keine Verschleppung I vertragen kann. Darum müssen wir an der Hoffnung I feftbatten, daß Lloyd George als Vertreter der eng- I tischen Weltmacht diesmal die umgekehrte Ent- I Wicklung durchmache, roie bei ben früheren Konfcren- I £. Damals trat er zu Anfang als maßgebende I torrfät auf und beugte sich schließlich unter das I französische Diktm. Sollte er diesmal zuerst als ge- I fälliger Nachbar auftreten, um in ber entscheidenden I Stunde den Ausschlag zu geben für eine vernünftige I

: Lloyd George äußerte sich sehr eingehend über

i | die Frage der Derstärkungen und über das Grundproblem. I Die ober-schlesische Frage sei die schwierigste, mit ber i I ber Oberste Rat sich je zu befassen gehabt habe. Ieder-

I mtrnn wünsche ihre Lösung. Aber jede Macht, die einer I Lösung zustmmi-n würde, die nicht von der ganzen : I Welt als gerecht anerkannt werde, würbe eine schwere 1 I Verantwortung auf sich laden. Eine Lösung, die unter 1 I solchen Umständen zustande käme, müsse sich gegen die.

I ienigen kehren, die sie getroffen und zugelassen hätten. . I Die Regelung hänge in erster Linie von England. Italien ; I und Frankreich ab. England und Italien hätten in dieser

| Frage den gleichen Standpunkt. Derjenige Frankreichs | sei dem jedoch entgegengesetzt. So groß auch der Wunsch I Englands sei. die Differenzen geregelt zu sehen, so sei I doch Me englische Regierung davon überzeugt, daß dos I Interesse des Friedens der ganzen Welt es erfordere, daß 1 eine Regelung getroffen werbe, die weder die Mehrheit der I oberschlosifchen Bevölkerung noch die Interessen der nech't- I beteiligten Länder benachteilige. Obersch'esien fei k: I ben Jahrhunderten im Besitz deutscher Staaten, das i I länger, als die Normandie zu Frankreich gehöre. Grr I Schlesien habe früher zu Oesterreich gehört, dem es durch I Friedrich den Großen entrissen worden fei. Aber auch in I diesem Falle fei es deutsch gewesen, fedenfalls viel länger I als Elfaß-Lothnngen frarzöfifch. Bel einer Gesamtbevöl- I kerung von 5,2 Milffvnen Einwohnern zähle Schlesien noch I nicht einmal 1,2 Missionen Bolen. Das Abstimmungs- I gebiet fei nur em Teil Schlesiens. In diesem TeA hätten I Si-benelstel der Einwohner für Deutschland gestimmt. Das I britische Reich würde niemals eine Lösung annehmen, die I darauf keine Rücksicht nehme. Lloyd George schl-irg als- I dann vor, die Frage noch einmal durch Ärchverständige I prüfen zu lassen.

Nachmittagssitznng.

I Wie die HavaS-Agentur berichtet, legte in der I heutigen NachnijttaoSfitzun 1 Präsident Briand den I französischen Standpunkt dar. Die Alliierten hätten I beschlossen, einem Volke zum Wiederaufbau zu I verhelfen. DaS sei daS polnische Volk. Einstimmig I hätten die Mitglieder der Friedenskonferenz Ober- I schiessen in den FriedenSbedingunaen Polen zugesprochen. I Dadurch habe man Hoffnung erweckt. Briand sagte, I man könne deutsche Werke anführen fo u. a. Brockhaus' I Konversationslexikon, daß Oberschlesien niemals für I vollkommen deutsch erkläre worden sei. Der französische I Ministerpräsident spricht alsdann das Ergebnis der I Volksabstimmung durch und feint, die Stimme eines I Arbeiters habe den gleichen Wert wie die Stimme I eines Bauern, ober e» gäbe eine moralische Erwägung, I die im Zweifelsfall für die Interpretation der Volks. I abftimmung herangezogen werden müsse. Man habe I die Ausgewanderten abstimmen lassen, und ihre I Stimmen könnten doch nicht den gleichen Wert wie die I der Emwohner, die im Lande geblieben feien, haben. I Diese feien mich viel interessierter an dem endgültigen Schicksal ihrer Heimat. Im ganzen genommen habe I da- Ergebnis der Volksabstimmung gezeigt, daß der I deutsche Bewohner im Osten, der polnische im Westen I wohne. Geographisch genommen, sei also die Losung | leicht und wirtschaftliche Fragen kämen nur im I polnifchen Teile in Betracht. ES gebe dort bedeutende I deutsche Industriezentren. Indem man einige I von diesen Industriezentren gruppiert habe, habe man I daS Jndustriedreieck erzielt. Im Jnduftriebecken hüllen I die Polen 30000 Stimmen Mehrheit erzielt. Die ethno- I graphischen Erwägungen müßten vorherrschen. Sie I hätten die französische Regierung geleitet und in ihrem

Entwürfe erhalte Deutschland die Mehrheit der Stirn- I men, die für Deutschland gestimmt hätten, aber auch I Polen. Der englische Plan jedoch habe diesen Vorzug I nicht. Briand schloß mit der Erklärung, wenn sich die I Alliierten nicht einigen könnten, würden die Folgen I unberechenbar sein.

I Ministerpräsident Bonomi appellierte im Namen I Italiens an die Solidarität der Alliierten, um zu einer | einstimmigen Entscheidung zu gelangen. Der Vertreter I Japans, Baron Hahashi drückte den Wunsch aus. daß I eine Einigung über eine gemeinsame Formel gefunden I werde.

Die HavaS-Agentur berichtet ferner, daß die Sach- I verständigen den ganzen Nachmittag getagt haben, I und daß sie am Abend unb wenn nötig einen Teil der I Nacht hindurch in ihrer Arbeit fortfahren würden, um | ein Abkommen über eine Losung zu erzielen.

»Ich wüßte nicht, wer das fein konnte; sagen Sie, I I ich bin nicht zu sprechen." hörte er Lore halblaut sagen. I I Noch ehe das Dienstmädchen Lores Zimmer wieder ver- I I lassen konnte, stand Joseph schon unter der Türe.

bin es, Fräulein Lore, der Joseph. Kennen Sie I 1 wich beim nicht mehr? Erinnern Sie sich des ehemali- I I gen Schuster Josephs nicht mehr?"

Lore war bei Josephs Eintritt von ihrem Sitz aufge- I I sprangen: mit erschrockenen Augen sah sie ihn on, dann I winkte sie dem erstaunten Mädchen, abzutreten. Ihr Ge- I sicht hotte denselben fremben, unnahbaren Zug, wie es I Joseph auf ber Straße gesehen. Er hatte erwartet, baß I sie ihm nun freubig begrüßend entgegenkäme, ihm doch I wenigstens die Hand zum Gruße böte. Nichts von alle, I dem geschah! Sie blieb genau an derselben Stelle stehen, I

I wo sie zuerst stand, als er eintrat. Keine Miene zeigte ihm Freude ober Erstaunen über ben Besuch; mit keiner I Bewegung sortierte sie ihn auf, näher zu kommen.

Wie angewurzelt ftanb sie ba ihm kalt unb fremd I gegenüber.

Joseph sah dies alles mit großer Bestürzung; blitz- I artig durchfuhr es fein Gehirn: sie hat dich damals auf I der Straße mit Absicht verleugnet Der freudig bewegte I Ausdruck war aus feinem Gesicht gewichen, lieber ben I dunklen Brauen erschien eine tiefe, finstere Falte, die I dem Gesicht Josephs etwas Drohendes verlieh. Das ver- I legen-, schüchterne Auftreten Josephs, das bei feinem I Eintreten den Stempel ber Unbeholfenheit trug, roar auf I einmal wie weggebfafen, nur ben Hut, den er in der I Hand trug, bewegte er erregt hin unb her.

Sore mochte bie Veränderung wahrgenommen ha I ben; sie kam auf einmal einen Schritt entgegen. I »Doch ja! Ich erinnere mich noch Ihrer, Herr | Herr. na, wie Ist doch Ihr Name jetzt?" sagte sie, I die Hand wie sich bestnnenv Über die 6time legend. I .Joseph!"

»Nicht doch, ich meinte Ihren Schreibnamen.

»Ah, das ist etwas anderes. Den können Sie aller. I öings nicht mehr wissen, weil er früher nie zwischen I uns genannt wurde. Unter Fremden heiße ich Herr I Berger," antwortete Joseph mit eigentümlichem Nach- |