Einzelbild herunterladen
 

FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Fulda.

fir. 179.

Serontroonlld) für Öen reoouionellen Teil: Dr. Kramer, 2 für die Anzeigen: I. ParzeUer-Fulba. s Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer adienbratferei in Fulda. r?ern,precher Nr. 9. Telegr.-Abrefle: Fulda er Zeitung.

Samstag, 6» Sugust 1921»

Bezugspreis: Monatllck, 3.50 Mk. ohne Bestellgeld. Post« 2 bezug 4,10 Mk. Lbgeholt 3,75 2IIL z

Anzeigen: ö. aioneljeile 70 Ptg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (iepbrette) 2.50 Mk.

48. Zatzrg.

wir fordern unser Recht!

<Hn Appell vor der Entscheidung über Oberschlesien.

Was die Sieger vor drei Jahren alsFriedens- wrtrag ausgestellt und erpreßt hoben, ist ein unge« Heuer schlechtes Machwerk. Doch unter den zahllosen Bestimmungen, die uns quälen und ausbeulen sollen, rsvrden sich auch einzelne Klauseln, die dem besiegten Deutschland einen gewissen Schutz ge­währen können, wenn sie gerecht aus gefegt und cm ge­wendet werden.

So Hot unsere Regierung in den letzten Wochen pu Abwehr einer französischen Anmaßung sich auf den Versailler Vortrag berufen können. Und zwar mit Erfolg. Denn wenn auch durch dengemeinsamen Schritt in Berlin" der Fehlschlag der Poristr Diplo- watie bemäntelt werden sollte, so bleibt doch die Tat­sache bestehen, daß der Standpunkt der Bnfliner Re­gierung zur Geltung gelangt ist und fortan die Trup­pentransporte durch Deutschland nicht mehr auf ein­seitigen und eigenmächtigen Antrag einer Macht er­folgen werden, sondern auf gern.infamen Antrag der Okkupationsmächte oder (was dasselbe ist) auf Beschluß des Obersten Rates.

> In diesem Falle hat der Versailler Vertrag uns zum Schutze gedient. Das erklärt sich daraus, daß England und Italien diesmal entschieden gegen die französische Eigenmächtigkeit waren, sodaß Frankreich einlenfcn mußte. In anderen Fällen hat leider un= fere Berufung auf den Versailler Vertrag versagt. Zum Beispiel in Sachen der Sanktionen. Db Über­haupt die Sanktionen am Rhein nach dem Vertrag zu­lässig waren, mag dahingestellt bleiben. Auf jeden Fall waren die Gegner verpflichtet, die Zwangs» und Strafmaßregeln wieder cmfzuheben, sobald der Anlaß dazu sortgefalien und der artgegebene Zweck erreicht war. Also nach Annahme des Ultimatums mußten die Franzosen aus Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort wieder odziehen und die Zollinie am Rhein wieder beseitigen. Wir hatten recht mit dieser Forderung, hoben aber leider bis heute unser Recht nicht bekam- men. well die Engländer in diesem Punkte auf die gewalttätigen Franzosen nicht drücken wollten.

Ebenso schlimm ist die andauernde Rechtsverweige» nmg in Oberschlesiem Schon bei der langen Verzögerung der Abstimmung und bei der Regelung des Abstirnmungsoerfohrens ist gegen den Wortlaut und den Geist bet betreffenden Vertragsbestimmungen vielfach verstoßen worden. Als nun aber die Volks- entscheidung getroffen war, da forberfe die Gerechtig­keit unbedingt dic Ausführung dieses Volksbe­schlusses, der nach dem Verfalls^ Vertrag maßgebend fein soll. Hätte sich bobei* eine Mehrheit von über 80 Prozent für Polen ergeben, so würde Frankreich sofort ganz Oberschlesien den Polen zugesprochen haben. Biber den Rechtsanspruch der deutschen Mehrheit hat man in einem fort durch allerhand Winkelzüge und Degünsticste Gewalttaten zu orreitel« gesucht. In dem zähen Streben, die oberschlesische Industrie den polni­schen Freunden auszulieftrn, hat Frankreich nicht allein über die Bestimmungen des Vertrages sich beharrlich hinweggesetzt, sondern auch üter die Wünsche und In- tereffen der verbündeten Möchte.

Ein weiterer Rechtsbruch wäre es nun, wenn auf her bevorstehenden Konferenz der Vorschlag durch­dränge, durch eine provisorische Dreiteilung oder durch dfe Bildung einesneutralen" Staates aus dem Industriebezirk die Qualen von Oberschlesien zu verewigen und-Deutschland um den rechtmäßigen Er­folg der Abstimmung zu bringen.

Wir fordern unser Recht, wie der Reichskanzler zu Bremen in zeitgemäßer Weise ausgesprochen Hot. Die deutsche Regierung ist, wie allseitig anerkannt wird, aus das eifrigste und erfolgreich bemüht, ihre Pflichten aus dem Versailler Vertrage und den nachfolgenden Abmachungen zu erfüllen. Die kann also wahrlich verlangen, daß ihr auch das bischen Recht gewährt bleibt, das ihr verbrieft worden ist.

Der GänfebuK

Fränkischer Dorfroman von Dina Ern st berget. 14] ---

5. Kapitel.

Sell vierzehn Tagen weilte Joseph schon in der Stabt. 3n einem Hotel zweiten Ranges hotte er nach vielen Mühen als Stiefelputzer Anstellung gefunden. Er war damit vorläufig zufrieden, konnte er sich doch we- v'Sstens wieder satt effen. Er hatte schweres mitgemacht in biese vierzehn Tagen. Oft bereute er im Stillen oen Schritt, den er getan; Heimweh und Hunger dämpf- v to Sehnsucht, Lore wieder zu sehen. Hätte ihn jetzt die Mutter heimgerufen ohne Zögern wäre er dem a» 9^°tgt. Er hatte sich alles doch viel leichter ge­dacht. Waz mußt er auch von der Stadt? Nur vom Horenlagen waren ihm die Verhältnisse dort bekannt. Dolllg fremd und unerfahren kam er her. Dom Bader e'nJnaf erzählen, daß derselbe einen reichen Bruder dort habe, der ein riesiges Schneidergeschäft hätte. Der wäre aber kein so einfacher Schneider, sondern Tailleur, das sei ber höchste Titel, ben sich ein hervor- ragenber Kleiberkunsti erringen könne - so hatte ihm der Bader erzählt. Dor seiner Abreise verschaffte er f'ch DOm ®ab5T blc Dresse seines Bruders. Als er am Bahnhof ausstieg, erkundigte er iich sofort bei Vorüber- gehenden, wodennche Heugasie sei. Die meisten schüt­telten unverständlich den Kops und wollten von dieser Gafle noch nie etwas gehört haben. Einer endlich wußte dieselbe und sagte ihm, bah fte tn gan3 entgegengesetzter Richtung lieg- und für chn ohne Führung unauffindbar fei. Ein Packtrager, der m der Nähe stand und zuge- hört hatte erbot sich Joseph für 50 Pfennig dorthin zu führen. Zögernd willigte Joseph in bie(, Führung. Mit Schrecken gedachte er ferner finanziellen Verhältnisse; 60 Pfennig bedeuteten tur ihn ein Kapital Daß fein Gefamtvermögen nur aus zwei Mark 50 Pfennigen be. bestand, und daß er davon keinen Pfennig unnütz ver- brauchen dürfe, sagte er sich des Tag-, wohl tausendmal. Was sollte nun werden, wenn ferne Finanzen um ganze M Pfennig geschmälert wurden. Er versprach sich aber

Wir haben den Versailler Vertrag und das Ulti­matum unterschrieben. Aber was die Franzosen jetzt in Oberfchlesien betreiben, das können wir nicht an- erkennen. Der Raubplan, mag er in der sofortigen Zuteilung an Polen oisr in der Schaffung einesneu. trafen* (b. h. französisch-polnischen) Zwischenstaates sich entfalten, würde nickst bloß zum Verderben von Ober» schfesien, sondern zum Verderben von ganz Mitteleuropa cmsschlagen. Somit vertritt Deutschland, außer seinem eigenen Jnterefle auch die Sache des Friedens und der Wohlfahrt alfer Völker, wenn es fest bleibt auf der ehrlichen Durchführung des Vertragsrechts.

Das Hai auch Lloyd George einigeschen, wie man­nigfache Ausspruch.' zeigen. Es fragt sich nur, ob er Mut und Ausdauer genug hat, um für das Recht ein« zu treten und Europa vor neuen Katastrophen zu be­wahren. . . -

Eine Kundgebung des Reichsverbandes der deutschen Industrie.

Der Reichsvetband der deutschen Industrie hat eine Kundgebung für ein ungeteiltes deutsches Ober­schlesien erlassen, in dem es heißt:

Die Forderung bei Erhaltung Oberschlesiens als wirtschaftliche und politische Ein hert beruht nicht nur auf rechtlichen, sondern auch auf natürlichen unb wirtschaftlichen Grünben. Oberschlesien ist mit allen Lebensfäben mit dem deutschen Mutterland ver­bunden. Bezüglich seiner Ernährung ist eS von jeher auf den Bezug von Lebensmitteln au8 ben benach­barten deutschen Provinzen angewiesen gewesen und seine industrielle Abhängigkeit von Deutschland ist noch stärker als die landwirtschaftliche.

Die Lebensfähigkeit Oberschlesiens ist daher durch sein ungeteiltes Verbleiben bei Deutschland bedingt, unb seine LoSlösung würbe eine jede Arbeit für die wirtschaftliche Wiederaufrichtung Mitteleuropas aufs äußerste erschweren, wenn nicht völlig unmöglich machen. Er ist ein integrierenden Bestandteil deS deutschen Wirtschaftskörpers.

Daher würbe, im Falle einer Loslösung Ober« schlesienS von Deutschland auch mit der Erfüllung der durch Annahme deS Ultimatum» Deutschland den alliier en Mächten gegenüber auferlegten Verpflich­tungen nicht mehr gerechnet werden können, da sich Deutschland nach dem Verlust von Elsaß- Lothringen mehr als bisher auf die oberschlesische Eisen, und Stahlproduktion und ebenso auf die ober- schlesische Kohlenproduktion stützen mutz.»

Mit allem Nachdruck verlangt daher der Reichs- verband, daß Oberfchlesien ganz und ungeteilt beim Deutschen Reich verbleibt.

Auf Grund des Selbstbestimmuv.gSrechis!

Der Gesamtborstanb der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier faßte folgende Entschließ­ung: Am Vorabend der Entscheidung über das Schicksal Oberschlesiens durch den Obersten Rat er­heben die Vereinigten Verbände heimattreuer Ober­schlesier noch einmal auf Grund deS feierlich ver­brieften Selbstbestimmungsrechtesdie Forderung: Das deutsche Oberschlesien ist eine unzer­trennliche wirtschaftliche und kulturelle Volkseinheit. ES ist ein lebendiges Glied des deutschen Volks- und Wirtschaftskörpers. Tas ober- schlesische Volk hat sich nach den obersten demokra­tischen Grundsätzen für Deutschland entschieden. Es darf nicht wie eine Handelsware verschachert wer­den. Jede Teilung unb jede LoSreißung anch nur eines Slückes von Oberschlesien bedeutet eine ständige Bedrohung des europäischen Friedens. Darum muß Oberfchlesien sofort dem deutschen Mutterlande zurückgegeben werden.

Der Oberste Hat

tritt am Montag um 11 Uhr in Paris zusammen. Präsident Harding hat di« Einladung, einen Ver­treter zu entsenden, angenommen und dabei die ernste Hoffnung ausgesprochen, daß die direkt beteiligten

von der Bekanntschaft mit dem Herrn Tailleur zu viel, als daß er nicht dennoch gern diese 50 Pfennige geopfert hätte. Vielleicht würde dann für fein weiteres Fort, kommen der reiche Bruder des Dorfbaders sorgen. Lange mußte er mit dem Packttäger durch Straßen laufen, bis dieser endlich vor einer engen, dunklen Gasse stille stand und ben Lohn für seine Führung verlangte.

.Wohnt hier ber Tailleur?" fragte Joseph, erstaunt die enge, schmutzige Gaste musternd

.Das ist die Heugasse, wohin Sie geführt sein woll- ten. Wo dieser Herr Tailleur wohnt, müsten S' halt er- fragen," erwiderte ihm der Packträger, die fünf Nickel, stücke, die ihm Joseph reichte, nochmals nachzählend. Jo­seph ging die Gaste durch. Da war nigends ein Schnei- bertaben zu sehen unb so armselig unb schmutzig sah es hier aus. Sollte er falsch verstanden haben? Er wartete lange, ba kam endlich aus einem Hause eine Frau mit einem zerristonen Armkorb heraus. Schnell lief Joseph auf sie zu:Wohnt hier in ber Nähe nicht der Tailleur? Er hat ein berühmtes Schneidergeschäft hier und sein Bruder ist Bader in N?"

Tailleur? Da weiß ich keinen, der so heißt. Ich wohn' doch schon so lang' da und kenn' die Leut'," meinte die Frau sich besinnend. i

Joseph erschrak. Wenn er nun sein Geld umsonst aus gegeben hätte!

Er schreibt sich eigentlich nicht Tailleur. Das ist bloß sein Titel, den er als berühmter Schneider führt; in Wirklichkeit heißt er Ripel. Wohnt ba einer hier?" fragte Joseph ängstlich weiter.

Da meinen S' vielleicht gar ben Herrn Ripel, der mit uns im Hinterhaus wohnt, ver ist ein Schneider, aber er hat kein Geschäft, sondern ist bloß Schneider, gesell'. Und einen besonderen Titel führt er nicht. Wenn Sie ben meinen, bann geh'n Sie nur gleich mit mir."

.Der wirb's nicht sein, denn ber Bruder von ihm hat mir ausdrücklich g'sagt, daß er ein groß' berühmt', Schneiderg'schäft härt'."

Und in unserer Gass sollt' er wohnen?"

Iw"

In ber Gast' gibts keine berühmt'" Geschärte, ba haben S' falsch verstände»."

Mächte eine ge rech t e und befriedigend« Regelung der oberschlesischen Streit­frage herbeiführen unb damit eines ber Haupt hin- oernisse beseitigen, die jetzt erneut dauernden Frieden im Wege stehen.

keine (Einigung der Sachverständigen.

Rach demTemps" konnten sich die alliierten Sach- oerftänbigen auch jetzt noch nicht über die Teilung Oberschlesiens einigen. Es laufe bas Gerücht um, der Oberste Rat werde ein anderes Mittel suchen, um das Problem zu lösen. Es tn:rte nur einen Teil des Gtebktes zwischen Polen und Deutschland afefteilen und ben Rest für 15 oder 20 Jahve unter einer inter­alliierten ober internationalen Ver- Wallung belasten. Dieser Rest wird von tem In- dustriegebrä gebildet.

Konfefiiondk Hetze

der veutschnationalen.

Auch bei uns in F u l d a schickt man zurzeit vielen angesehenen Katholiken ein Blättchen zu, das sich als Katholisches Korrespondenzblatt, Or­gan des Reichsausfchu sses der Katho­liken in der Deutschnationalen Volks- Partei" bezeichnet. Darin wird namentsich das Thema Erzberger, das auf Bierphilister einen unver­gleichlichen Reiz ausübt und von dem sie sich stunden­lang in dergeistreichsten" Weise unterhalten können, im deutschnationalen Sinne abgefambeft. Ferner er­fahren wir daraus, welche Verdiettsd.' sich die tettschnatio- nale Partei um die Erhaltung der fonfefftoneCen Schule zu erwerben gedenkt; ihrer guten Absicht auf diesem Gebiet wird jeder Katholik die besten Wünsch« entgegenbringen, sich jedoch der Sicherheit halber an die bewährte Kämpferin für das Recht der katho­lischen Kirche m ber Schule, an die Zentrmnspartsi, halten. Mr glauben nicht, daß di« Deutschnationalen bei der kühlen Besonnenheit der Fuldaer Katholiken große politisch« Geschäft« machen werden. Verstiegene Geister, fern ber ernüchternden praktischen Erfahrung, die wohl m manchen katholischen Kreisen Westdeutsch- lande als Opfer der beutschnationalen Agitation tn Betracht kommen, dürften im Bereich kühler Rhönluft kaum sehr zahlreich fein. Mr-lesen die Reden deutsch- nationaler Pastoren auf Gustav-Adolftagungm, hören hier und da die boshaften Verdächtigungen gegen Je­suiten, gegen Ultramontane, gegenSchwarze", wie sie der deutschnationalen Anhängerschaft geläufig sind und wissen: wie würden dieset e u t s ch e n" Männer mit uns Katholiken umspringen, wenn sie die Macht hätten, die sie durch ihre Kriegspolitik sich verscherzt haben. Was würben wir erleben, wenn nicht die uner­schütterliche Zentrumspartei das kaiho- fische Volk überlegen deckte und schützte.

Bei dem Versuch, Katholiken für die Deutfchnatio- nalen einWsanaen, werden die Drahtzieher oft noch von solchen Freunden gestört, die den katholikenfreund- lichen Ton noch nicht los haben und manchmal oer- pesten, daß man dieSchwarzen" nicht mehr m der allen Weise reizen bars. Eine solche Störung der deutschnationalen Katholikenfang-Netze hat sich der Lanbesökonvmierat B e ck h am 30. Juli auf der San- desausschußsitzuung der Bayer. Mittelpartei (Deutsch- nationale Dolkspartei in Sanem) gefettet. Bei dieser Gelegenheit brachte SandosNonomierat BÄH öWn Antrag zur Iudenfrage ein. Unsere wieder­holt geäußerte Me-rw-na, daß mit dem grundsätzlichen Kampf gegen die Juden nur zu oft auch der Kampf gegen die katholische Kirche ver­knüpft wird, findet in dem Antrag des Sandesökono- miemtes Beckh eine nett--rTthe Bestätimmg. Punkt 5 des Antrages lautet:Es wäre festzustellen, ob das Zentrum feine schützende Hand über das Juden­tum hält und ob die weitere Befürchtung begründet

Nun stand Joseph da. Was sollte er jetzt ansangem Wo wohnt denn der Herr Ripel, von dem Sie ge. sproch'n hab'n?" fragte er nochmals kleinlaut die Frau.

Gleich da im Hinterhaus. Kommen 6* nur; fragen kost' ja nichts." 1 ' i

Ohne Josephs Zustimmung abzuwarten, ging sie wie- der in bas Haus zurück, Joseph winkend, ihr zu folgen. Durch einen dunklen Gang gelangten sie tn einen klei. nen Hof. Unter der Tür des Rückgebäudes blieb die Frau stehen.

Herr Ripel! Herr Ripel!" rief sie nach oben, . j Droben hörte man eine Tür gehen.

Was gibt® benn?" kam es von bart herab. ! Hab'n Sie einen Bruber, ber Bader ist in 91.?' 1 Ja, freilich! Der Fritz ist dort."

Na, bann fmb Sie's schon. So, lunger Herr, geh'n S' nur bie Stieg'n hinauf; broben ist der Herr Ripel."

Mit diesen Worten ließ die Frau den verdutzten Jo- seph stehen und verschwanb wieder unter ber Haustüre.

Joseph stieg bie schmale Treppe empor. Oben lehnte am Oelänber ein magerer Mann, ben er sofort an ber Familienähnlichkeit als bes Baders Bruder erkannte, unb sah ihn erstaunt an.

Berzeihen's," sagte Joseph schüchtern,ich soll Ihnen schöne Grüß' ausricht'n von Ihr'm Bruber, Herr Herr Tailleur." ;

Ripel heiß ich."

Das weih ich schon, Herr Ripel, aber Ihr Herr Bruber, ber Herr Baber. hat mir auch erzählt, baß Sie auch noch ein' berühmten Tttel hab'n unb Tailleur noch bazu heißen."

Tailleur?" Langsam sprach Herr 5tipef bas Wort nach, bann lachte er plötzlich laut auf unb sagte:

O, ber Fritz, ber Sprecher! Lügt er denn noch im­mer so? Schneider bin ich, ganz gewöhnlicher Schnei­der, lieber Herr. Tailleur beißt ja auch nix weiter wie Schneider so heißt Schneider aus französisch Ist bas ein alter Großsprecher, ber Fritz. Da, Lüg'nsagen kam, er haft ums Leben nit lassen. Kommen Eie nur her. ein in bie Stubn, lieber Herr, unb erzähl'» Sie mir von ihm.5 " "

ist, daß zurzest Jesuiten und Freimaure» den Kampf gegeneinander eingestellt haben, daß fte sogar zusammengehen, wobei die Juden das Ditüte- glied darstellen sollen."

Dazu bemerkt di«Bayerische Volkszei­tung", das Watt der bayerischen Dolkspyrter ta Nürnberg;

Man hält es kaum für möglich, baß von einer Port», in einem katholischen Lande rote Bayern eine solche Der- dächtigung und BÄeibrgung gegen einen katholischen Orten geschleudert werben fern,. Ja man könnte sogar sich e di« Zett bes unseligen Kulturkampfes unb bes schmählichen Jesuitengesehes zurückversetzt glauben. Die in dem An­trag ausgesprochenenBefürchtuncten" sind ganz lächer­licher Natur und bedürfen daher feiner besonderen Wider­legung. Sie zeigen jedoch eine auffallende Unkenntnis des katholischen Geistes. Bezeichnend für ben Gestnmmgs- stcmd in ber Dsutschnackonaten Partei, auch in Bayern, ist es fernerhin, daß der Antrag Beckh nicht abgelehnt, sondern an die Hauptparteileitung nach Berlin zur Wür­digung weitergegeben würbe. SBetm bite Deutschnattcmole Mittelpariei glaubt, auf diesem emge- schtagenen Wege Weiterarbeiten zu sollen, fo darf sie ben schärfsten Kampf aller Katholiken erwarten, böe noch free, zu ihrer Kirche und den kirchlichen Orden stehen. Wäh­rend die Deutschnationalen uns durch ben Antrag Beckh einen neuen Schlag ins Gesicht versetzt haben, befchließem sie-in ihrer Lembesausschußsitzrmg gleichzeitig, der Baye­rasche« Miitelparteizur Beratung in konseffivnellen Fragen einen Katholikenausschuß berzugebm". Klingt es nicht rote herbe Ironie unb bitterer Hohn, wer» man eine altehrwürdige Einrichtung der katholischen Kirche, den Sefimtenotben, in übelster Weise verbächt'at unb roemt man trotzdem eine besonders rege Agitotionstätigkett unter bot bayerischen Katholiken entfalten will? Hoffentlich durchschauen unser« bayerischen Glaubensgenossen zur rech­ten Zeit di« ganze Heuchelei kn beutschnationalen Lager und geben den rechtsradikalen Agitatoren nötigenfalls bie einzige richtige Antwort.

Wir zweifeln nicht, daß unsere bayerischen Mcm- bensgenosten die deutschnationalen Bauernfänger, trotz' demogogischer Spekulation auf Steuerwiderwille und sonst-ges, genau so übwimmeln werden, wie es im katholischen Fuldaer Sand der Fall fein wird. Dr. K^-

waren wir doch bei Deutschland geblieben!

Der beutf (^nationale Abg. Oberfohren be­rietet, ht dem abgetretenen ®:bid von Nordsch les« w i g höre man nur eine StimmetWaren wir doch bei Deutschland geblieben; die deutsche Regie­rung sorgte für Absatzgebiete und schützte die Sandwirtschaft. Hier kräht kein Hohn danach. Wohl sind in Deutschland bie Steuern sehr hoch, aber der Sandmann kann schon etwas bezahlen. . . . Kein« Einnahmen und hohe Steuern, so steht es hier. WemH fotzt noch einmal abgestimmt würde, würde Dänemark keine 10 Prozent Stimmen bekommen."

Sehr gut bemerkt dieBoss. Ztg." dazu:Diese Veröffentlichung wird man sich merken muffen. Was man sonst aus deutschnationalem Munde hört«' muß die Vorstellung erwecken, als wäre in ter deut­schen Republik alles auf das übelste befbellt, unb als werde insbesondere dir Sandwirtschaft durch bte Maßnahmen ter Regierung auf das schwerste bedrück. Diese Schwarzmalerei, die feinen Augenblick die Wir­kung im Auslande terüastchtigt, wird durch das un­freiwillige Zeugnis des teutfchnationafen Abgevrd» rieten in bemerkenswerter Weife korrigiert.

Brotpreise und Lohnerhöhung.

An die Reichsregierung ist in fetzter Zeit tutetet* holt der Wunsch herangelreten, sie möge Schritte hat wegen tines_ Ausgleichs ter durch die D r o t Preiserhöhung eintretenten Sebenshal« tungsoerteuerunfl. Dieses Verlangen ist, fa heißt es in einer amtlichen Verlautbarung, verfrüht.

Mit einladender Gebärde öffnete er eine Türe, aus der schon bie ganze Zett Kindergeschrei drang. Beim (Eintritt des fremden Mannes verstummte das Geschrei unb drei kleine Mädchen drängten sich on di« in der Stube stehende Mutter heran, um sich in ben galten ihres Rockes zu verstecken. Im Herzen sehr enttäusche, ließ sich Joseph auf einen wackeligen Stuhl nieder unb erzählte vom Herrn Bader, was ihm nur einfiel, unb als er damit fertig war, erzählte er von feiner eigenen Angelegenheit. Daß ihm bas Schuhflicken nicht mehr ge­fiele; baß er sich hier In ber Stabt eine Stellung suchen wolle, und daß er es gern weiter brächte wie zum ein-, fachen, armen Dorfschuster. Da, alles erzählt« er dem aufmerksam zuhörenden Herrn Ripel.

Als er damit fertig war, schaute ihn dieser ernst an. und meinte, daß bie gebratenen Tauben in ber Stadt noch viel höher fliegen wie auf dem Lande. Wenn er es aber absolut in ber Stabt probieren wollte, so solle, er halt morgen nochmal kommen, er wollte sich bann' herüber besinnen, wo Joseph am ersten ein Unterkom­men finben könnte. Als Joseph beharrlich auf feinem Stuhle sitzen blieb unb offenbar auf eine sofortige nähere Auskunft zu warten schien, riet ihm her ehrsame Meister nach einigem Rachbenken, er solle einen Kellner machen. Da wäre heutzutage noch etwa, zu verbienen. Cr selbst hätte einen guten Freunb, ber Hausknecht in einem Hotel sei; mit hem wollte er am nächsten Tage wegen Josephs Zukunft spechen.

Als Joseph bte guten Aussichten hörte, wich und wankte er nicht von ber Stelle. Er dachte an bie weni­gen Nickelmünzen, die er noch sein eigen nannte, unb beschloß im stillen, hier sitzen zu bleiben, bis her Herr Ripel sich entschloß, gleich mit ihm zu hem Herrn Haus- knecht.Freund zu gehen.

Die Frau Schncibermeisterin war es, bie mit schar­fem Blick bie Deweggrünbe für bas beharrliche Fcstützen ihre, Gaste, erkannte. Sie riet ihrem Manne, hoch gleich mit hem jungen Herrn zu seinem Hausknecht- Efreunb zu gehen.

Der Besuch war ihr schon lange lästig geworben, io brachte sie bann doch ihre Stube wieder leer

" x LSMietzlmg folgt,) - ~