FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
48. Zcchrg.
Freitag, 5. Kugust 1921
Nr. 17S
Die hungerznst in Rußland
in
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poincrrö, -er Pharisäer
Em ins
mußte, viertel
mit notwendig einschneidende Wirkungen auf die samte Weltwirtschaft ergeben.
Das Vvlkstageaebäude und das Reg'erunc-s- wurden durch Sipe abgesperrt.
Nach polnischen Blättermeldungen hat sich Cho- Kraepidemie bereits auf polnisches Gebiet ausgedehnt. In der Gemeinde Luniec und in Wolkooicz wurden e'ttige Eholerasälle konstatiert. Die Sicher- heitsvorkehmngen gegen dis Ch-lero werden durch die mangelhaften Sanitätsverhältniffe sehr erschwert.
Rus dem besetzten Gebiet.
* Einschleppung tropischer Krankheiten durch die Bt- sahungrlruypen. In verschiedenen Orten des besetzten ©ebietes ist unter der AmKbevlkerung eine tropische Krankheit (Paratyphus) ausgobrochrn, die offenbar von den sarbgen Truppen eirpeschicppt worden ist. In einzelnen Städten wurden 70—80 Krankheitsfälle festgestellt.
♦ Bestrafung wegen Zuwiderhandlung gegen da» Flaggsuoerbot.. Ein deutscher Bürger aus Meisenheim wurde vom französischen Kriegsgericht zu 1000 JL Geldstrafe verurteilt, weil er dem von der Bllatzuncsbr- hörde erlassenen 5!af<*en»erbot jutoiöer auf feinem Gebäude die deutsche Rerchsftogge gehißt hotte.
AbtsMoreauausdrücklich als Plünderunggeschildert touD, ist sie bei französischen Regierung nicht unbekannt. Mlt einer R:ck abe dieser Sandschristen und Druckschriften, die nach ÄNi aoe von Moreau den für die damalige Zeit sehr deträchttrchen Weit von 1 2d000 Tournaipsund gehabt haben, würde die französische Re nerunu, d,e sich durch d,e Entsenduni hervorragender amtlichei Persönlichkeiten um das Schicksal der Universi» tätsbibtrotvek Löwen so besorgt zei^ t, nur ein Werk der Gerecht! kett erfüllen. Dies wäre umsomehr der Fall, als in dem von der französischen Rezierun, ebenfalls mit ezerchneten Friedensvertrai von St. Germain die bei ische Regierung von Oeuerreich zugestanden erhalten hat, daß die zehn Jahre vor der französischen Revo.unon unter der Negierun i Josephs II. aus ibeiflten nach Wien verbrachten Kunstgegenirände zurückerstattet werden, und als bcisprelSweise die Franzosen bet den Verhandlungen über das Saargeb,et nicht nut auf die Zeit von 1792 bis 1795, sondern bis in dre Zeit von 1v84 zurück, nffen.
Es kann mch s schaden, wenn die eitlen Franzosen in ihrem pharifätschen Geiechtigketisdünkei einmal an ihre eigenen Sünden erinnert werden.
irgendwo zu Niisichreitungen geführt hätten, unabhängiger Ausschuß werde sich demnächst Ausland begeben.
Ausbreitung der Cholera nach Polen.
Wir veröffentlichten kürzlich ein Telegramm unseres Hoa er Korrespovde.iten über die neue Bibliother Löwen. Die Feier der Grundsteinle uns dieses von den Amerikanern pefiiftrten Gebäudes wurde wieder zueinerManifesiationderunversöhnlichen Seher gegen Deutschland und ge en deutsche Wissenschaft benutzt. Besonders die französischen Gälte ze^neten sich hierbei aus. Der franzöusche Unterricbts- minister, der französische Gesandte, zahlreiche Mitglieder der Akademie, die Direkt ren ter wichtigsten französischen Universitäten wohnten der Feier bei. Auch der frühere iran-ösikcbe Präsident Poinears, der in. zwischen, wie wir berichteten, im .Motin- seine Eindrücke aus Löwen nieder eieat hat, hielr. in seiner Esi'enschcnt als E.irenvorsitzcnder des internationalen Hils»werkeS von Löwen, eine wilde Hetzrede. Seine Rede schloß mtt den Worten: »Wir stellen die Bibliothek von Löwen auf bauerbafte Grundlage wieder, bauen wir ein HauS der Menschlichkeit. Machen wir aus dem Frieden ein Werk der Gerechtigkeit."
Da Herr PoinearS gerade von Gereck ti leit sp icht, wäre eS nicht uninteicffant -u wissen, ob die f ranzö. sische Nea«erun -, die amtlich an der Feier bct iii t war, die Geleaenheit auch benutzt tat. um der Bidliothrk Löwen jene 5 000 kostbaren Druckschriften und Manuskripte intederzu eben, die Komwissare der französischen Rrpuditt tm Jahre 1795 tür bie an der Feiertich eit ebenfalls o'fi ieU betet i^te rege fran-öfifde Staatsbibliothek, bie „bib ii»ti 6q e nafnnal»“ in Paris abtransportiert haben Da diese , ot. ;i<e tu der zu Vropa andaZwecken weitverbieiteten, ISlSmLöwen erschicnenenSchrat deSLöwener Jejutten
Schwere Su'ammenstöße im Vanziger Parlament.
Im Danziger Volkstage kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen den Linksparteien und dem Senat. Die Angriffe der Linksparteien gegen die Ssnatsmitgl'eder hatten in der Hauptsache ihren Grund in der Anwesenheit eines Kommandos der Sipe. Die Sipe war schwer bewaffnet, u. a. auch m t Handgranaten. Die Linksparteien verlangten Abzug der Sipe und verhinderten durch andauernden Lärm die Fortsetzung der Derhand- ImiHLN. Als der kommunistische Abg. Schmidt gegen einen dvutschnationalen Redner tätlich wurde, ersch'en ein Kommando der Sipe und verhaftete die beiden kommunistischen Abgeordneten Schmidt und Rahn. D'e Linksparteien begleiteten die Verhaftung mit ungeheurem Lärm, wodurch jede sachliche Beratung unmöglich wurde und die Sitzung geschlossen werden
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Anzeigen: ao'oneijelleTJ Big.; für mehrfooltlge Anzeigen Zuschläge. Nek'omezeile 2 5J tut.
Zur Reform -es Strafrechts
erfahren wir von zuständiger Seite: Eins allgemeine Reform des SirafiechtS kann frühestens in drei fahren ei folgen. Vo> läuft, ist beabsichtigt, einige kleine e Novellen vorzubereUen. Bon der Ansicht ausgehend, daß k.etne Freiheitsstrafen (1 bis LDochenivom Hebel sind, weil sie nicht bessernd auf den Bestraften etntctrfeti, null mau mit diesem System ranz biechen und dafür höhere Geldurafen (oder Tilgung burch freie Arbeit für den S aat) einführen, auch mit Rücksicht auf den Geldbedarf des Slaa es. Die Getononiise sind überfüllt und die kleinen Freiheitsstrafen bilden das Haupikentingent der Vck» urteilten. Ter Reichstag wird also bald zu diesen Noi ovellen Siellting nehmen müssen.
die ametikanische Presse wegen llebertreibung der Nachrichten über die russische Himger'not an- greift. Diese erstreckt sich auf 10 Prov'nzen mit 18 Millionen Emwohnerii. für deren dringendste Bcdürfnisie Tichiticherin 58 Millionen Pud (Betreibe als notwendig be'rjchnct. Das Riindichreiben bestreitet, daß die Wanderungen der Öungernden
DaS kommunistiiche Abendblatt „Qinternot tonale*
Paris veröffentlicht ein Rundschreiben Tschitscherins, in dem die er bte westeuropäi che und
Deutsches Keich.
* Bctfin, 5. Slug. Der Ministerialrat km Reichs- fmanzminifterium Geh. Regierungsrat Dr. Hemmer wurde jum Elaatssekretär in der Reichskanzlei ernannt — Wie dir „Boss. Ztg." von zuständigem Stelle erfährt, liegt ein Rucktriltsgesuch des Staatssekretärs Freund vom preußischen stltirsisterium btt Innern nicht vor. Don anderer Seite war dich Behauptung ausgestellt worden.
f. xiom stela>sweytuitnijtetii!M sind Bestimmungen für die Versorgung der auf Grund des Ultimatums setzt zur Entlassung kommenden Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften erlassen wotden, nach welchen len Enllassenen tm allgemeinen die Gebubrniffe noch auf drei Monate weilergezahlt werden wllen.
f. Frauen a’6 B'örsenbcsucher. Eine Novelle zum Bör engesetz (llbänSerunz des § 7 des Gesetzes von 1896) d e den Frauen den Be it d von Börsen erlaubt, wird dem Reichstage tm September zitgehen.
f. Der Entwurf des Hauszehilfengesetzes wird nach nochmalig r nunmehr abgeichloffener Bearbeitung durch das Rcichsarbeitsministerium, wobei alle Wünsche der iniereffierten Kreise möglichst bei ücksich- tigt worden sind, nunmehr dem Reidskabineit zugehen, sodaß er tm Herbst dem Reichstage vorgelegl werden kann.
Ausland.
* Ter 4. Anqnst a's belgischer Nationalfeiertag. Durch Dekret des belgischen Ministers drS Inner» ist der 4. August, der Jahrestag, an dem bie deutschen Heere bie belgische Grenze überschritten haben, zum Nationalfeiertag eitiäit worden. An diesem Tage fanden in allen Sck>u len Feiern stach auf den öffentlichen Plätzen wurden Militärkonzertt veranstaltet und die Glocken der K.rchen wurden ge» läu'et.
* Friede zwischen Aascislen und Sozialisten. Die Scrtreter der Sozialisten und Fascisten unterzeichneten in Gegenwart des Präsidenten der Kammer ein Abkommen, durch das sie sich verpflichten, die gegenseitig» Bekämpfung einzu st eilen und Zusammen» stoße zu vermeiden.
• Tichkichiche Legionäre fielen in Aussig mv Pistolen, Schlagringen und Gummiknütlein über zirka 5000 friedliche Deutsche her, die einer Red« oeS Abg. Raibl znhörten. Es kam zu schweren Mißhandlungen. Im Senat in Prckst gab dazu der Ministerpräsident eine Erklärung ab und befaß:« sich auch mit den Ereigniffen, die diesen Vorsäll n boi angegangen toa.en. Tie Sache sei noch n>cht völlig geklärt und müsse unterricht werden. Ge en die schuldigen werde rücksichis os vorgegangen. Die Erklärung wurde vom Senat zur SfennintS ge» ncut uen. Die deutschen bürgerlichen und lozialdemo» tiat'i*en ^en'wr-n ma■ e*r nickrt e^fluenen.
* Exkaiser Kari. Gegenüber verschiedenen Meldungen, daß Exkaiser Karl trotz aller gegenteiligen Ber- stcherungen nicht mehr in der Schweiz weile, sondern sich verborgen m Ungarn aushalte, stellen die Blätter nach Erkundigungen an unterrich eter St.lle fest, daß der Exkaiser sich nach wie vor auf S ch l o ß Herten st e i n in der Schweiz befinde.
* Der Zelbzug gegen die Kommunisten In Süd- flawieu. Am Schluß der Sitzung der gesetzgebende» Versammlung, bie die Aufh bung der parlamentari- schen 3mmurüiät von 48 kommunistischen Aboeord»
„ diesen Tagen ist, wie wir kurz meldeten, die Grundsteinlegung für die neue Bibliothek in Löwen (Belgien) erfolgt. Herr Poin- care, der an der Feier teilnahm, hat int ,'Ulatin' darüber berichtet und bei dieser Gelegenheit wieder einmal seinem Haffe gegen Deutschland freien Lauf gelassen. Das ,93erlirer Tageblatt^ frischt aus diesem Anlaß folaende auch für Herrn Poincuö sicher in« lexef'ante Erinnerungen auf:
Sozialer.
= Lo «ltorderuttgrit der Lisenbastntr. Der erweitern Verbandsouss.bug dcS aüiemcinen Eiscnbahner-Ver- bandes hat auf seiner soeben ab eschlossenen Berliner Tagung emiltm nig eine Reibe von Richtlinien angenommen, bereit schleunigste Durbsührunz er für ge- boten erklärt. Die Richtiimen verlangen sofortige Er» höhunz deS gegenwärtigen Dien leinkommens oer Eisen» bahndeamten und -Arbeiter »in Anpassung an die durch LebenSmiitelverleuerung, KozlenpreiSsteigerung und ihre Fot en, Steuerlast und ihre iü<irtun,'Cn_unb schließlich dre Valutaentwertung httvorgerufene Steiaerung der Lebenshaitun itkosien». Die bis jetzt bestehenden Teuerungszulagen sollen, wenn eS sich nicht er. mönlttcn läßt, sie völlig in das Grunsetnkommen hin- einzunehmen, für alle Ortsklassen vereinheitlicht w.-rden. Hin ie.en sind mit Rücksicht auf b:e stet iende Teuerung die in Teilung befindlichen Kinderzulagen beizu- behalien, jedoch zu vereinheitir chen un» in glei chen Verhältnis wie daS laufende Dieni'teinkommen gleich- mäßig zu erhöhen. Außerdem wir» von neuem die Beseitigung »er O- trklassen Dunö 8 gefordert
= roffnsordervnzrn »er Hamb rger Postbeamte» In Hamburg wurden in einer großen Versammlung der Postbeamten, in der hauptsächlich die Poit-Unter» beamten und Angestellten vertreten waren, an resicht» der vertenrrten Lebenshaltung eine einmtliie Beihilfe von 2(00 Mark, außerdem 500 Mark für jedes Kind, ferner Erhöhuni der Gruusgehäiter, Erhomng der Leuerungszula en um 150 Prozent uib der Ktnderzu. tagen auf 250 Prozent vertan 4 Wird diesem Verlangen nickt entiprochen, so soll von einem Streik nicht zurück^eschreckk werden.
--- V» meLlenbuegtsche eandarbeiterstrefk breitet sich weiier aus. Auf dem Gut Bansin bei Wagenow wurde das GutSg ebäude von streikenden Arbettecn gestürmt. Der Sohn oeS Besitzers und der Gutsbe» sicher wurden fchwer verletzt.
Vas Programm -es Obersten Rates.
Ier bevorstehenden Besprechungen ^ch Havas von Briand und geprüft worben. Es fei endgültiges bestimmt worden. Bis Ob"' . , a* ,nun tatsächlich seine Entscheidung trifft ober doch bekannt gibt, w'rb bie Welt, wie bas immer war, mi allerlei Tarlarennachrichlen überschwemmt Morgen, bie bas Geheimnis ber Enlschei- bung oorauskunben wollen. Vorsicht unb Ruhe fmb d-efen MeSumgen gegenüber sehr am Platze.
«elnungserschiedenhetten bei beu Sachverstöubfgen.
Nach ben -Temps' sind die alliierten Sachver- DLnbigen, Ine »e Leitung O ber f chl es! en s «rzuberetzten haben, noch zu keiner Ein'-mng gekommen. We Memmgsoerschiebenhesten hi eben groß. Sm Blatt meint, an ben französische Sachverstän- Nflen liege bas nicht. Frankreich habe nicht d'e vorae- jaßte Absicht, Polen zu begunfticen. ober es habe bie Pflicht unb ben Willen, sich keiner Ungarechtigkeit «Mfchließeu.
Zteu^r-VeratUKgen d s Kabinetts,
Gestern nachmittag sand in Berlin eine Kabürctts- sttzung statt, die sich mit der Weiterbcratung der neuen Steuervorlagen beschäftigte. Die Beratungen des Ka- bmetis über die neuen Struergesetze stehen vor dem Abschluß. Eirre ausführliche Mitteilung darüber ist in kürzester Zeit zu erwarten.
In Erwartung der Enlscheidung über Oberschlesien werden die führenden Reichs mini st er bis auf weiteres in Berlin bleiben. 3n Berliner amtlichen Kreisen rechnet man damit, daß die Entscheidung des Alliierten Rates über Oberfchlesien zwischen dem 10. und 15. August fallen wirb.
Tie Entwaffnung.
In Erfüllung der Londoner Eniwoffnungsnote der Entente sind gestern wiederum 1 90 Offiziere der Reichswehr entlassen worden. Es Han- beit sich bte bet um die Verringerung ber Offisiers- stellen, wie sie General Rollet zwecks Einreihung der höheren Verwaltuogsbeamten beim Militär in die erlaubte Zahl von 4000 Offizieren gefordert hatte.
Tie Biehlieserungen Deutschlands.
Folgende Viehlieferunoen tnüfien in ben nächsten 8 Monaten von Teuischland ausgefübrt werben: 29400 Pfeibe, 130 000 Schafe ttnö 175000 Stück Hornvieh. Diese L ifeiungen sind außer denen vor- zunebmen, bie aufgrund gewisser Vereinbarungen mit Deutschlanb als Ersatzleistung für Art. 238 vor- zunehnten sind.
Oie kommuniftischenvocksbetrilgcr
Die kommunistische Partei und namemlich ihre Pvesi« hetzt betanmermatzen fortgesetzt die 2ubetur= man£n zum Kampf gegen ben Stapucuisnius auf und verheißt ihr nach dem Siege über ben verhaßten Ka> pn<uismu5 golvtnv Zeilen. Aus dics.m <&biä tul sich namentlich die ,Rote Fahne" ganz besoridcrs hervor, welche Tag für Tag immer neue HrtzartilÄ bringt, worin die Ärbeitermosien zu neuen iiumpfen auigc- sordort werden. So auch wieder in ihrer Nummer vom 4. August: „ine tommumstijche Pariei rujt die Arbeitermatzen aus, ben Weg zu ihrer Befreiung und zum Wiederaufbau der durch ben kapitalistischen Verfall «rwüfteten Welt zu gehen, den Wog» der nicht unblutig sein kann, wett die Bcurgeoiste ihre Kiasfen- herrjchasi mu ben äußersten Mitteln der Gewalt ver- Lidigl, der aber der einzige ist, aus dem bie Mensch, hcil vor dem Verfall in die Barbarei bewahrt werben kann."
Das ist so ungefähr die Quinteffenz der Hetzariikek, die ine „'Jioie Fah«" feil Wochen und imonaten tagtäglich chren Lesern oorsetzt. Der f»genannte Kapitalismus also ist es, der mit allen Mitteln vernichtet weruen muß; Cie „bio.c jzayne" fcyeme sich auch gar nichl, offen einzugestehen, daß der Kamps nicht un- bkulig fei» kann. Sie oerWweig-t ihren Anyungern aber verschiedenes, einmal, daß die Auswüchse des Kapitalismus nicht nur von ber kommunistischen Partei allein bekampst werben, sondern auch von ben übrigen Parteien, allerdings mit legalen Mitteln. Sie verschweigt aber noch ein weiteres unb das scheint uns in diesem Zusammenhang das wesentlichste zu sein: nümiich die Tatsache, Laß der russische Bolschewismus langst zu der Erkenntnis getommen ist, daß es ohne Den Kapitalismus überhaupt nicht geht. Die bols^-ewistische Regierung Rußianbs Hai schon längst mH den sogenannten kapitalistlsch-imperialistifchen Ländern, dem Schreckgespenst bet deutschen kommunistischen Propaganda, Verhandlungen emgekeitet unb V r- träge abgeschwtzen. Ja, sie ist sogar noch weiterge- gangen und hat ihr eigenes Wirrschas.sprogramm einer Revision unterzogen.
Diese Dinge sind natürlich auf dem Kongreß der Drille nJnternatio ns le in Moskau zur Sprache gekommen. Angesichts der Tatsache, daß ber russische Bolschewismus feine Stellung zum Kapitalismus einer Revision unterzogen hat, muß es um so eigenartiger anmuten, daß sei ZentrakauLfchuß ber kommunistischen Partei in einer Einschließung über den Moskauer Kongreß immer noch von ben Kumpfen spricht, die gegen ben Kapitalismus geführt werden wüstem Auch in diesem Ausruf ist von ben „kommenden Kämpfen der Arbeiterklasse" Die Rebe, von ben „politischen Endkämpsen" unb dergleichen mehr. Der Berichterstatter, der Abg. K o e n c n, tonnte aber nicht an der Tatsache vorüberMhen, daß ber russische Bolschewismus eine Revision seines Wirtschaf,sprogramms vorgenommen Hal. Er m-ußle diese Tatsache zug.ben, wenn er aber versucht, Ke Damit zu begründen, oder Ketzer gesagt zu emichutzdigen, daß er behauptet, die Schuldigen an den Kontzestzonen feien nicht bie russischen Genossen, sondern die 6ojialbemotcotie, die sie un Stich ließe, indem sie bie Wellreoolution »erriete ,so ist bas doch nut eine faule Ausrede, die nichts anderes zum Zweck hat, als feinen Parteifreunden Sand in die Äugt» zu streuen. Jmmerhiri aber fit es bemerkenswert, daß der Herr Abg. Koenen als Tatsache anerkennen wuß: „Genoffe Lenin machte urrs westeuropäischen Genvsten har, daß es sich jetzt in Rußland Darum handle, zunächst mit allen Ktäf- ten die SnDuftrie wieder auszubauen, bie bas Rückgrat eines jeden Winschaflsotgamsmus sei. Die Konzessionen sind gewiß ern Tribut an ben Kapitalismus, vielletcht auf Jahrzehnte hinaus, aber fie fmb notwendige Rußland muß unbedingt In- dustrieprodukle tjabeti, Da die russische Industrie durch den langen Krieg zerrüttet würbe. . . . Man wirft der Räteregierung vor, daß sie einen Staatskapitalismus errichten wolle, aber man vergißt. Daß es sich hier nut um eine Uebergangsftufe hanDelt unb daß der Staat prwetarifch beherrscht ist."
Herr Koenen gibt also zu, daß der Kapitalismus «otwendig ist. Wit wagen nicht zu hoffen, daß er und feine politischen Freunde aus dieser Erkenntnis, vor allem aber aus der Erkenntnis ihres geistigen voerbauptes Lenin für Deutschland die nötigen Schluß- £,®“"nfien zHhen werben. Jedem einsichtigen Korn- v”“lten. aber »iug es doch klar werden, daß, wenn oer »apU(Hi5mig für Rußland notwendig ist, er für gotbentttHrfrttg Deutschland noch notwendiger fem muß.
• ®n neuer llebersall durch schwarze Soldaten. Zwei schwarze Besotzungssoldoten. bie m der Nähe des Krema- ioriums m Mainz einen dsutlchen Zivilcklen überfallen und durch Messerstiche schwer verletzi hatten, wurden ver- haslet. Sie werden m kurzem durch dos f«mzösisch« Kriegsaericht abgeurleilt werden.
* Cln neue» Zeolralböro der rheinischen Sevorollsten. D-e ftanbefetammer Köln roamt in einer öff ntlidjcn Br- kaimtmochung vor einem Büro Gallasch in Köln, das int Ausammenhang mit den Separatisten eine wirtschaftspolitische Abtrennungsproponda betreibe. Dos Büro nennt sich jetzt ^Rheinische Wiedercmfbaugefell- schafk m. b. SV* und arbeitet mit wärmsten Empfehlungen der Dortenschm Separatisten.
Ein Japaner über Deutschland und Zrankreltz.
Der jopcmtschc Abg. Koschiwada, der p?gen« wärtig als Führer einer Studienkommission In Budapest weilt, äußerte sich Pressev^trctrrn o'genübcr. daß die en g l i s ch e Raffe durch den Weltkrieg ihre Bor- machlstellung im fernen Cften ein gebüßt habe, da der Krieg naturgemäß die west'ichen Völker stärker in Anspruch nahm als die östlichen. Durch di.se S:ärkev:rschiebung wurde auch das wirtschaftliche wie das geistige Gleichgewicht zwischen Ost und West her- gestellt, ja, es zeigt sogar eine zugmisten des Ostens fteigenbe Tendenz.
Japan müsse zur Sicherung dieses Gleichgewichts mit verschiedenen Völkern d?s Westens Berührung juchen. Es hat bemerkt, daß der Krieg die französische Rasse sehr erschöpft mrd geschwächt hat, die Jugend Frankreichs ist lebensunfähig, die Bevölberung nimmt deutlich wahrnehmbar ab, während das deutsche Volk trotz des Krieges noch gesund und kräftig fei und die deutsche Äugettd mit eisernem Fleiß am Wiederaufbau ihrer Zukunft arbeite.
tiecanmiottitd) iür »en itDautoneUen Teil: Dr. Kramer, - iüi btt Anzeigen: I. i at $e‘|efisuioo. - Roiarionsürua n. Verlag der Fuldaer äldtenbruiferei in Fulda ’emmiemet Si. « Telf;Ir..'216re,;e: fiuibaer Leitung
Gberschlefiens wirtschaftliche Bedeutung.
Das Deutschland ohne Oberfchlesien wäre.
Die Reichsrcgterung hat unter dem Titel .Die wichtigsten wirtschaftlichen Folgen eiirr Abtrennung Lberfchksiens von Deutschland" eine Denkschrift herausgegeben, bie größte Verbreitung unb Anerkennung oerbient.
Deutschland verlöre, wie hier übersichtlich und ein» gehend Dar gelegt wird, einen großen Teil seiirr Kohle n b a s i s, einen erheblichen Teil seiner E i s en- bas i s, ben üttermtegenben Teil seiner Zinkpro- b u 11 i o n; es würde damit für seine wichtigsten industriellen Rohstosfe aus einem Ausfuhrland zu einem Einfuhrland. Ohne eine ihren Bedarf deckende eigene Kohlen- und Eisenbasis kann Deutschland als Industrieland nicht weiter bestehen.
Die Industrie aber allein gibt Deu.fchland die Möglichkeit, eine Bevölkerung von über 60 Millionen, von denen 40 Millionen von den Erzeugniffen des Heimatlandes leben können, zu ernähren. Deutschland muß heute, nur um nicht zu verhungern, noch viel mehr industriell tätig sein, unb viel mehr exportieren. Wie aber soll die deutsche Industrie die vermehrten Leistungen vollbringen, wenn ihr bie unentbehrlichen Rohstoffe entzogen werben? Verliert Deu.schlcmb bie ober» schtefifche Montanindustrie, so kann es weder die Reparationsleistungen aus Dem Friedensvertrag noch bte Ernährung feiner jetzigen Bevölkerung vollbringen. Der Stand Der Wirtschaft würde um Jahrzehnte zurückstnken.
Auch die Rückwirkung auf die Weltwirtschaft wäre katastrophal. Als Käufer auf dem Weltmärkte würbe Deutschland ausscheiden. Büßt Deutschland aber seine Kaufkraft ein, was unausbleiblich eintreten muß, wenn seine industrielle Weiterentwicklung und seine Aus- ftchrfähigkeit eingeschränkt wird, so würden sich hier-