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Fuld aer Zeitung

* Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 176.

Leranlwottlich für den reoauionellen Teil: Dr. Kramer.

2 Mr die Änjeigen: I. ParzeUer-Fulda. = Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acllendruckerei in üuloa. itemiptedjei Nr. 9. Teleqr.-Adresse: Fu ldaer Zeitung

Mittwoch, 3« August i921.

Bezugspreis: Nionarliü 3.50 2Rt. ohne Bestellgeld. Post- ~ bezug 4,10 Alk. AbgehoU 3,75 Uli. s

Anzeigen: (5 o t on e l z e i l e 70 Pjg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklame geile (Textbreitel 2 50 litt.

48. Zahrg.

Nach sieben Zähren.

Sieben volle Jahre sind jetzt vergangen seit der weltgeschichtlichen Tagung des deutschen Reichstages, die in Wort und Handschlag und Abstimmung den Dolkswillen zur Durchführung des aufgezwungenen Krieges zum Ausdruck brachte, am 4. August 1914.

Den Waffenkrieg haben wir verloren, und tmter den Qualen des sogenannten Friedensverlrages stöhnt Deutschland noch heute irr Todesnot. Aber dennoch brauchen wir uns dieser Volksbewegung vom August 1914 nicht zu schämen. Trotz Niederlage und Revolution können wir mit ungebeugtem Hmrpde zu- rückblicken in die packende Szene, als die Parteiführer dem Kaiser die Wafsenhilse in die Hand gelobten. Denn der Wille war g u t und löblich, wenn auch der Erfolg leider versagt geblieben ist. Wenn nach Schuld und Fehlern on dem Ausbruch oder der Fühn^y des Krieges gesucht wird, so mag matt dm scharfe des österreichischen Ultimatums, den erschlichenen Ukas des Zaren über die allgemeirie Mobilmachung, vielleicht auch diese oder jene diplomatische Lässigkeit in den kri­tischen Tagen unter die Lupe nehmen. Aber nachdem Rußland mobilisiert hatte und nicht bloß unser Bundes- genoffe Lestnreich-Ungarn, sondern auch Deutschland Mst aufs schwerste bedroht war, blieb uns Deutschen nichts anderes übrig, als mit ganzer Kraft den A b° «ehr krieg aufzunehmen.

Alle nachträglichen SMterrichtereien können nichts ändern an der Tatsache, daß der Reichstag und das deutfl^! Volk in der fcften und zweifelsfreien Hebet« zeugung handelten, wir feien zu einem Vertei­digungskrieg gezwungen. Was die geg- aerischr Hetzpresse vonMilitarismus und Jmperialis- mus" geredet hat, traf auf das Denken des deulfchen Volkes im allgemeinen nicht zu. Wir wollten weder Land noch Macht erobern, sondern nur das eigene Reich und die verbündete Donaumonarchie vor den drohenden Angriffen schützen. Dieses reine Gewissen und die Zuversicht auf die gerechte Sache machten es überhaupt nur möglich, daß DÄrtschland mutig den Handschuh aufnahm, obschon sich die materielle Ueber- machl der verbündeten Feinde schon an der Wiege des Krieges deutlich erkennen ließ.

Dieser Heberzahl, die immer weiter anwuchs, ist das deutsche Volk erlegen, nachdem seine wenigen Bundesgenossen schon vor ihm zusammengebrochen waren. Die schweren Folgen der NiederlaW müßen wir geduldig tragen; aber wir brauchen uns nicht den Borwurf gefallen zu taffen, daß das deutsche Volk in der Begeisterung am 4. August 1914 böswillig oder unvernünftig gehandelt hätte. Wie die Dinge tagen, m_u ßt e der Reichstag den Derteidiguungskrieg er­klären und mußte das ganze Volk in der Stelluung von Geld und von Freiwilligen die glänzende Opfer- Willigkeit bekunden.

In jenen Schicksalstegen Hot sich eine Einigkeit gezeigt, wie sie in unserer nationalen Geschichte selten zu ^nben war. Der Kaiser, in dessen Hand die Par­teiführer damals ihr Gelöbnis ablegten, ist durch die Gewalt der Sieger in die Verbannung und zur Thron­entsagung getrieben worden. Aber das deutsche Va­terland, dem Fürst und Volk ihre Kräfte geweiht hat­ten. lebt noch, wenn es auch schwer verwundet ist, und bre Pflicht gegenüber dem Vaterlande fordert uns heute ebenso schr. wie vor sieben Jahren, zum Ge­löbnis der Eintracht und Treue auf.

Der Krieg war nicht zu gewinnen, die Monarchie war nicht zu halten; aber die deutsche Nation ist trotz aller Schicksalsschläge noch zu retten, wenn der echte Patriotismus, der vot sieben Jahren so glänzend auf« stammte, auch heute noch den nationalen Herd warm hält.

Der Sänsebub.

Fränkischer Dorfroman von Dtna Ernstberger. 12] __________

$-Q0£ vergingen, ohne daß mehr ein Wort zwischen vcutter und Sohn über die Sache gewechselt wurde.

Joseph war jetzt wieder ebenso bedrückt und sinnend der Arbeit wie vor der vermeintlichen Krankheit.

,®nniQ[ war der Pfarrherr der Flickschusterin auf der . begegnet und hatte sich bei ihr nach dem Besin- «n ^osephg erkundigt. Der Schusterin schoflen bei die.

ra8e die Tränen in die Augen; sie sorgte sich viel "Erlorenen Frieden ihres Kindes. Sie hatte des Sehnluch längst gefühlt, geahnt, auch " I^ensfrieben ihm gestört, doch hoffte sie stets, V'"1 bie Ruhe wieder gibt und auch Ver- min,7Un *at> sie aber täglich mehr und mehr, daß i ht . ®T.nuy der Kampf im Herzen ihres Kindes kie Körperkraft den Seslenstürmen un- rmlnb»"idt einmal Peter, kannte den Kum. cefehrt hn6 " Flickschusterin: das Leben hatte es ihr v^chöiie?onn, ' n b'^r fei, sein Leid im Herzen tief uTprinM 8m? a^mn 3U iragen, als es den Menschen beute $ab er mar i'h ganz unmöglich scheint,

heute aber war ihr^erz fo übervoll von oiefem Schmerz, vnt f-5 -T Cn m' ^!n Karten des Pfarrherrn übi riloß U"d «ü- 'Hw wemend °U if,t Leid vertraute. fr^roC,9Tb 61 zu. bis sie zu Ende

b»? n°ch blieb er eine W:ile fin- nenb ffcben. Sem Bück schweifte träumend in die gerne, als sähe er Bllder einer längst vergangenen

Ich liebe junge, feurige Gemüter, die vorwärts stre. bend m.t dem Schcksal rmgen unh mit dem Blick nach -den mutvoll im Kampfe des Leben- ihre junge Kratt ^°£n. W'w Glaube in der Seele wohnt, der kenni Mch K.udespfbcht und Heima'l.ebe und geht dem Eltorn- NErloren ob er auch fern der Heimat weilt. .W erst das Schckwl dann die Feile an, die allm fdicr- fen Kanten abzusch.!,:.'. dann geben solche Charaktere «rcht selten im Leben die t^rsien, größte^ Men.

In bett letzten drei Jahren, die in mancher Hinsicht norf) schwerer waren als die Kriegsjahre, ist die Eintracht unter den Klassen und Parteien wiederholt m Gefahr geraten. Warum und durch wessen Schuld, das lassen wir an diesem Erirmerungötage lieber uncrörtert, um neuen Zank zu vermeiden. Es sei nur zur allgemeinen Erwägung gestellt, daß uns heut- rutage die Einigkeit ebenso nottut, wie vor sieben Jah­ren. Denn der Krieg hat leider noch keinen Abschluß gesunden, er wird mit anderen Mitteln der Drangsalie- nnta und Ausbeutung fortgesetzt.

'Damals brauchte man die Kampfgemeinschaft aller Volkskräste; jetzt tut uns die Arbeits gemeinschaft aller Boikskrafte not.

Burgfrieden" roar damals die Parole zur Ein­schränkung der Parteistreisigkeiten. Burgfrieden brau­chen wir auch heute, um dem bedrängten Vaterland eine feste Regierung auf demokratischer Koalition zu sichern.

Mögen an diesem Gedenktage edle ihr Gewissen erforschen, ob sie auch stets treu geblieben sind dem guten Geiste der Eintracht und Opferroilligkert, der den Rückblick auf 1914 trotz allem Hnglück erbaulich michi.

Eine Rede der Reichskanzlers.

Dr. Mrkh in Bremen.

i

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In einer von etwa 5000 Menschen besuchten öf­fentlichen Versammlmmg, die von der Handelskammer Bremen einf&erufen war, sprach Reichskanzler Dr. Wirch über die wirtscha ftliche Lage.

Der Rejchskanzler führte aus, er wolle keine Rede der Resignation, sondern der Aufmunterung halten. Sie Losung heiße: Durch Arbeit zur Freiheit! Es handelt sich, fuhr der Kanzler fort, nicht um vergangene Illusionen der Macht, sondern um die Heberzeugung, daß der Kern der Weltgeschichte ein moralischer ist. Bremen muß ein Aus- gcmgsMnki auch für die Gesundung des Welthandels sein. Dieses Wiederaufblühen ist nur möglich unter dem Gedanken des Rechtes, nicht unter dem Gedanken der Macht.

Wohin der Machtgedanke führt, das zeigt das traurige Schauspiel Oberschlesien. Jede Stimme des Rechts begrüßen wir mit Dank. Es wäre eine Sabotage des großen demokratischen Ideals der Well, wenn nicht das Recht, sondern die Diktatur Korftmtys in Oberschlesien zur Geltung käme. Alle Mächte mo­ralischer Natur müßten mit eherner Stimme in die Welt hinausrufen: Achtet den Gedanken der Selbstbestimmung der Völker, der De­mokratie und der Freiheit, wenn ihr das unglückliche Europa nicht endgültig dem Untergänge weihen wollt. Sieben Jahre sind dah'ngeganaen, fett der Unglücksstunde jenes ersten Ultimatums. Soll das neue Ultimatum neue Zerstörung über Europa brin­gen? Europa kann nicht noch einmal durch neuen Wirrwarr hindurchgeführt werden. Leider regiert in Warschau politische Leidenschaft und grenzenloserHochmut, der die West nicht $ur Ruhe kommen lassen will. Bremens Arbeiterschaft und Kaufmannschaft muß zusammenstehen mit der Reichs­regierung in der Verteidigung der großen einheitlichen Richtlinien der Reichspolitik, de geleitet stt von dem Gedanken der Erfüllung unserer Verpflichtungen und geleitet von dem großen Gedanken der Arbeit, des Rechtes und der sozialen Wohlfahrt Deutschlands. Das Vertrauen in die europäische Solidarität und das ge­meinsame Intereffe aller Völker an der Freiheit der Demokratie darf nicht enttäuscht werden.

Eine Reihe von Wendungen des Kanzlers haben in der Zvhörerschaf! stürmischeBeisallskund- gebungen entfesselt.

schon. Lasten Sie Joseph ruhig seine Wege «ziehen; er wird nicht untergehen in des Lebens wildem Strudel und unverdorben, ruhigen Hrezens den Weg zur Heimat wiederfinden."'

Hochwürden, wenn halt in der Stadt dort die Lore net auch wär'! Wenn er sie immer wieder sieht wie soll das ejtbn?

Glauben Sie denn, daß gräufn Lore sich auch nach ihm sehnt, daß er dieselbe wiederfindet, wie e* sie hier im Dorfe kennen lernte? Daß seine Unterhaltung ihr auch dort willkommen ist?"

Des is ja eben, Hochwürd'n, was mir so arg Kum­mer macht; weil ich g'wiß weiß, daß dort die Lore nix mehr von ihm wissn will, und daß er das erfährt und einsieht, wenn er's wieder trifft. Die Enttäuschung wird ihn dann erst recht unglücklich mach'n."--

Oder heilen! Wenn alle Mittel manchmal bei schweren, eiternden Wanden versagten und die verletzte Stelle nie wieder zu gesunden schien, dann half gar oft ein einziger, tiefer Schnitt, daß sich die Wunde schloß. Zwar bleibt die Narbe dann, die kranke Stelle aber ist gesund und schmerzt nicht mehr, wenn manchmal auch noch gewissen Zeiten ein dumpfes Schmerzgefühl uns leise an Sie einstige Wunde mahnt. Lasten Sie doch den tiefen Schnitt gescheh'n, wenn jedes andere Mittel sich erfolgtes zeigt. Am Schlimmsten läßt sich nichts ver­schlimmern; da ist kein Einsatz, Hilfe zu erreichen, zu gewagt. Warum fo zaghaft sein! Gerade das. wa- un- sern Augen oft ein rabenschwarzes Unglück scheint, gibt unserm Leben oft die wärmsten, hellsten Sonnenstrah­len!"

Ich hab' schon manches Schwere trag'n im Leb'n, doch nix, mein' ich, hat mir noch so viel Kummer g'macht, als daß ich seh'» muh, wie mein Kind unglücklich wird. Hochwürden! Des ist doch da- bitterst, was ein treff'« kann, wenn man des leid'n sieht, was uns das Liebste is im Leb'n."

Das ist das Los der Mutter, daß sie verzehnfacht noch des Kindes Jammer fühlt und alle Dornen, die des Kindes Fuß verletzen, sich tief und schmerzlich in das Mutterherz einbohren. Legen Sie Ihre Sorg«.-. * Hauensvoll dem Höchsten in die Hände. Sein Segen

Gderschlefien, die Teilungspläne und der Oberste Rat.

Im ftanzösischen Kabinett ist man sich jetzt klar darüber geworden, daß einer Entscheidung über Oberschi es ieu angesichts des Drängens der Eng­länder und Italiener nicht mehr ausgewichen werden kann. Es wird gemeldet, in der Kabinetts- sitzung am Sonntag habe das Ministerium sich dahin entschieden, daß es sich der enögätigen Entscheidung des Obersten Rates hinsichtlich Oberschlesiens und der Sanktionen nicht widersetze» werde.

WiePetit Parisien" mitteilt, sind zur Tagung des Obersten Rates durch Briarw fünf Staaten ein« geladen worden: Italien, England, Amerika, Japan und Belgien. Fünf Punkte stehen auf der Tagesordnung, an erster Stelle die Frage der Ent­sendung oott Verstärkungen nach Ober­schlesien, an zweiter Stelle das oderschle­sische Problem, an dritter die Orient frage, an vierter die Frage der Aburteilung der Kriegs- befchuldigten, und endlich die Ernährung Rußlands. Nach dem gleichen Blatt werden die Arbeiten des Obersten Rates mindestens eine Woche dauern.Jntranfigecmt" glaubt, daß nur folgende zwei Hauptfragen besprochen werden: 1. Die etwaige Entsendung von Verstärkungen, 2. Teittrng Oberfchle- siens. Dann würde matt zunächst abwanen, wie die Entscheidung der Alliierten von Polen und Deutsch­land ausgenommen werden. Der Rest der Tagesord- nung würde den Gegenstand einer zweiten Tayesord- ramg bilden.

Nach den Blättern soll die mit der Prüfung der oberfchlestschen Frage beschäftigte! Sachoer stän­dige nkonferenz spätestens bis zmn 7. August ihre Arbeiten abgeschlossen haben. Heber das bis­herige Ergebnis der Konferenz macht Pertinax im Echo de Paris" eine Reihe von Mitteilungen. Da­nach haben die Sachverständigen zunächst die drei vor­liegenden fachlichen Teilungsprojekte durchberaten: den englisch-italienischen Vorschlag vom April, der von dem Prinzip ausgeht, daß das Jndustrierevier ein unteilbares Gan­zes bilde und den Polen außer Pleß und Rybnik nur gewisse Grenzgebiete zuerkennt, die Projekte K o r« santys und Le Rands, die das Industriegebiet unter Zurechnung der polnischen Majoritäten in Pich und Rybnik für Polen reklamieren, imd die beiden Vorschläge S f o r z a s, von denen der eine die Tei- lang des Industriegebiets ms Auge saht, der andere das Zentralrevier Deutschland zufpricht und die Polen dafür durch Zuteilung einiger latSwirtschafttichen Distrikte im Norden uni) Osten entschädigt. Die Sach­verständigen haben sich auf keinen dieser Vorschläge zu einigen vermocht. Die Engländer haben eine Grenze vorgefchlagen, die den Polen auHer Pleß und Rybnik nach die Bezirke Ratibor, Lublinitz und Rosenberg zu­teilen mitt Die französischen Experten haben einen Gegenentwurf ausgearbeitet, der die Sforzalinie zum Ausgangspunkt nimmt, den Polen darüber hinaus aber noch den Hiudenburgbezirk zuteilen möchte.___

Finanzkonferen; der Alliierten.

Die mehrmals angekündigte Konferenz der alli­ierten Finanzminister wird in der nächsten Woche in Paris staitfinden. Die Konferenz wird sich u. a. mit der Verteilung der deutschen Ent­schädigungen befaflcn.

polnischer Terror.

Alle Anzeichen deuten auf einen neuerlich be­vor st ehenden polnischen Putsch hin. Der polnische Terror greift immer weiter um sich Aus Nikischacht habe« die Grubenbeamten vor dem Ter-

bleibt nicht aus, wo eine Mutter betet und fromm und gläubig zu ihm fleht. Sehnt sich Ihr armes Herz je einmal nach Rat und Trost, so finden Sie mein Haus und Herz für Ihre Klagen offen, und helfe« will ich Ihne«, wo ich immer kann. Gott segne Sie!"

Einen Moment hielt er die schwielige, harte Hand der Flickschusterin in der seinen, dann ging er langsam weiter in das nächste Haus, dort einem Kranke« Trost zu spenden. Sinnend sah die Flickschusterin der ehrwür­digen Gestalt des Priesters nach ihr Herz atmete freier, die Zentnerlast, die sie zu Boden drückte, schien gewichen.

Noch einmal wollte sie es nun versuchen mit Bitten, Wünschen, ja selbst mit Drohungen auf Josephs Zustand einzuwirken: sie will ihm glauben machen, daß er nie das Elternhaus mit ihrer Einwilligung verlassen darf, und bleibt auch dies ohne Eindruck auf ihn, ändert sich sein Wesen nicht, dann mag der tiefe Schnitt in die eiternde Wunde geschehen.

Eher als sie vermutet hatte, sollte es zu einer Aus­sprache mit Joseph kommen.

Kaum war sie nämlich daheim, kam des Schmid- bauern einzige Tochter Nann und brachte ein Paar zer­rissene Stiefel zum Flicken. Sie war immer sehr liebens­würdig gegen die arme Flickschusterin die Nany Am Schustertisch stehend, unterhielt sie sich eine Zeitlang auch mit Joseph und erkundigte sich dabei rech: eingehend nach deflen Befinden.

Nach ihrem Fortgehen fragte ihn die Mutter:Jo­seph, merkst nichts?"

Was fall ich denn merk'«?"

Daß Dir die Schmidbauernnany zu G'fall'n geht."

Bet Dir müßt'« mir alle Madie nachlaus'n. Was Du Dir alles gleich einbild'st."

Ich bild' mir nix ein, was ich net g'wiß weiß. Jo­seph, wenn Du Dir nur amäl die Müh' nehme« wolltest und tätft Dir überleg«, ob Du die Nany net doch a bißle gern hob'n könnst. Sie is doch so a fleißiges frisch SDläble und reich. Weißt Du, die Schmidbauernnany künnf sich fei an ganz andern Bräutigam such'« wie Dich, d-e is dumm renug, daß fit Dir nachlault." <

ror fliehen müssen. Auch in Gieschewal und Janov» wurden die Deutschgesinnten von polnischen Banden zur Flucht gezwungen. Aus Laurahütte und Nicolau wer. den Zusammenrottungen ehemaliger 3°" {urgenten gemeldet, die schwere Gefahren für die deutsch gesinnten Teile der Bevölkerung befürchten las- sen. Die zuständige« Kreiskontrolleure sind eindringlich auf die Sturmzeichen im oberschlesischen Industriegebiet aufmerksam gemacht worden. Aus Rybnik wird ge­meldet, daß der Markscheider Assistent Wrobel von als Ortswehr fungierenden Insurgenten aus dem Werkkasino in Ober-Radoschau mit Gewalt herqusgeholt und auf dem Wege zum Nachtlokal erschoßen wurde. z

Polnischer Boykott der Stadt Ratibor.

Die Polen im Rhbniker Bezirk vethängten übet die Stadt Ratibor einen förm 1 ichen Boykott. Die Bauern der umliegenden Dörfer dürfen keine Lebensmittel mehr nach Ratibor liefern. Die Stadt« bevölkerung wurde dadurch in große Unruhe versetzt.

Deutschland und der Völkerbund.

Im englischen Hnterhan'e erklärte der Unterrichts« Minister, er habe keine Nachricht darüber, ob Deutschland die Absicht habe, seine Zulassung zury Völkerbunde zu beantragen. Auf die Frage, welche Hakiung die britischen Delegier len im Falle eines solchen Antrages einnehmen würden, antwortete der Minister, er glaube nicht, daß die Delegierten von der Regierung Jnstrnki'.onen erhalten hätten. Sie würden je nach den Umständen handeln.

Die deutschen Rohlenlieserungen.

Die Reparationskommisston in Paris beschloß, von Deutschland zu verlangen, daß die zu lieferndem Kohlen qualitativ in dem selben Verhältnis stehen, wie sie in Deutschland selbst verbraucht werden. Gewisse Kohlensorten, für die die Alliierte«,' kein Bedürfnis haben, mußten gegen andere umge- tauscht werden. Die Kohlenlteferungen sollen künf­tig unter der Kontrolle des Büros der ge chädigte« Kohlengruben bleiben, um dadurch eine Ueberteue- rung und ungleichmäßige Behandlung der Verbrau­chergruppen zu vermeiden.

Dom hunger in Rußland.

Das Moskauer BlattIswestija" meldet: Die Zahl der hungernden Bewohner in Ostruß- 1 and, die auf Moskau marschieren, beläuft sich auf über 6 Millionen, die die Gouvernements Tambow, Pensa, Woronesch überschwemmen und sich ohne Aufeni» hast vorwärts bewegen. Am 20. Juli erreichten fte die Stow Tambow, nachdem sie enägegengefanirte Truppen geschlagen hatten. Sie plünderte» alle Vorräte und töteten sämtliche Pferde der Kavallerie, Feuerwehr und Droschken. Die Untersuchung ergab, daß die Truppen, denen der Schutz der Stadt anver­traut war, sich weigerte», auf die Menge zu schießen.

Politiken" wird aus Riga gemeldet: Amtlich wird ntitgeteilt, die Cholera wütet im ©oucernemeni Sa­mara furchtbar. Allein in der Stadt Samara kommen täglich 400 neue Fälle vor. Eine ungeheure Anzahl flüchtender Ellern hat ihre Kinder zurückgelaflen. Im Gouvernement Samara gibt es bereits übet 40 000 solcher verlassener Kinder.

Reber b':e Lage in den

vereinigten Staaten macht einer der Führer der sozialistischen Partei in den Vereinigten Staaten, Morris Hill- quit, ein Mitarbeiter der unabhängigenFretheit", MiNeilunqen, denen wir folgendes entnehmen:

Nach den Aussühritn->en Hillquits ist die wirt« schaftliche Sage in Den V'reiniuen Staaten sehr

Soll's g'scheiter sein! Ich will's ja net, soll sie'» halt geh'« laß'«."

Ich aber will's, weil Dein Glück wär', wenn Du aufn Schmidbaucrnhos fomma könnst Du sagst ja im­mer, das Stiefelflicken g'fallt Dir net. Da wärst bann a reicher Bauer und mußt nimmer am Schusterstuhl sitz'n. Das Stadtgeh'n schlag' Dir ausn Kopf. Da wird nix raus, kannst mach'», was Du willst. So lang' ich fchnauf'n kann net! Und wenn Dir vielleicht noch was anders Dumm's durch'» Kopf geht, bann schlag' Dir nur das a gleich mit aus» Kopf. Ich dächt'. Du wärst g'scheiter, als daß Du Dir von so einer dumma Stadt» gans an Kopf verdreh'» ließest."

Joseph war totenblaß geworden. Ohne ein Won zu sagen, stand er auf seinem Platz und wollte die Stube verlassen. Die Mutter vertra, ihm den Weg; schon be­reute sie, die Sache mit Lore berührt zu haben.

Joseph,, bleib' da'" sprach sie in begüttqenbem Tone. Ich will Dich ja net zwinga mit der Nany, ich hab' halt g'meint, so a Partie solltest Dir doch überleg'n, die kommt net gleich wieder. Sie g'fällt Dir halt net, gelt?"

Ich will mirs übcrleg'n, Mutter", antwortete Io. seph in seltsam gepreßtem Tone.

So mein' ich a, Joseph. Nur wenigstens überleg'« sollst Dir's; kannst ja dann mach'n desweg'n, was b* willst. Du bist mein braver oernünftigtr Bu; ich weiß schon," fuhr sie befriedigt fort. Joseph aber hatte leise die Stube verlassen.

Droben in seiner Kammer lehnte er am kleinen Dach- fcnster und starrte empor zum grauen Winterhimmel. Dieses weite, öde, verlassene Schneefeld rings um und über ihm das düstere, sahle Grau; es harmonierte gar gut mit seiner Herzensstimmung. Weit drüben zogen krächzende hungernde Raben durch die eisige Luft. Raben bedeuten Unheil wallen sie dies ihm künden!? Wie doch ganz anders war es, als bei draußen noch alles grünte und blühte und hoch im Aetherblau die Lerche jubilierte und Schwälbchen zwitschernd ihr Nestche« in sein Stübchen bauten. Blüten, Duft und Dogeizwitschern sind dahin; die Schwälbchen fortgezogen und fort mit ihnen ist fein Glück.

Gottjetzu.., telgt)