FuldaerZeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 175.
Leramworntch für Den itoauioneUen Leu: Dr. Kr am er, - füt dir Anzeigen: I. ^arze"»r-Fu!0a. ü
Rrnarionsvruä u. läetlcg der Fuldaer Lctiendrrrckerei tn Fulda, -ermotechei Nr. 9. Tfleqr.-Slöreiie: Fuldaer Zeitung
Dienstag, 2. fluguft 1921»
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öezugaprers UionaitKh 3.53 Ml. ohne Beüellgelü. Post, s bezug 4,10 M. Abgeholt 3,75 All. -
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48. Zahrg.
Hljo am 8. August.
Von Muie Juli auf Ende Juli verschoben, dann für den 4. August angekündigt und jetzt auf den 8. August verlegt! Es war sehr schwer, für dieie Konferenz überhaupt ein Anfangsdatum zu finden. Es wird noch viel schwerer jein, die sachliche Verständigung zu erzielen. Denn bis jetzt liegt nichts vor, was als AnjoH zu einem gedeihlichen Ausgang der Konferenz begrüßt werden könnte.
Der „gemeinsame Schrrtt in Berlin in, wie Wir schon in der vorigen Nummer darlegten, eine hohle Demonstration ohne oö?.Prahiidje Bedeutung. Briand will damit die franzögsche Eitelkeit beschwichtigen. Bei genauer Prüfung tonnte man soaar daran zweifeln, ob in dem „pemttniatnen Schrill" wirklich eine Genugtuung für Frankreich steckt. Es wird freilich der deutschen Negierung eine Art von R.vpenstoß versetzt, aber ge.ade in der „Gemeinsamkeit- der Aufforderung liegt erne Verleugnung ce8 französischen Versuchs, durch ein eigenmächtiges Vorgehen ohne Zuziehung Englands und Jialiens die Truppensrage zu regeln. Es loijnt sich aber gar nicht, diesen luftigen Klotz auf der Brühe genauer zu untersuchen. Wir gönnens auch den Franzosen ganz gern, wenn sie sich durch die Berufung des Obersten Rates nach Paris ge- schmeichelt fühlen sollten. Was scheeren uns die Demonstrationen und die sonstigen Aeußerltchkenen? Worauf es uns ankommt ist die Rettung von Oderschlesien und die Aufhebung der Rheinsanktionen.
In dieser Hinsicht hat sich die Lage noch nicht geändert. Man kann nicht sagen, daß Lloyd Gcvrge bereits umgefallen sei, wenn er auch den Franzosen «was Höflichkeit gewährt hat. Doch ebensowenig kann man sagen, doß die Machthaber in Paris ein sachliches Zugeständnis gemacht hätten. Richt elmnai auf die Truppeiwelstärkung haben sie verzichtet: geschweige dcnii aus die Grenzlinie nach den polnischen Wünschen. Auch drr Aushebung der Rheinsanktionen bleibt noch gänzlich im Ungetümen. Manche befürchten sogar, dcß Briand. nachdem er einige scheinbare Zugeständnisse gemacht, um so zäher aus den Rhemsankrionen de- pcheu werde.
Run hat Lloyd George die Gelegenhell der Enthüllung eines Sriegeißcnfinds benutzt, um eine Rede über bfe Verständigung zwischen England und Frankreich zu halten. Die Rede hat einen schönen and einen bedenklichen Teil. Recht hübsch klingt die Versicherung, daß England in der europäischen Frage für Mäßigung tingeirden sei, weil dieser furchtbare Krieg den Wert des Friedens erkennen gelehrt habe. Daran knüpft er dir Mahnung: „Seien wir darauf bedacht, unseren Kindern nicht das Vermächtnis eines konzentrierten Hasses zu hinteriafjen, der eines Tages ausbrechen kann. Aus diesem Grunde wird die ganze Macht des britischen Reiches, die im August 1911 in den Krieg geworfen wurde, heute in die Wagschale des Fru-dens geworfen."
Das hört sich an wie eine Bußpredigt für die französischen Kriegstreiber. Aber die werden sich an einen anderen Abschnitt der Rede klammern, wo es heißt: „Wir erkannten die größeren Opstir völlig an, die Frankreich einen Anspruch darauf geben, daß seine dftekteren Interesse!'. m eitrigen dieser Fragen Berücksichtigung finden. Das britische Reich hatte nur daran ein Sntercfje, daß der jo teuer erkaufte Friede ein wirklicher und sofortiger Friede werdet
Da haben wir das vermeintliche Vorrecht Frankreichs nugen der angeblich größeren Opfer. Das ist ein gesährlichcs Zugeständnis, das Herrn Lloyd Georg» bei den kommenden Verhandlungen noch sauer aufstoßen kann. Die sranzösisciMn Gewallpoutiker wissen alles, was sie wünschen, mit ihren „größeren Opfern" zu motivieren. Ähre vorgeschobenen Interessen gellen aus nichts geringeres hinaus, als auf die volle Niederwerfung Deutschlands bis zur wirlschast-
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Der EänsebNb.
Dorfroman von Dina Ernstberger.
Fränkischer 11;
Einmal
.Werd, erst groß und reich!" Qu( brnn _ ,um Kampf. Was Me.stcheukraft vermag ._ „ sollte es versuchen.
hatte die Flickschusterin gemeint, ob man borf; nicht den Arzt von der Stadt kommen lassen wollte, aber da spielte der Herr Bader so sehr den Beleidigten und sprach von Mangel an Vertrauen zu seiner Kunst, von Undankbarkeit ufm., daß sie schnell wieder den Bedanken daran fall'.n ließ.
Joseph haue sich anfangs gewaltig gegen das Bett- tegen gesträubt, als dies aber vergebens war, ergab ** nw in fein Schicksal, zumal er merkte, daß sich's im . .!* i>onz herrlich von Zukunstsplänen trärmen ließ.
!Kr wie auf dem Schusterstuhl — und so baute er en ganzen Tag Schlösser >n die Luit. Er glaubte nach und nag, selber daran, daß er krank sei
, . tn.cs "Jez £am £)Qnn her Bader wieder — er be. m ,‘e Potienten sehr fleißig —, unle-suchte den t*; s ra ,red)l eingehend die Zunge und erklärte »ni .c ®^obr beseitigt. Joseph durste am nächsten Tage schon ansst«h^
b’^ P^bre.iung feines Ruhmes bezüglich der bewundernswurd'geu Zunft seines ärztlichen W rken-r S wrnw na SQ?r üm -nnsb'n selbst. Das ganze . ? u n wiinderähnlichen schnellen Ge-
t?“ti0^P6Vn? Mochte damit das große Wissen des Lade: s IN D.rb'nüung
Joseph Halle während seines unsrelwEqen Aufent- nur'tern menn'ri* tie,ne ^" lchiüjse g faßt. Fort! nur rort. w nn sich feine Plane oerwirkuchm sollten. Lampfen rmgen, zw.ngen. das ®„i.f ihm zu dienen - d°- wottte er. das ira, sein W lle. Hier! was konnte £ -J'*rr tOnme ‘r |a 9fr a cht bcn Kampf um ba9 Glück beginnen; u bte|>r yttiaen atiid0iidjteit, die. lern ewigen Em riei geh rs tetn, & dingen; bter war (em B'atz $u len.m Kampf, tz.n er beginnen wollt? und mußte.
lichcn D-rnichlung, und deshaD wollen sie zunächst das oberschlesische Ändustriegebiet wnd dann das Ruhr- reoirr uns entreißen. Aus ihr .«Vorrecht" pochen-, setzen sie sich über die Willensmiernung der Verbünde» ten hinweg und suchen eigenmächtig vollendete Tatsachen zu schaffen. Daraus sind iHe ganzen häuslichen Schwierigkeiten in der Entente en lftanten, und auf ter bevorstehenden Konferenz werden England und Italien immer wieder rrachgeben muffen, solange sie den Franzosen ein Vorrecht einräumen.
Sn Paris hat man den fefklen Glauben, daß die Verbündeten es unmöglich wage n könnten, der g r o- ßen französischen Nation etwas abzuschlagen, was sie für sich als Sühne wi6 Sicherung verlangt. Man droht mit einem Abbruch, der Entente und denkt damit Lloyd George Immer wtedor zum Umfallen bringen zu kätmen. Immer '»eutticher yigl sich, daß der Friede, von dem Lloyd G torge redet, nur erhalten werden kann, wenn den Paxilser Gewaltpolitikern der Glaube an ihre Unentbehrlichkeit ausgetrieben wird.
England muß sich die kÄle i ch derech t i gu n g mit Frankreich wieder erringen. Sonst wird nicht bloß sein weltpolitische Ansehen, sondern mch sein wirtschaftliches Jnteress,: verloren gehen. Wenn England jetzt nicht fest bleibt;. so wird die bevorstehende Konferenz „das Vermächtnis eines konzentrierten Haffes" hinterlassen und zum 'SLerderben ausschlagen für Deutschland, für Europa urti» für die ganze Welt.
Der August von 1914 war vnchängnitsvoll, der August 1921 kann auch verhängnisvoll werden.
Noch kein NoAektivschntt.
Ter angekündigte gentfÄtiame Schritt der Vertreter Frankreichs, Englands und Italiens in Berlin in der Frage des Transportes von Verstärkungs- truppen nach Oberschlesien ist bis zur Stunde noch nicht erfolgt. Der Schnitt dürste im Lause deS heutigen Tages zu eiwart'/n sein.
Line englische MzierungsKommisfion in Pietz u nd Ny ML.
Die oberschlesischen Streife Pleß und Rybnik werden zur Zeit von einet! englischen Kommission bereist, die sich im Aufivsg der englischen Negierung über die Stimmung der dortigen Bevölkerung unterrichten soll. Anscheinen^ will die englische Regierung den Bericht diese e Kommission bei der Entscheidung über Obersclistesien und speziell über diese beiden Kreift verwende«.
Lloyd Georcje im Unterhaus.
Sn Beantwortung Tiner Anfrage gab Lloyd George im englischen Unterhaus folgende Erklärung ab: Sch schätze mich glücklich, dem Hause mitteilen zu können, daß wir zu einem zufriedenstellenden Uebereinkomme timitFrankreich gekommen sind, damit der Oberste Rat die Frage Oberschlesicns prüfen kann. (Beifall.) Der Oberste Rat wird in Paris am 8. August Mammentreten, um sich über die Ergebnisse der Bv»lksabstimmung in Oberschlesien und die Berichte der Avstimmungskommission auszusprechen. Der erste "Punkt der Tagesordnung wird der sein, zu entscheiden, ob bis zur Bekanntgabe der Entschließung betr. "kt Zuteilung Verstärkungen in dem AbstimmungSAtbirt nötig sind oder nicht. Sn- zwischen haben der französische, der britische und der italienische Botschafter in Berlin bei der deutschen Regierung einen gen »einsamen Schritt unternommen, damit Deutschland bereit ist, den Transport der alliierten Truppen durch Deutschland zu jedem Augenblick, wenn der Oberste Rat entscheidet, daß die Lage in Oberschlesien dies Erfordert, zu erleichtern. Die bri- tisck-e Regierung s-pi von dem Wunsche gebeitet, eine gerechte Lösu ng der oberschlesischen Frage ge* noß dem Abstimntungsergcdnis und der Bestimmun- gen des Friedensuierlrageo zu sichern. Sowohl den
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Seit Wochen st»ß nun Joseph wieder arbeitend an seinem Schustertisck). Befriedigt beobachtete ihn oft die Mutter: fett seiner Krankheit war er wieder der alte Joseph. Man meitkke nichts mehr von Niedeigeschlagen' heit, und wenn sie: sich mit ihm unterhielt, dann war er redselig und sprach! gern mit ihr. Ja. es kam sogar schon oftmals vor, als iftänge ein sonderbar weicher Ton durch seine Worte, untz «fein Auge sprach von Liebe und Innigkeit. Oft dankte denn im Gebete für diese Wandlung (Bott. Für die * Persönlichkeit des Baders aber empfand sie unbegrenzte Dankbarkeit: ihm glaubte sie die Rettung ihres Aelte^en nächst (Sott danken zu müssen. —
Tagelang druckt? es schon Joseph, der Mutter von seinen Wüstichent und Entschlüsfen etwas zu jagen; immer wenn er brgmnen wollte damit, schwand ihm der Mut dazu. Ost hatte er das Wort schon auf den L ppm, aber er getraute sich nie, dass.lbe auszulprechen.
An einem Sonntag abend faß er einmal in der Dämmerstunde allein bei der Mutier auf der Ofenbank, i
Peter mar in das Wirtshaus gegangen und die \ Mutter b.tete leise und ließ die Perlen eines Rosenkranzes durch die Finger gleiten.
Jetzt dachte Joseph, wäre der geeignete Moment, sein Anliegen der Mutter oorzntragen. Draußen wehte ein kalter Nordwind und ließ die gefrorenen Schneeflocken rieselnd an teus Fenster schlagen. Auf der Dank am Kachelofen trmr es heule deshalb doppelt traut und warm.
„Mutter, wögst not re-ch fein wie die groß'n Bauers, weibcr hier im Dorf, daß Du Dich niir.mer so plag'n müßt?" unterbrach Joseph "ie Stille. Seine St mme, aus der tnnere Erregung sprach, halt- einen seltsam fremden Kräng.
Die T/itlter legte den Rosenkranz aus der Hand und sah Joseph überrascht an; in der Dämmerung vermochte sie nicht mein feine Züge zu unterscheiden.
„Ich blh zufkied'n mit dem, was mit unser Herrgott geb'n hat vnd wünsch mir nix andere." sprach sie ernst.
„Und mtzchst gar net reich sein?"
„Rein! Ich bin zusried'n, des is mehr wert wie Geld."
Polen wie den Deutschen müff« in gleicher Weise eine völlig rechtmäßige Behandlung zuteil werden.
Tke Teilnehmer an der Pariser Konsereaz.
Lloyd George, Lord Curzon und die anderen engliiche'n RegterungSmitglieder werden am Sonntag nach Poris zur Sitzung des Obersten Rates abreisen. Man glaubt in London, daß die Tagung nur wenige Tage dauern wird. Italien wird auf der Tagung durch den Ministerpräsidenlen Bonomi und den Minister des Aeitßern vertreten sein.
Polens R esendefiztt.
Bei deir Einbringung des Budgets im Sejm (polnische Valksvertretung) kündigte der Finanzminister angesichts des Defizits von 80 Milliarden bei einem Gesamtstaalebedarf von 200 Milliarden eine Erhöhung der indirekten Steuern und eine Erweiterung der Siaafsmcnopole an. Die Staatsschulden betragen im Inland« 150 Milliarden Polenmark, im Ausland« hauplsächlich für Heeresl'eserun- gen und L->bensmitteIankäuse 3 Milliarden französische Franken.
Sn einer ausführlichen Schlußdarleguna über den Valuta-Nolstond hob dcr Minister die häufige Erschütterung des Vertrauens zu der polftischen Staats- leitung im Auslände hervor. Die Presse kritisiert das Budget mit Schärfe. Ungeheuerlich erscheint ihr vor allem das Budget des Kriegsmintste- r t u m s,t* das, während der Gesamtvoranschlag der Regierung auf mehreren hundert Seiten detailliert wird, auf <50 Zeilen ein Drittel der gesamten Staatsausgaben in Anspruch nimmt, nämlich 61 Milliarden. Das Finanzministerium lchnt denn auch' dafür dis Beranlwortung ab.
Zlrefemann und das Ultimatum.
Vor einiger Zeit hatte der „Rewyork Herald" Mitteilungen über angebliche Verhandlungen des Abg. Dr. Slresemann gelegentlich der Kabinettsumbildung im Reich mit Lloyd George gebracht. Die Mitteilungen des „Newyork Herold", die mit den Tatsachen nicht im Einklang standen, haben seinerzeit namentttch in der französischen Presse große Erregung hervorgtrrufen. Setzt nimmt der Abg. Dr. Stresvmann in ter „Deutsch. Allg. Ztg." (Nr. 351 vom 31. SuU) zu dieser Angelegenheit selbst Stellung. Seine Ausführungen bieten itrfoifern Snteoeffe, als er die talsächlichen Vorgänge jener Zeit wtetergibt.
Er teilt zunächst mit, daß er gelegentlich der vertraulichen Verhandlung der Reichstagsfraktionen über das Ultimatum vier Fragen formuliert und dabei betont habe, daß ohne eine unbedingte Zustimmung ter Entente namentlich zu ten entscheidenden Fragen der Aufhebung der Sanktionen und der Ober- schlesiensrage gar nicht daran zu denken sei, daß die deutsche Volkspartei von ihrer abtehnen- den Stellung gegenüber dem Ultimatum abginge. Ueber die angeblichen Verhandlungen mit Lloyd Georg« stellt Dr. Ctresemann fest, daß er mit diesem persönlich weder mündlich noch schriftlich verhandell Hobe, daß er vielmehr seine vier Fragen dem ersten Botschafter überreicht habe. Die osfizielle Antwort der englischen Regierung sei einen Tag nach der An- nähme des Ultimatums eingetroffen und ihm (Streft- mann) von dem britischen Botschaster mündlich eröffnet Ueber diese Antwort teilt Herr Stresenionn folgendes mit:
„Die Antwort war in Bezug auf die Stellungnahme ter englischen Regierung zu der Frage der Aushebung der Sanktionen eimvandsvei und zusriedcn- stellend, sie betonte bezüglich Oberschlesiens die Bedeutung ter wtttschasllichen Sntereffen, deren sich England bewußt sei und verwies im übrigen auf eine loyale und gerechte Anwendung des Friedensv.'rlrag.s von Versailles. Zusriedenstellend war, was die englische Stellungnahn-e anbetrifft, weiter die Antwort der bri-
„O. ich macht' reich fein, Mutter. Ich müßt' schon, wie ich s roerb’n könnt."
„Wünsch' Dir nix solches, Joseph. Wer zufried'n is mit dem Stand, in den ihn unser Herrgptt g'setzt hat, der is reich auch ohne Geld. Zufriedenheit, des is der richtige Reichtum: hast den, an andern brauchst bann net.“
„Wenn alle Leut' so denk'n tät’n wie Du, körn' kein Mensch vorwärts. So denk' ich net. Ich will's amal noch weiter bringen als auf'n Schusterstuhl. Mutter! nur a paar Jahr', wenn Du mich sortgeh'n ließest in die Stabt, ich . . .
„Wie? was hast g meint? Ich glaub' ich hab' Dich falsch verstand'n."
„Ich hab' halt g'miint; ich hab' nur denkt; das Stiefelsticken will mir nimmer g'fall'n. Fort, wen« ich wär, drauß' in der Wett, da könnt' ich mir mei Brot doch leichter nod) verdienen. Wer weiß, wie ich da drauß' me, G'ück nach mach'n könnt'. Warum sagst Du h»nn nix, Mutter, was meinst Du dazu?" fuhr er fort, als ferne Mutter nicht erwiderte
„Seif wann trägst Du Dich denn mit solche Ge- banf’n? Hast s wohl schon lang' — schon feft’n Sommer im S!nn?"
„Ich macht' halt a. daß wir net gar so arm d'ian tcär'n. A jeder da im Dorf meint, er is mehr rote wir," sprach er. der Frage feiner Mutter ausweichend.
„Hast Du des feit’n Sommer schon Im Sinn?" fragte die Flicklchufterin zum zroetten Male.
„Dos mit'n Fortgeh'n?"
„No na'ürlich. Bon was weiter red'n wir denn etzt," ,0 nein! Des hab' ich schon als Bub oft denkt." „Und hast nie mir davon was g'fagt?"
„Ich hab' halt denkt. Du tuft s |a doch net leid'n " „Und wenn ich's leid'n täl; wo gingst denn hin, ich mein' in welche Stadt?"
„Auf R., des wär' doch net fo weit."
„Is da net die Fräul'n Lore dut?"
„Was weiß ich. Wie kann ich des roiff'n?"
„Ich aber weiß! Du Haffs im Sommer selber mir erzählt. Siel,st, Joftph, da hast's g'roußt; warum willst'» ctzt net tP'J’nt — 2»,rphl Joseph!" fuhr sie fort al»
tischen Regierung wegen ter beiten weiteren Fragen, b« sich aus wirischasttiche Bestimmungen des Ultima» tums bezogen."
Nach diesen Feststellungen tes Abg. Dr. Strese» mann wird die ablehnende Haltung ter deulfchen Dolkspartei gegenüber tem Ultimatum noch unverständlicher, als sie es bisher schon aus innerpoii- tischen Gründen war.
Gegen öle Erhöhung der vrotpre'ljes.
Wie der ,Berl. Lokalanz.' aus Magdeburg meldet, wendet sich die Aerztekammer für dr'e Provinz Sachfen gegen eie beabsichtigte Brot- Preiserhöhung. Die beträchtliche Erhöhung des Preiies würde zur Folge haben, daß zahllo e Kreise der Bevölkerung noch mehr dcr Unterernährung mit allen ihren üblen Folgen preisgegeben würden. Neue folgenschwere Unruhen und Kämpfe seien zv' befürchten.
Die Aerztekammer hält es daher tm Hinblick aus das allgemeine Wohl und die Wiedergene, ung beS kranken Volkes für geboten, das unbedingt zur. Lebenshaltung nötige Brot in der bisherige» Prershöhe weiter zu verabfolgen. Für das über die jetzige Brotmenge hinausgehende Brot könn« ein entsprechender Mehrbetrag gefordert werden.
Generalstreik in Danzig.
Wegen des Verbotes einer beabsichtigten Demonstration gegen die allgemeine Teunung rufen ter Allgemeine EHwerkschaftsdund, drr Allgemeine Angestelltenbund und die drei sozialdemokratischen Parteien die Arbeiter, Angestellten und Beamten zu einem am Donnerstag stattsindenden 24 stündigen Genera l st r e l k auf. Als Ausgleich ter Teuerung wird eine Erhöhung sämtlicher Löhne, Gehälter und Unterstützungen gefordert.
Aus dem besetzten Gebiet.
* v « votschLflrrkonfkrenj beschäfligre sich mit der Ernennung des Fürsten Hatzfeld zum Reichskommissar in der interalliierten Rheinlandkommission. Sie entschied, daß tm FriedenSocrtrage ein Reichskommissar nicht vorgesehen sei. Sie alliierten Regierungen würden die Ernennung eines neuen Kommissars nur unter der Bedingung prüfen, daß dre Versicheruna gegeben wird, daß sich dieser Kommissar jeder „Obstruktion“ enthalte und mit der RhemlanSkonrmission zusammenarbeile.
* Zufolge neuer Güter,»auungen an der Rheinzoll, grenze im Bezirk Mainz wurde eine ausgedehnte Sperre für Eilgut, Frachtgut, Stückladung und Waggonladung über Bischofsheim und Worms verhängt.
* Die britische vcsatzungrzone am Rhein. Wie die .Rheinische Leitung' aus? zuverlässiger Quelle erfährt, wird die brutsche Besatzungzone im Rheinland dis feit einiger Zeit teilweise unter französischer Besatzung stand, in vollem Umfange wieder hergcktellt werden.' Köln und Bonn werden wieder ausschiietzlich britische Besatzung erhalten. Ein Tert der Stadt Köln war bekanntlich bisher von den Franzosen besetzt gewesen. ____
soziales.
Stcinarbeiter-Konfcren; in Linz am Rhein.
Am 16. Juli fand tn Linz a. Rh. eine Konferenz, der Steinarbeiter für das rhein-mainische G bret stattt Dieselbe nahm zu allen die Arbeiter der Steinindustrie iutcieffierenCen wichtigen Tagessragen Stellung. Die Ergeb.uffe der Konferenz kommen in nachstehendem ein. stimmig gefaßten Entschließungen zum Ausdruck:
1. Die am 16. Juli 1921 in Linz am Rhein versammelten Vertreter des BerufsverbandeS Deutscher Steinarbeiter (christl.) beschästi ten sich mit der derzeitigen Lage der Naturstein-Jndustrie. Die Vertrerer des genannten Verbandes tarnen übereinstimmend zu der Ueberzeu ung, oay infolge der zunehmendeir Konk u r , enz d er Ze nie n t- bezw Kunststein-
er schwieg, „such Dir Dein Glück net drauß'n tn der Welt. Wer außen sich das Glück sucht, sucht vergeblich. Aeib' in der Heimat, in Dein Elternhaus: arbeit’ und sei zufrieden mit dem, was Dir unser Herrgott gibt, bann bist Du glücklich. Doch da drauß'n! In unfern klein, armfelig’n Dorsla wohnt vielleicht mehr Glück, mehr Z'fitedenheit wie einer gauz'n groß'» Stadt."
„Du weißt's halt net. wie schon des is — Geld hab'n. Wer Geld hat, gilt was bei den Mensch'n: roer kein's hat, der ts überall veracht."
„A jeder hat fein Bündig zum trag'»! Des unsere is das schwerst' gar lang' red) net, wir hab'n die Sorg' UMS Brot. SIrbeit'n und entbehr'!, muff'n. des is n»t so schlimm. Wer aber Geld g'nug Hai und Ehr', kein' Not und Sorg um’s Brot kennt, nix entbehrt, der trägt den schwerst n Bündel oft, brr trägt sein innerlich. Wenn s Heiz arm is und entbehr'u muß — o. des i» schwer und bitterer, als roenn's nur on Körper trifft."
.0 laß wich s trotzdem Hal» probieren. Mutter, mie’e Geld verdienen gebt wie s Geld hab'n iut. Ich kann und kann gar nimmer glücklich sein.
In leidenschasllicher Erreg ing hatte Joseph die lefcteh Worte gesprochen Seine Mutter ruck!« ganz nahe zu ihm f)in und faßte seine Hand.
„Suchst Du nur Geld? Treibt Dich nix anders fort von da? Sag' mir die Wahr heil Joseph. Ich bin Set Mutter und gab' mein Herzblut her, könnt' ich Dich j'frieb’n mach'n. Bleib' da. jag net an Irrlicht nach! Nirgends finb'ft eher Ruh' und Fcird'n roifber wie im Elternhaus und fein Ort is. drr Dein Schmerz leicht« heilt als wie Dein Heimatdorf."
Zärtlich strich sie mit der Hand über bas Haupt ihre» Kindes. Die Abendglocke läuMe zum (Bebet und betend faltete Joseph feine Hände, die eine Hand der Mutte» blitb wie segnend auf dem Haupte des Sohne, liegen, dis andere hielt in innigem Druck Joseph« Recht« um. fangen — da fiel ein schwerer, heißer Tropfen auf dl» Hand der Mutter nieder. Die Flicksch.ifterm zuckle leis« zufammen, fo beteten beide schweigend, bi» N# Ak end» glorfe ousgeklungen; bann erhob sich b> Mutter, um die kleine Lumpe aozuzunden. Schweigend verließ Jajcptz bte Stube. - (Jortf. folgt)