Fuld aer Zeitung
AmMcher Anzeiger für den Kreis und die Skadk Fulda.
fit. 174.
tieramwonitd; für den Ktoauionellen Teil: Dr. Kramer, = to bti Anzeigen: 3. Parzeiier-Fulda. = 'Jtotarionsbrud u. »erlog der Fuldaer Attiendruckerei in Fulda, ^emiprediet 9lr. M. Teleor.-Adreise: Fuldaer Zeitung
Montag, t. August i92L
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48. Zahrg.
Line merkwürdige Einigung.
Das Kompromiß der Alliierten.
Ms die engiische Note, die an der Forderung «ach der baldigen Tagung des Obersten Rates festhält, Herrn Biiand in Paris übergeben worden war, haben sich die Pariser Gewalthaber in langen Sitzungen um einen Ausweg den Kopf zerbrochen und mit Erfolg. Die französische Regierung stellr sich nämlich nunmehr auf den Standpunkt, daß die Tagung des Obersten RateS von einem gemeinsamen Schritt des französischen, englischen und italienischen Botschafters abhängig gemacht wird, um die deutsche Regierung anfzufordcrn, alle für die Beförderung der Truppen nach Oberschlesien notwendigen Maßnahmen zu treffen, sich bereit zu halten.
Die engltsche Regierung hat nun diesen Vorschlag angenommen» der das französiiche Prestkge reiten soll und die Einigkeit der Verbündeten vor der Oefsentlichkeit wiederherstellt. Brrand hat bereits dem französischen Botschafter m Ber.in Weisung erteilt, sich seinem englischen und rtallenlschen Kollegen anzuschließen zu einem Kolleklivschritt bei der deutschen Regierung, um diese aufzufordern, daß sie sich bereit halten so», mit allen möglichen Mitteln den Transport alliierter Truppen durch Deutschland zu erleichtern, welchen die Lage in Oberschlesten jeden Augenblick erforderlich machen könne. Lord Curzon hatte vorher nach Paris mitgeteilt, daß England diese Regelung billige und nunmehr die Konferenz am 8. August erwarte. Lloyd George werde den Sitzungen des Obersten Rates, die, falls der Wunsch der französischen Regierung dahin gehe, in Paris stattfinden würden, beiwohnen. Der Ton der englischen Regierung soll sehr herzlich sein, der britische Botschafter habe seine lebhafte Genugtuung darüber ausgedrückt, daß sich die Mißverständnisse der letzten Tage aufgeklärt hätten.
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Die höchst überflüssige Aufforderung soll offenbar nur „bas Gesicht wahren", wie die Chinesen sich aus- drücken. Es soll der imposante Anschein erweckt Werden, als ob die Ententemächte einmütig und solidarisch gegen die jüngste deutsche Note Stellung nähnttn. In Wirklichkeit könnte man von einer Solidarität mit Frankreich höchstens dann reden, wenn England und Italien sofort erklärten: „Auch wir fordern den sofortigen Transport der französischen Division!" Das tun sie aber wohlweislich nicht.
Wenn die französische Empfindlichkeit mit diesem belanglosen „Schritt in Berlin" beschwichtigt wird, so kann cs uns recht sein. Diese überflüssige „Aufforderung" ist wahrlich nicht die schlimmste von den Rippe», stoßen und Nackenschlägen, die sich das arme Dcutsch- land gefallen laflen traute.
Für den weiteren Lauf der Dinge ist der „gemeinsame Schritt in Berlin" nebensächlich. Woraus es an- kommr, sind die Entschließungen des Ober- st e n Rates in den zwei zusaminmhängenden Punkten: Truppennachschub und Grenzfestsetzung.
Herr Briand hat insofern einen taktischen Erfolg erzielt, als er die T r u p p e n f r a g e auf den ersten Platz gebracht hat. Die Einigung wird nicht glatt und schnell erfolgen können, denn in England und auch in Italien hat man btt Gefahr erkannt, die in der Ucberzahl der französischen, mit den Polen fraternisierenden Truppen liegt, so daß man entweder Frankreich zum Derzicht bewegen oder auch neue Truppen bus England und Italien abschicken muß. Diese Truppenoerstärkuna soll vor der Entscheidung über 6k deutsch-polnische Grenze nicht bloß beschlossen, sondern auch tatsächlich durchgeführt werden, und das gibt dm Franzosen die schönste Handhabe, um ihre Ber- schleppungstattik fortzusetzen und auf Zwischenfälle zu spekulieren, dir sich geg:n Deutschland ausbeuten lie-
Der Sünsebub.
Fränkischer Dorfroman von Dina Ernst bergen 101 ________
„Willst was, Mutter?" Noch klang ein weicher Ton durch feine Stimme.
»An was hast Du eigentlich jetzt grab’ denkt, So- Wr
„2ch? An nix!"
,. "®os machst Du mir net weiß. Schon lange müßt' »ch gern, was Du hast: Du bist ganz anders roorb’n — män ^e"nt Dich ja gar nimmer. Und immer sinnst so nor Dtm hin, grab’ als wennst was rech, Arg's auf Sog s mir, Joseph: schau, ich bin butter. Drucks net in Dich net, wenn Dir b . ' J~enn >ch Dir vielleicht an riet helf'n kann, J -. ’r leichter werd'», wenn Du mit mir bruber >"dn kannst. Sag'. Joseph, was hast benr.9' „Jtr. Mutter, wirklich nix-
ich merk's schon lang' daß Du n« b’rnn fA. thTe Su roarft ®5 wird doch die Lore nrt dran schuld fern, daß Du so veränben bist!" Wn« rmT"8 I1Ur Quf so dumme G dank’». Mutter Was sollt denn da bte Fräul'n Lor. öamit zu tim bab n wenn .ch Dir anders vorkomm! Man i5 halt manchmal net so aufg legt"
„Sei offen Bu! A -IRufterauq’ sieht scharf Du btst ntmmer zufned n und ruhia und Dei Ruh' hat die
”7”a' b,tt> Dich um Htmmelswill’n, Joseph, laß Dir ,a ka bumma Qebantn in Stopf nei- tomma.
„So laß mich doch nur amat mit der Fräul» Lore bt Ruh; wte kommst denn nur ba drauf. Da denkt «ns n.mmer ans andere von u,ls zwei: .wir hab» uns halt tm Sommer gut miteinander unterhalt n des
alles Kopfweh hab' ich viel, weil Dn’s durchaus wtsien mußt."
.Du denkst halt z'viel. Des glaub’ ich wohl daß Du Kopfweh hast." ’ 6
»Rein, ich sinn' übcre nix! Wer weiß, rooher öes iEvpjweh tocwu, mir is jo a nie recht gut."
Kreuzes mit ärztlicher Pflege und Entseuchungsperso. nal. sowie mit Medikamenten und ärztlichem Befehls- mcteriol nach Petersburg gesandt werden. Im Ein» mrnchmen mit dem russischen Roten Kreuz beabsichtigt die deutsche Rote Kreuzhilfe in erster Linie eine planmäßige Bekämpfung der Seuchen in den Hauptepite- micherden. Dir deutsche Regierung hat, wie schott bekamn gegeben wurde, ihre weitgehende Förde-, rung zugesagt. .
Die Beisetzung Karl Trimdornr erfolgte, rote wir am Samstag schon kurz meldeten, rn Unkel a. Rh. Bon dem nahe der Pfarrkirche gelegenen Hause aus bewegte sich der Letthcnzug den Rhein entlang und durch die mit zahlreichen Flaggen auf Halbmast geschmückten alten Straßen dem Kirchhofe zu. Dem Sargt folgte eine schier unabsehbare Menge Leidtragender. die aus allen deutschen Gauen' herbeigeeilt waren, mn ihrem verewigten Führer das letzte Geleit zu geben. Besonders zahlreich vertreten waren b:e Abgeordneten der verschiedenen Parlamente: Reichspostminister Gies» berts. Reichsminister a. D. Vizepräsident Dr. Dell, Hi- rold, Marx, Becker-Arnsberg, von (Buerarh. Esser, Deltin, Bergmamt-Köln, Busch, Iakoby-Rasswuf, Eismann, Lauscher, die Damen DransfeD und Teusch u. a. m. Ferner waren anwesend Oberbürgermeister Adenauer von Köln und Abg. Sollmann. Mitglied der Sozialdemokratischen Fraktion.
Am offenen Grabe hatten neben den Abordnungen mehrerer Ortsvereme Vertreter des Berbondes k a t h. Stubentenoereine, denen der Verewigte als Mitglied angehörte, in Ballwichs mH ihren Fahnen Aufstellung genommen. Pfarrer Dr. Schwammborn sprach die kirchlichen Gebete. Taten widmete der greife Ehrenvorsitzende der deutschen Zentrum spar lei, Landesökonomierat Herold, selbst tief ergriffen, einen tie-feroreifenöcn Nachruf dem dahin geschiedenen Freunde und Führer: Erschüttert stehen wir alle an der Bahre dieses vvrtrefllichen Mannes. Als Gröber 1919 von binnen schied, da wurde Trimborn einstimmig und ohne Zaudern 3um ersten Vorsitzenden gewählt. Sein Name wird uns stets irnvergetz» sich bleiben, zumal er in den Sieten abberufen ward, lieber 20 Jahre hindurch hat Irtmborn mich dem preußischen Landtaae als einer der besten angehört, bis die großen Umwälzungen ihn veranlaßten, feine ganze Kraft dem Reichstage zu widmen. Unvergängliches bat er in bet Partei und für die Partei geleistet! Große Ausgaben hatte er sich für die kommenden^ Monate gestellt, deren Ausführung nun in anderen Händen liegen wird. Aber der Geist, der in dem Nerewichen lebte, et wird auch weiterhin Mitwirken und ein gutes Vollende« sichern. Was den Serftorbenen vor allem auszeichnete, war der scharfe Blick für die politischen Notwendigkeiten der Zett und die Gabe, Gegensätze ausmgleichen. 28 Jahre habe er, der Landwirt Herold, in enofter Freundschaft mit dem Städter Karl Trimborn zusammen gearbeitet, m steter Harmonie und Eintracht — ein Beweis für den glückiichen Ausgleich der verschiedenen Be- rufsintereilen innerhalb der Zentrumsportei. Der Geist unsres unvergeßlichen Führers wird m der Fraktion weiter leben und wirken, denn nicht m den Pericmen, sondem in unseren Grundsätzen liegt letzten Endes untere Stärke begründet, und die Fürbitte des Dahmgefchiedenen, sie wird uns vom Himmel her begleiten.
Der zwei'« Vorsitzende der Reichstaosfraktion. Setter« Arnsberg, schilderte Trimborn im Verein mit seinem Freund Hitze, den fest zwei Tagen der kühle Rasen deckt, als Schrittmacher und Führer einer christliche» Sozialpolitik, dessen Meisterschaft wir nun schmerz, lich entbehren müsien.
Re'chsminister a. D. Dr. Bell brachte das schmerz» l'che Beileid des Präsidiums des deutschen Reichstage» zmn Ausdruck. In den Annalen des deutschen Volkes wird der Name Trimborn vnau-cköfchbmr fein. Nun ruht er in heimischer Erde, auf rheinischem Grunde, den dnttlch zu erholten festr bestes Sinnen und Trachten erfüllte. Landgerichtsp-äsident Marr dankte dem Verewigten für seine emsire Tätteckeit als Präsident des Vot^svereins riir das katholisch» Deutschund <y*nbt im Namen meler taufender kathosisch»r Männer und Frauen, daß die Saat, welche Trimfwm gefäi. reichste Früchte zeieigen werde.
Diez.stonstnnz spricht im Namen der Vadenser. die schmerzlich den Führer misten werden, de- Süd und Nord 3ufnmm en geführt habe Domkapstu'ar Leich t-Bamberg iiherbrinat das herzliche Beileid der bäuerischen Volks»
Es ist wohl möglich, daß die Konferenz am 8. August ihren förmlichen Anfang nimmt. Der Ver- louf und das Ergebnis bieiben aber in tem alten Dunkel, ttotz der sog. Einigungssormri. Unsere ober- schlesischen Brüder und wir alle kommen aus dem qualvollen Hangen und Bangen noch mcht heraus.
Die Tagung des Obersten Rates.
Nach Havas wird die Tagung des Obersten Rates jedenfalls acht bis zehn Tage bau rn. Die Tagesordnung sei überlastet. Man iönne annehmen, daß die alliierten Staatsmänner sich auch mit der russischen Hungersnot und der Orienlfrage beschäftigen würden.
Le Rand in Paris.
General Le Rond ist in Paris angekommen. Der britische Oberkommissar für Oberfchlesien, Sir Harald Stuart und der tralienische Oderkommissar Oberst -Visconti haben gleichfalls Oppeln verlassen und sich in die Hauptstädte ihrer Länder halben.
Braucht polen Oberfchlesien?
Da England dauernd auf die Abhaltung einer Konferenz des Obersten Rates drängt, wird bas Schicksal Oberschlesiens wohl in der nähten Zeit endgültig entschieden werden. Es dürfte nicht ohne Wert sein, auch bi? Frage zu untersuchen, ob die französische Behauptung, Polen könne ohne Ober- schlesiei, nicht leben, richtig ist. Allerdings, selbst wenn dies der Fall wäre, so können wir demgegenüber ins Feld führen, daß Deutschland ohne Oberschief ien auch nicht leben kann, und vor allem, daß die Bevölkerung Oberschlesiens sich mst einer Zweidrittelmehrheit für das Verbleiben bei Deutschland entschieden hat. Dos Recht ist also a u f unserer Seite, wenn wir das Verbleiben Ober- Oterschlesiens bei Deutschland fordern.
Die französische Behauptung ist aber auch in keiner Form hallbar. Di« geologischen Forschungen haben ergeben, daß die Kohlenvorkommen sich über Oberschlesien hinaus erstrecken. Schon in Fr:e- denszeiien wurden im ehemaligen russischen Gebiet von D 0 m b r w a, im ehemaligen österreichischen Gebiet W e st g a l i z i e n, die jetzt zu Polen gehören, und bei T«s ch en, das jetzt den Tschechen gehört, Kohlen ge- förteit.
Von den Kohlenvorkommen entfallen: auf das jetzige Polen 52 Prozent, auf Deutschland 33 Prozent, auf die Tschechei 15 Prozent.
Schon jetzt hat also Polen die größere Hälfte der Kchlenoorkommrn In seinem Besitz. Fachleute berechnen, daß mit Leichtigkeit 10 Millionen Tonnen Kohle don gefördert werten könnten, wenn die Polen mit Energie daran gingen, neue Schächte aufzuteustn. Diese Kohlenmenge genügt völlig für Polen.
Dörfer Weg ist aber den Polen nicht angenehm. Niemals haben die Polen es verstanden, ihre Volkswirtschaft aus der Höhe zu halten. „Polnische Wict- schaft" ist ja sprichwörtlich berühmt. Wie stets in der polnischen Geschichte ist auch jetzt der wirtschaftliche Zuiammenbruch eingetreten, und statt in zäher fleißiger Arbert an einen Wiederaufbau zu gehen, denken die Polen nur daran, Oberschlesien Deutschland zu entreißen. Was deutsche Arbett, deutscher Unternehmungsgeist, deutscher Wagemut geschaffen haben, das soll nun den zusammmrgedrochmen polnischen Staat eine zeitlang weiter über Wasier halten. Nackte Raublust ist es. die Frankreich und Polen gegenüber Deutschland zusammenführt. Oberfchlesien ist aber deutsch!
Wenn Polen zur Ausbeutung seiner Kohlenfelder Ingenieure. Techniker und Fachleute braucht, so werden wir ihm wohl gerne behilflich fein. Eine blühende Wirtschaft Polens, ein kaufkrästigier Nachbar kamt uns nur erwünscht sein.
Noch ehe die Mutter erwidern konnte, hatte Joseph die Stube verlassen.
Kopfschüttelnd blieb die Mutter zurück Als sie kurz darauf Joseph zzuin Abendbrot rufen wollte, war er in bas Darf gegangen, um fertige Stiefel fortzutragen. Draußen hatte es mittlerweile zu schneien aufgehört. — Am andern Morgen führten Über den großen Hüte- anger bis hin zu dem Rosenbusch durch den frisch ge. fallenen Schnee die Fußspuren eines Mannes,
Wenige Tage nach diesem Gespräch ging die Flickschusterin zum Dorfbader, um seinen ärztlichen Rar wegen ihres Aeltesten zu erbitten. Bedenklich schüttelte er fein duftendes, gelocktes Haupt: „Immer Kopfweh?! Das ist nicht so einfach, Schusterin. Dos Kopfweh ist der Anfang von die größten Krankheiten."
„(Er denkt c bißle, mei Joseph; vielleicht konnt’s a davon herkomwa."
„Dom Denk'n? Kopfweh! Seid Ihr denn g’fdicir. Schusterin. Do? wär' der erste Fall in meiner langen Praxis, daß man Kopfweh bekam. ■ 'Das müßt’ da ein Studierter, wie zum Beifpiel — wollen mir sagen wie — rote — wie zum Beispiel tch für Kop'weh haben, wenn das vom Denken käme Dann müßten ja ich und meine Kollegen alle mn Kgpsbunden Herumlaufen. Da muß ich halt den Joiepb einmal näher untersuchen So einfach ist dem seine Krankheit nicht, das kann ich Euch heut' schon sag n.“
Wenige Stunden nachher — Io'eph faß wieder bei seiner Arbeit — klopfte bet Herr Dorfbader an die Stubentüre des Flickschusters Ei hatte stet» iw Leben sehr ntel ans Anstand und Bildung gehalten-, geduldig wartete er deshalb vor der Türe auf dir einladende Aufforderung, einzutretcn Er mitßtr zw.itna! klopfen.
„Luder. übermüt;g's! bleib' braust'n Arbeit was. dann vergeh, Dir die Dummheit". Harle cr drinnen Joseph einladend nren."
Er prallte zuerst cor Schreck zurück Wte roh und ungebildet doch diese Menschenklafte tft!
„Man hat sich hier offenbar in meiner Persönlichkeit geirrt“, sprach er mit Pathos im reinste:, Hochdeutsch wahrend er in tzie Stube not
Polen kann ohne Oberschlesien leben. Wenn es noch eine Spur von Gerechtigkeit in den Herzen der Männer des Obersten Rates gibt, jo darf, Oberfchlesien niemals polnisch werden. 2»
Die amerikan. $r^KnsprohIamation.
Nach der „Chicago Tribüne" liegen aus Washington Anzeichen dafür vor, daß sich Präsident Harding in der Frage der Herstelltmg des Friedens zwischen Deutschland und Amerika schneller entschließen werde, als die allgemeine Meinung sei. Obwohl der Generaianwalt seine Ansicht noch nicht geäußert habe, daß die Proklamation notwendig sei, werde angenommen, daß der Präsident sich überzeugt habe, daß sie erlassen werden sollte. Dies werde vielleicht noch vor ferner Rückkehr binnen etwa 10 Tagen geschehen.
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Kus dem BolscheWisten-paradi s.
Der Rcvaler Korrespondent des „B.-rlmer Tagebl." gibt Bericht« aus dem russischen Hungergebiet wieder, die das grenImlose Elend der betroffenen BeMkerung Mederspiegeln:
Die 7 Millionen Menschen, die die betten Gouvernements Saratow und Samara bewohnen, benötigen nach eurer stalistischen Errechnung mindestens 154 Mill. Pud Getreide zur Ernährung und Aussaat. Die diesjährige Ernte dükste jedoch nur im Höchstfälle in beiden Gouvernements 30 Millionen Pud erbringen, jo daß demnach allein hier nicht weniger als 124 Mill. Pud Getreide fehlen. Die Lage, in der sich die Bevölkerung dieser © geraten befindet, ergibt sich aus einem Bries, den ein Bauer aus dem Kreise Wolsk im Gouverntmeni Saratow nach Petersburg schrieb: „. . . Schon im letzten Jahre hat die Ernte bloß 10 bis 15 Pud pro Dessjatin ergeben. Das uns zur Aussaat überwiesene Korn haben wir zur Hälfte oufgegesfen. Sommerkorn ist fast gar nicht mehr gesät worden. Nog- gen und WiMerkorn ist zugrunde gegangen. Das Botk nährt sich von Eicheln, Gras und allerlei S ch n. u tz! Es geht wie tot umher. Die Brachfelder werden nicht gepflügt. Wenn uns keine Hilfe kommt, stirbt unser ganzes Dorf von 2500 See- (en." Em Brief aus dem Dorsir Taschelki im Gouvernement S a m a i a enthält folgende Stelle: „Im Kreis Stawropol hungert die Bevölkerung verzweifelt. Man ißt Gras und Feldnagetiere. Das Wintzerkorn wird von der Dürre vernichtet, das Som- merkorn wird von den Insekten zugrunde gerichtet. Die Bauern bearbeiten die Felder nicht. Im Saranschen Srrg? haben die meisten Bauern kem Brot mehr. Wer ein- Kuh hat, näh« sich von Gras und Milch, wer keine hat, allein von Gras. Am meisten wird Pferdesauerampfer gegesstu. Wochenlang lebt man nur davon. Die Damschen sind so schwach, daß sie nach zwanzig Schritten umfallen. Im Kreise Sormrsk sind die Leute bloß noch Schatten. Sie essen alles, was sie herunterbekommsn. (Selingt es ihnen, eine Handvoll Döchl zu erhalten, so fügen sie B a u m- rtnde, Sägespäne, Moos, Spreu, Un- kraut, Eicheln und tergtcichen mehr hinzu und essen dies." Nicht weniger trostlos lauten die Nachrichten aus dem von deutschen Koloieisben besiedelten Wolgagebiet. Auch dort ist eine vollständige Mißerme zu verzeichnen. Die Lentschen Kolonisten baten Haus und Hof verlassen, rund um Saratow ein Lager gebildet und leben dort, wie es in einem Briefe eines deutschen Siedlers wörtlich heißt, „vom Bettel oder richtigLr gesagt: „sterben". Dazu wütet in gräßlichster Weise d i e C h 01 e r a. Die Sterblichkeit erreicht tiO Prozent.
Das deutsche Rod Kreuz
bot zur Sinterung der Not in Rußland dem rus- fi'chen Stolen Kreuz seine Hilfe an. In kürzester Frist soll zunächst ein Sairitätsschifs des deutschen Roten
Joseph sprang erschrocken auf. „Ießl der Herr Ba. der. Ich hab' Senkt, der Peter is Des Anklopf'n is halt bei uns net Modi. Nehmen Ste’s nur net übet. Was verschafft uns denn die Ehr'?"
„Ich komm' als Arzt zu Ihnen, Joseph", sprach der Bader, sich in die Brust werfend. „Sie sind krank; sehr krank, ärger als Sie denken."
„Ich'? Meinen's mich? Da find’s Msch belehrt. Mr fehlt gar nix."
„Ach was, falsch belehrt! Leute mit meiner Ersah, rung brauchen keine Belehrung Auf hundert Schritt sehe ich es den Leuten an, was ihnen fehlt. Ober wollen Sie es vielleicht leugnen, daß Sie immer Kopfweh haben. Ja, ba. ba!" lachte er siegesbewußt, „jetzt wollen Sie mir wohl glauben, nicht wahr? Ich darf meinen Patienten nur in das Auge sehn, weiß tch gleich, woran ich hatte."
„Kopfweh soll ich hab'n? Ich hab’ doch kn Kopf, weh!"
Bis letzt war die Flickschttstertn taiiichenp h-n»e- nei Türe gestanden. Rasch trat sie nun in di- Stube.
„Leug'ns doch net. Iofepb. daß h" trank bi ft Du hast mir's ja zug'stand'n, daß Dir net gut Is unb Du Immer Kopfweh hast."
„Kopfweh? — 3a. Kopfweh — Kopfweh — des hab' ich schon manchmal", entgegnete nun Joseph fleinlaut.
„Na, also! Da Haden roir’s |a" rief stolz im Be. wufm'em seines ärzllichert W'siens Cer Bader „Das Kopfweh tft immer der Anfang von jeder Krankheit. Doll'n mir Hali fetzt seh n; vielleicht gelingt mir’s, daß die Krankheit wieder zurückgeht. Gcd'ns mir mal Ihre Hand."
Willig streckte ihm Joseph die Hand Yin.
MU ernster Miene prüfte der andere Den Puls; immer bedenklicher wurde der Ausdruck seines Gesichte».
„Höchste Zeit! Höchste Zeit, daß Ihr mich geholt hubi. Schnfterm: Da scheint mir was Böses im Anzug. Zeig'n Sie mir mal Ihre Zunge", sprach er dann zum erstaunten Patienten. Mit einem Schrei fuhr er etjfe
tu» . y*uiA». —' . <yr »• OfitÄxt» —
Joseph hätte ihn darüber beruhigen können — er hatte kurz bevor der Bader kam. vom Schwarzbeerfaft der Mutter gekostet, aber das woll.e er nicht vor der Mutter bekennen, er fürchtete Schelte. Ruhig ließ er deshalb des Baders Anardnuttgen über sich ergehen, t
Sofort zu Bett, tags dreimal falte Wickel und danach immer eine Taste Lindenblütentee — so lautet» die ärztliche Ordination.
Während nun Peter den fronten Joseph sogleich zu Seit brachte, warf der gelehrte Dorfbader der Flick, fthufterin eine solche Menge von Fremdwörtern Ober die Krankheit ihres Sohnes nn den Kopf, daß ihr der Verstand förmlich stille stand. Sie wußte von all bett otelen Krankheiten, die möglicherweise bei Joseph zum Ausbruch kommen könnten, nur das eine: daß er totkrank war Weinend rang sie die Hände, was den weichherzigen Mann losort zu den bestimmtesten Ver. sicherungen veranlagte, daß er seine ganze Kraft daran setzen werde, den Kamps mit der Krankheit aufzunehmen. Zum Beweise seiner Opferwilligkeit niachl» er selbst sofort den ordinierten falten W'ckel für Joseph.
Gegen diese Prozedur protefti°rte kloseph energisch: ttm keinen Preis wollte er ein zweilesmal sich dieser Ordination fügen Er vergoß sich in der Hitze In weit, daß er sich schuldig bekannte, vom Schwarzbeersoft ge. trunken zu haben: er schwor, niemals noch Kopfweh gehabt zu haben — alle» vergebens
Der weise Doktor zuckte nur mitleidig die Achseln und seine Hand schwer auf den Kops der wetnetideu Fsickschusterin legend, meinte er ernst „ft"-3 m;rb meiner ärztlichen Kunst gelingen, Joseph bald wieder herzustellen Als dann der Bader den kalten ’lß'rf I znm zweitenmal erneuern wollte oeritbreichte ihm Ia eph, bet sich wie ein Wütender dagegen mehrte eine schallende Ohrfeige, die bewirkte, daß der Hader »s nun grt fand »arme Wickel statt der kallen z» verordnen ?<n bcs Dörfchen brachte die Nachricht non der plötzl-che,, Gr. fr an hing bcs Flickschuster-Josephs große A,ts: tgnng. Jeter wollte roiffen, roas ihm denn eigensllch irnle, aber ber Herr Bader als behandelnd?.- >>'-'.!§ fi.? M WlbMstiqavche- Schweep