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JK 1T5.

Samstag, 3V. Juli 1921.

* Fuldaer Zeitung

*♦-* Druck der Fuldaer Aetteadruckerei bt gettr

Die Uohlensteuer.

Durch die Prefle laufen die widersprechendsten ®e- kLchte über eine neue KohlenstE. Was ist daran lvoür? Das ÄohlensteuerGesetz vom 8. April 1917 ist das lekte Mal, als es durch den Reichstag lief, nur ouf d rei M onate neubewilligt worden, weil ins- besondere die Vertreter der Verbraucher eine weitere la Kode Belastung der Kohle nicht zug:ben zu können EaSn. Daher lief dos Gesetz am 1. Juli d. Is a b. Kurz zuvor hat aber die Reichsregierung im Bar. lammt einen Entwurf auf Verlängerung der Kohlensteuer bis zum 31. März 1922 einge- dracht. Sn der Begründung des Entwurses heißt es: „Die Notwendigkeit der Beibehaltung der Kohlen, steuer bedarf im Hinblick auf die Finanzla^ des Reich.'« und auf die neuerdings infolge der gegenüber den alliierten Mächten endgültig übernommenen Ver- pflichrungM noch ganz außerortentlich vermehrten An­forderungen am die Reichskasse keiner Erörterung." Sm Rechnungsjahr 1920 hat die Kohlensteuer nach DPöäirfigen Feststellungen über 4% Milliarde Mark «»gebracht. Was diese Summe im Reichshaushall bedeutet, geht daraus hervor, daß sich die gesamten Reichs einnahmen 1920-21 auf 45'/- Milliarde Mark beliefen und die fortlaufenden Steuern davon unge­fähr 28 Milliarden Mark ausmachten. Die Kohlen- fKucr brachte also über ein Zehntel der ge­samten Reichseinnahmen ein uiD etn» ein Sechstel sämtlicher fortlaufenden Steuern Zwar brache sowohl die Reichseinkommensteuer als auch das Reichsnotopfer fast mehr als das doppelte, doch blieben die Kapilalertragssteuer, die Erbjchasts- steuer, die Grunderwerbssteuer ufw. sehr weit zurück.

In der Voraussetzung, daß Ob:rschlesien dem dAt- fchen Reich erhalten bleibt und die Fordettchlgkeit sich auf der bisherigen Höhe hält, dürfte auch für das lau­fende Rechnungsjahr mit einem annähernd gleichen Steueraufkommen zu rechnen fein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß auf einen für den Reichshaushalt fo wesentlichen Eirmahmebetrag nlcht verzichtet werden kann. Jedoch hat sich die Reichs- rerörung der Tatsache nicht „rrschlosien, daß tue Koh- lenfteost in ihrer bisherigen Form Härten mit sich bringt. Der Reichskohlenrat hat die Sachlage geprüft und vorgefchlagen, daß der Reichsminister der Finan- zen m Zukunft mil Zustimmung des Reichskohdmrats für einzelne Bergbaubezirke oder einzelne Brermstoff- sorten die Kohlensteuer ermäßigen kann.

Die Reichsregierung hat sich der Auffassung Lieser Scwoerstcmdigen angeschloffon. Mrm spricht daher von einer „Veredelung" der Kohlensteuer Was heißt dos praktisch? Sm Kriege und bis vor kurzem noch war jede Tonne Kohle, gleichviel welcher Art, für den Bedarf unumgänglich notwendig, Differenzen in der Qualität wurden kaum berücksichtigt und alle Sorten erfuhren d-hu die gleichmäßige steuerliche Belastung. Heute, nachdem auf dem Weltmarkt eine Kohlen- Überproduktion eingesetzt! Hat, ist das nicht mehr der Fall. Die minderwertige Kohle findet gegen­über der hochwertigen Kohle nicht mchr solchen Absatz. Dahn soll die Steuer künftighin nach den Sorten und Entstehungsbieten gestaffelt sein. Die weniger wertvollen Sorten sollen nicht in der vollen Höhe besteuert werden, um ihr auch einen Absatz zu ermöglichen. Jedoch glaubt die Reichsregierung auf den durch triefe Ermäßigung entstehenden Steunaus- fall nich' verzichten zu können. Nach den schon jetzt laut gewordenen Wünschen kann damit gerechnet wer­den, daß wenigstens 4 größere Bergbaubezirke die Ermäßigung beanspruchen raerden. Bei einer Ermä­ßigung der Steuer nur für diese Bezirke auf die Hälfte des allgemeinen Steuersatz:« würde sich schon ein Aus­fall von rund 250 Millionen Mark, also fiter 5 Proz. des gesamten Betrages im Jahre an Kohlensteuer er­geben. Kommt hierzu noch die Ermäßigung der ein­zelne c Kohlensorten, dann erleidet die Reichskaffe eine Einbuße an Steuern, die unter allen Umständm aus­geglichen werden muß. Dieser Ausgleich kann durch eine entsprechende Kohlenstruererhöhung erfolgen, die von den wirtschaftlich stärkeren Berg- boubezirken und dem Absatz günstiger ge- stellten Kohlensorten getragen werden muß.

Die Kohtenfteuer bleibt also im Munde dieselbe wie bisher, nur werden die einzelnen Sorten verschieden belastet werden.

Hus der Zenttumspartei.

--- Mllelrheinlscher Zenkrums.llugendlag. Unter Anwesenheit zahlreicher Parteiführer fand in Lorch am Rhein der erste mittelrheinische Zentrumrsugendtag statt, der dank des schönen Wetters einen Massen, besuch aufzuweisen hatte. Den Beginn der Tagung machte eine Versammlung im „Arnsteiner Hof", wo

Unpolitische ZeitlSuse.

Von Fritz Nrenkemper.

Berlin, 26. Juli 1921.

Nach welchen Briefen greift der alle Mann zuerst? Nach ten schwarzgeränderten.

Was liest er zuerst, wenn die heimatlichen Zeitun- gen ankommen? Die Todesanzeigen.

Smmer mehr Schul- und Jugendfreund.', Drr- vandte und Bekannte» geliebte Werkgenoffen und ver- ehrte Führer gehen voraus durch den dunklen Tunnel bes Todes, und der alte Mann hört den Ruf: Auf ^aldig:s Wtedersehen!

Der liebe, gute, hochverdiente und hochberfihmte »ranz Hitze ist jetzt auch oorausgegangen in das tanö, wo die soziale Frage gelöst ist.

. . E Lunde der Siebzigjährigen herrscht reger Wech- T1' weiden sich immer neue Weißhaarige mit “^ßübten Taufschein, aber diu meisten halten "ÄT .iarn9£ auf. Als die guten Freunde bei mei- .t’8 ten Geburtstag alle möglichen Kleinigkeiten 2.1 s- um wir etwas Gutes nachfagen zu kön- t.;, s: ichon diese Feier als eine General- bezsichnet. Bei unserem "Egen kaum vier Monate zwischen und dem Leichenbegängnis. Die alle Regel, daß das Leben, wenn es hoch kommt, sieb- M 2«^e betragt gilt no(1) immer, und manchmal m;t1'ni«ern«h^5k2b 0timme Tod gerade diejenigen mti Vorl.ebe herausgreift, die wir als unentbehrlich fchatzn.

kamml"daraus a?°m i^ "*ch^ die Hauptsache. Es kommt darauf an, w l - wir sterben! Ich glaube, unser musterhafter freund und Führer Franz Hitze hat eine tenrtensmerte ctetbeftunte gehabt. Denn er durfte auf em Leben von einem einheitlichen, ta- >ellofeti ®uß unb von überaus reichern Erfolge, wie es festen einmn Adamskuche in dieser Vollkommenhell be­schert tst. Ihm waren 5 TalenL gegeben, und er hat sie wahrlich nicht vergraben, sondern in rastlosem Fleiße uni) lelbMojer Treue damit gewuchert zum Segen des

Organisationsfragen behandelt wurden. Reichstagsab. oerdneter fiof mann-Ludwigshafen war Vorsitzender. Der frühere Generalvorsitzende der Wmdthorstbunde und fetzige Ehrenvorsitzende Dr. S ch a r rn i tz e l.Berlin gab in großen Zügen ein Bild über die Aufgaben und die Organisation der Windthorstbunde. Insbesondere besprach er auch die Pfingsttagung in Fulda und schilderte den großen Aufschwung nach SemKnege. An das Referat schloß sich eine längere Diskussion, die manchen nützlichen Gedanken zu Tage forderte. An. sckließend an die Versammlung fand dann unter freiem Jfthnmd eine große Zentrum-kunidgebung statt die Bürgermeister Pnischer.Lorch mit einer Begrüßung-, anfyradie eröffnete. Sanitätsrat Dr. Stemmler. «ad Ems überbrachte die Grüße der preußischen Land, taasfraktion und der nasiauifchen Z-ntrumsvartei. Reichsminister a D. Dr. Dell, auf besonderen Wunsch de« Parteivorsitzenden Dr. Trimborn erschienm, schll. derte die Leiden Oberschlesiens und des besetzten Ge­bietes. Aufhebung der Sanktionen fet _ eine dringende Forderung der gesamten deutschen Bevölkerung. Wei- ter forderte Redner die Aburteilung der französiicyen Kriegsverbrecher, während er bei Erörterung der Innen, politik des verstorbenen Abgeordneten Hitze mit warmem Dank- gedachte. Dr. Buhl a-Berlin forderte dann von der Jugend den Geist der Vaterlandsliebe und den Glauben an die deutsche Dolkskraft. Wenn alle zufam. men halten werde es mit Deutschland wieder aufwärts gehen. Zum Schluffe sprach noch Reichstagsabgeord- neter H o f m a n n.Ludwigshafen. Er wandte sich gegen die Kritiker der Partei und warnte vor den Revo- lutionszentrumsleuten. Das Zentrum habe sich stets als wahre Volkspartei bewährt. Ohne die Zentrums. Partei sei auch in Zukunft keine Regierung möglich. Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Windthorstbünde.

---- parfelfeier des Frankfurter Zentrums. Zu einer echten Familienfeier vereinigte sich am Sonntag bei herrlichstem Meter die Frankfurter Zentrumspartei im Tivoli-Garten. Zu Tausenden kamen die Anhänger mit Frau und Kind gepilgert, um sich bei Musik und Volksbelustigungen von den Tagen ernster Arbeit zu erholen. Bis spät in die Nacht blieb man bei rnusika. fischen und künstlerischen GÄmssen beisammen.

Vermischter.

* Roch neunzig Gefangene in Avignon. Ein Mit- arbeitet des „Ex-llsion" hat die deutschen Krirgsge- fangenen in Avignon besucht und berichtet darüber folgendes: Nachdem einige Gefangene in Kranken- Häuser übergesührt worden sind, wurden dreizehn Bayern begnadigt. Es bleiben neunzig zurück, von denen die Hälfte außerhalb Avignons arbeiten. Die Gefangenen klagen „mir" fiter den Verlust ihrer Frei­heit, nicht über Kost und Behandlung. Unter ihnen ist ein Enkel des Generalleutnants Artenne, namens Langsdorfs, ein Graf Strachwitz, Dr. Rollin aus Stet­tin, bk Leutnants Erter und Birkner unb Freiherr v. Schierstedt, über dessen Verhaftung im Wald von Forrtainebteau im September 1914 ein Geheimnis schwebt.

* Eine Windhose. Während eins Gewitters erhob sich über den Stadtteil Buer -Reffe eins Wind- Hose, die furchtbare Zerstörungen anrichtet«. In einigen Straßen wurden sämtliche Bäume a b g e k n i ck t, Fensterscheiben, sogar gro&e_ Schaufon- sterfchciben eingedrückt und 20 bis 30 Dächer abge­deckt. Einige Dächer wurden eine Straße wett weg- getragen. Zahlreiche Fernsprechleitungen wurden zerstört. Durch das Unwetter, das von einem wolken­bruchartigen Regen begleitet wurde, wurde auch eine Anzahl Siedlungsbauten Li Mitleidenschaft gezogen.

* Raubmord und Brandstiftung. Einem schweren Verbrechen sind der Landwirt Palnsz und seine Frau in der Nähe von Strasburg in Westpreußen zum Lpfer gefallen. In das einsam gelegene Bauern­gut drangen mehrere Verbrecher em und erschlugen den Landwirt und seine Frau mit einer Axt. Sie plünderten das Gutsgebäude, begossen die Leichen mit Teer, zündeten sie an, schlossen dann das Haus ab und enttarnen. Tie Nachbarn bemerkten das Feuer und alarmierten die Feuerwehr, die in dem brennenden Hause die Leichen auffand.

* Brandkatastrophe im Schwarzwald. Das zwischen Neustadt und Tonauejchingen gelegene Schwarzwald» dorf Löffingen wurde von einer furchtbaren Brondkatamopye heimgejucht. Binnen einer Stunde wurden 40 Häuter ein Raub der Flammen. Militär wurde zu Hilfe gerufen.

* Das Schicksal der deutschen Kriegsschiffe. Vor der Deutschland und Oesterreich-Ungarn abgenom» menen Kriegsbeute sind nach Reparatur und Neu- beftüdung nunmehr folgende Schiffe rn die fron- zö fiiche Mar in e eingestellt wo»oen: Der kleine Kreuzer „Regensburg" unter dem Namen „Stras­bourg", der kleine Kreuzer „Königsberg" unter dem

handel und wirtschaft.

= «rotzaimerode. Unsere Industrie erfährt eine weitere Ausdehnung. Mit einem vorläufigen Kapital von 1 Million Mark wurde hier eine Porzellanfabrik gegründet. In den Borstand wurden Bauunternehmer Joseph-Trubenhoufen und Fabrikant Woif-Großalmerode , ewahlt. Der Aufjtchtsrat besteht auS Großkaufmann Dietrich und Direttor La> big-Fritziar, Ingenieur Hufner. Bernn-Lantwitz, Jacob Söder-HundetShausen und Fabrikant Kari Wahle »Fulda.

Märkte.

» z«llo,S0. Juli. Aut dem heut. Sch wein em ar k t waren 14) geriet und ein Häufet angetrieben. (giftete wurden mit 250, 200 und 100 Mark, letzterer mit 500 Mark gehandelt. Der Handel war wenig rege.

Namen „Metz", .Stralsund" unter dem Namen „Mulhouse", „fiolberg" unter dem Namen „Colmar", „Novara" unter dem Namen „Thionv'lle". Ferner erhielt Frankreich von Deutschland 10 Torpedoboote.

* An» Japans Studentenwelt. Am „Ersten Kaiserlichen Obergymnasium", der am stärksten um­worbenen bö.teren Schule Japans, in der von 3000 jährlichen Bewerbern nur 300 Aufnahme finden, wurde in der letzten Januarwoche ein Verein für das Studium der Religion gegründet. Der Rek'or der katholischen Hochschule P. Hoffmann 8. J., ward eingeladen, den EröffnungSvortrag zu halten. Es geht eine religiöse Welle durch die ja- panische Smdentenwelt; dies ist der allgemeine Ein­druck. Daß man gerade einen katholischen Priester wählte, die Reihe der Vorträge über reli­giöse Fragen einzuleiten, zeugt von dem Ansehen, dessen sich die katholische Mission erfreut.

höhere Lehranstalt für praktischetandwlrtL in wdlftanaer bei Maffei.

Bisher gab es in Preußen nur zwei höhere Lehr­anstalten für praktische Landwirte, die eine In Schweid. nitz in Schlesien und die andere in Königsberg in der Mark Brandenburg. Diese beiden Anstalten haben sich die Aufgabe gestellt, künftigen Leitern mittlerer und größerer Betriebe Gelegenhest zu bieten, sich Im mög­lichst kurzer Zeit dasjenige Maß von theoretischen Kenntnissen anzueignen, das sie befähigt, späterhin einen mittleren oder größeren Betrieb selbständig zu leiten. „

Westlich der Elbe hat sich nunmehr auch die Land, wirtschaftskammer für den Regierungs­bezirk Staffel entschlossen, eine derartige höhere Lehranstalt für praktische Landwirte In Wolfsanger bei Kassel zu gründen.

Der erste Lehrgang beginnt Anfang Oktober und dauert ein Sohr. Am Schluß des Lehrgangs findet vor einem staatlichen Prüfungsausschuß eine Abschluß, prüfung statt, für welche die Vorschriften des Ministers Er Landwirtschaft, Domänen und Forsten maßgebend ib. „ . ,

Der größte Teil der aufzunehmenden Hörer findet Wohnung und Verpflegung im Anstaltsgebäude. Die Gefamtkosten für Wohnung und Verpflegung betragen pro Jahr 4000—4500 Mark je nach den Ansprüchen an die Unterbringung.

Zum Direktor und Dozenten für Betriebslehre der Höheren Lehranstalt für praktische Landwirte (Seminar für Landwirte) In Wolfsanger bei Raffel ist der jetzige Direketox des Seminars für Landwirte in Schweidnitz, Dr phil Grauer, berufen worden. Die Stelle des Dozenten für Tierzucht wurde dem jetzigen Direktor der landwirtschaftlichen Schule in Stollhamm in Oldenburg, Dr phil. Alfted Lühning, diejenige des Dozenten für Acker- und Pflanzenbau dem Landwirtschaftsiehrer und landwirtschaftlichen Sachverständigen beim Hessischen Verband ländlicher Genoffenlchaften in Kassel. Fried, rich Schwend, übertragen. Außerdem werden an der Anstalt noch mehrere nebenamtliche Dozenten für verschiedene Sondergebiete tätig fein. Damit ist die (Eröffnung der Anstalt in diesem Herbst gesichert.

Anmeldungen sind an die Höhere Lehranstatt für praktische Landwirte in Wolfsanger bei Kassel zu rich- ten, welche über die Aufnahmebedingungen ufw. gern nähere Auskunft erteilt.

Ausgenommen werden Landwirte, welche mindestens eine vier bezw. dreijährige Praxis nachzuweifen ver. mögen

Bei Kriegsteilnehmern über 24 Jahre werden hierin Ausnahmen gemacht.

MW aus öen WWcn öes stanöesamts Ma.

Sterbefälle vom 22.—20. Juli 1921.

21. Juli. Gastwirt Wilhelm Sippel, 48 I. 6 R> 16 T. 23. Ehefrau Anna Lukafchik, geb. Fournier, 54 I. 6 M. 28 T. 24. Kaufmann Feist Rapp, 65 I. 3 M. 16 T. 25. Ehefrau Katharina Gutperlet, geb. Witzel, 76 I. 9 M. 25. An ton Johanne» Hahner, 3 T. 25. Eheflau Johanna Altstadt, geb. Kuhar, 79 I. 1 M. 18 T. 27. Erna Bau, 7 M. 26 T. 27. Landwirt Ferdinand Beiz au» Döllbach, 43 I. 4 M. 29 T.

Volkes uttb zur Ehre des Schöpfers. Sn der Tat, es will etwas besagen, wenn dieser einfache Sprößling des westsäiischen Sauerlandes durch nichts anteves als seine Geisteskraft zum erfolgreichsten Sozialpolitiker Devttchiairds sich ausgeschwungen hat.

„Aufgeschwungen" ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Dahinter könnte man Ehrsucht und Stre­bertum wittern. Wir fern lag das dem edlen Hitze! Er Halle keine Zeit und teilte Neigung, an seine Person zu terfen, wett fern ganzes Sinnen und Trachten nur der Sache galt: dem Wohl des Volkes, das er durch bie chr stllche Sozialreform fördern wollte. Er Hal all­mählich mannigfache Ehrungen erhalten, otet er ha! sie nicht gesucht. Für ihn war der einzig vollwichtige Lohn das Bewußtsein: Ich habe wieder etwas er­reicht in der Belehrung und Organisation des Volkes, in ter D.rwllttung und Gesetzgebung!

Lange Sahre hindurch Hot er bei Anträgen im Parlament, die auf seine Ideen und Anregungen zu- rfickzusühren waren, älteren Parteigenossen den Vor­tritt gelassen. Auch bei Untern» hmunHN auf dem Dereinsgedikt und in der Schriftstälerei ließ er ganz gern den Mitarbeitern die ungeschmälerte Ehre. Son­derbarer Weise wurde chm die persönliche Zurückhal­tung gerade von den Gegmrn im soziattinnokratischen Sager erschwert. Die glaubten ten Einfluß Hitzes überall zu merken und machten ihn persönlich osrant- wortfich, wodurch sein Ansehen und seine Dolkstfirn- lichkeit giftiger! wurden.

So gtitgs z. B. bei dem brrfihinten Vfichlein nom „Häuslichen Glück". Hitze war nicht als Her­ausgeber genannt; Hitze hatte natürlich auch nicht die zahlreichen Küchenrezepte ausprobiert, bie in tem Buche standen. Hitze wurde persönlich angegriffen, wett tert auch Ratschläge gegtten warm, wie für eine arme Familie mit wenig Geld ein bekömmliches Essen gekocht werten kann. Die törichte Hetze togm der sogenannten Lettelsuppc ist längst verrauscht uttb ab­getan. Aber das „Häusliche Glück" bleibt ein großes Verdienst von Hitze und seinen Gehilfen beiderlei Ge­schlechts. Sch möchte diese Gelegenheit tenutzen, um die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf diesen vor- trefflichen Ratgeber in alten hauswirijchaftlichen Tu-

genden zu lenken. (Sch selber blättere gern mal wie­der in einem alten Exemplar, dessen gute Lehren noch immer zeitgemäß sind, und dessen Preisberechnungen aus ter Vorkriegszeit uns recht zum Bewußtsein brin­gen, wie „teuer“ uns das arme Vaterland geworden ist.) e

Franz Hitze begann schon als Student ht Würz­burg mit fernem Lebensmark, der Sozialreform. Das gereich» jeinm gesunden Menschenverstand zur höch­sten Ehre. Der Dichter sagt, alte Theorie sei grau und grün allein tee Lebens Baum. Hitze hatte doch mit seinen jungen Augen schon tief in das Leben hinein- geteickll Dn Kulturkampf der sitbzigvr Sahre trieb ihn aus Westfalen nach Bayern und von da nach Rom, was feim Wettkenntnis und feiner Schulung Im Um­gang mit Menschen gewiß vorteilhaft war. Nach sei­ner Rückkehr fani) der junge Sozialpolitiker eint wun­derbar passende Ergänzung in dem tüchtigen Praktiker Franz Brandts, dem musterhaften Fabrikbesitzer von München-Gladbach, der für das Wohl seiner Ar­beiter mit wahrhaft väterlicher Sorgfalt und Opftr- willigkeii sich bemühte. Die beiden paßten vorttefflich zusamnun, als ob sie der liebe Gott zu gegenteiliger Ergänzung geschaffen hätte. Sie gründeten ten Ver- ein „Arteiterwohl" mit einer eigenen Zeitschrift, und von da au datiert die Ehrenstellung von München- Gladbach als der sozialpolitischen Hauptstadt des christ­lichen Deutschland. Brandts und Hitze wirkten in gleichem Smne unb mit wachsendem Ersolge weiter, auch als das patriarchalische System der Ar­beite» fürsorge überholt wurde von der Eickwicklung des Arbeiterstandrs zur Mündigkeit und Selbst­hilfe, woraus sich die Organisation in Arbeiterver­einen und Gewerkschaften sowie die Gesetzgebung über Arbeiterrecht und Arbeiterschutz ergaben.

Auf die Einzelheiten, wie Hitze von Stufe zu Stufe diese Svzialreform gefördert hat, können wir an dieser Stelle nicht eingehm. Aber an seinem Grabe sei f:st- gestellt, daß zwei herrliche Männer das größte Ver- dienst daran haben, wenn Deutschland in sozialpoliti- scher Hinsicht allen Völkern ter Welt voranging. Der eine hieftr Wärmer war AMpf Wilhelm Ema-

Gollesdienstordnung.

Ratbolifdjet Gottesdienst.

Sonntag, 31. Juli. Dom. V,6, 6, ‘/»7 u. T St, 8 Pfarramt u. Pr., '/,l0 Kathedralamt u. Pr., t Chr! für die?üngl, v.12 M. u. Pr., ‘/»2 And. fü> bie «rrstorbenen, 2 Christenlehre für die Jungfrauen 4 Pr. u. And., 7 And. i. d. Marienkapelle. Monta, 0,8 abends Rosenkranzandacht. — Stadtpfarrkircha 5'/, Komm., 5*/» M.. 60, M , 8 M. u. Pr. (L S-dulgd.l, 9V» Hochamt u. Pr., 11 M. und Pr. (2. Schutgd.j, 91/» Christenlehre f. d. Jüngl. t. d. Seveiikirche, l'A Chr. f. d. Jun sr., 2V, Andacht m. Segen. — Pforr, kirche zvm hl. Geist V»7Kom., 7 Frühm.,8Pr.,Amt m. Rom., ‘<,5 Chr.. Andacht. — Severikirche. Sonn­tags V,7 heil. M., toernaqS 6“ M — Herz-Jesn-Heim. 8 Hochamt tn. Pr., nachm. 2 A. (Mittwoch abend» 8 A.) — Frauenberg. 5, 6, 6'/, u. 7 M., 8 Rosenkrcmzm. m. Pr., 9 Hochamt m. Pr., nachm. 2 feiert Besper mil fakramenll Segen, 5 Uhr Pr. u. Andacht für die Terz, der Stadt Fulda. — Michaelskirche. Nachm. 2 Uhr Predigt und BruderfchaslSandacht von Jesus, Mario und Joseph.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 31. Juli. Fulda Bormitt. 8 «. 9*,'« Pfarrer Weber. — Bad Salzschlirf. Bormitt. 91/, Sup. Ruhl. — Biebrrftei«. Bormitt. 9 Pfarrer Reich.

Mittwoch, abends 8: Bib.lstunde (Gemeindehaus, Kleinkinderschule).

ckvongel. lanberkltchl. Eemeinschast Betflarfte. |L

Sonntag, 31. Juli. Abend-8 Evangelifatio«. — Dienstag abeno» 8: Bidelstunde (Pfarrer Weber). — Freitag abends 81/,: Bibel, und Gebetstunde.

öineitonaen ver ftoöfifüien LroloeMWassMe.

30. 3ufl 1921.

Der Zucker für die eingereichten Augunkarten kann in den ©elften Mitte nächster Woche abgeholt werden

Auf den Kopf werden einichl. Zuweisungen 4 Pfiwl Scch;rcker das Pfund zu 4,25 Mk. gegeben.

Fam.lien, die nicht in der Lage fein follien dar ihnen zustekende Quantum Zucker auf einmal abzunehmen, können den Rest bie zum 20. August noch tu den betreffenden Ge­schälten, wo sie sich angemeldet haben, in Empfang nehmen. Darüber hinaus besteht zur Aufhebung keine Verpflichtung mehr für den betreffenden Kou'mann.

MleiliiiiW Des Mltnomtei.

Diejenigen Familien, welche chr« Dohnung während des letzten Jahres gewechfeli hoben, müffen bis spätestens 5. August 1921 Straße und Hausnummer beim Kohlen­amt emiragen lassen unb zu diesem Zweck Lebeusaüttel» oueroei» unb Lrenustofikarle vorlegen.

Gaskokszeltelabgabe.

Ohne Aufruf jei Straßen.

Siockholzabgabe.

Stockhol, wird in 2 imb 4 Rm. (Haufen) abgegeben.

Amtliche Anzeigen.

3n der Zeit vorn 1. bis 15. August 1921 könne» wegen Abschlußarbeiten Rentenvorschüsse an Kriegshin- terbliebene und Kriegsbeschädigte nicht gezahlt werben

Amtliche Jürsorgestellen Fulda Stadt u. Land.

Weissweine

Konsumweine und feinste Qualitätsweine aus Baden, Piala, Rheinhessen und Rheingau. Mosel- u. Seatweine. Spanische Weissweine.

Joseph Schmitt, Fulda

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nuel Setteler, der andere war der Prälat Franz Hitze. «

War Hitze eilt glänzender Redner? Glänze» lag nicht in feiner Natur; aber überaus gediegen war feine Beredtsamkeit.

Einige glauben, daß bie fulminanten Kampf- und Prechtteden im Plenum des Reichstages die Haupt- fache feien. Eie uNH-rfchätzen die anregende, vov- mittelt.be, (ammelnte Tätigkeit, die sich in den Frak» tions,zimmern, in den Ausschüsstn, in dem Verkehr ter Parteiführer untereinander abspiett, ohne daß en sonlausenter Bericht in bie Pwsse tonunt Hitze war bei seiner strengen Sachlichkeit, feiner vollkommenen Selbstlosigkeit und seiner unerschöpflichen (Bebulb ge- tobe in tem wichtigen Punkt ter persönlichen Ein­wirkung auc*i grämte unb Gegner außerordentlich wirksam mti bem reichsten Ersolge. Er hat in aller Stille Großartiges gewirkt.

Gott lehne es ihm und helfe uns weiter in ter christlichen Sozialresorm, bie uns jetzt noch mehr trat» tut, als in ten ftfiheren IcchrzehntenI

«

Nachtern ich diesen Nachruf für Hitze geschrieben hatte, kommt die Schrechmsnachricht, daß ter Vor- sitzente ter Fraktion des Zentrums, uns« Führer Karl Trimborn ebenfalls gestorben ist. Der Tob sucht uns schrecklich heim. 2ch kann nur «fchüüert mieten- holen: Gott helft uns weiter!

— Auch «in Willkommen. AIS König Oskar IL von Schweben einmal eine Provinzstadt besuchte, siel ihm unier dem Festschmuck an einem düster aus sehenden Hause ein große- Transparent beson­ders auf, dos die Inschrift trug: Willekomme« Euer Majestät'. „Was ist das für ein Hau«?" fragte der König einen der ihn begleitenden Herren. ,DaS BezirkSgefängnis, Ew. Majestät." Der König mußte herzlich lachen und teer ab chiedete sich mit den Worten: „Das ist der Höfllchkeit doch ettval KU Viel". wi.