Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
Nr. 171.
LeramworrtiL >ür öen teöoutoneUen Teil: Dr. Kramer, - für die Anzeigen: L Parzetter-Fuldo. s Rmakionsdruü u. 'Zerleg der Fuldaer Sldienöairferet in Fulda, ^emiprediet Nr. 9. Teleqr.-älbreffe: flu idaer Zeitung
Donnerstag, 28. Zull )92|*
Bezugspreis. Monatlich 3,5.’ Alk. ohne Bestellgeld. Poft- s bezug 4,10 AU. AbgehoU 3,75 Ml. =
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48. Zahrg.
Unklare und verworrene Lage.
* Neue Verschleppmrgssersuche Btianbs?
Es wird nachgerade langweilig, den vielen Winkelzügen der Endmte-Diplomatetk nachzuspüvcn. Die eine „Nachricht" widerspricht der anderen, und wenn einmal etwas übereinstimmend von beiden Seiten gemeldet wird, so stellt es sich bald heraus, daß es sich nur um ein’ taube Nuß, um eine Schemkonzcssiorr und um eine Verständigung in hohlen Worten handelt.
So sieht z. B. die Meldung, daß Frankreich in den Zusammentritt der Konferenz zum 4. August ein gewilligt habe, auf den ersten Blick als ein Erfolg von Lloyd George aus. Aber man beachte gefälligst, daß BriarH die Vorbereitung durch „Sachverstän- d i g e" durchgesetzt hat, was für alle Fälle einen Borwand für weitere Verzögerungen abgeben kann, und daß ferne.- die Franzosen" die noch immer schwebende Streitfrage wegen der neuen Truppensendungen als ersten Punkt auf die Tagesordnung Isetzen wollen, lieber diesen Punkt läßt sich ausgiebig bebattien-si und verhandeln; wird schließlich des lieben Friedens halber ernt gewisse Verstärkung beschlossen, so kann Briarid den Antrag stellen, mit der Entscheidung über die Grenzen zu warten, bis die angeblich erforderlichen Kräfte zur Durchsetzung des Deschlusiies an Ort und Stell- sind. Letzteres kann recht lange dauern, wenn die Entente nicht die rechtlichen und tatsächlichen Hindernisse für eine schnelle Eisenbahnfahrt durch Deutschland zu beseitigen versteht.
Daraus ergibt sich, daß die Franzosen ihn; beliebte Taktik der Verschleppung noch keineswegs aufgegeben haben.
Es ergibt sich weiterhin, daß wir die Aufhebung Oer Sanktionen am Rhein noch nicht in Aussicht nehmen dürfen. Frankreich wird sicherlich die Scmktionsfrage hinter dir oberfchlesifche Frage ichieben. Bricmd setzt offenbar alles daran, um die Besitzung von Düfleldorf ufw. aufrecht zu erhalten. Die „Sicherheit" der französischen Regimenter in Oberschle- sien schiebt er jetzt in den Vordergrund. Tatsächlich sind die dortigen Franzosen von dem deutschen Selbstschutz oder sonst einer deutschen Stelle durchaus nicht bedroht, •'M»™ könnten es höchfbms mit den Polen zu tun t»< kommen, wenn die ihren vierten Aufruhr veranstalten und wenn dann die französische Besatzung für Recht und Ordnung eintreten würde. Wenn sie aber, wie bisher, mit den Polen fraternisiert, so brauchen b« Franzosen keine Angst zu haben. Herr Driand hat auch in Wirklichkeit keine Sorge wegen feiner Truppen in Oberscktesien. Er will die Sanktionen am Rhein so lange als eben möglich ist, aufrecht erhalten, ttm erstens seinen nationalistischen Hintermännern einen Gefallen zu tun, und zwek-Ms eine» andauernden Druck auf Deutschland ansüben zu können. Darauf wird er jetzt erst recht nicht verzichten, da die deutsche Regierung durch die aktenmaßige Widerlegung feiner oberfchleslschen Fabeln und durch die Frage nach dem Gesamtmandat wegen der Truppensendungen ihm in die Quere gekommen ist.
Die ganze Sachlage bleibt also unklar und verworren, wie sie bisher war, und am 4. 21 uguft wird schwerlich schon eine Klärung zu erwarten sein, auch abgesehen von der Möglichkeit, daß das Saturn der Konferenz noch einmal verschoben werde.
Bisher ha> Lloyd George noch kein Zeichen von Zermürbung und Umfallgelüste von sich gegeben, aber auch Bricmd hat feine zähe Taktik noch in keinem wesentlichen Punkte geändert. Tur hochpolitische Ringkampf zwischen Frankreich und England dauert fort, und Deutschland leidet am schwersten unter der endlosen Unsicherheit, obschon Dlk durch die treue Erfüllung des Ultimatums eure gnädigere Behandlung wahrlich verdient hätten
Der GimfelmK
Fränkischer Dorfroman von Dina Ern st berg er. 71 _____
„Kein. Ich hab' keinen Schatz. Ich träum' bann «oii der Zeit, wo wir als Kinder da g'fpielt hab'n."
«üh. wie langweilig! Wie kann man nur immer so lange Zeit das Gleiche denken. Da ist ja die Genovefa noch unterhaltender!"
„Ich werd aber in Zukunft noch mehr davon träumen, als wie bis jetzt", fuhr Joseph unbeirrt fort.
»Aber warum denn noch mehr?" !
"^Eil — weil ich immer d'ran denken muß."
Lächelnd beugte sich jetzt Lore etwas näher zu ihm and sah ihn neckisch an. So liebreizend mar sie ihm noch nie erschienen wie in jenem Augenblick.
„Lore! Unsagbar zärtlich fam der Name aus dem Munde des jungen Burschen. Ihre fianb lag neben ihm im Grase, liebkosend wollte Joseph mit seinen F ng-rn über die weiße kleine Hand streichen, ha wurde sie von Lore heftig zurückgezogen. Der lächelnde Ausdruck war aus ihrem Gesichte wie wegg. blasen.
„®ir müssen zu Marianne zurück", sprach sie ernst, ich vom Boden erhebend und nach dcm Walde zu- jchr eilend.
Joseph war heftig erschrocken. Was batte er nur in feiner Unbesonnenheit getan? Zürnte sie ihm nur deshalb, weil er sie bloß beim Namen nannte ober hatte er sich zuviel verraten?! Beklommenen Herzens ging er schweigend neben ihr her. E-st am Waldes, säum drehte sich Lore ihm wieder zu. Ihr Zorn schien vorüber zu sein; sie sah ihn roi?b.-r freund! ch an und als sie merkte, wie scheu und erschrocken er du-ch ihr verändertes Benehmen geworden war. schlug sie schiell ben alten herzlichen Ton von vorher wieder an.
Marianne kam ihnen entgegen und fie kehrten nun alle drei in das Dorf zurück.
3. Kapitel.
Joseph, an was denkst denn, Du trinkst ja aus 'n Heeren Topf; Du hast jo noch gar net Kaffee drinna", stlrach die Flickschusterin abends kopfschüttelnd bei Tisch.
Zusammenkunft Vrlandr
mit Lloyd George.
Nach dem ,Jniransigeantt wird Briand noch vor dem 4. August eine Zusammenkunft mit Lloyd George haben.
Tie französifchen Truppensendungen.
In englischen Kreisen wird erklärt, daß vor der Zusammenkunft des Obersten Rates keine Trup- penfendungen nachObrrschlesien abzehen werden. Die französischen Truppen würden aber m a r j ch» bereit gehalten werden.
25 000 schwarze Franzosen in den Rheinlaaden.
Im englischen Unterhause wurde mitgeteilt, daß sich zur Zeit 25 000 französische Kolonialsoidaken im besetzten Deutschland befänden. Davon wären 15 500 Neger und Marokkaner, 2500 Madagassen, der Rest Anamiten. Von einer Zurückziehun g sei nichts bekannt.
Gefährdung -er Uouserenz?
Das Reutersche Büro erfährt aus französischer Quelle: Der ftanzösifche Botschafter hat Lord Curzon mitgeteilt, daß die französische Regierung es für unmöglich halte, eine Sitzung des Obersten Rates einzuberufen, bevor die Frage der Tmppenentsendung nach Oberschlesien geregelt sä. Lord Curzon nahm diese Erklärung zur Kenntnis, die dem Kabinett vorgelegt werden wird.
Aus Gberschlefien.
Greuzüderkriile polnischer Dandiieu.
Aus Oppeln wird gemeldet, daß in der Nacht zum Montag bei Kostau (in der Posener Grenze polnische Banditen über ine Grenze kamen und die Apo posten an griffen. Auch die Wache der Apo, die in der dortigen Schule mitergebrachl ist, wurde von den Banditen beschossen. Die Banditen zogen sich schließlich wieder über die Grenze zurück.
polnische Terrorakte in Msmarckhütle.
Der Ort Bismorckhütte steht unter unerhörtem polnischen Terror. Die Insurgenten, die in Trupps zu 20 Mann die Straßen durchziehe«, plündern die Läden. Die Ortswchr, die nach dem Verhältnis von 2 zu 1 für di« Deutschen gebiSet werden sollte, konnte nicht zustande gebracht werden, da aus Angst vor dem polnischen Terror sich nicht genügend Leute meldeten.
Line griechische Niederlage
in Kleinasien?
Nach Nachrichten von der Front haben die Griechen bei Seid Gbazi eine große Niederlage erlitten. Die Griechen haben mit dein Rückzug begonnen.
Auch bei Eskirschehir wurden die Griechen zurückgeworfen und verloren 800 Tote. Bei Karahissar machten die Türken 400 Gefangene.
"j Von griechischer Seite wurden im Gegensatz hierzu griechische Siege gemeldet.
Line MrtschafMonferenz
-er russischen Ran-Kaaten.
Am 21. und 22. Juli wurde inReval eine Wirt- schaftskonftrenz der drei Randstaaten Estland, Le 11 l a n d und Litauen abgehalten. Es wurden mehrere EntschließunFen bezüglich der wirtschaftlichen
„3$ denk' an nix, Mutter." ~ ,
„fjaft vielleicht an Kummer?"
h°b' gar nix! — Du, Mutter, wir sollt'n unfern Stub'nboden auch a'mal auffeg n, wie beim Herrn Lehrer. Das Sandstreua ts net schön", sprach Joseph nach einer kleinen Pause.
Ganz entsetzt sah ihn die Mutter an. „Ich glaub', Du bist net g'scheit; was fällt Dir ein, Bu? Wo soll des naus? Hochmut kommt vor'm Fall, das Sprichwort is wahr. Im ganz'n Dorf is nirgends a g'fegter Bod n, wie beim Herrn Pfarrer und beim Herrn Lehrer, und Du manst, Du willst g'rad' soviel sein? Joseph, Joseph, wenn des Dein Satcr wüßt'!"
„Sauberkeit is doch ka Hochmut net. Des kost' doch nix, wenn ich die Stub' auffeg', Mutter!"
„Warum willst Du amat mebra fein als Du bist? Was Deim Safer und Deim Großvater recht war, dacht' ich. könnt Dir doch a paff’n. Da ruht ka Seg'n drouf, wenn Kinder g'scheiter sei wollen; bester, höher, als wie Vater war "
Mißmutig stand Joseph vom Tisch auf und ging hinaus in den Hof.
Am anderen Morgen war er schon frühzeitig auf. Mit einer völlig neuen, weißen Schürze saß er auf seinem Echusterstuhl.
Scharf beobachtete er die Mutter, wie fie den Boden der Stube mit dem Reisigbesen kehrte. Nun streute sie auch noch frischen Sand und dann ging sie hinaus in den Stall.
Schnell sprang Joseph von seinem Schusterstuhl auf und streute nochmal reichlich Sand nach. Dann w 'chte er mit einem alten Tuch schnell den Staub von Tisch und Bänken; auch die dicke Staubschicht über dcm Kruzifix und auf den beiden Bildchen daneben suche er zu entfernen. Seine Augen durchforschten alle Ecken und überall fand er reichlich Arbeit. Als er aber den schleppenden Tritt seiner Mutter in bet Tenne vernahm, sprang er schnell wieder auf den Schusterstuhl und schlug wie toll mit dem Hammer auf einem ganz neuen, fertigen Stiefel herum, den er in der Eile er. wischte, statt eines anderen.
Peter, der bei einem ehrsamen Maurer im Dorfe das Maurerhandwerk erlernen wollte, war bereit» fort
Annäherung und Angleichung angenommen. Es wurde ferner beschlosten, die Zollgrenzen zwischen Estland und Lettland sofort zu beseitigen, während Litauen sich aus wirtschaftlichen Gründen noch ablehnend verhält. Ferner wurde eine Angleichung der Steuern, Monopole, Maße, Gewichte, der Konzessionen, des Münzsystems und der Eisenbahnverwaltungsn beschlossen. Weitere Zusammenkünfte bezüglich der Ausbeutung der Wälder und zur Berattmg von Handelsfragen sollen folgen.
Die Danziger Zrage.
Mit der Jnkrafterklärung der Danziger Verfassung und der Bestätigung des Senats durch den Völkerbundsrat ist die Gründung Lcs Danziger Freistaates völkerrechtlich vollendet. Das Ereignis ist in der deutschen Presse nicht weiter beachtet worden und es erscheint angebracht, heute noch einmal rückblickend die Politik, die in der Abtretung Pomerellens mrd der Gründung des Danziger Freistaates Gestalt angenommen hat, in ihren Zielen und Absichten darzulegen.
Der Freistaat Danzig ist ein Brückenkopf der englifchen Ostpolitik und richtet sich, als ein Gegengewicht gegen die französisch-polnischen, auf die Lch.rrschung Rußlands und Preußens zielenden Pläne. Die Danziger Verfassung ist das Spiegelbild dieser widerstreitenden Kräfte, denen fie ihre Entstehung verdankt. Danzig ist ein Freistaat und wiederum kein freier Staat. Das Danziger Deutschtum besitzt em gewisses Selbstbestimmungsrecht, soweit seine häuslichen Angelegenheiten in Frage kommen, und wiederum kein Selbstbestimmungs- recht, sobald es sich um Fragen der äußeren Politik handelt. In Danzig regiert der Volkstag und der Senat, aber über dem Volkstage und dem Senat thront der Oberkommisfar des Völkerbundes. Die Regelung der auswärtigen Angelegenheiten, die Vertretung der Danziger Interessen, die Wcchrung der Rechte Danziger Staatsbürger ist Sache Polens und des polnischen auswärtigen Dienstes. Eine bewaffnete Macht darf Danzig nicht hallen. Die Fabrikation von Waffen ist untersagt. Die durchgehenden Eisenbahnen stehen unter polnischer Oberhoheit. Andererseits kommt Danzig als Flottenbasis für Polen nicht in Frage. Munitionstransporte dürfen dagegen Danzig passieren. Und so ist deim das Ergebnis der Fveistaatgründung für die Danziger Bevölkerung c’ue durchaus unsichere, schwebende außenpolitische Loge, und daraus folgen zweifelhafte wirtschaftliche Aussichten. Bei der zwitterhaften Rechtslage, der Unsicher- heft des militärischen Schutzes empfiehlt sich Danzig nicht in dem Maße für auswärtige Kapitalsanlagen, wie ein verfrühter Optimismus wohl gehofft hätte. Polen bemüht sich bei jeder Gelegenheit, die Danziger Selbständigkeit werter zu schmälern. So hat man dieser Tage die Rechisgültigkeil sämtlicher Verträge ange- zweifelt, die ohne die Mitwirkung der polnischen Diplomatie lediglich durch Vermittlung der Vertretung des Völkerbundes abgeschlossen worden sind.
_ Denn Polen betrachtet den Danziger Freistaat im Sinne der französischen Politik lediglich als Neber- gangsge bilde. Es hat nicht dre Absicht, die letzte Hochburg deutschen Unternehmungsgeistes, ■b.’iti- scher kaufmännischer wirtschaftlicher Tätigkeit vor feinen Toren unangetastkt zu lasten.
Unmittelbare Gefahren bestehen für Danzig solange nicht, wie dec Fri.'denszustand im Osten anhält. Jedoch muß jet'L kriegerische Verwicklung, sei es ein russisch-polnischer Krieg, besonders aber Verwicklungen mit Deutschland, eine schlechthin unmögliche Lage schassen. Danzig wird alsdann zum Zankapfel dreier Nationen: nämlich Polen-Frankreichs, Deutschlands und Englands. England scheint in Anbetracht der Schwierigkeit des müitärifchen Schutzes feine Danziger Pläne
auf die Arbeit gegangen; nun nahm auch noch die Mutter den Korb auf den Rücken, um in das Gras zu gehen. Kaum hatte sie sich wenige Schritte vom Hause entfernt, war es Schluß mit Josephs Fleiß.
Flink holte er Kamm, Waschschüssel und Seife und begann vor dem kleinen Spiegel nochmals eingehend Toilette zu machen. Auch die Hände unterzog er einer gründlichen Reinigung. Mit einer großen, borstigen Bürste fegte er daraus herum, daß sie schmerzten. 3m Wandschränkchen lag ein neuer papierner Stehkragen, den er sich erst beim Krämer gekauft hatte — ihn legte er neben sich auf das Fensterbrett parat- Befriedigt schaute er dann in den Spiegel; soweit wäre er mit sich zufrieden. Auch die Stube fand so ziemlich feinen Bei- fall. Freilich, wenn auf dem Tisch eine Decke läge und an den Fenstern kleine Vorhänge, wie er es bet vornehmen Leuten schon gesehen hatte — er gäbe viel darum. Doch halt! Zu was hatte denn die Mutier die schönen, weißen Bettücher im Schrank! Wegen des Tisches konnte geholfen werden. Rasch holte er aus der Kammer das schönste weiße Bettuch und breitete es auf den Tisch. Nochmal glitt fein Blick prüfend durch die Stube, dann setzte er sich an das Fenster und sah gespannt die Dorfstraße hinab. Ob sie wobt kommen wird, die Lore, wie sie es versprochen? Vielleicht hatte sie darauf vergessen und er faß hier in fieberhafter Erwartung. Wenn ihn die Mutter so sehen würde! Wenn sie wüßte, wie er sich und die Stube hergerichiet zum Empfang! ,
Wenn doch die Lore setzt kommen würde; er läuft ja sonst Gesahr, daß ihm die Mutter heimkehrend über, rasch! Die eine Wange glühte wie im Fieder, die an. bere war ganz blaß vor Erregung. So oft die Turm- uhr schlug, seufzte er bange auf. — Lore hatte gewiß den Besuch vergeflen. Schon dachte er daran, das Tischtuch wieder zufammenzufalten, damit die Mutter
nichts merke, da zuckte er zusammen — die Strafte herauf kamen leibhaftig Lore und Marianne, Er wollte
ihnen entgegeneilen und stürzte hinaus auf die Tenne; zur Hostüre kam eben feine Mutter herein mit einem Korb Gras auf dem Rücken. Entsetzt starrte Joseph die Kommende an, dann hob er abwehrend unwillkürlich feine Hände, er konnte vor Schrecken gar nicht gleich p«ktzq, __ Förch folfli.
aufgegedsn zu haben. Man denkt daran, auf der Insel Gotland eine englische Handelsempore zu schaffen. Das wäre gleichbedeutend mit der Vernich- tung jeglicher Hoffnung Danzigs auf dir alte Handels- vormachtst-'llung in der Ostsee. Das Hinterland Pole« • ist zu arm, zu unentwickelt, politisch zu sehr zerrissen, um dir Grundlage großzügiger Handelspolitik weilaus- schauender Unternehmungen abzugeben. Die einzige Hoffnung auf eine gewisse Zukunft bietet dir Schiff- fahrt. Die Notlage Polens bedingt noch für Jahre hinaus, Ebenfalls solange, wie das ftanzösifche finanzielle Interesft anhölt, die Aussicht auf einen Slot- standsvrrkrhr. Dir Wirtschaftskrisis in Polen erzeugt andererseits ein ungeheuer starkes Auswande- rungsbedürfnis. Die Auswanderung findet in Danzig ihr natürliches A u s f a l l t o r. Es ergeben sich hieraus einige begrenzte Erwartungen auf ein nutzbringendes AuswmderungsgeschSst. Doch sind die gegenwärtigen Schwierigkeiten ter weltpolitischen Lage für Danzig und seine Zukunft eine unmittelbare Erfahr, die jeden Auymblick den Bestand dieser völker- bundlichen Notgrinrdung erschüttern kann. • .
Zum Tode Crimbornr.
Die deutsche Zentrums Partei und die Zentrumsfration des deutschen Reichstages Widmen ihrem toten Führer folgenden Nachruf: Am Montag, den 25. Juli, abends 8 Uhr, hat Gott der Allmächtige in die Ewigkeit abberufen Karl Trimborn, Staalssekretär a. D., Geheimen Iustizrat, Mitglied des Reichstages, Vorsitzenden der deutschen Zentrumspartei und der Zentrums- fraktion des deutschen Reichstages. Eben deckt die Erde die sterbliche Hülle unseres unvergeßlichen Hitze und schon wieder öffnet sich ein Grab für Trimborn, den umsichtigen Führer unserer Partei. Er hat das ihm von;bem seligen Grober hinterlassene Erbe treu behütet und stärk erhalten. Nur einundeinhalb Jahr ließ ihn uns Gott als unfern Führer; doch hat diese Zeit genügt, um zu bekennen: wir verlieren in ihm unseren Vater, der uns unersetzlich ist. Trimborn war ein Mensch ohne Makel, ein Volksvertreter von Eifer, nur darauf bedacht, dem Wohle des deutschen Volkes zu dienen. Mit der Reichstagsfrakiion trauern unsere Freunde im Lande um ihn. Wtr werden unfern Trimborn nick vergessen! Wir bitten Gott, daß er ihm sein Wirken' mir ewigen Gütern lohnen möge.
Die Beisetzung findet am Freitag den 29. Juli vormittags 10 Uhr in linket am Rhein statt.
veileidskmr-ge-ungen-
Eine große Fülle von Beileidstelegrammen und Beileidskundgebungen einzelner Persönüchkeiten sowie der Parteien sind eingekausen, die beweisen, welcher Achtung und tiefer Verehrung sich Karl Trimborn weit über die Kreise seiner eigenen Fraktion und feiner eigenen politischen Freunde hinaus erfreute.
Die Telegramme des Reichspräsidenten (Ebert haben wir schon mtfgeteilt
Der Reichskanzle-r: „Der Fraktion des Zentrums spreche ick; zu dem schweren Verlust, den sie durch den Heimgang ihres Vorsitzenden, des Staatssekretärs a. D. Trimborn erlitten hat, meine und der Re'»chsregiermrg aufrichtige und herzliche Teilnahme aus. Wett über die Fraktion und die Partei 'hinaus wird dieser Heimgang be» klarst worden. Seine staatsmännische Klugheit, d'e Lauterkeit fernes Wesens, srfn warmes, Menschliches Empstn- den und fein sprühender Geist sichern ihm in allen politischen Streifen, die mit ihm znsanrmengearbettet haben, ein dankbares und ehrenvolles Andenken. Wirth."
Der Reichsarbeitsmini st er: „Beim Hinscht- den des Reichstagsabaeordneten und Prof. Dr. Franz H'tze hat»- ich der vorehelichen Fraktion vor wenigen Taaen noch zu Händen ihres Vorsitzenden, des R-ichstagsabg. Karl Trimborn den Ausdruck meines herzlichsten Beileids übermittelt. Jetzt ist Herr Staatssekretär Trimborn seinem Freund Dr. Hitze im Tode gefolgt. Ich beklage aufs schmerzlichste die neue Lücke, die in der Reihe der fozial- polsrschen Vorkämpfer entstanden ist. Auch Trimborn war ein Wegbereiter für die soziale Gesetzgebung; auch er hat mit feiner staatsmännifchm Begabung, besonnenen Sach- lichkett und reichen Erfahrung für bie Hebung des Arbeiter st andes und für den sozialen Ausgleich vor. bildlich gewirkt. Same Verdienste werden im Bereichs der deutschen sozialen Arbeit unaergesien bleiben. I. D.: Dr. Geid."
Der Reichsverkehrsminister: „Die Nachricht von dem Hin scheiden ihres von mir hochgeehrten Vorsitzenden bat mich schmerzlich bewegt. In aufrichtiger Teil, nähme spreche ich der deutschen Zentrumsvavtei zu dem Verlust dsties ausaezo-chneten Mannes, besten Derdiensts um das Wohl unser? Vaterlandes ihm ein bleibendes Andenken sichern, mein wärmstes Beileid aus. Gramer."
Don der deutschen Volksvartei ist folgendes Telegramm eingckaufent! „Zu dem fchv-ren Verlust, den S'e durch das Hstrschestden Ihres in schwerster Zeit bewährten Vorsitzenden getrosten hat, sprechen mir Ihnen namens der deustcheir Volkspartei und deren R-ichs'aas- fraffen tmfor tief empfundenes Beileid ans. Der Verstorbene hat in seiner vol'stschen Tätieckeit stets den Blick aufs oonze gerichtet. U»d bat sich dadurch die Achtung und HsHfchätzung aller Vante-en erworben. Ebenso wie durch feine hervorragenden menschlichen Eigenschaften. Sein Heimomrg bebeuM nicht nur für Ihre Bartes, sondern für unser oesam tes politisches Leben einen schweren Verlust. Strelemann. Kempkes."
Di« demokratische Partei ffür die Frak- tion): „Zu dem Ableben des Aba. Geh. Trimborn sore- chen wir Ihnen der Reichstagssvaktion der beut«rj
schon demokratischen Ttarki aufrichtiges und fi-femnfunöa"“ nes Beileid «ms. Die demokratische Rechstagsfrocksion g in sahriehntesangem freundschaftlichem und frutf>tbai"'o ’ * Zusammenarbeiten mit der 3en f rn'T,* Partei den mmm-br dahmgescheedmen Füb-er der" . trurnsfraktton des R-chchstages in aleicher Weife tfA*. fahren en V olitik er irr« als rornehmen mO ° ,/ benswürdiaen Menschen febäh-m gelernt und wird denken d-s bochaeehnten Kollraen dauernd in Ehrenl^."?", ton. Veterien. Koch. Erkelenz." Für die P a r t e i ;i. J,,.’’ erschüttert durch den schweren ®erftrft. der bie 3?nhn‘ö”'L/J Partei soeben durch den Tod eines ihrer Vesten etL6*™ btt. beehren wir uns. Ihnen die her'l'chste Teiknakms.^ .'Ett! Vorstandes der deutschen demokretstch'n Partei an- Ableben des Herrn ' Geheimrat Tnstndorn y.rim An - sez ar bringen Unter den vielen Verdiensten, die sie.