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M IZO.

Mittwoch, 27. Juli 192L

- Fuldaer Zeitung

#--<1 ®w»ä der gittbeet Dcticsrvrmkerei in Fulbch

Klerus und Sozialdemokratie in Oesterreich.

Eta Beitrag zum fioplteh .Religion ist prioaffache." Don einem österreichischen Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Die Sttlluug des Klerus m der staatlichen Seffent- kchkeü Oesterreichs hat durch die Debatten über die Kongniaoorlage" im Nationalrat und auch im Sun« desrat eine fchlagllcht artige Beleuchtm^ erfahren. Zwar wurden die für den Klerus notwendigen Defoldungs- testumnunge» schließlich mit einer knappen Mchrheit pun Gesetz echoten, aber es muß ßestgchalten werden, welch eine Gesinnung der sozialdemokra­tische Teil der Volksvertreter bei dieser Gelegenheit offenbarte. Solange die Republik be­steht, hat keine der vielen strittigen Fragen zu derart wüsten Szenen im Nationalrat geführt, wie die Er- örterung der Besoldlmgslmgelegercheit des Klerus Seit Jahren trug der Klerus Entbehrungen, wie kaum ein andrer Stand und wäre sicher einer Tragödie erlegen, wem, nicht in der allerfchlimmfdrn Zeit tatkräftige hltfe ausländischer Glaubensgenossen gekommen wäre. Gibt es doch, manchen Priester, der seu Beginn des Krieges nicht in der Lage war, auch «ur ein -inziges Kleidungsstück vuyuschaffen! Für den Unterhalt des Klerus mit zu sorgen, ist der Staat moralisch verpflichtet. Dem wohltätigen Einfluß des Wems auf die Bevölkerung ist es in hervorragendem Maß« zuzuschrechon, daß die unerträglichen wirtschast- »chen Verhältnisse in Oesterreich noch nicht zu einer Kaiostrophe geführt haben, daß Ruhe, Ordnung und me schwer bedrohte Sicherheit im Lande aufrecht er­holten blieben.

Doch abgesehen von diesem ideellen Moment sind m Oesterreich noch andere Umstände maßgebend, die dem Staat die Pflicht auferlegen, für den Klerus zu sorgen. Der österreichische Klerus ist auch heute noch Einiger Träger des staatlichen Matri- kelwesens: der Betrieb einer einzigen Psarrkanz- lei stellt gerade in der bevölkerungspolitisch so beweg- ien Kriegs- und Nachkriegszeit eine ganz immense Ar- beit im Interesse des Staates vor. Die Hauptgrunü- lage aber für alle Ansprüche des Klerus Staats­mitteln liegt in der hi st arischen Tatsache, !« im josephinkschen Zeitalter der größte Teil des AMl Unterhält des Klerus und zur Aufrechterhaltung «s Kultus geschenkten oder rechtsgültig erworbenen Eigentums durch toe sogenannte Säkularisa­tion geraubt umrüe. Um dtesen großen Raub- 8Ug einigermaßen zu bemänteln, übernahm der Staat die feierliche Verpflichtung, der Kaiser Joseph im Jahre 1783 persönlich Ausdruck verlieh, aus dem Mugefchaffenen, sogenanntenReligionsfond"' die Be- dürfnifse der Kirche zu deckem Daß diese Konfiskation von Kirchengütern hinsichtlich der Verschleuderung von immensen Vermögenswerten, sei es zugunsten oder aus Kosten des Staates frappante Analogien mit den Er- scheimmgen des Combes-Briondfchen Kirchensturmes und dem Verschwinden der französischen Klostermll- liarde aufweist, kann kein Grund für die Schmierung dieser Pflichten sein. Seit den josephmischenKloster- aufhebungen" ist der Staat dieser Verpflichtung in der Weife nachgekommen, daß er die zum Existenzmini­mum notwendige Ergänzung (Congrua") zu den übrigen Einnahmen des Kberus aus Pfründen, Sto- iargebührm, Schulentfchädigung ufw. leistete, also nur subsidiär eintrat. Diese Art der Obsorge des Staates für die Geistlichkeit, die aus einem wider den Willen der Kirche emstandenen Rechtsverhältnis ent­sprang, wurde übrigens auch noch in der fozialtemo- kratischen Regierungsära in zwei Regierungsvorlagen (Dez. 1919 und März 1920) prinzipiell beibehalten. Beide Entwürfe wurden durch die aktive Mitwirkung der sozialdemokratischen Regierung und durch die pas­sive der sozialdemokratischen Abgeorlmeten reibungs- los angenommen. Nach den sehr offenherzigen Er­klärungen des Bundesrates Preußler im Bundesrat vom 20. Lull liegt dieEntschuldigung" für dieses Verhalten darin, daßixrmds keine Zett war zur Kirchstürmerei".

_ Heute wo die Notlage des Klerus auf das Unrr- dägliche gestiegen fft und jene Gründe, die einstmal die sozialdemokratische RegierungsvorlaM anfiihrte, in potenziellem Ausmaße gelten, häü die SoziÄdemokra- tie den Augenblick, für gekommen und nimmt die No- vellierung des Kvngruagefetzes zum Anlaß einer

Dante und seine Zett.

Sn diesem Jahre werden es 600 Jahre sein, seit der große Florentiner Dante Alighieri fern seiner Vaterstadt in der Verbannung starb. Allenthalben ist deshalb das Interesse für den Mann und fein Werk wie für sein Leben neu erwacht. Danteseiern werden überall abgehalten, vor allem in katholischen Städten mtt besonderer Anteilnahme: Die diesjährige Tagung der Görresgesellschaft in Worms wird ihren Abschluß mtt einer glanzvollen Dantefeier finden; nach einem Erlaß des preußischen Kultusministers werden auch die höheren Schulen des Dichters ehrend gedenken und seine Größe und Bedeutung ihrer Jugend anschau, llch und lebendig machen. ,

Und in der Tat ist Dante einer der ganz Großen im R«ch der Geistesgeschichte. Seinem Volke gilt er un- Mtraten als der größte italienische Diichter. Mtt seinem dichterischen Hauptwerk, der Dinina * ° T b 1 a' dEkGöttlichen Komödie", wie eine be- Nachwelt sie genannt, leitet er die neuere italienische Literatur ein. Er hat die ttalienische Schrift. *pt^z!:^ar "-hl geradezu geschaffen, aber doch ganz entscheidend und hervorragend mttgewirkt, um die Volkssprache zur vollgültig anerkannten Ltteratursprache zu.erheben, und feiner ungeheueren Sprachgewalt und schöpferischen Kraft auf diesem Gebiete verdankt die italienische Sprach? Unendliches. 3m übrigen aber ge- hört er mtjontr Persönlichkeit und seinem Werk der ^samten katholischen und christlichen Wett. Um diese Persönlichkeit seine polttische Anschauung und seine Dichtung voll verstehen gu können, muß man sich die Lett etwa- verlebendigen, in der er gelebt, um die Wende des 13. zum 14. Jahrhundert.

Dante ist zu Florenz int Jahre 1265 geboren. Es w°r eine wildbewegte, oft blutige und dennoch reiche Zeit damals. Kurz vorher war die glanzvolle Kaiser- Herrlichkeit des Staufergeschlechtez erloschen. In die früheste Kindheit Dantes fällt der tragitoe Tod des ^gend'ichen Konradin, des letzten Staufer-, der auf der Fahrt nach Untsrttalten, das er jurüderobern wollte. In die Gewalt seines Wtderfachers Karl v. Anjou kam »nd im Jahre 1268 m Neapel enchauptet wurde Die christliche Unwersalmonarchie der deutschen Kaiser ging darntt zu Ende und ist nie wieder erwacht. Damals beginnt der Aufftieg Frankreichs unter Philipp au3uft

Philipp dem Schönen und die erste Abbröckelung deutschen Reichsgebiets an der Westgrenze. In Italien Ng Falze bes Lauseschep Mergcmgs eine wiltze,

brutalen Kulturkampfonsage! Sie hält die Eelegenhett für wichtig genug, zum erstemnale die ge­fährliche Waffe der parlamentarischen Obstruktion aus dem altosterreichifchen ParlanLnt in die Republtt herüberzuneipnen Die Regterungsvariage änderte gar nichts an dem bisherigen Verhältnis zwischen Kirche und Staat, da an dem Prinzip ftstgchalten wird, daß die Kongrua nur insoweit sie nicht nur durch andere BezÜK aus dem geistlichen Amt gedeckt ist, aus dem Religionsfond ergänzt wird und nur jene Priester darauf Anspruch haben, deren Stellen mit staatlicher Zustimmung systemistert sind. Da das Minim-alcin- kommen niemals die Höhe der vergleichbaren Beam- tenkatcgorien erreicht, sondern ungefähr um 1020 Prozent hinter den vergleichbaren Anfangs sätzen der Bundesangestelltm zurückbloibt, kann keine Rede davon sein, daß dadurch ter Klerus der Beamtenschaft eingeglietert werde. Dagegen würde er sich auch nach­drücklichst verwahren. Daß der Staat aber auch die Professoren der bischöflichen Gymnasien als geistliche Beamte einbezieht, ist umso hllbstoerständlicher, als durch diese hervorragenden wissenschaftlichen Anstalten mtt ihren überckl cmerkannt rühmenswerten Erfolgen der Staat eine Erleichterung von unzähligen Lasten er­fährt. Millionenbeträge für Erhallung von Gebäu­den und für Lehrmtttel bleiben ihm durch die bischöf­lichen Gymnasien erspart.

Die Sosiatdemokratie Oesterreichs bezeichnete durch chren Spräher diese Vorlage als einefrivole Provokation der Empfindungen breite­ster Volksschichten" unb legte einen gerade­zu infernalischen Haß gegen Kirche und Klerus an den Tag. Es ist unglaublich, was an Verleumdungen und Schmähungen vorgebrcäst wurde, offenbar weil sachliche Gegengründe oollkomnien fehl­ten. Welch maßlosen Fanatismus bezeugt es doch, wenn Abg. SchneiümM dte Priester alsSöhne von Ehebrecherinnen und Dirnen bezeich­net, wenn Abg. Abram gerade den Klerus von Tirol, der wahre volkstümliche Helden zu den seinen zählt, bezichtigt, er habenur auf den Augenblick gewartet, da das Blut der Bauern und Arbeiter an der Front vergossen" werde; wenn ein dritter die Geistlichen den galizischen Spiritusbrennern gleichstellt, wenn ein anderer warnt, für ,chieft Agitatoren ter Vergangenhett, für diese Träger des kultmfeiMichen Geistes, für diese Feinde ter Republik, für diese Feinde der Arbeiterschaft" usw. nur einen Heller zu bewilligen. Natürlich mußte zu ihrer Demagogie auch wieder die Fabel von dem Riesenvermögsn der Kirche herhalten, das aber samt allen Krankenhäusern, Für- sorgeanstaiten und Schulen kaum so groß ist, als das einzvLner Führer der Sozialtemofttatio sein dürste. Worauf das alles hinaus soll, hat Abg. Leuihner ocr- raten, als er sagte, daßHunderttausende den Tag herbeisehnen, da der Katechismus auf Nimmerwiedersehen die Schulen verläßt."

Die Vorlage wurde angenommen, aber ihre Be­kämpfung ging wett über den Rahmen üblicher Oppo- Mon gegen Gesetzesvorlagen hinaus und wurde zum Wetterleuchten eines anziehenden Kulturkampfes. Es ist für das christliche Volk hoch an ter Zeit, sich dagegen mtt allen Mitteln zu rüsten. Geraume Zett hnchurch hat die Sozialdemokratie in Oesterreich bereits dte Macht in Händen gehabt. Wer bürgt dafür, daß sie nicht über Nacht wiederum zur Herrschast gelangt?

Bauerntum.

Für unser liebes Fuldaer Land treffen die folgenden Ausführungen eines warmherzigen Volksfreundes den Nagel auf den Kopf.

Wir sagen gern, und unser Dlmernvolk hört es gerne sagen, ter Bauer sei die Wurzel der Volkskraft. Wtt weifen darauf hin, daß ter Bauer ter Stabt die Lebens mittel liefert, daß er ten Ueberfchuß an Menschen, die aus dem Lande groß werden, an die Stadt abgibt, daß in aßen städtischen Berufen tüchtige Bauernsöhne stehen.

Ist denn mm damd das Thema erschöpft? Ist Jas nicht eine Betrachtungsweise, die an ter Ober« iäche bleibt? Und welche Schlußfolgerung sollen wir ioraus ziehen? Doch wohl die, daß es nun darauf ankommt, dieseWurzel der Bolkskrafi", biefenJung­brunnen des völkischen Lebens", intakt zu erhalten; «ß ter Bauer es nicht bei einer oberflächlichen Re-

verworrne Zett furchtbarster Parteikämpfe, von Stadt zu Stadt und innerhalb der einzelnen Stadt. Es be­gann aber auch der Aufftieg des reichen und stolzen Bürgerwms in den Stödten, in Genua, Vendig, Pisa, Florenz u. a. Es war eine Zeit wilder Gärung, an­der ein neuer Abschnitt der Weltgeschichte emporstieg. Der Beginn der Renaissance hebt eigenllich schon an mtt dem 14. Jahrhundert. Manches Unerfreuliche auch auf kirchlichem Gebiet sah die Zeit: die Gefangen­nahme von Papst Bonifaz VIII. durch den französischen Kanzler Nogaret, den Anfang des sogen. Babylonischen Exils ter Kirche in Avignon (seit 1309), dem am Ende des Jahrhunderts das Schisma folgte; aber schön und j zukunftweisend war das schnelle Aufblühen ter neuen Orden der Franziskaner (sett 1209) und der Dominikaner (sett 1216). Dante selbst gehörte dem 3. Orden des hl. Franziskus an. Marco Polo, | ter erste Europäer, der Jnnerasten und China schaute, leitet so das Zeitalter der Entdeckungen ein; Baukunst und bildende Kunst erwachen und schreiten langsam zur Selbständigkeit vor, Giotto, der auch ein Dante, bildnis geschaffen, ist ihr Bannerträger. Die glanzvolle Blüte dieser Kunst vollendet sich dann im 15. imd 16. Jahrhundert. Die Dichtung dagegen erlebt ihren Höch, sten Triumph schon viel früher: Petrarca (1304 bis 1374), Boccaccio (131579) und der Aller- I größte, eben Dante, sind Beginn und Vollendung fast zugleich. Boccaccio hatte als erster den Lehrstuhl für die Erklärung von Dantes Werk in Florenz inne; alle drei sind sie Florentiner, wie auch die Meister der Renaissance: Leonardo de Vinci und Michelango.

In diese will) erregte Zeit heftiger politischer Kämpfe, beginnender kirchlicher Wirren, auffteigender Kunst, in dies widerspruchsvolle und oft unerquickliche Dasein, das einem neuen Zeitalter vorausgeht, ist Dante hin- eingestellt, selbst verflochten in die Kämpfe feiner Zeit, aber über sie emporgehoben durch die gewaltige Größe * feiner Persönlichkeit, die großartige Geschlossenhett sei. ner Weltanschauung. Er eignete sich die gesamte Summe d«r damaligen Bildung an, die philosophische wie auch die theologische, und trat aktiv in das politische Leben seiner Daterstadt ein. Sein Ziel war, einen Ausgleich zu finden zwischen den feindlichen Parteien ter Gnelfen und der G h i b e l l i n e n (der ehe­maligen Anhänger des staufischen Geschlechts) und den blutigen Parteifehden der Adelsgeschlechter ein Ende zu machen. Im Jahre 1300 wurde er als Prior Mit- glied der Regierung von Florenz und war damals wolfl der einflußreichste Mann im Rat, sicher der be. , deutendüe. Stet die Verhältnisse, der wstte Partei- i

I tensart darf bewenden lassen, sondern sich darüber klar werden muß, welche persönlichen Eigen­schaften ihn denn nur zur Wurzel der Dolkskrast und das Land zwn Jungbrunnen des völkischen Lebens machen. Denn nicht die Taffache, daß er auf dem Lande wohnt, auch nicht die Taffache, daß er Landar-

I bett verrichtet, macht den Menschen zur Wurzel, son- dem dieses, daß er em bestimmter TypusMensch" fft, daß er persönliche Werte, Charaktereigen­schaften hat, tee ihn für das Volksleben unentbehrlich machen. Es wird für unser Bauerntum und vor allem für die Führenden in un- ferm Bauerntum darauf ankommen, sich über diese per­sönlichen Werte klarzuwerden und den stahlharten Wil- len aufzubringen, diese dem Bauerntum, dem jungen Geschlecht, zu erhalten und zu vererben, und wenn diesen Werten Gefahr droht, dieselbe hart und trotzig abzuwehren. Damtt wttd dann das Bauerntum dem Gangen des Volkes einen unschätzbaren Dienst er* weisen.

Droht denn diesen persönlichen Werten unseres Bauerntums Gefahr? Man sagt: ja! Man weist auf die zunehmendeD e r st ä d t e r u n g" unseres Bauerntums hin und glaubt damtt zugleich eine zu­nehmende Verflachung, eine Entfremdung von der Bauernart und Väterfitte auch im Bauerntum festftellen zu können. Man weist daraus hin, daß ter städtischeGeist" oder vielmehr U n * g e i st in Gestatt von allem möglichen Rummel, ton Kinokitsch und Postkartenschund, von Verein; - meierei und Kirmestrvbel, von Schiebetcmz und neuester Mode, von Mammonsgeist und Entfrem­dung, von rücksichtslosem Klassen- und Jnteressen- kampf sich allmählich auf dem Lande Eingang zu oer« schaffen sucht und verschifft hat. Dolksfreunte stehen dvrser Entwicklung ter Dinge ratlos gegenüber die Verbindungsfäden zwischen Stadt und Land können doch nicht abgeschnitten, nicht zerrissen werden! Man kann doch nicht die Jungmannschast des Landes mtt Heugabeln und Dreschflegeln bewaffnen, um mit Gewalt dem (Einbringen der Stabt und des städtischen Un­geistes zu wehren. Cs sind ja zum Teil gar feine Fremde, es sind ja Dauernkinder, die diesen städtischen Ungeist in die Heimat bringen; die ihn in ter Stadt aufgeschnappt haben, davon ergriffen worden sind.

So entsteht dann die andere Frage, ob denn nicht ein Mittel zu finden ist, das gute Bauernblut gegen diesen Städtergeist gefeit zu machen, trotz aller äußeren Einflüsse und Gefährdungen dieBauern- seele" zu retten. Das kann kein Fremder, kein Staat und keine Stadt, für unser BauÄmtum machen; das ist die Ausgabe, die unsere Zeit der Wirrnisse und des Chaos unserm Bauerntum selb st stellt. Das muß von Bauern gemacht werten, denen es aufgegangen ist, was es denn heißt, Bauer sein, und worauf es für den Bauern und für fein? Gemein­schaft, seine Familie, sein Dorf und feine Heimat an­kommt. Das fft zugleich eine Kern- und Lebensfrage für die berufenen Erzieher unseres Bauerntums, daß sir sich darüber klar werten: Was macht denn mm ten Dauer zur Wurzel der Dottskrast? und daß sie nicht vielleicht in gutgemeinter Uebereffrigkeit, dazu Mitwirken, den noturgewachsenen Bauern in unserem jungen Geschlechte zu zerstöre«!.

Sozialdemokratie unk Richtungen.

WaS ist MSPD., USPD., VKPD, KAPD., FAND.? Diese Buchstaben bedeuten dte Abkürzungen für die verschiedenen Richtungen, in welche die einst auf ihre äußere Geschlossenheit so stolze Sozialdemo­kratische Partei in der zweiten Hälfte des Krieges auseinanderfiel infolge ihrer völligen theoretischen Haltlosigkeit gegenüber den Ereignissen des Welt­krieges und der Revolution, wie sich kürzlich der führende Theoretiker der Mehrheitssozialdemokratie, Heinrich Cunow, ausdrückte. Um so mehr In­teresse muß eS erregen, über diese einzelnen Rich­tungen der Sozialdemokratie, Uebereinstimmendes und Unterschiedliches in denselben informiert zu fein. Eine eben erschienene Schrift von Dr. Emil van den Boom:Die Sozialdemokratie in ihren Rich­tungen" (M.-Gladbach 1921, Volksvereins-Verlag, 48 S. 1.80 Mark) bietet dazu eine gute Möglichkeit. Da die Schrift auch mit dokumentarischem Material ausgestattet ist, dürfte sie zugleich für Unterrichts­kurse eine brauchbare Unterlage bieten.

fanatismus waren stärker als die mäßigende Kraft sei­ner strengen und unbeugsamen Gerechtigkeit, die ihm die Parteihäupter der Welfen zu Feinden machte. Diese bemächtigten sich schließlich der Gewaft in der Stadt und keßen nun ihre Rache an den Gegnern aus. Dante wurde, während er in Rom für das Wohl seiner Heimat tätig war, zusammen mtt den Führern der Ghibellinen, zu denen er ater eigentlich nicht gehörte, verbannt, mit dem Tode bedroht und so auf die bittere Wanderschaft durch Italien getrieben. Ruhelos suchte er bald da. bald dort eine Zuflucht, mehrfach noch durch den Partei, hader, der ja ganz Italien zerriß, wieder oertrieben. Er hat seine Vaterstadt, an der er trotz des unversöhnlichen Hasses ihrer damaligen Machthaber mtt tieffter Liebe hing, nie wietergesehen, auch bas Ende der trüben po. litischen Verhältnisse nicht mehr erlebt Die Fürsten, bei denen er nacheinander Schutz fand, haben ihn öfters im Vertrauen auf feine politische Weisheit und die Rein- beit und Kraft seines Eharakters mit diplomatischen Sendungen betraut, die ihm manch schönen Erfolg brachten.

Große Hoffnungen setzte er auf den deuffchen Kaiser Heinrich VII., der im Jahre 1310 in Italien erschien und 1312 sich die Kaiserkrone errang. Dante begrüßte ihn lebhaft und begeistert, da er von ihm die Beendi­gung der traurigen Zustände auf der Halbinsel, ja die Wiederaufrichtung der chrisllichen Universalmonarchie erhoffte. Seine politischen Ansichten hat er bei dieser Gelegenheit in einer SchriftDe monarchia" (Heber die Monarchie) niedergelegt. Hier entwirft er: das großartige Bild einer christlichen Monarchie, die das gesamte Abendland umfassen sollte, in der Kaiser und Papst gleichberechtigt nebeneinander stehen sollten, beide bestrebt, den Völkern Frieden, Ordnung und Wohlfahrt zu bringen und zu erhallen, in gottgewoll­ter Harmonie.

Dieses großartige staat-politische Programm fiegt auch derGöttlichen Komödie" zu Grunde. Man hat es von mancher Seite mttunter so hinstellen wollen, als ob die politische Schrift Dantes und seine Anschauung vom Staate überhaupt eine Feindseligkeit, eine Gegnerschaft gegen das Papsttum enthalten habe und weist in diesem Zusammenhänge darauf hin, daß Dante den Papst Bonifaz VIII. in das Höllenreich versetzt habe. Zunächst muß man nun beachten, daß Dante mit feiner Verteilung ter einzelnen Gestalten in Hölle, Fegfeuer und Himmel niemals ein Urteil über die Person als solche hat fällen wollen, wie hätte er sich auch anmaßen können, jemanden als reif für die

Die deutschen Urisgrverluste.

Sortt 3klttralnachweisamt ärt Spandau werden uni über die Kriegsverluste 8914/18 folgende An- gaben gemacht:

Nach den amtlichen Berlusffrsten beliefen sich bis zum 31. Dezember 1920 die Verluste des deutschen Landheeres auf: ,

Kontingente Tote Verwundungen Preußen..... 1397 326 3 281873

Bayern ..... 166,718 434 035

Sachsen ..... 12H 708 307 606

Württemberg .... 74 217 191065

1 763 979 4 214579

dazu die Verluste der

Marine mit . . 34 256 31085

und der Schutztrup­

pen mit . . . . I 133 1210

also insgesamt. . 1792 368 4 246874

Diese Zahlen sind noch wicht endgültig, da die Feststellung der Verluste noch nicht abgeschlossen ist.

Die Zahl der Verwundeten ist in Wirklichkett geringer, da auf einen Teil von ihnen meh« re re Verwundungen fallen.

Die Zahl der Vermißten wird augenblicklich auf ungefähr 200000 geschätzt. Sie ändert sich dauernd im Verlauf der Nachfvrschrrngsarbeiten und wird erst nach deren Abschluß endgültig und genau angegeben werden können.

Aus dem Nachbargebiet.

Aus der RPn. DieSchweinfurter Hütte", die ter Rhönffubzrpeigoerein Schweinfurt unfern des Heidel st eins beim Steinernen Haus oberhalb Ginolfs am Ostchang der hohen Rhön unter Buchenwald in 730 Meter Höhe bei einer klaren erstatten Quelle demnächst erbauen wird, soll fünfzig Gäste beherbergen. Ihr Aeußeres wird dem der 1914 errichteten Kissinger Hütte auf dem Feuerberg gleichen. Die beträchtlichen Baukosten werden durch Anteilscheine aufgebracht.

(spd) Kassel. Nach dem Geyuß eknerFlasch« Kognak gerieten, nachdem sie bei einer Geburts­tagsfeier schon ausgiebig gekneipt hatten, der 45jäfjrige Kaufmann Martin Kaiser und der etwa gleichaltrige Händler Otto Traute miteinander in Streit. Traute tötete seinen Gegner durch mehrere Stiche in Kops und Brust.

(fpb) Frankfurt a. Al. Der Magistrat hat kn sekner Sitzung die Angelegenheit der W a f f e n s u n de im Wöhler-Gymnasium behandelt. Es wurde beschlossen, sämtliche städtische Schulen aufzusortern, nach genauer Prüfung und Durchsuchung der Schulräume innerhalb kurzer Frist zu berichten, daß keinerlei Waffen oder Munition in den Schulräumen untergebracht sind. Fer­ner wurde eine Kommission von drei Stadträten ein­gesetzt, die die im Zusammenhang mtt ter Sache ge­nannten beamteten Personen eingchend vernehmen imd über das Ergebnis dem Magistrat berichten soll.

spd Frankfurt a. M. Für die am 25. September stattfindenden Wahlen für die Verfassungen bende evangelische Landeskirche in Frank surt haben die Führer der drei Kirchlichen Rich­tungen sich dahin geeinigt, in keinen öffentlichen Wahlkampf einzutreten. Jede Richtung stellt eine eigene Liste auf, für die durch stille Propa­ganda geworben werden soll.

spd Mainz. Unter den zahllosen Fremden, die gegenwärtig den Rhein bereisen, überwiegt das,. Ausland. Namentlich sind Holland und die Schweiz vertreten. Dann stellen die nordischen Länder einen' erheblichen Teil der Rheingäste. Die Franzosen ver­anstalten in den nächsten Tagen von Mainz und Wiesbaden größere Gesellschaftsreisen, die sich bis Koblenz und Bad EmS ausdehnen.

(fpb) Aschaffenburg. Das Dienstmädchen eines Beamten, das in ten Keller geschickt wurde un­auffällig lange ausblich, wurde später schwer verletzt in einer Blutlache ausgefunten Man nimmt an, daß das Mädchen beim Betreten des Kellers einen Lebensmitteldieb, ter ten Keller schon wiederholt heim- gesucht hatte, überraschte und von diesem niedergeschla­gen worden ist.

Hölle zu erklären sondern er hat damit nur Anschau­ungen, Ideen, Taten, Laster, die er für schädlich und verdammungswürdig hiett, in bestimmten Vertretern brandmarken wollen- Und er war allerdings ter Mei­nung, daß das Verhalten des Papstes dem großen Ge- danken von der christlichen Monarchie mit ihrem Reben, einander von Papst und Kaiser zuwider wäre. Boni, faz VIII. als Politiker ist übrigens schon zu seinen Lebzeiten eine stark umstrittene Persönlichkeit gewesen. Daß Dante durchaus nicht von irgend einer Abneigung gegen das Papsttum als solches erfüllt war, zeigt der Umstand, daß auch der letzte stausische Kaiser Frieds rich II. in die Hölle versetzt wird, der durch seinen erbitterten Kampf gegen ten Papst ja eigentlich die chrisüiche Harmonie zwischen den beiden Gewöllen ter damaligen Christenheit hat zerstören Helsen. -

Diese Harmonie hat in der Weise, wie sie Dmtte als Ideal vorschwebte, in der Tat mehrfach bestanden, so vor allem unter der Regierung Kaiser Heinrichs III., die vielleicht den schönsten Höhepunkt der mittelalter­lichen Kaiserherrlichkeft bedeutet, und in ten letzten Jahren Friedrich Barbarossas nach seinem Frieden mit dem Papste. Dante sollte eine solche glück, liche Zett nicht mehr erleben und keiner nach ihm. Kai- er Heinrich VII. konnte sich nicht genügend durch, etzen; der Hader der Parteien war stärker als sein Idealismus, den er zwischen den Streitenden glaubte vermitteln zu können. Ueberdies starb er bereits im Jahre 1313, ohne Dante nach Florenz zurückgeführt zu haben. Das deuffche Kaisertum oeriant in zunehmende Ohnmacht, seine Kraft zehrten die Fürsten auf, die ihre dynastische Territorialpolitik trieben; das Papsttmp an- terersetts erlebte die schlimmen Jahre des Avignoner Exils und des Schismas im 15. Jahrhundert. Die No» ormation schließlich zerstörte endgültig jeden Gedanken an das Dantefche übernationale christliche Friedensreich. Gewissermaßen der klägliche und ganz abgeffchwächte Nachklang dieser großen Idee ist die Mißgeburt des Wilsonschen Völkerbundes, der sich bisher ja im Grunde nur als eine Vereinigung der Siegerstaaten zur Ausnutzung ihres Sieges darstellt. Ein wirklicher Völkerbund, der auch für einen doch sicher sehnlichst zu erhoffenden Weltfrieden gewisse Sicherheiten gibt, eine unbedingte wttd es vielleicht nie geben, wird nur möglich sein, wenn man zurückgeht auf die Grund­lage von Dante- politischem Ideal, das wir einfach als einen christlich.mittelalterlichen Völker­bund^ aussprechen können, mit dem Papst und dem Kaiser als Schiedsrichter und Schirmherr. Und wenn die Farmen heute «ich entere fein müssen, es kann