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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadt Fulda.

Nr. izo.

Verantwortlich für öen ceüanwnellen Teil: Dr. Kramer, s Mr die Änzergen: I. Parzeller-FuiÖa. = Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^ernlprecher Nr. 8. Teleqr.-Abresse: Fuldaer Zeltung.

Mittwoch, 27. Zu» 1921.

Bezugspreis: Monatlich 3.50 Mk. ohne Bestellgeld. Post» - bezug 4,10 AU. Abgeholt 3.75 2HL -

Anzeigen: C olonelzeile 70 Pf«.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeil» 2 50 Ulk.

48. Zahrg,

Karl Trimborn f

Dar Zentrum an -er Bahre seiner ZLHrerr.

Der nach einer Gperation schwer erkrankte Staatssekretär a. v. Trimborn ist am Mon­tag avend in Bonn im Alter von fast 67 Jahren sanft ent­schlafen.

Die Befürchtungen, die sich an die am Samstag Mer verzeichnete Nachricht von der schweren Erkran­kung Trimborns knüpften, haben sich als nur zu be­rechtigt erwiesen. Der Tod räumt entsetzlich aus in wrseren Reihen. Noch war Hitze nicht beerdigt, da folgte ihm schon der Vorsitzende der Zentrumspartei Karl Trimborn. Zu gleicher Zeit haben wir den s o- tzialpolitischen Führer und den gesamt- dolitischen Führer verloren. Wir müssen von Dem einen Grabe zum anderen eilen, wie Kinder, Denen Schlag auf Schlag erst die Mutter und dann Der Vater entrissen worden.

Auf den SBerluft Hitzes waren wir schon vorbe­reitet durch di« ungünstigen Berichte über seinen Ge­sundheitszustand, die besonders seit seinem siebzigsten Geburtstag immer beängstigender wurden. Aber die Nachricht vom Tode Trimborns kommt wie ein «litzausheiterem Himmel. In der Oeffent- kchkeit wußte man nichts von der Notwendigkeit einer Operation, lleberall hatte sich bis zuw Schlüsse der kldrichstagssitzungen der Parteivorsitzende in seiner alten Frische und seinem bezaubernden Humor gezeigt, so­wohl bei den Arbeitsverhandümgen wie bei den fest­lichen Sitzungen. Und wenn schon das Messer des Chirurgen eingrerfen mußte, durfte man dann nicht erwarten, daß die Kraft des rüstigen Siebenundsechzi- pers ausreichen würde zum Ueberstehen der Operation? Doch alle Hoffnungen sind bitterlich getäuscht worden.

Der staatliche Titel für den verewigten Trimbor» tautet« Staatssekretär a. D. Sehr ehrenvoll, eher keinesweas der wirklichen Bedeutung dieses Po- htikers entsprechend. Trimborn hätte Reichskanzler fern können, wenn er nur gewollt hätte, Aber als Reichspräsident Ebert in der Krisis nach den vorig- fähigen Neuwahlen ihn zur Bildung der Regierung berief, da besorgt« er den Nestbau nicht für sich, son­dern für seinen Freund Fehrenboch. Es war ein autzer- vrdentüch mühsames Stück Arbeit, unter den zerfahre- nen Verhältnissen eine ausreichende Koalition und ein leistungsfähiges Ministerium zustande zu bringen. Wenn auch dos Kabinett Fchrenbach unter der Ungunst der hochpolitischen Entwicklung sich nicht lange halten konnte, so war doch das von Trimbom gelegte Fun­dament stark genug, um das Kabinett Wirth aufzu- nehmen und bis jetzt zu tragen. Durch die geschickte Kkttwirrung des gordischen Knotens, den uns die Reichstagswahlen von 1920 hinterlassen hatten, sicherte M Trimbom ein unvergängliches Ber- idienst um di« Zukunft Deutschlands, was alle Freunde einer friedlichen Entwicklung ohne Unterschied der Parteistellrmg anerkannt haben.

Er sollst bchielt die Leitung der Zentmmspartei, deren ganze Last auf seinen Schultern allein lag, seit jein Schlaganfall Gröber so plötzlich hinweggerissen hatte. Und Trimbom hat sich bis zuletzt als tüchtiger Leiter erwiesen für die Partei, die nicht bloß dem -Namen nach, sondern in der vollen Bedeutung des

Wortes das Zentrum, die maßgebende Mtte ist für die gesamten positiven Kräfte des deutschen Volkes. Wenn er im Jenseits den großen Begründern und ersten Führem der Zentrumspartei begegnet, so darf er mit Recht sagen: Ich habe eure herrliche Hinter­lassenschaft getreulich gepflegt, in Ehren und Eintracht erhalten und chren Einfluß gemäß den veränderten ZeitvechAtnissen, aber im alten Geiste und zum Wohle der Gesamtheit geltend gemacht!

Der schönste Zug im Charakterbilde Trimborns war sein urechter, unverwüstlicher Humor. In die- fen Humor bekundete sich die lautere, klare, in sich fetter fest verankerte Persönlichkeit, die in ihrer siche­ren Ueberzeugung und ihrer gewissenhaften Pflichterfül­lung kein Schwanken und Fürchten kannte, sondem alles von dem höheren Standpunkt des gott­oertrauenden Christen und tapferen Deutschen betrachtete. Der Humor war mehr als eine Begleiterscheinung. Er erleichterte dem Verstor­benen wesentlich seine schweren Aufgaben in der Lei­tung einer großen Partei und in der Fürsorge für die Koalition. Sammelnd, einigend, ausgleichend zu wir­ken, war der Natur Trimboms besonders gegeben. Nicht bloß unser« Partei, das ganz« Vaterland muß ihm dafür dankbar sein.

Zu den besten Eigenschaften Trimboms gehörte «mch die Gabe der Organisation. Die hat er von Anfang seines öffentlichen Wirkens an bewährt in immer größerem Umfang. Aus den Erfahrun­gen im Kölner Stadtparlament erwuchs seine umfassende kommunalpolitische Organisation für die Gemeindewahim des Zentrums. Der große und hochverdiente Volksoerein für das katholi­sch« Deutschland fand in Trimborn feinen besten Pfleger nach dem Tode von Brandts. Die VereinsbestiÄunsrn Hitze« unterstützte er auf das wirk­samste. Und wenn die Gesamtpartei des Zentrums aus dem alten losen Gefüge nunmehr zu einem festen Ausbau gelangt ist, so ist das in erster Linie dem Fleiß und Talent des Deimoigten zu verdanken.

Trimborn und Hitze dürfen sich beide rüh­men, daß sie trotz der großen Anzahl der parteipolili- schen Gegner keine Feinde hinterlassen haben. Millionen segnen ihr Andenken!

*

Dr. Karl Trimborn war 1854 in Köln a. Rh. ge­boren, hat in Leipzig, München und Straßburg studiert und zunächst als Rechtsanwalt in Köln gewirkt. Er war SDlitgßeb des Verbandes kath. Stub.-Vereine (K. D), zu dessen begeisterten Anhängern er Zett seines Lebens ge­hört hat. Seine politische Laufbahn hat er 1896 begon­nen. In diesem Jahre wurde er als Vertreter der Stadt Köln sowohl in den Reichstag wie auch in das preußische Abgeoibnetenhans gewählt. Dem Landtag hat er bis zur Revolution angehött, ebenso dem Reichstag, und nach dem Umsturz ist er in die verfassunggebende Nationalversamm­lung gewählt worden. Während des Krieges, nach der Besetzung Belgiens, ist er in die dortige Ziviloenval- tung berufen worden ,als Referent für Wissenschaft, Kunst und das gesamte Unterrichtswesen beim General­gouvernement in Brüssel, lieber zweieinhalb Jahre hat er auf diesem Posten gestanden. Im Herbst 1918, als das parlamentarische Regime emgeleitet wurde, trat Abg. Trimbom als Staatssekretär an die Spitze des Reichsamts des Innern und leitete es bis zum November 1918. In der nachrevolutionären Zett hat Trimborn es obgelehnt, in ein Kabinett einzutreten. Nur einmal, nach den Iuniwahlsn 1920, war er bereit, im Auf­trage des Reichspräsidenten ein« Kabinettsbildung zu über­nehmen, ohne jedoch selbst Reichskanzler zu werden oder in das Kabinett einzutreten. Seme Bemühungen führten dann zur Bildung des Kabinetts Fchrenbach. Nach dem

Tode Gröbers wählte ihn die Zentrumsfraktion des Reichstages einstimmig zum Borsitzenden, ebenso wurde er zum Vorsitzenden der Gesamtpattei des Zentrums gewählt.

Nachrufe.

Dem verstorbenen Führer des Zentrums, Geheimrat Trimborn, widmet u. a. dasBerliner Tage­blatt" einen warm empfundenen Nachruf, in welchem dem tiefen Bedauern Ausdruck verliehen wird, daß der deutsche Reichstag in Trimborn einen so hervorragenden Mann verloren hat. Das Blatt sagt von Trimborn: (Er war ein äußerst gewandter Parlamentarier, der in der Form seiner rheinischen Gemütlichkeit eine kluge, vorsichtige und zielbewußte Politik verfolgte. . . . Die Zentrumspartei verliert in Trimborn einen ihrer her. vorragendsten Parlamentarier."

Auch dieDos fische Zeitung" widmet dem Derstorbenen einen längeren Nachruf, in dem es u. a. heißt:Immer wieder hat Trimborn es in feiner be­hutsamen und zähen Art verstanden, die verschiedenen Strömungen wieder zurück in das große breite Bett der einigen Partei zu leiten. . . . Die Geschlossenheit der Partei und der Fraktion zu bewahren, ist der vermit. telnden Tätigkeit Trimborns iimmer wieder gelungen. Für die Partei und die Fraktton des Zentrums bedeutet der unerwartete Tod Trimboms einen schweren Verlust, lieber die Reihen des Zentrums hinaus ober wird man das Hinscheiden dieses guten und liebenswür­digen Menschen bedauern."

DieTägl. Rundschau" bemerkt, daß der Tod Trimborns für die Zentrumspartei einen schweren Der. lüft bedeutet, daß man ober auch in andern Parteien fein Hinscheiden auf das tiefste bedauern wird.

DerD e r l. Lokalanzeiger" schreibt u. o.: Er beherrschte stets vollkommen den Stoff, über den er sprach und verstand es, auch den schärfsten Angrif­fen, in denen er sich zuweilen gegen rechts wie gegen links erging, durch seinen goldigen rheinischen Humor die verletzende Spitze zu nehmen. Auch außerhalb der Reihen des Zenttums wird der Tod dieses vom besten Willen beseelten Mannes schmerzhaft bedauert werden."

DerVorwärts" widmet dem verstorbenen Zen. trumsführer u. o. folgenden Nachruf:Die Zentrums­fraktion verliert mit ihm einen erfahrenen Vorsitzenden und einen gewiegten Unterhändler. Als Mensch hatte Trimborn alle Vorzüge eines echten Rheinländers. Seine persönliche Liebenswürdigkeit schaffte ihm Freunde in allen Parteien- Sm Reichstage, zu dessen mortan. testen Persönlichkeiten er gehörte, wird man Kan Trim- bom schmerzlich vermissen."

Die unabhängigeFreiheit" bringt in ihrem Nachruf manches unzutreffende, erkennt aber von Trim, bom an,daß unter seiner Führung dort (in Köln) der Einfluß des derretteten Liberalismus auf das Stadt­wesen gebrochen wurde und wenn seitdem die Kommu- nalpolitik einer der größten Städte Deutschlands, soweit das im Sinne klerikaler Anschauung überhaupt möglich ist, einen gewissen Fortschritt zeigte, so war das dem Einfluß der Richtung Trimborn zuzuschreiben." Auch dieFreiheit" verweist auf das Versöhnende seines rhet» nifchen Humors.

DieFranks. Ztg." schreibt: Trimborn gehörte weder dem linken noch dem rechten Flügel des Zentrums an, soweit man bei dieser Partei eine solche Unterschei. düng anwenden darf, sondern suchte, namentlich seitdem er die Leitung der Reichstagsfraktion übernommen hatte, auf einer mittleren Linie die Fraktion und die Partei zu einem geschlossenen Auftreten zusam. rnenzufassen. Die Beweglichkeit, die ihn als Rh-inlän. der auszeichnete, kam ihm in feiner führenden Stellung sehr zustatten und erleichterte Ihm auch die Ausgaben der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Koalitio­nen, an denen das Zentrum feit dem Zusammentritt der Rationalverfammlung jeweils maßgebenden Anteil hatte. !

Trimborn als Parlamentarier.

In dem Nachruf derVoss. Ztg." für Trimborn lesen wir:

Er war einer der eifrigsten und ausdauerndsten Zuhörer bei Debatten. Wenn Langeweile oder Interesselosigkeit den größten Te,l der Abgeordneten in die Restaurationsräume oder in die Wandelgänge trieb unter den wenigen Abgeordneten, die im Saale ge-

Der Gänfebub.

Efränkischer Dorfroman von Dina Ern st berge r.

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»Ich wollt' nur fragn, Fräulein Sore, ob ich Ihnen ksse schön' Spazierweg' jetzt zeigen darf", rief er ver. legen hinaus.

Ei, freilich! Wir haben ja schon mit Sehnsucht auf Miseren Ritter gewartet- Komm, Marianne, wollen wir unseren ritterlichen Führer nicht allzu lange war« *n lassen."

Ehe sich Joseph recht besann, waren die beiden auch schon unten auf der Straße und nahmen ihn in ihre Mitte.

Seht mer den Flickschusterseppel an, was der für Glück hat", sagte In der Wirtsstube dieLöwen". Wirtin zu ihren Gästen, die alle neugierig an das Fen. ftcr drängten, um den Dreien nachzuschauen.

Am Küchenfenster lehnte die liebedürstige Hausmagd «mb schickte sehnsüchtige Blicke Joseph nach.

»Zu mir hat er g'wollt und die zwo bürrn Luder hab'n mir ihn wegg'fangt. Doch ihr zwa stecht mir beim Joseph net aus: do miitzfn scho noch andere komma- Met euch nehm ich's auf, so tröstete sie sich unter wehm Seufzern und legte dabei die große Hand auf das wild pochende Herz.

Joseph fühlte die heißen Blicke und die langen Seuf­zer, die ihm vom Küchensenster aus nachgesendet wur­den. nicht- Schwelgend in Glück, ging er an der Seite feiner beiden Begleiterinnen dahin, sie all' die schönen Wege führend, die er nachts in seinem Bette ausge. wählt und würdig befunden hatte, von Lore betreten zu werden. Anfangs war ihm die Kehle wie zuge- schnürt; er sprach nurja undnein" und lachte dazu, ober nach und nach schwand die Bangigkeit und er wußte auf Lores Fragen mehr $u antworten wie ja und nein.

Die hochdeutsche Sprache machte ihm aber Mühe. Cft brachte er ganze Sätze im schönsten Hochdeutsch zu­stande, da tarn auf einmal dann ein Wort, für das er absolut keine andere Bezeichnung als die im Ortsdialekk finden konnte, und da muhte er oft bann mitten im Satze still, fein ober den Satz im Ortsdialekt vollenden.

Da hörte Joseph dann immer Lore laut auflachen; ja selbst um Mariannes Lippen sah er es schon bedenk, lief, zucken in solchen Fällen und das brachte ihn immer in grenzenlose Verlegenheit. Er fühlte dann, daß er sich nur lächerlich gemacht hatte. i

Warum sprechen Sie eigentlich nicht, wie Sie es gewohnt sind, Joseph," fragte ihn Lore einmal, als er wieder mitten im Satze stecken blieb.

Joseph wußte darauf nichts zu antworten. Unbe- holfen lächelte er verlegen vor sich hin.

Sprechen Sie doch, wie Sie daheim auch reden", fuhr Lore fort.So höre ich Sie am liebsten sprechen; das hochdeutsche Reden macht Sie mir fremd "

Seitdem redete Joseph, wie ihm der Schnabel ge- wachsen war, und das erleichterte ihm den Umgang mit Lore sehr.

Was treiben Sie eigentlich Sonntags sonst; es muß doch hier recht langweilig feint" fragte Lore, als sie sich alle drei an einem lauschigen Plätzchen gelagert hatten.

Ich les da meistens in der Legend'.*

Was ist das?"

Die Heiligen sind da b'fchrieb'n."

Sind Sie fo fromm, daß Sie an diesen Büchern fo Gefallen finden?"

Ich les halt gern."

Warum lesen Sie dann nicht ein anderes hübsches Buch?"

Ich hab' keins sonst, als nur die Genooefa, und die kann ich auswendig."

Was steht denn in dem Buch?"

In der Genooefa? Des wissen ©* net, wer das is? Des weiß doch bei uns jedes Kind! Vorig'? Jahr hab'n wir die Genooefa sogar aus'm Theater g'spielt."

Was, ein Theater gibt es hier auch, und Sie haben rnitgespielt? Welche Rolle lag denn in Ihrer Hand?"

Ich hab' fei Roll'n net halt'n müffn. Ich war der Golla und hab' nix in der Hand g'habt. Nur an Metz- gerhanni fein Wetzstein hab' ich umg'hängt g'habt, daß man gmeint hat, des wär* mei Säbel."

Lore und Marianne mußten bei dieser Schilderung laut auflachen.Aber da müssen Sie nett gewesen fein, Joseph! Wie schade, daß wir Sie da nicht bewundern konnten!" neckt« Lore,

Der Peter hat gfagt, ich war recht schön und ganz wie der richtig Gollo."

Wer ist Peter?" :

Mein Bruder." j

Den möcht* ich doch auch kennen lernen. Wissen Sie was, Joseph? ich werde Sie morgen früh einmal besuchen. Ist es von hier au« «loch weit zu dem Weide, anger, wo wir als Kinder immer zusammen waren?" fragte sie nach einer kleinen Pause weiter.

Kaum hundert Schritt. Gleich außerhalb vom Wald is. wo wir immer die Gäus g'hüt hab'n."

Bitte, führen Sie mich hin."

Bereitwillig erhob sich Joseph sofort, um Lore zum einstigen Spielplatz zu führen- Marianne blieb solange im Walde sitzen, sie wollte hier auf die Rückkunft der beiden warten. t

Ein Liedchen vor sich hintrillernd, schritt Lore Joseph voran. Schweigend folgte er ihr. Seine Augen um- fingen in einem einzigen, zärtlichen Blick die voran» schreitende Gestalt der Jugendfreundin. Da wendete Lore plötzlich den Kopf und bemerkte den träumerischen, fremden Ausdruck in Josephs Augen.

Woran dachten Sie eben, Joseph?" fragte sie ihn ganz unvermittell. i

Warum?"

Sie hatten einen fo seltsamen, sinnenden Ausdruck im Blick; Sie dachten wohl nn etwas recht Schönes. Wie?"

Ja!" !

An was?"

An unsere Kinderzettl"

Wie wir noch miteinander spielten?"

Ja!"

Seltsam! Seit ich hier bin, denke ich auch sehr viel an diese Zeit."

Haben Sie sonst nie an mich denkt?" Joseph fühlte, wie er bei dieser Frage rot wurde, und ärgerte sich darüber.

Einen Moment sah ihn Lore forschend an.D doch! Ich habe mich daheim öfter meines früheren Aufentt Halts erinnert; wie wäre ich sonst auf den Gedanken gekommen, wieder einmal hierher zu gehen?"

jWerden Sie im nächsten Jahre net wieder ins Dorf zurückkommen?"

blieben waren, befand sich meist auch der Führer de« Zentrums auf der ersten Bank gerade gegenüber der Rednertribüne und hörre aufmerksam zu, die recht« Hand vor dem schwerhörigen Ohr, um bte Schallwir- rung zu verstärken. So dankbar ausdauernd er als Zuhörer war, so ungern hielt er selbst längere Reden, und nur bei sehr wichtigen polttischen Debatten ließ er sich als Fraktionsredner bestimmen. Viel Wohler fühlte er sich und viel freier gab er sich hinter den Paria, mentarischen und politischen Kulissen. Da» FraktionSzimmer war seine Domäne, das Verhandel» im kleinen Kreise seine Stärke. An den Redeschlacht«, in den FraktionSsitzun.-ren des Zentrums hat er sich immer sehr lebhaft beteiligt und dabei auch seinen, rheinischen Humor die Zügel schießen lassen. Bei wtch» tigen politischen Verhandlungen innerhalb der eigenen Partei, im interfraktionellen Ausschuß und mtt der Regierung hat er sein außerordentliches Geschick, Gegen­sätze auszugleichen, Kompromiß-Formeln zu finden, bewährt.

Das Vettel- -es Reichspräsidenten.

Anläßlich des Todes des Reichstagsabgeordneten Trimborn sandte der Reichspräsident fol­gende Deileidstelegramme:

Reichstagsstaktion des Zenttmns, Reichstag, Berlin Der Reichstagsfraktion und der Partei des Zentrums sprech« ich zu dem schweren Verluste des hochverdienten Vorsitzenden meine aufrichtigste Teilnahme aus. Abgeord­neter Trimborn hat in jahrelanger hervorragender parla» mentarsscher Tätigkest imb führender Stellung unser po- lstischeu Leben entscheidend beeinflußt. Auch in den letzten schweren Jahren stellte er sich mit vollster Hingabe in den Dienst des Vaterlandes. Ein dankbares und ehrendes Ge­denken ist ihm gesichert."

Frau von Howe, Unkel am Rhein. Zu dem H'm- scheiden Ihres verehrten Vaters bitte ich Sie, meines herzlichsten Beistandes versichert zu sein. 3n dem Verstor­benen verliert das deutsche Volk einen verdienfwollen und führenden Parlamentarier, der seine Persönlichkeit, reiche (Erfahrung und Gaben dem Wohle des Vaterländer wid­mete." "

vor der Tagung

der Obersten Rater.

Die bisher noch ausstehende amtsiche Bestätigung der Nachricht, daß der Oberst« Rat am 4. August und zwar in Paris Zusammentritt, liegt nun vor. Eng­land wird durch Lord Curzon und Balfour ver­treten sein. Lloyd George wird nicht anwe­send sein. Amerika wird sich durch den amerikam- scheu Botschafter In London, Harvey, vertreten lassen.

Die Tatsache, daß der Oberste Rat nun wirklich' auf dm 4. August einberufen worden ist, wird von der Presse als Bestätigung dafür angesehen, daß die englisch« und französische Regierung über we­sentliche Fragen in der oberschlesi­schen Angelegenheit eine Einigung er­reicht haben. Im allgemeinen bestehe Grund zu bei Annahme, daß sich die oberschlesische Frage auf dem Wege der Lösung befindet. Nach einem Priv.- Tel .derFranks. Zig." reisen die englischen Sachver­ständigen Hurst, Tufton unb Waterlow sofort nach Oberschlesien ab. Die beiden letzteren sind feil langem mit der oberschlesischen Frage intim vertrau^ Angesichts bet Nahe der Entscheidung entfalle b 11 Frag« der Truppensendung, wobei London die dÄttsch-französische Differenz auf sich beruhen läßt, da es die Frage des Durchmarsches vorerst als inaktuell betrachtet. Aus demselben GrundG werd« auch der Vorschlag Sir Haralds Stuarts und des Italieners, die Polizei in den unbe st ritte« nen Gebieten an die Deutschen und Polen zu übertragen, nunmehr als unnötig fallen gelassen.

Das kommt ganz darauf an, wie es mir hier gN fällt. Warum Interessiert Sie das?"

Ich möcht' Sie gern nochmal feh'n."

Wieder sah Lore forschend den Sprechenden an; tn den Augen des jungen Bauern spiegelt« sich derselbe sonderbar« Ausdruck wider, wie sie ihn schon einmal bemerkt hatte. Täuschte sie sich? Sprach dieser Blick nicht von Liebe unb Leid?!

Sie stand nun am Ausgange des Waldes; vor ihnen lag der große Weibeanger. Dort bei Jenem mitten Rosenstrauch waren sie Immer gesessen; jetzt hing er über und über voll blühender Heckenröschen. Lachend wies Lore hin.

Wollen wir nicht ein wenig dort Platz nehmen und uns in frühere Zeiten zurückversetzen?"

Ohne eine Antwort abzuwarten, ging sie wieder voran und beugte sich wieder bewundernd über, den blühenden Rosenstrauch, um einige besonders schöne Heckenröschen zu pflücken, aber schnell zog sie wieder die Hand zurück die Dornen drangen ihr In das Fleisch. Mit leisem Wehlaut betrachtete sie den roten Streifen, der sich über ihre weiße Hand zog.

f)abn Sie sich g'stoch'n?" fragte Joseph schnell, sich ebenfalls über die verletzte Hand beugend und sie einen Moment in der seinen haltend.

Sore zog ihre Hand und sah Joseph an.Was ist Ihnen denn, Joseph, Sie zittern ja fehlt Ihnen e* was?"

Nein!"

Aber Sie zitterten ja eben fo heftig mit der Hanh Tun Six das immer?"

Nein. Mir is nix."

Josephs Stimme klang seltsam beklommen, als e» dies erwiderte. Fast heftig wendete er dann den Kops und griff mit der Hand in den blühenden Rosenstrauch, den schönsten Zweig für Lore brechend. Dankbar. chelnd schmückte Lore ihr Kleid mit dem Rosenzweig und Joseph zog die Domen aus seiner btutenben Hand.

Da sitz' ich jeden Sonntag nachmittag", sprach er nach einer kleinen Pause,und les' ober träum."

Die Legende ober Genooefa, nicht wahr? Utu denken an Ihren Schatz?"

Eortjetzuna folgt.)