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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lkadk Fulda.

Nr. 169.

Leromworttich für den ceooutoneUen Teil: Dr. Kramer, = Eür die Anzeigen: I. Parzeller-Fulbo. -

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer $lrtienbratferei in Fulda. ,^erniprecher Nr. ». Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung

Dienstag, 26. Zull 1921»

Bezugspreis: monatlich 3,50 Mk. ohne Bestellgeld. Post- 2 bezug 4,10 Mk. Abgeholt 3,75 Mk. -

Anzeigen: C o > on «lzeile 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (iepbretit' 250 Mk.

48. Zahrg.

Schickialrstunden für Europa.

Erregung in Frankreich über die deutsche« Jtofcn. Der deutsche Rechlsstandpunkl. Labruell Wirth

in Gefahr?

Die beiden Antwortnoten, die unsere Re- Hkerung an Frankreich gerichtet hat, werden auf der frrrLlichen Seite vielfach als Ursache für die Bersch«, fung der Gegensätze und für die Steigerung der hochpolitischen Krisis hingesbM. Das ist «ne faische Deutung. Die deutschen Nolen sagen nur ®' 003 Zur Klärung der Sachlage und der Rechtslage geboten war. Wenn es den Franzosen un­angenehm ist, daß ihnen mit gebührender Deutlichkeit die Wahrheit gesagt wird, so müssen sie dir Ursachen dieses Unbehagens in ihrer eigenen Politik suchen, die allzu scharf und darum schartig geworden ist. _

Die Franzosen werfen uns immerUnverschämt­heit" vor, wenn wir zu ihren falschen Behauptungen und hochgespannten Forderungen nicht ergebcnst Ja und Amen sagen. Sie behaupten ferner gewohnheits­mäßig, Deutschlandspekuliere" auf die Uneinigkeit der Verbündeten, wenn es etwas sagt, was den Herren in London bester gefällt, als den Parisern. Nach so vie­len trüben Erfahrungen haben wir dasSpekulieren" Wllstättdig ausgegeben: aber wenn Frankreich dmch seine gewalttätige Taktik in Gegensatz zu England ge­rät, so können wir an dieser Tatsache nichts ändern und haben wahrlich keine Beranlassmig, wegen dieses Ge- gmsatzes unsere Jnteresten und Rechte zu oerbrugnen.

Die zweite kurze Note, die Antwort auf das Be­gehren wegen des Transportes für die französische Division, die schon in Nancy formiert worden ist, hat besonders den Groll der Pariser erregt. Eben deshalb, weil sich gegen ihre Korrektheit rmd ihre Klugheit nichts stichhaltig» ein­wenden läßt. Deutschland stellt sich aus den Stand­punkt des Rechtes, das der Friedeiksoertrag girschaf- fen hat, und stellt seine Verkehrsmittel zur Verfügung für die Truppen, die von der bevollmächtigten Gr- samcheit der Alliierten in Bewegung gesetzt werden. Deutschland sagt also nicht Nein, sondern bittet nur ganz ergebenst um die Mitteilung, daß England und Italien sich dem französischen Begehren anschließen. Wenn Herr Briand diese Zustimmung seiner Ver­bündeten nicht erklären kann, so ist das nicht die Schuld Deutschlands. Er und feine heißblütigen Hintermän­ner hätten vorher betonten sollen, daß Deutschland auf bi« Einhaltung des Versailler Vertrages bestehen muß. Nicht bloß aus formeller Gewissenhaftigkeit, fondcrn mich in der praktischen Erwägung, daß die Folgsam- krü gegenüber einem einseitigen Anträge Frankreichs Deutschland in Mißhelligkeit bringen würde mit den beiden andersdenkenden Verbündeten. Die deutsche Alttwort ist durchaus keineSpekulation" auf die Un­einigkeit der Errrente, sondern vielmehr die dringliche Einladung: Verständigt euch erst untereinander über die Besatzimg von Oberschlesien'

Was für den TruWennachschub gilt, das gilt auch KrtoeGrenzfestsetzunginOberschlefien. Nicht Frankreich hat einseitig zu bestimmen, sontorn die Gesamtheit der Verbmrtoten, und auch diese ist gebunden an das Ergebnis der Volksabstimmung gemäß dem Versailler Vertrage. Wie unerträglich die einseitige Polenbegünstigung durch Frankreich ist, hat die erste der deutschen Noten in ausführlicher Erörte- nmg auf die französischeVorstellung" durchschlagend dargetegt. Aus der Verteidigung, zu der uns Briand genötigt hatte, wurde ein kräftiger Angriff gegen das vechtswidrige und frietonsgefährliche Spiel, das General Le Rond kn verständnisinniger Gemrln- fchast mit Korfcuüy getrieben hat. Jetzt heißt es, der angeblich erkplungsbedürftige General Le Rand soll doch m Oberschlesien bleiben. Wenn Briand und die Nationalisten eine solche Demonstration beschließen, so können wir unsererseits nichts daran än­dern: aber für Lloyd George (und vielleicht auch für Italien) würde eine derartige Zuspitzung der Lage recht lchrreich sein, vorausgesetzt, daß sie überhaupt den Mut haben, den französischen Stier bei ton Hörnern zu fasten.

Nun hat der Michsjustizminister Schiffer in Remscheid soeben eine Rede gehalten, weiche tfe poli- kische Gesamtlage in sehr ernsten Tönen bespricht. Er führte aus: Wenn die Mächte der Entente über die Aufhebung der Sanktionen und über die Zuteilung von Oberschlesien entscheiden, so müßten sie sich darüber fta sein, daß der Sturz des Kabinetts Wcrth mehr bedeute, als einen bloßen Perfonen- ch^chfel. Meter em Kabinett der Rechten noch ein Kabinett der Linken würde sich hallen können, und eme Auflösung des Reichstages würde eine Zsrrei-

nitte bringen. Von dem Schicksal des Kabinetts Wirth hänge nicht bloß die Zukunft Drutfch- L0« Lon^rn das Schicksal Europas, das Schicksal der Welt ab.

In dieser Kastandrarede steckt viel Wahres, aber wir fragen doch: Wird der Reichstag den Parisern Gewaltpolitikern den Gefal­len fun, das Kabinett der Erfüllung zu "urrJfiV i twnn es zu Neuwahlen kom­men foiite, ©frbcn botm die Deutschen in ihrer Mehr­heit so vnvermmflig fein, die unentbehrlichen Mittel- Parteien zu zerrecbM?

Oer Werste Rat tritt

am 4. «uguft zusammen.

Der Oberste Rat wird am 4. August zusammen- freten. Die sranzofcsche Regierung bat ihren Botschafter m London beauftragt, dem enalischen Außenminister lhre Zmnmmung zu geben. Es kann nunmehr als sicher gelten, dgß das Schicksal Ober­schlesiens in der nächsten Woche entschieden werden wird.

Wie derIntronsigeant" miiteilt, wird isie Tagesordnung des Obersten Rates außer der vberschlesischen Frage noch folgende Punkte um» Men: Das Reglement der tii^ikhen Meerengen:

die Sanktionen; die Bestrafung der Kriegsbeschul­digten; die Frage der belgischen Priorität sowie damit im Zusammenhang stehenden Probleme, ins- be andere ein neues Arrangement zu Gunsten Italiens, das durch die Zahlungsunfähigkeit Oesterreich?, Ungarns und Bulgariens benachteiligt toäve; die Frage der Finanzhilfe für Oesterreich und einer eventuellen Hitfsakcion gegen die rustifche Hnngerkalaftrophe, endlich bie Probleme des nahen Ostens.

Englisch-französische Besprechungen.

Die Besprechungen zwischen London und Paris Wer Oberschlesien dauern an. Lord Curzon hatte Besprechungen mit dem französischen und dem deut­schen Botschafter. Der englische Botschaster unternahm in Paris keinen neuen Schritt.

Nach dem Reutorschen Büro kann England tot Entsendung französischer Verstärkungen nicht z u- stimmen. Bei einer sofortig«! Entscheidung der Frage feien keine Verstärkungen erforderlich. Die Ent­scheidung dürfe nicht weiter verzögert werden.

Oer vierte polenaufstand.

Wie die Blätter aus Oberschlesien melden, ist in­folge eines Zusammenstoßes zwischen deut­schen Eifenbahnern und polnischen In­surgenten, bk bei Dzierkowitz ton D-Zug Breskau-Ratibor beschossen haben, in ton Rybniter Gruben der Generalstreik erklärt wor­den. Im Kreise Rybnik sammeln sich große Scharen polnischer Insurgenten. Große Waffentransporte aus dem Kreise Rybnik in die Grenzdörfer tos Kreises Ra- tibor werden von allen Seiten gemeldet und bestätigt. In Neubenm wurden drei Panzerautos mit stzchs 10,5 Zentimetergeschützen von den Franzo­sen für die Polen ausgerüstet. Die Blätter erblicken in all diesen Vorkommnissen Anzeichen für das unmit­telbare Bevorstehen eines vierten Polenaufstantos.

Die Mättcr melden weitem Angriffe auf die Ort­schaften im nördlichen Oberschlesien. So wurde gestern Kospollitz im Kreise Rosenberg überfalkm. Die Po­len steckten dabei eine Blühte in Brand.

Italienisch-französische Zusammenstöße.

Wie derLokalanzeiger" aus G l e i w i tz meldet, sott es dort zwischen Franzohm und Italienern zu schweren Auseiiiautorsetzungen gekommen sein. Die Italiener seien mit der Waffe gegen die Franzo­sen und Polen vorgegangen. Dabei wurde ein Pole getötet und mehrere Franzosen durch Kolbenschläge schwer verletzt. In Herzoglich-Zawada im Kreise Ra- tibor wurde ein mit HalÄgrcmaten ausgerüsteter In­surgent festgenommen, der eingestand, ton Befehl er­halten zu haben, die italienische Wache in die Luft zu sprengen.

Der zriede mit Kmerika.

Wie derVorwärts" erfährt, fand gestern in Ber­lin eine Kabinettssitzung statt, die sich mit Problem tos Friedensschlusses mit Amerika sowie mit der oberschlesischen Frage beschäftigte.

Türkischer Erfolg in Kleinasien.

Die Türken setzen ihren Vormarsch auf Bi- ledik, Jenischehir und Jnhisiar fort. Fium Kara- hisiar und Tulu Buar wurden bereits besetzt, eben­so Uschak.

Zenegalneger Zentrum

rrommunisten!

Neber diese liebliche Zusammenstellung lesen wir in derKöln. Volksztg." folgendes:

In Nr. 4 der Zeitschrift deS Sonderhäuser Verbandes deutscher Sängerverbindungen, d. h. der nicht farbentragenden früheren Aka­demischen Gesangvereine, leistet sich ein Uni- versitätsdozent Professor A. Schü l e in Freiburg, A. H. einer der genannten Verbindungen, nachstehende Be­leidigung des Zentrums und seiner Anhänger. Er wendet sich in einemVater u. Söhne" überschriebenen, im übrigen ganz vernünftigen Artikel gegen die in vielen studentischen Korporationen wiederzutage tretenden Auswüchse des Korporationslebens, schildert unser poli­tisches und völkisches Elend und führt dann wörtlich fort:1000 Senegalneger, die das Ruhrgebiet besetzen, sind imstande, Deutschland kraft- und wehrlos zu machen, zum Bolschewismus und zur totalen Ver­elendung zu bringen. Die Polen können sich erdreisten, was sie wollen, und wir müßen schweigen. Im alten Wien diktieren Kommissionen Italiens, das vor 60 Jahren noch gezittert hat vor Oesterreich. In Deutschland, das zu zwei Drittel protestantisch ist, regieren Zen- trumSmänner; Kommunisten verraten und ver­wüsten ihr eigenes Vater land.- Diese schriftstellerische Leistung eines deutschen Universitätslehrers verdient niedriger gehängt zu werden. Sie gewährt einen Ein- ;!iif in die politische Denkait gewiffer Kreise, die ihre artet uns ihr eigenes Bekenntnis über das gemeinsame Unterland stellen. Hätten sie nur ein geringes Per- stününis für unsere allgemeine Notlage, so würden sie erkennen, daß nur ein einmütiges Zusammenhalten aller Deutschen uns gegenwärtig helfen kann. Wenn Leute, wie Professor A. Schüle, die noch tief im Geiste des Konfessionsstaates früherer Jahrhunderte stecken, das polnische Gebiet betreten, so pflegen sie nur Haß, Zank und Zwist zu entfachen, und sie zerreißen das deutsche Volk mehr, als die äußeren Feinde zu tun vermöchten. Leider zeigen sie dielen Feinden aber auch stets auf's neue, wo Deutschlands verwundbarste Stelle ist."

Die 5ozlaldemoLratle in Preußen.

In einer Vorschau auf dem Parteitag in Görlitz bezeichnet dieSozialistische Korrespondenz" als wichtigste Aufgaben des Parteiiages neben der Be- chlußfassung über das neue Parteiprogramm die Stellungnahme zu den Finanzfragen und zur preußischen Regierungsbeteiligung. Zur letzteren Frage schreibt die Korre-pondenz:

$n Preußen ist bei der Regrerungsvildung und Regierungsumvildunc- die Frage an die

LandtapSsraktion herangetreten, waS für die Sozial­demokratie besser ist: völlig auS der Negierung auszu­scheiden oder sich mit der deutschen Volkspartei zu­sammen in die Regierung zu setzen. Nach unserer Ueberzeugung hat die Fraktion recht daran getan, das Zusammengehen mit der deutschen Volks. Partei von sich aus abzulehnen. Denn die Regierung-- bildung nut der deutschen Volkspartei kann, wenn die Partei eS will, noch jederzeit erfolgen; ist sie aber ein- mal erfolgt, dann war die dadurch ein :etretene Partei- schädi. ung nicht ohne weiteres aus der Welt zu schaffen. Eine höchste preußische Parteiinstanz gibt eS nicht; Preußenfragen sind für die Sozialdemokratie Reichs- fragen. Deshalb darf der Parteitag in Görlitz sich nicht damit be nügen, gleich dem Parteitag in Kassel, eine deutungSfähtge allgemeine Richtlinie zu gehen, sondern et muß ganz konkret die Frage beantworten: Soll die Sozialdemokratie ui Preußen nötigenfalls auf lange Zeit auf die Regierungsteilnahme verzichten oder soll sie sich mit der deutsche» Bolkspartei zusammeu- setzen?

Der Herausgeber derSozialistischen Korre­spondenz" ist der Abg. Heilmann, der bekanntlich im Landtag mit zu den Führern der sozialdemo­kratischen Fraktion gebärt, die ein Zusammengehen mit der deutschen Volkspartei mit allen Mitteln hintertrieben bat. Es ist aber auch bekannt, daß in der sozialdemokratischen Fraktion des Prenißschen Landtages eine Reihe einsichtiger Leute sitzen, die die damalige Haltung der Fraktion als eine Dummheit an [eben. Das hat der Abg. Meerfeld vor kurzem imVorwärts" mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht. Unter diesen Umständen darf man auf den Verlauf des Görlitzer Parteitages gekannt fein, welche Richtung sich durchsetzen wird.

Hus dem besetzten Gebiet.

Der prelsemaullorb km besetzten Sebiet Aus An­laß des Verbotes derDüsseldorfer Ztg." richtete der Abg. Ouaatz eine An frage an die Regierung, was sie zum Schutz der Presse zu tun gedenke.

Deutscher Reich.

* Berlin, 26. Juli. Der »NeichSanzeiger* veröffentlicht die Ausführungsbestimmungen zur Lohnsteuer. Ueber die politischen Verhältnisse aus Helgoland und die englischen Anschlußbestrebungen wird die deutschnationale Reichstagsfraktion den Reichskanzler interpettieren. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Dr. Boye, der bisher das ReferatWcrlschaftsfragen" leitete, ist zum Geschäfts­träger in Peking ernannt worden. Durch neue B er Handlungen im Reich Sarbeits Ministe­rium ist eine Einigung für das Buchdruckgewerbe erzielt worden, in dem Lohnkämpfe bevorstanden.

Kurland.

* Die luxemburgischen Eisenbahnen. Zwischen Bel­gien und Luxemburg ift ein Abkommen unter­zeichnet worden, durch das tor Betrieb der luxembur- ksischen Bahnen für 50 Jahre in die Verwal­tung Belgiens übergeht.

* Aklenlatsversuch auf das rumänische Königs- paar? Die Polizei v-rhafttoe in Arad nüchtere Ter- roriftan, welche die Strecke bei Arad unterminiert hat­ten, um ton königlichen Zug toi tor Reise tos Königs- paares nach Paris indie Luftzusprengen.

Heimat.

Fulda, 26. Juli 1921.

Mschieüsfeier

für Sen ernannten Bischof von Meitzen, -en hochw. Herrn Regenr profeffor Dr. Schreiber, im priestersemmar zu Zuida.

Am vergangenen Sonntag versammelten sich um halb 4 Uhr naAnittags das Domkapitel, das Kollegium der Professoren und die Alumnen m der mit Blumen fest- sich geschmückten Aula des Priestersemrnars. Dom Hochw. Herrn Bischof geleitet, betrat der neue Oberhrrt ter Diözese Meißen, der bisherige Regens Herr Prof. Dr. Christian Schreiber, den Saal. Es begrüßte ihn der herr­liche Chor: Ecce Sacerdos mognus. Echt da den Hohen­priester. Darauf hielt canb. theol. Wohlrabe eine erhebende Ansprache. In sehr schönem, tiefen und herz­lichen Ausführungen widmete er im Namen seiner Mit­alumnen dem Herrn Regens den Scheidegruß. Die Ab­schiedsrede des Meisters an seine Apostel und das Ge­spräch des Auftrstantenen mit den Gmausjüngetn, in denen sich so lebenswahr alle Momente des seelischen Rin- gens und Strebens widerspiegeln, wußte er geschickt zu verwerten, um das Verhältnis darzustellm, tos zwischen dem scheidenden Vater und Lehrer und seinen Söhnen und Schülern bisher bestanden hatte. Aufrichtige Be­geisterung für die Persönlichkeit des Gefeierten und für seine Amtsführung, röntge Dankbarkeit für alle treue Vatersorge klangen in seinen Worten wider. Besonders ergreifenb war die Erinnerung an die Jahre, da fast alle Alumnen in ten Schützengräben lagen oder in den Laza- retten tätig waren. Da habe bet Herr Regens durch feinen herzlichen persönlichen Briefwechsel ihr Vertrauen hoch- gehalten. Er habe dazu mstgeholfen, daß bei chnen auch im feldgrauen Rock das Ideal des Priestertums lebendig blieb und durch alle Schwierigkeiten sich stegreich hindurch- rang. Mit guten Wünschen und dem Versprechen des Gebetes schloß er seine Rete. Darauf überreichte er als em Zeichen dankbarer Liebe eine Adresse, die, von Stu­dierenden mit schönen Bildern und Wappen ausgestattet, die Namen der Alumnen enthält.

Nachd.rn sodann ein Musikstück von Benot für Kla­vier und Diostne, von stud. theol. Gunkel und Weber vorgetragen, verklungen war, sang der Chor unter Leitung des cand. theol. Stillger ein inniges Abschiedslied:Iren, mmgsschmerz und Trotz", Darauf bestieg Domkapitular

Pros. Msgr. Dr. Leimbach bas Katheder. Da ftim Ausführungen ein übersichtttches Bitt» der bisherigen Tä­tigkeit des ernannten Bischofs von Meißen geben, auch eine Kenntnis feines neuen Wirkungskreises zu ver­mitteln geeignet sind, lassen wir sie rm Wortlaute hier folgen. Der Redner begann:

Hochwürdigster Herr Bischof Christianusl Verehrter Herr Regens!

Noch stehen wir wie von einem Traum umfangen, seit, dem am verfloss. Montag die Nachricht bei uns ehwtroffen ist: Regens Professor Dr. Schreiber, Bischof von Meißen. Zuerst regte sich m mir ein Gefühl stolzer Freude, daß einer der Unserigen, ein Mitglied unseres Domkapitel, und Professorenkollegiums durch den Mund des AeiL Va­ters zu ter hohen Würde berufen worden war. Aber als ich in ter einsamen Abendstille zu Amöneburg da» Ereignis des Tages überdachte, da verstand ich die Träne, die ich am Nachmittage im Auge des Oberhirten unserer Diözese hatte blinken sehen, da verstand ich das zunächst geheimnisvolle Wort, das er am Morgen in der Sitzung des Generaloikariates gesprochen hatte: Es sicht uns en schwerer Verlust bevor.

Zweimal schon hatte die Mitra über dem stäupte un­seres Erwählten gescheht: Er war, wie ich höre, als Nachfolger ter hl. Godehard und Bernward von Hildes, heim in Betracht gekommen. Für den Bischofsstuhl in Mainz war er, wie ich zuverlässig weiß, schon ausersehen. Jetzt gibt es für ihn kein Ausweichen mehr, wenn et auch einem hl. Johannes Chrysostomos gleich entfliegen wollte. Er muß sich dem Befehle des obersten Hirten der Chrfltenheit fügen. An ihn ist der Rus ergangen: Höre, Sohn, und neige dein Ohr und vergiß dem Volk und das staus deines Vaters. Der himmlische König verlangt nach deiner geistigen Schönheit. Et ist dem Herr, so hiMge ihm. Wenn ich nun in dieser feierlichen Stunde im Namen des Professorenkollegiums in Ver­tretung unseres abwesenden Seniors dem oerdjrtew Freunde und Kollegen den Abschiedsgruß darbringen soll, io muß ich zuvor um Entschuldigung bitten, daß ich wegen' der Enge der Zeit, wegen der zahllosen Geschäfte der! vorausgehenton Tage keinen belferen und feiner würdigeren' Spruch ihm anbieten kann. Aber er möge mit fernem; gütigen Hetzen das schlichte Freundeswort gnädig auf-, nehmen, dos ihm lagen soll, was er uns. was er Fulda gewesen ist, was ihm, soweit ein nicht prophetisch erleuch­tetes Menschenauge zu schauen vermag, die Zukunft brin­gen wirb.

Schon haben die Alumnen dmch Herrn Wohlrabck es aussprechen lassen, was sie an dem Herrn Regens' hatten, und was sie an ihm verlieren. Mit Recht rühmen sie, daß er ihnen federzest ein Vater gewesen, der ebenso für ihr makr. Wohl wie für das ihres Geistes und ihrer! Seele unermüdlich Sorge getragen hat. Er Hai das St« minor fo wohnlich eingerichtet. Der Erbauung einer! würdigeren Hauskapelle widmete er sein tätige» Interesse. Er wußte das an sich nicht leichte, durch dick strenge Tagesordnung geregelte Leben, soweit es möglich war, gemütlich zu gestalten. Großzügig verstand er es die Freiheit und Disziplin zu verbinden und die Eigen»! art des Einzelnen, soweit sie gut war, zu erhalten. Er hat das Priesterfeminar zu einer Heimstätte der heilige« Wissenschaft und Kunst, zu einer Heimstätte des Gebetes und ter Frömmigkeit gemocht. Hier wurde das Bild ver­wirklicht, das der 132. Psalm in so schöner Weise zeichnet: Seht, wie gut mrd wonnig ist es, wenn Brüder in Ein- tracht zusammenwohnen. Da ist es, wie wenn Salböl! vom Haupte des Hohenpriesters hinabfließt m den Bart, hinabfließt bis an ton Saum fernes Gewandes. Do ist es, wie wenn Tau vom Hermon hmabströmt bis aus den Berg Sion. Ja, da spendet ter Herr Segen und Leben für immer." Dieser Segen ist in reicher Fülle durch all« die Jahre, da unser Erwählter das Ami des Regens ver­waltet hat, aus dem Fuldaer Priesterseminar ausgegmr- gen, hmeingeströrnt in die Diözesen Fulda und Limburg, auch in andere Bistümer des deutschen Doienlontes. Nie­mals Hal untere philosophisch-theologische Lehranstalt mehr Studierende gehabt, und gern und freudig kamen die, Leviten des Heiligtums herbei, um hier den Mannen Ge­deons gleich ihre Fackeln zu entzünden und zuerst fn Gefäßen verborgen zu tragen, bann aber, nachdem das hl. Salböl über ihre Hände geflossen war, mit hochgelchmwi- genen, freilenchienten Fackeln in den Kamps zu ziehen und die Schlachten des Herrn zu schlagen.

Heber dos Verhältnis der Professoren unserem bisherigen Regens kann ich nur das eine sagen: Wir haben seine Autorität stets anerkannt, aber nie ge­fügt. Wir haben stets das größte Vertrauen und Ent­gegenkommen bei ihm getimten und waren ihm in herz­licher Freundschaft zugetan.

Aber auf das Priesterfeminar blieb die Tattgkest de» neuen Bifchoss von Meißen nicht beschränkt. Sem um­fassendes Wissen, an dessen Vermehrung er unablässig ar­beitete, fein spekulativer und elastischer Geist, mit dem er immer neue Gebiete eroberte, seinen Scharfblick, der ihr» die Bedürfnisse ter Zeit erfermnen ließ, seine Beherr­schung der Sprache stellte er in den Dienst der guten Sache. Wir wissen es, wie hoch die V o r t r ä g e ge­schätzt werten, die er in der Akademikervereinigrmg. im kath. Frauenbund, in ter Volkshochschule zu Fulda hielt, mH denen er zu Kassel, zu Hanau, zu Darmstadt und granffurt die Zuhörer zu fesseln verstand. Es ist uns auch nicht unbekannt, welche Erfolge feine verdienstvoll« Beredsamkeit an zahllosen Orten in der Wahlzeit errungen hot, wie er dabei sogar einmal im Kampfe mit den Geg­nern in ernste Lebensgefahr geraten ist.

Mit dieser Werbetätigkeit für die katholische Welt- und Lebensanfchammg durch fein Wort verband er auch eine reiche schriftstellerische Tätigkeit. Als Mit­herausgeber des Philolophischen Jahrbuches schrieb er zahl­reiche Besprechungen, die fast ebensoviele Abhandlungen über philosophische Fragen barfteHen. Ei machte sich ver­dient durch die mühevolle Bearbeitung des Sachverzeich­nisses ter Jahrgänge 18881907 dieser Zeitschrist. Ihm verdanken wir eine Erörterung über die Behandlung der erkenntnischeoretischen Probleme in der neuesten italieni­schen Literatur, wie er ebenfalls in einem treffliche« Buche die Rechte der Kirche auf die Schule verteidigt hat. Hier darf ich nicht unerwähnt lassen, daß er auch sters als prompter Berichterstatter für die katholische Presse tätig gewesen ift.

Was soll ich erst sagen, wenn ich des Verlustes gedenke, den unser Dom durch den Weggang unseres verehrten Herrn Regens erleiden wirb? Wir wissen es ja, rote et feit etwa einem Dezennium mehrere Monate des Jghres hindurch bas Wort Gottes verkündet hat. in vorbildlicher Weise für die Kandidaten des Priestertums, denen et als Professor ter Homiletik bie Gesetze ber geistlichen Be- redsomkest borziÄegen hatte. Wie oft hoben mir Ge- legenheit gehabt, bie Tiefe ber Gedanken, bie Archstektonik des Aufbous. die Schönheit und den Fluß feiner Sprache zu bemustern.

Und ferne Silberstimme wußte nicht bloß <nrf ber Kanzel zu bezaubern. Wir tonten sofort an den Ma­gister contus, ben Lehrer und Meister bes Gesanges, an tenjenig«!, hey di; Mufr hei feinet Geburt mit