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Jti 167»

Samstag, 23. Juli 1921.

- Fuldaer Zeitung

Dem! der Fuldaer Dctieadrvckerei ht Fulda

Zum Heimgang von Kanz Hitze schreibt uns unser ater Mitarbeiter Fritz Kien- le m p e r :

Als Hitze im März d. 5. seinen siebzigsten Geburts- tag beging, sandle ich ihm den Grug:Herzlich will­kommen nn Bunde der Siebzigjährigen. Da kommt eiirer. der mit Recht sagen kann, et habe bahn­brechend gewirkt." Hitze antwortete u. a.:Lie­ber, alter Freund! Herzlichsten Dank. Solches Lob aus solchem Munde das kann beinahe mich daran glauben machen . . . Zweimal Atemnot in­folge Herzschwäche Das kommt von der bösen Ar- tillerie-Derkaikung, wie Trimborn sogt. Es geht ober bester, und der alte Leichtsinn kommt schon wieder oben. In alter Treue. Dein Hitze."

Der gute Humor und der zähe Tatendrang haben die Herzschwäche, die sich schon seit einigen Jahren ge. meldtt hatte, doch nicht überwinden können. Auch die Kur in Nauheim tcar vergeben». Wir haben einen der besten Führer, den maßgebenden Vorkämpfer aus sozialpolitischem Gebiet verloren. An seiner Bahre ringt sich rin doppeltes Gebet von den mftchüterU'N Herzen: Gor: lohne ihm sein treues, gesegnetes Wir­ken, uird Gott helfe uns wester, indem er den rechten Mann schiltt. der den Mantel des Heimgegangenen Elias (nifhebt.

Der Verstorbene hat bahnbrechend gewirkt, das darf ich an seiner Bahre wiederholen, ohne Wi­derspruch zu befürchten. Denn auch die oerständigen wrd ehrlichen Mitbürger aus areberen Parteien müs­sen zugeben, daß die Sozialreform in Deutschland nicht die großartige Entfalnmg erreicht hätte, wenn nicht Franz Hitze in seiner fast 50jährigen Wirksamkeit mit so musterhafter Tüchtigkeit an der Verwirklichung seiner christlich und sozialen Ideale gearbeitet hätte.

Er ist sich selber treu geblieben von den ersten Vortiäoen, die er als Student in Würzburg seinen Kommilitonen hielt, bis -um letzten Kolleg in der Universität von Münster und zu der letzten Meinungs­äußerung im Reichstag. Sein ganz.-s Sinnen und Trachten durch das verhältnismäßig lange (für uns freilich noch zu finge) Leben war dem euren Ziel ge­widmet, durch den christlichen Sozialismus die leib­liche und geistiIe Wohlfahrt des ganzen Volkes, den inneren Frieden und das Reich Gottes auf Erden fördern zu helfen. Und diesem erhabenen Zwecke ha- er wahrlich nicht vergebens seine Lebenskrast geopfert.

Wie stand es um die Sozialpolitik in Deutschland, als 1877 der junge Hitze fein erstes Schriftchen über die soziale Frage veröffentlichte und das Zentrum den sozialresormerischen Antrag Galen nicht einmal zur Kommissionsberatung bringen konnte? Welche Fortschritte sind inzwischen gemacht worden, langsam aber stetig! Nicht bloß die Versicherungs­gesetze zugunsten der Arbeiter und Angestellten sind durchgeführt und mehrfach verbessert worden, sondern auch für den Schutz der Arbeiter und für die Rechtsstellung der Arbeiter wurde immer mehr gesorgt. Von nicht geringerer Bedeutung ist dir Or­ganisation der Arbeiterschaft. Ueberall war der Ver­storbene mit seinem weisen Rat und seiner geschickten Hand in dar segensreichsten Weise tätig, sowohl in den gesetzgebenden Körperschaften wie bei der Grün­dung und Leitung der christlichen Arbeitervereine und Gewerkschaften, und insbesondere auch als Professor für christliche Gesellschaftswissenschaft, der vor allem de» jungen Klerus schulte zur heilsamen Verbindung von sozialer Fürsorge mit der Seelsorge.

Hitze war keine Kämpfemattir, sondern e i n Mann des Friedens und des Wohltuns. Es fehlte ihm keineswegs an Mut oder an Schlag- fertigkeitl aber er glaubte mit Sanftmut, mit geduldi­ger Belehrung, mit freundlichem Zureden mehr zu er- reichen. Und darin hat er sich auch nicht getauscht. Die überlegen- Ruh-, die reine Sachlichkeit, die voll- kommene Selbst! osigkeit sicherten ihm ein großes Ansehen und Vertrauen auch bei den Anhän­gern anderer Parteien, namentlich auch bei dem bes­seren Teil der Sozialdemokratie.

Dieses Ergebnis einer schuldigen und opferwilligen Arbeit hat sich als sehr ljeilsam erwiesen, nicht bloß für die sozialpolitische Gesetzgebung, sondern auch für die allgemeine Entwicklung nach dem Umsturz. Di- Rettung fces inneren Friedens und die Erhaltung der notwendigen Koalitionsregierung wäre gewiß sehr er­schwert, vielleicht vereitelt worden, wenn nicht Franz Hitze durch sein sozialpolttisches Wirken für die Samm­lung der erforderlichen Strafte eine geeignete Grund­lage und förderliche Stimmung geschaffen hätte.

Ei, du guter und getreuer Knecht!" Hitze wird gewiß Anspruch haben auf diese Anrede im Jenseits. Er war gut, denn er arbeitete nur für das Wohl der Mitmenschen, vor allem der schwachen. Er war g e-

Der Simsebub.

Fränkischer Dorfroman von Dina Ernstberger.

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Joseph merkte nichts oder wollte nichts merken. Er saß von früh bis nachts auf feinem Schusterstuhl und arbeitete und grübelte nach, wie es möglich wäre, sein väterliches Erbe zu vermehren.

Am Sonntag, wenn die anderen Burschen im Wirts­haus waren, dann saß er daheim und las die Erzählung von der Genoveva. Er kannte das Buch zwar fast aus. wendig, aber er las immer wieder darin, denn es war oufjer der Legende das einzige Buch, welches ihm zur Verfügung stand und er las gar gern.

Im Sommer kam es auch häufig vor, daß er sich draußen auf der Wiese auf das Gras legte und träumte. ®,r boim vornehmlich jenes Plätzchen, wo er einst als kleiner Knabe mit Lore immer die Gänse hütete. Alle Erlebnisse aus diesen Tagen zogen da an seinem Geiste vorüber. Sein Blick wurde ernst und träume, risch und seine Züge weich.

Wo sie wohl weilen mochte, die klein- Lore? Ob sie noch iyrer ougendzeu und per verlebten Sommertage auf dem stillen Dorf gedachte; ob wohl nie ein Gedanke in freundlichem Erinnern den kleinen Jugendfreund von einst grüßte?

selbst im Zryum er str in ihrem weißen, dufti­gen Kleidchen üoer ine Wiese schreiten; aber je näher sie kam, je mehr verblaßte ihr si[ö unö schließlich enf. schwand cs ganz in wallenden Nebelwolken und er war v'.'.-oer cteiii. Die frohen, glücklichen Stunden von einst, wo er mit ihr am W-ideanger Gänse hütete die kehrten selbst im Traum nicht mehr zurück!

An einem Samstagabend ging Joseph wieder durch bas Dorf und trug die fertigen Stiefel zu den verschiede, neu Kunden, damit die Dauern am Sonntag zum Kirch, «ang ihre Stiefel hätten. An den Werktagen gingen sie meist barfuß in ihren großen, schweren Holzpantoffeln, ab-r Sonntags wäre keiner mit ungeputzten Sttefeln -oder gar barfuß zur Kirche gegangen. Joseph hatte sich .die Woche durch rocht plagen müssen; er nahm deshalb den Sier trug mit, um, wie er es von feinem Vater -

treu, denn fein ganzes Wirken gaü derselben großen Sache ohne alles Schwanken und ohne jede Rücksicht auf persönliche Interessen. Er war ein Knecht Got­tes, denn sein Wirken für das Volkswohl richtete sich nach dem Willen und nach der Ehre des Allerhöchsten.

Gott gebe ihm den vollen Frieden, dem er auf Erden nachgestrebt hat!

Stwas zum Nachdenken.

Leuten von der Gesinnungsart des anti- ultramontancn Reichsverbandes und des Evangelischen Bundes vorgelegt

von Geh. Reg.-Rat Prof. Mattin Faßbender.

Man kann es wohl als eine nicht alltägliche Er­scheinung, als eine Uebsrraschung bezeichnen, wenn ein Sozialdemokrat trotz seiner grundsätzlichen Metz- ming des Christentums die kacholffche Kirche gegen Verunglimpfungen in Schutz zu nehmen sich veranlaßt fühlt. Solche Ueberraschung ist eingetreten am 15. Juli bei der großen politischen Aussprache im preußischen Landtage aus Anlaß der Vorlage eines Notetat, in­dem der sozialistische Abgeordnete Heilmann da­bei die von demReichsboten" stetig betriebene Hetze gegen die katholische Kirche als sehr verwerf, l i ch kennzeichnete. Man sollte meinen, es müßte der Schristleüung dieses Blattes, auf welche nach land­läufiger Ansicht ob letztere richtig ist, kann ich nicht beurteilen evangelische Theologen einen sehr maßgeblichen Einfluß ausüben, eigentlich die Schamröte ins Antlitz treiben, daß sie sich von einem atheistischen Sozialisten eine Moralpredigt hallen und dabei hat sagen lassen müssen, wie verhängnisvoll ihre Hetzarbeit zu wirken imstande ist.

Daß es sich bei dem Heilmann'schen Erguß nicht etwa um eine aus sozialistischem Geiste geborene Ein­gebung und UebertreDung, sondern um die Charakte­risierung wirklich grober Taktlosigkeit desReichs­boten" handelt, bewiesen auch die sehr kräftigen Zwi­schenrufe der Zustimmung aus den Reihen der deutsch- nationalen Fraktion gegenüber den demReichsboten" zuteil gewordenen Zurechtweisungen. Gewiß wird man niemanden verübeln können, wenn er diese Kund­gebung der Deutschnationalen dadurch in ihrer Bedeu­tung herabzumindern sucht, daß er sagt, die Zustim­mung der Deutschnationalm sei aus einem sehr be­greiflichen herzlichen Mitgefühl mit den Mitgliedern des durch das täppische Borgehen desReichsboten" in eine sehr verzwickte Lage gerächten Ausschus­ses der Partei für katholische Ange­legenheiten hervorgerufen. Es siegt mir auch fern, mich eines so guten Einblickes in die deutsch- natiimale Seelenölonomie rühmen zu wollen, daß ich die letzten Beweggründe ihres Handelns erkunden könne, aber ich schließe folgendermaßm: wenn Sozial­demokraten und Deutschnationale in der Beurteilung der Verwerflichkeit der Handlungsweise einer den Deutschnationalen so nahe stehenden Selle, wie es der Reichsbote" ist, übereinstimmen, daß, wie zuverläffig verlautet, die deutschnationale Fraktion sogar durch Fraktionsbeschluß beschlossen hat, sich die Zusen­dung des Blattes zu verbitten, so siegt darin eine außerordentlich herbe Kritik desReichs­boten" und man darf wohl sagen:Der Unfug des Reichsboten übersteigt alle Begriffe normaler Geistes­verfassung" man wird auch bem Zentrumsabgeord­neten Dr. Lauscher nur Recht geben können, wenn er in der betreffenden Sitzung sagte:

Ich persönlich empfinde das Bedürfnis, bem Abge­ordneten Heilmann meinen Dank auszusprechen für die Entschiedenheit, mit der er das in der Tat niederträchtige Treiben desReichsboten", die infame Katholtkenhetzr, die dieses Blatt gerade in der letzten Zeit wieder ausgenom­men hat, ablehnte und zuriickwies. Cs ist in der Tat not­wendig, daß mit der äußersten Entschiedenheit diesen Dingen entgegengetreten wird. Wenn wir uns nicht fort­während zerfleischen und die deutsche Dolksgememschaft auseinanderreißen sollen, dann müßen derartige Angriffe, wie sie derReichsbote" gegen uns, gegen unsere Kirche, gegen unsere religiöse lieber,Beugung wieder geschleudert hat, endlich unterbleiben. Wenn ich auch nicht der Mei­nung bin, daß die deutsch nationale Partei ohne weiteres für das Treiben eines Blattes, wie es derReichsbote" ist, verantwortlich gemacht werden kann, weil sie ja be. konmlich denReichsboten" nicht als offizielles Partei- organ anerkannt, so sollte man doch meinen, es müßte möglich sein, in denjenigen Volksschichten, die die deutsch- nationale Partei in der Hauptsache politisch vertritt, Der- ständnis dafür zu wecken, daß derartige Angriffe auf ein Drittel des deutschen Volkes nicht Mässig und mit dem Ernst der heutigen außen- und innenpolitischen Lage schlechterdings nicht verträglich sind, deshalb endlich ein­gestellt werden müssen."

Kami man diese Worte Lauscher's bezüglich des gesamten Verhaltens desReichsboten" in der Rich-

gesehen, eine Maß Bier und einige Semmeln mit nach Hause zu nehmen.

^Pfeifend stellte er sich in den zugigen Hausplatz im Löwen"-Wirtshaus. Er hatte schon zweimal die Türe auf und zu gemacht zum Zeichen, daß draußen jemand sei, der etwas wolle; aber die ,Löwen".Wirtiir plauderte drinnen eifrig, daß sie das Türaufmachen überhörte. Ungeduldig öffnete er etwas lauter noch einmal die Türe unb steckte dabei neugierig den Kopf ein wenig in den Türspalt, aber schnell zog sich Joseph wieder zurück, und lauter, als er es eigentlich wollte, fiel die Türe ins Schloß.

Am Wirtstisch drinnen fah er zwei fein gekleidete junge Damen sitzen. Dere ungewohnte Anblick hatte ihn überrascht. Wer mochten die beiden nur fein, daß sich dieLöwen".Wirtin so angeregt mit ihnen unterhielt?

Jetzt hörte die Wirtin einmal auf zu sprechen: eine andere Stimme antwortete ihr. Joseph lehnte den Kopf an die Türe unb horchte scharf auf. Die Stimme kam ihm bekannt vor. Jetzt näherte sich ein schwerer Schritt der Türe. Joseph trat zurück.

Ich sag's ja, dos trifft ein: Wenn ma an Ochsen nennt, kommt er g'rennt," rief die Wirtin lachend, als sie Joseph erblickte.Grab' hab' ich von Dir g'redet. Ja-' seph. Wer manft denn, daß da drinnen hockt?" fuhr sie etwas leiser sprechend fort.

Wer denn?"

Rat' amal!"

Was kann ich da raten. Sagt mir's HE! Warum habt ihr denn von mir g'redet?"

Weil die drinnen Dich auch kennt."

Mich?" In spannender Frage sah Joseph dießö- wen".Wirtin an.

Ro, kannst Dich denn nimmer an das kla Madie erinnern, wo immer mit Dir Göns g'hütt hat?"

Die Lore?"

Ich mein', fo hat's g'heißen, die is wieder komma met noch an fo an junge Frauenzimmer und bleibt a paar Wochen da. Grab' hat's nach Dir gfrugt. Geh' nur gleich fo rein unb laß Dich sehen"

Schon wollte sie die Türe öffnen: Joseph legte schnell (eine Hand auf den Drücker, daß sie nicht öffnen konnte.

hing der Kathosikerchetze nur als treffend bezeichnen, so sind die bezüglich eines Auffatzes, ben derReichs- bote" kürzlich gebracht hat, noch viel zu milde. Der Reichsbote" druckt ihn ab mit dem Bemerken, daß er ihm aus den Kreisen des antiultra- montanen Reichsverbandes zugegangen sei. Aber man würde ihn doch wohl nicht abgedruckt ha­ben, wenn er nicht die voll« Zustimmung der Schrift­leitung desReichsboten" gefunden hätte. Ich er­innere mich noch sehr wohl, daß die ZeitschristDas neue Deutschland" während des Weltkrieges mehrere Auffätze über die Notwendigkeit des konfes- fionellenFriedens brackste, in denen befonbers darauf hingewiesen wurde, daß 'm der Gegenwart sich die konfessionellen Auseinandersetzungen nicht mehr i n den Stilblüten des Reformationszeit, alters vollziehen dürften, wo der Papst als der wahre Antichrist und Rom als die babylonische Hure bezeichnet, die Mefle eine vermaledeite Abgötterei und die Heftigenverehrung Götzendienst genannt wurde. DerReichsbote" hat allerdings nirgendwo sein Be- bauem darüber zum Ausdruck gebracht, daß gegen­wärtig in den Kreisen wohlerzogener Menschen eine so saftige Sprache so wenig besieht sei, aber er ent- Höbet sich doch auch nicht, in dem in Rede stehenden Auffatz eine Einrichtung der katholischen Kirche von sakramentalem Charakter, wenn auch nicht in so kno­tigen Ausdrücken, wie den soeben gehörten, aber doch in der niederträchtigsten Weise herabzusetzen und die­jenigen Kcttholiken, die dieses Sakrament empfangen, zu verdächtigen. Ich wenigstens kann beim besten Willen den Sinn des Aufsatzes in Nr. 310 des Reichsboten" auch bei wiederholtem Lesen nicht an­ders verstehen. Wörtlich heißt es am Schlüsse des Aufsatzes zusammenfassend:

In der ultramvntan-sesuitlschen, vom Beichtstuhl aus in alle Kreise verbreiteten Moral siegt eine schwere Gefahr für das Geschäfts» und Erwerbsleben Md nicht zum mmbeften auch für unser Rechtsleben, denn tausende von Richtern, Staats- und Rechtsanwälten sind ultrarnanian, der gegenwärtige preußische Juftizminister an der Spitze und holen sich Rat und Belehrung aus dem Beichtstuhl."

Die betreffenden Persönlichkeiten, die in dem Auf­satz genannt werden, scheiden aus unserer Betrachtung samt und sonders vollständig aus. Es handelt sich bet dem Aufsatz das ist der Kernpunkt und diese Tat- fache müssen wir mit aller Klarheit ins Auge fasten darum, daß gegen eine Einrichtung der katholischen Kirche hier Sturm gelaufen wird, zu deren Benutzung jeder Kathosik unter einer schweren Sünde verpflichtet ist und zwar so strenge verpflichtet ist, daß bei Unter» lastung der jährlichen Beichte unb Kommunion Ver­weigerung des kirchlichen Begräbnistes eintritt Ist es da wohl eine Ueberfreibung, tnrnn man sagt, daß durch die soeben gehörten Worte desReichsboten" sich alle gläubigen Katholiken auf das tiefste beleidigt fühlen mästen? Muß man dieses Säen des Mißttauens gegen den ganzen katholischen Volksteil Deutschlands nicht als eine Unverschämtheit ohne Ver­gleich bezeichnen, ja muß man solches Vorgehen nicht besonders in der heutigen Zeit der inneren Zerrissen- heit Deutschlands eine Frivolität unb geradezu gemein- gefährlich nennen? Sollte derReichsbote" die Aus­drückefrivol" unbgemeingefährlich" auf das gekenn­zeichnete Verfahren nicht an gewendet wissen wollen, so bleibt ihm die Forderung auf Zubilligung mildernder Umstände nur möglich unter Bezugnahme auf bas Dibelwort:Herr, verzeihe ihm, denn er weiß nicht, was er tut!"

Auf ben Inhalt des soeben erwähnten Auffatzes im Reichsboten" näher cinzugchen, verlohnt sich nicht. Der Aussatz ist nur als Schulbeispiel zu wer­ten, als einer von vielen. Wollte man alle nach Art des vorstehend bezeichneten, vorgeblich nur das ,gul- tramontan-jesuitische System", m Wirklichkeit aber das Wesen der katholischen Kirche bekmnpfenden Auffätze, welche täglich m der demReichsboten" gesinnungs­verwandten Presse erscheinen, widerlegen, man müßte ganze Bücher schreiben. Es ist festzuhaten, daß die konfessionelle Brunnenvergiftung in Deutschland einen großen Umfang angenom­men hat In einer Zett aber, wo das deutsche Volk der geschloffenen Einheit im Innern so dringend be- dürfte, kann es nichts Verruchteres geben, als die kon­fessionellen Gegensätze in der Weise zu verschärfen, daß man die Lehren der katholischen Kirche als ge« meingefährsich darstellt und die gläubigen Katholiken als unzuverlässig tm Derkehrsleben verdächtigt Aller­dings aus der Psychologie der Hetzer ganz richtig ge­dacht, da man wohl annehmm kann, daß tm 20. Jahr­hundert, wo so zahlreichen Menschen ihr Kirchenglaube in solchem Umfange abhanden gekommen ist, daß sie um der Unterscheidungslchren im engem Sinne des

Halt,Löwen"-Wirtin, in dem Auszug kann ich mich doch net sehen lassen," sprach er schnell, auf seine schmutzige Schürze unb die Holzpantoffeln deutend.Is s'is denn wirtlich, die Lore, und hat's wirklich nach mir g'fragt?"

Jetzt öffnete sich die Türe von innen und tn ihrem Rahmen erschienen zwei junge Damen. Einen Moment schaute Joseph prüfend in das runde, lebhafte Gesicht der schwarzen Dame. DieLöwen". Wirtin räusperte sich etwas verlegen; Joseph aber klapperte im Sturmschritt mit seinen Holzpantoffeln zum Hausplatz hinaus. Hinter sich hörte er noch die rauhe, erklärende Stimm« der Wirtin:Wenn ma an Ochsen nennt, kommt er grennt."

Joseph schritt eilig vorwärts. Da hörte er die. wen"-Wirtin kräftig feinen Namen rufen.

Joseph gleich sollst Dich vorstellig machen. Geh doch wieder her! Du hast ja gar net amal noch a Bier in Deirn Krug brinna," rief ihm die Wirtin zu.

Verlegen kam Joseph langsamen Schrittes wieder zurück.

Dor der Türe stand breitspurig, die Hände in die Seite gestemmt, dieLöwen"-Wirtin, und zur Haustüre heraus ftredten sich neugierig zwei wunderhübsche Mäd- chenköpfe.

So, Fräulein, das is etz'n der kla Flickschusters- Seppsle, der mit Ihnen immer die Gäns g'hüt' hat," sprach die Wirtin erklärend.Gelt, da schauen's, was das für a Trum Mannsbild worben is."

Mittlerweile war Joseph herangekommen. Da trat ihm eine ber beiben Mäbchengestalten lächelnd entgegen.

Na, erinnert man sich benn noch ber kleinen Lore?" frug sie schalkhaft.

Joseph war in peinlicher Verlegenheit.

O, auf bie kleine Sore hab' ich noch keine Stunbe vergessen," sprach er mit zitternber Stimme, eifrig be­müht, in Hochdeutsch bie Antwort fertig zu bringen. Das machte ihn noch unbeholfener unb wirkte gerabezu lä­cherlich.

Sinb Sie nur net bös, baß ich so ausseh', Fräulein Lore!" stammelte er.Ich war hall bei ber Arbeit. Halt' ich gewußt, was für ein Glück mir heut' noch zustößt, hott' ich mein Sonntagsstaat angelegt.*

SBortes sich wohl nicht entzweien würden. Würde nun em Blatt wie derReichsbote" solche Hetzarbeit allem leisten, so wäre es noch nicht einmal so schlimm, da wohl die Leser desReichsboten" nicht sehr zahl- reich smo.

Wer die von demReichsboten" abgebrutften Ela- &°rQm nur e*ncn kleinen Teil der zur Verstärkung antitatholischer Instinkte in die Volk», massen geworfenen Infektionserreger dar. Und des­halb will es für den konfessionllen Fristen tm ganzen nicht gerade viel bedeuten, wenn dis Deutschnationalen, wie oben ntitgeteilt, denReichsboten" auch abschütteln.

Es ist aber ein eigentümliches Zusammentreffen, daß die erwähnte Kundgebung für den konfessionellen Frieden im preußischen Landtage zufällig gerade am Vorabend des hundertjährigen Ge. dächtnistage des Erscheinens der Dulle de salute animarum stattfand, durch welche bk Neuordnung der katholischen kirchlichen Verhält­nisse für Preußen im Jahre 1821 erfolgte. Die Dulle war bas Ergebnis langer Verhandlungen zwischen Kirche unb Staat unb die Vereinbarungen wären nicht zustande gekommen, wenn nicht alle Beteiligten sich von dem ernsten Stieben hätten leiten lassen, aus. gehend von den nun einmal gegebenen Verhältnissen ein Zusamenleben ber Menschen oer. schiebener religiöser Bekenntnisse zu ermöglichen. Auch heute muß das Streben aller be- sonnenen Menschen, die von wahrer Baterlandssiebe und echt chriftsicher Gesmung erfüllt sind, dahin gehen, wahre Toleranz zu üben mit bemustern Fest­halten des eigenen Standpunktes, unter Vermeidung alles dessen aber, was andere verletzen könnte. Ein Derwischen der konfessionellen Gegensätze, wie man cs im Aufklärungszeitalter im 18. Jahrhundert erstrebte, ist nicht angängig unb frommt keinem Teile. Auch an Unionsbeftiebungen, wie sie im Jahre 1920 in Genf unter den protestantischen Sekten stattfanden, kann sich die katholische Kirche nicht betei­ligen. 2Xe verschiedenen Konfessionen können jedoch sehr wohl neben einander in christlicher Duldung leben; es können auch Erörterungen der Gegensätze ftattfin« ben, die Polemik bedarf aber einer Entgiftung unb Reinigung. Die beste Polemik ist bie Jrenik bas ist bie wichtigste Wahrheit.

Man sollte glauben, daß, wenn es ben Leuten vom Reichsboten" und ihren Gesinnungsgenossen um Be- tätigung in der Richtung einer Belebung christlicher Gesinnung zu tun wäre, sie leicht genügend Beschäftigung in ihrer eigenen Re. ligionsgemefnschaft finden könnten, wenn sie z. B. den Kampf gegen die Kirchenflucht in der Kir- chenaustrittsbewegung sich angelegen fein lassen woll­ten. Auch dürfte ein den Herren viel näher siegendes Betätigungsfeld die Ueberbrückung der Ge- genfätze zwischen den verschiedenen Richtungen der Landeskirche sein: zwischen demBund der Tekenntnisfreunde", die an dem alten Bekenntnis des Lutherischen Katechismus seschalten wollen, denFreunden der freien Volkskirche", die jede Bindung durch das Bekenntnis ablehnen, unb ber Evangelischen Vereinigung", die bas Bekenntnis als historisch geworden und deshalb jeweilig ben Zeiium- ftänbe cmzupaffen für notwendig erachtet sollte nicht tatsächlich hier zu arbeiten für die Herren viel näher siegen und wäre es nicht auch viel dankbarer vom religiösen Standpunkt?

Bald nach der Revolution des Jahres 1848 schriÄ» Martin Deutlnger in feiner neuen ZeitschriftSiloah" bie Worte, bie heute für uns so tröstlich klingen: Nicht die politische Macht bezeichnet den Höhepunkt eines Volkes, sondern das geistige Erbe, wel- ches ein Volk seinem Nachkommen unb ber ganzen Menschheit überantwortet" Seutinger hofft, daß Deutschland an die Stelle des alten Griechenland tre­ten soll in seiner Vedeuiung für die wahre Geistes­kultur der Menschheit. Die Voraussetzung für die Verwirklichung einer solchen Hoffnung ist aber zweifel­los die innere geschlossene Einheit Deutschlands, daß man sich nicht im Innern gegenseitig zerfleischt, sondern bei aller Gegensätzlich­keit von Anschaungen gegenüber andern Völkern ein einig Volk von Brüdern" barfteflt

Die neue Mietssteuer.

Am 26. Juni ist bas Gesetz über bie Erhebung einet Abgabe zur Förderung des Wohnungsbaues veröffentlich! worben. Wir geben feine wichtigsten Bestimmungen nach­stehend wieder:

Dir Länder erheben zurFörderun gderWoh. nungsbeschaffung und der Siedlung auf Grund mid nach Maßgabe dieses Gesetzes für bie Rechnungsjahre 1921

Ei was! Ist aus bem kleinen Joseph ein fo stolzer Herr geworben? Man hat boch sonst nicht im Sonntags­staat die Gänse gehütet"

Ja dortmals, da war's noch was anders, Fräulein Lore; jetzt ..

Jetzt ist aus dem kleinen Joseph ein gar schmucker Bursche geworden. Jawohl, das seh' ich ja. Und was ist denn sonst noch aus ihm geworden? Mit dem Stu» disrm war es wohl nichts? Ich erinnere mich, daß man beim Gänsehüten öfter davon sprach."

Das wissens noch? Sie haben doch auch noch manch* mal an mich denkt, Fräulein Lore?" rief Joseph freude­strahlend.

Ei was! Ist aus bem kleinen Joseph ein fo stolzer fen spielte lange Zett in meiner Phantasie eine große Rolle. Ich hätte schon längst gern einmal gewußt, was aus ihm geworden ist Nicht wahr, Marianne, ich habe mich sehr dafür interessiert," sprach Lore, zur anderen jungen Dame gewendet.

Purpurrot und verlegen wie ein junges Backfischchen stand Joseph vor Lore. Jetzt erst bemerkte et bie blonde Dame an Cores Seite, die freundlich lächelnd mit einem leichten Nicken des Kopfes Lores Frage beftätigte-

,Ist bas Ihre Schwester?" fragte Joseph endlich, um seine Verlegenheit durch die Frage zu verbergen.

Nein! Marianne ist meine Kusine. Ihre Ettern sind gestorben unb ba lebt sie bei uns '

Ernst unb mitleibig sah Joseph dem jungen Mädchen, in das Gesicht.

Das ist hart, wenn die Eltern sterben. Mein Vater ist auch gestorben," sprach er weich, gleichsam als sollte die Mitteilung der jungen Waise Trost bringen.

In Mariannes Augen glänzte es feucht.Da sind wir ja in gewisser Beziehung dann Leidensgenoffen. Ihr Mütterchen lebt aber noch?"

Bitte, nur nicht sentimental werden," unterbrach Lore rauh,sonst reife ich sofort ab. Sentimentalitäten Dertrage ich nicht. Das ist mir verhaßt!"

Was ist denn bas sentimental?" fragte Joseph rasch.

Sie waren eben im besten Zuge, es zu werben, ate Sie mit meiner Kusine sprachen."

(Fortsetzung folgtj