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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lladk Aulda.

Nr. 167.

Verantwortiu^ rür Öen ceOautonellen Teil: Dr. Kramer, - für bit Anzeigen: I. Parzeiier-Futba. s Rotationsdruik u. Verlag bet gulbaer adtenbraderei in Fulba. ^ermprecher Nr. 0. Ieleqr.»»Creife: Fuldaer Zeitung

Samstag, 23* Zull 1921.

Bezugspreis: Monatlicki 3.53 Mk. ohne Bestellgeld. Post» - bezug 4,10 Mk. AdgehaU 3,75 Mi. -

Anzeigen: Lotanelzeile 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (lephrtitef 250 Bit.

48. Zahrg.

toa;

Abreise des Generals Lerond auS Oberschlesten.

der sich

DaSVerl. Tagebl." erfährt von unlerrichteter Seite aus Oppeln, daß General Lerond in Nacht zum Freitag Oberschlesien verlassen und über Prag nach Parts begeben habe.

Der Wiederaufbau ZranLrelchs.

Dsr beim Reichsministerium für Wiederaufbau bestehende Beirat für Reparationsfragen ist imter dem Vorsitze des Ministers R a t h e n a u zusammengetreten.

Der Reichsminister schilderte den Gang und der­zeitigen Stand der Verhandlungen über die Finanzie­rung der Reparationslieferungen und erläuterte die Ziele der Verordnung betreffend die Anforderung von Sachliefenmgen für den Wiederaufbau. Die Liefe­rungen müßten unter gleichmäßiger Berücksichtigung der Lärcher bezw. Derufsgruppen aufgebracht werden. Die Aussprache ergab allgemeines Einverständnis mit den Absichten des Ministers. U. a. wurde betont, daß unberechtigte Reparationsgewinne verhindert werden müßten.

santmenbrechen und damit muß auch die Herrschaft des Sowjetsterns sinken. Daran könnten auch keine deutschen kommunistischen Hilfskräfte etwas ändern, sie könnten höchstens den Prozeß hemmen und die eigenen Volksgenossen irr noch größeres Unglück stürzen. Trotzdem gilt aber für die deutschen leitenden Kreise dec alte römisch; Mahnruf:videant consiües!"

Die deutsche Hilfsaktion für Rußland.

Zur Linderung der schweren wirtschaftlichen Not in Rußland sind in Deutschland Bestrebungen im Gange, um eine schnelle und großzügige Hilfs­aktion zu veranstalten. Die Reichsregierung wird der Aktion jede mögliche Unterstützung und Förde­rung gewähren.

Zuziehung Rußlands zur Washingtoner Konferenz?

Nach dem ,Temps* trägt man sich in Washing- touer Kreisen mit dem Gedanken, die gegenwärtig« russische Regierung zu der Washintoner Abrüstungs­konferenz eiuzuladen.

In Tarnowitz verhafteten die Engländer be- lffnete Insurgenten, die eine 65 jährige Frau über­fallen und ausgeraubt haben. Auch in Miechowitz haben sich wieder starke Jnsurgentenbanden gebildet. In Loslau bat eine allgemeine Flucht der Deutschen emge setzt. Infolge der Abwanderung der Deutschen sind viele Häuser an die Polen verkauft worden.

Kus-ehnmrg der polnischen

Insurgenten-TStigkeit.

Die Ausschreitungen der Insurgenten in Ober­schlesien nehmen immer weiteren Umfang an. In Gleiwitz wurde der Stadtteil Petersborf von den Juiurgenten lebhaft beschossen. Im Labander Wald treiben sich bewaffnete Insurgenten in Scharen umher. In Lipine wird eine Bürogehilfin des deutschen Plebiszitkommisiariats vermißt. Man ver­mutet, daß sie von den Insurgenten beseitigt worden ist.

Die Sowjet-Republik in Gefahr.

1 Die furchtbare Hungersnot, die zur Zeit m Rußland herrscht, und die im Verein mit Seuchen weite Kreise der Bevölkerung dahinrasst, bildet eine schwere Gefahr für die Sowjet-Republik. Der innere Zerfall Rußlands unter dem Boischewisten-Regime hat auch zum großen Teil Schuld an der jetzi- g e n Not. Abgesehen davon, daß eine seit Jahren wahrende Anarchie jede ausgiebige Nutzbarmachung der Felder verhindert, haben auch die fortwährenden Kriege Sowjet-Rußlands, durch die es zum Teil der Regierung Lenin nur möglich war, in gemeinsamer Abwehr nach außenhin innere Unruhen künstlich nie« ixerzuhaUen, eine Bebauung des Landes unmöglich ge­mocht.

Dazu kommt dan noch das völlige Versagen Des Transportwesens, teils durch Mangel an Brennstoffen, teils durch die verschiedenen Stiege, wo alle Verkehrsmittel zu Militänransporten notwendig gebraudp wurden, die eine Verteilung der Ueberproduk- tton einzelner besonders gesegneter Landstriche in Lndustrtegegenden oder ärmere Gegenden verhinder- tat. Da mußte dann gleich ein Ausfall der Ernte oder auch schon eine Mißernte katastrophale Folgen rauh sich ziehen. Und gerade für einen Agrarstaat wie Rußland, in dem eine Hungersnot bisher bei feiner Ueberproduktion niemals auftrat, wird sich das Urteil der großen Maste nunmehr entschiedener gegen die Re­gierung des Landes wenden. Nur dann, wenn der Kommunismus dar Sowjet-Republik bessere Zeiten gebracht hätte, hätte er sich im russischen Volke durch­setzen können. So aber ist er nun feit Jahr und Tag die Verkörperung det Anarchie, der brutalen Ge­walt unt> des Egoismus einiger weniger, dazu noch berüchtigt« Elemente. Kein Wunder, daß nunmehr den Sowjet-Gewaltigen selbst die Eüfahr zu groß zu werden scheint.

Dazu kommt noch, daß die umliegenden Staaten sich gegenseitig immer enger militärisch zusam- menjchließen. Denn daß der gewaltige russische Mr, wenn er sich erst einmal wieder von den Zuckun­gen der Revolution erholt haben wird, seine Pranken nach Posen und der Ukraine, kurzum nach allen Him- melstichtimgen cmsstvccken wird, um feine ehemaligen Gebiete wieder an sich zu reihen, darüber besteht kein Zweifel und das liegt ebenso in den Plänen der jetzi­gen Sowjet-Regierung wie jedes tmberen demokratisch geatteteen Regimes, rwr allem aber auch einer zaristi­schen Regierung. Und hierin liegt auch die drohende Gefahr für das eben wieder künstlich cmfgepäppelte P o Len. Daß Polen nicht fähig ist, sich aus die Dauer selbst zu regieren, wenigstens nicht so, daß es zu einem lebensfähigen Staatsgebilde wird, hat die Geschichte hinreichend bewiesen.

Die oben erwähnte Gefahr für die russische Sow­jet-Republik wird daher nicht nur von den regieren­den Leuten in Moskau empfunden, sondern auch die Kommunisten Deutschlands zittern für den Sowjetstern, oder besser gesagt für ihre eigene Exi­stenz. Denn mit dem Niedergang Sowjet-Rußlands so oder so, würden auch ihre letzten Hoffnungen end- güttig zertrümmert werden. Zwar wird der kommu­nistische Gedanke selbst sobald nicht von der politi­schen Tagesordnung verschwinden, im Gegenteil: er dürste in der einen oder anderen Form immer wieder und gelegentlich vielleicht auch noch einmal gewalti­ger in die Erscheinung treten, aber mit seinem end- gAtigen Niedergang in Rußland Dürft? er in der jetzi­gen Form jedenfalls für die auf höherer Kulturstufe stehenden westlichen Völker ein endgültiges und großes Fiasko erleiden. Diese Gefahr wittert mich das Zen- tralorgan der Vereinigten kommunistischen Partei Deutschlands, die BerlinerRote Fahne" und es wüta deshalb vor allem gegen die verschiedenen M i- lilörverträge der russischen Rand-- ftaaten unter sich, dann der kleinen Entente, ferner den polnisch-tschechischen und einen bevorstehenden finnländisch-estländisch- ß et Händisch-polnischen Milihärver- trag.

Das klMMmmstische Zentralorgan malt die Gefahr für Sowjet-Rußland in riesengroßen ÜÄtern und weist vor allem auf eine neue Verschwörung der russi­schen Komerreoolmionäre, auf die französischen Trans­porte mit Munition und Truppenverstärkungen nach Polen und Kriegsmaterial nach Rumänien hin. Frank­reich ist der imperialistische Hauptschuldige, das steht

»Rote Fahne" fest, ater alle anderen kaptta- Itstisch organisierten Länder, wie Amerika unb nicht Mrtzt Deutschland werden als drohende Gefahr für «owzet-Rußland hingestellt.

~?5 über die inoem Lage, vor allem die Wiri- schwislllge Rußlands gemeldet wird, ist natürlich tn äugen der deutschen Kommunisten eitleDer- logenynt uni) Heuchelei" und die jetzige Hungersnot toll oct! den Darbünixten Feinden Rußlands nt.v benutzt werden, um Sowjet-Rußland imAugenblick einer* schomboren Schwäche den Todesstoß zu ver­setzen . Cs ift wohl unnötig, überhaupt noch wider- legen zu wollen,daß -mch in Kreisen, die der deut- schen Regierung nahtstehen, dec neue Krieg gegen Sow- zet-Rußland offen behandelt wird", wie dieRote Fahne" ihren Lesern warnend vorhält, sich dabei auf das Zeugnis der linksradikalenDaily Harald" beru­fend. Deshalb ruft dieRoke Fahne" das deutsche Proletariat auf,zunächst einmal den russischen Kon­terrevolutionären m Deutschland das Handwerk end­gültig und dauernd zu legen, ferner dafür Sorae zu tragen, daß keine militärifchen Transporte von Frank­reich aus nach Polen oder Schlesien über deutsches Gebiet gehen", um zuletzt die Frag« zu stellen,ob die deutschen Proletarier bereit sind, für Sowjet- Rußland mit allen Mitteln einzutreten, ihre erste ßestung gegen den Kapitalismus zu verteidigen".

Wir halten die deu: scheu Arbeiter, abg sehen von Amr ganz sanatifch gesinnten, verhetzten, dazu noch politisch urteilslosen Minderheit, für zu verständig, ols daß sie diesem Kampfruf derRoten Fahne" fol­gen. Sowjet-Rußland mußle und muß eines Tages hurch fein ganzes haltlofcs System wirtschaftlich au« 1

Das Görlitzer Programm.

.Kritisches zum Programm der rNehrheikssozialffien.

Dse Veröffentlichung des Programms der mehr- heitsfoziaustifchen Partei Deutschlands imVorwärts" hat naturgemäß die Kritik sowohl im eigenen Lager der Mehrheitssozialdemokratie als auch in dem der beiden linksbenachbarten Partei en hervorgerufen. Abg. D a o i d hat sich mit dem Agrar- prograinm äußerst kritisch auseinandergefetzt, ©ein? Angriffe richten sich in erster Linie gegen die Grund­forderung des Agrarprogramms: dieVergesell­schaftung von Grund und Boden". Er verweist bet seiner Auseinandersetzung auf das Er­furter Programm. Diefes habe fogar bloß von der Verwändlung des kapitalistischen Privateigentums an Produktionsmitieln in gesellschaftliches Eigentum ge­sprochen, die Enteignung des landwirt- lichen Kleinbesitzes habe es jedoch mit aller Entichiedenhetl zurückgewiesen. Seine Einwen­dungen entspringen der Furcht, daß diese -Vergcsell- schastungsphrase" der Sozialdemokratie nur die Agi­tation unter der Bauernschaft erschwere unb ben Geg­nern eine wirksame propagandistische Waffe in die Hand gebe.

In gleicher Weise verfehlt erscheint David auch die Forderung, wonach die allmähliche Uedtrführung des Groß-Grundbesitzes in eine genossenschaftliche De- tricbsform verlangt wird. Nun hat auch der Chef­redakteur desVorwärts", Friedrich Stampfer, sowohl zum Programm als auch zu den Ausführungen Davids Stellung genommen. Auch er ist in manchen Stücken mit dem neuen Entwurf durchaus nicht ein­verstanden. Lor allem bezeichnet er es als" einen organischen Fehler der Vorlage, daß er ein Mittel­ding zwischen einem Bekeimtnisprogramm und einem Handbuch sei. Auf diese Weise sei dieser Entwurf bestenfalls als Rohmaterial für ein Parteiprogramm anzusprcchen. Er vermißt in diesem sozialdemokrati­schen Programm vor allem die offene Erklärung und die Erkenntnis, daß ohne einen Staat, der wirt­schaften könne, Sozialismus überhatqü nicht möglich sei.

Zum SozralisierungsprogramM sagt Stampfer folgendes:

Ob es richtig ist, die Entstehung von Kriegen aus. schließlich auf kapitalistische Entwicklungstendenzen zu- rückzuführen, dies zu prüfen, müßte einer besonderen Erörterung Vorbehalten werden. Aber ganz unb gar K ist es zu lagen, daßdiese unerträglichen Zustande" bie Ueberführung der großen Wirtichastsbetriebe in bie sozialistische Gemclnwirtlchaft überwunden wer. ben können. Wenn wir heute Kohle, Eisen, Stahl und noch einiges ander« -Steife* sozialisieren, alaubt dann

wirklich jemand, daß damit «die unerträglichen Zustande überwunden" wären?

Auch ineFrei heit" hat sich nunmehr ent« schlossen, in einem langen Leitartikel das sozialdemo­kratisch: Programm zu zerpflücken. Es ist auch für einen Außenstehenden selbstverständlich, daß dieFrei­heit" nun alles mögliche getan hat, um diesen Pro­grammentwurf mit einigen unfreundlichen Randbemvr- kungen zu versehen. So nennt dieFreiheit" die Vor- läge utopistisch, systemlos, konfus und spricht die Wei- nung aus, seine Annahme wäre vom Standpunkt der Gesamtbewegung schädlich,weil er dir Kluft inner­halb des Sozialismus vertieft". Sie nennt das Pro­gramm einen mißglückten Versuch. DiHe Stellungnahme des führenden Blattes der USPD, verursacht dieserhalb auch demVorwärts" einige Kopfschmerzen. Er setzt sich deshalb mit den Aus­führungen des unabhängigen Organs, vor allem in der Frage Diktatur und Demokratie, aufs eingehendste auseinander. Wir sind gespannt, wie sich diese häus­lichen Auseinandersetzungen weiter entwickeln werden.

Vertag» »gsant rag!

Wie eine sozialdemokratische Parteikonferenz mit­teilt, würde es schwerlich gut sein, wenn der Partei­tag in Görlitz Hals über Kopf das sozialdemokra­tische Parteiprogramm endgültig beschließen würde. Tie Korrespondenz empfiehlt, den Organisationen ein Jahr Zeit zu lassen, um sich eingebend mit dem Entwurf des Programms und feiner Kritik zu befassen.

Vie Arbeiten des Relchsminifteriums des Innern.

Der Reichsminister des Innern, Dr. Gr a d n a u e r, erklärte einem Pressevertreter, daß er die Auffassung des Reichskanzlers über die Stellung des Kabinetts und die oberfchlefische Frage völlig teile. Nur eine baldige Entscheidung könne großes Unheil verhüten.

Eine gegen die Regierung gerichtete P u t s ch g e - fahr von Seiten des in Auflösung begriffenen Selbst- sanitzes bestehe nicht. Die Versuch einiger abenteuer­lustiger Unterführer würden scharf beobachtet und könn­ten leicht unterdrückt werden. Für den Fall der Ent­scheidung in Oberschlesten müsse alles bereit sein, damit die deutsche Verwaltung sofort in vollem Umfange wieder eingerichtet werden könne.

Unter den weiteren laufenden Arbeiten des Mini­steriums nimmt vor allem die Schul- und Kul- t u r p o l i t i k einen hervorragenden Platz ein. Wei­ter sind Gesetzentwürfe in Arbeit zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, zur Errichtung einer Reichskriminalpolizei sowie über das Verfahren bei Aenderung von Löndergsbieten oder bei Neubildung von Ländern durch einen Volksent­scheid.

Endlich ist eine Reform der Gesetzgebung für die Neichsbewmten und die allgemeine Regelung des Beamtenrechts in Angriff genommen.

Trimborn schwer erkrankt.

Nach einer Meldung derK. V." aus Bonn hat sich Staatssekretär a. D. Geheimrat Karl T r i m - born im dortigen Iohcmneshofpital einer schwe­ren Operation unterziehen muffen. Die von Ge­heimrat Garre vorgenommene Operation ist an sich gut verlaufen; infolge hinzugetretener Herzschwäckn war aber der Zustand des Patienten am Donnerstag sehr ernst. Am Freitag ist eine leichte Befferung ein­getreten, so daß eine unmittelbare Lebensgefahr augen­blicklich nicht besteht. Falls keine weiteren Kompli­kationen sich ergeben, ist zu hoffen, daß Herr Abg. Trln born nach sieben bis acht Wochen wiederherge­stellt sein wird.

In allen Kreisen der deutschen Zerrtrmnspartei wird man diese betrübende Nachricht von der bedenklichen Erkrankung des hochgeschätzten unb verehrten Führers mit inniger Anteilnahme vernehmen unb seiner ge­wiß gern im Gebete gedenken, daß der Allmächtige die Gefahr abwenden und ihn den ©einigen und der Partei erhalten wolle.__

Aus öcr. besetzten Gebiet.

* Die französische Wirtschaftspolitik im besetzten Ge­biet. Die Zweigstelle der französischen Handel», tammer in Kreuznach fordert in deutschen Zeitun­gen, Bäckerinnungen, Schokolade- unb Zuckerwarenfabri. fen sowie Lebensmittelhändler, die bewilligungspstichtige Waren einzuführen wünschen, auf, ihre Anträge der lranzSsischen ftanbelsfommer zur Vermitt­lung an diezuständigen Stellen" einzureichen. Die in Betracht kommenden Firmen müssen jedoch den Rach, weis erbringen, daß sie im besetzten Gebiet ansässig sind. Ohne Zweifel handelt er sich bei diesem Dorgehcn aber, mals um einen neuen Versuch, das wirtschaft- liche Gesicht der Rheinlandes nach Westen zu drehen. Für das deutsche Wirtschaflsleben aber bedeutet es die immer weitere Ausdehnung des Loches im Westen.

mc. vrr geprellt« btrr oonen. uxi Dem KuituS- miniüer der noch immer nicht errichtetenRheinischen Republik* Dr. Krämer, der übrigens vom Schul­dienst pensioniert und mit vollem Geholt auf staatliche Kosten lebt, erschien ein reisender Ernst WormS au3 Solingen, der behauptet, die rheinische Arbeiterschaft habe sich infolge einer Einigung zwischen Mehrheits- sozialdemokratie und U. S. P. für die rheinische Repu­blik gewinnen lassen. Zum Beweise zei te WormS Schriftstücke, Die der bekannte Sozialistenführer HuS beglaubi t hatte. Auf Grund dieser Mitteilungen wurde WormS dem Dr. Dorten persönlich vorgestellt unb das Haupt der rheinischen Republik übergab ihm für Propagandazwecke aus seiner wohlgefälligen Privatschatulle 10000 Mk. Rach einigen Tagen wieder­holte Worms seinen Besuch bei Dr. Dorten und empfing abermals 25OUO Mk. zur angeblichen Bearbeitung der Ärbeiterschait. Als man aber nach einv-et Zeit von dem Erfolg nicht das geringste hörte, schöpfte man Ver- dacht unb Dorren mußte zu seinem größten Leidwesen erfahren, bpß er einem abgefeimten Schwindler in die Hände gefallen war. Die «Schriftstücke mit dem Namen Huö waren falsch und Worms bat das Geld in

leichtsinnigem Lebenswandel dur " ebracht. Man könnte die ganze Geschichte für einen Schwindet halten, wenn nicht Dr. Krämer jetzt Anzeige erstattet hätte Ob man aber Worms noch erwischt, ist eine ander» Frage. _______________ _ _______________

Der Krieg in Kleinasien.

Auf dem Kriegsschauplatz haben die Griechen bie Linie Diledjik-Bazarlik erreicht. Die Tücken haben Afium Karahissar geräumt. In Smyrna sind über 3000 griechische Verwundete vis jetzt ein­getroffen. Bei ihrem Rückzüge ist es den Türken gelungen,das Kriegsmaterial mitzunehmen. Nach einer weitere» Meldung sollen die Türke» eine Gegen offensive begonnen haben.

Not des Klerus und 5taatspsiicht.

Man schreibt beiKatholischen Korrespondenz": Die Frage der Psarrerbesoldung und die finanzielle Notlage des katholischen Klerus in Preußen ist schon oft in der Presse diskutiert worden, insbesondere nach dem Erlaß des Gesetzes über bie Bereitstellung staat­licher Mittel zur Besoldung und Aufbesserung der Ge­hälter katholischer Pfarrer vom 17. Dezember 1920. Uns scheint, als ob in dieser Diskussion etwas zu sehr betont wurde, daß in er st er Linie die Kir­chengemeinden für den Unterhalt der Pfarrer aufkommen müßten. Das ist bis zu einem gewissen Grade zweifellos richtig, doch darf man wesentliche historische Momente nicht übersehen. Dem Staat kann gewiß nicht die Pflicht zugesprochen werden, sämlliche jüngst errichtete Pfarreien den Zeitverhältnisfen ent­sprechend voll und ganz zu dotieren. Aber bei einer großen Anzahl älterer Pfarreien besteht auf Grund der rechtlichen Ansprüche aus Säkulari­sation und Lncorporation die Verpflichtung des Staates.

8 35 des Reichsdepirtationshcmptschlusses steht aus­drücklich die Einziehung kirchlicher Vermögensstücke zum Behufe des Aufwandes für Gottesdienst" vor. Ans diesem Artikel und aus seiner Entstehungsge­schichte leiten bedeutende Kirchenrechtslehrer für den Staat die Verpflichtung zurBestreitung der wesent­lichen kirchlichen Bedürfnisse, auch der im Laufe der Zeit steigenden" ab (Sägmüller, Rechtsanspruch S- 26). Zu dieser rechtlichen Verpflichtung, die auch noch in mehreren Kabinettsordres ausdrücklich oder implicite anerkannt wird, betonen katholische wie nichtkatholische Rechtslehrer die historische und f 111 I t tf)_e Verpflichtung des Staates: die Sorge für das katholische Kirchemvesen sei in dem allgemeinen Staatszweck enthalten, z« dessen Erfüllung das ge­samt« Staatsgut beizutragen habe (Richier-Dovs-Kahl). Vor Erlaß des Ediktes vom 30. Oktober 1810 zur Durch fAirung der Säkularisation in Schlesien hat auch der damalige Staatskanzler Hardenberg dieses Ver­sprechen gegeben mit den Worten, daß sich der Säku­larisation' kein triftiger Grund entgegensetzen könne, wenn für Pensionierung der Pfründeinhaber, in Son­derheit fürreichliche Dotierung der Pfarreien, Schulen und milden Stiftungen" gesorgt werde. Am 5. April 1815 versprach Friedrich Wilhelm H. in seiner Allo- fution an die Rheinländer, dieDiener der Religion auch in ihrer äußeren Lage zu verbessern, damit sie ! die Würde ihres Amtes behaupten". In der Kabi- neiisorder vorn 25. September 1834 wird wiederum ' betont,daß eine rechtliche Verpflichtung und daher - auch ein Anspruch auf vollständige ober ergänzende Dotation überall anMerkenmn sei, wo erweislich entweder vor Errichtung des Stiftes oder Klosters oder Stifts übergeben worden ist, oder wo das Pfarr- offlzium später dem Kloster ober Stifte von der geist­lichen Behörde förmlich inkorporiert worden ist,, oder wo Stifter und Klöster sich anderweitig Mr Leistung der Psarrdienste ausdrücklich und auf rechtsverbindliche Weise verpflichtet hatten, ober wo endlich die betref­fend Gemeinde, ohne M einer anderen Pfarrkirche des Ortes oder der Nachbarschaft wirklich eingepsarrt zu fein, wenigstens 44 Jahre hindurch vom Jahre 1803 exftrLwe an zurückgerechnet, also vom Jahre 1759 ab in fehlerfreiem ununterbrochenem Besitze der von dem mrfzuhebenden Kloster ober Stift ihr geleisteten Pfondimste sich befunden hat." Am 17. Mürz 1851 stellt« ber Kultusminister von Raumer m ben Kam­merverhandlungen fest, daßdie katholische Kirche ihre Anforderungen cm den Staat als einen Rechtsanspruch begründet durch die Taffache, daß nicht bloß die Klöster imd Stiftungen, sondern auch ganze geilstsiche Territorien säkularisiert und dem Staate emverleibt sind."

Die Reihe dieser Erinnenmgen könnte noch lange fortgesetzt werden, nur eine aus neuerer Zeit sei noch angeführt. Am 17. Marz 1909 legte Kardinal Kopp den Standpunkt des preußischen Epi-kopats im Herrerchanse mit den Worten dar: Ich finde den Grund, der die staatlich« Fürsorge für diese Bedürfnisse ^recht­fertigt, in der Pflicht der Staatsregieruna, für die Staalsnotwendigkeiten Sorg« tragen ju müssen. Eine Staatsnotwendi^eit sst aber auch die Pflege der reü- giös-sittlichen Grundlage, auf welcher unser Staat be­ruht. Die Staatsregierung muß also der Kirche die Mittel gewähren, um diese Aufgabe zu erfüllen, und M diesen Miteln gekört auch die Unterhaltung der zum Dienste der Kirche bestimmten Personen." Auch das Reichsgericht hat im Anschluß an bie Kabinettsorder vom 25. September 1834 bei Unzulänglichkeit der ge­währten Dotation einen Anspruch aus Ergänzung viel­fach anerkannt. So noch im Urteil vom 20. Oktober 1913.

Nach dieser quellenmäßigen Begründung läßt sich doch wohl mit vollem Rechte ibehauplen, daß ber Staat bei sehr vielen Pfarreien birekte rechtliche Verpflichtungen $ur Besoldung der Pfarrer mich den Zeiwerhältnissen^ entsprechend hat, bei anderen aber nicht minder begründete sitt­liche Pflichten, die Diener der Kirche hinlänglich zu dotiere».