Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
Läßt England die französische Haßpolitik zu?
Mit banger Ungewißheit muß man die Stellungnahme Englands zu der neuen Wendung abwarten, die Briand zu Oderschlesien genommen hat und für die er die laute Zustimmung der nationalistischen Politiker in Frankreich gefunden hat. _ Alles, was diese Kreise bisher an Briand als Schwäche tadelten, ist über die Vorstellungen und Drohungen, die er durch den Berliner Botschafter an Deutschland gerichtet hat, großmütig verziehen worden. Nur vor der Stellungnahme Englands haben die Franzosen noch ein wenig „Manschetten".
Auch für uns Deutsche hängt von Englands Stellungnahme zu der oberschlesischen Frage alles ab. Ein amerikanisches Blatt berichtet, der Reichskanzler Dr. Wirth habe vorige Woche dem englischen Botschafter erklärt, wenn die Lösung der oberschlesischen Frage ungünstig für Deutschland ausfalle und die Sanktionen im Rheinland beibehalten würden, so sehe er die Lage als zu schwierig an, um an der Spitzederdeutschen Regierungzu bleiben. In dieser Fassung könnte die Meldung das Mißverständnis erwecken, als ob Dr. Wirch die Engländer zu irgend einer Einmischung in die innere Politik Deutschlands habe veranlassen wollen. Dos hat er natürlich nicht beabsichtigt und nicht getan, sondern hat vielmehr im Gespräch dargelegt, welche Folgen es haben würde, wenn Deutschland für seinen guten Willen und seine großen Opfer fortgesetzt nicht- weiter ernte, als Bedrohungen, Bergewaltigun gen und Schädigungen.
Es ist ja auch ganz klar und eine positifche Selbst- Verständlichkeit, daß an die Regierung Wirth im Herbst di« Frage gestellt wird: Was habt ihr mit eurer Po- litik der' Ovferwilligkeit erreicht?
Wenn die Antwort ungenügend oder sogar abschreckend ausfällt, so füllt die Schuld daran nicht auf das Kabinett, das wahrlich das feinige getan hat, sondern auf die Gewaltpolitik der Gegenseite ,die alle Opfer nur mit Feindseligkeiten vergolten haben. Aber in erster Linie würde das Ministerium Wirth den Mißerfolg büßen muffen, und in zweiter Linie würden alle Staatsmänner und Völker in Mitleidenschaft gezogen werden, die em Interesse an der friedlichen Entwicklung in Europa haben.
Es war fehr zeitgemäß, gerade den Engländern diese Logik der Tatsachen zum Bewußtsein zu dringen: denn die gegenwärtige Politik Frankreichs richtet sich nicht allein gegen Deutschland, sondern auch gegen England. Letzteres muß sich nun bestimmt entscheiden, ob es die zähe an gestrebte Vernichtung Deutschlands weiter unterstützen will und üder- haupt zulassen darf. ___________
Deutschlands Zahlungen.
Die deutsche Regierung leistete an die Reparations- kommisston eine neue Zahlung von ungefähr 31 Millionen Goldmark in europäischen Va- luten. Die Zahlung wird zur Amortisierung von Reichsschatzwechseln verwendet, die in Ausführung des Skt. 5 des Zahlungsplanes ausgehändigt wurden.
Außerdem fetzte die Kriegslastenkommifsion soeben dir Repararionskommission davon in Kenntnis, daß die deutsche Regierung eine abermalige Zahlung von 41 Millionen Goldm ark in verschiedenen europäischen Valuten anbietet.
Der belgische Finanz Minister ist nach London abgereist, um mit dem englischen Schatzkanzler über die Verteilung der 244 Millionen Goldmark zu beraten, die von Deutschland bezahlt und in Amerika deponiert sind.
vor dem vierten Polenausftand.
Der Verband ehemaliger Ausständi- scher aus Oberschlesien erläßt in einer Posener Zeitung einen Ausmf, in dem er auffordert, jeden Augen- blick bereit zu fein. In allen Ortschaften müßten Gruppen ehemaliger Aufständischer gebildet werden.
Zum Rücktritt Leronds.
Das „Berl. Tagebl." hört, General Lerond ge« denke sich in den nächsten Tagen auf einen Sommerurlaub zu begeben. Rach den Informationen des Blattes soll Lerond in dieser Form em annehmbarer Slbgang zugesichert werden.
Der gepanzerte Frieden.
Der amerikanische Präsident Harding hat bekanntlich eine Zusammenkunft der Ententestaatsmänner vor- gefchlagen, die sich mit der Frage der Abrüstung befassen sollen. In dem Augenblick einer solchen Unternehmung dürfte es nicht uninteressant sein zu erfahren, wie groß die Flottenmacht der einzelnen Län- der ist. Denn so weit ist die „Vorbereitung" auf diese Konferenz schon gediehen, daß man sich daran gemacht hat, die Größe der Flotten der beteiligten Staaten auszurechnen.
So hat England über 400 Kriegsschiffe erster Linie, davon sind nach dem Jahre 1916 erbaut rund 360. D« Vereinigten Staaten besitzen 434 Schiffe, von denen ebenfalls nach 1916 rund 400 gebaut fein sollen. Japan besitzt etwa 100 Kriegsschiffe: dreiviertel sind nach 1916 entstanden. Zu diesen Ziffern muß man noch die zurzeit im Bau befindlichen Kampf- einheiien hinzurechnen, wenn man das Bild vervoll- ftänbigen will. Erst jüngst kam auf der britischen Reichskonferenz die Absicht zur Sprache, daß England mit Hilßr seiner Kolonien an eine durchgehende Erneuerung seiner Flottenbestände denke. Auch an U- Booten besitzen England und die Vereinigten Staaten eine erkleckliche Zahl: man rechnet auf jeden Staat fi 150 U-Boote. .
Mit berechtigter 3ronie fugt der „Vorwärts" der Aufzählung dieser KliegswerkzeuJe der Ententeftaaten
Flr. 163.
48. Zahrg
Dienstag, 19. ZuU 1921
Bezugspreis: Monatlich 3,53 TM. ohne Bestellgeld. Post» :: bezug 4,10 M. Abgeholt 3,75 litt -
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verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. Kramer, u für die Anzeigen: I. Parzeller-Fuida. s Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in vulva. Fernsprecher Nr. ». Telegr.-Adresse: Fu ldaer Zeitung.
hinzu: „Das sind die richtigen Unterlagen für spätere Kriegrmrbrecherprozeffe."
Zurückweichen Japans.
3kr japanische Marineminister erklärte Pressener- tretern, daß Japan weder die Mittel zu einem Wettseerüsten besitze, noch Gefahr laufen wolle, allein zu bleiben, wenn es sich weigere, bei den Bemühungen zur Beschränkung fcer Rüstungen mitzuwirken.
(Ein sozialdemokratischer
Parteiprogramm.
Nach dem geroattfamen Uebergang des ehemaligen Kaiserreiches in die neue Staatsform der Demokratie und des Parlamentarismus machten sich bri der Mehrheitssozialdemokratie verstärkt die Einflüsse bemerkbar, die aus eine Revision des Erfurter Programms abzielten. Vor ungsfahr einem Jahre brachen sich diese Bestrebungen mit ziemlicher Stärke in der mehrheitssozialistischen Presse Bahn und begannen damit weitere sozialistische und auch außenstehende Kreise zu utiereffieren. Bald danach erschien auch ein Büchlein, dos die verschiedenen Ansichten führender sozialistischer Männer nach dieser Richtung hin in sorgfältiger Sammlung enthielt und worin die Linien angedeutet wurden, in denen sich ein neuer Programmentwurf bewegen müsse.
Es war selbstverständlich, daß man sich auf dem letzten sozialdemokratischen Parteitag in Kassel mit die- fer ganzen Frage angelegentlich beschäftigte, um zunächst einmal das Für imb Wider einer Programm» änderung zu erwägen inti> abzumessen. Aber man war damals klug genug, sich in der breiten Dcffent» lichkeit nicht in langatmigen Erörterungen zu ergehen. Darum wurde auf tem Kasseler Parteitag eine Programmkommission gewählt, die an Hand vorliegenden Materials einen neuen Programmcntwurf ausarbeiten sollte. Dieser Kommission gehörten eine Anzahl bedeutender Köpfe an. Nunmehr wird der Entwurf des neuen Programms im „Vorwärts" der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das neue Parteiprogramm zerfällt in zwei große Haupüoile, einen allgemeinen und einen be» sonderen Teil. Der allgemeine Teil enthält die grundsätzliche Einleitung, während die übrigen Abschnitte sich mit den Forderungen beschäftigen, die in Gesetzgebung und Verwaltung von fetten der Mehr- heitssozialdsmvkratie gestellt werden müssen. Die Sozialdemokratische Parin Deutschlands nennt sich in Neern Programm „die Partei des arbeitenden Volkes", te erftrebt „die Ueberwindung des kapitalistischen Wiri- chaftssystems durch eine-, bie Wohlfahrt aller Gefell- chastsmftglirirer sichernd,: sozialistische Gemeinwirtschaft" und damit zugleich die allgemeine höchste Steigerung der geistigen und sittlichen Kultur des Volkes. Es wird weiterhin in diesem Abschnitt des Programms gesprochen, daß ber Weltkrieg und das Versailler Diktat die Entwicklung des Gegensatzes von Kapital und Arbeit verschärft habe, daß die unerträglichen Zustände nur überwunden werden könnten durch die Ueberführung der großen komentrier- ten Wirtschaftsbetriebe in die sozialistische Gemein» wirtschaft mit Hilfe brr Vergesellschaftung der kapitalistischen Produktionsmittel. Außenpolitisch wird die Revision des Gewaltfriedens von Versailles im Sinne hrärischaMchqr Erleichterung einer internationalen Rechtsordnung und eines alle Völker als gleichberechtigte Mitglieder umspannenden wirksichen Völkerbun- des.
Danach folgen die einzelnen Spezialabschnitte des Programms. Zunächst die wirtschaftspolitischen Forderungen. Dann ein Agrarprogramm, Forderungen im Finanzwesen, der Kommunalpolitik, Sozialpolitik, Gesundheitspflege, Wohnungswesen, Rechtspflege, Kul- turpolitik und Internationale. Die hierin aufgfftellten Maxime und Grundsätze sind bis in kleinste Einzel- hotten ausgearbeitet. Das Programm kennzeichnet sich also durch eine eingehende Ausführlichkeit, die äußer- sich in der Länge zum Ausdruck kommt.
Die Hungersnot in Zowjetrußland
muß furchtbar fein. Das an sich schon unter der SowjÄherrschaft herrschende Elend ist dadurch, daß die Ernte Rußlands, einst die Kornkammer Europas, durch die anhaltende Trockenheit und Dürre veririchiet worden ist. Der Primas der russischen Geistlichkeit, der Patriarch von Moskau, hat daher an die Spitzen der Geistlichkeit Englands und Amerikas, an die Erzbischöfe von Canterbury und Rewyork, einen dringenden Aufruf gerichtet, in dem er mit bewegten Worten um sofortige Sendung von Brot imb Medikamenten bittet. In beweglichen Worten schildert er die jetzige Not des russischen Volkes, dessen Untergang drohe, wenn ihm nicht sofort Hilfe werde. Einen ähnsichen Aufruf hat der russische Dichter Maxim Gorki an Gerhart Hauptmann gesandt.
Die Ober-Dolksbeglücker aber, die Sowjet-Größen Apfelbaum und Konsorten, sitzen in den Luxus- bäbern Westeuropas und erholen sich von ihren Regierungstaten, die dem Volke so woP bekommen.
Die Höhe des Elends.
Nach Meldungen aus Moskau ist in 15 russischen Gouvernements Hungersnot ausgebrochen. Infolge der Dürre entstehen in der Erde große Risse. Die Flüsse und Brunnen trocknen aus. Die Bevölkerung flüchtet in großen Mengen. Die Zahl der Flüchtlinge beträgt bereits etroa 20 Millionen.
Der Krieg in Kleinasien.
Bier griechischen Divisionen soll es gelungen sein, sich an der Linie Jenischehir-Nagff Pascha festzuf-tzen doch soll chr weiterer Vormarsch am türkischen Widerstand zum Stehen gebracht worden sein.
Eine türkische Kolonne hat die 150 Mrier lange Eisenbahnbrücke bei .Elvalsar gesprengt.
MMMü Kemal .Pascha ist an die Front abgereist.
Die Steuerpläne der Regierung.
Am Mittwoch und Donnerstag wird der AuS- schuß für die direkte Besteuerung zusammen- treten, dem die Steuerpläne der Reichsregierung zur Begutachtung borgelegt werden sollen. Der Ausschuß wird sich zunächst mit einem Antrag der Arbeit- nehmerabteilung bezüglich der steuerlichen Erfassung der Goldwerte beschäftigen.
Hus dem besetzten Gebiet.
• 9er französische Maulkorb. Die .Bergisch Märkische Zt^." ist in Eiderfeld vom französischen Oberkommando in Düffeldorf für drei Monate verboten worden.
Deutscher Reich.
* Berlin, 19. Juli. DieBertreter der amerikanischen Zentralhandelskammer, die seit einigen Tagen in Berlin weilen, wurden vom Minister des Aeußeren, Dr. Rosen, unter Anwesenheit des Reichskanzlers, des Reichsjustizministers und des 9Sieberaufbaunnnifter5 empfangen. — Die in der Presse aufgetauchte Nachricht, der deutsche Gesandte in Wien, v. Rosenberg, der eifrige Förderer der Anschlußbewegung, werde in einigen Tagen sein Amt niederlegen müssen und von dem Zentrums- abgeorbneten Dr. Pfeiffer ersetzt werden, wird von der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" als unzutreffend bezeichnet. — Die deutsche Gesandtschaft in Peking ist durch Herrn von Borch, der bie deutsch-chinesischen Verhandlungen führte, wieder eröffnet worden. Borch wird die Gesandtschaft als Geschäftsträger letten.
* Stuttgart, 18. Juli. Staatsminister a. D. Dr. v. Fleischhauer ist im Alter von 69 Jahren infolge einer Darmoprralion gestorben. Er übernahm 1912 das württembergische Ministerium des Innern, das er fünf Jahre inne hatte. Im März 1918 wurde er erneut Kultusminister. Nach der Revolution im November 1918 schied er aus ter Regierung aus.
anhand.
* Die englische Handelsdelegation ist nach Ruß- land abgereift.
* Die irische Frage. Der Irenführer de Balera hatte seine dritte Besprechung mit Lloyd Georg«.
* Die „Times" am Schandpfahl. Lloyd George erklärte auf eine Anfrage im Unterhause, daß die „Ti- mes" wegen eines gehässigen und beleidigenden Artikels gegen den Minister des Aeußern Lord Curzon keine amtlichen Informationen erhalten werde. Der Ministerpräsident erklärte noch, im Ausland- werde die „Times" vielfach als Repräsentantin des offiziellen und gebildeten Englands angesehen. In England nehme sie diese Stellung schon ffelit slansgom nicht mehr ein, aber im Auslande werde dies erst allmählich bekannt.
Heimat.
Fulda, den 19. Juli 1921.
Zur Ernennung von Regens Dr. Schreiber zum Bischof von Meißen.
Der Regens des Fuldaer Priesterseminars, Professor Dr. Christian Schreiber ist vom Hl. Dater zum Bischof des wiedererrichteten Bistums Meißen ernannt worden. Diese Nachricht erreichte uns gestern, als wir gerade die Redaktion schließen wollten. Stolz und Freude, daß unfere Diözese diesen wichtigen Posten mit einem ihrer Priester besetzen darf, aber auch tiefes Bedauern, daß wir einen der besten Männer aus unserer Mitte scheiden lassen sollen, diese Gefühle stürmten bei der Nachricht auf uns ein. Unfern Lesern, denen wir gestern die Kunde gebracht haben, wird es gegangen sein wie uns. Stolz und Freude über die Ehre, herzlichen Glückwunsch für den Erwählten des Hl. Vaters zum Oberhirtenamte in der katholischen Ostmark, Trauer und Schmerz um den Weggang des Herrn Regens, der, wie selten ein Mitglied unseres Klerus, die Herzen aller gewonnen hatte, die ihn kannten. Weit über den Kreis der Fuldaer Kacholiken hinaus, über den Kreis derer hinaus, die ihn in der Diözese Fulda und über deren Grenzen als den begeisterten und begeisternden Redner kennen gelernt hatten, auch in den Kreisen der Andersgläubigen hat Regens Prof. Dr. Schreiber Derehrung ob feiner edlen MenfchMett, Liebe ob seiner nie versagenden Hilfsbereitschaft, Achtung ob seines Wissens und feiner auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft glänzend be- währten Art gesunden. Nun soll er von uns gehen. Der Hl. Vater stellt chn auf einen wichsigen Posten. Regens Prof. Dr. Schreiber wird schweren Herzens von lieb« gewonnener Tätigkeit scheiden, aber er wird dem Rufe folgen, um die Gaben, die chm der gütige Gott verliehen hat, da zu gebrauchen, wo ihm der Stellvertreter Christi den Platz angewiesen hat. Mtt seinem Bischof, mit dem Klerus, dessen jüngere Angehörige in chm ihren Lehrer und Berater sehen, begleitet chn das katholische Volk der Bomfatiusstadt und der Diözese Fulda mit den besten Wünschen zu der neuen schweren Aufgabe. Der Amtsankitt des ernannten Bischofs von Meißen soll, wie wir hören, tunlichst beschleunigt werden. So bleibt uns nichts, als dem Meister heiliger Kirchenmusik, dem sottreißenden Prediger, dem fesselnden Dolkshoch- schicklehrer, dem oieffeiligen Gelehrten und Schriftsteller, dem edlen Priester, dem oerehrenswürdigen Freund, der sicherlich seinersetts die Heimattdiözefe, die erhebenden und die schweren, ja sehr schweren Stunden im Dienste der Kirche und des Vaterlandes, die er gemeinsam mit treu ergebenen Weggenossen hier verlebt hat, nicht oei- gessen wird, aus ganzem Herzen zuzurufen:
Colles reichsten Segen hem Lil'choj von Meitze«!
Der vom Hl. Vater zum Bischof von Meißen ernannte Regens Dr. phil. et cheol. Christian Schreiber ist am 3. August 1872 zu Somborn im Freigericht (Kr. Geln- Hausen) geboren. Er bestand 1892 am Gymnasium in Futta die Reifeprüfung und studierte in Fulda und Rom. Arn 28. Oktober 1898 wurde er zum Priester geweiht. Am 1. Oktober 1899 wurde er Professor am Bischöflichen Priesterseminar.. Subregens wurde er am 1. Mai 1902 und Regens am 1. April 1907. Am 14. Februar 1908 wurde er Dompräbendant. Schon zweimal stand er auf einer KandÄatenlffte für eine Dischofswahl, Kr.
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Das wiedererstandene Bistum Meißen, zu dessen erffen Bischof Regens Dr. Schreiber vom Hl. Vater erkoren wurde» umfaßt das seitherige apostolische Vikariat im Königreich Sachsen und die apostolische Präfektur in der Oberlausitz. Sie waren seither in Personalunion verbunden und wurden von einem apostolischen Vikar verwaltet, der seinen Sitz in Dresden hatte und als Bischof den Titel eines emgegangenen Bistums führte (tn partibus insidelimn). Der letzte apostolische Vikar Or. Löbmann war Tttularbischof von Priene und zugleich Domdekan des Domsttftes St. Petri in Bautzen (Ober- lausitz). Die letztere Würde erhielt jetzt Domherr Skala. Nach der .Schl. Dztg." wird auch der neue Bischof in Bautzen residieren. 3m Apostel. Sachsen gibt es für ca. 190 000 Katholiken, die unter 4 Millionen Protestanten zerstreut leben, ca. 80 Weltpriester, in der Oberlausitz ca. 50 Weltpriester und 7 Ordenspriester für ca. 46 000 Katholiken unter 400 000 Andersgläubigen.
An Diözesanbehörden gab es seither rin Vikariatsgericht zu D r es de n mit 2 Räten und ein geist- liches Konsistorium mit 3 Röten; in der Oberlausitz zu Bautzen ein Kapitel mit einem Dekan, 2 wirklichen und 5 Ehrendomherrn. Ein Priesterssminar gibt cs in der Diözese nicht, die Alumnen befinden sich im Wendischen Seminar (Internat für Gymnasiasten und Theologiestudie, rende) zu Prag. Außer dem jetzigen Freistaat Sachsen gehören zur Diözese auch noch die Kacholiken (ca. 7000) in Sachsen-AItendurg (Pfarrer ist hier der früher in der Diözese Fulda tätig gewesene Pfarrer Kruse) und der beiden Reuß (ca. 5000). An Ordensniederlassungen gibt es Zisterzienserinnen in Mariental und Mariastern und Graue Schwestern und Borromäeri raten. Ein Lehrerseminar besteht in Bautzen, ein katholisches Progymnasium in Dresden.
Ohne Zweifel ist es ein überaus schwieriges Arbeite, feto, das den neuen Bischof erwartet. Möge es chm auf die Fürbitte des hl. Bonifatius, des Apostels der Deut- fchen, und des hl. Benno, des Bischofs von Meißen und Apostels der Slawen, mit Gottes Hilfe vergönnt fein, die katholische Kirche in Sachsen einer neuen Blüteperiodr entgegenzuführen. "L
Die Mitglieder des Domchores gaben gestern abend gelegentlich der Hebung dem Glückwunsch für ihren bisherigen Dirigenten herzlichen Ausdruck. Herr Lehrer Peter Schmitt richtete tiefempfunöene Worte an den neuernannten Bischof von Meißen, die die Gefühle der Freude über die Ehre und der Wehmut über den Abschied aussprachen. Prof. Dr. Schreiber dankte herzlichst. Auch chm fei die Ernennung überraschend gejpm- men, er müsse sich aber der Anordnung des hl. Vaters fügen und das ihm so liebgewordene Fulda und den Dom«' chor, in dem er viel« arbeitsreiche aber auch frohe Stunden verlebt, verlassen. Alle Anwesenden ersuchte er, dem Domchor auch in Zukunft treu zu bleiben und ihre Stimme zur Ehre Gottes und Erbauung der Gläubigen zur Verfügung zu stellen.
Kreistag Hulda.
Welkere Erhöhung der Äreissteuern.
Die gestrige Rreistagsfifcung brachte den gegen wenige Stimmen gefaßten Beschluß, zur Adbürdung der Koste", die für das U eb er la nb ro er t entstanden sind, weitere Zuschläge $u den Realsteuern zu erheben. Aller- d'mgs wurde die Summe, die auf diese Weise aufgebracht werden soll, erheblich herabgemindert. Während in der letzten Kreistagssitzung die Summe von 1,25 Millionen Mark aufgebracht werden sollte, hatte der Kreisausschutz diesmal von vornherein feine Forderung auf etwas über 800 000 Mk. ermäßigt. Nach dem gefaßten Beschluß sollen aber im Rechungsjahr 1921/22 nur noch 500 000 Mark aufgebracht werden. Die Aufbringung dieser Summe wurde folgendermaßen beschlossen: Zuschlag zu der Geb Sude st euer 100 Prozent, zu der Gewerbesteuer 125 Proz., zur Grund, und Betriebssteuer je 250 Prozent. Die Belastung der (Bebäubefteuer, die nach dem Vorschlag des Kreisausschusses freibleiben sollte, wurde von dem Kreistagsmitglied Auth (U. S. P.) angeregt. Zu allen Zuschlägen kommen die bereits vom Kreis beschlossenen 500 Prozent für Kreis und Bezirks, bebürfniffe und in der Stadt Fulda die für städtische Bedürfnisse beschlossenen weiteren 500 Prozent Zu. schlag-
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Im Stadtverordnetensitzungssaal tagte gestern der Kreistag unter dem Vorsitz des Landrates Frhr. v. @agern in einer Zahl von 23 Teilnehmern.
Die Ueberlanbroertfrage.
Landrat Frhr. von G a g e r n rotes darauf hin, daß in zahlreichen Nachbarkreifen umfangreiche Abbürdungen der Unkosten für Elektrizitätsanlagen, die durch den Verlust des Krieges unerwartet hoch geworden sind, vorgenommen werden. Für den Kreis Fulda lasse sich eine solche Adbürdung, wenn auch in geringerem Umfang, gleichfalls nicht umgehen. Der Vor. schlag, 500 Proz. Zuschlag zu den Realsteuern (ausgenommen die Oebäubefteuer) ausschließlich für die Kosten, adbürdung des Ueberlandwerkes zu erheben, fei auf Widerstand gestoßen. Der Kreisausschuß hat des. halb einen neuen Vorschlag unterbreitet. Da. nach soll nicht mehr der Betrag von 1.25 Millionen Mk., sondern nur noch etwas über 800000 M k. für die Adbürdung durch Kreissteuern aufgebracht wer. den. Die Ausbringung soll so verteilt werden, daß auch dabei die Sebäubefieuer frei bleibt, zu der Gewerbe, ft eure jr ein Zuschlag von 250 Prozent (früher