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Cemefeg, 16. Jo» 1921.

- Wuldasr Leitung

Drns rer Wnwaer Setiettbrnderd in ftuib*

wurde ein

tobten, obschon sie von Anfang an den besdm Willen hatten, doch erst in der Zwischenzeit vor der Ehe- | schließung sich gründlich kennen Kernen. Dir Der- schiedenheiton in dem Charakter und den Sitten tre­ten allmählich deutliche zutage. Was zuvrstreizend' erschien, stellt sich als störend und bedenklich dar. Erst leis«, dann totster pocht die peinliche Frage an: Passen wir auch in unserem inneren Wesen und in unserem äuhnen llftrhältmssen so rickstig zusammen, wie es für eine gemeinsame Wanderung durch das ganze ErdettlebM erforderlich ist?

Von den Fällen der Untreue reden wir gar nicht erst. Wenn die Braut etwa von einerbesseren Partie" träumt, oder der Bräutigam die Augen ver­dreht nach einer anderen Schönheit oder nach einer höheren Mitgift, dann sind das schlecht« Menschen, die sich ihr Unglück selbst zuzuschreiben haben. THtfeib > Hilfe verdienen nur die Opfer eines Irrtums, einer liebereilung, einer zeitweiligen Verbindung. Sie kommen in eine arge Bedrängnis, wobei sie zwischen zm:i Uebeln zu wähian haben. Das eine Üebel ist die unglücklich« Ehe, die befürchtet wird: das andere ist die Enllodung mit all ihren Schmerzen und häßlichen Folgen.

Der Mensch löst immer von zwei HeHn das klei­nere wählen. Das ist leicht gesagt, aber in manchen Fällen schwer durckzu führen. Unter Umständen wie­gen die Folgen einer Entlobung schwerer wie das Risiko et irr l5he, die doch vtelleicht bei gegenseitiger Rachgiebiakeit bester ausfällt als man gedacht hat. Unter anderen Umständen ist es unbedingt klar, daß die Ehe zum Verderben für beide Teile ausschlagen muß. In diesem Fall ist bte Auflösung des Derhält- msses ebenso geboten wie eine schmerzliche Operation am Körper, die der Arzt zur Lebensrettung für not­wendig erklärt.

Dringlichkeitsantrag den Rechtsparteien, der die A u f- lösung der Landesversammlung bis zum 1. Oktbr. d. Is. sordert, da ihre Zusammensetzung nach dem Ergebnis der letzten Reichstagswahton nicht mehr dem Willen der Bevölkerung zum Ausdruck bringe, mit den, Stimmen der Demokraten und Sozialdemokraten a b * gelehnt. Vor der Abstimmung über einen Antrag der Mehrhütsparteien, wonach der Anschluß a» Preußen nn Wege einer Volksabstimmung in dis Wege geleitet werden soll, verließen bac 7 Mitglieder

Da kann nur einer, bei die beteiligten Personen und Familien kennt, mit Rat und Hssse eingreisen.

Wird die Operation beschlossen, so ist es Ehren- und Gewissenspflicht, die Entlobung in der schonend- sten und friedlichem Form stattfinden zu lasten, bi? üterhaupt möglich ist. Das gilt vor allem für den männlichen Teil, der sich bewußt bteiben muß, daß die fatalen Folgen den weiblichen Teil viel schwerer

--- Arolsen. In der Sitzung der Waldeck! scheu Landesversammlung Dringlichkeitsantrag den Rechtsparteien,

Hus dem Nachbargebiet.

0 Sonett. Die jetzt in reger Entwickelung be­griffene Versorgung des westlichen Unterfranleni mit elektrischem Strom zu Licht» und Kraftzwecketi wird, wie das Hanselsgremium Aschaffenburg mit« teilt, eine besondere Bedeutung für Industrie uni» Handel, Kleingewerbe und Heimarbeit erlangen. Auch die Wiederauinahme des Bergbaues auf Kupfer im Kahlgrund bei Schöllkrippen ge­schieht mit Hilfe der elektrischen Energie. i

mc Frankfurt a. M. In der Nidda und ihren Nebenbächen macht sich in den letzten Tagen ein großes Fisch st erben bemerkbar, verursacht durch gifiige Abwässer, die anscheinend von Fabriken in das Wasser geleitet wurden. Gegen solchen Unfug sollte mit den schärfsten Mitteln vorgegangen werden, zumal die früher ungemein fischreiche Nidda heute kaum noch den Angel'port lohnt.

Worms und die Generalversammlung der Görresgesellschast 1921.

Zum ersten Male soll in dem liefrergvweihten tobe« I lungeriort vom 5.8. September d. 3. die Qfenerafatr* fammlung der Körresgesellschaft stattfindon. Um ein Haar hätte Worms diese Ehre und Freude bereits im Satire 1912 gehabt, wenn nicht unüberwindliche Hindernisse da- gegen gestanden wären. Ich hatte schon jede Hoffnung, diese oder eine ähnliche Generalversammlung in Worms tagen $u scheu, cnrfgegLben, da wollte es der glückliche An­fall, daß vergangenM Herbst gelegentlich eines Dartrags in der piefigen Ortsgruppe des Verbandes der Vereine katholischer Akademiker zur Pflege der katholischen Welt. arrschauung die Rede auf mckmen langst begrabenen Wunsch kam. ®n Wort gab das andere, der Vortragende schlug in Fulda als nächstjährigen Versammlungsort Worw*

I vor, und der Vorstand ntiligte ein.

Worms ergeht es heute wie mancher anderen Mittel- stabt Deutschlands. Da ihre weltgeschichtliche Bedeutung hunderte von Jahren zurückllegt und chre neuzeitliche Ent» nxrffamg nicht Echrftt hat halten können mit dem eilig« Wachstum der modernen Städte, blieben und bleiben sie vom großen Strom der landläufigen Touristen unberührt. So schlafen diese Städte für viele den Schlaf des Dorn­röschens, und nur Kundige verstehen ihre vergessene Schön­heit zu werfen.

Don welcher Seite auch der Wanderer der Stadt sich nähert, immer erscheint der Dom gowollig in seiner Mass«, herrlich in seiner Fülle als Herrscher über Stadt und Land. Ich stehe eicht an, den Wormser Dom als romanischen Bau an erster Stelle in der berühmten Dreizahl der mittel- rheinischen Dome zu nennen, so wuchtig, schön und eben­mäßig, ruht sein steinerner Leib mit den wunderbar« Pyrnmidsnkuppeln und den doppelten Ehoranlagen zwischen den o«r flankierenden stolzen Türmen. Er ist das mass, statische Denkmal einer gewaltigen Jeit höchster Machtant» faßung im Reiche und in der Kirche.

Aber wer wollte es nicht auch verstehen, daß der ehr- würdige Dom mit der Zeit viel von seiner mittÄalterl'ch« Schönheit und Pracht, die er noch unter den Kaisern Maxi­milian I und Karl V. entfaltete, verloren hat? Sich et doch in seinen geweihten Hallen und in seinem Schalter nicht nur ungezählte Versammlungen von gekrönt« Häup­tern, Prälaten und Rittern,, sondern auch Kriegshorden oller Art, deren Brandfackeln bis zu den Helmfpitzsn der Türme hmoufzüngelten. Im Schrerfensjahre 1689 sank die herr­liche innere Ausstattung in Schutt und Alckie, bis auf den Kern litten die fffrfen Meller unter dem tagefanoesi Fau-tchro»^ dos gd&ntifoa* Bla des Dach-n

, Stoib bem, der em Versäumnis wieder gut machen kann Die Freundein der Provinz' mögen rechtzeitig Vorsorgen, daß sie bewahrt bleiben vor einer a r t e t b i f t a t u r, wie sie Berlin zu kosten bekommen

Hus der Katholischen wett.

ein proleskaukstches llrfdl über Me k-aholische Liturgie. Mitteüensroert ist eine Erklärung des protestantischen Theologen Julius Sm end (Münster) in der Monats- schlifft für Gottesdienst und kirchliche Kunst 25 (1929) 410, die in vornehm objektiver Weise zugestcht, daß die römische Messe ein in seiner Art unerreichbares Kultus- und Äunftgebiübc* feilUnd wie mannigfaltig ist dies Ganze, wie wcchselvoll in seinem StimmungsreichIum! Don der Stillmefle an bis zum Pontifikalamt in der Kathedrale, von der Traumesse an dis zum Totenamt, von der Ro» rate-Mefle bis zur Missa praefartttfficatorum am Karfreitag undchis zum österlichen Hochamt, welch eine Fülle von Veränderlichkeit und Anpastungsmögliichkeitl Rein ästhetische Reize und ideelle Werte stehen im engsten Bunde. .. Es ift fraglich, ob der Prortestantismus in seiner kirchlichen Ge- stall in irgend einem der vergangenen Zeitalter auf die Maste des Volkes Anziehungskraft ausgeübt Hot. Jeden­falls übt er sie heute nicht aus, am allerwenigsten auf die Männerwelt; und was die« letztere bedeutet, ist in seiner Tragweite gor nicht zu ermessen. Die evangelische Predigt als Gesamtsrscheimmg versagt!' Solch ernste Betrachtun­gen aus dem Lager der von uns getrennten christlichen Brüder sind geeignet, das Dichterwort uns zum Dervußt- sem zu bringen:Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.'

Obst, und Gemüsepreife.

Die Gründe der Preisunterschiede.

Don landwirtschaftlicher Seile gehen unS folgend Zeilen zu:

Es rst eine auffallende Tatsache, daß die Markt- preise für Obst und Gemüse oft selbst in nahe gelegenen Städten eine große Verschiedenheit aufweifen. Naturgemäß kommt die Verschiedenheit der Qualität in der Verschiedenheit der Preise zum Aus- druck. Während des Bestehen Sver Zwangswirt sch aft war dies nicht in dem Maße der Fall. Die Zwangs­wirtschaft suchte möglichst für das ganze RetcvSgebiet einheitliche Preise für das Gemüse festzusetzen, ohne auf die Qualitätsunterschiede besondere Rücksicht zu nehmen. Diese schablonenhafte Preikp.litik hat der Qualitätsproduktion und der Qualitätslieferung schweren Schaden zugefügt. Die Folge war, daß Gemüse und Obst oft in der minderwertigsten Beschaffenheit und Mischung angeboten wurde. Die Freigabe der Obst­und Gemüsewiltschast hat dazu geführt, daß der Quali» tätöpflege wieder eine erhöhte Aufmerksamkeit zunewandt wurde, und es ist ganz selbstverständlich, daß die Quali­tätsunterschiede sich in einer entsprechenden Preis- Verschiedenheit äußern.

Ein weiterer Grund für die Preisunterschiede liegt in der Verschiedenheit der Produkt tons- und Ver­sa n d ko st e n. Die Bahnsrachten belasten unsere Gemüse, Versorgung in außerordentlicher Weise, zumal durch die letzten bedeutenden Tariferhöhungen im Güterverkehr. Die Lage des Marktes ist heute mehr denn je von aus­schlaggebender Bedeutung. Hierbei kommt es noch sehr darauf an, ob die Ware auf dem Bahn- ober auf dem Wasserwege bezogen wird. Hinzu kommen noch verschie­dene besondere Umstände, die teils verbilligend, teils verteuernd wirken können. Wenn beispielsweise bei den einzelnen Sendungen ein größerer Prozentsatz der Frücht« unterwegs schlecht wird, so wird dieser Umstand auf dem Markte durchweg in Form einer Preiserhöhung in die Er­scheinung treten. Umgekehrt kann sich ein Verkäufer bei starkem Angebot auf dem Markte veranlaßt sehen, bie leichtoerdeMiche Ware zu billigem Preise abzusetzen, al« sie wieder mit zurürfzunehmen und verderben zu lassen.

Dor dem Kriege wurde der Gemüsebodarf Deutschlands nur etwa zur Hälfte aus den heimischen Erträgen gedeckt. Man verließ sich auf die ausländische Zufuhr, ohne der Förderung des inländischen Gemüsebaues eine genügende Berücksichtigung zu schenken. Seit jedoch bie ausländische Geniusezuftchr gesperrt mar, hat die deutsche Gemüseproduktion eine erhebliche Ausdehnung erfahren. Neuerdings macht sich mdes hier und da wieder eine rück­läufige Veroegung bemerkbar. Verursacht wird diese Ent­wicklung houpisächlich durch die mangelhaften Arbeits» Verhältnisse, zumal der Gemüsebau einen großen Arbeitsaufwand erfordert, und durch sonstige Erschwernisse des Gemüsebaues, wozu nicht zuletzt auch die stark er­höhten Bahnfrachtm zu rechnen sind. Im Interesse unserer Gemüseversorgung wäre es zu wünschen, wenn diese Hemmnisse der Weiterentw'ckelung unseres Gemüsebaues nach Möglichkeit aus dem Wege geräumt würden

Zur Umsatzsteuer

schreibt ein kleiner Geschäftsmann derK. V.":

Die geplante große Erhöhung der Waren-Umsatzsteuer wird in ihrer Wirkung die mittleren und f(ei. neiren Detailgeschäfte sehr schwer treffen. Aber auch die Fabrikanten werden diese spüren, denn dieser jährliche große Abgang der Umsatzsteuer kann nur auf Kosten des Lagers möglich fein. Man umfaßt mit derselben Abgabe den Warenpalast mit 500 Angestellten in der glänzenden Geschäftsstraße und den dürftigen La­den der kleinen Näherin in der dunkeln Gasse! Der alte Flickschuster, dem feine Kunden das Leder mitbrin- gen, zahlt von seiner 1214ftünbigen Tagesarbeit die. selbe Umsatzsteuer, wie die gewaltige Schuhfabrik mit 2000 Arbeitern, deren Aktien an der Börse gehandelt werden! Die Steuer wird abgewälzt, so tröstet man. Ist das aber möglich? Kann denn ein kapitalschwacher Geschäftsmann, meist ohne Bankkredit, dann aber noch. konkurrieren? Ohnehin hat der Großver­braucher billigere Einkaufspreise!Haben Sie keine Auswahl?' frägt der Kunde. Woher soll sie geschaffen werden, wenn außer einer großen Gewerbesteuer, noch eine viel größere Umsatzsteuer zu zahlen ist? Soll man nicht einenroten Kopf, um mit einem Herrn zu reden, bekommen, wenn es doch eine Tatsache ist, daß in der Regel nur 7 Proz. von der ganzen Einnahme dem kleinen Geschäft als Reinoerdienit bleibt- Und dann sollen 3 Proz. ober gar 3S Proz. allein durch eine einzige Steuer ab-gesogen werden, Selbst wenn ein Geschäft mit Verlust abgeschlossen hak, die Umsatzsteuer wird gezahlt. Da braucht es keine Sozialisierunaspro. jette zu geben, es wird schon ohne diese alles in Scher, den gehen.

Vie Säuberung des

Berliner Rathauses.

Lus Berlin wird uns geschrieben:

»Uff rufen wir angesichts des Urteils des Obervenval- httrpsgerichls, das uns von der roten Mehrheit im Roten Hause befreit Die Stadtverordnetenversammlung, bie seit vorigem Jahre so viel Aerxernis und Schaden über Berlin gebracht hat ist beseitigt, da die Wahlen im ganzen wegen erheblicher Verstöße gegen die Gesetze und bie Wahlordnung für ungültig erklärt worden sind. Auch die Wahlen der vezirksvenndneten (für die Verwaltungsabteikimgen in der Rieseugemeinde) sind demselben Schicksal verfallen. Das »berste Gericht hat reine Bahn geschafft für einen Wteder- ntfbou von Grund aus. Nur die bessldeten Le­imten (Bürgarmeifter und hauptamtliche Stadträte) bleiben in,ihren Stellungen, obschon sie von einer Körperschaft ge- vählt sind, die nur totsörffliche, aber Nicht rechtliche Voll- nacht hatte. Auch die gesetzlichen Beschlüsse der Stadtver- ordneten bleiben in Krafft.

Vielfach wird mit viel Scharfsinn erörtert, n« sich in der Zwischenzeit bis zur Neuwahl die kommunalen Ge- schäfte fort Mr en bassen, wenn keine beschlußfähige Stadt- vervrdneteiwersammlung mehr da ist. Das Interim wird wenigstens bis in den Oktober dauern: denn es Hande« sich nicht bloß um die technischen Vorarbeiten zur Namvahh sondern der Minister des Innern muß erst nach eine neue 'Wahlordmmg erlassen, da die alte vom Gericht beanstandet worden ist. Aber deswegen machen sich die Berlin« Bürger keine Sorgen. Obkommissarisch' oder durch sonstige Lückenbüßer der Heber gang geregelt wirb, läßt uns tot, da auch der schlechteste Notbehelf noch immer besser fein wird, als bie Weiterarbeit der bisherigen Mehrheit.

Berlin hat da im letzten Jahre ent abschreckendes Exempel gegeben, das tm ganzen Lande ernstlich be- achtet werden muß. Die bürgerlichen Elemente waren bei den letzten kommunalem Wahlen zu lässig, infolaedesien ergab sich eine sozialistische Mehrheit m der Stadtaerochnetenversirmmllmg. Das wäre an sich ja noch erträglich gewesen, wenn die Mcchrhettssozialistsn im Rot- Hause wenigstens dasselbe Maß cm Einsicht und Mut be- wiesen hätten, wie ihre Parteigenossen im Reichstage^ Aber dieScheidemänner' im Rathaus« ließen sich von den Radikalen verleiten, den Scheidestrich nach rechts statt narf) links zu ziehen. Man wollte ein rein soziakdemokratisches Stadtregiment durchführen, und dabei gerieten die Mchrhmtssozialiften unter die Fuchtel der Unabhängigen und der Kommunisten. Groß-Berlin wurde mit einer Art Diktatur des Proletariats beglückt. Durch ein nachträgliches Notgesetz des Landtages konnte man der drohenden Parteltyrannei einige Spitzen ab- brechen, doch damit war sehr wenig geholfen. Berlin maßte die bittere Suppe auÄöffeln, die von den Wählern ein geb rockt war. Die diktatorische Mehrheit hat viele Millionen an Geld gekostet, den Kredit von Groß- Derkin säst bis auf dm Nullpunkt gebracht and in bet sozialen und wirtschaftlichen und der gesamten kulturellen Entwicklung argen Schaden angerichtet. Das Verlangen nach Neuwahlen wurde immer heißer, nicht bloß m allen bstrgerllchm Kreisen, sondern auch bei einem großen Teil der ©ogiatbemofraten, wo man doch allmählich durch dc» sichtlichen Schad en klug mürbe.

Durch die Anfechtung der Wahlen, die zuerst als aus- sichllos galt, ist nun dte Möglichkeit gegeben, den Fehler wieder gut zn machen. Dos kann freilich mir gelingen, wenn die besonnenen Elemente m der Dienmlllonenstattz bei her Nemvahl im Herbst die Schlafmütze oblegen und die Hände aus den Hoftmtafchen nehmen.

Wenn alle ihre Pflicht tun, so läßt sich die rote Mehr- HM in Bersin ebenso brechen, wie es bei den Wahlen zu den Parlamenten im Re-che und im Lande Preußen gelungen ist. Non erb üblicher Bedeutung wird fein, daß Me weiblichen Wähler sich für die Komnnmastocchlen lebhaft interessieren. Auch bis in die Boudoirs und in die Küche und Iungfemkammern wird doch allmählich wohl die Erkenntnis gedrungen sein, daß auch bei dm Stadt- «ttswahlm lehr große Interessen, materielle und ideale Interessen, auf dem Spiele stehen, sodaß die Wahcheteisi- <tmg Gewissenspsticht wird. Dor allem für dies singen, die «ne christliche Schu'e erstreben.

Wenn sich eine sog. bürgerliche Mehrheit ergibt, so soll »as keineswegs eine Ausschaltung des besseren Teils der Sozialdeawkraüe befreiten. Ein einseitiges Parterregi- ment von unserer Sette wfcfr nicht erstrebt. Die Berliner Verhältnisse drangen zu einer K o a ! i t i o n, wie sie früher im Reichstage bestanden hat und für die «Parlamente auch ftst noch angestrebt wird. Die Hauptsache ift, daß die Tyrannei der ganzen und halben Kommunisten gebrochen und den gemäßigten Sozialisten wiefrer die Möglichkeit der positiven Mitarbeit gegeben wich. Sollten die neugowähl- ten Mehrheitssozialisten am moskowitsschen Joche mehr Gefallen finden, als an der Koalition mit bürgerlichen Partei«!, 10 müßte man ohne sie Vorgehen, aber nicht etwa gegen die berechtigten Interessen des Arbefterstandes

Unpolitische Zeitkäufe.

Von Fritz Nrenkemper.

Berlin, 12. Juli 1921.

Vor einiger Zeit schrieb mir eine vertrauensvolle Leferm, der unpolitische Onkel möchte ihr doch einen guten Rat geben in der Herzens- und Gewissensmst, m der sie durch ihren Dertobungsring geraten sei.

forme ihrem Bräutigam nichts Böses nachsagen E schätze ihn nach wie vor sehr; aber fie fühle M-mer deutlicher, daß sie beide doch nicht so zusam- E" Paßten in ihren Ansichten und Wünschen wegen der LMnsführung, wie es für eine glückliche Ehe miroezwtg, fei.Soll ich es doch riskieren, oder soll ich auf eme Auflösung der Belobung hinarbeiten, war für chn gewiß nrcht angenehm, und für mich furchtbar schmerzlich sein würde? Ditte, sagen Sie nur offen Ihre Meinung unter der Adresse von Frau

-»meiner treuesten Freundin, die mir Ihren Brief uneroffM geben wird."

. % erwiderte dem Fräutom, ich gehörte nicht zu ren Ferndoktors, tee einen Patienten auf Letzen und Tod bnejlid) behandeln, ohne ihn untersucht oder auch -nur gesehen zu haben. Ein maßgebliches Urteil könne E ema fallen, der die beiden Beteiligten in ihrem Eharatter, ihren Neigungen imd Gewohnheiten genau kenne und auch die obwaltenden kulturellen, wirtschaft­lichen und sozialen Verhältnisse auf beiten Seiten wür- fctgen könne. Also möchte ich bitten, daß sie bei dor­tigen informierten Vertrauensperfonen, vor altem bei ihrem Seelsorger, sich Rar geben lasse. An diese Zu- schnft wurde ich erinnert, als ich dieser Tage in der Praktischen Hausfrau' (Beilage zurMärkischen Voikszeftung ) einen gefühlvollen Anickel von Dina Ernstberger las, der all das Weh und die trauria-n Rachwirlungen ter Entlobung schildert. Ja, die Verfasserin hat recht: das Wörtchenentlobt" spricht sich to leichthin aus in dem Geplaudrr über die süna- ften gesellschaftlichen Neuigkeiten, aber cs ist ein schreckliches Schicksal, wenn das junge Mädchen ge­zwungen wird, statt des erträumten Myrthenzweigs sich die Dornenkrone d.i Berlaffenen ins Haar zu flechten.

In eirrm Punkt aber möchte ich die Bremst an­ziehen. Frau Ernstberger meint, entlobt fei nicht viel weniger als geschieden.Die breite Menge," sagt sie, fragt nicht nach dem Wie und Warum; ihr gilt die einfache Tatsache:D'<s hier ist eine grschi-tei« Frau, dies Mädchen war schon einmal nerlobt.' Ich glaube, alle verständigen Leute lassen doch den wesentlichen

Windthorstbundbewegung zu einem großen Teil lahm, gelegt; bie nachrevvlutionäre Zeit hat neue Partei. Verhältnisse geschaffen. Auch die Zentrumspartei hat sich eine geschlossene Organisation gegeben.

Es war notwendig, die Dindthorstbunde tm. ter neuer Form wieder aufzubauen und wieder aufleben zu lassen. Der erste große Zentrumsjugendtag in Fulda bat diese Bahnen gewiesen und die zu be­schreitenden Wege geebnet Das Hauptreferat über die Organisation der Windthorstbunde, gehalten vom Leiter der Sugenbabteilung des Reichsgeneralsekretariats Dr. rer. Pol. Heinrich D o ck e l, ist nunmehr als Bro. schüre erschienen. Für die einheitliche Durchführung der Bewegung ist dieses Büchlein von größtem Wert, da es alle die Gedanken enthält, nach denen man sich in Fulda entschlossen hat, praktisch zu arbeiten. Es wäre deshalb von größtem Nutzen, wenn diese Broschüre, die im Anhang die Beschlüsse der Windthorstbundtagung in Fulda mit den Mustersatzungen und den Ausfüh. rungsbestimmungen enthält, recht zahlreiche Der- breitung fände.

" Das Schristchen ist zu beziehen vom Reichsgene­ralsekretariat der deutschen Zentrums. Partei, Berlin W. 8, Französische Str. 62, zu einem Einzelpreis von 2 Mark. Die Broschüre soll den Anfang bilden zu einer Schriftenreihe für bie beut, sche Zentrumsjugend, in ber bie wichtigsten Fragen bes politischen Lebens und unserer Partei be- handelt werden sollen. Es sind bereits 12 Hefte in Vor­bereitung, deren Erscheinen bis zum Herbst sicher in Aussicht gestellt werben kann.

Unterschied gellen. Die Geschtedetre ist in eine un­glückliche Ehe hinemHeraten; die Enttobie ist der be- drohlichen Ehe ausgewichen. Die Frau, die von ihrem \ Sotten getrennt ist, bleibt gebunden solange letzterer lebt, und wenn Nachkommenschaft da ist, wirb der alte Ehebimd überhaupt .nicht restlosaufgeräumt; die Entlobte dagegen ist vollständig frei vor dem göttlichen und menschlichen Gesetz, weil das ewig bindende Wort noch nicht gesprochen war. Die. Trennung von Ehe- leuten sttzt meistens ein Verschulden voraus, wenig­stens von einer Seite, die Enllodung dagegen kann ohne ein Berschull«n und ohna Einmischung ron irgend welcher Bosheit erfolgt sein, einfach als Le- richtigung eines verzeihlichen Jrriums.

Diese Unterschiede mochte ich nicht verwischen lassen. Denn sonst würde sich fa die bedenkliche Nutz- anwendung ergeben:Ich habe mich einmal in der Uebereilung verlobt, und da die Entlobung ebenso schlimm sst wie die Scheidung, so muß ich schon in dte voraussichtlich unglückliche Ehe mich hineinftürzen.' Nein, die Möglichkeit eines Rücktritts muß ge- wahtt bleiben dis zum entscheidenden Jawort am Altor.

Wohlverstanden nur die Möglichkeit als äußerster Notbehttf im Falle eines Irrtums. Nicht ober in dem frivolen Sinn: Na, verlobt ist ja noch nicht vsrheirateli ich kann mir ja die Sache sMießlich nochmal überlegen! Ein braver Christenmensch, der sich Dcrlofet, muß in diesem peierllchen Augenblick die reine und fest? Absicht haben, mit dem anderen Teil« so bald als möglich tioen MLichen Ehetbund zu schlichen. Wer sich mit Vorbehaiten oder Hinterge­danken verlobt, ift ein Schurke. Er muß missen, daß die Entlobung ein grausames Verhängnis ist und nur ?u teicht ein ganzes Lebensglück zerstören, unter Um« st"!, n den anderen Teil zur Verzweiflung treiben kann.

Sur Frage öe$ vorgeburtlichen Mordes

Es ist wiederholt in der Presse bereite auf die im Reichstage von den unabhängigen Sozial­demokraten und von Mehrhoitssozial- demokraten gestellten Anträge auf Abänderung der Bestimmungen des Strafgesetzbuches bezüglich den Schutz des keimenden Lebens hin ge­wiesen worden. Die Anträge find bereite vor längerer Zett gestellt worden aber bislang noch nicht tm Reichstage verhandelt tverden. Nunmehr hat die Fraktion der unabhängigen Sozialdemokratie im preußischen Landtage einen Antrag einge- bracht, dahingehend, bei der Reichsregierung vorstel­lig zu werden, eine solche Aenderung des Strafgesch- buches in der Richiung der Straffreiheit von Ver­brechen am keimenden Leben zu stellen.

Es ist in einer Menge von Versammlungen aus den Kreisen der christlich und reli­giös gerichtetien Bevölkerung gegen die Anträge der Sozialdemokratie Stellung genommen ^worden. Besonders bemerkens­wert war auch die Sitzung der Volksgemeinschaft zur Wchrung von Anstand und guter Sitte, welche am 2°n Apr-l d. I. unter dem Vorsitz des bekannten Hallenser Physiologen und ftüheren Abgeordneten Abderhalden eine sehr entschieden gehaltene Ent- schließung gefaßt hat. Ebcnso ist hervorzulrebnn, daß der mehr Äs 30 000 Aerzte zählende Äerzte- oeret»sbund (Sitz Berlin) in einer Eingabe an den Reichstag schr entschieden Stellung gegen die genannten Anträge genommen hat.

Zur rechten Zeit erscheirtt mm soeben das 2. Heft ter neuen ZeitschriftDas Lormnende Geschlecht', die von G.iheimrat Faßbendn, dem Geheimrat Kröhne aus dem Wohlfahrtsmmisterium^ dem Berliner Theo- ^ogen Geheimrat Seeberg, dem Jefuitenpater Muckermann und dem frühevm Regierungsprä­sidenten von Düsseldorf Dr. Kruse, herausgegeben

S0"36 Heft ist auf den Kampf gegen b rfn?nLra5e ber Sozialdemokratie ein- gefteEtt. An ter Spitze des Heftes steht ein Aufsatz

Umversilatsprofessor Mahlmg über die Ehrfurcht vor dem im Entstehen begriffenen kommen- ten Kinde. Der Geh. Obermedizinalrat Dr. Kröhne tespncht die Gefahren einer Aufhebung der die B<r- nrchttmg keimenden Lebens bedrohenden Strasvor- schrrsten. Der bekannte Schweizer Arzt, Prof. Dr. Labhardt, der das große Verdienst hat, in ter Schweiz dr« bezüglich?» Bestrebungen auf Einführung ter Straffreiheit ifür Verbrechen am keimenden Leben Mnchte gemacht zu habcn, erörtert vom ärztlichen etanbpunft aus in außerordentlich wirkungsvoller Sßeife die Gefahr der künstlichen Eingriff in das keimende Leben. Der Abg. Gch. Rat Faßbender ha! dann Dokumente zum Schutz des keimenden Letens in außerordentlich wirkungsvoNer Weise zusammmge- stetlt, sodaß niemand, ter ahne Voreingmommenhett an die Frage herantnit, sich dem Eindruck dieser Do- kumente wird verschließen können. Pater Mucker- mann schließt das Heft mtt einem Aufsatz zur Ein­dämmung der künstlichen Eingriffe m das keimende fieben.

Alle diejenigen, die den Kamps gegen die Straffreiheit des vorgeburtlichen Mordes führen wollen, finden in diefem Heft der neuen Zeitschrift (gerb. Dümmlers Verlag, Berlin) eine Fundgrube an wirkungsvollen Momenten und Gesichtspunkten und kann die fieftirre nicht allein den ParlamentarirrN, sondern allen denjenigen, die für die Volkserziehung oerantworllich find und die Volksseele zu leiten berufen sind, aus das wärmste empfohlen werden.

vreGrganisation -erwinÄchorstbunde.

So betitelt sich die Broschüre, die v o n d e r I u g e nd. «Heilung des Reichsgen eaalsekreta- riats der deutschen Zentrumspartei sängst I herausgegeben worden ift Der lange Krieg hatte die I

Daraus folgt, daß man schon vor der Verlobung die Sache so reiflich überlegen und in seinem Gewis­sen sich Io klar werden muß, als ob bie Verlobung schon das unwiterrusliche Jawort wäre. Also kann man nicht dringend genug vor einer übereilten und teüch sinnigen Verlobung warnen. Auch die Eltern und die sonstigen Berater des verliebten Paares soll- ______________________ ________

ten daraufhin wirken, daß die förmliche Verlobung treffen als ihn. Er muß also opferwillig sein, um für

nicht eher vollzogen und verkündet wird, bis sich ge- den unvermeidlichen Klatsch sich als Blitzableiter hin­

zeigt hat, daß dieseLiebe" kein Strohfeuer ist, son- I zustellen.

dem aller vernünftigen Berechnung nach zu einem Die Hauptfache bleibt aber die Vorbeugung. Erst dau-rhsfton Herdfeuer werden kann. ! prüfe, eh? du dich verliebst; dann prüfe teppeü und

Das ist die eine Seite ter Sache. Auf ter ante» I dreifach, ehr du dich verlobst. Zuvor getan, hernach ren S ite steht geschrieben: Irren ist menschlich, und ! bedacht, bat manchen in groß Leid gebracht, die Liebe macht blind. Es kommt vor, daß die Der- 1-------