Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für öen kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 161.
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Samstag, 16. ZuN 1921.
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48. Zahrg.
Lloyd George und vriand.
Sie fyabm beide wieder geredet: der eine im staats» «ännischen Stile, der ander« in Advokatemnamer.
Lloyd George sprach sich auf einem liberalen Bankett rechr o p t i m i st i s ch aus, offenbar in der Absicht beruhismd zu wirken. Er freut sich über di« Nachwahlen, die seiner Regierung günstig waren, sowie über die Beilegung der wirtschaftlichen Unruhen, begrüßt den Friedensschtuß mtt Irland, als ob er schon fertig wäre, und spricht die Hoffnung aus, daß die Washingtoner Konferenz zu einer wirklichen Verständigung und zu einem wirksanien Arrangement fuhren werde, sodag die Rüstungen in- nechald unschädlicher Grenzen gehalten werdcn können.
Herr Brianü hielt einem Pressevertreter einen Bonrag, der als Antwort auf die Red.' des deutschen Äistizmimsters Schiffer dienen foü und den Zweck verfolgt, Frankreich als den gekränkten Friedensengel und Deutschland als den Störenfried hinzusteüen. lieber die groben Beschimpfungen, die Brianü in seiner Senatsrede gegen das deulfch« Gericht geschleudert hat, hüpft er hinweg mit der billigen Behauptung, die .skandalösen" Freispruche hätten „EMrüstung hervor- gerujen in Belgien und in Großbritannien". Don dcn belgischen Schleppenträgern wollen wir nicht weirer reden; aber daß England sich entrüstet habe, ist eine aktenwitenge Behauptung. Die englische Regie- rung hat ja auch dem Anträge Briands, ihre Verlor- ter und Zeugen ebenfalls adzuberufen, nicht stattge- geben. Es offenbart sich da eine neue Verschiedenheit in der Aufso-siung und in der Taktik der zwei „aer- bündeirn" Regierung,.».
Sehr charakteristisch ist nun der Trick, mit dem Herr Brianü, der frühere Rechtsanwalt, diesen Miß- klang zu übertönen sucht. Er hat offenbar aus den jüngsten Zntuttgsberichlcn schon ersehen, daß die Engländer mit ihrer Anklage wegen Versenkung des hospitalsschiffes mehr Erfolg haben, wir die Franzosen mit dem phantastischen Brigadebefehl. Für den Fall, daß die englischen Ankläger eine Derurtei- lung erzielen, will nun Herr Brianü sich selber das Verdienst daran sichern, indem er sagt: „Ich hoffe, daß die Zurückziehung der Akren und die Rückberu- stwg unserer Delegierten zm mindesten den Erfolg habe» wird, unsren Freunden und den Delegierten, die in Leipzig geblieben sind, den Nutzen einer des- seren Justiz einzulragen, und dies wäre schon etwas!" So dentt er zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Er will sich Dankbarkeit von England sichern und zugleich dem Leipziger Gerichtshof einen neuen Fußtritt versetzen. Zu letzterem Zweck fcH der Anschein erweckt werden, als ob die deutschen Richter nun aus Angst vor den abmarschierenden Franzosen sich zu einer Verurteilung bequemten. Das ist unsinnig, denn die Richter in Leipzig können nichts leichter ertragen, als den Ab- schied der Fremden, und wenn sie im Falle des hospitalschiffes im Einklang mit dem Reichoamvalt zur Verurteilung kommen sollten, so erklärt sich das einfach daraus, daß die Zeugenaussagen in diesem Falle eine belastende Beweiskraft hatten, währsnd die sranzösischen Anschuldigungen gegen den General Stenger ganz kläglich zusammenbrachen. Herr Brianü aber glaubt anscheinend, daß doch etwas hängen bleibt, und sucht den Verdacht zu erwecken, daß das Reichsgericht in jedem Fall unsachlich handele: wenn es freispricht, so handelt es aus haß gegen Frankveich, wenn es verurteilt, so lanbelt es aus Furcht vor Frankreich.
Der Bing der Huramaja.
Roman von Räte oan Seeler.
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(Schluß.)
Es war für Frau von Gebar off ein schwerer Schlag, Gesenburg sah es, und mit ritterlicher Bewegung trat er auf die Weinende zu. „Denken Sie gar nicht an mich, Baronin; ich werde mit dem, was mich betraf, fertig werden." — Innerlich schämte er sich, wie leicht und glücklich er dieses Versprechen erfüllen konnte. — „Ich fühle in diesem Augenblick, daß es auch von meiner Seite ein Irrtum war, als ich um Ihre Fräulein Toch. ter warb und mein Glück bei ihr zu finden suchte; wir gehörten nicht zueinander."
Dabei sah er zu Ma;a auf, die, zögernd und unsicher, wie sie sich Frau von Lebanofs gegenüber benehmen dürfe, näher getreten war und nun unter seinen Worten unb dem Blick, der sich dabei voll und sprechend auf sie ächtete, tief errötete und nicht wehren konnte, daß auch in _ ihrem Herzen eine Ahnung kommenden großen Glücke, auftauchte. Es ist wohl besser, wenn ich mich setzt empfehle", fuhr er stockend fort. „Liebe Base, ich hoffte, E:e noch öfter zu sehen und Ihnen über die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen uns wichtige Auf- Müsse zu geben."
Gr hielt ihre Hand in der seinen, und sie blickten sich tief in die Augen. Das Glücksgefühl, das wunderbare, gewaltige, flutete wieder über sie beide hin; für einen Augenblick vergoßen sie die ganze Welt und sahen und empfanden nur. daß si. sich gesunden hatten und daß eine? fein Glück nur im anderen finden könne.
Die Baronin verließ das Zimmer; die beiden standen sich stumm und befangen gegenüber. Hans Heinrich atmete schwer. „Der arme Tibor! Ich dachte. Sie liebten ihn. Damals, ah wir uns trennten, trafen Sie ihn. Ich wußte zwar nicht, wer er war, aber ich glaubte, daß er der Mann fei, dem Sic gehörten. Darum —* Er verstummte, aber sie hatte ihn verstanden, chr Herz schlug in Seligkeit. »Nein, ich gehöre niemand." „Mosa!" Gr biß auf die Sippen. Gs war nicht die Zeit, um jetzt zu ihr zu sprechen, sie mußten warten. „Liebe Vase, wir haben uns noch viel $u sagen, und Sie wissen, es ist ein Zusammenhang zwischen uns von altersher. und —“ „Ja, d e Ringe", stammelt- si- ver. wirrt, als er ürckt? „Gewiß, die Ringe" Se ne Augen leuchteten. Ich erzähle Ihnen die Geschich'e, die zu chnen gehört, und die Prophezeiungen, die sich
Vriand spiell dann dir Sache hinüber auf die „unqualisizierdaren Manifestationen" vor dem Letp- zjger Gerichlsgebäude und in den Beul Himer Straßen. Die Demonstration in Leipzig war nicht nur ein« Ungehörigkeit, sondern auch eine Dummheit, bk in Deutschland allseitig verurteilt worden ist. Wie kann man aus den Rufen, zu denen sich einige aufgeregte Leute hinreißen ließen, die Friedensgesährlichkeit des ganzen Deutschland folg:m? Und aus dem traurigen Vorfall ht Beuchen läßt sich erst recht nichts folgern, da der verhängnisvolle Schuß von hinten getommen und der Schütze nicht festgestellt worden ist. Demfch- land Hai das Ultimatum angenommen und bemüht sich aus allen Kräften, die riesigen Leistungen prompt zu erfüllen; der Dank dafür find Schimpfworts und Bedrohungen.
In Versailles hat seinerzeit eine französische Volksmenge sehr roh demonstriert gegen die deutschen Vertreter. Aber wenn Frankreich uns nichts weiter zu Leide getan hätte, wurden wir gern seine Friedlichkeit loben. Von ganz anderem Dnoicht sind die wiederholten und andauernden Sanktionen und die verhängnisvolle Begünstigung des polnischen Aufruhrs.
Das sind Dinge, an denen man die Friedferitg- keit meßen kann.
Wenn Lloyd George in seiner staatsmännischen Rede auf den Erfolg der Abrüstungskonferenz hofft, so wird er sich dabei wohl gedacht haben, was er diplomatisch verschweigen mußte: daß Frankreich in feinem nationalistischen Uebermut und itrpcrialisülchen Tatendrang der Abrüstung zu Lande den größten Widerstand bereiten wird.
Von Paris kommen tatsächlich alle Hindernisse und Hemmungen der friedlichen Entwicklung.
Das Loch im west n.
Bet den jüngsten iPariser Besprechungen wurden deutscherseits auch dir Mißstände zur Sprache gebracht, die durch die Einrichtung des alliierten Zollregimes im Rheinland infolge der durch das „Loch im Westen" erfolgenden Einfuhr von großen Mengen unerwünschter Waren für Deutschland entstanden sind. Die Unterhändler einigten sich über ein Programm hinsichtlich der Einfuhrregelung, welches es der deutschen Regierung ermöglichen wird, auf die Handhabung der Ein- und Ausfuhrbewilligung im M>eittland Einfluß zu gewinnen. Auch dem besonderen Bedürfnisse Deutschlands auf Sicherstellung der Devisenbeschaffung für die Reparationen soll dabei Rechnung getragen werden.
Lieferung deutscher Holzhäuser für Rordfrankroich.
Die Verhandlungen zwischen drr deulfchen und der französischen Regierung über die Lieferung von Holzhäuser für Nordfrankreich führten zur Befiel- lung von 66 Probehäu sern mit 87 Woh- Rungen. Die Häuser sollen mit größter Beschleunigung vergeben und in den zerstörten Gebieten auf- gestellt werden.
Die ödrSstungsKorrferenz.
Japans Zweiüeutigkclt.
Die zweideutige Antwort Japans auf die Einladung Hardings zur Abrüstungskonferenz erregt in Amerika großes Mißfallen. Ttan glaubt, daß Japan von der Konferenz die Deiseibelasiimg der Fragen von Korea, Formosa, der Mandschurei und Ost- sibiriens verlangen werde.
an sie knüpften, später, wenn e« klar um und in uns ist, wenn wir uns Wiedersehen, Maja!"
Und nun küßte er die glückbringende, schöne Hand, und beide wußten, daß es ein Gelübde war fester Zusammengehörigkeit.
Ebba and ihr Lerlabter kehrten schneller zurück, al» die Baronin erwarte« hatte, beide bleich und bedrückt. „Er lebt noch. Mama", seufzte (Ebba. „Der Arzt meinte, es könnte in ein paar Stunden vorbei fein, aber es könnte auch noch Monate dauern. Die Kugel hat nicht das Herz getroffen, sondern die Lunge. Noch ist er bewußtlos —" „Gr, ert" fuhr die Baronin leiden, fchaftlich auf. „Was geht dieser verrückte Mensch mich an! Don Sarin will ich hören. Wo Ist sie? Sie gehört hierher, nicht zu dem Fremden. Sie hat ihr Gluck mit Füßen getreten."
„3a, Mama, bas hat sie; denn ihr Glück fft Tibor Revvsceny. Nein, Mamachen, fahr nicht auf, es ist einmal so- Sie liebt ihn seit damals, und hat wohl, wie ich denke — denn Karin spricht nie über ihre ©e. fühle — in ihrem harten Stolze immer dagegen gekämpft, und ich vermute, baß ihre heutige übereilte Verlobung nur das letzte, höchste Schutzmittel gegen biefe Liebe fein sollte." „Dann hätte sie sich an diesem Schutzmittel halten sollen, nicht wie eine Wahnsinnige von der Fahne fliehen. Wer nimmt noch ein Mädchen, das vielleicht tagelang am Bette eines fremden Manne» blieb?"
„Mama, denke doch nicht an dergleichen. Karin Ist mit ihrer Jugend und Ihren Hoffnungen fertig. Diese ebne Stunde hat sie ganz verwandelt." „Ah! Meine schone, meine stolze Tochter gehört dem Leben und dem Glück; ich darf nicht dulden, daß eine augenblickliche Schwäche sie für beide» ruiniert. Ich will zu ihr, sie holen." „Tu' es nicht, Mama, Du richtest nichts aus- Ich denke, Du solltest Karin im Punkte der Willens, stärke kennen; keine Macht der Wett trennt sie von dem Posten, ben sie jetzt einnimmt."
Sie hatte recht, keine Macht der Welt trennte Karin von dem Sterbenden, von dem sie sich, als er ihr sein Leben bot, kaltherzig abgewaudi hatte. Sie blieb bei ihm, taub für alles, was man ihr sagte. „Meine Pflicht ist bet Ihm; solange noch ein Atemzug In ihm fft, verlaße ich ihn nicht. Ich kann nicht anders, und ich will auch nicht anders. Weine nicht, Ebba, ich trage bas Schicksal, das ich mir selber schuf. Alles Glück der Welt, alles, was ich mir gewünscht, hatte ich in meine i Händen und warf es in erbärmlicher Torheit von mir. Nun nehme ich den dürren Stab, den Witwenstab, denn, Gbba, sage es Mama erst, wenn es geschehen ist:
Eine deutsche Anleihe in Amerika.
In Washington sind mehrere deutsche Finanz, agenten eingetroffen, um mit den Danken über eine Anleihe von 48 Mill. Doll, zwecks Ankaufs von Getreide zu verhandeln. Außerdem sollen Besprechungen über eine Anleihe in Höhe von 20 Millionen Doll, ftattfinben, die zu gleichen Teilen von Newyork und London gewährt werden soll.
der Oberste Rat tagt eift im September.
Sachverständigenkommission für Oberschlesien.
Brianü teilte der britischen Regierung mit, daß er damit einve'standen (er, daß eine Sachvei. flänDtgenfommii ton nach Oberichlesien geschickt werte, die an O>i und 61eile die Frage einer Teilung des AbstimmungsgevieteS prüfen |oli.
Da man der neuen Kommission Zeit laßen muß, um dir wirtschaftliche Lay.' zu prüfen, fo wird der Oberste Rat über die oberschlesische Frage nicht vor dem Monat September beraten können.
Eine eindrucksvoll« Kundgebung.
In der Berliner Philharmonie sand eine gewal- tigr Kundgebung für ein ungeteilte» Ober» s ch l e s i e n statt. Die Reih« der Redner eröffnete der Dichter Gerhart Hauptmann. Nach Gerhart Haupimann sprachen die Abg. Prof. Kahl von der Deutschen Volkepartei, H e r s ch e l-Oberschu sien vom Zentrum, Prof. S ch ü ck i n g für 6re Demokraten, der frühere Minister de» Aeußern für bi? Sozialdemokraten und Prof. H ö tz s ch für die Deutschnationalen. Es wurde schließlich eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß es das deutsche Volk nicht hinnehmen könne, daß Teile Oberschlesiens durch Machlspruch vom deutschen Mutterland abgetreimt werden.________________ _________________
preußischer Landtag.
Dr Lauscher gegen di« Feind« drr Dekennlnlsschuie. Um Mitternacht Vertagung bi» September.
In der Freitogssitzung würben zunächst einige kleinere Vorlagen erledigt, u. a. wird die Errichtung einer Delegatur für die preußischen Teile des Erzbistums Gnefen genehmigt und 300 Millionen Mark für Siedlungszwecke bewilligt. Dann fetzt man die große politische Aussprache über den Noletat unb die Sanktionen fort.
Gegen die fozialistischen Angriff«.
Der Minister des Innern Dr. Dominka» antwortet auf die kommunistischen Beschwerden wegen der Beschag- nohme der „Roten Fahne" und auf die Angriffe Heil- manns. Warm tritt er für den von den Sozialisten so scharf angegriffenen Selbstschutz in Oberschle. sien ein, über den die oberschlesischen Sozialdemokraten ganz anders dächten, als die hier im Landtage. Er geht dann noch auf eine Anzahl Dnzelvorwürfe ein, die ihm der Sozialdemokrat in Bezug auf die Besetzung der Aentter u. a. gemacht hat, und schließt mit folgenden Worten, die er Heilmanns Kampfansage entgegenhäii: Auch das Kabinett ist zum Kampf entschloßen, wenn es angegriffen wird. Die polittsche Lage ist aber so, daß es erwünscht wäre, wenn solcher Kampf vermieden werden konnte. Darum sind wir auch damit einverstandene Zmn Frieden gern bereit! (Beifall.)
Auch Finanz Minister Saemisch antwortet auf Hellmanns Angriffe, und zwar knapp und scharf. Heilmann kenne die Pläne des Ministers nicht, mißbillige sie aber trotzdem.
Charles hat mir alle Papiere besorgt; morgen werde ich getraut." „Karin, Du willst Dich ihm noch antrauen laßen?" i
Ebba sank fassungslos auf «Inen Stuhl und rang die Hände. „Ja, es ist da» einzige, was ich noch für ihn tun kann, für ihn, den Ich Immer mehr geliebt hab« als alle». Ich wußte es nur nicht, wie stark meine Liebe war. Erst da der Tod an fein Herz trat, tarn das meine zur Erkenntnis feiner Straft. Noch lebt er, noch liebt er mich, noch kann ich ihm das bißchen Leben, das meine Grausamkeit ihm lieft, mit meiner Liebe schmücken. Gr ist so glücklich, seitdem er das Bewußt, fein wieder hat und mich neben sich weiß — ein Glück, das mir das Herz zerreißt, wenn ich denke —1" Sie stöhnte in unterdrückter Qual. „Er hat kein Wort der Anklage für mich, keinen Fluch, nur Lieb«, Immer Liebe! Ebba, ich war nicht wert, fein Weib zu werben, wie ich früher war. Jetzt, jetzt Ist nichts mehr übrig von der stolzen, kalten Karin einstiger Tage. Ihn hebt der nahe Tod über alles Irdische hinaus, und feine Liebe trägt mich mit ihm hoch Es ist alles anders ge. worben. Ich bin glücklich, soweit ich es mit der Schuld auf meiner Seele sein kann; der Arzt sagt, daft es noch vier bis sechs Wochen dauern kann. Er wirb auslöschen wie ein Licht, und ich werde als fein Weid neben ihm stehen bis zu feinem letzten Hauch."----
Gbba schwankte zwischen Leid und Glück. Karins Geschick warf tiefe Schatten über ihre bräutliche Selig, feit. Sie trennte sich nur schwer von ihr, wenngleich sie wohl sah, daß sie ihr nichts sein und ihr nichts tragen helfen konnte, daft Karin keinen anderen Gedanken mehr kannte, als den an ihren Mann und an die Gr- Haltung des schwachen Lebensfunkens, der noch in ihm flackerte. ;
Als sie Gbba zum Abschied küßte und diese bitterlich weinte, lächelte sie, ein herzzerreißendes Lächeln. „Weine doch nicht. Kleine, sorge Dich nicht um mich. Wie oft habt Ihr gesagt, daß Ich meinen Weg machen wurde, und keiner nötig hätte, um mich zu sorgen. Das ist nun zwar anders eingetroffen, als Ihr es meintet, ober eingetroffen ist es. Wenn er von mir geht, w>dm ich mich und mein Leben der Krankenpflege. Tu weißt, ich hatte immer Talent dafür. Ich mochte es nur nicht pflegen. Nun wirb es fortan mein Lebenszweck werben; der dürre Stab wirb in meiner Hand grünen und Segen bringen. Und nun reden wir nicht mehr non mir; beantworte mir nur noch eine Frage: Wie trägt Sefenbttrg es?"
Ebba errötete verlegen. „Ach, Karin, — aber viel, leicht ist es Dir doch angenehm, — ich glaube, er ist
Der Standpunkt des Zentrums.
Abg. Dr. Lauscher <Ztr.): Als Herr Heilmann gestern feine dreistündige Rede beendigt hatte, da lag die Gloriole des Triumphators auf feiner Stirn, (fjeiterteit rechts und im Zentrum, Zurufe bei den So,}.) Wie bald der Lust ein End' gemacht wurde, zeigen die Erklärungen der Re- gierungsDertreter. Freilich hat bit Red« Hellmanns auch ffltrfWörner enthalten. So war erfreulich, fein Protest gegen bie Lüge von der ausschließliche« deutschen Kriegsschuld und Ine Entschiedenheit, mit der er die Leipziger Richter m Schutz nahm. Wir danken ihm auch für die Entschiedenheit, mit der er bas infame hetzerische Treiben des „Reichsboten" gegen die deutschen Katholiken zurückgewief«, hat. Was di« Frag« Preußen-Deutschland angeht, io sind jedenfalls, wenn es nicht gelingt, dos Reich zu reiten, bie Länder miteinander verloren. (Sehr richtig! im Zentrum und links.) Di« Zusammenschweißung des Ganzen bis zu einem Grade, wo die Glieder aufhören, ihr eigen«» Leben zu fuhren, ist nicht gut möglich. Tröger bet Staatsgewalt ist das getarnte Volk. (Zuruf des Abg. Braun (Soz.): Nur mit Ausnahme der Sozialdemokratie.) Jo. si« schließt sich so selbst aus. (Lebhast« Zustimmung rechts unO sm Zentrum.) Wir wollen die Sozialdemokrat^ nicht ousfchließen. Die Deutsche Dolkspartei hat bis preußische Verfassung beschworen, und wir dürfen b's zum Beweis des Gegenteils nicht bezweifeln, daß sie die Der« fosiung anerkennt. (Abg. Heilmann: Unter Vorbehalt.) Die Sozialdemokraten erlernten die Verfassung ja auch nur mit dem Vorbehalt an. d-tß sie den Religionsunterricht aus den Schulen entferne« wolle n, sobald bas möglich ist. Man kann nicht eine bürgerliche Pattei, die auf dem Boden der Verfassung steht, von der Regierung ausschließen. Höher als bie Wünsche der Interpellanten bezüglich de» Reichsschulgesetzes steht der Innere Friede de» deutschen Volkes und dieGewissensfreiheit. (Leb- Hafter Beifall im Zentrrm.) Die Angriffe auf den Schul- Gesetzentwurf richten sich geradezu gegen bie Verfassung. Es ist nicht wahr, daß dieser Entwurf vom Zenttum inspiriert fei. Wir sind mit ihm in wesentlichen Punkte« nicht einverstanden. Das Wort „ein Volk, eine Schule" ist eine hohle Phrase, wenn bie Voraussetzung für einer solche Einheitlichkeit des Volkes fehlt. Will mal gegen den Willen der Eltern die Schule uniformieren, bann hört bie Gewissensfreiheit auf. Die Befürchtung, baß der Einstuß bet Kirche eine Beschränkung der Lehrfreiheit herbeiführe, ist ganz unbegründet. Daß die Demokraten bie von ihnen verlangte Einheitsschule nicht bekommen haben, ist die elementare Folge der politischen Entwicklung. Haler der konfessionslosen Schule strht jedenfalls nur em kleine« Bruchteil der Bevölkerung. Wenn Sozialdemo« traten und Demokraten unsere Bekennt, n i s s ch u l e antaften wollen, dann bißen fit auf Granit! (Stürmische Zustimmung im Zentrum.) Im besetzten rheinischen Gebiet sehen wir einer furchtbaren Arbeitslosigkeit entgegen und einer unerträglichen Teuerung. Wenn vom rheinischen Volk ein lAageschrei herübertönt, barm darf bas nicht als Zeichen mangelnden Durchhalten» bezeichnet werden. Di« Verhältnisse werben unerträglich. Was die Franzosen mit der rheinischen Besetzung beab- sichtiaen, bas sehen wir an dem armen unglücklichen Saar« gebiet, wo jetzt schon die Frankenwährung vollkommen durchgeführt ist. Wenn bie Franzosen von uns lagen: No» amis les RH6nan», fo bebau«en wir Rheinländer uns für diese eigenartige Freundschaft. (Bestall.) Der Rheinländer erwartet mich besonders nachdrücklich, baß dem anderen bedrängten Gebiet, Oberschlesien, enbPtb bie derbten te Gerechtigkeit wirb, imb baß es vereint wird mit dem großen deutschen Daterlanb. (Lebhafter Beifall.)
Die Sozialisten gegen den Kotetat
Nachdem noch bie Abg. Dr. Cohn (Unabh.) und Riedel (Dem.) gesprochen hatten und die erforderlichen Abstimmungen zur zweiten Lesung erfolgt waren, folgte bie dritte Lesung, bie nichts wesentliches brachte. In her Gesamtabsttrnmung wird der Dtotetat unter großem Lärm unb Pfuirufen der sozialdemokratischen Parteien nicht unglücklich." Karin lächelte. „Das dachte ich mir wohl, ihm gegenüber habe ich feine Gewissensbisse. Gr liebte mich nie, er liebte immer Maja."----—,
Und gerade in diesem Augenblick saß Han» Heinrich bei Mosa und hielt ben zweiten her Ringe, den sie enb- lief» gebracht hatte, nachdenklich in seiner Hand. Sie waren beide in Abschiedsstimmung, innerlich erregt unb ooU heimlicher Unruhe und Erwartung. Hans Heinrich hatte ihr auch erst heute bie Geschichte her Ringe aus. fuhrlich erzählt unb bann zögernd und vorsichtig, immer wie hinter einem Schleier, die letzten Begegnungen mit der Urahne geschildert. Aber bei alledem hatte er nicht den Mut gefunden zu dem Wart, da» ihm täglich unb stündlich auf ben Lippen brannte, und bas er doch, ür Grinnerung an feine überstürzte, sinnlose Verlobung mit Karin, nicht zu sprechen wagte.
Nun atmete er schwer, unb seine Stimme war klanglos, als er halblaut vor sich hin sagte: „Wieviel Glück unb Weh haben bie beiden Ringe schon gesehen, wieviel Fluch hat der meine gebracht! Nun sind sie nach zwei Jahrhunderten wieber beisammen — nur um sich wie» ber zu trennen?" Fragend klangen seine Worte aus, unb babel hob er ben Blick zu Maja auf. Die hielt bie Augen gesenkt und antwortete nicht: ein nachdenklich schmerzlicher Zug lag auf ihrem Gesicht, während sie die Hand langsam ausstreckte, um den Ring wieder zu- rückzunehwen. >
Da war es Hans Heinrich plötzlich, als stünde bie Urahne an seiner Seite; fast körperlich sah unb fühlte er sie, wie sie ihre weiße Greisenhand auf bie feine legte, rote sie dazu lächelte unb feine zitternden Finger leise Masas Hand entgegen führte. Ein Schleier legte sich vor feine Augen, durch ihn sah re nur einen einzige* der weißen, fchlanken Finger, und da glitt der Ring auch schon, wie von magnetischer Kraft angezogen, hernieder, gerade auf diesen einen einzigen Fmgre.
Ein Schreckenslaut von beider Lippen, Majas Gesicht erglühte, ihre Augen blickten aus: „Der Ring!" Da hielt Hans Heinrich schon die ganze Hand in der feinen unb zog sie an feine Lippen. „3a, nun ist er an seinem richtigen Platz. Die lang getrennten Ring« Lieben sich endlich wieber zusammengefunden zum Segen eines neu oufblühenben Geschlechte». Wenn bie Nach, komme Nuramajas sich einem Stfenburg anvertrau ea will, so ist ber Fluch getost, unb ich werbe ein unbfe schreiblich glückseliger Mann sein." f
Nun ruble sie wieber an feinem Herzen, unb ba» köstliche, wunderbare Glücksgefühl durchflutete sie wieber; si- wußte, baß sie zu ihm gehörte.