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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Nr. |60.

Der antwort tid) lür Öen .eoauiortlteti teil: Dr. Rr am et, - für bte Isjiign: 3. P,ri«i>«k-Fuida. s gtoetiensonid u. Verlag der yuldaer adtenbruderti in Fulda. Steemprecher *St. U. TeltflL-flbrefie: Fv (daer Zella n«

Zreitag, 15. Zutt 1921.

Bejugsptets: Monatlich 3.59 ZHt. oyne Bestellgeld. Post» ~ bezug 4,10 Alk. Abgedolt 3.75 ZRL t

Anzeigen: üoionelgelle 70 Pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Bek iomezeile (itpbieiU1 2 5J iilt.

48. Zahrg.

beteiligten. Di« Franzosen trugen polnische, die Polen französische Farben. Bei dem Umzüge in Rybnik führten die französischen Alpenjäger polnische Fahnen und Banner mit An dem Umzuge beteiligten sich auch Hallersoldaten in voller Uniform.

Amerikanische tzarrdelskammeroer- treter in Berlin.

Am Donnerstag morgen ist die amerikanische FinanzkomMission von Frankfurt aus in Berlin eingetroffrn. Nach Len bisher getroffenen Dis­positionen wird sie sich voraussichtlich bis Sonntag abend in der Reichehauptstadi aufhaüen, um bann nach Prag weiter zu reisen. Die Reis« trägt keinerlei amtlichen Eharakter, sie ist vielmehr als eine groh angelegte Orientierungsreise gedacht.

Darr Zweck des AufenthaAs £1 gt nach Asuße» rangen der amerikanischen Hand-lskammerverrreter salbst im Studium der fcto- und Ausfuhrverhältnisse. Schließlich aber will man sich über die Folgen der Balutaschwankungen näher unterrichten. Auch sollen die Zoüverhälmiff, in Deutschland einem eingehenden Studium unterworfen werden. Endlich will man sich auf Grund der allgemeinen Wirtschaftslage über bie wirtschaftlichen Möglichkeiten, bk sich für den Der» kehr zwischen Deutschland und Amerika ergeben können, unterrichten.

Damit würde es sich also in der Hauptsache um «irx Fühlungnahme mit der deutschen Geschäftswelt handeln, um Erörterungen zu pflegen über bk Austauschmögiichkeiten, btt für den Harchel her beiden Länder bestehen.

preußischer Landtag.

Lieger wo id über die poüiische Lage.

3n der Bifiung om Donnerstag geb es zunächst eine ziemlich eintönige Lmzeiabstümmmg her Novell« zum Rommunalabgadenaesetz, 8. Lesung. Eim An­zahl beuifchnationaler Anträge, tet bk WirKiriq des ®t« iktzes abschwächen sollen, edonso einige laziawemokratifche Anträge, die den entgegengesetzte» Zweck haben, werden abgelehnt, der Entwurf selbst gegen bie Deutfd; nationalen unö Rommuniften endgültig angenommen.

Eine Erhöhung der Diäten wird in 1., 2. und 8. Lesung genehmigt.

Eine große politische Debatte.

Dann kommt die 2. Beratung bn Not «täte, bei der eine große politische Debatte staiisinden soll. Eine Reihe Anträge sind hier mit zur Beratung verbunden, so bie kommunistische große Anfrage über bie Beschlagnahme der «Roten Fahne, die deulschnationale große Anfrage über die Aufhebung der Sanktionen und der chei- Nischen Zollgrenze, ein Antrag Dr. v. Krause (D. v.) über denselben Gegenstand, em Sn trog Rhiel - Fulda (Ztr.) über die Förderung der Land- und Forstwirtschaft in den rocht chm und östlichen Provinzen.

Der Kommunist Gaschke begründet die Anfrage sei­ner Fratdion, indem er bas Ministerium 6tegtrroaRi in Grund und Doüm schimpft. Er erhältnur* einen Ord­nungsruf.

Steg. Paul Becker (DntL) bedauert, daß die Frage der banktionen nicht für sich behandelt werde. Sie fei für Preußen ebenso wichtig, wie für das Reich, denn gerade preußisch« Gebiete sind es, die unter der Besetzung zu lei­ben haben. Die Franzosen scheinen hn Rheinland bleiben $u wollen. Der Redner weist auf das Beispiel der Tür» ten hin, bie, obwohl die schwächsten unserer früheren Der- bünbeten, als «nz'ge ki mutigem, erfolgreichem Kamps gegen Re Entente stehen. Einen solchen geschlossenen nationalen Willen wünscht der Redner auch dem deutschen Dolke: dann würden die Sanktionen und ähnliche Dinge bie längste Zett bestanden haben.

Adg. Dr. Memer (D. Dpt): Wir unterstützen bas Kabinett Stegerwalb. so lange es sich ! den vom Mini- sterprästbenten vorgetragenen Richtlinien bewegt. Der preußische Landtag hat bie Pflicht, gegen bie Sanktionen zu protestieren. Wir danken der rheinischen Bevölke- rung für bie Treue, und wollen auch ihr bie Treue halten. (Beifall.) Wir wollen uns ehrlich mit ber So.

man sie jetzt noch zu Attacken

Erfahrung beweist unanfechtbar,

«och zu obgeritten, als daß verwenden könnte. Die Et_________ ________ .

ildaß b« konseffionelle Schute den Gemeinschaftsgeist, bas «swußistin ber Zusammengehörigkeit, des gegenseitigen Merbunbenseins zu einer bchrcksalsgemeinschast, der Mit- verantwortlichkeit für bas Sesam tvolk m bester Weise

Das katholische Volk verlangt die Bekenninirschule.

Lngestchts des Dorfloßes, den die Feinde der De- fenn;nisfd)ule, der konfesjiotrellen Schule, im preußi- kchen Landtag dieser Tage unternommen hoben, muß immer wieder darauf hingewiefen worden, daß das katholische Volk in allen seinen Schich­ten mU größter Entschiedenheit an dieser Schulform frsthält. Demokraten und Sozialisten wer- den bei Ihoem wilden Kampfe gegen die Bekrnntnw- tchule und gegen den Religionsunterricht alle Äa- rhoirken, die uonchaupl noch mit der katholischen Kirch» lebcnbtg verbunden sind, als Gegner finden.

i Die sehr auch in den Kreisen der katholischen A r Beiter und Angestellten der Kampf um di« Vekenntnisschule als heilige Pflicht betrachtet Wird, brwetst eine Ausloffung in derWestdeutschen Arbeiterzeitung". Dort lesen wir:

Die BekennÄtisschirte ist keine Sonverfchuke, sondern Jiwt von den (Eltern auf ureignem Rechtsboden gefütterte SRobifitation der für das Reich ausgestellten gemeinsamen Schule. Wo sie beantragt wird, ist st« zu errichten unter ter vonuissetzung, daß sie das Ziel zu erreichen geeignet .fit, und tritt bann an Stelle der Normalschule, gleich­wertig imb gleichberechtigt. Ihre Gegner men­gten gegen sie ein, sie erziehe die Kinder nicht »um Se- Znoinschaftsgeist, zersplittere die Einheitsschule und bringe Msneubeuttoe Kirchenschule" den Lehrer unter bas Joch erKlerisei". Solch Kulturkampsklepper sind

troßziehi. Die christliche Gewerkschaftsbewegung, in tt kscholische und evangelische Arbeiter und Angestellte jteSderlich Hand m Hand <3emetnschafisarbete leisten, ist ein Tatsschenbeweis erster Ordnung für die Unhaitbsrke«! jwegenteiflger Dchoupiungen. Hinter allen den bohrinären lEmringrünben der Gegner verbürgt sich die wahre Absicht, ;üämfiÄ der Versuch, durch Beseitigung der Bekenntnis, schule bas positive Christentum zu schwächen (Mch allmählich aus dem öffentlich«, Leben auszuschalten. ; Dagegen wird sich ber gläubige Dolkstell auf bas ent- ! sch!ebenste zur Wehr setzen uni) für bie volle Gleichdorechti. '§nng und vollkommen bekermtnismäßige Gestaltung feiner Schule den Kampf crufnehnren müssen.

Zmn Schluffe seiner Ausführungen sagt der Der- fafler und spricht damit gewiß die Erliche lieber« zeugung aller deutschen Katholiken aus: Nur wenn Eewissensfretheit und Elternwille nicht «rgervaUigt, sondern erst wenn nach dem Willen der Befassung allen Richtungen die ihnen zustchenden Schulen voll und ganz gewährt werden, also auch die Ä?feimhltsfd)ult volle EntsaltungsfrÄheit «hält, Wird der Schulfriede möglich sein. Die chrift« liche Arbeiter- unb Angestelltenbewe­gung ist nicht gewillt, sich dir christliche Schule von xgatb einer Seite zu nehmen ober verkümmern zu lassen. Sie will keine halbe, sondern eine vollwertige ioirftfflonetle Schule für ihr« Kinder; sie will diese Schule nicht nur in einzelnen Ländern, sondern tim ganzen Reichsgebiete «möglichen; sie will jlate Richtlinien, damit nicht durch allerlei Winkel- |Ü0e und Auslegungskünste ihr gutes Elternrecht iUu- tzorifch gemacht! Werden kann. t

Mafienflucht aas Gderschlesien.

Wte von unterrichteter Seit« mitgeteilt wird, haben feit 61S f f n u ng b es Eisenbahnverkehrs bis jetzt über 40000 Personen Oberschle- fiett verlassen, um in das Innere Deutschlands abzuwandern.

Französisch-polnische Verbrüderung ta Oberschlesien.

Sus Anlaß des französ Ischen National­feiertags haben in den größeren Orten des odrr- fchleskfchen Jndustriebezirks grosie Umzüge statigesun- pen, an denen sich sowohl Franzos rnwiePolen

Der Ring der Nuramaja.

S- Roman rott Säte ban Beeter.

49' --

.Oh, bitte, doch", flammte Maja bunkelrot auf. .Ti­ter Revosceny ist mir stets wie ein Drüber gewesen, nicht weniger, nicht mehr, unb als solcher hat er mir zeuch damals beigeftanben, als er uns in so großen Sorgen fanb. Er führte ben Baron b Erlasse zu uns, Sch Vaters noch vorhandene Silber anzusehen, unb er hat Vater so lange zugerebet, mit so viel Vernunft, Klugheit unb habet Zartheit, bis Vater sich endlich ent- sthloh, bas ihm so teure Bild, bas er nur für sich ge­malt hatte unb nie verkaufen wollte, hoch herzugeben, da ber Baron fest baran hielt, gerade dieses haben zu wollen. Not jst ,j hartes Ding! Es war uns beiden, e!s wenn ein Stück von unserer Seele mit dem Bilde meiner schönen, sonnigen Mutter hinginge. Aber Tibor hatte recht. Mutter wäre bie Erste gewesen, bie auf ben Verkauf gebrungen hätte, um uns vor bem Schlimmsten zu schützen."

Das ist nun alles vorbei, kleine, Hebe Base." SRadeton drückte tröstend bie eine ber gequält mein, ander geschlungenen Hände.Run bin ich wie Ihr Bruber, unb mein Großvater, sowie meine Eltern unb meine zukünftige Frau sind Ihre Familie, unb wir werben uns alle bemühen, Si« die Sorgen unb Schmer, jen vergangener Tage oergefien zu machen "Ja", nickte Ebba mit schimmernden Augen unb sand, baß Ihr Charly ber herrlichste unb beste aller Menschen sei «nb ein Herz habe wie Gold.Unb wenn mir erst »erheiratet sind, kommen Sie ganz zu uns als untere jliebe Schwester. Nicht wahr, Charly?"Wenn Wrvßvater sie uns läßt, Liebling Daran glaube ich nämlich nicht."Unb wenn Fräulein von München» jhausen sich nicht schon vorher auch »erheiratet, »as mir jOm allerwahrscheinlichsten vvrkcmmt", lächelte Frau von Nßebanoff wieder lehr "ütia und verständnisvoll.

Oh, nein", wehrte Maja hastig ab unb sah angst, voll aus zum Fenster, um nur nicht mehr Hans Hein, richs schmerzlichem, sehnsüchtigem Blick zu begegnen. Warum er sie nur so ansah? (Er war doch ein glück­licher Bräutigam unb hatte bie schönste Braut ber Welt neben sich. Warum sah er bie nicht an? Wenn sie nur fort von hier könnte, weit fort von ihm!H.n, ja", nickte Macleivn nachdenklich,bas möchte ich für meinen Großvater nun doch nicht so schnell wünschen. Aus jtben Fall ist es das beste, wenn ich Sie so umgehend wie möglich ihm zuführe, «he noch von irgendwoher jemand anderes auftaucht und Sie ihm wegjchnappi." Da brauchen Sie keine Angst zu haben; ich lasse mich nicht wegschnappen unb es gibt auch niemand, der dazu Lust hätte", fiel Maja mit herbem Lächeln ein. Aber mein Herz sehnt sich auch danach, den alten Herrn, ber mich lieb haben will, unb ber meine Dor- mütter kannte unb liebte, zu sehen unb zu sprechen. Ich bin bereit, sobalb Sie wollen." ^ch gehe jetzt, alle Neuigkeiten schnell nach Newyork zu kabeln "

Nach einer Stunde kam er wieder.Denkt mal, Tibor, ber kräftige, junge Mensch ist mir vorhin auf offener Straße beinahe umgefallen, ganz nahe einer Ohnmacht, urplötzlichl Ich hab' einen Heibenschreck de. kommen! Es ging ja schnell vorüber; er sagte, ts wäre ein Herzkrampf, unb er litte öfters daran. Aber ich habe ihn nicht allein ins Gasthaus gehen lassen, ich habe ihn hingebracht, obwohl er bas durchaus nicht wollte, daher hat es fo lange gebauert Ich wollte auch noch für ihn zum Arzt gehen; aber bas ließ er nicht zu. (Er hätte schon ein unfehlbares Mittel für fein Herz, er brauche keinen Arzt; aber habet sah er wie eine Leiche aus unb kam mir auch geistig ganz aer- wirrt vor. Was ist Dir. benn, Ebba? Du bist ja auch ganz bleich! Hat Dich bas so erschreckt? Du, Du, was soll bas bebeuten? Da könnt« ich beinahe eisersüchtig »erben!"

Sa, Ebba war erblaßt, unb in ihren Augen lag eine große Angst; sie lächelte mühsam:Ach, Unsinn! Aber natürlich kann einen fo etwas erschrecken. Du hast ihm

zialhemokraii« oerftänbigen, wir wollen aber nicht bie Ueberipannung bes demokratischen Prinzips unb bes parlamentarischen' Systems. Sm Geiste unserer Aussas. jung wollen wir Mitarbeiten am hemokratijchen Aufbau in unserem alten liberalen Sinne.

Die Soz ialisten gegen bas Kabinett Stegerwalb.

Abg. Heilmmm (Soz.): Den Kampf gegen bas Kabinett Stegerwalb führen wir aus natio. nalen Gründen, weil bie Politik bes Innenministers in wesentlichen Punkten ben Reichsinteressen wiberlpricht. Mit feiner Seamtenpolitit Hai ber Innenminister bie Demokratisierung her Verwaltung völlig preisgeqeben. Die Personalpoklkik bes Herrn Dominikus ist eine Gefahr In Preutzen. Webner macht bann hem Minister. Präsidenten ben Vorwurf, haß er sein Versprechen einer Umbildung her Regierung unter Zuziehung her Sozial- bonotratie nicht «inlöfen wolle. Auf unsere Frage, ob He deutsche Votltepartei sich offen unb ehrlich auf ben Boden der R-rmblik stellen wolle, Hai sie bie Antwort verweigert. Mit Monarchisten aber können wir nicht regieren. Sn her Forderung ber Aufhebung ber Sanktionen ist bas ganze brutsche Volk eitria. Der Klassen kampf schließt nicht aus, haß wir gelegentlich mit bürgerlichen Parteien zusammenregirren. Webner schließt seine breiftünbige Web« mit ben Worten: Wir sinh zum Frieden bereit, zum Kampfe entschlossen. (Beifall bei ben Soz. Zischen rechts.)

Die Abwehr bes Ministerpräsibenten.

Ministerpräsident Stegerwalb: Die preußische We- airrunq hat wiederholt mit ber Weldjsregierunq über bie Schritte zur Airfhebuny ber Sanktionen verhandelt. Von ber Reichsregit-rung ist alles getan worden, was ge. fchrhen konnte. Trotz ber Annahme bes Ultimatums unb ber Erfüllung ber Bedingungen hat bie Entente bie Sanktionen nicht aufgehoben. Es steht mit ben Sanktionen ebenso wie mit Obersch 1«1 ien: bie (Entente kann enter sich nicht einig werden. Wir sehen mit ber Weidtsregierunq in ben Sanktionen e i n schrei en b es Unrecht. (Beifall.) Wir ermatten» baf) Oberschiesten endlich ber Abstimmung entsprechende Gerechtigkeit wirb. (Es ist nicht richtig, baß bie Ar- beitslosenuntersttihung gekürzt werden soll. Der höhere (Befreibepreis, für ben Preußen im Reichsrat gestimmt Hai, war von ber Weidisreqierung mit ben Stim­men ber sozialbemokratischen Minisier beschlossen worben. (Hört! Hört! rechts-) Sie glauben gar nicht, wie froh ich wäre, wenn ich wieher an ber- selben Stelle wirken könnte, an ber ich 25 Jahre gewirkt habe. (Wufe bei ben Soz.: Tun Sie es bodjll Ich kann auch ohne SWnifterpoften für Deutschlands Wiederauf, bau wirken. Wenn Sie bas Kabinett Stegerwalb be. fertigen oder es umgestalten wollen, so stehe ich dem nicht im Wege. Ich lehne es aber ab. nachdem bie Par. teten feit Pfingsten nichts berort getan haben, einfach bie Brocken hinzuwerfen, als ob her preußische S'aoi ein Kinderspiel wäre. (Beifall rechts und in ber Mitte) Die Situation Hot sich auch baburch geänbert, baß bie Sozialdemokratie im Staatsrat unb unter ben preußi­schen Provinzialstimmen im Weichsrat sehr schwach ver. treten ist. So könnte bie Gefahr bestehen, baß sich bei einer schwachen Koalitionsregierung bie preußischen Stimmen gegenseitig aufheben. Wir können nur mit einer breiten Koalition regieren. Meinerfeiis kann Ick nicht die Initiativ» zur Regierungsumbildung ergreifen, aber sobald bie Parteien zu einer Einigung gekommen sind, werde Ich keinen Auoenbllck an diesem Posten kleben Auch ich bin ber Auffassung, baß noch ben oeränberten Verhältnissen im Weiche nur auf ber Grundlage einer breiten Koalition regiert werden kann. (Stürmischer Beifall rechts unb Im Zentrum, Zischen bei ben Soz.)

Freitag: Weiterberatung.

Berlin ohne Stadlverordnetenver' sammlnng.

Dem Stadive-rordnetenvorsteher Dr. Weys ist das Urteil des Obcrverwaltungegerichts irr der gegen die Gültigkeit der Berliner Siabtoerorbrtetenroahlen ge­richteten Anfichtmigsklage zugestrllt worden. Wie schon in den letzten Tagen bekannt geworden war, kommt die Enisckteidung zu einer Ungültigteitserflärung der Wahl und damit praktisch zu einer Auflösung

von ben Verlobungen erzählt?"Selbstverständlich. Wein, kleine Eitelkeit, bas hat Ihn nicht so angegriffen unb ihm nicht bas Herz gebrochen; er hat mich mit strahlender Freude beglückwünscht."

(Ebba zog Macletvn hastig ins Zimmer, damit Maja, die mit Alex auf bem Balkon saß, sie nicht hören könnte. Charles, rr liebt ja Karin, liebt sie seit zwei Jahren, unb beshalb, um seine (Bebanten van ihr abzuziehen, habe ich mich neulich immer zwischen ihn unb sie ge- stellt."Ah so! Dann sollte ihn Karins Verlobung jo hart getroffen haben? Aber, Kinhchen, bann wußte er hoch schon längst, haß hie stolze Schön« sich nlchls aus ihm macht."Jaa", gab sie jögernb zu,aber er bat wohl doch noch immer gehofft."Dann wirb er sich nun wohl endgültig zurechtf nben müssen. Armer Steril Anscheinend hat er sich bie Flügel start ver. brannt, unb im Anfang« wirb e» -chwer jein, besonders ha er ein sehr leideniwaftlichrr Mensch ist."

Ein Schrei, schrill unb qualvoll, wie ber eines Ster, benben, gellte in feine Worte hinein. Sarin, ber eben ein Bote einen Bries gebracht hatte, stanb vorgebeugt, mit weit geöffneten Augen, in benen bie Verzweiflung brannte, bas Gesicht verzerrt von Angst und Schreck. Tibor! Tibor! (Er ist tot, er hat sich erschossen!" Aller Augen wandten sich nach ihr, Schreck, Verwirrung auf allen Gesichtern.

Plötzlich wandte sich Karin ohne ein weiteres Wort mit fliegendem Schritt ber Tür zu.Karin!" rief bie Baronin mit vor Schreck unb Zorn fast erstickter Stimme.Karin!" rief auch (Ebba unb ftanb schon neben ihr, ben Arm um bie Eilenbe schlagenb.Was willst Du tun?"Zu ihm! Hart mich nicht aus, ich muß zu ihm!" Da ftanb bie Mutter mit zornslim. mernben Augen vor ber lür.Nicht einen Schritt roeiter! Du bist wahnsinnig! Besinne Dich! Du bist bie BrautIch bin niemanbens Braut. Laß mich! Keiner barf mich hallen; ich weiß, was ich tue, ich kann nicht anbers. Alles anbere ist ausgelöscht. Laß mich, ober ich springe durch das Fenster!"

Li« sah so verzweifelt entjchloffen aus, daß bi« Stute

bes Stadtparlaments. Die Drrlrner Stadt» oerordnelenverjammlung trat gestern zu einer außer­ordentlichen Sitzung zusammen, um di« amtliche Mit­teilung entgegen zu nehmen, daß die Bersamm» lung nicht mehr bestehe unb gültige BeschliW von ihr nicht mehr gefaßt werden Lnnen. Die Neu- wohl werde vor dem zweiten Sonntag tm Ohaber kaum möglich sein, da eine Wahlordnung vom Mi- nistvrium auegearbeitet werden müsse. Dis zum Er­laß dieser Verordnung besteht ein? Berliner Stadt- rnrordnteenverfammtung rridA. Bindende B schljiss« könnten nicht mehr gefaßt werden. Also habe es auch keinen Zweck, noch zu reden. Nach Schluß der Ansprache bes Stadtverordnetenvorstehers zogen bie Stadtverordneten der äußersten Linken unter 21 bfingen der Internationale aus Item Saal. ,

3m Leipziger U-BssLprszeh

wurde die Vernehmung ber Zeugen unb Sachverständige« fortgesetzt. Dom Landgerichlsüirettor Töpfer aus Watz und Admiral v. T r c t h a-Berlin wird nachbrücktich^ be­tont, daß Marineoffizieie, bie während einer Ksmpstpand- lung irgend etwas vornehmen, niemals t-ri Gedanke»: ge­habt Härten, sich gegen die Bestimmungen des Strafgesetzbuches zu vergehen und daß diese Per- son endeswegen auch nicht als Dorbrecher aus Grund 8ec|es Gesetzbuches zur Verantwortung gezogen werden nisten. Die Verantwortung tragt ber militärische Befehlshaber oder bet Romm-anbant. nicht afre r die Personen, die den Bvfchl auszusührm Höllen. Es werden am Freitag weitere englische Zeugen vernommen wc rden. Abreise des engl. Gencralslaaisanwolls aus Leiipzig.

Der englische Genetalstaatsonwalt Sir Ernest Pol- lock Hai seine Rückreise nach London bereits angetireten. Er hat ben gestrigen Derhandlngen in Leipzig nicht mehr beigewohnt. Bei seiner Ankunft in Leipzig hakte er geäußert, daß er dem Prozeß nur während ber 'ersten Tage beiwohnen werde, da er in London bie Ersetz igung wichtiger bienstlicher Aufgaben nicht länger hinau »schie­den könne. Die übrigen Mitglieder der englischen Del» gation sinh in Leipzig verblieben.

Hus dem besetzten Gebiet.

StrtungsDtrbot DieD üsseldorferZee >tung» wurde von oer ÄesatzungSbehorde auf acht Tag<: ver­boten.

150 Khcinschiff« deschlagnahrnt Auf (Srujib be» Friedcnrvertrnre» wurde znr Avlieserung an (sBelgien und Frankreich für da» Weid) 150 RheinschiffaK xskszeugr beschlagnahmt, in der Mehrzahl Fahrzeuge ßer DU eberett Mathin» Etinne», Hugo Stinne« unb der Anrpenet Bergbau, A. E>. Unter den befchlannahmten »Lch.ffen befinden sich auch bie Personendnmpier Porzißal und Lorelei, die schon feit längerer Zeit von den Fr« inzose« zu Kanonenbooten umgewanbe.t worden Hnd.

DeuLscher Reich.

* Berlin, 15. Juli. Der preußische Entwurf «ine» Hebammengejetzes ist, nachdem itnt daS StaatSminilierium zugestimmt hat, dem Staatsrat zugegangen.

Ämland.

Fach auf der AbrLslungskonftrenz. 1Sie dl« Blätter n.«.ben, soll Mmistsrpräsiüent Brianb auf feiner Reis« zur Washingtoner Abrüstungskonferenz von ÜJlarfdjaii Fach begleitet werden.

Reue ZUjdr. menstöße in Jtalien. In "Turin kam es zu levhaslen Zusammen st äßen (wischen Kommunisten unb Fasristen, wobei es S T ote und zahlreiche Verwundete gab. Auch in Trevi fo kam es zu Zusammenstößen zwischen Fascisten uni? SRtpu« blifanern. Hierbei wurden 3 Republikaner gti ölet und 5 verwundet.

Der Krieg in Kleinasien. Von griechisch er Seite, wird die Nachricht über den Beginn einer griiachischen Ofjensicu in Kleinasien ais unzutresfe vd be­zeichnet.

ter «ntsetzi zurückwich unb fassungslos, mit eimm hyste­rischen Aufschluchzen, in einen Stuhl zurücksay. k.Sie Ist wahnsinnig geworden, wahnsinnig!" Charles, schnell, sie ist schon fort. Wir müssen ihr n»7h. Ma. machen, ja, es ist schrecklich, aber Karin ist eben anders, als wir alle henken. Ich wußte es längst, si« hat ihn immer geliebt. Ach Gott, Baron, ich weiß iRcht, wie bas werben soll; aber es ist besser so, glaut en Sie.- Ebba rang verzweifelt bie Hänhe.Aber vorläufig müssen mir fort, Charly!"

Sie stürmten beide aus bem Zimmer. S« (her Bal. fontüre stand blaß unb erschrckt Maja. Sie hotte alles gehört, aber fand sich in nichts zurecht. Giiic Braut, bie ohne Wort und Blick für ben eben gesponnenen Verlobten in höchster, besinnungsloser Verzwx i,fiüng an bas Sterbebett eines anderen Mannes stürzt daraus sprach doch nicht Liebe für ben Bräutigam, das war ja--Maja wagte ihre Gedanken nicht a«-tzuhenken,

bie ihr bas Blut rajenb durch bie Abern trieben.--

Frei! Das Wort ftanb in leuchtenben ß rttern vor ihm, er konnte nichts anderes henken. Sens- Wangen färbten sich herunter, feine Augen strahlten o tf frei! Unb sie liebte ben anbern nicht, sie gehörte n».ht zu bem anbern. An besten Sterbelager ftanb Karin, seine ge­wesene Braut. Gott sei Dank, seine gerne, ene. Ihm tarn kein Bebauern für bas, was ihn frei mo,chte, kaum ein Verwundern unb Erschrecken. Das war < lies unter, gegangen vor bem, was er in Majas Augsn las. Er hatte auch bie fchluchzenbe Muller cänjlitl i vergessen unb fuhr erschreckt herum, als sie jetzt verzns .ifelt neber ihm aufjammerte:

Der Skandal! Das überlebe ich nicht! Unb gerabe Karin, meine stolze Tochter! Sie kann nu, ben Ver­stand verloren haben! Baron, baß Ihne» bas von meiner Tochter geschehen mußte!" Da kam es wieher in fein Bewußlsein, baß sich eben etwas Ungeheuer, liches zugetragen hatte, etwas, unter bem Hoffnungen zerbrachen unb ein Menschenleben in sei» qi tiefsten Gründen erschüttert wurde.

«Schluß folgte}