FuldaerZeiturrg
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Aulda.
Nr. 159.
Leramworiiich tut ötu ctouuioneUen leil: Dr. Kramer, - Nir bk Anzeigen: I. jeii«r-guioa. s SRotattonebrud u. Btrlag der Aulda« Hdienbraderti in Fulda, fontitnert!« Rr. y, Teleqr.-Abrefi«: Fuldaer Aettu nq
Donnerstag, 14» Zutt 1921.
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48. Zahrg.
Vie Beschimpfung der deutschen Richter.
Relchrmlnlster Schisser gegen Prlond.
Reichsjuftizmmßter S ch i s f e r hat vor einem ge.'abe» «en Kreis von Preflevertrelern aus di« Vorwürfe de, Ministerpräsidenten Brianb gegen ' den Leipziger Gerichtshof u. a. erklärt: Lus die »tfeiöifiung, die Herr Brxmb her deutschen Rechlspflege zugefügt ho«, kann ich als Chef btr Reichsjnstizverwaltung nicht schweigen: und «ch darf um so eher reden, eie mir ein Einfluß auf di« Lusübung de, Richleromt, nicht zufteht. Ich otfo nicht «kvo für mich seibfk spreche, wenn ich für die Tröger biefe» Vmte» eintrete. Nach Zeitungsnachrichten Hot Herr Briand di« Leipziger Prozess« al, einen Skandal, *• thre Parodie der Gerechtigkeit, al» ein Theaterstück, «in« Komödie bezeichnet. Wenn diese Nachrichten zu- treffen, so stehe ich nicht an, chm zu sagen, daß er in »icht zu verantwortender Weise mit der Ehr« seiner Mitmenschen umgegangen ist. Herr Briand mag enttäuscht gewesen sein, daß bk Hauptverhandtung vor dem Reichsgericht nicht überall da, Crgebm, der Ermittelungen bestätigt hat, die zur Erhebung der Dez'chtigung »«Dhrk hatten. Inder weih scher Jurist, wie oft di«, btr Fall ist: und auch bet Nichtfurist wich begreife«, daß t, hier um so leichter der Fall sein kann, al, e» sich um Vorgänge handelt, die viel« Jahre zurücklkgen «mb sich unter Umständen abgespielt haben, wie sie einer ebirftroen Wahrnehmung und Wiedergabe sicherlich n chl günstig waren. Darüber aber, daß da, Verfahren selbst «rünbkich und gewisienhast. unter genauester Beobachtung streng« Unparteilichkeit gehandhabt worden ist. liegen germgend zahlreiche und gewichtige Aeuherungen unvor- «tnyenommener, auch nichtdeulscher Teilnehmer vor, um jede Bemängelung von vornherein al, aussichtslo» er« scheinen zu lasien. Herr Brianb mag die gefällten Urteil« al, irrig angreisen. Da, bleibt ihm unbenommen, da all« Menschen irren können: wenngleich man von ihm verlangen und erwarten kann, daß er im einzelnen angibt, in weichen Punkten die getroffenen Ent- fch-Dungen irrig sein sollen. Wenn sie sich im Widerspruch z» der öffentlichen Meinung Frankreich, befinden, so möge Herr Briand sich erinnern, wie oft diefe öffentliche Meinung seine, Landes sich im Widerspruch zu her eigenen IustIz befunden bat — in Prozessen, die gerade um deswillen «in« gewiße geschichtliche Berühmtheit erlangt haben. Nur in «inet Dez-ehung mag man mit Herrn Briand bi« Leipziger Prozeße al, ein Theaterstück, ein Drama, freilich nicht ein« Komödie, sondern eine Tragödie bezeichnen dürfen: nämlich insofern, al, Deutschland allein feint Kriegsverbrecher zur Verantwortung zieht «mb sich nicht einmal auf die in der Liste aufgeführten Personen beschränkt, sondern, seinen Gesehen gehorsam, selten begründeten verdacht von sich au, verfolgt. Dem kann Herr Briand abhelien. wenn er diejenigen seiner Landrleute unter Anklage stellt, di« ihm al» eine, Krieg »verbrechen, verdächtig bezeichnet werben. Tut er «, nicht, so möge er wenigsten» darauf verzichten, durch seine veußerungen den Bälkerhaß noch zu vermehren, der durch bie prozessuale Aukwühluna einer traurigen «nb schrecken,vollen Vergangenheit ohnedie» stet» auf, wäre geschürt wird.
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Der framösische Ministerpräsident Briand hat *t dem Pariser Senat sich die gröbsten Schmähungen he, deutschen Reichsgerichts gestattet und sogar die Verhandlungen in Leipzig al, Komödie bezeichnet.
Solche Cchimpswcrte sind fonft hn amtlichen Verkehr nicht üblich. Auch wenn di« französisch« Re- jflienmg sich al, Sieger fühlt, müßte ihre Regierung te doch unter ihrer Würde halten, bas besteche Bolt in der Tonart anzuhauchrn, die bei den Fischständen ßn den Markthallen manchmal üblich ist.
Der Reichrjustizminister Schisser hat vor einer Versammlung von Abgeordneten und Preffevertretnrn stus die Beleidigungen ein« Antwort gegeben, die bei stllcr gebührenden Entrüstung und b'rechlichen Schärf,: Doch die Würde wahrt und grade deshalb wirkungsvoll sein wird Das Sprichwort sach, auf einen groben Klotz gehöre ein grober Steil; unter Umständen ist aber ein fein geschlissener, scharf gespitzter Keil
vorzuziehen. Wer schimpft, hat gewöhnlich Unrecht; wer einen Schimpf mit überlegemr Sicherheit zurück- weist, ohne sich zu einer Geschmacklosigkeit hinreißen zu lassen, macht bei allen anständigen Zuhörem den besseren Eindruck.
Ob dieser Einspruch auf die verhetzten Kreise des französischen Balte, aufklärend wirken werd«, müssen wir freilich dahingestellt sein lasten. Ader wir wollen hosten, daß wenigsten, ein Teil der Franzosen doch erkennen wird, wie sehr Harr Brianb sich durch bw bewttelofen Schmähungen 4-gen tie deutschen Richter in, Unn-cht gefetzt hat. Die Hauptsache ist, daß in England, Italien und Nordamerika sowie in den neutralen Staaten die öffentliche Meinung zu einem richtigen Urteil in dieser Streitfrage veranlaßt wird.
Herr Briand hat die französischen Beobadjter und Zeugen brüsk abberufen, well ihm oder Hünen nationalistischen Hintermännern der Ausgang einiger Pro- zeffe nicht gefiel. Als Jurist hätte er sich sagen müssen, daß man gegen einen Rikylerspruch wirksam mir an» kämpfen kann, wenn man überzeugende Beweise für die Unrichtigkeit des Spruches vorführt. Sn dem wichtigsten Prozeß gegen den General Sten- g e r wegen des angeblichen Mordbefehls hätte Briand einen durchschlagenden Erfolg erzielen können, wenn er den fraglichen Brigadebefehl, der feiner Zett in allen Zsiturqen veröffentlicht war, endlich in echter Urschrift zum Vorschein gebracht hätte. Ader er besitzt offenbar die Urkunde nicht. Daraus muß jeder Unbefangene folgern, daß die Hetzblätter damals eine Fälschung ausgebeutet haben und daß dar Reichsgericht mit Recht aus den Zeugenaussagen schiießen mußte, der Brigadcbefehi sei nicht «rgangeu, also der angeschuldigte General freizusprechen und nur der Offizier Crusius zu D.turteilen wegen fahrlässiger Handlung auf bloße, Gerede von einem solchen Befehl hin. Die gröbsten Strastworte Briandr können nicht, ändern an der Unzulänglich, feit d«» französischen D lastungsmaterials und an der offenbaren Tatsache, daß der angeblich« Brigadebisehl zu Hetzzwecken erdichtet worden ist.
So erklärt t» sich auch, daß die Engländer, die sonst den Franzosen gern einen Gefallen tunz sich dem Abmarsch au, Leipzig nicht angeschlosfen haben, iondern ar. dem noch schw'benden Prozeß wegen D r- fer.kung eines ihrer Hospitalschiffe In der vereinbarten Weis» teilmhmen. Herr Briand hat also mit (eiltet Demonstration t ein et». Erfolg gehn (ift, und er wird noch unserer Wahrscheinlichkeitsrechnung auch mit seinen Schimpfwörtern den Erfolg nicht wie- der einhol-n können.
Allzu scharf macht schartig.
Deutschland ist ohnmächtig und hat manche empfindliche Stelle. Aber unter allen Punkten, die schwer anzugreifen sind, steht die deutsch« Rechtspflege obenan. Wer unser Reichsgericht in den Staub zielen will, der muß schon etwa, besseres vorbringen, al, grobe Redensarten, sonst schädigt er nur seine eigene Ehre.
Bor allem stt es unsinnig, die deutsche Regierung oder da, deutsch: Volk selbst oerantwortstch zu mad)en für di« Urteile der unabhängigen Richter, die nur nach ihrem Gewissen handeln und vor keinem anderen verantwortlich sind, als vor dem höchsten Richter auf d m himmlischen Thron. Sollte man in Frankreich an die Möglichkeit einer „Komödie" im Richtersaal glauben, so steht man dort auf einer niedrigeren Kulturstufe
So wird schließlich bei dieser häßlichen Sach« nicht, weiter herauskommen, als daß alle Urteils- öhigen Leute in der West erkennen, wie ungerecht, rietensfeinblid) und ruhestörerH Frankreich in einer gegenwärtigen Verfassung ist und bleibt, ob* chvn doch Dcutschlaich in der Erfullurq bes Ultimatums anerkanntermaßen das bestmögliche tut.
Der Ring der Nuramsja.
Roman von Käte van Beeker.
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„Das all«, motten wir aber doch nicht hier tm Km- derzimmer abmachen,' trat Frau von Lsbanoff dazwischen. 6« hatte Zeit gehabt, sich die verhältniste zurecht- zulegen, und nahm ihre Entwicklung nun in die Hand. Die beiden Schwiegersöhne hatte sie fest; für Charte, lag überhaupt keine Gefahr vor, aber bet Sestnburg steckte •Derlei Heimliche, dahinter, und man mußte geschickt handeln, um nicht unliebsame Möglichkeiten heraufzu- bcfchwören. Man mußte überhaupt sehr vorsichtig und sehr geschickt vorgehen, denn angenehm war e» gerade Nicht, fein schon halb entlaßene, Rinberfräulein plötzlich cl, gleichberechtigte verwandte aufzunehmen; aber e» blieb wohl kaum etwa, andere» übrig.
»Fräulein von Münchenhausen ist von diesem Augen' blick an unser lieber Gast. —" „Den ich Ihnen aber so schnell wie möglich wieder entführen werde, liebe Mama," lacht, Macleton. „Denn Großvater wird nicht «her Ruhe geben, al, bi, er seine Maja bei sich hat. Er liebt Eie um Ihrer Dormütter willen, Fräulein Maja; und außerdem verwaltet er noch ein kleine, Kapital öftrer Urgroßmutter, da, mittlerweile hübsch angewach- sen ist, und da« er durchau, in die Hände der Erbin tegen will."
Heber Maja rauschte « wie ein Traum hin. Ku, vollkommener Verlassenheit und Armut, ohne Angrhö. «ige und Hilfe, plötzlich im Besitz von liebevollen Der- wanbten und von Vermögen, gesucht, umsorgt und in bie richtigen Verhältnisse gehoben, wie im Märchen van der Goldmarie, auf die alle Schätze der Welt funkelnd herniedersanken. Und dabei doch kein Gefühl de, (BIü- tfe, in ihr, sondern immer der Druck auf der Seele, die heiße Sehnsucht nach dem Einen, dem Unerreichbaren, hem Einzigen, wa« ihr nie Glück erschien, was sie in kurzen, seligen Minuten als G'ück erkennen gelernt hatte.
Da saß der geliebte Man» ihr gegenüber an der Seite be, schönen, hochmütigen Mädchen,, da, trotz aller ge. wandten Form, mit der e« sich in die veränderten Brr- Hältnisse fand, ihr ebenso sremd und heimlich feindlich gegenüberftanb wie bisher, de, Mädchens, da, feine
Hand auf ihn gelegt hott« und dem er gehörte. Ob sie auch jene unbeschreibliche Seligkeit empfand, wenn sie an seinem Herzen ruhte?
Wie gut, daß ihr Vater, der stet, eine starke Abnei. gung gegen da, Teusetrwerk, rote er es nannte, gehabt batte, nicht duldete, daß sie den Ring trug, nun konnte fit ihn in Han, Heinrich» Hand legen, damit der Fluch, von dem auch er gesprochen hatte, gebrochen und für ihn zum 6egen würde. Blutsverwandte waren sie, wenn auch au» weiter, sagenhafter Ferne her; der einzige Mensch war er. der zu ihr gehörte durch alte geheim, nlroolle Bande, vielleicht war e» nur dar, was sie so rounberbar zu ihm zog, die geheime Straft alter Zusam. mengchörigkeit. — „Ich werde den Ring hrrvorsuchm und Ihnen geben," sagt, fit au» diesem Gedanken her. au, zu Han» Heinrich herüber. E» stt die Dcst mmung der Ringe, daß sie wieder zusammenkommen, damit ihr Fluch sich zum Segen wandle, so hat eine Zigeunerin meiner Großmutter «inst gesagt, und ich denke, so wird e, auch fein. Sie sollen ihn haben, denn in Ihre Familie gehört er". — „Nein, mehr in Ihre, denn durch Ihre Vorfahrin kam der meine erst in den Besitz meiner Fa. milie. "
«Na, lieber Sesenburg, wenn Sie diesen Segen, dessen Bedeutung nach meiner Ansicht viel tiefer liegt, — aber da» ist ja unmöglich." — Han, Heinrich und Maja erbleichten, und in Karins Gesicht stieg eine chnelte, zornige Röte — «und ist ja auch alle, nur Schnurrpfeiferei und Aberglauben", lenkte der Sprecher verlegen schnell ein. „Also, wenn Sie btn Ring haben wollen, vielleicht für Ihre künftige Frau als Der. lobungering, damit die Sache in» richtige G-lcise komr.tt, bann greifen Cie nur ordentlich in Ihre Tasche, denn mein Großvater hat immer gesagt, daß er ein ast unbezahlbare, Kleinod sei "
„Aber nein, oder ja, unbezahlbar, lieber Detter." Maja fiel mit sehr heißen Wangen ein. „Dieser Ring darf nur ein freie» Geschenk fein. Da» ist seine De- timmung, und so faße ich sie auf. Ich würde Laron Sefenburq al» einigen Blutsverwandten meiner Dor- ahrin bitten, ihn ol» solchen von mir anzimehmen." »All« Achtung, Bärchen, Sie schenken sürstlich." — „Na. türiich würde ich solch«, Geschenk auch nicht anneb» j
Der Leipziger U-Vsotprozeh.
Die Vernehmung der drulschen Zeugen.
Die Lerhanlung bringt die Vernehmung der deutschen Zeug«,. Maschinenschlosier Popitz, der Steuermann de, U-B c 0 t e » 86, sagte: Wir sahen deutlich, daß wir ein Hospital schiss vor uns hatten. Oberleutnant Dithmar und ich selbst haben dem Kommandanten de, Bootes mit Nücksi t auf Die völkerrechtlichen Bestimmungen abgero'en, da» Schff zu torpedieren und dieser zögerte auch sehr lange, entschloß sich jedoch im letzten Augenblick doch noch dazu, da er der Ueberzeugung war, daß da» Schiss für militärische Zwecke mißbraucht wurde, und daß sich Truppen und Munition an Bord de» Schiffes befanden. Selbst di« Sch'ßbrüchigen zu retten, bot sich uns keine Gelegenheit. Der Kapitän be, versteckten Schißes, den wir mit uns an Bord genommen hatten, beteuerte hoch nub heilig, daß fein Schiff nur den dafür bestimmten Zwecken gebient habe, und es war auch fein Beweis dafür mehr zu erbringen, daß das Schiß mißbraucht worden fei. Als unser Kommandant die, erfuhr, tief er die Mannschaften alle zusammen und hielt eine Ansprache, in we'.d)tr er unter anderem folgende, sagte: „Sie missen, was passiert ist. ich bitte Sie, z u s ch w eigen, die Verantwortung dafür nehme ich auf mein Gewißen." Kurz« Zeit darauf, als ich bereits wieder unter Deck gegengon war, fielen von unserem Boote aus einige Schüsse.
Die Aussagen der übrigen Offiziere und Mannschaften des Unterseebootes bewegen sich in ähnlichen Bahnen. U. a. sagte Oberleutnant zur 6« Knoche aus: Das Schießen hörte ich unten in der Zentral«. Vermutlich rnurd« auf Rettungsboote geschoßen. Am anderen Morgen war die Stimmung sehr gedrückt. Ich sagte zu Patzig: „Do, hätte ich nie getan." Gemeint hab« ich die Versenkung des Hosp'taßchißcs, woraus er erwiderte: „Zum zweitenmal würde ich es auch nicht machen." Wegen der Deichießung der Rettungsboote hob« ich nicht gefragt. Ich wollte nichts wissen. da ich annahm, daß die Sache nicht ganz sauber fei.
Die weitere Beweisaufnahme wendet sich der Frage zu, wieweit engffch- Hofpitalfchiß« zu Munitionstransporten benutzt worden sind. e
Der Sachverständige, Korveftenkavitän Saalwächter, erklärt: Nach dem. was hier ausgefaat worden ist, muß ich annehmen, daß das f):er in Frage kommende Lo- zorettschiß weder Munition noch Flieger an Bord refjabt hat. Die Verantwortung für bie Torpedierung trifft den Kommandanten. Ich muß ober weiter bemerken, baß nach der Rückkehr eines jeden U-Bootes genau geprüft wurde, ob cs genau die völkerrechttichen Vorschriften eingeha'ten hafte. Kommandant Patzig wußte, daß er nicht den Beweis liefern konnte, daß das Lazarettschiff nicht torpebiert worden war, und daß er streng verurteilt werden würde. Um der deutschen Regierung keine Nachteile zu bereiten, bat er jedenfalls dm Mannschaften verboten, über die Torvedienmg zu sprechen.
Die Verhandlungen werben am Donnerstag fortgesetzt.
Die deutschen
Zahlungsverpflichtungen.
DK Slrutrpfäne der Regierung.
Sn einer Unterredung mit einem Mitarbeiter dns „Bert. Tagcbl." erklärte ReichLwirlschaftsminister Schmidt, daß die Druischland aus dem Enlend.-ulti- matum ermachsenten Verpflichtungen schätzungsweise jährlich 334 bis 4 Milliarden Ma r k betragen. Deswegen sei es dringend notwendig, daß feder Stand aus foldjen Ziffern die Nutzanwendung für sich und die Folgerungen zieht.
Hinsichtlich der Sdnierpläne der Reichsregierung sagte der Minister: Wie sich auch das Steuerprogramm gestalten möge, an einer abermaligen steuerlich e n Erfassung des Besitzes werde man nicht vorüdergchen können. InsKefondere würden diejenigen Sachwerte herangezogen werden müssen, welch« in ihrer SBertgrunblage durch die Geldentwer- tung weniger berührt worden feien. Bei den in- direkten Steuern müsse man sich davor hüten, daß sich die Abgaben in ihrer Wirkung zu sehr über« schneiden. Es dürfte z. B. nicht zu einer allgemeinen
men', fiel Sefenburg mit gleichfalls heißen Wangen ein. — „Und Ich würbe ihn nicht tragen “ Karins Stimme klang kühl und herb dazwischen. „Ich würde mir mit ihm vorkommen wie an eine Kette lebenslänglichen Unglück» geschmiedet. Der Ring hat mich schon beim erstenmal, al» ich ihn sah, entsetzt."
Sie lächelte ihn mit ihrem bezauberndsten Blick an und legte die weißen Finger zärtlich spielend um seine Hand. Aber er war ganz stumpf und unempfindlich für ihren Reiz. Ihm kamen die weißen Finger tt.it lauter weiße Schlangen vor, die sich um ihn wandten, und ihre Augen waren auch wie die der Schlange. Das hat re er schon oft empfunden, und in tiefem Augenblick überkam ihn do» Gefühl so stick, daß er seine Hand hastig au» ihren spielenden Fingern zoz und herb sagte: „Doch nicht ganz. Es gibt Dinge, di« man nicht mit dem Verstände begreift aber mit dem Gemüt fühlt: und zu diesen Dingen gehört die alte Sage meiner Familie, die sich an bieten Ring knüpft. Ich werde ihn tragen, wie mein Schicksal es will, bis zu meinem Lebensende, wie sein Fluch oder Segen e» verlangt."
Es tarn ein Mitzton in die Stimmung, sie fühlten es alle, und Macleton, der sich fchuldig fühlte, durch seine vorhergehende unvorsichtige Steigerung den Grundton zu ihr gelegt zu haben, suchte angstvoll nach einer Ab. lenkung von dem gefährlichen Thema. „Ja, fast könnte man sich zu solchen Anschauungen bekehren. Schfießlich gehört die Auffindung Fräuleins Majas doch auch zu den wunderlichen Dingen, die wir Zufall nennen, und die wohl nur eine durch hundert geheime Fäden fang- fam zuscimmengewebte Notwendigkeit und Bestimmung inb. Wäre mir damals nicht das Bild in die Hände refommen, hätte mein Großvater wohl nie wieder an eine verschollene kleine Nichte gedacht."
„Und gerade von dem Bilde haben wir uns fo chwer getrennt", fiel Majo lebhaft ein, auch in b:m Bestreben, von dem Ringthema abzulenken, und ihr, wie sie jetzt fand, taktlose» Anerbieten, den Ring an Han» Heinrich zu schenken, vergeßen zu machen. „Aber unsere Mittel waren fast ausgebraucht durch Vater» lange Krankheit, die Sorgen schlugen uns beinahe über dem Kops zusammen, und da kam gerade «tn einstiger
I Erhöhung Iter Umsatzsteuer von l1/, auf 5 Prozent kommen, da viel« Lbensnotroenbip* Waren aus ihrem Wege bis zum letzten Berbrauchcr einen drei- oder oirrfachen hlmfatz durchmachcn müßten und die eintretende oder LOprozentige Besteuerung nicht vertragen würden.
Deutschland und
die Wiederherstellung,
Totlfln|l ßer Abschluß der pariser Besprechungen.
Dir dckulsch-französifchen Besprechungen über die Sachlieserumgen wurden vorläufig zu Ende geführt. Eine Anz, thi von E i n z e l f r a g e n bleibt noch zu klären. < Sie sollen durch Staalsseknttär ö rgmann und Res Hskommißar Guggenhcimer, welch« nach Berlin n isen, mit der deu.schen Regierung geregelt werden. Man hofft, daß in kurzer Zeit ein Abkom, men zust, »nie kommt.
Die drulschen Kohlenlieserur.gen.
Die IRcparationsfommiHion .genehmigt« das mit Deutschland vereinbarte Programm für dre Lieferungen deutscher Kohlen im August d. I. Die Lieferut» gen belttrufen sich wiederum aus 2 200 000 Tonnen.
(Ein deutsch ilalienifchcs Abkommen.
Di« Reparationrkommission genehmigte das deutsch-itkilienische Abkomn-en, d'.mzusolge für gewßf« Gegenständ« statt der Restitution nur einfacher Ersatz geleistet .werden soll.
Die Garaniiekommlssion.
Die Garantikkommission hat der R paraiions- fommiftLtm Bericht über ihre Verhandlungen mi/ Deutsch! uid «stattet.
Die dculsch-dänischen Verhandlungen.
3m Verlauf» der deutsch-dänischen Abhandlungen ist über eine größere Anzahl van Punkten eine E i n i- gung erzielt worden, namentlich über das Option», recht, d le Erleichterungen der Paßrorschristen und di» Wasser» und Deichverhältnisse an irr Grenze. Ein« eingesetzte Kommission soll die Vermögensa.usc-ird- anderse tzung öfientlich-rechlliäTcr Dorbänd« rervlrt. Feriter wurde ein Abkommen über die Sicherstellung de» Grenzzuges und andener Abkommen geschloffen
Übzllg Korfan y§ aus Gberschlesten?
(Ebner Meldung aus Beuthen zufolge sollen di» Engländer in den Kreisen K a t t 0 w i tz und Beuthen bereits mit einer energischen Räumungsaktion dcs flachen-Landes begonnen haben. Auf den Strafe» tn und in den Wäldern herfche ein reger en gl ischer Patrouillenverkehr van Radse. hteriruppen und von mit Maschinengew.t»ren bestückten Pairzerautos. Bei Katowitz seien vier Mann einer polnischen Bande von den Engländern standrechtlich erfchopen worden.
Dns Hauptquartier Korfantys In Cchop pinitz soll unter englischer Roirirolle aufgelöst werde n. Korfanty befind: sich rrich! mehr auf ober- schlesischem Boden. Sein State siedle nach Sosnowice über.
rNasienauewcisung aus Vberschkfleu.
6?s Polizeibeamte in Kattowitz erhielten Aus- weisu ngsbefehle der interalliierten Kommission. Ein erheblicher Seif von ihnen sind geborene Oteerschlester
preußischer Landtag.
Scklepvcndcr Getck äftseona.
E<r preußische Landtag will am Freitag tn bie Serien gehen — wenigstens hat der Sldreftenaus. schuß diese Absicht ausgesprochen und sicherlich bei der groß kn Menge der Volksvertreter damit freundlichen
Schü ter von Vater — Sie kennen ihn auch, wenigstens! als i ch ihn neulich ganz zufällig hier traf und ihm erzählt t, wo ich einen Platz gefunden, sagte er, daß er die Tarnen kenne — Tibor Revosceny —“
„ Ah!" stieß Ebba überrascht hervor und sah unwill. ksirfi ch nach Karin hinüber, bereit Gesicht sich unter Hann Heinrichs Antwort in heimlichem Zorn lebhafter gefäubt hatte und nun wieder um einen Schatten blässer wurde, während ihre Hand, die er in schnell auf. roall‘tnber Reue eben wilder zu fassen suchte, erschreckt zursiickzuckte.
• Er merkte es nicht, denn er selbst war bei her Nett nung von Tibor« Namen zufammengefahren, und all» sein e Gedanken wandten sich wieder von seiner Bram ab, der anderen zu Also zu dem schönen jungen Maler gehörte sie' Ter hatte zwischen ihm und ihr gestanden, zu idem war sie geflüchtet vor ihm, und Zu dem würde sie sich jetzt, wo die Derhältniße sich so geändert hatten off en bekennen.
Out, gut fo! Er hatte e« ja gewußt, daß sie einem anheren gehöre, und darum band er sich auch an ein« an teere. Es war alles richtig fo. Und nun griff er normal» nach der zurückgezogenen Hand Karin», und die »mal kam sie ihm entgegen und schmiegte sich in bie feine. Beide klammerten sie sich aneinander, zum 6d)uty gegen ihre unruhigen, quälenden Gedanken und Qefüfjtc. „Ah!" hatte auch Frau von Cebanotf gesagt UteJ» gelächelt. „Da» war bann wohl der junge Mann, mit dem man Sie neulich gegen Abend Arm In Ar« gehren Hot?"
Maja errötete heftig. Der Ton, tn dem die Baronin frrtgte, erschreckte sie. „Ja", fagte sie befangen. „Er Hatz mich schein al« Kind gekannt, und es war mir ein fef tf)cr Trost, Ihm hier zu begegnen, und als er mir feinen Arm bick, schien mir bcs natürlich. Ich dacht« niiht, daß es vielleicht unpasiend sein könnte." — „Be. wnhre, rmpasst.ndi'" siel Macleton beruhigend rin. „Ich bl;» gestern auch mit Ebba A--m in Arm nach Haus« geglommen.' — „Ja, Sieber Charter, das war doch wrchl etwas anderer, oder auch nicht", iächeße Frau do n ßebanoff belustigt und sehr gütig. „A-- as geh! w t» ja nicht» an."
(Fortsetzung folgt.)