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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.

Nr. 158

LeramworUtch iür öen ceoauioneflen Teil: Dr. Kramer, - füt dit ünjetgen: 3. tSarielier-gulöa. s SRoiatlonsbrud u. Verlag der Kulüaer xldlenbraderei in gulbo. "ernlprecher Nr..U. Telegr.-Abreff«: Ku lbaer Zeitung

Mittwoch, 13. Zull 1921.

Bezugspreis: Monaiilck 3,5 J Ml. ohne Bestellgeld. Post' n bezug 4,10 M. Abgeholt 3,75 Mi. -

Anzeigen: Co'onelzeile7i1 pig.; für mehrsoaltlge Anzeigen Zuschläge. Reklamezelle (iepotthei 2.53 Nit.

48. Zahrg.

BBKaKnaaHBHi'

Die Feinde der konsessionellen Schule.

Ein Vorstoß im preußlschen Landtag.

Dir Demokraten, die zähesten Feinde der De- kenmnisschule, wie sie das treu katholische Volk in allen seinen Schichten mit Ueberzeugung und Begeisterung verlangt, haben gestern im preußischen Landtag eine Debatte über die Schulfragen heraufbe» schworen. Ob es aus vaterländischen Gründen zweck- tzrmlich ist, jetzt diefe Kuliurdebatte zu entfefieln, während zahlreiche andere schwere politische Prob­leme am Horizonte hängen, ja, wo von so z i a list i - jchen Machenschaften zum Sturz der preußischen Regierung gesprochen wird und von neuem der Gedanke einer Reichstagsaus­lösung eingehend erörtert wird? Das will wohl manchem nicht recht wohlgetan scheinen. Immerhin hat die Verhandlung für uns das Gute, daß sie uns zeigt, wie die Segnet hnhm und wie ihr Aufmarsch von statten gehen soll. Daß sie i n d e m k a t h o l i- f d) e n Bolte, in den katholischen Eltern, den kath. Lehrern, einen hartnäckigen, mit Einsatz aller Kräfle für das katholisch« Schulideal der Bekenntnisschule kämpfende Gegner finden werden, darüber werdm sich Liberalismus und Sozialismus doch hoffeMlich im Varen fein.

Sitzungsbericht.

Bo» den Vorlagen, die am D i e n s t a g auf der Ta­gesordnung des Hauses stehen, das dem Beispiel des Reichstages bald folgen und in die Ferien gehen wird, ruft erst der Gesetzentwurf »betreffend die Bereitstel­lung von Staatsmitteln zur Forderung der An­siedlung" einiges Interesse hervor. Der frühere Ministerpräsident Brann erklärt als Sprecher der So­zialdemokraten. daß unter seinem Regime die Siedlung guie Fortschritte gemacht habe. Der deutschnationale Abg. Weißermel empfiehlt Ausschußberatung und je ein Kom­munist und ein Unabhängiger schimpfen wie üblich auf den Kapitalismus, bis die Vorlage an den Siedlungs. ausschuh geht.

Danach geht es wieder an kleine Vorlagen, die im Handumdrehen erledigt werden.

Die große demokratische Anfrage über den

Entwurf des Reichsschulgesetzes nur Ausführung des Artikels der Reichsverfasiung über Bekenntnis- und Weltanschauungsschule erfährt eine län. flere Begründung durch den Abg. Hoff von den Demo, traten. Der 3tebner fordert Zurückziehung des Reichsfchulgesetzentwürfs und feine Ersetzung Durch einen anderen, der die Einheitlichkeit der deutschen und preußischen Volksschule wahrt, und verweist auf die einmütige Ablehnung durch die weitesten Kreise der Be- vAkenmg (?). Redner betont vor allem, daß dem Staate das Schulaufsichtsrecht nicht geschmälert werden dürfe und gibt dem Proteste Ausdruck, den ine gesamte Lehrerschaft gegen den Entwurf erhoben hat. Die G e m e i n s ch a s ts- schule sei der normale Zustand, wenn eine Zersplitte- ipmg unseres Schulwesens vermieden werden solle.

Das letzte Ziel.

Abg. Holtz (Unobh.) begründet den Antrag seiner Partei «uf völlige Entfernung des Religlons- «ntercichts aus der Schule, der mit der Inter­pellation Hoff verbunden wird. Die Crrnngenschaf- tenderRevolution sollten allmählich aus der Volks­schule wieder beseitigt werden. Dem könne nur durch völ­lige Befreiung von dem Gift der religiö­sen Beeinflussung entgegengetreten werden. Daher fort mit den Sonderschulen. Sonst käme ein Wirrwarr auf dem Schulgebiet zustande und unser blühendes Volks- fchulwefen müsse zugrunde gehen. Wenn es gelinge, bk katholischen und evangelischen Schulen zu- fammenzulegen, könne soviel Geld gespart werden, daß unsere Volksschule noch vfei mehr leisten könne. Das Reichsschulgesetz geht aber nicht diesem Gedanken nach, sondern sei nur bemüht, die Bekenntnisschule noch fester zu verankern unb bas Verhältnis zur Kirche zu sichern. Das Proletariat solle künstlich niedergehallen werben, bannt sich der Kapitalismus ungchinbert auf Kosten bes Prole­

tariats entwickeln könne. Der Reltzponsunterricht in seiner jetzigen Form will die Kinder oom selbständigen Denken entwöhnen. sWiderspruch unb Entrüstung im Zentrum unb rechts.) Das sozialistische Proletariat wirb im Kampfe gegen diesen Religionsunterricht sein« Schuldigkeit tun.

Kultusminister Dr. Becker: Ich habe hier nur die grße Anfrage zu beantworten, nicht etwa ben Reichsschulgesetz­entwurf zu begründen. Dieser Entwurf ist ein Kompromiß. Mein hochverehrter Amtsoorgänger Hae- n i s ch hat besonders nachdrücklich auf einen Ausgleich hin- gewirkt. Wir rcgien ein Notgesetz an, das Reich hat aber gleich eine fertige Vorlage gebracht, ein Kompromiß, mit dem eigentlich keine Partei so ganz zufrieden ist. Die Kri. iik richtet sich weniger gegen den Entwurf als gegen das Schulkompromiß an sich, durch das zwar die parteipolitt- . schen Differenzen überwunden worden sind, die Schulfrag« aber nicht gelöst worden ist. (Sehr richtig!) Seit dem Schulkompromiß ist der Ausnahmesall Regel geworden. Der Entwurf scheint immerhin eine brauchbar« Grundlage abzugeben, man soll nur nicht an eine zu engherzige Auslegung denken. Jedenfalls muß ein Not­gesetz als Zwifchenbehelf geschaffen werden, falls der Wi­derstand gegen dos Gesetz, beflan rasches Zustandekommen hinauszögern sollte. Jedenfalls habe ich zu dem deutschen Volk und vor allem zu ben beutfchm Volksschullehrern bas beste Vertrauen, baß sie sich ihre Schule nicht zerschlagen lassen.

Das Haus tritt in die Besprechung btt Interpellation ein.

Auch die Mehrheitssozlollslev gegen den Religionsunlerrichk.

Abg. Söulg-Swinemünde (So;.): 2>te Bekenntnisschulen sollten eigentlich eine Ausnahme bilden. Durch einen naturwissenschaftlichen und einen religiösen Unterricht, z. B. über bk Schöpfung, können Konflikte entstchen. Worum soll das, was bei den Universitäten möglich ist, nicht auch bei der Volksschule erreicht werden können? Die B e» kenntnisschuie ist lüldungsfelndlich. Dem Antrag der Unabhängigen gegen den Religionsunterricht stimmen wir zu, wenn wir auch die Schwierigkeitm der Durchführung nicht verkennen.

Abg. Oelhe (Dnatl.): Beim Schulkompromiß tft aus­drücklich das Elternrecht stabilisiert worden, mm soll hier mit einem Mal dieses Recht hinter sogenannten pädagogischen Gesichtspunkten zurücktveten. Die Herren von der Linkst kaffen die Demokratie nur in ihrem Sinne auf. Mr sie paßt der alte Satz,jeder Grieche ist ein Freund der Freiheit, aber nur feiner eigenen". Die Reli- gion fei zur Bildung des Gemüts schon in der Schul« not- weMg. Dabei sehe er nicht ein, weshalb nicht mehrere Dekermtnisschulen nebeneinander bestehen könnten. Don einer Zerschlagung der Dollsschul« könne dabei keine Rede sein.

Abg. Dr. Meyer (Komm.): Die Mchrheitssozialisten schreien fetzt über ein Gesetz, besten schlimmsten Kompro- mißparaaraphen fie selbst in bas Gesetz hineingebracht haben. Wir verlangen die Verweltlichung ber Schule.

Abg. Böhsitzlch (D. Dp.): Wir lehnen die Gesetzanträge ab, denn wir wollen, daß die Schule für die einzelnen Be»' femttniffe erhalten bleibe. Gerade in ber jetzigen Zelt, wo die Autorität auf so vielen Richtungen bekämpft wirb. Ist es unbedingt notwendig, den Kindern eine religiöse Grundlage zu geben.

Mittwoch: Weiterberatung. Notetat.

Goldrnarkkre-iie für Deutschlanü.

Die Reichsbank teilt mit, daß es ihr gelungen fei, durch Vermittelung des Bankhauses Mendels- sohn & Co. (Amsterdam) einen Kredit von 150 Millionen Gokdmark zu beschaffen und daß Verhand­lungen über weitere Kredite gleicher Art schweben. Tie von der Regierung getroffenen Maßnahmen werden durch diese Kreditoperaiion so ergänzt, daß die Erfüllung der am 31. August b. I. fälligen Reparationsverpflichtungen als gesichert anzunehmen ist. Weitere Reparationszahlungen sind alsdann während des Jahres 1921 in Devisen nicht mehr zu leisten.

liebet diese Mitteilung der Reichsbank darf man Freude und Genugtuung empfinden. Tie

Oer Bing der Nuramaja.

Storno« von Käte van Beeter.

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Ebba dachte es nicht nur, sie rief es überrascht aus: »Charly, ich glaub' es! Sie ist die Gesuchte! Hurra, wir habe« siel" Charles stand ganz verständnislos da.Die Pflegerin Deines Bruders? Aber das hättet Ihr doch wisien muffen"Stein, nein, nein, die indische Prinzessin ist inkognito bei uns." jubelte Ebba,aber sie ist',! Mama, Karin, glaubt Ihr's nicht auch?"

2a, sie glaubten es, aber sie schüttelten beide den Kopf.Unsinn! Unmöglich! Sie heißt Maria Fourriere. Stein, Hans Heinrich, wie kommst Du auf diese Idee?" Sie sieht aus wie das alte Bild."Wer kann denn nach solch altem, nachgedunkeltem Bilde urteilen! Da ist andere Tracht und andere Frisur."Freili-h," vor dem ruhigen Ueberlegen kamen ihm wieder Zweifel »sie war dort verschleiert"Auch noch verschleiert." Auch noch verschleiert? Oh, Lieber, was bist Du für ein kühner Phantast!" lachte Karin mit dem hellsten Glockenton ihrer Stimme auf.Dann kennst Du ja ihr Gesicht gar nicht l"

Er schwieg. Daß er überhaupt gesprochen hatte, pei­nigte ihn jetzt; es war ihm, als hätte er etwas Heiliges. Himmlisches entweiht. 3n diesem Augenblick sand er die goldenen Augen nur kalt und feindselig. Narr, blinder Narr, der er gewesen! Mit kurzem Ruck machte «r sich von Karins haltender Hand frei:Unb sie ist es doch!" In Karins goldenen Augen funkelte es jetzt wirk, sich wie Zorn und Haß auf, und schon schwebt« ein böses, höhnisches Wort auf ihren Lippen, ein Wort, bas echter aus dem Herzen gequollen wär«, als alles, was sie vorher zu ihm gcfprochen hatte, da sagte Charles Macleton erregt:Aber das ist ja ein Streit um des Kaisers Bart, während wir einfach durch ben Augen- schein die Wahrheit finden können. Ich weiß, wie j;ne Maja, di« ich jucke, aussehen muß, und außerdem ist ja der Ring das beste Kennzeichen."

Aber den trägt sie nicht," rief'n alle drei Damen. »Das beweist auch noch nichts, sehen will ich sie. Wenn sie auch bis jetzt unsichtbar war, aber unter Eurer Lei. £mg muß sie doch zu fehen fein."Natürlich, Schatz!

Du hättest sie heute so wie so zu sehen bekommen. Ich habe nur gewartet, bis Alex fertig war. um Dich ihm als meinen zukünftigen Herrn und Gebieter vorzustel­len. Nun kann er gleich die Bekanntschaft zweier Schwäger machen. Wir wollen fragen lassen, ob Alex uns schon empfangen kann."Ja, gewiß," nickte Frau von Lebanoff, die sich in der Geschwindigkeit schon alles zurechtgelegt hatte und innerlich triumphierte, daß Hans Heinrich in festen Banden lag, «he diese unlieb, fame Entdeckung kam.

Alex fuhr, als man in fein Zimmer trat, ärgerlich auf:Ich will keinen Besuch sie sollen" Da stand die Mama mit Ebba und Charles schon auf der Schwelle. Ein Blick Macletons auf das sich rasch er. hebende junge Mädchen, deffen dunkle Augen erschreckt aus dem blassen, lieblichen Gesicht schauten, und er ließ Ebba» Arm achtlos fallen, um auf Maria, zuzueilen: Maja!" Sie zuckte zusammen, und die Augen blickten noch erschreckter; unsicher fragend flogen sie über das fremde Gesicht.Nein," stammelte sie verwirrt und hob abwehrend die Hand.Ja," nickte Macleton, und fein Gesicht strahlte:Maja von Münchenhausen-Waldeneck, endlich habe ich Sie gefunden!"

Dabei wollte Macleton die abwehrend erhobene Hand fasten, aber Maja tratzchastig zurück. Einen Augen, blick schien es, als wenn sie sich besinnungslos zur Flucht wenden wollte; aber dann richtete sie sich entschlossen aus, hob den Kopf mit stolzer Bewegung und sagte fest: 3a, das bin ich; aber ich verstehe nicht, was Sie von mir wollen, ich habe nichts Unrechte, getan."Aber nein, nein; verscheuchen Sie jebe Sorge, und verzeihen Sie den Uederfall; aber ohne ben hätten Sie vielleicht Ihr Geheimnis nicht verraten, unb mir lag boch so unendlich viel daran, Sle zu finden.Ja, ich verstehe aber noch immer nicht"

Lhr Blick hatte jetzt auch da, zweite Brautpaar er. aßt. Sie war zwar vorbereitet gewesen und hatte sich gewappnet gegen da, Unvermeidliche; aber nun lief doch ein Zittern durch ihre Gestalt, und Ihr G.sicht wurde noch blöster als vorher.Gleich, gleich," beruhigte Macleton unb faßte nun wirklich die schlaff herabhän. gende Hand.Cs tut mir ja so leid, daß ich Ihnen bis« je« Schrecken bereitet Habel Nur schnell ein paar er.

Tatsache, daß es bet Reichsbank gelungen ist, einen so erheblichen Kredit tm Ausland flüffig^ zu machen, beweist, daß ihr Ansehen und Kledilwürblgkeil im Auslanb unerschüttert ist. Das ist nichts zum wenigsten dem Umstand zuzuschreiben, daß die Reichsbank alte Kredite zu zahlen in Der Lage war, die sie während deS Krieges im Ausland ausge­nommen hatte. Ter Kredit von 150 Millionen Mk., bet ber Reichsbank burch Vermittelung beS Amster« bamer Bankhauses emgeräumt worden ist, stellt sich a!8 eine wertvolle Unterstützung bei bet Erfüllung bet Leistungen dar, bie am 31. August b. I. auf Grund unserer Verpflichtungen an die Entente fällig sind. Die gesamte Summe dieser Leistungen be­ziffert sich auf eine Milliarde Golbmark. Tie Mel­dung spricht auch von weiteren Maßnahmen, bie bie Regierung getroffen hat. Wie wir hören, kommt hier in Betracht, baß bie Reichsbank bie Sil ker­be st änbe, über bie sie verfügt, zu lombardieren versucht. Weiterhin sind Bestrebungen im Gange, die deutschen Exporteure zu veranlaffen, bie Devisien, bie noch in ihrem Besitz finb, an das Reich adzu- liefetn. Der Dewsenankauf für Rechnung bei Reiches ist ja schon feit einiger Zeit erleichtert worben. Schließlich kommt hier noch in Betracht bie Tatsache, daß eS der Reichsbank gelungen tft, Goto im Werre von mehreren Millionen Mark zu erwerben.

Wiederbeginn der deolfch franzSflfchen Verhandlungen.

Die französischen und brutschen Sachverständigen für die Sachliese rungen haben die Verhandlungen wieder ausgenommen. Die deutsche Regierung hat französischen Vorschläge über die Bewertung der Sachlieferung sowie deren Staffelung ange» nommen. Zunächst werden jetzt die Ausführungs- b.stimmungen be'prochm.

DieKbrüstnngLLonferenzu.zranLreich.

Die französische Regierung hat bie Einladung der amerikanischen Regierung zu ber Konferenz in Wa­shington angenommen. Brianb erklärte darüber in der Kammer, daß Frankreich der Friedens- sache heiß ergeben sei (?) und daß es ohne Hintergedanken zu der Konsernz gehr. Et sprach bie Hoffnung aus, daß die Konferenz den endgültigen Weltfrieden herbsifühum und Frankreich Sicherheit gewähren werde.

Rach demMalm" wird Ministerpräsident Brianb sich felbst nach Washington zu der Abrüstungskonferenz begeben.

Der Krieg in K!e naflen.

Die griechischen Truppen haben nach einer Meldung aus Athen die Offensive ergriffen. An vier Punkten der Front haben sie den Bormarsch begonnen. S« haben bereits mehrere Städte besetzt.

Energisches Vorgehen der Eng­länder gegen die Polen.

In einer Untetrebnng mit dem oderjchlesischen Korrespondenten derVossischen Ztg." erklärte bet englische General Henniker, baß ein neuer polnischer Aufstanb gewaltsam Unter» brückt würbe. Die polnische Grenze würbe jetzt gesperrt werden unb zwar butch Truppen aller brei in Oberschlesien vertretenen Mächte. Henniker bat bann, baß die deutsche Presse bie beutschen Odet- schlesier möglichst zur Geduld mahnen möge, da irgendwelche Gewalttätigkeiten von ihrer Sette für die Sache der Deutschen von allergrößtem Nachteil sein we-de. Er hoffe, daß die Entscheidung des Wnifur yini

klarende Worte. Mein Großvater ist der Onkel Ihrer Großmutter, die bei einem Schiffbruch an der spanischen Küste als Heines Kind verloren ging. Stimmt bas?"

Mit meiner Großmutter, ja," nickte Maja, nun doch ganz unter dem Eindruck dieser Mitteilung,so hat mein« Mutter es mir erzählt. Spanische Fischer hätten sich des Kindes, das sie in den Armen einer alten, toten Wiene­rin am Strande fanden, angenommen. Das Kind hat auf der Brust ein Medaillon getragen mit dem Silbe der chönen, jungen Frau unb bem eingravierten Namen Maja". Danach ist das Kind genannt worben. Später, als Maja ungefähr acht bis zehn Jahre sein mochte, hat ein wohlhabendes Ehepaar sick in bas schön« Kind Der. liebt unb es den Pflegeeltern abgekauft, unb fo ist meine Großmutter gut erzogen worden und wieder in die Kreis« gekommen, in bie sie anscheinend gehörte." Und ber Ning? Ihre Mutter hm doch noch ben Ring getragen?"Der Ning?" Ein schneller Blick Majas log zu Hans Heinrich herüber, unb jetzt trat dieser hastig vor.Ja, der Ring! Nun verstehe ich, warum er Sie neulich so erschreckte. Mein Gott, wenn ich Sie damals hätte ausreben lassen, wie anders wäre alles gekorn. men!"

Er sah sie so welwergesien, so schmerzlich an, daß sie, auch ohne ben Sinn seiner Worte zu verstehen, langsam errötete.Oh, Ihr kennt Euch schon?" klang ba Karins Stimme neben ihm mit so viel Erstaunen unb Mißbilli. gung im Ton, daß er erschreckt zulammensuhr und bie zarte Nöte auf Majas Wangen sich vertiefte.Ja," agfe er kurz, unb runzelte bie Stirne,ber Wind wehte meine Koppe vor die Füß« ber Dame, unb dabei wech. eiten wir ein paar Worte."Ah!" Nichts mehr, ober dazu ein vieljagendes, spöttisches LächelnUnd was ist nun mit dem Ring?"Er fiel mir auf, weil ich ben. eiben besitze unb weil er ein f-üenes Stück ist," stieß Maja hastig unb verwirrt hervor.Aber wo ist er Denn?" drängte Macleton.Jetzt möchte ich vorerst wissen, wie Sie darauf gekommen sind, mich zu suchen?" Sie sollen alles in Ruhe erfahren, alles, lieb«, kleine Base; denn wenn auch von weit her, aber ein Stückchen Verwandtschaft ist doch zwischen uns. Freilich, Scsen» bürg, ich glaube, mit Ujnen ist das Büschen verwandter, blutsocrwgndt." (Fortl. falat)

Obersten Rates über Oberschlesien bald fallen werbe und könne versichern, baß bie interalliierte Kommission ständig auf Beschleunigung dränge.

Nach einer weiteren Meldung finb in Ober­schlesien bie englischen Truppen in ben letzun Tagen an verschiebenen Orten energisch gegen bie noch im Besitz von Waffen befindlichen po!nischen Banden vorgeqai.gen. In Grvß-Dombrowka wur­den 200 bewaffnete Polen von englischen Soldaten^ entwaffnet.

Es wirb jetzt mit Bestimmtheit gemelbet, baß General Le Ronb, ber bisherige Häuptling ber Jnteralliierien Kommission in Oberschlesien aus Gesundheitsrücksichten" seine Entlassung nachgesucht, habe unb aus Oberschlesien verschw inben werde.

Oberschlesien und der Oberste Rat.

Im Unierhause teilte Lloyd George mit, daß sich bet Oberste Rat auf feiner nächsten Sitzung mit der oberschlesischen Frage beschäfligen Weide. Man hoffe, eine Losung zu finden.

Wiederaufnahme ber Schiffahrt nach Oberschlesien,;

Die Oberschiffahrt nach Oberschlesien ist wieder' ausgenommen worden.

Var Fiasko des Kommunismus.

Eine Verordnung der Moskauer S ow> jettegierung bestimmt: Um die das wirtschaft!. Leben beengenden Beschränkungen zu beseitigen und um den Geldumlauf durch die Entwicklung der (Em* läge- und TraneaNionsoperaiionen zu gefunben, hat dec Sowjet der Volkskommissare angeordnet, alle Beschränkungen aufzuheben, welche nach Rußland kommende Beträge oder Geldwert« betreffen^ welch« sich im Besitze von Privatpersonen oder Dr- ganifationen befinden. Als (Einlage oder auf lau­fende Rechnung in den Instituten des Bolkskommif- farials für Finanzen oder in den Kaffen der Koopera- tiDorganifationen eingezahüe Beträge unterliegen nicht ter Konfiskation und müssen den V-sitzern auf; deren Bedangen zurückerstaüet werden.

Dir Grsßwasserfiraße Rhein Main-Donau.

In -en nächsten Tagen findet in München bfe. Gründung einer Aktien^seilschast statt, die den Aus-, bau der Eroßwasierstraße Rhttn-Main-Donau durch-: führen soll Die bayerische Regierung legte dem* Sanbtag bereits einen entsprechenden Entwurf oorj Das Kapital bes Unternehmens soll zu 45 Prozen? vom Reich, 26 Prozent von Bayern, der Rest von bem Städten und anderen Interessenten übernommen wer.' ben.

ver Prozeß gegen die deutschen U-voot-Gffiziere.

Unter bem Vorsitz bes Seiwtspräfibenten Dr. Schmidt begann ber Reichsgerichtsprozeß gegen bie Oberleutnants Z.. S. Ludwig D i t t m a r und Jcchn Boldt. Der Ober- «ichsonwolt erhob Anla'ge wegen vorsätzlichen Mordes mit der Begründung, daß ff« gemeinsam mit bem Führer des Ubootes 86, Kapitän!eutnont Patzig, nach Versen­kung bes Lazarettschiffes Llondooery Castle bie in die Rettungsboote aufgenommenen Schiffbrüchigen völkerrechts­widrig beschießen ließen, um die Folgen ber völkerrechts­widrigen Versenkung bes Lazarettschiffes zu beseitigen. Der Angeklagte Dittmar verweigert die Aus­sage gemäß einem Versprechen gegenüber dem Kapllän- leutnant Patzig, der bekanntlich unauffindbar ist. Boldt äußerte sich allgemein über die äußeren Umstände. Patzig habe sich in der Wahl ber Mittel vergriffen, aber er habe den heiligen Willen gehabt, die Hungerblockade z» sprengen, um Deutschland zum Siege zu führen.

Als erster Zeuge wird der zweite Offizier bes sei senkten LazarettschiffesLlandovsry Castle" Chapmann osmommen, der folgendes aussagt:Das Schiff beförderte lediglich Kranke und Verwundete. Munition hatte sich niemals an Bord befunden. Als das Schiff in ber Nacht des 27. Juni torpediert wurde, verließ ich als einer der letzten dieLlandovery Castle". Als wir einige Meier i vom sinkenden Schiff fort waren, erfolgte di« Keffelexplo- sion. Vom Rettungsboot aus sah ich plötzlich ein Licht aufisuchten. Ich sah, daß das Zeichen vorn Uboot kam. Das Uboot kam ganz nabe an mein Rettungsboot heran und rief uns auf englisch zu:Kommt schnell aus die Längsseite, sonst schießen wir mit großem Geschütz!" Der Offizier, der uns das zirrief, hatte in jeder Hcmd einen Revolver und gab auch zwei Schüsse aus ihnen ab. Dann iuhr dos Boot bi rett auf uns zu, und es ist nur ein Zu­fall, baß es uns nicht überrannte. Das Uboot zog einen Kreis und traf wieder auf unser Rettungsboot. Auch diesmal wurde uns zugerufen, wir sollten langsseits kom­men. ba man sonst Geschützfeuer gegen uns eröffne. Ich mußt« dann an Bord des Ubootes gehen unb erklärte dem ersten Offizier auf Befragen, daß wir nur Kranke unb kein« Munition an Boro gehabt hätten. Ich stieg wieder in das Rettungboot und man stieß es ab. Dos Uboot fuhr abermals brreft auf uns los. Ich mochte eine Wendung unb wir kamen glücklich bavon. Vom Uboot wurden kurz darauf 14 Geschützschüff« abgegeben. Die Granaten flogen über unser Boot." Auf eine Frage gibt der Zeuge zu, daß das Lazarettschiff in bem Augenblick seiner Torpedie­rung nicht den vorgeschriobenen Kurs eingehalten Hobe. Das Schiff befand sich auf ber Fahrt noch Liverpool.

Es folgte dorous bk Vernehmung des vierten Offiziers derLlondooery Castle", der aussagt, das Schiff fei mir lazarettfchiffmäßig ausgerüfttt und auch genau nach den internationalen Bestimmungen gekennzeichnet gewesen, auch habe es die an Bord befindliche Mannschaft lange nicht gewechselt.

Unter den weiteren englischen Zeugen. daruntM eini­gen, die sich zurzeit ber Dorgänge als Gefangene auf bem deutschen Uboot aufhielten, gibt John Murphn mit Be­stimmtheit an, daß in dem Augenblick, als bas Uboot dos Granatfeuer eröffnete, noch drei andere Rettungsboote in der Nähe gewesen seien; d-efe seien noch ber Schießerei verschwunben gewesen. Er ist bisher fr-- einzig« Zeuqs, der eine solch« Beobachtung gemacht haben will. Der Zeuge bleibt trotz Kreuzverhörs bei seinen Angaben. Ec will auch niiftt gesehen baten, daß Rettungsboote beim Her- ablaffen gekentert seien. Noch seinen Aussagen sollen also bk drei anderen Rettungsboote durch Granatfeuer in ben Grund gebohrt worben fein.

Die Verhandlung wurde auf Montag vertagt.