uldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Fulda.
Nr. 157.
Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. Kramer, - „ Mr dir Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. s
Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Aüiendnukerei in Fulda. Uernlprecher Rr. 8. Telegr.-Adreffe: Fu ldaer Zeitung.
Dienstag, 12. Juli 1921.
Lezugsprei»: Monatlich Z,00 Mi. ohne Zustellgebühr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 BtL Anzeigenpreis: Die Kleinzeile (ffoioneimaB) 60 pfg, u. 1O°|» Zuschlag, die Reklamezelle (Tepbreite) 1^0 AlL. u. 10*^. Zuschlag. Bei Wiederhol.Rabalt.
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48. Zahrg,
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200 00 mit verkürzter Arbeitszeit beschäftigt. 3n verschiedenen Industrien sind Mtriebsrückgängi: bis zu Prozent zu verzeichnen.
Die verheerenden W rkungen der 5anktionen.
Infolge der Etrteniemaßnabmen am Rh'in wurden vis Ende Mai bei der Düsseldorfer Regierung bereits 62 Stillegungen und Betriebs- Einschränkungen gemeldet. In der Zeit vom 1. Mai bis 24. Juni folgt» die Stillung bezw. Be- triebselnschränkung von roeiteren 27 Betriebs». Don 500 000 Arbeitern im Düsseldorfer Bezirk waren etwa
bleibt aber, daß das Selbstbewußtsein der Franzosen auf ein gebührliches Maß zurückge- führt wird, indem sowohl Washington als auch Lon- von dm Pariser Herren klar machen, es ginge auch ohne sie oder sogar gegen sie.
Nun ist die nächste Frage, ob und wie dir ge* f cmte Konferenz von Washington eimoirken werde au i« englisch-französisch • italienische Konferenz, die al» Over st rr Rat der Sieger noch in diesem Monat zusammentreten mb über das Schicksal von Oberschlesien sowie über die Sanktionen am Rhein entscheiden soll. Wird man dort zu einem Entschlüsse kommen ob?r wird angesichts der Möglichkeit eine» weltpolitischen Umschwunges die Verzögerungstaktik wieder durchdringen? Die Lage Ht noch dunkel, und für Deutschlands Interessen brsteyen noch die größten Gefahren, wie das brüske Auftreten der Franzosen uns neuerdings wieder gezeigt Hot. Aber wir dürfen uns wenigstens sagen, daß infolge des amerikanischen Schrittes d» utte drohend« Gefahr nicht ve r- schärf worden ist. ________________
Vie französische Politik gegenüber Deutschland.
In der Kammer gab Ministers» äsident Brian d Erklärungen über die allgemeine Politik Frangreichs ab und sagte, die Lage Frankreichs lei augenblicklich nicht beunruhigend. Frankreich stehe aber am Wein und es könne nicht gestatten, daß die Verhält- niste in Deutschland sich so gestalten, daß sie für Frankreich bedrohlich werden.
Ueber Oberschlesien sagte der Minister, daß der Zwischenfall in Beuthen ein feiges Verbrechen gewesen sei. Die deutsche Regierung treffe aber keine Verantwortung. ^Bezüglich der Teilung von Oberschlesien werd« sich Frankreich an _ den Friedensvertrag halten. Die Tatsachen sprächen zugunsten Polens. Die nötigen Bor- sichlSmaßnahmen würden ergriffen werden.
Zur Aburteilung der KriegSbeschuldig- te n sagte Briand, daß eS sich bei diesem Stück um ein Theaterstück Hande!« und daß die Anwcsenhei» der französischen Abordnung völlig zwecklos war.
Zum Schluß sagte der Minister: Wenn in Deut chland die Alldeutschen di« Uebermacht gewinnen und e3 ihnen gelingen sollte, die Regierung Wirth zu stürzen und eine Politik zu treiben, die für Frank,eich ge ährtich wäre, dann möge jeder wisien, daß Frankreich olles besitze, Watz «3 brauche, um die Lage wiedeiherzustellen.
Die Kbrüstungr-Uonferenz in Washington.
Die kommende well-5ronserenz und der Oberste Rat
Der nordamerikanische Präsident Har ding hat ein große» Unternehmen begonnen. Er will eine Kon- fermz veranstalten in Washington, di« sich In erster Lini: mit der Einschränkung der Rüstungen be- fasten, zugleich aber die Probleme des Stillen Ozeans und des äußersten Ostens von Asien lösen soll.
Di« Anregung zu dieser Beratung ist von der Englischen Neichs konferenz ausgroangm. Lndsm Holding die Einladung übernimmt und Was- hingtan als Ort der Verhandlung bestimmt, nimmt er die Leitung in dieser Angelegenheit für die Vereinigten Staaten und sich selbst in Anspruch. Die Engländer 'gönnen den Amerikanern diese Vorzugsstellung, weil ,sie den lebhaften Wunsch haben, das mächtige Nord- «nerika bei guter Laune zu erhalten, um sich selbst van dem Drucke des amerikanischen Wettrüstens und von der Verantwortlichkeit für den etwas lästig geworbenen Bundesgenossen Japan zu entlasten. Daher wird der Schritt Hardings in England mit Beifall begrüßt.
Anders in Frankreich. Dort sind die natio- Nalistifchen Kreise ärgerlich und besorgt. Warum? Als nächste Ursache könnte man bie Furcht Alten lassen, daß die geplante Konferenz auch die Einschränkungen zu Lande beschließen, also die Franzosen in bet weiteren Entfaltung ihres überlegenen Heeres behindern könnte. Aber diese Gefahr ist nicht sehr groß. Die Konferenz in Washington wird schon all« Hände voll zu tun haben, wenn sie die Seerüftungen »inschränken will. Die französische Besorgnis mur- gelt tiefer. Wenn England sich mit SRorbatnerifa verständigt, so verliert Frankreich den besten Stein auf dem weltpolitischen Schachbrett. Die Möglichkeit, daß Frankreich sich den Amerikanern in ihren Machtstreit mit England als wertvollen Kampfgenossen zur Der» fügrmg stellen konnte, gab der französischen Politik im Letzten Jahre ein Uebergewicht gegenüber der engst- schm Politik. Die auffallenden Nachgiebigkei.en und Umfälle von Lloyd Georg« ertlänen sich zum guten Teil dadurch, daß er sich scheute, Frankreich in di« Anne von Nordamerika zu treiben. Wenn es Lloyd George gelingt, die englisch-amerikanisch; Spannung auszugleichen, so bekommt er eine viel freiere Hand, und zwar sowohl in der englischen Haltung gegenüber Demfchland als auch toi den schwebenden Fragen des vähwen Ostens.
Wir Deutsche können uns auf di« Gunst und Knabe der Engländer natürlich nicht verlosten, aber alle» in ollem genommen ist doch das gimaLttätigr Frankreich für uns viel lästiger und gefährlicher als England, dessen Politik zwar auch egoistisch ist, aber doch mehr Besonnenheft und Großzügigkeit aufroelft
Demgemäß können wir nur wünschm, daß bi« Konferenz in Washington einen vollen Erfolg Haden möge. Auch wenn fi« in der Adrüstungssrag« bis zur Einschränkung der stehenden Heere gelangen ! /sollte, würde uns das sehr recht sein. Deut schänd j selbst ist ja vollständig abgerüstet, und wenn man Frankreich veranlassen wollte feine Truppenmassen zu vermindern, so würde unser Nachbarland nicht mehr so geldhungrig und nicht mehr so kriegslustig fein. Ebenso lieb ist e» dem seiner Kriegsschiff« berauben Deutschland, wenn die Engländer mid Amerikaner di« G-'idverschrv.'ndung im Kriegsschifsbau einschränken und ihre flüssigen Mittel dem kreditbedürfttgen Mittel» europa zur Verfügung stellen. Auch Rußland, die ! Polen und dir Balkanstaaten mögen immerhin ihrerseits abrüsten und sich zu einer friedliche Politik bekehren. Dann würden die wieder eröffneten Handelswege nach dem Osten für unfere Volkswirtschaft und mittelbar für die deutschen Gläubiger, auch für dir Franzosen, sehr vorteilhaft sein. Die Hauptsache
Der Ring der Nursmaja.
Roman von KSt« van Setter.
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vhr Gesicht färbte sich purpurn, und hastig richtete He sich auf. „Ja, Karin, es waren wohl meine Nerven. Du hast recht, zwei Verlobungen sind ein bißchen viel, ich tonnt’ mich nicht gleich darin finden, und — wir sind Schwestern, und ich hab' Dich immer lieber gehabt als Du mich. Ein dummer Glückwunsch war es, einer mit Tränen, — vergib l” — „Ich wußte ja, wie Du es meintest.’' — „Ja, Du wußtest esl Lieber Baron, ich freue mich. Sie zum Schwager zu bekommen. Sie können auf Karin stolz sein, ich war es auch immer, aber Mein Charly hat es auch gut getroffen, ich bin fügsam Kvie «in Lamm, während Karin immer start und stolz ,«vie ein Löwe war.” — „Ohol” fiel Charles «in, und Jtorin wehrte sich lachend, und Hans Heinrich, dem bei Ebbas Erregung gar nichts ungewöhnliches ausgefallen war, ging lachend auf den Scherz ein, und so tarn alles wieder in das richtige Gleis, und die Zofe, die wieder einmal zufällig im Nebenzimmer einer Beschäftigung nachging, erwischt« dabei umgehend die allerneueste
Dem Zimmermädchen erzählte sie e» in fliegender Eile, und nebenan war Maria eben damit beschäftigt, Alex für seine ^°Eittagsausfahrten zurecht zu machen. Sie mußte jedes Wort hören, und dabei wurde es ihr Hüntel vor den Augen, und der Schmerz faßte sie so vild und unbarmherzig, daß ein Stöhnen über ihre Lippen tarn und die unsicher tastenden Hände die Schulter ihre, Pfleglings so hart umklammerten, daß dieser er- schreckt aufschrie: „Au, Marial Was ist Dir denn, Ma. rial Bist Du tränt? Du zitterst Ja und bist so blaß!” Maria raffte sich mit Energie wieder auf und versuchte, tzu lächeln — »Ein plötzlicher Schwindel — es ist nichts weiter.”
Im Empfangszimmer waren mittlerweile die lieber, legungen, was nun zunächst zu tun fei, auch von dem zweften Brautpaar übernommen worden. Für Hans Heinrich ergab sich ft® kein« Nchwendiglest, verwandt.
Gespannte tage in Gppeln.
Die Sage in Oppeln ist gefparmt Polnische Apo- beamte gerieten mehrmals mit deutschen Flüchtlingen in Konflikt. Bei eirrr Razzia wurde nachts ein Franzos« auf bet Flucht angeschossen. Die Franzosen ziehen Verstärkungen heran. Der Sekr'iär Korfantys in Oppeln wurde von Hnbefannten belästigt.
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schastliche Zustimmungen einzuholen. „Ich bin ganz frei und einsam. Außer einem alten Onkel, der mich stets vor dem Heiraten gewarnt hat und dabei nicht» sehn- kicher wünscht, als mich verheiratet zu sehen, habe ich niemand auf der West, Du mußt mir alles ersetzen.” Er drückte heftig Karin» Hand und sah sie mit einem mehr unruhig schmerzlichen al» zärtlichen Dsick an. Sie er. widerte seinen Händedruck, denn das lag wohl als äußerste Pflicht vor, und sie versuchte auch liebevoll und innig zu blicken; ober die Augen wollten ihr heute nickt so gehorchen wie sonst, ihr Gold schillerte eigentümlich leblos und kalt. Sie neigte den Kopf an feine Schulter und sagte leise, mit gepreßter Stimme: „Das will ich. Das ist nun selbstverständlich.”
Und beide hatten dabei ein Gefühl, als wenn sie mühsam einen Berg erstiegen und nimm er die freie Höhe erreichen würden. Das geht nicht so weiter, dachte Karin verzweifelt; ich mutz mich bester beherrschen, ich muß mich gewöhnen, liebevoll zu sein Allmählich werde Ich es auch lernen, ich muß nur erst dar Neue überroun- den haben. Ich konnte doch sonst ander» mit ihm ver. kehren, warum nur setzt nicht? Ich will und muß! Sie faßte seine Hand fester, und dabei fiel ihr Blick auf den Ring, der an seinem Finger funkelte. Unwillkürlich schreckte sie wieder zurück und ritz ihre Hand au» der seinen. „Die Schlange!”
Sesenburg drehte hastig den Stein nach innen. „Im- mer dieser verhexte Ring! Hat er Dich wieder erschreckt? Ich werde ihn ablegen.' — „Nicht doch, nein, den in. teressanten Ring! Ich habe es schon wieder überwunden. Du mußt mir doch noch diese Geschichte erzählen, die zu ihm gehört, Han, Heinrich! Du bist sie auch Charles noch schuldig. Charles' — sie war so froh, eine äußere Ableitung aus bräutlicher Vertrautheit zu finden. — Charles, haben Sie noch neben dem Interesse an Ebba da» alte an der Inderin und dem Ring?” — „Kcf), sie hat sich ganz überlebt!”
Das andere Brautpaar schreckte aus seiner Fenster. Nische auf, und Maeleton trat tard) auf die Fragende zu. „Selbstverständlich und pflichtschuldigst! Richtig, Sesenburg, jetzt, wo wir durch neue verwandtschaftliche Beziehungen miteinander verbunden w»-den wüste»
Massakriertmg helmattreuer Oberschlestrr.
In Godullahütbe wurten acht Angestellte de» deutschen Plebiszitkommissariats von einer zwanzigköpfigen politischen Band« überfallen. Der Angestellte Orlowski wurde von einem aus dem Gefängnis entsprungenen, dos Raubmordes angeklagten Polen durch drei Kopfschüsse getötet. Ein anderer Angestelldw wurde feftgem mmen und verschleppt. Dm übrigen gelang es, zu entfliehen.
Pogrome ia Jlenpcfen.
Blättermelbung aus Danzig zufolgr verüben di« in Posen eingetroffenen polnischen Insurgenten aus Obcrschlesien Gewalttätigkefteu gegen deutsche und jüdische Bevölkerung. In Jarotschin wurde eine Anzahl Pamilien zur Flucht gezwungen.
Aus dem besetzten Gebiet.
• Die TNundkolmachung der Presse Im beschien (Bebtet Mit 4 Wochen Gefängnis und Ausweisung hat die Desatzungsbchörde den Direktor ® o 11 e »I e. den vom Verlag de» D fiffe Iborf er Z « ntrums- blattes bestraft. Er wurde für Bilder verantwortlich gemacht, die in den Schaufenstern des Verlages aus. gehängt waren. Die Bilder brachten Darstellungen französischer Truppen in Oberschlcsien und wurden von der Besatzungsbehörde als Fälschungen bezeichnet.
* Sie sollen Ihn nicht haben . . . Der Kapitän von dem Dampfer „Hindenburg der Köln-Düstei-orfer-Gesell- schäft wurde kürzlich in Mainz von den Franzosen bestraft, well er es wch! verhinderte, daß die Passagiere seines Schiffe» am Tage der deutschen SoimeruoeMeirr in (Taub u. a. das Lied fangen: „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein!” Einen für un» Deutsche lächerlichen Beigeschmack erfährt die Angelegenheit noch insofern, als sich an Bord des Schiffes ein französischer Oberft befartb, der bei der Gelegenheit gerade beim Essen war und vor Wut seinen Teller samt Esten und Besteck in den Rhein fölcuöerte.
Die soMMsche Einheitsfront.
Am Samstag hat in Leipzig der Landesparte 1- tag der Unabhängigen sozialistischen Partei Sachsen« begonnen. Dieser beschäftigt« sich eingehend mitderproletarischen Einheit»- front Es gelangte eine Resolution zur Annahme, in der es wörtlich heißt: „Der Kampf des Proletariats wird erschwert durch eine Zersplitterung in verschiedene Parteien. E» muß daher alles getan werden, um diesen Zustand zu überwinden, und eine Einheitsfront des Proletariats herzustellen.”
Die im Augenblick von beiden Gruppen her stark betriebene und gefördert« Einheitsbewegung hat auch bereits schon praktische Früchte gezeitigt. So wird beispielsweise von einer gemeinsamen Aktion in Kassel berichtet. Dabei steift die Person Scheide- manns im Mittelpunkt, von dem bekannt ist, daß er zu den eifrigsten Befürwortern des Zusammenschlusses von Mehrheitssozialdemokratie und USPD, schon seit langer Zeit gehört. Sn Kassel stehen bekanntlich fämtsiche bürgerliche Parteien ton Gegensatz zu Herrn Scheidemann. Bei den bevorstehenden Wahlen wollen nun MehrheitssoziaDemokratre, Unabhängige, Gewerk» schaftsbund und Angestelltenbund zusammen für Scheidemann sich einsetzen. In einer Erklärung, die darauf abziett, heißt es deshalb: „Wir erwarten, daß Genoss« Scheidemann seine Bestrebungen zur Einigung des ge« werffchaftsich und politisch organisierten Teils der werktätigen Bevölkerung trotz der durchsichtigen hinterhältigen Hetze der bürgerlichen Parteien unbeirrt fortsetzt.” Kassel also wird den „Ruhm” haben, zuerst die Probe aufs Exempel und seine Haltbarkeit gemocht zu haben.
Der neue prozetz in Leipzig.
Der englische ‘Betitelet wohnt der "Verhandlung bet
In dem haute in Leipzig beMnsnden Prozeß handelt es sich um die Torpedierung des englischen
Sie mir Bescheid geben über die allen, die anscheinend schon zwischen uns bestehen. Was hat es mit dem Ring für eine Bewandtnis? Wie kamen Sie zu ihm? Was wissen Sie von seinem Ursprung?”
„Dar ist aller mit wenig Worten zu beantworten,” lächelte Hans Heinrich gezwungen. „Ein Urahne von mir hat ihn mitsamt einer fremden, dunklen Frau von langen Reifen in fremden Landen mitgebracht. Er ist anscheinend eine Art Ehering gewesen, doch weiß die zweihundert Jahre alte Sage nicht zu melden, ob eine Ehe zwischen meinem Vorfahr und jener fremden Frau bestanden hat. Als sie starb, ist das einzige Töchterchen, das dem Zusammenleben der beiden entsprosien war, mit dem alten Diener, den Nuramaja, so hietz die Fremde, au» ihrer Heimat mitgebracht hatte, mitgenommen. Ich vermute, daß bas jener Ring ist, den Ihr Großvater gekannt hat.” — „Und Sie haben nie wieder etwas von diesem verschwundenen Kinde erfahren?” — „Der Sage nach nicht. Es sind ja alles nur Märchen, hafte Uebertieferungen, von denen man nicht weiß, was an ihnen Wahrheit, war Dichtung ist.” — „Aber der Ning ist doch Wahrheit! Und sonst ist nichts mehr als Beweis dieser Ueberlieferung übriggeblieben?” — „Nein, nichts, das heißt doch, ein Bild — ein Bild.”
Hans Heinrich, Augen wurden starr, fein Gesicht verlor alle Farbe, und alle Züge darin spannten sich, das Wort auf feinen Lippen erstarb, dann sprang er auf und chlug sich mit einer an Verzweiflung grenzenden Gebärde gegen die Stirn: „Das Bild!”
Urplötzlich war der Schleier, der seit feiner schweren Erkrankung über seinem Erinnerungsvermögen gelegen hatte, gerissen; mit einem Ruck, wie im Märchen vor dem richtigen Wort die keinem Gewaltmittel und keiner Macht weichenden Pforten willig und weit aufspringen, o war bei der Erwähnung de» alten, zerstörten Bilde» die verschlossene Pforte feiner Erinnerung krachend aufgesprungen, und er stand plötzlich vor der Erkennt, nis, um die er mit Qualen und Schmerzen gerungen hatte, und die jetzt wie ein Keulenschlag auf ihn nieder, iel. „Sie ist'»! Das weiße Kleid, die gelbe Blume und die Augen, die Augen! Maja ist gefunden!” — .Was? Wo,” Maelet<m vergaß olle» andere, ex packte '
Hospitalschiffe» „Landovery Castle”. Diese» Schiss würbe versenkt durch ein Unterseeboot, dessen Kommandant Kapitänteutnont z. S. Patzig und dessen Offiziere, die beiden unter Anklage stehenden Oberleutnants z. S. Dittmar und Boldt waren. Kapztämieutnatft Patzig ist ge s l ii ch t«t und konnte daher nicht unter An, klage gestellt werden.
Vorgeworfen wird den beiden Angeklagten, nicht nur di« Torpedierung de» Hospitalschiffe» selbst, sondern auch — und eigentlich in der Hauptsache, — die Beschießung der Rettungsboote des Schiffes nach der Torpedierung. Es wird behauptet, daß Kapitän» loutnanl Patzig nach erfolgter Torpedierung die Mannschaften des Unterfeeibootes unter Deck habe gehen lassen, während er zusammen mit den beiden Oberleutnants auf Deck geblieben sei und die Rettungsboote, auf denen ein, Teil der Bemannung des englischen Schftfes und ein Seif der auf ihm untergebrachten Verwundeten haben entkommen wollen, beschossen habe. Die Rettungrooote seien, durch das Feuer zmn Sinken gebracht worden bis auf ein einziges, dar entkam. Er ist bemerkenswert, daß batte, Offiziere Dittmar und Boldt nicht auf der Liste eines Ent«ckestaa!es stehen, sondern daß das Verfahren gegeq sie von deutsch«: zuständigen Stellen eingeieitct worden ist.
Es sind bis jetzt üb er 65 Zeugen geladen, vom Ocricittifler nicht weniger als 40 Zeugen. Man glaubt,' daß der Prozeß fünf Tage in Anspruch nehmen wird.
Zur Verhängung dieses Falles ffi der englische Ge» neroistootranwalt 6ir Ernest Pollock von London, nach Leipzig gereift und zwar wie es in der amtliche«. Reutermeldung heißt: „Im Zusammenhang mit dem Prozeß gegen die beDen deutschen Offiziere wegen Versenkung de» Hospitalschisies.” Die Engländer haben also bisher ben französischen Versuchen, auch sie von Leipzig fomzu» halten, keinen Rc-mn gegeben.
In diesem Zusammenhänge dürfte em amerikanische» Urteil über die Leipziger Prozesse nicht uninteressant fein. Der Sonderberichterstatter der „Chieago Tribüne” in Leipzig bespricht m durchaus nicht unfreundlichem Tone die ,Zwang!osiateit des deutschen Prozeßverfahrens” und ertlärt, die britische Kommission, bie ben ersten Prozessen gegen die Kriegsbeschuldiaten beiwohnte, habe von dem Verfahren einen günstigen Eindruck erhalten unö offen ausgesprochen, baßinLeipzigGerechtigkeit matte, und daß d« Reichranwalt Ebermeyer imparteüsch oorgehe. Es gibt also über Leipzig au» ben ©ntentelSnöern auch noch andere den französischen Behauptungen diametral entgegengesetzte Urteile.
Deutscher Reich.
♦ Berlin, 12. Juli. Obrrpräsident Hörsings hat fein Mandat als Mitglied des preußischen StaatSrat« niebergelegt. An feine Stelle tritt Landrat Bergmann au» Kalbe. — Gemäß Artikel 2» des Zahlungsplanes des Reparat'onsausschusse« vorn 5. Mai ist Deutschland verpflichtet, dem Ausschuß bis 1. Slugust Schuldverschreibungen für 12 Milliarden Goidmark als Ersatz für ine Schuldverschreibungen, welche aus Grund des § 12=, Anlage 2, Teil 8 des Reparationsvertrags von Versailles bereits übergeben werden müssen, auszuhändtgea. In Erfüllung dieser Verpflichtung wurde dem Repara- lionsausschuß zum 1. Juli durch die Kriegrlasten- klmtmsision eine Schuldverschreibung übergeben, die dm, betreffenden Forderungen entspricht.
* Der rheiniscke Previnziallendtasi wurde t>»m< LH-rpräsidenken derRheiuprovinz,Freiherrn v. Grootex eröffnet. Der Oberpräsident wies auf die bedeutende Erhöhung de« Haushaltsplanes von 180 auf 320 Millionen Mark hin. Zum ersten Vorsitzende^ wurde Bürgermeister Gizlen-M.-Gladbach (Zentrum), zum zweiten Vorsitzenden Justizrat Wesen» fels-Barmen (Dnatl.s, zum dritten Vorsitzenden Ullenbaum-Elberfetd (S03.) gewählt.
Km'mnö.
• Der Zusammenbruch Ungarn» Im Jahre 1918. Dir ungarische Regierung beabsichtigt, auf Grund von Enthüllungen der Prinzen Windislhgrätz ein Verfahren gegen die Politiker und Setiungm einzu-
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Sesenburg an den Schultern. „Sind Sie auch bei Sin. neu? Phantasieren Sie nicht? SRajal Was reden, Sie von Maja? Wo ist sie?”
Auch Karin war aufgesprungen. E» kam ihr auf ein.’ mal da» Gefühl einer drohenden Gefahr. Sie legte ihre. Hand auf Heinrich» Arm. „Was ist das? Sprich doch!^ Bist Du auch nicht krank?” Die Frage schien berechtigt,, denn der Schweiß stand in hellen Tropfen auf seiner, Stirn, fein Gesicht war totenblaß, und in seinen Augen brannte ein irre» Licht. „Sie ist'»! So sah ich sie im; Traum! Nun weiß ich alle«.” sagte er mit tonloser«. Stimme, nur für sich sprechend, und sein Gesicht verzog, sich wie in körperlichem Schmerz, und dazu klang es tot seiner Seele: „Verloren, mein Glück blind verscherzt! Ich habe sie immer gefühlt und nicht greifen und begreifen können, was sie mir war! Ich blind-r Tor, ber sich in Ketten und Banden legte, um dem Glück zu ent.; fliehen.” — „Was ist Ihnen denn, Sesenburg? Ihnen scheint nicht gut zu sein; Mama, wo» meinen Sie?”
Frau von ßebanoff stand ebenso verständnislos vor dieser Szene wie die anderen, sie sah hilfesuchend nach Karin. Die hatte ihre volle Ruhe wiedergefunden, ihr« Finger legten sich mit festerem Druck auf Sesenbmg» Arm, und ihre Stimme hatte einen strengen, befehlenden Ton: „Hans Heinrich, was soll da» alle» bedeuten”? Das rief ihn in die Gegenwart zurück. Hastig strich er mit der Hand über die feuchte Stirn. „Verzeihung! E» war zu überraschend! Eine Entdeckung, die ich seit Tagen suche, die mich gequält hat — plötzlich ist sie da! Da» heißt, ich glaube es ist ein Traumbild, da» in meine Krankheit hineinspielte, nein etwa» mehr — kurz und gut, die Pflegerin Ihres Sohne» Baronin, ist die gesuchte Maja!”
Hastig, überstürzt, ohne seine Gedanken oemünftig fassen und ordnen zu können, stieß er die Worte hervor, und sie fuhren alle zusammen, und sede der drei Frauen wußte, ohne Beweis, ohne Zusammenhang, nur au» einem unwillkürlichen Empfinden heraus, daß er recht hatte. „Sie Gefahr!” dachten Mutter und Karin im gleiHen KefW. ,Dte Prinzessin auf der Erbse!”
^Festsetzung