Samstag, 9. Juli 192L
* Fuldaer Leitung
*$* Druck des Fuldaer Actleadruckerek ht Fulda
Schuhe,
*' sowie alle anderen Lederwaren lärbt man wie neu mit
Braunstem Wllbra. Wilh. Brauns, G-m.b.H., Quedlinbar,. {
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Bus verhangkisvoSen Tagen.
Don russisch-französischer Seite wird neuerdingS behauptet, der Weltkrieg und die ihn entfesselnde russische allgemeine Mobilmachung sei am 30. Juli 1914 durch die Falschmeldung des »Lokal- anzeigers' über die deutsche Mobilmachung der« ursacht worden, da das die Falschmeldung widerrufende Telegramm des russischen Botschafters absichtlich mit großer Verspätung von Berlin abbefördert wurde. Wie jedoch schon während deS Krieger einwandfrei festgestellt worden ist, wurden am 30. Juli 1914 nicht nur eine, sondern zwei Depeschen der russischen Botschaft mit Widerruf ohne Verzögerung nach Rußland weiiergegrben, eine offene um 5 Uhr 27 Minuten nachmittags, und eine chiffrierte, die von amtlicher russischer Seite 10 Minuten später veröffentlicht wurde. Die russisch-französische Unter- stellung ist ebenso unwahr wie absurd; denn die Absicht einer Verl>eimlichung des Widerrufs hätte erfordert, sämtliche Chiffredepeschen nach Rußland anzuhalten, da man doch nicht wiffen konnte, welche den Widerruf enthielt.
geführt werden Knockout ist der Boxerausdruck für den entscheidenden Schlag, der den Gegner in Ohnmacht zu Boden streckt.
Es ist nun in der Tat den vereinigten Feinden gelungen, dem erschöpften Deutschland das Knockout bei- zubriiMn. Es ist ihnen freilich schwer geworden, obschon sie durch ihre lleberzcchl im Vorteil waren. Das war nämlich ein wesentlicher Unterschied der Kriegs- boxerei von der Sportboxerei: hier tritt einer gegen einen an; im Kriege aber traten 25 gegen 4 an; also wenigstens sechs gegen Deutschland, umö das kann auch der beste Kämpfer nicht lange aushalten.
Weil der Sieg im Weltkriege der Mchrzahl zufiel, wiffen die Herrschaften nicht recht, wer denn eigent- lich den Lorbeerkranz verdtent. Die Engländer mei- neu, ihre Blockade habe es gemacht. Die Franzosen aber sagen, ihr Marschall Foch und ihr glorreiches Heer hätten den Ausschlag gegeben und müßten auch jetzt noch den Ausschlag geben. Die Amerikaner prahlen nicht so laut, aber sie sitzen schmunzelnd auf ihren Kriegsgewinnen und wissen ganz genau: Wenn wir euch nicht eine Million Soldaten und eine Umnaffe der besten Kampfmittel geliefert hätten, so würdet ihr es nicht geschasst haben.
Rach unserer Ucterzeugung ist Amerika der eigent- liche Sieger. Soll der Boxkampf em Spiegel des Weltkrieges fein, fo ist es ganz in der Ordnung, wenn die amerikanische Kraft den Sieg davonträgt über die europäische Eitelkeit.
Ous dem Nachbargediet.
*= H'lders (Rhön). Ein schönes Jugendfest in echt christlich.kathol. Charakter sah am Sonntag, den 3. Juli, unser Heimatdorf. Der hiesige Gesellenverein feierte seine Fahnenweihe. Bereits am Samstag abend fanden sich die Mitglieder und eine Anzahl auswärtiger Gäste zum Begrüßung-, abend zusammen. Bei frohen Weisen der bewährten Hilderser Musikkapelle, in wechselvollem Gesang schöner Wander- und Gesellenlieder verlebten die Erschienenen
Nun aber ein Wort über das Boren selbst. Das ist zeitgemäß, weil dieser Faustkampf auch bei uns zu Lande sich eirrrrißen will.
In Herders Konversationslexikon steht kurz und bündig: „Boren, mit geballter Faust kämpfen; früher englischer Ralionalkampf, jetzt nur noch Deibesübung; besteht in Austestung regelrecht« Püss« von der Stirn nach de- Gegend des Leibes hin; fand in Deutschland wenig Anhänger." Dar letzte wird cor 18 Iabrsn tj> stimmt haben, aber jetzt hat sich die Zahl der Änhän- ger m Deutschland arg vermehrt. In Berlin und auch in_ anderen Städten werden fortwährend von berufs- mäßigen Borern Schaukämpfa veranstaltet, rmd das Publikum läuft massenhaft zu solchen wirklichen Prügeleien. Cs soll ein Sport fein, ist jedoch ein ganz gemeines Geschäft geworden.
Den Vorläufer bildeten die Rittgkämpfe. Dean da zwei nackte Wann«; an ihren jchwÄßtrieseo.
• EineThphuS^kpitemie ist in Opladen (Rhein- land) auSgebrochen. Die Zahl der Erkrankten beträgt bis jetzt elf. Opladen ist infolgedessen für die Emente- Truppen gesperrt worden.
* Keine Anslandswaren auf sächsischen Bahnhöfen. Ter sächsische Verkehrsminister hat angeordnet, daß in den Gastwirtschaften auf den Bahnhöfen keine Auslandswaren verkauft werden dürfen. ES bezieht sich dies besonders aus Pilsener Bier und ausländische Schokolade.
* In den Alpen erfroren. Sechs Herren und drei Damen, die eine Durchkletterung der W nkler- schlucht am Wilden Kaiser unternahmen, wurden von einem schweren Unwetter überrascht und mußten im Freien übernachten. Ein Wiener Tourist und ein Fräulein Dürnberger aus München sanden dabei den Tod durch Erfrieren.
* Ein neues Ferngeschütz. Wie amerikanische Blätter berichten, hat ein Engländer namens John Tempi e ein neues Geschütz eifnnben, das fähig ist, ein Geschoß von 5 Tonnen wett über eine Distanz von 300—500 Kilometer bei einer Schnelligkeit von 8—10 Kilometern in der Sekunde abzuschießen. — Es wäre besser, man wendete sich endlich einmal der Erfindung heilsamerer Dinge zu als Ferngeschütze und ähnliches es sind. Die Menschheit hat an dem Jammer genug, den die bisher erfundenen Schieß- inftrumente angerichtet haben.
ein recht bald gelingen möge, die zum Bauen des Museums notwendigen Selber zusammenzubringen.
— Island zählt nach neuer Aufnahme 92 820 Einwohner auf 103 800 Quadratkilometer. Die größte Stadt ist Reykjavik mit 15000 Einwohnern. Etwa die Hälfte der Isländer wohnt in Städten oder Dörfern, der Rest zerstreut auf einzelnen Höfen. kos.
— Allerlei Weisheit. Die höchste Höhe des Dogel- fluges ist durch die neuesten Untersuchungen auf ca. 2000 Meter ftstgcstellt worden. Interessant ist dabei, daß kein Bogel über die Wolken hinausfliegt, er will immer die Erde sehen und bleibt stets unterhalb der Wolken, auch wenn diese nur 800 bis 1000 Meter hoch sind. — Die Zahl der mit bewaffnetem Auge sichbaren Sterne wird aus rund 200 Millionen geschätzt, davon sind zirka 150 000 bis letzt genau registriert und mit Namen oder Zeichen versehen. — Die Zahl der Christen in Indien ist innerhalb der letzten fünfzehn Jahve von einer Million auf etwa vier Millionen gestiegen. — 3n Uganda in Afrika kommen auf je 1000 Männer über 1400 Frauen, in Alaska aber nur 370 Frauen. — Mahagoni-Bäume wachsen so langsam, daß sie erst hn Aller von etwa 200 2ahrm ihre volle Höhe erreichen.
wo. '
Neue Bücher.
2IL Hmnmerschmidl: Der Mönch.
Raman. 1.—9. Tausend. 27 M «Äffcht. Teuerungs- zerschlag des Dsrlags Ferb. S ch ö n i n g h, Paderborn.
Dieser Ranum ist ein Bekenntnisbuch, es ist die Geschichte einer Menschenseele, deren tiefe, rmergrmibliche Sehnsucht sich schließlich heims'Midet zu Gott. Wir sehen den westsÄischan Schulter.sohn Theodor vor uns auswachsen | aus einer fast traumhaften Kinderzeit. Es ist ein gan$ seltsames Kind, ganz anders wie seine Umgebung, seine Schulkameraden, von unerhörter Kraft der Innenlebens, einer unerschütteiEchen Sehnsucht, feinfühlig und zäh ver- schlossen. So bleibt er fremd und oft verlacht im Kreise feiner Mitschmer, und erst spät findet er ein Verhältnis zur Mitwelt feiner Schulzeit. Der erste Teil des Buches fit eine ergreifende Darstellung eurer Kindes- rmd Jimg- kmgsseel« von höchstem, psychologischem Reiz. Rein künstlerisch ist dies wohl bas Wertvollste des Buches.
Der Weltkrieg fichtt den jungen Menschen dann hinaus auf die polnischen Schlachtfelder. Erschütternde Kriegsbilder ziehen vorüber, und unter der Ein- und Nachwirkung der furchtbaren Geschehnisse verliert der junge Kriegsfreiwillige, der verwundet und kriegsuntauglich wird, feinen Gottesglauben. Er erfährt die Liebe zum Weibe, aber auch hier bleibt schließlich seine Seele mit ihrer brennenden Sehn- sucht nach Glück leer; das geliebte Mädchen kann ihm nicht gehen, was er sucht. In Mittäter studiert er nun Philosophie und sucht unh findet keinen Ausweg aus undurchdringlichen Finsternissen. Da erlebt er eines Adventsabends die gewaltige Predigt eines Franziskanermändere, des Got- tesmannes wie er fortan heißt, dessen Worte, getragen von einer Stimme wie eine erzene Glocke, ihn erschüttern und auf rütteln, ffir vertraut sich ganz dem Mönch an, der ihm Hilst und ihn zurechtweist. Im nächsten Frühiahr tritt er als Novize ins Franziskanerklofter. Auch hier muß er nach wiederholt aufs schwerste mit dunklen Stunden, mit fressendem Zweifel, mit schwarzer Verzweiflung ringen, aber schließlich findet er die völlige Befriedigung feiner Sehnsucht und Umast m Gott; feine Seele versinkt Kl die reinste, hingebemdste Gottesliebe.
Dieser Abschluß ist groß und ergreifend und voll mystischer Innigkeit. Der letzte Teil des Romans aber leidet doch wohl an einer gewissen Verschleppung, <m einer Wiederholung des Motivs, die etwas ermüdend wirkt. Auch das ist ein gewisser Mangel gegenüber der Jugsndgsschichle, daß der Held schließlich so allein beherrschend hervortritt, daß die Übrigen Gestalten als Eharaktere Übrhaupt nicht deutlich werden, auch nicht der Gottesmann. Dies ist im Anfang anders.
Die Sprache ist hinreißend tmö prächtig, erstaunlich modsm in kichnsten Bildern, voll herrlichen RaturschNde- rtngen; alle Tages- und Jahreszeiten leben und reden dem Serfaffer. Die Seele des Helden liegt ganz offen vor uns, mst all ihm Stimmungen. Zu unerhörten Tiefen seelischer ZergMrenmg dringt der Verfasser vor, um den Leser dann wieder m unermeßliche Höhen des Gedankens emporzareißen. Fast ist es manchmal schwer zu folgen. Zahlreiche Gedichte sind eingefiigt, Bekenntnisse der Helden, die z. T. köstliche Derlen reKgiöfer Poesie sind, mitanter ater auch die Reflexion nicht völlig in dichterische Anfchau
Gottes-ienstordnang.
Katholischer Gottesdienst.
S o n n t a g, 10. Juli. Dom. Vi6,6, */s7 u. 7 M., um i. d. Marienk. M. U. Gen.-Kom. d. Jungfr.-Sod. u. d. christenlehrpfl. Jungfrauen i. Dom, 8 Pfarramt u. Pr., VilO Kathedralamt u. Pr.. 11 Ehr. f. d. Jünglinge, V«12 M. u. Pr., V,2 sakrament. A., V«3 Vers. d. Jungfr.- Sod., 4 Pr. u .St., 7 Herz-Mariä-Bruder s cha ft m. Pr. u. Segen. — Stadtpfarrkirche. SV, Som., SV« Ak. u. Korn. f. d. Dienstmädchen-Kongregation, SV« M. u. Korn, f. d. Junrfrauen, 8 M. u. Pr. (1. Schulgd >, SV, Pfarr. amt u, Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd.), SV, Ehr. f. d, Jüngl. i. d. Seve<ikirche, 2V, Bruderschaft v. d. Todesangst d. Herrn, 3V« A. f. d. Jungfr.-Lod. — Pfarrkirche zum hl. Geist. V«7 Koin.,7Zruhm., 8 Pr., Amt m. Som., V,5 Chr., 5 21. — Sodalität. V»10. — Severikirche. Sonntags V,7, werktags 6°® M. — Herz-Jesu-Heim. 8 Hochamt m. Pr, nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 St.) — Frauenberg. Tltularfeft des Iranziskaner-MifsionSvereins. 5, 6, 6'/, u. 7 M., 8 Bruderschaflsm. m. Pr., 9 Levitenamt m. Pr^ nachm. Vs3 Pr. u. A. f. d. Franzis kaner-M isstonsverein.
Montag, 11. Juli. Nonnenkirche. (Fest d. Anbetung Jesu i. allerhl. Sakramente.) 6 AuSs. d. Allerhl. u. M., V*7, 7, V,8 u. 8 M., 9 Levitenamt, 10 M., 11-12 erste u. zweite Fronl.-A., 12—1 stille Anbetung, 1—2 dritte u vierte Fronl.-A., 2—3 fünfte Fronl.-A., 3—1 feiert. BeSper, 4—5 stille Anbetung, 5—8 Krone Christi, 6—7 Schlatz-A. m. Te Deum. (An den Sonntagen während d. Ferien >/,9 Konventamt.) — Frauenberg Vierteijährige Gedächtnisfeier f. d. verstorbenen Mitglieder, Verwandten und Wohltäter des Franziskanerorüens. 7 feiert. Requiem.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 10. Juli. Fulda Vormitt. 8 u. SV, Sup. Ruhl. —, Bad Salzschlirf. Bormitt. SV, Pfarrer Reich. — Großenlüder. Vormitt. SV, Pfarrer Weber
Lvanzel. lanLrikirchl. Semelnschast vuttlnstr. 17.
Sonntag, 10. Juli. Abends 8: Evangelisation. — Dienstag abends 8: Bibelstunde (Pfarrer Weber). — Mittwoch abends 8: Gesanzstunde. — Donnerstag abends 8V«: Jungfrauen-B.-K. — Freitag abends 8V,: Bibel- und Gebetstunde.
Wer an Hühneraugen leidet, hüte sich mit dem Messer zu schneiden. Völlig; gefahrlos, dabei erstaunlich schnell wirkend ist das in allen Drogerien und Apotheken erhältliche Hühneraugen- Lebewohl, während Hornhaut aufderSohle durch LebewOhl-Ballen-Soheibsa verblüffend schnell entfernt wird. Die Mittel verrutschen nicht und bleiben nicht am Strumpfe kleben. Preis 3 Mark. A. Müller, Markt- Drog-erie, A. Schramm, Kloster-Drogerie. 361
ßiitteimngen öet WklsLea Biotoaloignagsitelle.
S. Juli 1921.
Der Zucker für eingereichte Iulikarlen kann in den Geschäften Mitte nächster Woche abgeholt werden.
Gegeben werten auf den Kopf Wi Pfund lausend und V* Pfund Einmachzucker — 2 PfmrÄ. Sackzucker 4,25 „<4.
Alle Säuglingszuckerkarten sind sofort zwecks Wftempe. lang bei der Karrenausgabe vorzuzeigen.
Umabgestempelte Karim werten von Montag dm 11. dieses Monats ab nicht bedient.
Markte.
— Fulda, 9. Juli. Auf dem heutigen Schweine markt waren 6 Läufer und 240 Ferkel angetrieben. Erstere wurden mit 800—700—600 Mk. gehandelt, letztere mit 350—250—150 Mk. Der Handel war rege.
den Leitern sich umklammert halten uni) drücken und zerren, bis der eine unten liegt und der andere oben- auf, so ist das wahrlich kein erbaulicher Anblick für ein normales Auge. Aber dabet fließt doch in der Stegel nur Schweiß und kein Blut. Der schwächere Teil wird mit beiden Schultern auf den Boden gedrückt, und dann kann er keuchend von dannen gehen. Für das Publikum, das feine rohen Nerven aufregen laffen will, wurden diese Ringkämpfe bald zu fade. Das Boxen bietet ganz andere Sensation. Die reget- rechten Püffe, von denen dos genannte Lexikon spricht, wachsen sich zu wuchtigen Schlägen aus. Es gift ja, den OegTRT fo zu treffen, daß er ohnmächtig hinftürzt und wenigstens so lange liegen bleibt bis der llnpar- teiisch» bis zehn gezähll hat. Da gibt es Schläge auf die Brust, die den Herzgang erschüttern sollen. Ferner Schläge vor den Bauch, die den Magen rebellisch machen. Dann di« Schläge an den Kopf zur Erschütterung des (Set)irns oder zur Trübung der Augen oder zur Verrenkung der Kinnbacken. Der sogenannte Kinnhaken ist ein sehr beliebtes und sehr wirksames Kampfmttiel. Bei dm Schleen ms Gesicht sließt in der Regel reichlich Blut. Wenn der Mann, der gr- taumelt hat oder gefallen ist, mit blutüberströmtem Gesicht zu weiterem Kampfe wieder antritt, so pvrist das PMikum seinen Mut, aber die Zuschauer wiffen ebensogut wi« er selbst, daß er in feinem geschwächten Zustaickte neue Schläge, neue Wunden erhalten wird, bis er endgültig mederaehauen ist. Die eine „Runde" des Kampfes wird noch gräßlicher wie die andere. Vas gefällt aber gerade dem gierigen Publikum. Es ist im Grunde genommen derselbe Geist der Roheit und Grauiamkeil, der im alten Zirkus der heidnischen Römer herrschte. Die Entrüstung über die spanischen Streryffechte kann man sich überall sparen, wo die Boxkämpfe Mode sind; denn schließlich ist die Tierquälerei noch nicht so schlimm, wie die Menschen- quälcrei.
Es ist gewiß kein Zufall, daß die Boxerei gerate nach dem Kriege bei uns in Schwung kommt. Da wirkt sich die Berrohung ter Sitten aus, die der lange Krieg mit sich gebracht und wie eine ansteckende Krankheit verbreitet hat.
Boxen als Leibesübung, — das klingt fchr schön. Aber was da geboten wird, ist Boxen als Geschäft und als sadistische Augenweide für brutale Mensen. Di« bejubelten Kämpfer laffen sich ihre Schmerz>rn und I Wunden gehörig bezahle». Boa den beiden Helden, J
ung aMfföfen. Dies giß auch von manchem Kapitel da 30eiten
Wir wünschen dem wertvollen, eigenartig«,- ideenreichen Buche recht vrele Leser, aber nur reffe und nachdenkliche, tee tee Zett und Fähigkeit haben, sich m di« Füll« ti-ttfter betonten hmemzuletem. Dor Verfasser ist sechst em Jünger des sch Franziskus. $
Wszvg «ns den Hegiftem des SkMesnruks Ma.
Sterbefälle vom 1.-8. Juli 1921.
3. Juli. Schüler Wilhelm Peter Roos, 12 I. 5 M. 7 T. 7. Maria Sabina Reith, 12 I. 3 M. 15 T. 28 Rtinhardtz cand. med. denL aus Würzburg
Unpolitische Zeitläufe.
Don Fritz Nienkemper.
Berlin, 7. Juli 1921.
Wenn zwei Mäimer sich mit geballten Fäusten so lange; verhauen,, bis ter eine ohnmächtig hinfäüt, das nennt man boxen, sind wenn zwei „berühmte" Faustheldm um tetr Titel eines Weltmeisters hn Loxenkämpfen, fo macht man daraus ein weüyefchicht- kches Ereignis, das hunderttausend Zuschauer anlockt ttnö Millionen von Zeitungslesern in fieberhafter Spannung hält.
So geschehen zu New-Jersey jenseits des großen wo ter irische Amerikaner Dempsay den vradsen Carpentier gründlich nietergeboxt hat. Welch? Aufregung wegen dieser vierhändigen Prüge- tei. P<ms stand auf dem Stopfe während dieses Faustkempfes, ais ob es sich um den Sieg ober die Niederlage des ftanzösischen Heeres hantelte. Die Leitungen mußten alle ihre Kunststücke in ter Der- kundlgung von Neuigkerten wieder spielen taffen, wie ™ "n. "»ttchen Tagen des DeUkrieges. Durch den drahtlosen siernfprecher und durch das Telegraphen- c;ne fcW)e Berbindung mit Amerika hergr- stellt, daß kaum Mei Minuten nach dem Ausgang ^'5 Kampfes ine Nachricht in Paris war. Dort hatte man ten neugierigen Massen mitgeteilt, daß rate Leuchtkugeln dm, sieg des Franzofen und weiße Leuchtkugeln den Sieg des Amerikaners melden wür- ten. llls mm die weißen Raketen aufstiegen, sank ^rankrerch m Die Franzosen hatten
KL ^lm-lich eingeretel, jch Landsmann müsse un- stmbar den Steg tevontrrsgen, weil er eben ein Frcm- 8°* tei, d. h. em Mann von unübertrefflicher Weis- heit mtd Gewantehett, gegen dessen „Geist" die .rohe Krchi-tes Amerikaner- mcht auskommen könne. Ater tee Verkörperung tes galltschen Geistes sank unter den Faustschlägen des Ir^t blutüterströmt und ohnmä^ zu Böhen. Frankreich, das sich als glorreicher Siecm hn Wellkrieg fühlt, muß die btitere Pille ter Ri^ tage im Boxen schlucken.
Ist es erlaubt, den gewoktiym Krieg in Parail-le zu stellen mft dem Faustkampf zweier Boxer? Ich bin nicht ter Vater dieses Vergleiches, sondern Stert Lloyd George ist es, der englische Ministerpräsident. Er sagte während des Krieges, als er die Frie- donsangebote abwies, -er Krieg muffe zum Knockout
die soeben in Amerika sich verprügelt haben, bekommt ter Sieger 300 000 Dollars, der Unterliegende 200 000 Dollars (der Dollar gilt jetzt 70 deutsche M.). Das schöne Geld ist ja sauer verdient, doch besser wäre es, wenn all dir Schmarotzer ter Schaustellungen sich an tee schassende Arbeit machten, statt dem Publikum die ohnehin kranken Nerven noch weiter mrszupeitschen.
Daß die verehrten Leser nicht zu solchen rohen Schaustellungen gelyen, setze ich als selbstverständlich voraus. Aber vielleicht ist die Mahnung am Platze^ daß man auch den Rennplätzen so fern Äs möglich bleibt. Bei diesem angeblich noblen Sport fängt man an, und von Stufe zu Stufe kommt man in die Roheit hinein. Auf dem letzten Rennen in Berlin wurden rund 8 Millionen Mark am Totalisator vergeudet. Auch ein bedenkliches Zeichen der Zeit. Wenn das Reich dte notwendigett Steuern erheben will, (ptett der Wetter und Schieber den Habenichts.
Bor allem sorgt dafür, daß euer Nachwuchs deck verrohenden und verführerischen Schaustellungen fern bleibt. Sie sollen einen vernünftigen Sport treiben unter sich, in vernünftigem Wetteifer. Aber wo be- zahlle Kräfte gegen Eintrittsgelder oder hinter einer Wettmaschine sich produzieren, da hört die Gemütlichkeit aus und das Laster sängt an.
frohe Stunden. In der Frühe des Sonntags weckten die Klange des frischen Weckrufs unsere Gesellen und das ganze Dorf, dos feierlichen Festschmuck angelegt hatte, zmn frohen Feste. Düstere Rebelwolken tagen über den Bergen der Rhön Aber heiter und lebensfroh eilten alle Mitglieder und sehr viele Ehrenmitglieder zum Got- teshaur zur feierlichen Generalkom mji mon, um zu beten für sich, für des Vereins Weiterblühen und Ge- deihen. Der Himmel schien sich sichtlich darüber klar zu werden, daß sein trübes Gesicht nicht paßte zum frohen Jugendseste Bold leuchtete dir Sonne gnädig in den Festesjubel.' Um 9 Uhr wurde in festlichem Zug« unsere neue Fahne, begleitet von bereits zahlreich erschienenen Gastvereinen, zur .Weihe" geleitet. In einer von Iu. gendfrische getragenen Festpredigt verstand es der Pre- diger, den tiefen Inhalt, die ernste Mahnung uns vor Augen zu führen, die in der Devise des Gesellenvereins zu finden ist. Bei dem ergreifenden Deiheakt stand der altehrwürdige Gesellenverein Fulda Paten. Rach einem feierlichen Hochamt, bei dem ein mächtiger Fah. nenwall den Hochaltar umstand, sand auf dem Kirchplatz eine Huldigung an Vater Kolping statt. Um Kolpings Bildnis, das in Eichenlaubschmuck uns entge. genleuchtete, standen .Lehrlinge, Gesellen und Meister". Ein verständnisinnig oorgetragencr Prolog eines Mit. gliedes schuf die weihevolle Stimmung, mit der das Kol- pingslied von allen gesungen wurde. Herzerhebende Worte des Vereinsseniors erfüllten uns mit Freude und rechtem Vertrauen auf unsere Jugend, solange noch in ihr solche .Führer" zu finden sind. — Inzwischen wurde e» lebendig in den Straßen. Zahlreiche Gaste der Um. gegend, lieb.» Drudervereine aus der Ferne, sogar aus dem lieben Dayernlande trafen ein. Nach einer feierlichen Dankandacht gruppierte sich an der Batte- nerstraße der F e st z u g. Mehr als 20 Vereine mit über 20 Fahnen gaben ihm em farbenprächtiger Bild. In seiner Mitte erregte ein kunstvoll aufgebauter Fest- wagen — eine Nachbildung des Kolpingsdenkmals mit Darstellung der Sinnsprüche des Gesellenvereins — recht viel Bewunderung und Anerkennung. Auf dem Festplatz wurde den zahlreichen Gästen in Prolog und Lied ein herzliches Willkommen entboten. In seiner Festrede gab Herr Studienrat Schelle r-Fulda einen tiefen Einblick in die geschichtliche Entwickelung des Gesellenvereins von Kolpings Zeiten her und richtete den begeisterten Appell an alle: .Treu zur Fahne und allem, .was sie Euch lehrt und mahnt". Unter den kunstvollen Weisen der Hilderser Kapelle, beim frohen Sang des hiesigen Gesangvereins und der Geianasabteilung des Gesellenvereins Fulda, bei exakten Vorführungen der Turnabteilungen der Gesellenvereine Fulda und Petersberg, eer. liefen die Stunden rasch. Nachdem der festgebende Der- ein mit Erinnerungsbändern vom Patenverein, Ehrenmitgliedern, Iungfrauenverein und anderen auswärtigen Vereinen reichbeschenkt, auch seinen Gästen ein kleines Andenken überreicht hatte, wurde es allmählich wieder stiller und mft .frohem Wiedersehen" schieden unsere Gäste. Am Abend fand noch eine äußerst stark besuchte Fe st Versammlung statt, wo noch einmal in Ge. dicht und ernstem, sowie heiterem Theaterspiel des wandernden Gesellen Freud und Leid, sowie auch seiner In- gendjahre heiliger Ernst und ungetrübte Freude gefeiert wurden. Der Montag galt dem Gedenken der o er. storbenen Mitglieder, besonders der etwa 15 im Krieg gefallenen. Ein schönes Fest, in dessen ganzem Verlauf der Jugend froher Sinn, de, Jünglings fromm, empfindsames Gemüt sich ausgeprägt. Dank allen, die es uns so feiern halfen. Dank den lieben Gästen. Dank unseren Mitbürgern. Dank Euch, Ihr tapferen Kolpings- j söhne, die ihr im Kolpingsgeiste, nicht bei Ausgelassen, heft und Tanz, sondern im Geiste eines frommen, chrift- lichen Familienfestes euer Fest gehalten. Bleibt auch fürderhin ein Beispiel für viele!
fpd. Frankfurt a. M. Aus dem Wege von der Apotheke nach dem Elternhause öffnete ein vierjähriges Kind eine ihm zum Abholen übergebene Schachtel mit Morphiumpillen. Das Kind hielt die Pillen für Bonbons, aß davon und war am nächsten Morgen eine Leiche. Für derlei Gänge verwendet man keine Kinder.
(mt) Bad Nauheim. Aus dem schönen Iohannis- teifl soll die Veste M p a p u a, ein von ten Deut- chen im Innern Ostafrikas jeinerzeit errichtetes Sta- tionshaus neu erstehen und als Kolonial- museum Verwendung finden. Der Plan rührt von item allen Afrikaner Fänck her, dessen umfangreiche I Sammlungen augenblicklich in Bad Nauheim gezeigt werden. Das Kolonialmuscmn wird, wenn es erst erstanden fft, das Andenken an di« deutschen Kolonien besser und wirksamer aufrecht erhalten können, als alle Schilderungen, zumal es sich in feinen Sammlungen nicht auf die Kolonisotionstätigkeit beschränken, oid» I mehr auch ernste Forscherarbeit in ten deutschen Ko- I Ionien veranschaulichen soll. Die Stadt hat das zum Dau tes Museums notwendige Gelände völlig kosten- los zur Beifügung gestellt und man darf die Hoffnung ausfpwchen, daß es dem jüngst gegründeten Der- I
Die kommunistische Agitation unter den ttin-ern.
Aus Anlaß der Roten Kinterwoche veranstaüeten tne Kommunisten auch itt Le i pz i g eine Demonstra- tion der kommunistischer Lugend. Ein länger« Zug, zum größten Teil aus sechs- bis zehnjährigen Knaben und Mädchen bestehend, bewegte sich durch die Stadt, nachdem auf dem Platze vor tem Reichsgericht eine Ikrfammlung statt gefunden hatte. Es traten nur jugendliche Redner auf, die u. a. die Abschaffung der Prügelstrafe in der Säptte verlangten. Sm Zuge sah man. vott Kindern getragen, Plakate mit dem Inhalt: Wir sind die Arbeitsmän- n e r und Wir fordern die Migatorische Gemeinschafts, schule. Nebenher gingen als Führer Eltern und sogar Lehrer. Der Zug machte einen unangenehmen Eindruck. In Anbetracht aber, daß man mit iwch unverständigen Kindern einen derartigen Mißbrauch trieb, kam es bei den Passanten zu recht derben Zornesaus- brüchm. Es ist auch wahrhaftig traurig, daß man sich nicht scheut, die Kinder tes Volkes zu mißbrau- chen, die junge Generation zu verführen und zu verderben. Das sind mehr als betenkliche Zeichen. Es ist ein Derbrechon an unfevw heranwachfenten Jugend. Man trägt fo ten Klafsenkampfgedanken schon in die unteren Schulklassen hinein. Man vergreift sich an den unberührten, reinen Seelen ter Kinder.
Berliner Zustände.
D» Kommunisten in Berlin haben eine festge- .schlossene Kinterorganisation, die in kleinere Gruppen, größere Verbände usw wie die „Junge Garde" usw. zusammengeschlossen, eine nicht zu unterschätzende Hiffe bei Wahlen, Demonstrationen usw. bildet und als dämm für spätere Aktionen von Bedeutung ist. Diese kommunistische Jugendgruppen haben in allen Stadtvierteln Stammlokale, wo sie sich oersammetn, beraten, fingen und agitieren. Die meisten Zusammenkünfte finden in Berliner Gemeindeschu- len statt. Am 5. d. Mts. fand z. B. in der 257. Gemeindeschule, Dötzowstr. 40, für die Komm. Iugend- vruppe Nordost eine Dorsammiung statt, in der Humbold über die Kommunistische Schule sprach. Am nächsten Dienstag soll dort das Spartakurprogramm vorgettagen werden mit Fortsetzung am Dienstag den 19. d. Ms. Am Freitag den 22. d. Mts. wird dort ein Russe über: Aktives Arbeiten in der Ortsgruppe der Komm. Jugend sprechen. Am 15. d. Mts. und sechs anderen Togen im Juli sind verschiedene Sitz- imgen, insgesamt 10 in diesem Monat, Borge» freien, sämtlich Dötzowstr. 40.