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Preußischer Landtag.

Die Vorbildung der Juristen.

Trotz der vorgerückten Zeit setzt der preußische Landtag seine Arbeiten mit Eifer fort. Jedoch gedenkt man, dir zum 15. Juli mit dem noch vorliegenden Material fertig zu werden.

Arn Freitag letten zunächst vier kleine Anfragen die Tage«ordnung ein. Dann werden einige kleine Vor» lagen bebatteloS erledigt. Zu einer Debatte kommt et erst bei der weiteren Besprechung der sozialdemokratischen großen Anfrage über allgemeine Kündigungen von HeuerlingSpachtverträaen in Westfalen und im Regie» rung-bezirk Osnabrück. Die Interpellation geht an den lanowirtschaftlichen Ausschuß.

Eine lebhaftere Aussprache hat die große Anfrage der Sozialdemokraten im Gefolge, die darauf abzielt, festzustellen, wo die in Aussicht gestellte Reform der akademischen Vorbildung für die Anwärter deShöherenJustiz-undBerwaltungSdienstel bleibe und wie die sachliche Durchbildung der Anwärter deS Justiz» und Verwaltungsdienste» in einer den neu­zeitlichen Berhättnrssen entsprechenden Weise sichergestellt werden sollen. Die Begründung hat der mehrheitS» iozialistische Aba. Dr. IDaentig. Ihm antwortet der lultuSminnter Becker. Die Regierung erachte die Reform für dringend und auch für national hochwichtig. Aber sie könne nicht überstürzt werden. Betreffs deS juristischen EtuSiumS seien die Vorarbeiten abgeschloffen, die einzelnen StaatSregrerungen können jetzt Stellung nehmen. Der Minister hofft, daß er in allernächster 8eit fertige Beschlüsse nach dec gewünschten Richtung hin vorlegen könne. Der Zentrumsabg. Setzer-Ober, schlefien begrüßt die Interpellation. Er weist darauf hin, daß eS nötig sei, die exzepiionelle Stellung unserer Universitäten wieder zur Geltung zu bringen. Der deutschnationale Abg. Dr. Uähler verhält sich ablehnend, man wolle zwar an notwendigen Reformen Mitarbeiten, aber man könne nicht soweit gehen tote die Inter­pellanten. Die Vorbildung sei nun einmal auch in der hier behandelten Frage eine Vorbedingung. Herr Lichtenstein von den Unabhängigen will natürlich auch hier die Veihültniffe von oberst zu Unterst kehren. Die Interpellation geht an den UnterrichiSauSschuß, nach­dem sich der Redner der Unabhängigen genügend aus­gesprochen Hai.

Deutsches Reich.

• Berlin, 9. Juli. ReichSarbeitsminister D:. V raunt muß auf dringenden Rat seines ArzteS einen längeren Urlaub antreten. — Der bisherige Leiter der AußenhandelSstell» deS Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor, Prof. Dr. Wiedenfeld, ist zum Geschäftsträger in Moskau ernannt worden. Die Sowjetregierung hat zu dieser Er­nennung bereit» rhr Agrement erteilt. Ministerial­direktor Wiedenfeld wird voraussichtlich noch vor Ende d. M. in Begleitung einiger Mitarbeiter auL dem Auswärtigen Amt nach Moskau abreisen.

• Der Vorstand der Ienlrumsfrokkion b» preußi­schen Landtages wurde Donnerstag enbgüliig ge­wählt. Er besteht aus 16 Abgeordneten. Geheimer Lustizrat Dr. P o r f ch - Breslau ist 1. Vorsitzender, ßanbesötonomierat Herold- Haus LoevelinÄö bei Münster 2. Vorsitzender, Parteijekr. Gronowski- Dortmund 3. Vorsitzender.

* Fraucnreseraie in den Landwirkschaflskammern -«nb im randwirkjchosksminislerium. Die Zentrums­abgeordnete Frau Hesiberger und Staatssekretär o. D. Busch haben im preußischen Landtag folgende Anfrage eittgubrachf Am 5. November 1919 hat die ßeußische Landesoersammkung die nachfolgende Ent- ließung angenommen: „Die Staotsregierung zu ersuchen, bei der beabsichtigten Neuregelung des Ge­setzes. betreffend eine Neuorganisation der Landwirt­schaftskammern. allgemein Frauenreferate gesetzlich einzuführen, die entsprechend vor- gebildeten Referentinnen zu übertragen sind, um eine -ütgerräße Mitarbeit der Landfrauen an pen Aufgaben des Wirtschaftslebens und der ländlichen Wohlfahrtspflege zu gewShrleisteri. Ebenso ist ein solches Frauenreferat für das Landwirt- jchaftsministerium vorzusehen.- Dem Der- nehmen nach haben die Londwirtschaftskammern nur ganz vereinzelt tem Beschluß der preußischen Landesoersammlung entsprochen. Was hat bas Staat-mimsterium zur Durchführung des Deschlufles getan und was gedenkt es in Zuknft zu tun?

* Gemeinschaftlicher Antrag der USPD, und /rrehrheitssozialisten auf Aushebung der ärztlichen Ehrengerichte. Den ersten gemeinschaftlichrn An­trag haben dis beiden sozialistischen Partei^ nunmehr

Streite.

Sn Mannheim steht infolge der Ardeitrnieder- kegung der Maschinisten und Heizer die Rhein- schiffahrt vollständig still. Sm Mann- Heimer Hafen ruht jeder Verkehr. Der Arbeitgeber­verband beabsichtigt das Maschimstenpersonat zu ent- , lassen und auch der übrigen Schifssbemarmung zu kündigen.

Sn S t e t t i n hat der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe die gesamt« Bauarbeiterscha t aus­gesperrt, weil die Organisationen der Souarberer und Zimmerer ihrerseits über mehrer« Baugsschäfte die Sperre verhängt hatten.

Die Angestellten der Hotel-, Gastwirtschasts- und Kofseehausbetriede in den mecklenburgisch en Ländern haben der Streikparole nur in geringem Maße Folge geleistet. Sn Warnemünde wird über­haupt nicht gestreikt, hi Brunshaupten und Arendsee nur in einigen kleinen Häusern.

Der Verband der Staats- inÄ Gemeindembeiter und die Streikleitung der Berliner Guts ar- beiter haben beschlossen, dm städtischen Gutsarbei- lern die Annahme des Magistraisbeschlufles zu em­pfehlen. Heute vormittag wird auf dsn einzelnen Gütern die Abstimmung! über die Annahme oder Ab­lehnung des Magistratsbeschlusses stattfinQm.

MeUonserenz Oer Ernahrungsmimster.

Aushebung der Zuckerbewirlschafkung.

r Vie Konferenz der deutschen Ernährung»- und Landrvirtschafisminister. die in Stuttgart unter dem Vorsitz des Reichsministers Dr. Hermes stattfand, beschäftigt« sich mit der Kunstdüngeroersor- flung und den Maßnahmen zur Hebung bet Pro­duktion.

Sn sachlicher Aussprache wurde die echöhte verwen- hmg von Kunstdünger für landwirffchostliche Zwecke .als eines der ersten und wichtigsten Mittel zur För­derung der landwirtschafttichen Erzeugung von allen .Seiten anerkannt. Hinsichtlich der Zuckerbewirt, s ch a f t u n g wurde ein Beschluß angenommen, der fordert, daß auf den 1. Ott. d. 3. die Bewirt­schaftung aufgehoben, ebenso der Derkehr mit Kaffee-Ersatzmitteln mit dem 1. August freigögebm werden soll.

Die Verordnungen über den Handel mit Lebens- Mitteln und Futteimitteln, Tabak mch Wem sollen auf­gehoben werden. Die B r o t v e r s o r g u n g für die Uebergangszett sei durch Einsicht sichergestellt; eine Erhöhung bet Kochmehlration könne augenblicklich nichtin Frage kommen. Die Reisobrotmarke soll bei- behalten werden._____________

tm preußischen Landtag eingebracht. Sn diesem An­trag wirb bie Slaatsrrgierung ersucht, das Gesetz b«. treffenb di« ärztlichen Ehvengerichte vom 25. Novbr. 1899 aufzuheben. Der Antrag ist unterzeichnet von Braun, Dr. Bkyn-Dcrtin und kn übrigen Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei sowie Dr. Weyl und sämtlichen Mitgliedern der USPD. Auch ein Zei- chen der beginnenden Annäherung der Gruppen im Parlament.

Ausland.

* Der enolisch-japanische HLndniöverttag. Auto­risierte Kreike in Washington erklären, daß daS Staatsdepartement keine offizielle Mittei­lung über die Erneuerung des englrsch-japanischen Vertrages von der englischen Regierung erhalten habe.

Has -er katho!ischen Welt.

e Sine besondere kakhosiiche Dekgaiut und ein be­sonderer Provinzial-Synodal-Derband für die Ostgrenz. mark. Eine nicht unwichtige Entscheidung für die Katho- liken und Protestanten der Ostgrenzmark hat bet Rechts, ausschuß des preußischen Landtages getroffen. Es wurde dort ein Gesetzentwurf angenommen, der die Errichtung einer kctztholischrn Delegatur für die Ost- grenz mark zum Gegenstand hat, um die katholische Bevölkerung dem Elnfluffe de» polnischen Erzbischof» von Gnesen-Posen zu entziehen. Auf einen bsmotrati- scheu Antrag hin wurde dann auch noch für die dortige evangelische Bevölkerung ein besonderer Provin - ztal.Synodal-Verband zu gründen beschloffen, um auch die Wünsche der deutsch-evangelischen Beoölke. rung nach einem eigenen kirchlichen Leben erfüllen zu können.

• Bet Papst an die Arbeiter, lieber 8000 Arbeiter, bie zue Genossenschaft „her AibeAererholmigehsüne" ge­hören, warm am Peter- und Pmllstage in den Vatikani­schen Gärten txrfammrft, und wohnten dort der Papstmeffe unter freiem Hiemnek bei. Am Schluffe der Meffe wandt« sich der Papst in einer Ansprache an die Arbeiter und sprach von den Seligkeiten der Bergpredigt. Er erinnerte an bie Verschiedenheiten der Klaffen und an die sich daraus ergebenden verschiedenen Pflichten. Ein­dringlich warnte zum Schluffe der Papst vor den fatschen Propheten: Jesu» habe damals die Arbeiter des 20. Jahr, hundert» schon im Auge gehabt, gegen di« sich eine so furchtbar« Propaganda be« Unglauben» in der glaubens­losen Schule, in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften, in Theatern und Versaenmiungen richten würde, die einzig darauf abziele, bei dm Arbeitern die Religion rn Mß- Urebit zu bringen und dieselben von Christus zu trennen, um so die Beute des UnglmÄxns und der Sittenlosigkeit werden zu laffen. Momand zweifle daran, daß die Ar- beiter ihr« Rechte hätten, aber sie dürften nicht vergeffen, daß sie auch Pflichten hätten. Wer nicht mit den Rechten zugleich auch an die Pflichten erinnere, der sei ein falscher Prophet. Diese falschen Propheten, die von den Pflichten schwiegen, würben nur dazu beitragene, die gesellschaft­lichen und Fmniltenbande zu sprengen. Benedikt XV. er­innert an die Enzyklika Leo XIII., „Shrum novmMn", in der die ganze soziale Lehre der katholischen Kirche niedergelegt fei und die väterliche Fürsorge der Päpste für die unteren Klaffen glänzend bezeuge, deren Hebung ihnen immer am Herzen gelegen fei. Niemals hätten die Päpste den Bestrebungen nach Beffonma der Laige der Ar­beiter rin Hindernis gesetzt, vorausgesetzt, daß nicht die irdischen Destrrdungen darauf hinaussiefen, bie ewigen Gü­ter ans dem Gesichtskreise zu oerfieren.

* Ans ein zwanzigjähriges Bestehen konnte die nach dem hl. Hieronymus benannte milde Stiftung zur Dettrilimig der Evangelien in itolbmttcher Sprache zurückblicken. Prä- sident war M<rr. Della Ehiesa — der letzt regierende Papst — zur Zett der Gründung. Die verdiensinollen Letter be. gönnen ihre Aidett tn ganz bescheidener Weise, indem zu­nächst eine biffw Ausgabe von 2000 Bändchen bet Evan- gelten und der Apostelgesch'chte in ttalienischer Sprach? her- gestellt wurde, deren Kosten die Mitglieder und die im Derdorgenen oebliebenen Wohttöter mttrogen haben. Dos von Leo XIII. gebilligte und geförderte Unternehmm nahm nach und nach an Bedeutung zu: au» den 2000 An- far°aÄ>ändchen wurden bald 60 000. dann 90 000 im Jahre 1903, 150 000 im Jahre 1904, 270 000 im folgenden Jahre n. s. w. Vie Gesellschaft kann sich rühmen, bis heute über 3 186 000 Reue Testamente unter da» itasimisHe Volk verbreitet zu haben, wozu noch 200 000 Einzelausgaben des lviakt!häi«sevanigelff.ms, 250 000 des MrvkusenangeNnms und 350 000 des LukasenangeKums hinzuzurechnen sind. Durch die Großmut des Heiligen Pater» wurde das Un- temehmen in den Stand gefetzt, mich kleine Sonntagsblätter zu drucken, die außer dem Evangelium eine wirksame, knappe Auslegung desselben enthielten, und die während der Messen an die Gläubigen kastenlos verteilt werden, ähnlich wie die» schon seit Jahren der stasiemsche kacho- lffche Jugendbund eingerichtet hatte. Bon diesen Blättern konnten, wie Prof. Rogara im „Torriere b’Slafia“ mitteilt, hn vorigen Jahre 6 763 000 zur Verteilung gelangen. Auch ein ehrenvoller Beitrag Mn Thema: Katholische Pressearbeit.

Heimat.

S»lda, bett S. Juli 1921.

58r die Veteranen von 1870'71.

Die Versorgung dex dienstbeschädigten Militärperso- nen hat sich schon lange al? unzureichend erwiesen. Rach dem Kriege wurde zunächst die Dersorgung der Kriegs- teilnehmer durch das Reichsversorgungsgesetz neu gere. gelt. Um nicht die nach den älteren Gesetzen versorgten Personen, insbesondere die Kriegsteilnehmer von 1870-71 schlechter zu stellen, hat man zunächst auf dem Vermal, tungswege diesen durch Zuschläge zu den früheren Be. zügen notdürftig geholfen. Dieser Zustand läßt sich aber nicht mehr länger aufrecht erhalten; eine gründliche Re. form der Altrentnerversorgung ist erforderlich. Daher hat der R e i ch, a r b e i t s m i n i st e r den Entwurf zu einem „Gesetz über die Versorgung der vor dem 1. Aug. 1914 au, der Wehrmacht ausgeschiedenen Militärperio- nen und ihrer Hinterbliebenen" (Altrentnergesetz) soeben dem Reichstag zur Befchluhfassung übersandt. Die Der- sorgungsgebührniffe werden nunmehr auch für die alten Veteranen nach dem Reichsversorgungsgesetz neu ge- regelt. i

Diese Neuordnung entspricht nur den Grundsätzen der Billigkeit, nachdeist durch da, Penstonsergänzungsgesetz die Gleichstellung der alten und neuen Pensionäre unter den früheren Berufsbeamten und Offizieren durchgeführt worden ist. Mit dem Inkrafttreten dieses Gesehentwur. fe» werden die bisher für die Altrentner und ihre Hin­terbliebenen geltenden Gesetze keine Anwendung mehr finden. Während aber das Reichsversorgungsgesetz in erster Linie den Anspruch auf Heilbehandlung als wich­tigsten Teil der Versorgung gesetzlich festlegt, tritt diese bei den Altrentnern wesentlich zurück, weil die jüngsten in Betracht kommenden Dienstbeschädigungen über 6 Jahre meisten» noch länger zurückliegen. Bezüglich der orthopädischen und anderen Hilfsmittel sollen bie Alt. rentner den Teilnehmern am Weltkriege vollkommen gleichgestellt werden.

Auch wird für die Altrentner eine Berufsausbildung usw. nicht mehr In Frage kommen. Sonst aber finden die Vorschriften des Reichsversorgungsgesetzes entfpre» chende Anwendung. Wer bisher Kapitalabsindung er­halten konnte, soll nach diesem Gesetz die Möglichkeit haben, Kapitaiabsindung in dem vom Reichsversorgungs. gesetz vorgesehenen Umfang zu erhalten. Hinsichtlich Zahlung, Uebertragung, Verpfändung und Pfändung der Bersorgungsgebührniffe sollen die Vorschriften de» Reichsveriorgungsgesetze» Anwendung finden.

Die guten Heidelbeeren

sind wieder da — die Fuldaer „Schwarzebeer- H et" schleppen sie mühselig in allen möglichen Ge- täten, Eimern und Töpfen aus den Wäldern in großen Mengen heim. Ein ßolalpoet in der Fuldaer Ursprache hat er in den gestrigen „Buch^nblänern" ja jo schön besungen.

Man soll sie ja nicht verachten! Di« Heidelbeere, auch Blaubeere, Schwarzbeere, Besinge, Bickbeere usw. genannt, ist von jeher eine der bekanntesten „Volks- m e d i z i n e n", deren Einfluß auch von der ärztlichen Wisienschafi nicht bestritten wird. Wo Heidelbeeren im Haufe sind, bleibt der Arzt fern, so lautet ein altes Doikruttell. Diesen ihren Ruhm teilt die D er« mit dem Sonnenschein. Gerade dir kleinen alltäglichen Erkrankungen werden durch den Genuß von Heidel­beeren geheilt. Obendrein sind sie als Medizin im­mer noch billig, laffen sich leicht trocknen tmb rin- machen, und so kann man sie das ganze Sahr über tsrfüßbaT heben. Be' Mund-, Rachen- und Hals» katarrh leisten Ausspülungen mit HrideDoersafi die vorzüglichsten Dtenste, mit dem Vorteil, daß es nichts schadet, wenn man etwas verschluckt. Auch üblen Mundgeruch vertreibt der Saft. Schnupfen wird, wie erst jüngst ein Gelehrter wissenschaftlich fest stellte, als- bald beseitigt durch eine Ausspülung der UlaV mjt unterdünntem Saft Der bekannte Purpurs, ifoff der Beere dringt in die entzündeten Häutchrn uno Ge­webe ein. Dadurch entsteht durch Zusammenziehung eine Schutzschicht für die darunter liegenden Gewebe, so daß weitere mechanische Reizungen von der erfreut» tan Stelle abgeh alten werden und die Heilung sehr schnell vonstattm geht. Aus gleicher Ursache beruht auch die Wirkung der getrockneten Hndelbeer« bet Durchfällen. Jedoch nicht nur die Schleimhäute ver­sieht der Farbstoff mit feiner schützenden Decke, son­dern auch jede Hautoberfläche. Prof. Winternitz sm- pfschlt deshalb den Säst auch bei den verschiedensten Flechtenkrankheiten und Hautausschlägen. Er erzielte hierbei stets rasche und dauernde Heilung, eine Tat­sache, die allgemein bekannt zu werden verdient.

* Personennachrichteu. Regierung!»- und Kul­turrat Slrohmeher in Eschwege ist als plan­mäßiges Mitglied an das SanbeSfulturamt Frank­furt a. O., Regierungslandmesser Becker von Eschwegr nach Kiel versetzt. — Der Architekt Barth ist zum planmäßigen Oberleh rer an der Kunstgewerbc- und gewerblichen Zeichenschule in Kassel ernanntworden. Der — Regierungsland» messer Burkart ist von Hersfeld nach Leer ver­setzt worden.

— Die Abordnung der Stadtverordnetenver­sammlung, die mit der Regierung in Kassel über die Wünsche der Stadt Fulda bezüglich der Do­mäne Ziehers verhandeln soll, ist, wie wir hören, bereits heute nach Kassel gefahren.

= Entrichtung der Lvxusskeuer und erhöhten Um- sahskeuer für dos 2. Vierteljahr 1821. Die Leser un­serer Zeitung werden auf die Bekanntmachung des Finanzamtes in der heutigen Nummer des Blattes aufmerksam gemacht. Für Privatpersonen be­steht auch eine Umsatzsteuerpsticht und es wird zur genauesten Beachtung daraus hingewiesen, daß 1) beim Berkas von Schmucksachen, Juwelier- und Bi­jouteriewaren aller Art. Musikinstrumenten, Automo­bilen, Kutschwagen, Petzsachen, Teppichen, Kunstgegen- ständen oder Antiquitäten usw. dmch Privatperso­nen 15 v. 5). de» Kaufpreises an Luxussteuer, 2) bei Uebernahme von Anzeigen durch Privatpersonen, wenn sie Räume oder Fiächm für Reklamezwecke ver­mieten 5 v H. des Preises, 3) bei bet sogenannten Beherbergung durch Privatpersonen, wenn das Entgelt für den Tag oder die Uebernachtmig 5 Mark oder mehr beträgt, 10 v. H. des Mictspreises zu entricht,?» sind. Sehet Privatumsatz muß dem zuständigen Finanzamt angezeigt werden. Die Entrichtung der Steuer hat durch Barzahlung (nicht mehr durch Verwen­dung von Stempelmat Fe n) zu erfolgen. Ddrs geschieht dadurch, daß der Verkäufer (llebernehmer der Anzeige, Vermieter) über bas vereinnahmte EntgM eine Quittung ausstellt, sie dem Finanzamt vorlegt und dabei gleich die Steuer entrichtet. Wer diese Bestim­mungen nicht beacht«, macht sich strafbar und hat empfindliche Geldstrafe ober Gefängnisstrafe zu gewärtigen. Wer über bie Steuerpflicht im Zwei- M ist. tut gut, sich beim Finanzamt zu erkundigen. Zur Entrichtung der Steuer Ist in erster Linie bet Verkäufer verpflichtet, bet bei Bemessung de» Verkaufspreise» die zu zahlende Steuer zu berücksich- tigen haben wird Anträge aus Erlaß aus Mlligketts- grünten haben im allgemeinen auch bei f o ge­nannten Notverkäusen kein« Aussicht aus Er­folg, da aus Anlaß der Belastung der oben erwähnten Gegenstände mit der Luxussteuer deren Preise ge- stiegen sind und die Steuer mit dem Kaufpreis oer- einnahmt wird, dis an das Reich abzuführen ist.

)( Bel bet Borslandrwahl der Bekriebskronkenkasse der Auldae- Stanz- und 6maillierroerte $. T. Bel­linger erhielt die Liste des christlichen Metallarbeiter­verbandes 6 Sitze, die des deutschen Tletallarbeiter- verbcmdes 4 Sitze.

mc. Tas Ende deS Notgeldes. Die RegierungS- Präsidenten sind nach einer neuen Verfügung deS Finanzministeriums angewiesen worden, neue Ausgaben von Notgeld nur noch in solchen Gemeinden zu gestatten, wo tatsächlich ein fühlbarer Mangel an kleiner Münze besteht. Die Ausgabe von Notgeld zu. Geschäftszwecken soll mit allen Mitteln unterbunden werden. Damit dürfte das letzte Stündlein des deutschen Notgeldes gar bald geschlagen Haden.

J? Deutsche Reichsbahn. Um br8 Reichseifenbahn- unternehmen auch nach außen bin als einheitliches Ganzes erkennen zu lassen, hat Reichsverkehrsminister Grüner sich für die Bezeichnung: »Deutsche Reichs­bahn" entschteden. In einem Erlaß ordnet er an, daß die Fahrzeuge der Reichseisenbahnen künftig die Aufschrift »Deutsche Reichsbahn* erhalten sollen.

Die Strafkammer verurteilte gestern den mit Zuch Haus vorbestraften 23jährigen Zoseph Schmitt von Petersberg, der nach seiner Flucht aus dem Zuchthaus in WiSmar in Stöckels Diebstähle aus­geführt hatte, zu einem weiteren Jahre Zucht­haus. Sch. hat kürzlich, als Termin angesetzt worden war, einen Löffel verschlucke, der ihm solche Beschwerden machte, daß der Termin verschoben werden mußte. Jetzt hatte er wieder 2 Henkel des Eßpeschirre» verschluckt, die sich aber nicht weiter störend in seinem Magen bemerkbar machen. — In dem Prozeß gegen den Kaufmann Karl Medler von Hünfeld wegen wissentlicher falscher Anschuldigung deS Landrat« Ludwig ist daS früher aefäHte Urteil auf 4 Monate Gefängnis, wie seinerzeit mitgeteilt wurde, vom Reichsgericht aufgehoben worden. Die Strafkamm er Fulda erkannte nun in ihrer gestrigen Sitzung auf Frei- sprechung des Medler. Ob verleumderische Beleidiaung vorliegt, kann nicht erwiesen werden, da dieserhalb kein Strafantrag deS Landrats gestellt worden ist.

- eine Unglückliche. Gestern Hai sich die ledig« RsntWymvjänüerur M. B. von hier, ine in den 70er

Sahren stand insolgeSeisiestörungim Mühl, graben bei der hiesigen Kugelfabrik bürd' -'Ti vw# Leben genommen.

Ein internationales sozialistischer Neerins.

W Frankfurt a 1?. Anläßlich der Frankfurter Tagung der internationalen Arbeiiegemeinschast soz-alistischer Parteien fand hier ein internationales Meeting statt, zu dem di» Parteileituna der U. S. P. geladen hatte. Nach den Begrüßungstoortrn Dißmanns.Etuttgart sprach der Abg. ßebebour, der eine Einigung des sozialistischen revolutionären Proletarlat» al» gemeinsamen Kampf ge­gen kapitalistische Ausbeutung und gegen die kapttalistl- schcn Regierungen verlangte. L o n g u e t.F r a n k r e ich gedachte der für die revoluttonöre Ueberzeugung in Deutschland gefallenen Opfer. Wenn Deuftchland seine Pangermanisten habe, so habe Frankreich feine Natio­nalisten, die nichi weniger abscheulich seien. Er wie» die Schuld an dem Kriege nicht dem deutschen ober fran­zösischen Volke, sondern den imperialistischen Regierungen beider Länder zu. Er wandte sich ge­gen die unsinnigen Forderungen ber französischen Chau­vinisten und geißelt- die hohen Ausgaben für die Be. satzung be» Rbelnufers. Die Bestrafung der Schuldigen sei für beide Seiten zu fordern. Grim m-Schweiz for­derte eine geschloffene internationale Kampffront gegen die bestehende Gesellschaft, Friedrich Adle r-Oesterreich trat für bie Einigung de, gesamten Proletariat» ein.

----- Von der Rhön. Auf den lonst so stillen, menschenleeren Hochflächen der hohen Rhön herrscht von Kilioni (8. Juli) ab, der Z ei t derRhönheu- ernte, auch in diesem Jahre wieder reges Leben. Für den Fremden au8 den Städten und dem Flach­land ist die Rhönheuernte besonders interessant.

fpd. Vilbel. Die Gemeindebeamten haben eine Eingabe an den Gemeinderat gerichtet, in der sie diesen bitten, Maßnahmen gegen die fortgesetzten zügellosen Belästigungen, denen sie bei Ausübung ihres Dienstes auSgefetzt sind, zu er­greifen. Der Gemeinderat hat diesem Ersuchen statt­gegeben und beschlossen, in Zukunft rücksichtslos gegen die Elemente, die die persönliche Sicherheit der Beamten gefährden, vorzugehen. — Dazu be­darf eS doch keiner Beschlüsse. DaS ist doch selbst­verständlich.

fpd. Frankfurt a. M. Ein hiesiger Händler hatte 1400 deutsche Silbermünzen zusammen ge­hamstert und glaubte damit ein beffereS Geschäft zu machen, wenn er das Geld einem Franzosen verkaufte. Mittwoch nachmittag sollte der Verkauf der Münzen in einer Wohnung der Taunusstraße an den Franzosen stattfinden. Der Franzose nahm die Münzen an sich und ging damit in ein Neben­zimmer, um, tote er sagte, die Umrechnung gemäß dem Stande der Valuta in Ruhe vornehmen zu können. AIS dem Händler die Zeit zu lange wurde, sah er im Nebenzimmer nach und mußte die Wahr­nehmung machen, daß der Franzose samt dem Gelbe bas Weite gesucht hatte.

Vermischter.

* Zwei Todesurteile. DaS VolkSaericht in N üru­ber g verurteilte zwei Landtoirlssöhne von Hilt- polpstein, die ihren Oheim in bestialischer Weise er­mordet und die Leiche dann in einen Weiher ge- rootfen hatten, zum Tode.

* Tod beim Zigarrenschmuggel. Bei Merkfiein (Aachen) wurde in der letzten Nacht ein Kontorist aus Köln, der beim Zigarrenschmuggel ertappt wurde und sich seiner Verhaftung durch die Flucht entziehen wollte, von einem Polizeibeamten erschaffen.

* Verhaftung deutscher Matrosen in Antwerpen. In Antwerpen sind drei Mann der Besatzung beS> deutschen Schiffes „Birgilia' wegen der Einfuhr, bolschewistischer Zeitschriften verhaftet war- den. An Bord deS Schiffes wurden Tausende von Exemplaren deS Blattes .Moskau* beschlagnahmt.

»Ein Wunderdoktor vor Gericht. In Graz sand ein interessanter Prozeß statt. Der sogenannte Wunderdoktor HanS Reinbacher war wegen Kurpfuscherei angeklagt. Jeden Sonntag pilger­ten viele Hunderte von Kranken zu dem Wunder- hoher, in der Hand eine gefüllte Flasche, aus welcher der Wunderdoktor nicht nut jede Krankheit, sondern auch daS Alter und das Aussehen der viel- fach nicht anwesenden Kranken bestimmte. Der Wunderdoktor erzielte ein Ries en ein komm en, und sogar Professoren und Aerzte sollen sich bei dem Wunderdoktor eingefunden baten. AIS er zur Ver­handlung erschien^ wurde er von vielen Hundertens von Personen unter stürmischen Hochrn f«n zum GerichtSsaale begleitet. Bei der Verhandlung^ erklärte der Wunderdoktor, daß er feine Patienten nur mit Tee behandele. Ter Wunderdoktor wurde zu 10000 Kronen Geldstrafe verurteilt. Auf der Straße wurde der Verurteilte von seinen Patienten auf die Schultern gehoben und unter großen Ovationen zur Eisenbahn getragen.

* Wettersturz in den Karpathen. In den Kar­pathen ist ein katastrophaler Wetterumschlag einge- lieten. Es gingen gewaltige Schneemassen nieder. Die Temperatur sank bis aus 4 Grad unter Null. ________________ _ __________

Letzte Nachrichten.

W Heidelberg, 9. Sufi. Sn ber Angelegen- heitderverschwunbenenBLrger meist er sind außer ber bereits gemeldeten Verhaftung des Eiserckahners Steuert weitere Verhaftungen In Ziegelhausen corgenommen worben. Es wurden bei be-m Verhafteten goldene Uhren und Ketten, die den vermißten Bürgermeistern gehörten, gefunden. Sievert hatte bei einem Heldelberaer GoGarbeiter einen Brillan­ten verkauft, ber aus einem Ring be» vermißten Bür­germeisters Werner herausgebrochen war. An sei­nen Kleidern sind auch Blutflecken frstgestellt worben.

W. Berlin 9. Juli. Gleichzeitige mit ber schon bekannt gewordenen Ungültigkeitserklärung der Mandate der Berliner Stadtverordneten­versammlung und der Bezirksverordnetenver­sammlung durch das OberwaltungSgericht werden sämtliche Wahlen der unbesoldeten Stadträte, owohl der Berliner Zentralverwaltung als ber Bo zirlsämier, aufgehoben. Nur die besoldete» Piagistrotsmitglieder, die auf 12 Iahte gewählt sind bleiben im Amte.

r. rottterooransfage fürSonnta g, 10. Juli: Wolki§ bi» heiter, mäßig warm, Nordtoind.

Zollabgabe zur Selbffabfjo'.ung im Wald.

Au» dem RöhlingSwald werden 20 Haufen i 5 n Reis 3. Kl. (Hartholzrete) und 10 rm Kresernrei» 1. RL sowie 210 rm Eichen, und Buchenrete 1. Kl. zur direkten Abholung im Wald abgegeben. Die Abgabe soll in erster Linie an Minderbemittelte erfolgen.

Die Bezugscheine hierfür sind beim Kohl-uamt bis 20. d. Mte. einzulösen. Die nach dem 20. 7. nicht ein» gelösten Lummern werden anbermeth" »ergeben.