Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
fir. 154.
Verantwortlich für den revauionellen Teil: Dr. Kramet» z für bte annetgen: J. Porzeller-Futda. S
Rotatton»6rutf u. Verlag bet Fulda« Attiendruikerei in Fulda. ftern|pr«bet Str. V. Te!egr.-Abr»sf»: Fu ldoer Zeitung.
Freitag. 8. Zu» 1921.
Bezugspreis: Monatlich 5,00 2U. ohne Zustellgebühr. Ja Fulda bei unsabge^olt 3,15 3tL Anzeigenpreis: Die Klein,eile lColonelmatz) 60 Pfg, tu 10*i« Zuschlag, bte Reklamezeil, (lephreite) 1.80 Mk^ u. 10e/« Zuschlag. Bei Wiederhol. RobaU.
48. Zahrg.
Irreführung -er Sngeftelltenfchast.
Sus Abgeordnetenkreiftn wird uns geschrieben:
Die Mitglieder der Zcntrumssraktion des Reichstags haben letzter Tage t irrt ganze Füllt von Lroresttelegrammen aus Angestellten- rreifen erhalten aus allen Teilen Deutschland». Es mutz angenommen werden, daß die Angestellten- schäft im Lande draußen in irrtümlicher Weis« von einer Berliner Stellt aus über die angeblich« Haltung des Zentrums unterrichtet uni) fo zum Proteftftürmrn veranlaßt worden ist.
Der Sentrumerebn er zum Beihilfmgefetz der Angestelltenoersicherung, Abg. Andre, nahm in ferner Nrt« in der 131. Sitzung des Reichstages vom S. Juli u. a. auch zu diesen Protesttelegrammen 6tel- fang, indem er aursührte: Meine Fraktionssreunde und ich haben in den letzten Tagen eine große Anzahl Telegramme von Angestellten aus allen Teilen des Reiches bekommen. 3n diesen Tefegrommen drückten di« Angestellten ihre Entrüstung darüber aus, daß das Zentrum seinen Standpunkt hinsichtlich der Erledigung der Angestelltennooclle geändert habe. Die Lngrstcllüerr sind aber hierbei von falschen Voraus, setzungen ausgegangen. Ich stelle fest, daß ge- rade die Abgeordneten der Zentrums- Partei im sozialen Ausschuß sowohl wie auch außerhalb des Ausschusses in zahlreichen Privatge- sprächen und Kvnsetmzen mit allem Nachdruck dafür eingetreten sind, daß die AngestelltennooelKe noch vor dem Auseinandergehen de» Reichstage» erledigt werden müsse. (Sehr richtig im Z.) Ich glaube, daß die Herren von links und rechts zugestchen müssen, daß von uns wiederholr der ernsthafteste Versuch nach der Seite hin gemacht worden ist. An anderer Stelle sagt derselbe Redner: die Herren Abgg. Thiel und Lambach weichen zugeben müssen, daß von seilen der Zentrumsoertrerer aus im Ausschuß mindestens ebenso viel, ich glaubt noch mehr darum gekämpft worden ist, daß die Angesrellrennooellr noch erledigt werden soll.
Diese in öffentlicher Reichstagssitzung gemachten Ausführungen konnten von keiner Seite be- stritten werden. Tatfachlich hat sich auch feine andere Partei um die Erledigung der Angestellten- rwoelle fo viel und so energisch bemüht, wie da» Zentrum. Was im Wege des Kompromisse» noch «• reicht wurde, geht ebenfalls auf einen Zentrums Vorschlag zurück. Der Schwerpunkt der Verhandlungen tag bei der Sozialdemokratie alkr Richtungen, die es abtehnte, den umfangreichen Gesetzentwurf als Ganze» noch vor dem Auseinandergehm de» Reichstages zu erledigen, weil nach ihrer Meinung ein« gründliche Durchberatung de» Em würfe» unmöglich war.
Weil die Eozioldemokralie nicht mllmacsste, wurde das Zentrum auf Scrantaffung einer Berliner Stelle antelsgrophiert. Die Angesr-llteirschast aber, die von den Vorgängen im foziolen Ausschuß nicyts wußte, fiel aus diese famose und lmwahrhastige Beitiükr Information herein. Diese« zur tatsächlichen Feststelfaigz.
Deutscher Reichstag.
/, Vertagung bis zvw 6. September.
3« Reichstag herrscht bereit» ß e r ie n ftlm man g. Da» zeigen dir vielen leeren Plätze im Sitzungssaal und auch der groß» Wust von kleinen Vorlagen, die auf der Tagesordnung stehen. E» ist der letzte Rest von dem, dm» man durchaus noch erledigen will. 28 Punkte sind es, mit denen man sich in aller Kürze noch befahl.
Umrahme finden di» Vorlagen über Verlängerung der gkist zur Anmeldung von Forderungen im Ausgieichsoer- hren, über di» Melallreserven der Privatnotentxmkm (Verdat de» Noidveekaus») und da» deutsch-russische Er- aünzungsabkommen über Heimschaffung der beiderseitigen Kriegsgefangenen und Zioilinternierten.
Beim Entwurf über die Errichtung von Betriebsverbänden in der Binnenschiffahrt und die Errichtung von Klein» schifferverbänden beantragt der Abg. Sühnt (Unab.) so- fertige Vornahme ernte Urabstimmung, behält sich aber weitere Anträge für die Zeit nach den Ferien vor. Der Entwurf wird m zweiter Lesung angenommen, kann «der in dritter Lesung nicht erledigt werden, da der Abg. Kichnt Widerspruch erhebt.
Nunmehr folgt «ine erregte Debatte guter den Her» r«n der sozialistischen Parteien bei der dritten Lesung der Invalidenversicherung. Der Kbg. Lt-rften von den Unabhängigen ist der Störenfried durch item heftigen Angriffe auf die MehcheitssoziaLstm. Er deschuDigt sie, all« Versprechungen, dte sie den vnoaliden »«nacht hätten, gebrochm zu haben. Da, ruft den Abg. Hoch von der Mehrheitesoziachernokrolie auf den Plan, der bi äußerst temperamentvoller Weife die Angriffe de» vor- »ebnere energisch zunickweist. Wenn zwei sich streite^ ^ut sich der Dritte. Und dieser Dritte war der Kommunist Bartz, der mit ironischem Lächeln konstatieren zu müsien ßfautte, daß diese Katzbalgerei erfreuliche Anzeichen für ine Annäherung der beiden sozialistischen Partelen sei. Auch er rote noch verschiedene Mate nachher der Abg. Karsten von bflt Unabhängigen nehmen sich die Mehrheti^o^MPxn vor. Von den andern mischen sich nur Der de-t«Ichnaiionale ZTtaene unt> der bay. S3 elf,pari etter Sdfweti« in den Streit der feindlichen Brüder een. Die Vorlage wird schließlich in der vueschutzsasiung angenommen.
Beim Bese, über bte Wochenhllfe und Wochenfürsorge find e, die Frauen der sozialistischen Rich- tungei^d« sich gegenseitig befehden. Die ztaUten sind mm mal em letzten Tage in allen Schottie- eunffon noch rech! angnff »lustig. Die Beratung der ®e» fetze über verdrongungrschzden, 5kotorl»lschäden und Au»- fand^chöben werden gemeinsam beraten. Die btesbezüg- Kchrn GesetzenSannfe find«, die Annahme mit den Dorfi*» «enden Einschließung«, und btn Anträgen, barunter tmch «hi Antrag de» Zentrmnrabg. Fleischer, den Reichsange- hörigen, deren Eigentum eirf der Fahrt durch den polnischen Korridor roiderrechmch beschlagnahmt wurde, auf Antrag ckbre vorläufige Entschädtgung eu» Reichsmitteln zu gewähren.
Der Gesetzentwurf über da, Rrichmoieischaftrgerstht wirb en den Recht»au,fchutz überwiesen. Sodann berichtet der Unabhängige Brand!» über die Verhandlungen de, Au»- fthusie» für Dvlksroittfchaff über die Erwerb, losen, fürforge. Dazu rtertn nur die Uncbbönafaen und Kommunisten m dein ihnen eigenen Darpon. Daß von ihnen positive LorstUöoe nicht oemnch! werden, ist bei chrer Wesensart, die allein aus die Aoitatio« eingestellt ist, selbstoeestäitdKch.
Die Dtälenvorlag, her RÄch-logsrnftglieder pkb bebottefos m allen drei Lesungen angenommen, danach erhalten die Abgeordneten, die in Dorita wohnhaft find, eint Zulage von 500 Mk umb eine KommWonszutage von 20 Mk. für den Tag der Betätigung, die übrigen Adge- ordneten eine Zutage von 1000 Mk. monatlich und für Kam- Missionen täglich 85 Mk. Zulage.
Die Ausführurigsbestimmungen gum Befotbange- gesetz werden nach twi Lurschutzonlrägm genehmigt und die Auefchußvefofation« angenommen. Der Antrag über bte Gleichstellung der Frauen in der Justiz wird bi» zum Herbst zurückgestellt. Die sodann noch auf der Tagesarfanmg stehenden Ausschußberichte über Petitionen werden ohne Aussprache genehmigt. Der Gesetzen!- rourf über da» Branntweinmonopol wird abgesetzt, tu »gleichen da» Reichsschulgesetz.
Nunmehr ist die reichliche Tageeordrmng erledigt. Der Reichsiag kann in Ne Ferien gehen. Er vertagt fich bi» zum Dienstag den 6. September, nachmittag, 8 Uhr. Ltff der Tagesordnung stehen Steuervör- lagen. Der Präsident erhält die Vollmacht, evontl. das Hau, früher einberufen zu dürfen. Er erinnert davon, daß in dieser Zeit der Sommerpause die Ent- scheidung über Oberschlesien fallen wird und spricht die Hoffnug aus, daß sie aus Grund be, Rechter erfolg«! möge, des Rechtes, bas uns die Abstimmung in di« Hand gegeben hat.
Segen Ne französischen Greuel in veuthen.
Das fozialdrmokratifch« fDUtgtteb V» oberschlesischen Zwölskrousschuß C y r u s bat in einem Schreiben an die önlerallitede Kommission schärfsten Protest gegen das Verhalten der französischen Besatzung in Beuthen anläßlich der Zwischenfall« beim Einzug der englischen Truppen erhoben. 8n dem Schreiben wird geschildert, in wie grausamer Weis« dir französischen eolbafen die wehrlose Menge, die zum größten Teil aus grauen und Kindern bestand, mißhandelt« Auf Grund von Aussagen von Augenzeugen wird festgestellt, daß sich im Rücken des erschossenen französischen Majors, der von hinten getroffen wurde, keine Demonstranten, sondern nur französische Soldaten befunden haben. Diese Tatsache berechtig« zu der Annahme, daß der Major in unbeabsichtigter Weise von den französischen Soldaten, di» in die Menge feuerten, «rschosfen worden sei. Das Protestschreiben schildert dann weiter die bestialische Weise, in der die von den Franzosen aus der Straß« verhafteten jungen Leute mißhandelt ©orten seien. Aus dem Transport zum Quartier Fach hätten die Franzosen auf die Gefangenen mit Gummi- knüppeln und Reitpeitschen eingeschlagen und auf dem Kasernenhof ßrten st« solange mißhan- dell worden, bi» sie alle auf einem Haufen zusammen- brachen. Cyru», bcffetr Bruder fich unter dm Der- hafteten befand, schließt di« Schilderung mit den Worten: Rach übereinstimmenden Angaben aller von mir vernommenen Augen- und Ohrenzeugen habm sich di« französischen Soldaten und Offiziere wi« wild« Tiere benommen und unerhörte Grausam- teilen begangen.
Nach «inet Blättermeldung aus Deuthen gilt nach dm bir^rigen Untersuchungen über die letzten Neu. chener Verfälle als Mörder des französischen Majors «in polnischer Insurgent. Al» Vertreter de» Oberpräsidenten ist Regierungsrat Tidtich zur Untersuchung des Zwischmfäll«» in Beutheu «inge- troffen.
Lin englischer ftabttommantemf für Beuchen.
An Stell« des bisherigm Stadtkommandanten General Leconte Dem» ist der englisch« Ob«rst B a u ch o p e zum Sladtkommandanten ernannt worden.
CiafÜhrung des Paßzwanges.
Nach einer Meldung aus Oppeln besteht fei dem 6. Suii für di« Ein- und Ausreise von und nach Ob«rlchlesi«n wieder der Paßzwang wie vor dem Aufstand«.
Ein Anspruch in Leipzig.
Der Prozeß gegen bee Oberleutnant Laute.
Vor dem Reichsgericht in Leipzig fort) am 7 5uR bte Bvhanblung gegen bett Oberleutnant vboff Laube statt. Die Anklage beschuldig! Den Kngetkrgten, der tat letzten Prozeß bereits al, Zeug, oentotnmen war, tat August 1614 «Inen fran-ösIschen Hauptmann ftr- schof f«« ju haben. Der Obörroicheanroolt erblick! in dem Tatbestand, fall, er nachgewiesen werden sollte, vorsätzsichm Mord. Der Angeklagte, her eint Schilderung bet Kämpft bei Sanfntrg gibt, beffreitet febe Schuld. Beim Vorrücken am 21. August habe er in einiger (Entfernung Franzosen honrnlaufm sehen, unter ihnm et um franzöfischen Hauptmann. ©einen verschiedenen Aufforderungen, die Waffen -bzugeben, sei der Hauptmann nicht nur nicht nachgekom- wen, sondern habe sich durch Boxen seiner und der ihm w Hilf« eilenden Mannschaften erwehrt Letzte« halten den Fvanzosen erschteßen wollen (Er habe dies wiederholt unter, sagt. Plötzsich aber habe * Mustetter den Hauptmann niedergeschosien.
Die Aussagen verschiedener Zeugen stimmen mft dem Bericht de» Angeklagten tat WefeEchrn überein. All« Zeugen haben bemerkt, boß sich der französische Hauptmann rorignte, bt< Waffen abzugeben und tätlich gegen die Deutschen rrorghtg. Daraufhin fei «in Schuß gefatten, der den Houpimmm tötete, von einer Salve könne feine Rede Irin. Luch halten alte Zeugen t» für unroahrschein- fich, daß der Dberteutnont den Befehl zum Erschteßen ge. geben habe.
Da» Urieft be» Gericht» lautete auf Freispruch. E» stehe fest, so heißt e, in der Begründung, daß Ober» leutnant Laube weder bat ftunzösifchen Hauptmann selbst erschaffen hat, noch dm Befehl, ihn »u erschießen, gegeben hat.
Arn heutigen Freitag beginnt der Prozeß gegen dm Generalleutnant a. D. von Schack and gegen bei*. Generalmajor Kruste.
Belästigungen franzSfischer RegierungSvertretcr.
Di« französischen Regierungsvertreter bei dm Leipziger Prozessen find gestern auf der Straße durch Zurufe eu» baut vublike» belästigt
worden. Der in Leipzig anwesende Vertreter be» Au»wärtigen Amt» sprach dem Leiter der franzö- E Delegation sofort sein Bedauern au». —
i Dümmeres können die Leipziger gar nicht Mächen, al» sich von Leidenschaften htnreißrn lassm. Französisch« Entrüstung übet bte Leipziger Urteil«.
Da» Urteil im Prozeß Stinger-GrusiuS Wird »on der Pariser Abendpresse mit Ent- Täflung besprochen. Der ,Xrntp«' fegt, noch rett voraurgegangenen Urteilen hätte Frankreich sich Nicht schmeicheln dürfen, von den deutschen Gerichten Gerechtigkeit zu erlangen. Da« Blatt verlangt, di« Alliierten müßten gemeinsam Proteste erhebe« und alle dem Reichrgericht übermittelten Akten zu- rückfordern._____________ _________________
Ver Mm in der Politik.
$>ie Film-OderprüfungSstelle hat den unköngst freigegebenen Legionärfilm „Die Flucht au» dem Heere der Heimatlosen* auf französische Bor. stellungen hin verboten. Die Blätter hoffen, daß man nun auch in Frankreich den Vorstellungen de» Auswärtigen Amis Gehör schenkt und die HetzsilmS gegen Deutschland verbietet.
Die deutsch-französischen Beziehungen.
Nach französischen Blättermeldungen hat der deutsche Minister de» Auswärtigen, Tr. Rosen, dm französischen Botschafter in Berlin besucht. Letzterer bat die Aufmerksamkeit de« Minister» auf die Campagne der nationalistischen Presse gegen Frankreich gelenkt, die die Hauptursache der nmesten Zwtichen'Llle sei. Dr. Rosm habe fein Bedauern über diese verurteilen-werten Vorkommnisse ausgesprochen, die die Bemühungen bei ReichSregierung um eine Besserung der Beziehungen zu Frankreich durchkreuzten._______________________
Italien und der Vatikan.
Die in deutsche Zeitungen übergegangene Mel- düng, zwischen der Kurie und bet italienischen Regierung seien geheime Verhandlungen säst abgeschlossen, wird dem römischen Vertreter der »Köln. Volksztg/ an zuständiger Stelle alS grundlos bezeichnet. Offizielle Verhandlungen find überhaupt noch nicht eingeleitet worden.
Pkeußischer Landtag.
tfle Abänderung bes Kommunalabgabengefeß«.
Unter ziemlich schwacher Besetzung des Hauses beginnt der preußische Landtag am Donnerstag mit der ersten Berufung be» Gesetzentwurf» über die vorläufige Regelung des Staatshaushalt»- planes für 1921. Sn einleitend«, Worten spricht als erfter der Fmsnzminifter Sämlsch. Er betont, daß es sich bei dem Notetat in erster State um die Einstellung von Positionen handelt, die bte Betriebsverwaltungen ta Gang erhalten sollen. Auf Antrag des Abg. Leid (Unabh.) wirb nach «tagen kurzen Bemerkungen des Kommunist«, Dr. Meyer der Rotetat dem Houptausschuß überroiefen.
E» folgt der Gesetzentwurf betreffend bte Ermächtigung bes Staatemtarfteriums zur Feststellung der Beendigung des Kriegszustandes. Die Vorlage wird ta aCm deck Lesungen angenommen.
Noch Erledigung verschiedener kleinerer Vorlagen ent- spinnt sich eine längere Debatte Über den Gefetzmlrvuff zur AbSndernng bis Kommunalabgaben- gtftfets vom 11. Sufi 1893 sowie de» Kreis- und Kornmunalabgabengefetze» vom 23. April 1906. Der Bemängelung der Novelle durch verschiedene Redner hält em Negsirungsvertreter entgegen, daß die drin- gerb notwendige Reform nicht in einigen Wochen erledigt werden könne; ein Ergänzungsgesetz fri ab« er- fordertich, um die unerträglichsten Zustände auf dem Gebiet» de» Koinmunalabgabenuxsens sofort zu befeiligen. Vom Zentrum spricht doyu der Abg. Sprenger. Er stimmt dem Regierungsoertreter darin bei, daß bte Novelle notwendig fei mch die umsasiende Neuortmmg der Kommunal» abgabtn erst «folgen kann, wenn bte Verwaltung», reform abaeschlofien fel. Dte Vorlage rokb auf ernte Antrag bes Zentrum» dem G erneindeou »schuh überotef«.
Hierauf tritt bas Hou» ta bte Besprechung der gießen Anfrage her Sozialdemokraten über bte afigenrine Kündigung dar HeuerkingspachlvertrSge ta Westfalen rin, au» deren Verlaus sich ergibt, baß bte Sozialdemokraten bi« Heueriing» politisch tobw» walten.
Freitag: Weit«berotung.
vte Preise für dar Umlagegetteld-.
Sn der Verordnung über bte Preise für bas Um* layeyetroide aus der Ernte 1921 hat M« Reichsregienmg mit Zustimmung des Reichsrats und bee vom Reichstag gewählten Ausschuss« für die IV* Millionen Tonnen Getreide, das auf Grund der nach dem Gesetz über dte Regelung bes Verkehrs mit Getreide vom 21. Juni 1921 ausgeschriebenen Umlage zu tiefem ist, für di« T. Roggen 2100, für Weizen, Spelz (Dinkel) 2300, für Gerste 2000 und für Hafer 1800 Mk. fastgffetzt.
Die erforderlichen Ausführungsbestimmung«, erläßt der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft. Er kann Ausnahmen von den Dorfchrtsten dreier Verordnung Mllaffen. Die Preise find so festgesetzt, daß sie die Wirtschaftlichkeit des Getreide- anbaus noch gewährleisten. Dte ©eftefamgetofte* sind durch das sogenannte Jnb«xverfahr«n unter Mitwirkung der Sndexkommission ermittelt, dte sich aus Bertretem von Produzenten, Verbrauchern und anerkannten Mffenschaftlern ou» bot verschiedensten Teilen bes Reiches zusammensetzt.
Gegen die Ueberspannung der Gewerbesteuer.
Der Hauptausschutz d«s Deutschen Sn- dustrie- und Handelstag« hat in feiner letzten Sitzung drei wichtige Beschlüsse gefaßt, und zwar über b* U*6*ripimoue# d» S«r«best»M, be
Beseitigung der Verkehrssteuer und dte Erhöhung bee Fernsprechgebühren.
Sn der Begründung des Deschfaff« bett, die Ge« werbesteuer, wird insbesondere auf bte Lasten hinge- Briefen, bte Industrie und Handel schon jetzt zu trage* haben, und deren roritene Erhöhung im Zusammenhang mit dem Reparationsproblem bevorst.hi.
Die Aufhebung des Gesetze» über bte BesteuerunG des Personen- a Güterverkehrs fordert der Industrie» und Handel»tag mit der Begründung, daß dte Aus» tefotmg der Erhebung der Derkehrsfteuer im Binnen» fchiffahrtsvertehr eint Lage schaffe, die zu einer ftruet», liche* llngerechiigkeit gegenüber dem Eisenbahn- wch Seeverkehr führen muß, die im gewissen Umfange mil der Bümrnjchifsahrl im Wettbewerb stehen.
Hn$ dem besetzten Gebiet.
• Vie Inbustrlesplonaze im besetzten «ebtei Reichstag ist eine »„frage ««gebracht worden, toena* der Ortibelegierte bet BesatzungSbkhörde in Düsseldorf einen Beseht erlaffen w,ll, in dem von bet Industrie gefordert wird, den Besatzungitruppen die Betriebe zur Besichtigung zu öffnen. D,e Besicht,aung soll in Gruppe«, von 20 Mann erfolgen. Die SBerflettungen werden verpflichtet, die geeigneten Führer zu stellen. Srie Rrtchsregierung wird gefragt, was sie zu tun gedeaUH um diese wtllkürltchen Akte zu verhindern.
wetterzelchen!
5*n Sachfen wurde mit btt Wiedererrichtung defts Siltum» Meißen ein alter Wunsch der Katholikeiß erfüllt. Tin« rem katholische Angelegenheit! Trotzdem glauben zahlreiche nicktkatholische Organe, sich mit diesem Ereignis beschäftigen zu müfftn, und zwar in einet Weise, bte geradezu eine Herausforderung für bte Katholiken bedeutet. JJht den rot*, feindlichen Ausführungen bei ,Reichlboleiri haben wir un» hier schon näher beschäftigt. Alle ötefe Blätter — S handelt fich fast ausschließlich um rechtsstehende — sind auf den Ton gestimmt den auch bet toiebererftanbene „Antiu Itram on» tane ReichSverband* hören läßt: „Eine hiev» archische Aenderung in Sachsen war völlig unnötig."
Dir fragen: wal kümmert diese Neuordnung in bet kirchlichen Verwaltung nichtkathotische Ärei etz ®a» kümmert e» sie, wenn Nuntiul Pacelli di» Pfarreien de» wiedererrichteten BiStumS bifitiert V. iäat geht ei fie an, wenn bei dieser Gelegenheit um die Kirche verdiente Männer vom Papste eine Auszeichnung erhalten? ES klingt geradezu tote 53es»' höhnung, wenn noch daran erinnert wird, in Sachs« — outgerechnet in Sachsen! — hätten sich die Katholiken stet» wohldefunden! Wtr wollen ei uni schenken, historische Reminiizenzen aufzufttstben. Aber metlei wollen Wit uni, daß sich in Der Gesinnung goto isset Steife nicht! geändert hat.
Der Streift in Berlin beschlossen.
Da» Befamtergebnt» der Urabfttmnuntg über einen Sympathiestretk der städtifch«, Arbeiter zutz llnterftützung der ausständigen Gutsarbeiter Hotz 30 786 für und 10 35.3 Stimmen gegen den Streik ergeben. Dez Funktionärs her städtischem Arbeiter nahmen gestern abend nach vierstündiger Debatte fta» gend« Resolution an: Der Streik her städtischen Arbeiter ist hiermit für Freitag den 8. 3uli erklärt. Er tritt aber erst in Kraft, trenn da» Ergebnis bet Lerhandlimgm der Stadtverordneten Versammlung ba» könnt werd«. Sollten bte ®ut«arbeitet mit den Ba» binoungen, bi« der Magistrat stellt, nicht einverstanden fein, so würde dte sofort gebildete StreiNritung des Gas-, Wasser- und Eiektrizitätrarbrnter alte weitere» Maßnahmen ergreifen.
Deutscher Reich.
* Berlin, 8. Cufi. Der bisherig« mofftziekke Bsn- treter der chinesischen Regierung in Berlin, Dr. C h u n* Du en Hai ist zum Geschäftsträger ernanntz worden. (Aeichzeitig bestellte die deutsche Regierung de« bisherig«, inoffiziellen Vertreter in Peking, ®e- ftmbtschaftsrat Dr. von Borfch zum Geschäftsträger. — Der Vertreter der tu ff. Sawf etrepu- blik in Bersin hat In einer Rot« an das Auswärtige Amt gegen die Ausweisung des ruffffchen Dolksbeauf- hagten Krestinski aus Bayern Befchwerde er-
hoben, Genugtuung gefordert und eine Bestrafung der beteiligten Beamten sowie Zurücknahme des Au» weifangsbefchls.
* Der Enlwurf rinn netten Rennwrikgesetzes, da» staaisich konzessioniert« Buchmacher vorficht, ist denz Reichswirifchoftsrat zur Begutachtung vorgelegt wov
ren. D«r Entwurf bestimmt, daß ein« Erlaubnis zvmvnchmachenvon der Landesbchörd« eingehoü roerben muß. Dos Gesetz enthält Bestimmungen übet dte Ausstellung des Detticheins und Strafandrohung für Zuwiderhandkrmaen. vuchmacherwette« ueierftegee einet lOprozentigen Steuer.
Rurland.
* tiiuc griechisch» Schlappe. Ungefähr 4000 Mann griechischer Trupp-m, bte an bet Küste gelandet waren, um auf Jtnik vorzugehen, würben von b«c Bevölkerung mH Unterstützung regulärer kemalisti» (eher Truppen zurückgesch lagen und verlötete 1000 Tote und Verwundete.
* Englisch« VerttändignngSpelitik im Etile» Ozean. Rach dem.Philadelphia Public Sebger' hat die britische Regierung der amerikanischen Votschlägß Jur Verständigung bet drei Großmächte Trotz» titannien, Japan und den vereinigten Staaten im Stillen Ozean gewacht. Die englischen Vorschlägen seien auf dem üblichen biplo- matischen Wege übermittelt »erben und würden io- mit einen durchaus amtlichen Charakter tragen. Tie unterliegen zur Zeit bet Prüfung durch bte Der-