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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Aulda.

ISerantwortlid) tüt den ctoauionellen Teil: Dr. Kramer

Mittwoch. 6. Zull 1921

Nr. 152

48. Zahrg

tRotatlonshrud

Bejugsprei»: Monatlich 3,00 Bit. ohne Zustellgebühr. In guiöo bei uns abgeholt 3,15 Bit. Anzeigenpreis: Die R11 in,eile ;(Eoione!maR) 60 Pfg u. 10", Zuicblag, die Reklame,eile (I«rtbreitet 1.80 Bit, u. 10*-« Zuschlag. Bei Wiederhol. Rabatt.

- tur die Anzeigen: I. Par zeit er-Fulda. N ---------jörud u. Verlag der Fuldaer Sclienbruckerei in Fulda, "kernipiecher Nr. y. Tetegr.-Adreiie: Fu Idoer Zeitung

würde.

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hergestrllt mar, durchzogen französische Patrouillen Stadt und warfen wahllos Handgranaten in Häuser.

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festhalten und führ»n. denn ich bin unsicher im Wege. Ich glaube, mein Gefühl ist von manchem, was man mich lehrte, irregeleitet worden, aber mir ist als wäre nun alles klar, weil ich so glücklich bin, und weil ich Dich so sehr, so innig fieber

CEr lächelte leise vor sich hin, während er auf ihre Worte hörte. Immer war es der schrecklichste Gedanke für ihn gewesen, einer Partiejägerin in die Hände zu sollen, immer hatte er sich vor allem, was danach aus­sah, besonders gehütet und sich heimlich gelobt, ans die. fern Grunde nie ein armes Mädchen zu heiraten! Ironie des Schicksals! Aber er wußte wohl und fein Lä­cheln wurde warm und zärtlich, daß die arme kleine Maus ibn siebte um feiner selbst willen, sonst hätte sie ihm nicht dieses Bekenntnis abgelegt. Er war glück- lich.---

Frau von Lebanoff hatte inzwischen eine kleine Be. ruhigung erlebt. Der kümmel hotte ihr eine unerwartete und bachwillkommene Hilfe geschickt. Auf ihrem Zimmer fand sie einen Dri-f von Vereng Dorhernehenher Psie. gerin, in dem diese ihr mitfrifte. daß ilme Schwester vollkommen genesen fei und die S"rne für die Mutter w'eder allein übernehmen könne, daß sm infoloedesien frei fei und sich erlaube, anz,,fragen, ob Frau Baronin sie vielleicht noch gebrauchen könne.

Das war nach den Entdeckungen des heutigen Tages dach wirklich ein Himmelswink und eine Himme's. fchickung. Run konnte diese gefährliche Person ohne Schaden beifeite geschafft werden. Es war Grund ge. nug. wenn sie ihr sagte, daß die alte, bewährte und zu. verläsiige Pflegerin ihr für bas Wohl des kranken .Rin­des geeigneter scheine; bann war es nicht einmal nötig, ihr zu verstehen zu geben, baß man sie mit einem Mann Arm in Arm gesehen habe. Sie hatte schon daran ge. dacht, darauf eine Kündigung zu stützen, aber bester war es so. Man tat bester, auf die Privatbeziehungen seiner Angestellten nicht elnztwehen. So ließ sich alle, ruhig und würdig ordnen. Sie würde ihr die Reise bezahlen und ein Dierteljadresgehalt, und bann war es gut und vornehm abgemacht. Widerspruch von Fräuleins Seit» stand nicht zu besürchten, höchstens bei Alex..

(Sortierung folgt.)

Deutscher Reichstag.

Der Fall 3agom, des fiappiften.

Aus der laflesortmung her Dienstag-Sitz

önb dazu machte sie heftige Anstrengungen, um sich allein auf die Füße zu stellen. Aber es gelang nicht; hilflos sank sie in sich zusammen und seufzte kläglich: IIch kann nicht!" Schon hatte er sie mit starken Ar­men aufgehoben. Sie legte die Arme um seinen Hals und sah ihn ernst an.Charles, hast Du mich wirklich I lieb?"Hm, nach diesem Kopfsprung in den Bräutigam, stand sollte man es fast annehmen!"Stein, scherze nicht; mir ist es so ernst. Ich liebe Dich so sehr, so mit der ganzen Seele! Charles, ich glaube, ich bin Deiner nicht wert."Nanu! Ebba, Du wirst doch nicht plötzlich sentimental werben?"Stein, es ist mir ernst. Ich habe keine Ruhe, bis Du weißt, wie glücklich ich bin. Wenn Du mich bann noch liebst?" Sie war von ihm zurückgetreten, drückte die Hände gegen die Brust und sah ihn mit angstvollen Augen an, so daß er er. | schrak.Sieh, ich bin in die Welt getreten mit dem Willen, unter allen Umständen eine gute Partie zu ma. chen. Ja. so oberflächlich habe ich gedacht, ohne zu em- pfinben, baß es so sei. Man hat es mir io getagt, als wenn das etwas Natürliches wäre. Siehst Du, und seit ich Dich liebe, bin ich mir bewußt geworden, daß bas meiner nicht würdig ist nein, war, denn meine Liebe, die Dir gehören würde, auch wenn Du der Aermste wärest, hat das ausgelöscht. Aber es war doch einmal so. und wenn Du mich nun verachtest und von Dir stoßest"

Sie konnte nicht weiter sprechen, die Tränen stürzten ihr aus den Augen und erstickten ihre Stimme. Angst, voll, stund sie vor ihm. In seine Stirne hatte sich eine tiefe Falte gegraben, und seine eben noch glücklich lachenden Augen blickten ernst.

Dann stand er neben ihr, nahm ihre gefalteten kalten Hönde zwischen die seinen und zog sie sanft an sich Tief s°h »r ihr in die Augen.Mein ehrliches, kleines Mäd- chen! Das halte fest: fieber wahrhaft bis zur Unklar, heil, als daß Du mich jemals täuschen wolltest. Fortan mußt Du Deinen Sinn und Dein Herz rein halten von jedem Fleckchen. Alles, was hinter diesem Augenblick liegt, ist ausgelöscht. Es soll immer zwischen uns klar unb ehrlich sein, mit es auch komme Versprichst Du mir dos?"Ich verspreche es, Charles Ich glaube, anders könnte ich auch gar nicht, nur mußt Du mich

vor (er Bekanntgabe

des Zleuerprogramnu.

DaS Reichskabinett hat feine Beratungen über die Sienerfrage gestern abgeschlossen. Der Reichskanzler Dr. Wirth wird heu*» dem Repo- rationsauS chutz des Reichtwirtichasts'ats und nach« mittag® voraussichtlich auch in der Plenarsitzung des Reichstages übet die Finanzlage deS Reiche» und daS Sieuer- und R Parationsprogramm sprechen.

Die,Voss.Z'p/ teilt mit, daß sich der Gesamt, betrag, der jährlich durch bestehende, erweiterte oder ne^e Steuern aufgebracht werden soll, auf etwa 80 Millionen Papiermark beläuft. Diese Summe soll etwa zur Hälfte durch direkte, zur anderen Hälfte durch iudirekteSteuern ausgebracht werden.

Darüber vergaß er die Angst um ihre möglicher- weise gebrochenen Gliedmaßen, vergaß die ganze Welt, küßte noch einmal unb jetzt nicht mehr leite und zage bie gefährlichen, flatternden Härchen und flüsterte dazu leidenlchaftlich zärtsich:(Ebba, kleines, süßes Mädchen, hast Du mich lieb? Willst Du mir angehören fürs ganze I Leben?"

Ueber Ebba flutete ein ganzes Meer der Glückselig, leit hta, sie wußte nicht, ob sie ihren Obren trauen sollte (Es überwältigte sie, sprechen konnte sie nicht, sie grub nur ihr Gesicht ganz tief in feinen Rock hinein, zitterte noch mehr und schwieg beharrlich weiter. Mit sanfter Gewalt hob er ihr Gesicht zu sich empor.War ich zu keck? Durfte ich nicht sagen, daß ich Dich liebe?"

Sie hielt die Augen gefchlosien; die Tränen tagen "ach auf den flaumigweichen Wangen und hingen in den langen, dunklen Wimvern. 9hm hoben sie sich langsam, und ein Strahl so heißer, leidenschaftlicher Liebe brach aus ihren leuchtenden liefen, daß es Mister «Diariefon schien, als läge kein nächtliches Dunkel über der Erde, sondern bie ganze Welf wäre in Sonne unb Licht ge. taucht.Ebba!" Aufflammenb brückte er sie jäh an sich unb bebeefte ihr junges, glühendes Gesich- mit hei. ßen Küssen, unb bann ließ er sie los. unb nur ihre Hände in den seinen haltend, während er ihr tief in bie Augen sah. fragte er in lachender Seligkeit:Ist bas Spahenschnäbelchen setzt verstummt? Hat es kein ein. ziges kleines Wort für mich?"

Sie schmiegte sich an ihnDen Spatzenschnabel hast Du fortgeküßt, jetzt--jetzt singt Frau Nachtigall; sie

singt von lauter Siebe."

«Dlein süßes, geliebtes Mädchen!" Hingerisien zog er sie wieder an sich.Ich hab' es wohl gewußt, daß die Nachtigallseele hinter bem losen Spatzenschnäbelchen steckte. Ader," jetzt erst kam es ihm zum Bewußt, sein, daß man sich eine unbequemere Stellung für eine Verlobung eigentlich nicht aussuchen konnte. Darum ! knieten sie nur noch immer beide im feuchten Se^onb?

Hastig sprang er auf. streckte ihr die Hand hin und ! fragte neckend:Willst Du aber nicht endlich aushören, vor mir zu tnieen? Empört stieß sie seine Hand zurück. Dor Dir fneen? Na. warte, wenn ich nur erst wieder ' auf meinen Füßen stehe, sollst Du den Uebermut büßen!"

Drohender Streik der Groß-

Berliner ©emeinbeatbeitet.

Der Berliner Magistrat hak beschlossen, bie strei- kendeit städtischen Gulsarbeiler, bie bi» zum 6. Juli die 2h beit nicht ausnehmen, zu entlassen und ihnen die Deputate zu entziehen. Darauf haben die Funk­tionäre sämllicher Gemeinbearbeiter in einer Ver ammlung de chlossen, über den Eintritt in einen Solidaritätsstreik in allen städtiichen Betrieben am Mittwoch eine Urabstimmung vorzunehmen und gleichzeitig den Arbeitern den Eintritt in den Stteik zu empfehlen.

Armes Gderschlefien!

Der polnische Rückzug eine Komödie.

In Meldungen derDeutschen Allgem. Ztg." aus Oppeln wird der polnische Rückzug in Oberschlcsien als eine Komödie bezeichnt. Nachrichten über die Bildung polnischer Banden hinter den Linien der alliierten Truppen treffen Immer mehr ein. Tags­über verhalten sich die Banden, die in den Wäldern versteckt sind, ruhig. Nachts überfallen sie die Häuser I der Deutschgesinnten, verschleppen die Deutschen, plün­dern und rauben.

In den Wäldern um Gleiwitz wimmelt es von schwer bewaffneten Insurgenten. In den Kreisen Rylmik und Ratidor haben sie in einer Reihe von Ortschaften wieder die Gewalt atr sich ge­rissen. Die deutsche Bevölkerung flieht in Massen ost­wärts. Die über die Grenze gegangenen 3nfurgmten« Verbände stehen, regulär zusammengefaßt, hinter der Grenze uno halten dort militärische Uebungen ab.

Die im Aufstandsgebiet zurückgebliebenen Insur­genten und Hallersoldaten sind nur bis zum 17. Juli beurlaubt; auch beziehen sie ihre Löhne weiter. Es ist ihnen ausgegeben worden, sich für einen baldigen Ruf bereit zu halten. Alle diese Anzeichen deuten auf einen drohenden vierten polnischen Auf st and hin, der am 10. Juli durch einen Generalstreik eingeteitet werden soll.

Der Beulfjenet Zwischenfall.

Infolge des gestern gemeldeten Zwischenfalls in Deuthcn sind weitere Geiseln, meist Führer der deut­schen Parteien unb Gewerkschaften festgenommen wor­den In einem Aufruf des Zwölferausschusses der deutschen Bevölkerung Oberschl'siens werden die Vor- kommnisse in Beuchen auf das lebhafteste bedauert und die Bevölkerung zur Ruhe und Bcfottnenhrit mtfgefor­dert. Die Interalliierte Kommission solle als alleinige Obrigkeit respektiert werden.

Nach einer Schilderung der blutigen Vorgänge In De-uthen durch den Berichterstatter d'sDerl. Lokal- anzeigers" sind f r a n z ö s i f ch e O f f i z i e r e, als di« Beuthener Bevölkerung B grüßungsdemonstrattonen für die einrückenden Engländer veran­staltete. ohne jede Veranlassung auf die Menge losge- stürzt und haben, unterstützt von französischen Mann- schäften mit Reitpestschen und Stöcken auf die D'mon- ftrarrfen eingehauen. Als dann aus der Rosberger ©egenb ein Schuß fiel, steigerte sich die Erregung der Franzosen ins maßlose. Sie stürzten sich auf wehr­lose Frauen, rissen ihnen die Äintrr aus den Armen, warfen diese auf die Erde und schlugen mit Kolben auf sie ein. Französische Mannschaften, die aus der Kaserne herbeigeeilt waren, richteten unter der unb?« roaffnden Volksmenge mit Bajonetten und Kolben ein furchtbares Blutbad an. Ei- nem jungen Mann wurde der Kopf durch Dajonettftickte bis zur Unkenntlichkeit zerstochen. Die genaue Ziffer deutschen Toten läßt sich noch nicht feststell n.

Abends nach 8 Uhr, nachdem die Ruhe bereits wieder I

Das Haus kann nunmehr zu bem einzigen politische,, Gegenstand der Tagesordnung übergehen. Dies ist die Interpellation der Regierungsparteien, Mehr, heitsfoziolisten, Zentrum und Demokraten übet den Fall Iagow. Die Interpellation trägt folgen» den Wortlaut:Ist die Reichsregierung in der Lage unb ( teit, über den Stand des Verfahren, gegen den Siegkrungspräfibenten a. D- von Iagow" wegen Hochverrats unverzüglich Auskunft zu geben?" Auch die Unabhängigen hatten eine auf dieselbe Angelegen, hebt bezügliche allerdings viel breitere Interpellation eingebracht.

Die Begründung der Inrerpellaston der Regierung». Parteien lag in den Händen des Zentrumsabg. Spahq, die der Unabhängigen beim Abg. Dr. Rosenfeld.

Der Sprecher für die Interpellation der Regierung». Parteien Dr. Spahn skizziert kurz noch einmal den Bor. gang, der Anlaß zu der Interpellation geboten habe. Herr v. Iagow ist wegen Hochverrats in Untersuchung gezogen worden. Auf Grund von ärztlichen Be­scheinigungen ist er jedoch nicht in Untersuchungshast genommen worden. Das Verfahren wird zurzeit nicht, fortgesetzt, sondern ruht latent nicht infolge eines Be­schlusses, sondern weil der Aufenthalt des Herrn Iagow nicht bekannt sei. Demgegenüber hat Herr v. Iagow in der Presse erklären lassen: ich bin seit März 1920 nicht krank gewesen, bin also gesund. Er hat außerdem mitgeteüt, wo sich seine Wohnung befindet und es ist darum mit vollem Rocht auffallend, wie es unter solchen Umständen nicht möglich war, die Doruntersuchung und das aanze Unterfuchungsversahren dauernd durchzuführen. Mit Recht stellt sich jeder vor die Frage, wie es komme, daß dieser Mann nicht weiter strafrechtlich verfolgt wird, obwohl er unter dem Dor. rourf des Hochverrats steht. Eine hinreichende und ein- gehende Auskunft des Iustizministers ist deshalb not- wendig. In der Tat liegt hier ein Fall vor, der der restlosen Aufklärung dringend bedarf. Es geht nicht an, dah das Rechtsempfinden eines ganzen Volkes lei. bet, wenn sich solche Dinge abfpielen, hie von der ösfenp lichen Meinung nicht begriffen werden können.

Unter gespannter Aufmerksamkeit nimmt das Hau» bie Erklärungen des Reichsiustizministers Schiffer ent­gegen. Hier und da fällt die Linke mit lärmendem Zwischenruf ein. Herr Schiffer behandelt die Singe, legenhelt eingehend, ob auch restlos klärend, darüber läßt sich streiten. Was mit Herrn v. Iagow geschehen soll, darüber bat Herr Scküffer eine nähere Aufklärung nicht gegeben. Er erklärt, das Reichsgericht fei für die ganze Sache zuständig.

Auf Antrag Müller-Franken (Soz.) wird die Inter­pellation besprochen.

Abg. Dr. Radbruch (Soz ): Es handelt sich hier um eine Frage der öffentlichen Moral. Noä; den Erklä­rungen des Iustizministers macht die ganz» Sache h»n Eindruck clines großen Skandals. 'Im ganzen waren ursprünglich 705 Kappverbrecher vorhan­den. 355 sind amnestiert. 108 sind durch Tod unb an. bere Gründe in Wenfall gekommen. In 174 Fällen ist bas Verfahren eingestellt worden. Don den 71 uner­ledigten Fällen ist im letzten Jahre kein einziger zur Aburteilung gelangt. Gegen Linksstehende ist man schärfer vorgegangen.

Inzwischen ist von den Kommunisten ein Miß­trauensvotum gegen den Reichsjuftiz- Minister eingegangen.

Aba. Warmukh (D-atLl: Wir baffen an dem Grund, satz fest, daß in ein schwebende» Verfahren nicht einge­griffen werden darf.

Abg. Hemfeld (Komm.) erklärt, daß der Fall Iagow nur ein Fanal für die herrschenden Zustände in unserer Justiz fei.

Reichsjustizminister Dr. Schiffer faat zu, daß zwi­schen der Oeffentlichkeit und der Justiz eine engere Fühlung geschaffen werden soll. Die Urteile der Sondergerichte werden sorgfältig geprüft.

Sm Schlußwort wirft Aba. Moses (Unabh.) dem Iustizminister Spitzfindigkeit vor.

Ueber das kommunistische Mißtraunesvoti'rn wird Mittwoch abnritimmt. F-rner kleine Vorlagen, 3 Lehma des Nachtragsetats, Erhöhung der D:ätcn für die Neichstagsabgeordneten, Branntweinmonopol.

Soweit der Schreiber in derHeft. Schulztg.". Es ist erfreulich, daß ein gläubiger evangelischer Lehrer dieser seine- Ueberyugung, der wir uns voll anschlie- ßen, Ausdruck verliehen hat. Möchten sich dies« Stimmen auf evangelischer Seite mehren. Kürzlich billigte der Verband deutscher evangelischer Schul-, Lchrer- und Lehrrrinnenvrreine di« Forderung des Eoangelttchen Kirchenausschusses aus die Konfessions- schule. Das find immerhin noch Lichtblicke, die sich da zeigen. Es wäre zu wünschen, daß die katholische Lehrerschaft im Bund« mit der gläubigen evangelischen Lehrerschaft immer einflußreicher In der Forderung und Erhaltung der christllch-konscssiou:llen Schul« und |o dem Absatz 2 des Artikels 146 der Reichs Verfassung in dem Reichsschulgesetz den rechten Inhalt gegeben

Am den Keligtonsui erricht.

DasAllgem. Schulbiatt für Wiesbaden", das oer- pinsamiliche Organ für den Lehreroerein in Nassau, verösseutlichie vor kurzem das Ergebnis über d ic Religionsunterricht-Abstimmung, die von genanntem Verein im Mai 1921 abgehalten wurde. Es fimimten 7ti Proz. der Mitglieder ab, da- pou mären 9b Proz. für Religionsunterricht 1 Prozent für Weltanlchc.uiingsunterncht (Weltanschauungs- schule), 4 Proz. verlangen die weltlich.' Moral (well- tiche Schule), wahrend 25 Proz. für Moralunterricht »iberhaupt sich erhören. Der dekenntnismaßige Reli­gionsunterricht wird von 90 Proz., der inlertonfefsio- pellc Religionsunterricht von 4 Proz. verlangt. Für die Konjejjionsfchuie stimmen 8 Proz., die Simultan­schute wird von 92 Proz. gefordert. Gegen unmiNel- bare kirchliche Aufsicht sind 92 Proz.

Lei dieser Aufstellung ist zu b.>achten, daß sie nicht etwa von der Rasfauischen Lehrerschaft schlechthin, son­dern von einem Zweigverein des lib. preußischen Lehreroereins ausgeht. Er­freulich -Libt, daß sich die überwältig:nde Rtehrheit ( Proz.t) für den Rsligionsunterricht überhaupt! und davon 90 Proz. für den dekennlnismaßigen erklärt hat. Bei der Abstimmung Konfessionsschule oder ßimulianschtae ist daran zu denken, oaß Nassau die einzige preußische Provinz ist, in der die Simultan« schule zugelassen ist.

Es mehren sich in letzter Zeit überhaupt die An- zeicheli, daß die von der radikalen Leitung des deutschen Lchreroerems und seinen Zweigo:reinen in Sachen Konsessions« oder Simullanschule erhobenen Forderun­gen von einer größeren Anzahl seiner Mitglieder nicht ziitterslütz! werden. Es war seit ter Revolutionszeit Gebrauch, in den lib. Lehrerzeitungen einfach alles »olzu schweigen, was für die Konfessionsschule günstig war die Gegenseite kam kaum zu Wort oder es wur­den in der Folgezeit ihre Aussätze höchstens in unauf­fälligem Kleindruck gebracht. In Nr. 24 derHess. Schulzig." hat nun auch ein Freund der Konfessions- schule das Wort erhalten. Er schreibt u. a.Heute for­dert man die konfessionslose Schule. Diese ist aber die religionslose Schule! Denn trotz des so nebenbei angehängien konfessionellen Reli- gicnsunierrichls bleibt das seit Jahrhunderten wie ein Kleinod gehütete Herzstück der Schulerzkhung, die Re- ligion, einem Aschenbrödelüasein preisgegeben. Re­ligion ist zwar nicht ausschließlich, aber doch in weitgehendem Maße Be,kenntnis; darum dürfen wir, wollen" mir nicht den Grundcharakter aller nationalen Erziehung völlig verkennen, auf den de- k e n n t n j s m ä ß i g e n Religionsunter­richt nichl verzichten. Religion ist aber auch Leben. Daher die Forderuna, daß der konfessionelle Gtis! sich in gesamten Schulunterricht auswirken soll. Richi diese Forderung, wohl aber der recht lächerliche Hinweis auf einzelne dechnische Fächer oder auf R-ch- nen grenzt an Komik und unzeitigen Scherz. . . Es geht nicht an, daß an einigen Tagen der Woche in der ersten Morgenstunde das religiöse Schubfach geöffnet wird, um hernach für den übrigen T»eil des Schultages peinlichst geschlossen zu bleiben. ... Die Behauptung ist auch hinfällig, daß durch die Kon­fessionsschule dem konfessionellen Hader Vorschub ge­leistet würde. Die Trennung nach Bekennlnissen ist nun einmal vorhanden, und auch die Simultanschule wird nicht in der Lage sein, hier überbrückend zu wir­ken. Andererseits hat die Elternschaft und haben die D kenntniffe das unbestreitbare Recht, die Kinder in ih.em Geiste erziehen zu lassen. Christliche Schule ist evangelische oder katholische Schule! Nur die konfessionelle Schule kann un­serer Jugend die Ewigkeilswerte sichern, die im Chri­stentum liegen. Jede andere Schulart muß mit zwin- j gcnb'r Notwendigkeit der Religionslosigkeit oer-

I des Reichstages stehen zunächst 7 Anfragen. Die Inter- I pellation des Zentrums wegen der Schädigung des Rtet« I fes Monschau wird fpätw beantwortet werden An den I auswärtigen Ausschuß wird bas deutfch.rufülche Ergön- I zungsabkommen über die Heimschaffung der bei. I derseitigen Kriegsgefangenen und Zivilinter- I nierten überwiesen.

I Das Haus wendet sich der zweiten Dsvatang des Ge- I fetzentwulss über dir Gewährung von Bei- I Hilfen an Rentenempfänger aus der An- I gestelltenverficherung zu. Hierzu liegt ein An- I trag vom Zentrum, den Demokraten, dm Soztaldemo- I treten und der USPD, vor, wonach dbe bisherige Der« I sichorungsgrenze von 15 000 auf 30 000 ,M. erhöht werden I soll. Ueber diesen Antrag entlpinnt sich eine längere, 3eit» I meitig recht lebhafte Debatte. Don feiten des Zentrums fttzt sich der Abg. Andre für den Antrag ein. Er wehrt sich vornehmlich gegen die Anmaßung der beiden Rechts­parteien als ob sie allein die Untere ff en der Angestellten verträten. Das Zentrum habe immer auf ein« ralchs Re­gelung dieser ganzen Frage gedrängt. Die Vorlage fei ein Provisorium, sie wird ober auf jeden Fall über die Zeit bis zur Fertigstellung des neuen Gesetzes forthelfen. Die Erhöhung der Angestelltenversichenrngsgrenz« auf 30 000 M. rohd einstimmig angenommen; ebenso mit großer Mehrheit der Rest der Vorlage wie auch die rück- wirfende Kraft bis zmn 1. Januar 1921.

In der nun folgenden Fortsetzung der zweiten Bera­tung über den Nachtrag zum Haushaltsplan wird der Haushalt des Reichsverkehrsministeriums unb der Haushalt des Auswärtigen Amtes genehmigt. Die Anträge der Rechtsparteien auf Schließung der Zen­trale für fjrimatbienft werden abgelehnt, der Ausfchiih- antraa auf Umgestaltung angenommen, es wird also der Zentrale für Heimatdienst ein parlamenta­rischer Beirat beigegeben werden. Das Gesetz zur u-berwochung des Verkehrs mit Postpaketen und das Wehrmachta-vsorgungsgesetz zur Vertarprma der Aneeböri- gen des Reichsheeres und der Reichsmarine sowie ihrer Hinterbliebenen werden ohne Debatte angenommen.

Der Ring der Nuramoja.

Roman von Käte van Beek er.

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Aber sie hatte nicht mit dem Wettermantel unb nicht mH Mister Marieton gerechnet, der dessen Falten und mit ihnen ihre Trägerin fest in den Händen hielt und noch rückwärts zog. I» seiner Aufregung merkte er gar nirfjt, daß er selbst dos Hindernis war, unter besten Zwang die Fliehende zurücktaumelte. Er sah nur, daß fic schwankte. Hastig ließ er den Mantel les, um sie zu halten, aber gerade kam dadurch Ebba, die angestrengt vorwärts zog, vollkommen aus dem Gleichgewicht, yadit» eine noch tiefere Verbeugung, als die vorher bem Meere gewidmete, und fiel dann auf die Rniee. mit betoen Händen in den Sand greifend. So blieb sie re. gmigslos liegen. Sie kam sich fo hilflos, so unglück- stch und zugleich fo lächerlich vor. Aber nun war auch alles gleich. nun kam es auf nichts mehr an! Aufschluch- gerb ritz he ihre Hände aus dem Sande und schlug sie vor bas Gesich,. 3

Da kniete er auch schon neben ihr.Ebba!" Nur ein leises Schluchzen und Stöhnen, unter bem der ganze Körper bebte aber keine Antwort und auch keine De. megung, um_ sich zu erbeben. Sicher hatte sie sich oerlcüt, bei bem unuberleatan Sprung vom Stein vielleicht h-n guh gebrochen! In seiner Angst schlang er den Arm um sie und zog sie an sich. ..Sprechen Sie doch, befreien Sie mich von der Angst! Können Sie nicht aufft-hen?"

S'e schluchzte nur stärker unb schüttelte den Kopf und machte einen schüchternen Versuch, sich aus seinem Arm gu winden, aber nur so schüchchtern, daß er sich dadurch veranlaßt fühlte, sie fester an sich z ziehen.Haben Sie sich verletzt? Tut Ih-en etwas weh?"

Wieder wortloses Kopftchütteln, wobei die krausen, unter d'r Kappe lustig h'rvorspring-nden Locken ihm so neckisch und verführerisch um die Wangen flatterten, daß er ber Versuchung nicht widerftch.u, konnte, und sie mit leisem Kuß zärtl'ch streifte. Aber fo leife auch die Berührung war, sie hoste sie doch gefühlt: ein Zittern lief durch ihren ga-z n Körper, und wie 0 tgenblick. i kicher Schwäche sank ihr Stopf gang 'an feine Brust. '