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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sfabf Fulda.

Nr. 151

Lerantwortttch Siir den itoauioneUen Itil: Dr. Kramer. :: für bit »ntetgen: $. Par,«U,r-Fu!da. s

Rotationsdruck n. Verlag bet Fuldaer »cllendnickerei tn Fulda, «kernlprecher Sh. 8. Telear.-Adresl,: Fuldaer Zeltu ng

Dienstag, 5. Zull |92t

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48. jaljrg.

PapierwerLe, Goldwerte

und Relchrnotopfer.

Don besonderer Seite wird der EPT. geschrieben: Noch vor zwei Jahren war in ter ganzen deutschen Bevölker g die Ucberzeugung vorhanden, daß ohne eine scharfe Besteuerung des Besitzes die Finanzen des Reiches nicht reformiert werten könnten. Auch auf Seilen der llüchim des Reichstags mußte man an­erkennen, daß ohne eine Besteuerung des Besitzes Deutschland nicht zurecht kommen würde. So be­kämpfte Helsserich das Reichsnviopser damals in erster Linie mit der Behauptung, daß ter F e i n d den Ertrag des Reichsnvtoofers Wegnahmen würde. Er gab aber in feiner Kampfbroschüre gegen das Reichsnotopfer unumwunden zu, daß der Gedanke einer Vermögens­abgabe durchaus gesund und berechtigt sei und daß er selbst schon während des Krieges im Reichsschatzamt den Auftrag erteilt habe, die Frage steuertechnisch durchzuarbeiten.

Heute merkt man, wenn man die Agitation einer gewissen Presse verfolgt, nichts mehr von diesem all­gemeinen großen Grundgedanken. Der Opfergeist des Besitzes ist außerordentlich geschwunden. Dar Reichs- notopfer ist durch die Entwertung des Geltes, die feit dem Dezember 1919 eingetreten ist, für viele unge­heuer viel leichter geworden. Und doch ist gerate jetzt die Zeit gekommen, wo das deutsch» Bolk erst den vollen Ernst des verlorenen Krieges, des gTwoltigen militärischen und politischen Zusammen­bruchs an seinen Finanzen erfahren muß. Daß hier der Besitz gleichfalls Opfer bringen muß, steht für jeden Jßernünftißen und ehrlich Denkenden fest. Die große Masse des werktätigen Volkes wird durch hohe indirekte Steuer zweifellos in großem Umfange bei­tragen müßen zu den Lasten. Dazu kommt dann noch die allgemein; Teuerung, die sich für weite Volksschich­ten außerordentlich gdtenb macht. Es wäre nicht nur politisch unklug, sondern auch sozial nicht zu rechtferti­gen, wenn man nicht mit allen Mitteln versuchen wollte, den Besitz in einer volkswirtschaftlich noch er­träglichen Weist zu den großen Lasten ter Gegenwart hercmzuziehen.

Diesen Sinn hatte das Reichsnotopstr. Als es be­schlossen wurde, konnte aber noch niemand ahnen, wie außerordentlich stark ter Geldwert sinken würde. Bor allem konnte man nicht ooraussehen, daß ein derartig starker Unterschied zwischen dem Sachvermögen und dem Papiervermögen entstehen würde. Unlängst sagt« der Reichskanzler, das Mißliche beim Reichsnotopfer fei der feste Stichtag des 31. Dezember 1919. Das ist unbedingt richtig. Während sich nämlich ter Nennbetrag des Vermögens eines Rentners gleich­geblieben ist, die Kaufkraft dagegen außerortentlich schwankt, ist umgekehrt ter Wert der Sachgüter tn einn abnormen Weist gestiegen. Die Sachgut. werte, Fabriken, Ländereien usw. wurden beim Reichsnotopstr nur mit einem von Wehrbeitragswert wenig unterschietenen Werte eingesetzt. Inzwischen aber sind die Preise des Grund und Bodens auf das 78fache, ja noch darüber gestiegen.

Durch diese Scheidung von Papierwerten und Sach­werten wird ein gewisser Ungerechtigkeitsfaktor in die Steuergesetzgebung hineingetragen. Ein Beispiel mag dies sofort zeigen: angenommen, ein Rentner habe beim Stichtag des Reichsnotopstrs ein Vermögen von einer Million Mark gehabt. Dieser muß nun davon die Summa von 246 000 Mark als Notopfer zahlen. Ein anderer Steuerpflichtiger soll eine Fabrik besitzen, die vor dem Kriege 125 000 Mark wert war und mit demselben Wert beim Reichsnoiopser eingesetzt würde. Nun aber ist infolge ter Entwertung des G l- des diese Fabrik vielleicht eine Million Papiermark wert. Die beiten Besitzer hadm also gleich großen Besitz. Da aber das Realvermögen nicht zu seinem Popienvert eingeschäht wurde, so hat dm Besitzer ter

Der Ring der NuramaZa.

Roman von Käte van Beeter.

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Sie lächelte dazu sehr vielsagend, sehr verständnisvoll tob entschuldigend, und sah mit Befriedigung, daß sie ihren Zweck erreicht und ein vielleicht vorhandener ge. jährliches Interests des neben ihr Gehenden durch tiefe Enttäuschung niedergedrückt hatte. Er war ganz blaß geworden und preßte die Lippen hart aufeinander, wäh­rend sich seine Stirn wie In unterdrückter Pein furchte. Doch Frau von Lebanoff hatte nicht mit ihrer Tochter Ebba gerechnet.Aber, Mama, das kannst Du doch "icht von Fräulein Maria sagen; die ist doch wie eine ^eine Prinzestin! Weißt Du, die Prinzestin auf der Erbse, wie die Zofe sie nennt. Die sieht so etwas gor und ich glaube auch nicht"

Weiter ließ Frau von Lebanoff sie nicht kommen. Liebling, bas sind Sachen, die sich Deiner Beurteilung entziehen. Frauen unseres Standes können sich in die Gef-.ihle und Derhältnifle solcher Märchsn nicht gut versetzen. Die Kleine da hat wirklich ein sehr geichicktes Benehmen und gute Formen, sonst hätte ich sie doch auch nicht angestellt; aber selbstverständlich fühlt sie sich zu dem Kreise, in den sie durch Geburt gehört, hin- 5f3cSfn- 5n 'hren Mußestunden geht sie Arm tn Arm mit einem jungen Mann spazieren, und daher habe ich auch wohl Berechtigung für eine gewisse Besorgnis. Verliebte Zofen und Fräuleins sind nicht mehr ein­wandfrei HUverlöstig. Entschuldigen S.e das Thema, Baron; ich kümmere mich sonst nicht um. Dienstboten, geschichten; aber solange dem. Mädchen dar Wohl mei- nes Sohnes anvertraut ist, liegt mir so etwas doch am Herzen und regt mich auf. Man ist leider von seinen Dienstboten so sehr abhängig."

Und sie führte das WortDienstboten" immer wieder an, denn es schien ihr bas wirksamste Mittel gegen ein etwaiges Interesse, das entschieden vorhanden war. Oben in ihrem Zimmer brach Frau von Lebanoff» Zorn über Ebba in Worte ausWenn ich etwas tue ober sage, so schickt es sieh nicht, daß Du mir widersprichst Und Partei ergreifst für dieienige, die ich verurteile!" ,«ber, Mama, ich begreife Dich überhaupt nichtI*

Fabrik einen ungeheuren Vorsprung vor dem Stent- ner. Der Besitzer ter Fabrik zahlt nicht 246 000 Mk. Steuer, sondern nur 14 750 Mark. Würde das Fabrikanwe^m mit feinem gegenwärtigen Verkaufs- wert angesetzt worden sein, dann würde kein Unter- schi d zwischen tem Besitzer von Papiermark und dem Besitzer des Grundstücks bestehen. So aber ist ein ungeheurer Unterschied in ter Steuerbelastung gege­ben. Dieser Unterschied wirkt hoppelt schwer, weil mit ter Höhe des Vermögens auch die Steuersatz: sehr stark ansteigen.

Und wie hier in dem Brispiel, st ist es in vielen anderen Fällen, wenn nicht überall die Spannung gleich groß ist. Auch ter Besitzer von oeräußerbaren Mobilien (Maschinen usw.) ist entsprechend bester daran, als ter nun« Geldbesitzer. Diese Unterschiede in ter Belastung, die infolge ter Wahl des Stich­tages zum Reichsnotopfer herausgekommen sind, lagen nicht Im Sinne des (^fetzgebers, tagen vor allem nicht im Sinne ter Parteien, die das Reichsnotopfer be­willigt haben Er ist auf den ersten Blick klar, daß birst Ungerechtigkeit auf irgend ein? Weise wieder be­seitigt werten muß. Denn das Wichtigste im ganzen Sieuerwesen >st, daß möglichst Gerechtigkeit herrscht. Rur so kann bk Steuermorock entsprechend ge­stärkt werten.

Die Zustande in GbrrsL!esren.

Ein blusiger Zwischenfall in Beuthen.

Die Blätter berichten über einen Zwischenfall, der sich beim Einzug der Ententetruppen in Beuthen ereignete.

Als das (Bros ter einziechenten Truppen, das aus Engländern bestand, durch die Friedrichstraße zog, brachen die Bewohner, die sich nach vielen Wochen von ter Bedrängnis durch die Insurgenten und den Schikanen der Franzosen befreit sahen, in Jubel» r u f e aus unb stemmten vaterländische Lieder an. Darauf rückte die französische Wache aus ter neuen Kaserne Heron und hieb mit Kolben mch Gummi­knüppel auf bst Menschenmenge ein. In ter allge­meinen Verwirrung fielen plötzlich Schüsse, durch die ein französischer Major erschossen und mehrere Franzosen verletzt wurden. Durch das rücksichtslose Vorgehen ter französischen Soldaten kamen mehrere Frauen und Kinder ums Leben.

Die Franzosen nahmen nach tem Vorfall 20 Bür­ger von Beuthen als Geiseln in Haft, darunter den ersten und den zweiten Bürgermeister sowie den Sa- nitätsrat Dr. Mock. Am Nachmittag wurden die Haupt­straßen von englischen Posten besetzt und die Ruhe wieder hergesiellt.

Das TreDeu ter Insurgenten.

Nach einer Meldung desDerl. Lok.-Anz." aus Ratibor kehren in den Kreisen Ratibor, Rybnik und Gleiwitz sowie in Gr.-Strehlitz überall die polni­schen Banden in die Dörfer zurück und überfallen die im Vertrauen auf die Säutemngsaktion in ihre Heimatstötten zurückgekehrten deutschen Fami­lien. Der Ort Schymotzütz, ter bereits am 1. Juli von den Insurgenten geräumt fein sollte, ist gestern von pol­nischen Banden beschaffen worden. In den Wäldern von Iankowitz und Klein-Rauten wimmelt es von In­surgenten, die in ter Nacht die Dörfer überfallen und die Deutschen berauben und verschleppen.

Ter Zugverkehr

von Oppeln bis Beuthen ist wieder auf« genommen, ebenso der Telephonverkehr bis Gleiwltz. Dagegen ist der Eisenbahnveikchr ©lei« wih-Katlowitz und Gleiwitz-Rybnik wieder unter«

Das ist auch nicht nötig. Du hast nur stillzuschweigen; überhaupt tätest Du besser, diese Kunst zu üben. Wie Du Dich heute wieder benommen hast! Was soll dieses Getändel und Getue mit dem Maler bedeuten, den man nur duldet, weil er ein Künstler ist."

Die Tür nach Karins Zimmer klappte, sie hatte den Salon oerlaflen. Ebba zuckte zusammen.Mama, Du bist wirklich rückständig! Stimm s mir nicht übel, aber anders kann ich s gar nicht nennen. Er ist ein wirklicher Künstler, und dabei spielt seine Geburt gar keine Rolle/ Schweig'! Ich bin nicht vorupteilrooll und verschließe mich nicht modernen Anschauungen, ich sehe einen Bür­gerlichen aus guter, alter Familie als uns gleichberech. tigt an. Mister ÜRnctfton ist durchaus in unsere Kreise gehörig, und es ist sehr töricht von Dir, ihn durch Dein albernes Benehmen mit dem Ungarn io vor d»n Kopf zu stoßen/

.Was geht Mister Maeleton mein Der halten zu Ti. bar Revosceny an?" fiel auf diesen Vorhalt hin Ebba mit heißen Wangen und blitzenden Augen ein.Es ist mir völlig gleichgültig, was er darüber denkt, wie der ganze unausstehlich« Mensch mit seinem verrückten Mär. chen von der unsichtbaren Indierin!"

Als sich die Mutier von ihrem Entsetzen so weit erholt hatte, um zu einer niederschmetternden Strafpredigt an. zusetzen, schlug die Tür zu Ebbas Zimmer zu; die 6ün- berin war hinter ihr verschwunden, und man hörte die Riegel klappen. Wenn Ebba so wütend und ungebärdig war, konnte man doch nichts mit ihr ausrichten, nicht mit Strenge, nicht mit Güte, das war immer so gewesen, von Kindheit an. Man mußte sie dann austoben lasten und warten, bis sie von selbst kam und liebkosend und reuig um die Zürnenden herumging.

Dieses Kind; dieses entsetzliche! Und ihre Mutter täuschte sie doch nicht. Gerade setzt hatte die erkannt, daß ihr Sorgenkind den Amerikaner liebte! So zornig ist man nur, wenn die Eifersucht brennt und die Liebe weint und zweifelt, wenigstens wenn man Ebbas leiden, schaflliches Temperament hat und sein Herz wie ein auf. geschlagenes Buch trägt.

Bei Karin würde man kaum ein Zucken der Dim- ! pern merken. Aber freilich, Karin hatte auch kein heißes, ; zorniges Herz, kannte nicht Eifersucht unb nicht breit.

bunden, ebenso der Verkehr Ratibor-Rhbnik. Die Züge wurden von den Insurgenten angehaUen und ausgeplündert. ___

Der Krieg in Kleinasien.

Sin griechischerPanzerkreuzer hol dir Stadt Kara Mursal am Südufer ter Bucht von Lmid beschlossen. Nach ter Beschießung lauteten griechische Matrosenabteilungen, die die Stadl in Brand steckten. Ebenso erging er allen anterrn Stab­ten auf tem Ufer dieser Bucht.

DieChicago Tribuna" meldet aus Konstantinopel, baß ein amerikanischen Frachtdampfer im Schwarzen Mo?r auf eine Mine gestoßen und gesunken ist. Die Mannschaft sei gerettet worden.

Deutscher Reichstag.

Kleine Darlage«.

Der Reichstag erledigte auch am Montag nur eine Anzahl von fleineren Vorlagen. Zunächst erklärt sich die Regierung bereit, eine Interpellation der bürgerlichen Parteien über die Regelung des Lehr­lingswesens im Handwerk innerhalb der ge. schältsordnungsmäßigen Frist zu beantworten. Kn ge­nommen wird ein Gesetz über die Abwicklung von Kriegsgesellschaften und Kriegsorgan 1. fattonen sowie eine Vorlage über den Staafsoerirag betreffend Uebergang der Wasser st raßen von den Ländern auf das Reich.

An den Hauptausschuß verwiesen wird der Gesetz, entrourf über die Rechtsverhältnisse der ehe. maligen elsaß-lothringischen Beamten und der Ent. wurf einer Besoldungsordnung für diese Beamten. Eine Debatte über diese Punkte der Tagesordnung fand nicht statt.

Dazu kommt es erst bei der nun folgenden Fort­setzung des Nachtragshaushalts, der mit tem Haushalt für die Marine beginnt. Hierzu spricht nur der Unabhängige Kuhnt. Was er sagt, sind die gewöhnlichen Angriffe der Linksradikalen auf die ml. litSrischen Institutionen überhaupt. Doch damit nicht genug. Die Unabhängigen schicken noch einen zweiten Mann vor. den Abg. Dr. Moses. Dieser befaßt sich mit tem Sanitätswesen in der Marine. Beiten ant­wortet der Reichswehrminister Dr. Geßler. Der Rach, trag wird schließlich angenommen.

Es solch Ne Beratung über den Nachtrags, etat des Auswärtigen Amts Hierbei ist be« merkenswert der Titel: Reichsbeitrag für die Zentrale für Heimatdienst. Diese Ginrich. tung bat von seher Im Streit der Meinungen gelea°n. Dies spiegelt auch die Debatte wieder. Ein vorliegender Antrag fordert die Umqeftottuna der Z-ntrale für Hei. -ipflrenft und die Berufung eines parlamcntarfdien Beirats. Die beiden Rechtsparteien sowie die Unab­hängigen haben an der Zentrale für Heimatdienst kein Gefallen, von den Sozialisten setzt sich der Abg. Soll­mann für sie ein.

Der Nachtrags etat des Reichstages wird behaftetes bewilligt, das A l tr e n t n e r g e s e tz i n 8 Beratung ohne Aussprache angenommen. Da», selbe Schicksal hat da, Fernsprechgebührenge. setz.

5u einer längeren und lebhafteren Debatte kommt es erst beim Wehrmachtsversorgungsgesetz. Hi«r läßt ter Redner der Linken alle Schleusen der Be- redsamkeit los, um das Lieblingsthema den Kampf gegen den Militarismus wieder einmal nach allen Rich- hingen hin zu variieren- Die Redner der Rechten tun das Gegenteil. 5m übrigen aber bewegt sich di» Aus­sprache über die einzelnen Paragraphen in den Bahnen reiner Sachlichkeit. Das Gesetz wird mit gerinnen Senberungen in der Fassung des Ausschusses in 1, Le. suna angenommen.

Schließlich wendet sich das Haus dem letzten Gegen, stand der Tagung zu, dem vom Abg. Marx eingebrach, ten Entwurf eines Gesetzes über reli. glöse Kindererzl ehung Der Entwurf beruht auf einem Initiativantrag der bürgerlichen Parteien, der im Rechtsausschuß wesentlich umgestaltet worden ist.

nenbe, quälende Liebe, um sie dürste man nicht bange sein. Aber Ebba, das arme, geliebte schrecklich» Kind! Sie war Imstande, ihr Glück mit eigenen Füßen totzu- treten aus reinem unbegreiflichen törichten Eigensinn und kindischem Trotz!---

Dasschreckliche Kind" hatte brühen In ihrem Zim­mer erst einmal in wildem Zorn mit den Füßen ge­stampft und die Fäuste geballt und war bann auf schluck», zend vor dem Bett tn die Knie gesunken, den Kopf tief in die Kiffen drückend. Eie war so unglücklich, so schrecklich unglücklich! Die Mama hatte ja recht, natür« sich hatte sie sich unglaublich albern und töricht benom­men, natürlich hatte sie Maeleton vor den Kopf ge. stoßen, aber es war doch nur Karin zu Liebe geschehen! Da, konnte er nun freilich nicht wissen, und überhaupt, wenn er es auch wüßte, ihn kümmerte es nicht, denn er dachte gar nicht daran, ein io unliebenswürdiges Kind, wie sie, zu lieben, ein Mädchen, dem er mit fol­tern Spott vorgehalten hatte, daß es nur an Heiraten denke, an eine Sache, die einen Mann in seinen Jahren unb mit seiner Weltkenntnis gar nicht mehr beachtens, wert fand. Wie sie sich schämte, wie kleinlich sie sich vorkam, jetzt, da sie liebte, da sie wußte, was Siebe war, unb wie unmöglich es Ihr fei, einen Mann zu heiraten, den man nicht liebt, bloß um sich ein bequemes Leben zu schaffen.

Auf einmal fprang Ebba auf, ritz den langen, bunt, len Wettermantel aus bem Kleiderschrank, die kleine, buntle Rcisekappe vom Haken, verwandelte sich im Nu aus einem lichten, bunten Schmetterling In eine dunkle, unscheinbare Stäup» und öffnete vorsichtig ihre Zimmer­tür Flink huschte sie über den Flur an Mamas und Karins Zimmer vorüber, die Treppen hinunter und am Pförtner vorbei Sie hatte Luft haben muffen, freie Luft und wilde Bewegung, sonst erstickte sie an ihren Gedanken und Schmerzen. Unten am Strande sich aus­toben, laut meinen und schreien, mit den Möwen um die Wette! Das würde ihr gut tun, bas brauchte siei

Oh, daß ter Sturm nicht tobte und der Regen nicht fiel wie gestern, bann würde der Strand einsamer sein, und sie könnte gleich anfangen, mitzutoben! Aber heute, bei dem klaren Himmel, mar überall noch ein Einsamer za finden!

Ueber die religiöse Erziehung eines Kindes sollen die Eltern in freier Einigung entscheiden. Kommt eine Einigung nicht zustande, so entscheidet der D o!» r, doch darf er das Kind feiner anderen Religion zuführen, als es vorher hatte. Verträge über Kindererziehung sollen nur gütig fein, wenn sie vor Inkrafttreten bes Gesetzes abgeschlossen sind. Nach Vollendung des 14. Lebens. Jahres hat das Kind selbst die Entscheidung.

Abg. Leicht (Bayr. Vp.): Wir müssen das Gesetz ablehnen, weil die Gleichberechtigung der Mutter, die Stetigkeit der Erziehung und die Wahrung der kon- fessionellen Friedens in bem bisherigen Recht doch bester gesichert ist.

Das Gesetz wird in zweiter und dritter Lesung im. verändert in der Ausschußfassung verabschiedet. Da­gegen stimmte die Bayrische Volkspariei.

Nächste Sitzung Dienstag: Anfragen, Nachtragsetat des Wehrmachtversorgungsgesetzes, kleine Vorlagen.

Das neue Hermprogramm der Negierung.

Der Reichskanzler wird morgen oder übermorgen nicht nur rm Reichowirlschaftsrat, sondern auch vor bem Reichstag das neue eatuerprogremm ter Reichsreaikrung in einer großen Rede entwickeln.

Die Finanzmini st«r der Länder sind gestern in Berlin zu einer Beratung über das neue Steuer­programm zusammengeiruten. Sie haben der lieber» Beugung Ausdruck gegeben, daß es notwendig sei, bis, kommenden Steuergesetze durch ein Rah­mengesetz zu verbinden, um die Ablehnung einzelner Steuern durch wechselnde Mehrheiten utu möglich zu machen.

Da» Beamlenbesoldungsgefetz.

In tinem Schreiten an ben Präsidenten tes Reichs­tages Löb. erklärt ter Reichsfinanzministcr, daß die von tem 23 Ausschuß (BeamtenAngelegenheiten; ge­faßten Beschlüsse für bie Reichsregierung unan­nehmbar seien. Er mäste sich vorstchalten, im Plenum eingehend zu den Beschlüssen Stellung zu neh- men, sodaß mit einer langwierigen Beam­tend ebatte zu rechnen sei. Die Blätter rechnen mit ter Möglichkeit, daß ter Reichstag zwecks Er­ledigung tes Beamtentesoldungsgesetzes länger als ursprünglich geplant zusammenbleiten dürst«.

Vie Aengfte desReichzboten".

Die dieser Tage aus Rom gekommene Meldung! von einer bevorstehenden Verständigung zwischen tem Vatikan und ter italienischen Regierung hat bem Reichsboten", jenem übelterüchtigten, romkämpseri- schen Blatte, ein schweres Alpdrücken verursacht. Der ganzeultramontane" Wahn, den biefes Blatt nun einmal unheilbar beherrscht, kommt m einem Artikel zmn Ausdruck, ter nichts geringeres ausspricht, als daß diese vorgezeichnete-Entwicklung der Dinge das man höre und staune! Ergebnis des Weltkrie­ges ist, unb daßRom" nichts unteres bezweckt, als nun.ein Heer geistlicher Truppen auf Deutschland loszulassen".

Ist das alles schon Wahnsinn, so hat es doch Me- chode! So gibt sich terRsichsbote" also alle Mühe, um in ben schwärzesten Fart>en «i schildern, was alles werten soll, wenn wirklich ter Papst nicht mehr ter Gefangene im Vatikan ist". Dann würde ja, so ruft terReichsdote" mit Schrecken aus, die ungehinderte Bewegungsfreiheit tes Papstes in ter ganzen Welt in Aussicht stehen, und dann ter Gedanke ist gräßlich! könnte ja, so stöhnt dieses Blatt,die Welt das Schauspiel erleben, daß der Papst sich frei bewegt, den Datikan zu Reisen veriäßt, unb es -st nicht ausgeschlos­sen, daß wir ober unsere Kinder ihn einmal auf deut­schem Boden sehen werden." Und mit allen Anzeichen von Angst und Schrecken knüpft an diese Betrachtung

9m Sturmschritt Jagte sie vorwärts; sie sah nicht rechts, sie sah nicht links, sie wühlte nur in ihren heißen, zornigen Gedanken unb bemerkte dabei nicht, wie von einer ber im dunklen Gebüsch halb versteckten Bänke sich eine Männergestalt aufreckte, ihre schlanke Gestalt mit zweifelndem, überraschtem unb bann erken. nenbem Blick erfaßte unb sich rasch erhob, um ihr in einiger Entfernung vorsichtig zu folgen.

Run wurde der Strand schon feer, keine Menschen­seele mehr vor ihr! Soweit war sie erst einmal gefom. men, vor wenigen Tagen mit ihm. Da war der Fel- senvorsprung sie erkannte ihn wieder, hinter dem bie anschlagenden Wellen auch bei stillem Wasser immer ein bißchen zornig um die sich ihnen entgegenstellendes Steinblöcke herumknurrten.

Run konnte sie ihren Schmerz unb Zorn ganz unge- stört austoben. Er überfiel sie auch wieder mit wilder Gewalt, so daß sie nur noch gerade auf einen der gro­ßen Steine klettern konnte. Dann breitete sie beide Arme aus, fo daß sie in ihrem weiten, dunklen Wettermantel wi» eine große, zum Fluge bereite Fledermaus aussah, und schrie los.

Mister Macletvn, ber setzt auch um ben Felsvorsprung bog und nun ben vollen Anblick unb die volle Wucht des Ebbaschen Schmerzensausdruches in sich aufnehmen konnte, sprang mit einem Schreckenssatz auf ben Stein zu, auf bem Ebba sich eben mit ausgebreiteten Fieder- mausflügeln fo weit vorbog, daß es ausfaf). als wollte sie entweder dem Meere eine besondere höfliche Derbem gung machen, ober sich in feine Fluten stürzen.

Das wäre an biefer Stelle keineswegs gefährlich ge. wesen, aber Macleton packte es doch mit einer so gren- zenlosen Angst, daß er alle seine sonstige kühle Hebet- legung verlor, mit dem Ton äußerster Verzweiflung und leidenschaftlicher ZärtlichkeitEbba!" ausrief und mit beiden Armen wild in den sich leise blähenden W.tier. mantel hinelngrlss. Ebba ließ erschreckt ihre ausgebrei» teten Arme niederfallen, machte eine hastige Wendung nach rückwärts, sah in das Gesicht des Untenstehenden unb sprang ohne Besinnen unb Zögern mit einem wil­den Satz an diesem vorbei, sich zur Flucht «endend.

(Fortsetzuog folgt.)