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2. Matt., Jtl 149«, GamStag, 2. Juli 192L

svuldaer Zeitung

*t-* bee Delbert Kettenbcstferei i» Salbe

Die römische Zrage.

Ein kleiner uni) feiner Nebensatz in der jüngsten Lllokurion der Papstes Benedikt XV. hat in Italien eine lebhafte Strömung zur Lösung der römischen Frage in Gang gebracht. Die Boltsftimmung, die sich in der Presse und in der Kammer bekundet Hai, ist entschieden dafür, daß die Beziehungen zwischen Staat und Kirche, die seit der Vergewaltigung des päpstlichen Ram ab- gebrochen wurden, jetzt endlich wiederhergestellt und zu einem friedlich-freundlichen Nebeneinander der beiden Mächte ausgestaüet werden müßten.

Wir und die Katholiken der ganzen Welt würden es natürlich mit Freuden begrüßen, wenn das Unrecht, das an dem Oberhaupt unserer Kkche begangen worden ist, eine Sühne findet, soweit eine solche unter den veränderten Verhältnissen noch möglich ist. Wir freuen uns über di« Anregung, die der Papst in seiner väterlichen Güte und seiner erprob­ten Weisheit gegeben hat, und über das Echo, das feine milde Mahnung im Lande gefunden hat; aber bei aller Hoffnung auf guten Erfolg verkennen wir nicht die grr'sn Schwierigkeiten, die eine gute und gründliche Lösung der Frage noch bietet. Im Vatikan selbst ist man offenbar auch der Ansicht, daß eine befriedigende Regelung noch reiflicher Erwägung und vieler Ver­handlungen und SSorbereiturtgen bedarf, da das päpst­liche Blatt ausdrücklich betont, diese Angelegenheit dürfe nicht überstürzt behandelt weiden.

Es handelt sich einerseits darum, die Souverä­nität und Würde des heiligen Stuhles sowie seine Freiheit und seine unbeschränkte Serbin- düng mit allen Gliedern der Weltkirche so zweifellos und unantastbar zu sichern, daß auch fein Wechsel in der Regierung oder in der Politik des italienischen Staates das Ansehen oder die Tätigkeit des Stellvertre­ters Christi gefährden kann. In welchem Umfange und in welchen Formen dazu ein weltlicher Territorialbesitz notwendig ist, können wir nicht beurteilen, sondern müssen in den praktischen Einzelheiten dem Heiligen Stuhl selbst die Entscheidung überlassen. Das war auch der Sinn der Resolutionen, die unsere Katholiken» tage zu gunsten der Unabhängigkeit und der vollen Fro­heit des Papstes faßten. Auf der bevorstehenden T a- gung in Frankfurt a. M. wird diese berechtigte Forderung der deutschen Katholiken gewiß in alter Entschiedenheit wiederhcüt werden. Wenn wir nicht ausdrücklich von einer ganzen ober teilweisen Wieder­herstellung des Kirchenstaates sprechen, so darf man das nicht als Schwächlichkeit beuten, sondern nur er- klären aus dem rückhaltlosen Vertrauen, das wir in die Weisheit des Papstes setzen, der selbst am besten beur­teilen kann, und ausschließlich zu entscheiden hat, welche Formen und Garantien notwendig bleiben und auch unter den jetzigen Zeitverhältnissen unbedingt gefordert werden rnüffen.

Der Heilige Stuhl wird bei aller Friedensliebe die Opferwilligkeu gewiß nicht zu weit tieiben, da sich ja in diesen Schicksalsjchren klar gezeigt hat, daß auch bei den bisherigen gespannten Verhältnissen die feinb- seligen weltlichen Gewalten dm Felsen Petri nicht zu erschüttern, die Kirche nicht zu gefährden vermögen. Solche außerordentlich« Gefahvm, wie sie soeben glorreich Überwunden sind, werden nach menschlicher Berechnung in absehbarer Zett schwerlich wiederkehren. Es liegt also kein Zwang vor, daß von kirchlicher Seile jedes erst« Angeboi d» Staates angenommen werden müßte, auch wenn es nur halbe oder scheinbare Vor­teile brächte. Es muß etwas Volles und Ganzes, eins gründliche Regelung und eine dauerhafte Sicherung der kirchlichen Intcresjen und Rechte erreicht werden; sonst ist die Fortdauer des alten Zustandes das kleinere Uebef

Bor allem ist das zu verhüten, was nach gewissen Äscherungen in der Presse und auch im Parlament di« alten Kulturkämpfer in Italien anstreben: der Aus- gkich mit dem Vatikan darf nicht dazu benutzt werden, um in Italien selbst eine Art Staatskirchentmn mit königlichem Plazet und Exequator durchzuführen. Zu einem wahren und dauerhaften Frieden ist vielmehr erforderlich, daß auch dir innerpolitische Gesetzgebung und Verwaltung in Italien sich aller Kulturkämpferei enthält und statt der fveirnaurerischen Politik christ- (i ch e Politik treibt

Bis das Volk und die Machthaber für diese Auf­gaben wirklich reif werden, wird noch einige Zeit oer- gehen. Doch wollen wir die erste Morgendämmerung mit Hoffnung begrüßen.

Der Ring der Nuramsja.

Roman von Käte van Beeter.

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Macleim, stand in lichterloh«« Flammen! Auffprin. gen hätte er mögen, auf sie zustürzen, sie an sich reißen! Sein Wort, keinen Blick gönnte er noch diesem Maler! Richt zu ertragen, wenn sie sich wirklich in den schönen Menschen verliebt hätte! Ein Wunder wäre es nicht er war ja selbst immer in den Prachtkerl vernarrt ge. »esen. Aber jetzt und Ebba? Er konnte jetzt nicht hier bleiben, er tat sonst irgend etwas, das aus dem Rahme« allez Herkömmlichen fiel.Ich muß mich von den Herrschaften verabschieden, ich habe noch einen wich­tigen Gong zu machen", sagte er laut, seinen plötzlichen Aufbruch entschuldigendIch muß etwa» ins klare bringen, tnrs mir eben erst eingefallen ist"

2UIe waren erstaunt über diesen plötzlichen Aufbruch und sprachen durcheinander, nur Ebba war plötzlich ganz still geworden. Ihr Herz hämmerte in harten Schlägen, alle Farbe war aus ihren Wangen gewichen; es war, als wenn alles um sie bräche und versinke. Hoffen und Glück! Sie liebte ihn ja, liebte ihn ohne jede Berechnung, ohne Besinnung, nur ihn. Es war ein so großer Wandel über sie gekommen; erst dre Er. kenntnls ihrer Liebe, dann die heiße Scham, daß sie überhaupt jemals die Ehe als ein Geschäft, eine Speku­lation hatte onsehcn können. Das jungfräulich reine und vornehme Empfinden, das trotz all dessen, was man sie lehrte und was sie um sich sah, doch in ihrem tiefsten Innern lebte, hatte sich hoch und stolz aufge­richtet, und zerknirscht war sie oor ihm niedergffunken.

Frau von ßebanoff sah, während sie sich lebhaft an den Erwägungen üoer Macletons hcfugen Auibruch beteiligte, unruhig noch Ebba. Wie blaß da' Kind mar, und wie teilnahmslos cs plötzlich in sich uer'ant! Da mar irgend etwas nicht in Ordnung. Man mußte sie bei Beobachtung entziehen. Darum crho^ sie sich 'n:* der Aufforderung, ein wenig spazieren zu gehen.

Karin und Selenburg gingen voran, beide schweig. Arm, beide so mit sich br>chästigt, beb cmer rrrfjt die < i'-rss nlosigkeit d-« ant'-ren empm-d. Karin hatte nur tzM ej««» Sbuiijyj, üiieui «u jein, Heinrich

Die Reichrverficheruirgrordnung.

Die mit dem SBir.fcbaftsleben eng verwobene soziale Gesetzgebung muß, wenn sie nicht die not- wendig« Fühlung mit den tatsächlichen Verhältnissen verlieren will, ständig dem immer regen Wechsel diese« Wirtschaftsleben» folgen. Der langjährige Weltkrieg gab fo zu zahlreichen Gesetzen und Ver­ordnungen Anlaß. Durch die Folgen be8 Kriege», durch den großen politischen Umschwung der No­vembertage 1918 und nicht in letzter Reih« durch da» außerordentlich« Sinken bei Geldwertes hat aber ebenfalls das innere Leben in Deutschland die größten Umwälzungen erfahren. Diesen auch auf dem Boden der sozialen Versicherung gerecht zu werden, ist ein ebenso zwingendes wie dringliches Gebot für die Gesetzaebung.

DaS große Weik der Reichsversicherungsordnung muß daher, so kurze Zeit eS erst ins L ben getreten ist, von Grund aus nachgeprüft und den neuen Verhältnissen entsprechend umgestaltet wer­den. TicS ist der Nationalveriammlung bereits in Weimar teilens der RetchSregierung zugesagt wor­den. Die notwendigen Arbeiten dafür werden im ReichSarbeitSministerium vorbereitet. E» handelt sich hier aber um so umfangreiche Aufgaben, daß ihre vollkommene und planmäßige Durchführung selbst bei der giößtmögltchen Betchleunizung eine geraume Zeit in An pruch nehmen muß. Ein­zelne Aufgaben sind inbtffen hier so drinalich, daß sie nicht bis dahin zurückgestellt werden können. Die Reichsregierung hat daher dem Reichstag einen Entwurf borgelegt, der es unternimmt, diesen »gen Aenderungen auS dem gesamten Gebiete der Reichs- Versicherung zusammenzufaffen, welche keinen längeren Aufschub vertragen. Andererseits beschränkt er sich auf diese Aenderungen.

Gew ß gehen die Wünsche vieler beteiligten Kreise schon jetzt weiter, auch sind der Reichs- regierung bereits zahlreiche sachkundige Abänderungs­vorschläge zugegangen. Sie sind aber vielfach ein­schneidender Art. Dies gilt namentlich da, wo An­gelegenheiten der Organisation berührt werden. Diese Frage muß aber eine der vornehmsten Aus­gaben des Ge amtumbaues fein. Dem jetzt in Einzel­vorschriften borjngceifen, wäre unsachgemäß. Im Hinblick auf die wünschenswerte baldige Erledigung ist überdies von der Ausnahme solcher Punkte ab» gesehen worden, bei denen sich ein starke» Aus­einander gehen der Meinungen erwarten läßt.

Aus den angeführten Gründen stellt sich da», was die Vorlage bringt, als eine Sammlung von Sonderv'orschriften dar. die untereinander meist nicht in näherem Zusammenhänge stehen.

Endlich darf darauf hingew esen werden, daß die Gesetzgebung schon jetzt einzelne besonder» dringliche Reformfragen vorweg geregelt hat. Es gilt die» ein­mal von der Regelung der Wochenhilfe, über die daS Gesetz vom 26. September 191930. Aprtl 1920 Bestimmung getroffen hat, und sodann von der Heraufsetzung des GrundlohnS und der für die Bersicheiungspflicht maßgebenden Verdienst- grenze in der Krankenversicherung (zu bergt. Verordnung vom 30. Aprrl 1920), endlich von mehieren gesetzlichen Maßnahmen auf dem Gebiete der Unfallversicherung (Verordnung vom 25. Mat 1920 und Gesetz vom 11. April 1921).

Die Klagen darüber, daß durch die vielen feit Kriegsbeginn gelt offenen Einzelmaßnahmen die Uebersicht auf dem Gebiete der Arbeiterbersicherung wesentlich erschwert worden sei, sind an sich bollauf begründet. Wenn dieser Uebelitanb durch die im borliegenden Entwürfe bereinigten zahlreichen Einzel« borfcbrifien noch bergröfjert wird, so kann das um deswillen als weniger bedenklich bezeichnet werden, weil ja der nahe bevorstehende Gesamtumbau jenes ganze zersplitterte Material wieder zu einem einheit­lichen und übersichtlichen Ganzen zusammenjchmieden soll.

MeitsmarM und Wirtschaftslage.

Dee auf dem Wirtschaftsleben Deutschlands infolge der politischen Lage und der Weltwirtschaftskrise la­stende Druck hat sich zwar in gewisser Weise umgelo- gert, eine dauernde Erleichterung ist aber nicht einge­treten, da der polnische Ausstand in Otnrschlesien ein wichtiges Wirtschaftsgebiet in schwer« Wirren stär-le und die Kohlennot der deutschen Industrie verschärfte. Allerdings hat die Unterzeichnung des Ultimatums eine Klärung in dem Sinne gebracht, daß der weiteren milULrifchen Besetzung deutschen Wirtschaftsgebietes im Westen Einhall geboten worden ist; es ist auch in der

empfand fast ebenso. Ebba hatte so viel mit sich und ihren Gedanken zu tun, daß sie gor nicht merkte, rote Mama sie beobachtete und rote still Mama war.

Plötzlich, als die vier um die Straßenecke bogen, stockten die beiden Dorangetzenden im Schritt, so daß sie jetzt fast in eine Linie mit den Nachfolgenden tarnen, und daß diese nun auch sahen, was Karin und Sesen. bürg zurückhielt. Dicht vor ihnen tarn Alex mit seinem Fräulein angefahren. Eine Begegnung war unver­meidlich, trotzdem sie anscheinend von beiden Seiten nicht erwünscht war. Karin zog die Brauen hochmütig zusammen, und Sesenburg starrte wie geistesabwesend und gelähmt auf brs junge Mädchen, bas sich eben noch lächelnd zu seinem Zögling herabgebeugt und aus dem großen Strauß gelber Tulpen, den er auf seinen Knien hielt, eine Blume herauszezogen hatte, wohl in der Absicht, sie als Schmuck im Gürtel zu befestigen.

Jetzt war die Hand mit der leuchtenden Blume schlaff herabgesunken; erschreckt blickten die großen, dunklen Augen aus einem tief erblaßten Gesicht, irrten angstvoll von Karins hochmütig abweisender Miene über Hans Heinrich, vor dessen seltsam eindringlichem, grüblerischem und zwingendem Blick eine brennende Röte in die eben erst erblaßten Wangen stieg.

Sie machte eine unsichere Bewegung, wie umzukeh. r-n; dabei kippte der Wagen; nur eine Kleinigkeit, ohne irgendwelche Gefahr für das Kind, aber genug, um Alex einen kleinen Schrei zu entreißen, bei dem Frau von ßebanoff zusammenfuhr und hast.g zufprang. Sie Halle in Marias Blick das er chreckie Erkennen nach Hans Heinrich hinüber gesehen, ihr Erblassen und Er. röten und hotte zu gleicher Zett fein unbewußt leiden­schaftlich interessiertes Hinstarren erfaßt.

Bei Frau von Lebanosf stand es sofort unverrück- bar fest: Hans Heinrich von Sesenburg und Maria Fourriere kannten sich, zwischen ihnen bestand eine Be­ziehung, eine, die sie eben verleugneten; denn Sffen- butgs Hand, die, wie sie wohl bemerkt hatte, unwill­kürlich nach dem Hut hatte greifen wollen, war wie gelähmt herabgefunken, während fein Blick sich, blind für allez andere, in das erblaßte Gesicht bohrte.

Um Gottes willen, seien Sie dich vorsichtig!" fuhr Jie_jiabeij[errj& heftig,rot* Shub** tf

Tat für einzeln« Gewerbezweige nach einer Zeit der Aufstauung selbst unumgänglichen Bcharfs infolge der völligen Ungeklürtheit der Verhältnisse eine ge- wisse Teilbelebung des Auftragsejngangcs die Fo.ge gewesen, aber die Tatsache der Nichlaufhebung der Sanktionen", die Fortdauer der künstlichen Trennung der wirtschaftlich so stark verflochtenen rheimsch-west. fätischen Industtien durch die Rheinzollime wird mit der Zeit immer unerträglicher.

Arbeitszeitverkürzungen und Ar- beiterentlassungen lasten sich trotz aller Be­mühungen nicht mehr vermeiden. Don sehr verhängnis­voller Wirkung für die gesamte rheinisch« Industrie sind euch di« Bestimmungen über die Genehmigung der Em- und Ausfuhr durch die lange Dauer der Er­ledigung der Anträge; es heißt, daß die erforderlichen Ein- und Ausfuhrbewilligungen für den Warenverkehr zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet sich auf 80 bis 100 000 täglich belaufen.

Ein Zeichen für die Steigerungen der Schwierig, keilen im Wirtschaftsleben Deutschlands ist in der Z n- nahm« der Konkurse im Mai zu sehen. Nach den Feststellungen der FinanzzeitschriftDie Dank" wurden im April 267, im Mai 284 Konkurse (gegen 75 trn Mai 20) eröffnet.

Auch die Berichte der Landesämter für Ar­beitsvermittlung lasten erkennen, daß eine Erhöhung des Beschäftigungsgrades und «irre Auf. nahm« von Erwerbslosen nur von solchen Berufs-wei. gen u. G werben möglich war, deren geschäftliche Lage mehr oder weniger von der Jahreszeit und der herr­schenden Witterung abhängig ist. Wenn für Pommern, zum Teil auch für Sachsen-Anhalt, Hannover, Ham­burg, und in der letzten Hälfte des Mai für Preußen und Württemberg, in der letzten Maiwoche auch für Sachsen, Oldenburg, wie für die Bezirke Regensburg und Augsburg ein günstigeres Bild der Gesamtlag« entworfen wird, als für die vorhergehenden Wochen, so wird dafür Me landwirtschaftliche Arbeit, die Be­lebung der Bautätigkeit, di; Inanspruchnahme von Regulierungs- und Dcmnogearbeiten, auch Chaussee» bauten. S^mzeugindustrie usw., vor allem von Not- standsarbctlen als Ursache für die Entlastung des Ar- beitsmorktez angeführt.

In Vaden ist trotz der Derschlechterung der Gesamt- läge eine Einschränkung der Zahl der Arbeitslosen da» durch möglich, daß ein Teil einer Notstandsarbeit oder Tagelöhnerbeschäftigung zugesührt werden konnte. Auch in Groß-Berlin ging nach Pfingsten die Zahl der Erwerbslosemmterstützung Empfangenden zurück. Teilweise ist ein solcher Rückgang dadurch ermöglicht worden, daß in stärkerem Maße Kurzarbeit durchge- führt wurde.

Für eine ganze Anzahl von Gebieten ist aber feine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung der G:- famtlag« eingetreten. Für Sachsen-Anhalt und Olden­burg, auch für einzelne bayerische Gebiete erwies sich die Zunahme der Arbeitslosigkeit während einzelner Wochen nur als vorübergehend. Für Schlesien, Hessen-Nassau, Westfalen und Rheinland wie für Baden ist eine fortdauernde Derschlechlerung zu verzetchnen. Insbesondere hat in Westfalen und Rhein­land wie auch in Baden und Brandenburg Zwang zu Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlastungen in steigendem Maße bestanden.

Religion und Wohlfahrtspflege.

Le ärmer an Gold und Gut unser Volk in den nächsten Jahrzehnten sein wird, um so reicher muß es sich erweisen an den unwägbaren Gütern der Seele und des Herzens, die eine große christliche Bruderliebe zu bieten vermag. Mit Menschen, die nur von anderen fordern und möglichst mühelos genießen wollen, mag man durch den Zwang der Gesetze die äußeren Hinder- niste der Freiheit und Gleichheit Niederreißen. Die Brüderlichkeit, von der die klassenkämpferischen Sozial,- sten und die gewalttätigen Kommunisten auffallend fdflDeigen, erwächst nur in Menschenherzen, die reli­giös ergriffen find von Gemeinschaft mit einem Vater im Himmel. Daher denn auch die wachsende Bedeu- hing der Kirche für das Gemeinschaftsleben. Weil sie alle Menschen, hoch und niedrig als Brüder neben­einander stellt und die Nächstenliebe zu einer gewissen- bindenden Pflicht erhebt, wohnt ihr eine hervorragende Kraft inne, die gefährdeten Glieder der Gemeinsäraft zurückzugewinnen und durch die Gemeinschaft gesunden zu lasten.

So ist die Kirche selbst von jeher der einfluß- reichste Träger der konfessionellen Wohlfahrtsarbeit ge- wesen. Sie ist als Dolkskirche auch heute noch ihrem Wesen nach unb mit Naturnotwendigkeit sozialer Faktor unö die vornehmste, weitgreisendste und erfolg-

zulleß, auf das junge Mädchen los.Halten Sie Ihre Augen auf die Pflichten gerichtet, für die Sie angestellt sind, anstatt sie herumschroeifen zu lasten- Sie bringen mit Ihrer Unachtsamkeit das Kind in Lebensgefahr! Hast Du Dich sehr erschreckt, Alex?" Der wehrte unge. duldig ihre Hand ab.Laß doch! Du sollst Maria nicht so anschreien. Es ist ja nichts geschehen; geht doch weiter, laßt uns in Ruhe! Maria, bitte, sei nicht böse!"

Durch deren Körper tief ein Zittern: Röte und Blässe wechselten auf ihrem Gesicht. Wie eine Mago behandelt vor ihm, der ihr Freund hatte sein wollen, entwürdigt vor ihm, und er regte sich nicht zu ihrem Schutz!

Es hatte ja Hans Heinrich gepackt mit einer Gewalt, die ihn taub und besinnungslos machte. Wie sie da plötzlich vor ihm stand in dem weißen Kleide, mit dem verwirrten Blick der wunderbaren Augen, in der Hand die gelbe Blume, da hatte er es gehabt! Nein, nicht ganz, nur noch eine Sekunde Ueberlegung und Nachdenken, dann würde er es gewußt haben, wo er sie schon einmal so sah, genau so! Und gerade in dem Augenblick kippte der Wagen, und die harte, schel- tende Stimme Frau von ßebanoffs fuhr in seine Ge. danken wie ein scharfes Schwert, das alles zerschnitt und verjagte, was sich eben festigen und klaren wollte-

Was Frau von ßebanoff gesagt, war nur als Baut an fein Ohr gedrungen, ohne Aufnahme der Worte. Die ganze Außenwelt war ja für ihn versunken ge­wesen, nur der Name, mit dem Alex sie nannte, fiel in fein Bewußtsein Maria! Mechanisch trat er einen Schritt vor und hob die Hand roch ihr da hatte Frau von ßebanoff ihre Selbstbeherrschung und lieber- legung wiedergewonnen. Mit einer schnellen, geschick­ten Bewegung fckwb sie sich zwischen ihn imb bas wort­lose, zitternde Mädchen.Fahren Sie weiter, Frön- lein, aber nicht auf die Promenade. Das ist nichts für Alex, er braucht Ruhe. Bleiben Sie nicht zu lange aus! Sie sind überhaupt viel zu fpä» ausgefahren!" Das ist meine Schuld. Mama; MariaSchon gut, fahren Sie nur weiter. Borroärts!"

Sie gab selbst dem Wagen einen kräftigen Stoß, der unter Umständen hätte gefährlicher werden können, als - hqj W *

reichste Wohlfahrt sanstall. Durch ihr« geistig« Er­ziehungsarbeit hat sie «in eigenartiges Feld der Be­tätigung. Materielle HUfe allein weckt nur di« Be­gehrlichkeit: soziale Hilf« nützt-nichts, wenn sie nicht dazu dient, k« Arbeitsenergie des Hilfsbedürftigen neu ju beleben und zur höchsten Entfaltung zu bringen. Auch Betriebsräte und Sozialisierung vermögen nicht di« Erde in em Parabies zu verwandeln. Es gilt beim Solle den Willen zu stärken zur Ueberrvin- dung der Volksschäden. Hier beginnt ött Wohlfahrtsarbeit der Kirche, weil sie allein in bie Seele des Volkes einzudringen vermag. Es genügt nicht, daß wir die sozialen Probleme nur von außen mit Steuerprivilegien und Kinderzulagen erfassen. Ge- rode im Geburtenproblem. im Kampf gegen die Ge­schlechtskrankheiten, im Kampf gegen Landflucht und Vergnügungssucht, gegen Kapitalismus, Slaffenfampf und wilde Streiksucht, attf allen Gebieten, wo gegen eine falsch« Willensrichtung gekämpft werden muß, fühlen wir, wie alle staatliche Sozialpolitik und rein irdisch orientierte Wohlfahrtspflege noch nie so an die Grenzen ihres Könnens geführt worden sind. Da sind jene Mittelnichts anderes als glänzende Kavallerie­regimenter, die ein Volk auf feinem letzten Gange be­gleiten." Hier muß eine höhere, rein geistige Macht zur Vollendung wahrer Wohlfahrt einsetzen. Die Kirche vermag d« ttefsten Beweggründe zur Opfer­bereitschaft zu bitten und ein besonders enges Gcmeinschastsband um ihre Anhänger zu schließen. Sie war die Pfadfinderin der sozialen Arbeit, indem sie in ihrer Liebestätigkeit und Wohlfahrtspflege die Wege der Hilfe ausfindig machte, die die Behörden bann für ihre Tätigkeit übernahmen.

Wie nach unten dem Notleidenden gegenüber, so macht die Kirche auch nach oben ihren erzieherischen Einfluß geltend. Gerade heute ist es wieder in befon- berem Maße ihre Aufgabe, den Besitzenden die lieber- jeugung einzuprägen, daß auf allem Besitz soziale Pflich­ten ruhen, deren man sich nicht durch Almofen allein ent* ledigen kann, lieber dem Privateigentum stehen die Pflichten des einzelnen gegenüber der Gesamtheit, die sein Verfügungsrechi binden unb begrenzen.

Auch da, wo man die Trennung von Staat und Kirche durchgeführt hat, hat sich stets ergeben, daß em geordnetes Gemeinschaftsleben ohne die Hilfe der Kirche nicht durchgeführt werden kann, und daß der Staat feine kulturell-irdischen Aufgaben nicht lösen kaim, ohne die sittlichen und religiösen Kräfte; die in der Kirche lebendig sind.

Montesquieus Wort bleibt wahr, das er am Ende feines Ledens spricht:Wunderbar, die christlich« Re­ligion. die nur die Glückseligkett des künftigen Lebens zum Gsgenstand zu haben scheint, begründet auch das Glück des gegenwärtigen Lebens." Wir müssen daher volle Anerkennung der konfessionellen Wohlsahrtsarbett seitens der Behörden verlangen und jede einseitige Be­vormundung und Beaufsichtigung ablehnen. Mit dem Ausscheiden der religiösen Motive aus der Wohlfahrts* arbeit würde eine unbeschreiküiche Verarmung ter Wohlfahrtsarbeit und des Gemeinschaftsgeistes eiu- treten. Es würde uns ein Grausen erfüllen, öi* Nietzsche, da er schreibt:der alle Gott ist tot".

Ein deutliches Wort zum Fall Erzderger.

ImBadischen Beobachter" toixb die Mitteilung von Per Einstellung des Meinest sverfahrevs gegen Erzberger mit folgender Glosse verleben:

Damit, daß nun der Mei nerdS schwindel fein Schicksal erreicht hat, ist die Sache in ein anderes Stadium getreten. Wir fragen, ob die, welche durch Monate auf der Ehre de» Herrn Erzber er herumge» trampelt find, nun so viel Gewissen aufbringen, diesem Mißhandelten Abbitte zu letzten ? Es wird kaum zu erwarten fein, daß diele Gewiffenspflicht erfüllt wird. Wir haben uns von Anfang an auf die Seite dc» unschuldig verfolgten gestellt. Gerechtrgkeit uni> Pflichtdewußtsein haben un« diesen Standpunkt ange. wiesen. Unsere Parteifreunde in Stadt und Land werden jetzt erkennen, daß man sehr vorsichtig sein muß mit dem Fallenlaflen, wenn Feinde einen Mann mit Schmutz b werfen. Daß die juristischen Instanzen sr> lange brauchten, bi» sie da? nun vorliegende Resultat bekanntzugeden in der ßa e waren, gerat uns die Gründlichkeit, mit der offenbar geprüft worden ist, Wir fragen nun aber, wie steht e8 mit der Steuer, fache? Wie lange will hier noch geprüft werden? E» ist ein zum Himmel stinkender Skandal, daß diese Sache so ange dingezo en werden kann. Die Zentrums, fraftion wird hoffentlich jetzt einmal ein ernstes Wort reden und mit der Faust auf den Tisch schia en, das die rinienfäjser tanzen. Wir Zentrumsleute haben cs satt, diesen Skandal gemeiner Bersol ungssucht noch weiter hinzunehmen. Auch Erzberger hat Anspruch auf Recht und Gerechtigkeit.

ihm rasch nachzueilen. Sie tat cs ohne Gruß, ohne Wort und Blick, nur in dem Bestreben, aus der Seh. weite dieses Mannes zu kommen, vor dem sie eben jo tief gedemütigt wurde. Fort nichts mehr sehen^ nichts hören!

Dabei war die gelbe Tulpe Ihrer Hand entglitten und vor seine Füße gefallen. Er bückte sich hastig, er wollte sie aufhehben und sie ihr nachbringen, ihr ein Wort sagen aber schon st. «** Frau von ßebanoffs Fuß auf der Blume. Sie ttat so energisch auf die glänzenden Blätter, daß diese ganz in den feuchten Boden gedrückt wurden.Sie wollten doch bie fortgeworfene Blume nicht aufljeben? fragte sie erstaunt und ungläubig. Alex hatte ja ein ganzes Bünde! davon. Mein armer, kleiner Junge! Kannten Sie ihn schon?"5a", sagte er mechanisch und zog die Stirn kraus, wie in schmerz­lichem Nachdenken.Ich traf ihn einmal, tiefer in de» Anlagen, ganz flüchtig."

Unb haben ihn gleich in der Erinnerung behalten? Das spricht für ein großartiges Gedächtnis", lächelte sie mit leise spöttisch gefärbtem Ton unb sah mit einem Gemisch von Genugtuung unb Zorn, wie ihm bas Blut in bie Wangen stieg unb et verwirrt ben Blick nieber. schlug.Aber Sie wußten nicht, baß er zu uns gehört? Eigentlich sonderbar, daß wir ihn nie trafen, wenn wir zusammen waren", lenkte sie liebenswürdig ab.Mein Sohn aus zweiter Che hat leider nicht ben kräftigen Kör; unb bie Gesundheit feiner Stiefgeschwister; er nt, sehr n-TPÖs und krankhaft reizbar, er muß sehr geschont werden, und ich halte ihn deshalb auch gern von lebhaftem Menschenverkehr fern. Es regt ihn alles auf, und natürlich muß feine Wärterin doppelt sorgsam unb vorsichtig sein. Leider wurde die erprobte alte Person, bie ich seit Jahren bei ihm hatte, unter- wegs abberufen, unb ich muhte in aller Eile biefes junge Ding engagieren. Das hat nun ein fo hübsches Gesichtchen unb so eine gewisse Art, daß ihm alle Kell, ner und Hotelbedienstete nachlaufen, unb ba komme ich aus bet Sorge um bas Wohl meines Jungen nicht her­aus. Denn natürlich hat Jugend ' Tugend, unb sie ist e<2"n Huldigungen nicht un h "

(Fortsetzung jostp.)