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Samstag, 2. ZuU 1921

fir. 149

inter-

Die Neparat!onslerstunaen.

der

Die Iunitagung des Reichsparteiausfchusses " krr Deutschen Zentrumspartei, über die wir schon kurz be­richteten, hatte zum Gegenstand ein« Reih« h o ch p o - litt sch er Ereignisse. Das lag an der Eiuwick» lurtg der Verhältnisse in der aügemrinen Politik wie in der Partei. Die Darstellung, nach welcher der ge­nannte Ausschuß ausschließlich zur endgültigen Klärung der Erzbergerfrage zusammengetreten sei, be­ruht also auf Kombinationen. Nach den schweren Ent-

scheu Vorgänge mit der an dem neuen Kanzler beson­ders wohltuend hervortretenden Klarheit und Frische gab. Zugleich beleuchtete er in großen Zügen die Um« risse seiner Pläne für die Zukunft. Gerade diese Informationen haben sich in unserer Zentrums- politik besonders bewährt, sichern sie doch ein einheit­liches Vorgehen und Handeln der gesamten Partei bis in di« äußersten Winkel des Reiches. Besonders be uns, die wir uns aus allen möglichen Interessengrup­pen und Ständen zusammensetzen, sind derartige Klärungen unbedingt erforderlich.

Es war frlbstverständlich, daß bei einer solchen Ge­legenheit die Erzbergerfrage sehr bald einen wichtigen Verhandlungspunkt bilden mußte, nachdem sie von der gegnerischen Press« ausgehend iit den jüngsten Wochen so lebhaft erörtert worden war. Der Gründton der gesamten Verhandlungen aber war immer wieder der eine, die Einheit und Ge­schlossenheit der Partei unbedingt zu wah­ren. Die Diskussion wurde mit aller Offenheit ge­führt, wodurch in erster Linie die Gewähr für eine Klärung der Sachlage gegeben war. Es wurde von allen Seiten betont, daß man mit den widerwärtigen Angriffen gegen die Person des Herrn Erzberger nichts zu tun haben wolle, sie im Gegenteil aufs schärfst« verurteile. Ueber etwaige Verfehlungen des Herrn Abg. Erzberger haben erst die Partriinstanzen zu b:- finden, wenn die gerichtlichen Instanzen endgültig ent­schieden haben. Die Verhandlungen waren deshalb immer nur von rein sachlichen Motiven geleitet. Diese sachlichen Beweggründe sind für b« Zentrumspartei das Wohl des Vaterlandes und die Geschlossenheit der Partei. Dadurch wurde die Aussprache, dir sich stets auf der Höhe bewegte, zu einem politischen Erlebnis, das gewiß allen Teilnehmern unvergeßlich bleiben

aus dem besetzten Gebiet.

Ein französisches verbot. Auf dem Kreistag in Homburg d. d. Höhe war den Abgeordneten aus dem besetzten Gebiet die Teilnahme durch die fran­zösische Besatzungsbehörde verboten worden.

Die Türken in JSmid.

Die Kamalisten sind in Jsmid eingezogen. Die Türken befestigen die Küste des GolfeS von Jsmid. Man glaubt nicht, daß sie gegen Konstan­tinopel vorgehen werden.

Gberschlesien

Aufteilung?

land den Amerikanern näher am Herzen liegt, als das Mitleid mit Deutschland oder sonstige ideale Ge- sichtspulttte.

Also bleibt es bei der alten Regel: gern nehmen und bestens ausnutzen, was uns geboten wird, aber nicht voreiligen Hoffnungen sich hingeben!

Amnestierung der polnischen Insurgenten.

Die interalliierte Kommission erließ einen Aufruf an die oberschlesische Bevölkerung, in der sie bekannt gibt, daß sich die polnischen Insurgenten und der deut­sche Selbstschutz zurückziehen und daß die, Verwaltung wieder vollständig in den Händen der interalliierten Kommisiion ruhe. Um eine Milderung der Gegensätze herbeizuführen, habe die Kommisiion Amnestie für alle ungesetzlichen Handlungen gewährt, ausgenommen Handlungen, die in gewinnsüchtiger Ab­sicht oder aus Rachsucht oder Grausamkeit begangen wurden. Ebenso sind Personen cmsgcschlosien, die im Besitz von Waffen gefunden werden.

Die schon angekündigte Amnestie, eine Forderung Kvrfantys, ist damit Wirklichkeit geworden. Praktisch heißt Amnestie nichts anderes, als daß alle von den Korfantybanden verübten Verbrechen, die unzähligen Plünderungen und zahlreich« Morde ungesühnt bleiben sollen.

Nach demLokalanzeiger" hat der, Amnestieerlaß unter den oberschlesischen Deutschen eine gewal­tige Erregung hervorgerufen. Man weist auf das Wort Lloyd Georges im englischen Unterhaus« hin, daß man nicht eher ruhen werde, bis die An- stister selbst zur Verantwortung gezogen wären. Als rechtmäßig gebildete Organisationen würde man die polnischen Ortswehren bestehen lassen. Korfanty und Lerend seien eben in trautem Einverständnis mitein­ander. So könne man di« Waffen in sicheren Gewahr­sam bringen oder nach Polen hinüberschmuggAn.

Die Reichsausschutzfitzung -er Deutschen Zentrnmspartei vom 29. Juni.

Der 6. Leipziger Prozeß

brachte weitere Zeugenaussagen. Danach gewinnt es den Anschein, daß bei Saarburg di« Franzosen viel- fach in heimtückischer Weise sich tot stellten und von hinten auf die däitschen Soldaten gefchossen haben. Vor diesen Gemeinheiten hat General Stengerdiy Offiziere und Leute gewarnt. Der Hauptmann Luc« Hus. der damals schon mit seine» Nerven völlig>

übergeben.

Die deutsch-französischen Besprechnngen.

Die Verhandlungen über die Sachlieferungen werden fortgesetzt. In der Preisfrage steht man vor einem Abschluß. Die Zahlung soll auf eine möglichst lange Periode gestaffelt werden. Rcichskommissar Guggenheimer reiste abends nach Berlin zurück, um der deutschen Regierung Bericht zu erstatten. Am 10. Juli sollen die Verhandlungen wieoer ausge­nommen werdem______

Zerstörung der letzten deutschen ll-Boote.

Nach einer Meldung auS London wurden gestern, am 1. Juli, die letzten deutschen U-Boote, darunter auch dieDeutschland", vernichtet.

Die Einheitsfront

gegen die Sanktionen.

Fortsetzung der Relchslagsoerhandlungen.

Der Reichstag hat auch sonst schon bewiesen, daß seine Regiekunst nicht allzu groß ist. Daß er einem so wichtigen und schwerwiegenden Gegenstände, wie er durch die In­terpellation über di« Sanktionen dargestellt wird, «ine Menge von Kleinkram vorausschicken würde, um di« Be­sprechung über die Interpellation selbst bescheiidentiich da» hmter fast verschwinden zu lassen, dies kann man aller­dings nicht gerade als Mcklich bezeichnen.

Aber da man nun einmal bürokratisch daran festhält, daß am Dienstag und Freitag di« Anfragen erledigt werden müssen, so ließ man in Geduld und Langmut bei saft leerem Hause die 12 Anfragen über sich ergehen, um schließlich auf die Stunde zu warten, in der die hoch­wichtige Debatte über die Sanktionen tfjte Fortsetzung finden sollte.

Ader damit hatte es noch gute Weile. Denn zunächst hielt man es für wichtiger, di« elfte Beratung der Gesetz, entwurfs zur UÜberwachung des Derkehrs mit Postpaketen zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet vorzunehmen. Dazu glauben die Herren Kommunisten noch etliche Be- merkungen machen zu müssen. Sie wittern allerlei Ge­fahr, es könne sich eine gefährliche politische Postschnüffslei einschleichen. Schließlich könne es sogar dazu dienen, den Belagerungszustand aufrecht zu erhalten. Alles dieses trägt der Kommunist Dr. Geyer-Sachsen mit Anstand vor. Er wünscht genaue Prüfung in einem Ausschuß. Run, das Haus tut ihm den Gefallen. Sein Antrag wird in dem sehr schwach besetzten Plenum mit geringer Mehrhett angenommen.

Danach erledigt man noch schnell den Gesetzentwurf über das Verfahren der Behörden zur Festsetzung von Entschädigungen und Vergütungen für Schäden aus Anlaß des Krieges und des Friedensschlusses, dazu noch ein« Vorlage wegen Aushebung der bisherigen Betriebsverbände in der Binnen­schiffahrt und Errichtung von Kleinschifserverbänden. Beide Dorlagen wandern an di« diesbezüglichen Ausschüsse. An­nahme findet ein von allen Parteien gemeinsam bean­tragter Entwurf auf Verlängerung der Geltungsdauer der Verordnung über Sammelheizung und Warmwosservrr- sorxungsanlagen in Mieträumen.

Nun endlich ist man so wett. Man kann sich dem Hauptgegenstand der Tagesordnung zuwenden, demfenigen Gegenstand, der doch roofjl- das größte Interesse verdient und von dem man wünscht, daß feine Behandlung auch im Ausland Beachtung findet. Der erste Redmr des in Fortführung der am Donnerstag begonnenen Interpel­lation über die Sanktionen ist der Zentrumsabg. Dr. Bell. Er bringt die Stimmung des ganzen deutschen Volker zum Ausdruck, wenn er als Sprecher des Rheinlandes

Die Kriegslastenkommission hat gestern Reparationskommission eine Schuldverschreibung über die am 1. Juli fälligen 12 Milliarden Goldmark

Nachrichten aus Oppeln zufolge hat die alliierte Kommisiion ihren Bericht über die Aufteilung Oberschlesiens fertiggestellt. Die Mitglieder der Kom­misiion sollen sich über seine dem Obersten Rat vor- zulegende Fassung einig geworden sein.

wird. Es erübrigt sich, alle Einzelheiten der Debatte in der Presse auszuspinnen. Das mit großer Mehr­heit gegen wenige Stimmenthaltungen und einer Ab­lehnung gezeitigte Ergebnis berveist zur Genüge, auf welchen Ton die Beratungen gestimmt waren. Zu- ammensasiend läßt sich darüber sagen, daß der Reichs­parteiausschuß mit Genugtuung von der Rechtfertigung Erzbergers durch die Einstellung der Unbrrsuchung wegen Verletzung der Eidespflicht Kenntnis nahm, wobei besonders hcrvorgehoben wurde, daß die Ur­teilsbegründung durch den Staatsanwalt in wesent­lichen Punkten des Helfftrich-Prozesies eine neue Si­tuation für Erzberger schaffe. Herr Erzberger wußte einerseits der schwierigen Situation, in welch« die . Gesamtpartei durch die widerwärtigen gegnerischen Kampfesmethoden der letzten Wochen geraten war, Rechnung zu tragen. Er entschloß sich, einstweilen dem politischen Leben noch fernzubleiben, bis vielleicht durch irgendwelche besonderen politischen Konstellationen eine neue Lage geschaffen sei.

Es wär« nunmehr zu wünschen, wenn die gesamte Presse sich ebenfalls einer objektiven Beurteilung bo- fleißigen wollte. Es gereicht einer Anzahl von rechts­stehenden Blättern nicht zur Ehre, wenn sie das Er­gebnis der neuesten Untersuchung wegen Verletzung der Eidespflicht anzuzroeistln suchen, nachdem die Rechtspresse die Ausführungen des Staatsanwaüs beim Moabiter Urteil als fast zu objektiv bezeichnet hat. Der gleiche Staatsanwalt hat auch die neuesten Untersuchungen geleitet.

Nochmals: Uns steht das Wohl des Vaterlandes und die Geschlossenheit der Partei im Vordergrund. Droht hier einmal eine Gefahr, so wird die Zentrums- partei die erste sein, die sofort die Konsequenzen zieht. Zum Schluß wurde noch einstimmig eine Entschließung über Oberfchlesien und die Sanktionen angenommen und an die Reichsregierung roeitergeleitet. Die nächste Sitzung wurde für den Spätherbst in Aussieht ge- nommen. Dr- 8-

preußischer Landtag.

Eine Mehrheit für Beibehaltung der Todesstrafe.

Bor Eintritt in die Tagesordnung erledigte der preußische Landtag 'm seiner Sitzung am Freitag di« ausgesetzte Abstimmung über den Haushaltsplan der Justizverwaltung und über die dazu vorliegenden An» tiäne, deren eine große Anzahl eingereicbt sind. Er­wähnenswert ist ein Antrag de» Zentrum» auf s chnellst« Erledigung der Verfahren wegen Wucher, und Schieberverbrechen und auf Heranziehung von Sachverständigen der Handwerks» und Handels­kammern und Vertretern der VerbrauchSorgonisationen, bei den auf gewerblichem Gebiete und dem Gebiete der Volksversorgung liegenden Rechtsfragen. Der Antrag wird angenommen. Eine namentliche Abstimmung findet über den Antrag der Sozialdemokraten statt, wonach die Staatsanwälte angewiesen werden sollen, die Beschädigung von Rotationsmaschinen, bte Wegnahme von Maichinenteilen und andere im Pressegesetz nicht vorgesehene Eingriffe in Druckereibetrieben bei Perfol» giing von Pressevergehen zu unterlassen. Für den Antrag stimmen 216 Abgeordnete, dagegen 84. 6m sozialdemokratischer Antrag auf Auswahl der Laienrichter durch BolkSwahl nach dem allge­meinen gleichen direkten und geheimen Wahlrecht unter Anwendung des Verhältniswahl! ystemS wird mit 184: 128 Stimmen abgelehnt. Namentliche Abstimmung findet über den von den Sozialdemokraten vorgelegten Antrag auf Abschaffung der Todesstrafe statt. Der Antrag fällt mit 175:131 Stimmen. Da« Resultat wirb mit großem Lärm auf der Linken de» Hauses und andauernden Pfuirufen entgegengenommen.

Nach Erledigung einer Anzahl von kleinen Anfragen wird ein Antrag der deutschen Volkspartei auf Vorle­gung eines Gesetzes über die Zuteilung der Restkreise von Westpreuhen zu dem Kommunalverband Ostpreußen besprochen. E» wird beschlossen, den Namen .West« preußen" für diesen Landesteil beizubehalten, An den Ausschuß für Handel und Gewerbe geht et« Gesetzentwurf über die Bereinigung von Steinkohlen« elbetn im Oberbergamtsbezirk Dortmund.

Ohne Aussprache wird in erster Lesung ein Gesetz­entwurf erledigt betreffend anderweitige Regelung der aufGesetz beruhenden Zuständigkeit del Ministers der öffentlichen Arbeit. Danach tritt das Haus in Die zweite Beratung des Gesetzent» rouri» über ben Staat-Vertrag bezügl. de» Uebergang« der Waflerstratzen von den Ländern auf das Reich ein. DaS Hau» schließt sich eurem Antrag fast aller Parteien an, wonach die Genehmigung de» StaatSvertrage» und de» Mantelgesetzes auS esetzt und da» Staatsministerium ersucht werden soll, zunächst die Berichtigung mehrerer offenbarer Unrichtigkeiten derbeizuführen.

Dann envlich setzt daS Hau» die EtatSberatunoen fort und zwar mit dem Haushaltsplan bet Damänenverwaltung. Hierzu liegt eine Ent­schließung vor, in der die Regierung ausgefordert wird, in den nächstjährigen Etat für den Bau von Arbeiter­wohnungen 10 Millionen Mark einzusetzen.

Nach kurzer Aussprache tritt Vertagung ein. DrenS- tag: Oi tSklassenverzeichnrS. HauShalt. Groß-Berlin, UeberalterungSgesetz.

zriedensschluß mit Amerika.

Aus Washington kommt folgende Nachricht: Der Senat hat, nachdem Im Repräsenlan kenhous am Donnerstag das gleiche erfolgt war, die kompromißrefolukion über die Beendigung des Kriegszustandes zwischen den Bereinigten Staaten einerseits und D e n t s ch l a n d und Oesterreich ondererseiis mit 38 gegen 19 Sum­men angenommen. Damit Hal der Kongreß die Kom- promißresolullon endgültig verabschiedet. Sie geht jetzt zur Unterzeichnung an den präfi- devten harding.

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Nachdem Repräsentantenhaus und Senat in Was­hington' bte Wiederherstellung des Friodenszuftcmdes zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschlanb Hamit verlangt haben, wird Präsident Harding zum amerikanischen Nationalfiricrtag am 4. Juli die Frie- densbotschast verkündigen können.

Spät kommt ihr, doch ihr kommt!" kann man mit Schiller den Amerikanern sagen. Etwas sonder­bar ist doch der Geschäftsgang, wenn nach dem Ab- schluß des Waffenkrieges im November 1918 fast drei Jahre vergehen, bis die letzt« der kriegführen« ben Großmächte die förmliche Friedenserklärung ab» jgibt. Der Wechsel irr der Präsidentschaft, ter Wider­wille der republikanischen Partei gegen Wilson und Steffen Hinterlassenschaft, wozu auch der Völkerbund und !der Versailler Vertrag gehören, sowie sonstige ge« Mäftsordnungsmäßige Reibungen haben die Der- izögerung herbeigeführt. Nordamerika war ja auch durch den Krieg und seine Nachwirkungen so reich und Mächtig geworden, daß es sich Zeit lassen konnte.

Der gegenwärtige Entschluß der amerikanischen Gesetzgeber veranlaßt uns Deutsche zu einem Rück­blick und einem Ausblick.

! Der ganze Jammer unserer Niederlage faßt uns wieder an, wenn wir an den Eintritt Nordamerikas .in den Krieg denken. Als das Friedensangebot des .deutschen Kaisers und seiner drei Verbündeten 1916 'zurückgervtefen war, standen unsere militärischen und Politischen Führer vor der verhängnisvollen Frage, ob sie mit den bisherigen Kampfmitteln den Dauerkrieg fortsetzen oder den unbeschrärrkten Ubootkrieg riskieren fsolltcn. Im elfteren Falle konnte man vielleicht hof­fen, daß der amerikanische Präsident ben Anstoß zu Friedensverhandlungen geben werde. 3m anderen Fall? war rnt voller Sicherheit zu erwarten, daß die Vereinigten Staaten in die Reihe mtferer Gegner treten würden. Unsere Führer hatten kein Ver­trauen zu Wilson, und darin mögen sie wohl recht gehabt haben Aber sie hatten ein volles Vertrauen auf den Erfolg unserer U b o o t w a f f e, und darin Haden sie sich leider ge« stöuscht. Es gelang uns nicht,England auf die Knie zu zwingen", aber es gelang der Entente, von Nord­amerika fo viele uiit so wirksame Kriegsm-ttel und viele Hilfstrupren zu erzielen^ baß die ungeheure Uebermacht unser ruhmvolles Heer vollständig erdrücken konnte.

Norbamerika tid den Ausschlag ge­geben. Die Amerikaner waren die eigentlichen Sie­ger. Ihr Präsident hätte das Recht und bi» Macht gehabt, einen Freidensverrtag nach feinen -feierlich verkündeten 14 Grundsätzen zu diktieren. Aber Wil­son ließ sich von EIcmrnceau und Lloyd George so einseifen und vergewaltigen, daß er als gebrochener Mann aus Versailles zurückkehrte mit einemFrie- densvertrag", den feine Landsleute aus mehr als einem Grunde beanstandeten. Wilson wurde nvt Schimpf trnd Schande abgffdjoben, doch der heillose Frtedensvertrag blieb trotz der amerikanischen Zurück­haltung auf dem Nacken des geschlagenen und- ver­armten Deutschland.

Der Rückblick stimmt uns wehmütig. Ist der Aus­blick auf die weitere Entwicklung tröstlich?

Der Beschluß von Washington bringt uns leider keine Revision des schrecklichen Frredensvsrtrages und keine Milderung der Schäden und Lasten, die uns Vie europäischen Sieger auferlegt haben. Die Vorbehalte, welche die Vereinigten Staaten gegenüber dorn Ver­sailler Vertrag machen, sind auf die amerikani­schen Interessen gerichtet und nicht auf Deutsch­lands Erlösung.

Die erste Wirkung der Friedenserklärung wirb die Wiederherstellung des angebrachten diplomatischen Verkehrs zwischen Berlin und Washington sein. Die Amerikaner senden uns «inen Botschafter, wahrschein­lich den sympathischen Dr. H i l l, und wir können wieder einen Botschafter nach Nordamerika schicken. Das ist ja ganz nett, aber glücklich macht das doch nicht. Es muß sich erst noch zeigen, ob bei dem ofsi- Stellen Austausch von Meinungen und Noten mehr herauskammt, wie bei dem bisherigen Behelf durch Vertreter ohne Titel.

A/s zweite Wirkung wird angekündigt, daß die amerikanischen Truppen aus dem besetzten Gebnet zurückgezogen werden sollen. Das würde uns sehr freuen, wenn die anderen Okkupaiionstruppen die- fem Vorbild« folgten. Ader wenn an die Stelle der anständigen Amerikaner gehäsfige Franzosen einrücken, so kommen die betreffenden Ortschaften aus dem sanften Regen in die scharfe Traufe.

Don materieller Bedeutung wird die Freigabe des deutschen Privateigentums in den Vereinigten Staaten und der noch internierten Schiffe sein. In bvffer Hinsicht sind aber noch nähere Verfügungen zu erwarten.

Ueberhaupt, werden zur Verwirklichung des pro­klamierten Fliedenszustandes noch viele Verhand­lungen und Entschließungen notwendig sein. Das Er­gebnis ist abzuwarten.

Sehr schön wäre es, wenn die Dewinigten Staa­ten nunmehr mit Entschiedenheit ihren Einfluß im Obersten Rat der Sieger geltend machten im Sinne der Gerechtigkeit, des wahren Friedens und der all- gan innen Weltwohlfahrt. Aber die Weltpolitik der neuen Männer in Washington ist noch verschleiert. Man darf nicht vergessen, baß ber Gegensatz zu Japan und der Wettbewerb mit (Eng«

lierantroortlid) für Beu ceOautoneUen Teil: Dr. Kramer, - für Bit Anzeigen: I. ParzeUer - Fuioa. ~ gtotationaBrud u. 33erlag bet Fuldaer xtdienBratferet in FuiBa. ternipiechet Nr. 9. Trlear.,Vl6reffe: Fuldaer Zeilu ng

vor der Mmzen zivilisierten Welt Klage erhebt gegen un­erhörten Rechtsbruch und Vergewaltigung. Denn daß die Sanktionen dem Gedanken der friedlichen Annäherung der 3361 ter Hohnsprechen, ist eine Tatsache, bte man nicht allein in Deutschland empfindet, well wir Deutschen von der Schwer« der Sanktionen betroffen werden, sondern ist eine Tatsache, di« auch das neutrale Ausland und schließlich auch die Entente einsehen müßte. Der Redner schlldert im SSerlauf feiner Aussühruegen vornehmlich die verheerenden wirtschaftlichen Folgen bet Sanktionen. Solche Maßnahmen sind nicht geeignet eine (Entgiftung und Entspannung unter den Völkern her« deizuführen. ~ ,,

Noch ihm spricht der Redner der Deutschnationalen Dr. Reichert. Wie zu erwarten war, wendet er sich in scharfen Ausführungen gegen die Gewaltpoktik Frank- reichs. Frankreich treibe im besetzten Rheinland Annek- tionspolifif; man behindere die Schulen, man schwäche die Wirtschaft! Man müsse anstelle von Sonttionen von Gewalttaten reden. Auch dieser Redner schlldert im ein. jetnen die großen wirtschaftlichen Schädigungen, di« und infolge der Sanktionen betroffen Haden. Don dem, was der Redner der Deutschnationalen über die Wirkungen und über das Wesen der Sonttionen sagte, ist vieles nur allzu wahr. Wir alle forbern mit Nachdruck die Aushebung der Sanktionen, wir alle empfinden sie als schreiende Unge« rechtigkeit, mir alle spüren ihre Brückende wirtschaftliche Schwere und die Hemmung, bi« unserrn Wirtschaftsleben aufgezwungen wirb, und noch dazu in einem Augenblick, wo die Erfüllung des Ultimatums die Freimachung aller unserer Wirtschaftskräfte erforderte. Die Art aber, wie Herr Reichert sich geben zu müssen glaubte, war nun so, rote man es erwarten konnte, auch in diesem ernsten Augenblick war es ihm nicht möglich, sich von Angriffen auf die Regierung zu enthalten. Sonst hätt« fo schließlich sein« Rede dem deuffchnationalen Zwecke nicht gedient!

Dies wesst ihm der nachfolgende Redner, der Unab­hängige Dr. Vreiffcheid, in guter Beredsamkeit noch. Auch er wendet sich in Schärfe gegen die Sanktionen und for- bett ihr« Aushebung. _ m

Für bte Demokraten spricht der Abg. koch. Der Weg fit der Regierung ist ein Leidensweg. Wenn Frankreich seine Politik der Balkanisierung Europas nicht aufgibt, wird es di« Demokratie und die Republik in Deutschland vernichten. Ein Trost ist uns die Haltung der besetzten Gebiete. Jeder Terrorismus verknüpft die Rheinlande nur enger mit uns.

Nach ben üblichen Ausfällen des Kommunisten Hal- lein auf die bestehende Gesellschaftsordnung sprach Dr. Deermann (Bayer 33p.), der sich die Franzosen vornahm. Habsucht, Neid und Angst sind Frankreichs Iriebfebem. Nicht Entpreußung ist das wahre Ziel, wie das »Echo du Rhin" behauptet, sondern Entdeutschuna der Rhein, lande. Dieses Land Ist kerndeutsch. (Bestall.) Die unerlaubt eingeführten Waren müssen rott boykottieren. Die französischen Versuche, die besetzten Gebiete von Deustchland abtrünnig zu machen, sind eine ungeheure Beleidigung. So lange die Sanktionen bestehen, kann von einer Neubildung deutscher Länder im Westen keine Rede sein. Im Schlußwort sagte Abg. Dr. Most (D. Vp.): Wer die Verhältnisse des Rheinlandes noch nicht kannte, muß erschüttert sein von dem Bilde, das sich hier entrollt hat. Ich habe den Eindruck, daß die Fran- zosen die Erfüllung unserer Reparationspflichten gar nicht wollen, damit fle neuen Anlaß zu Gewalttaten haben. Aber die Rheinlande werden solange nicht »er. zweifeln, wie Deutschland ihnen die Treue hält. Mit ganz verschwindender Ausnahme sind sich alle Parteien einig in der Frage: Fort mit den Gewaltmaß. nahmen. (Lebhafter Beifall.)

Damit ist die Interpellation erledigt.

Samstag: Kleinere Vorlagen, Interpellationen über die Auflösung des Schloßlazarettes Chorlotienburg und über bas Grubenunglück auf der Zeche Mont Cenis.

uld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Skadt Fulda.

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chließungen und Entscheidungen der letzten 2Ronate t|'t ei>> verantwortungsvoll mitarbeitende Partei genötigt, ich felbst Rechenschaft zu geben und die Kräfte neu zu ammeln. Aus diesem Grund« erfolgte zunächst ein Bericht des Reichskanzlers Dr. Wirth, der einen Ueberblick über die bekannten innen« und außenpoliti-