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Fuldaer Zeitung

Amllicher Anzeiger für den Kreis und die Siaöf Fulda.

Nr. 147.

tieiumwomidj iüi öen moauionellen Teil: Dr. Kramer, - für di» tin^eigen: I. Parzener» Fuioa. z StorafionsSrud u. Verlag der Fuldaer üldtenöructerei in Fulda, lernipi e*ei Nr. u. Teleyr.-VIbreffe: Fuldaer Zeitung

Donnerstag, 30. Zuni |92|»

öejugspreis: ustonaliich Z,00 Äc. ohne Zustellgeduhr. In Fulda bei uns abgeholt 3,15 SIL Anzeigenpreis: Sie Klein (teile Coloneimag) 60 Sffl» u. 10* » Zuschlag, die Reklamezeile (lenhreie' 1.80 Mk.. u. 10'', Zuschlag. Bei Wiederhol. Raball.

48. Zahrg.

Drr hl. Stuhl und Italien.

Eine Versöhnung zwischen Vakikan und Quirinal?

Aus Rom kommt die folgende Meldung, die ge> eignel ist großes Aufsehen zu erregen:

ZwischendemLatlkanundderitolie. Nischen Regierung wurden Unterhand- tun gen angebahnt, u m die seit mehr als 50 Jahren unterbrochenen diplomati­schen Le Ziehungen wieder aufzunehmen.

Schon seil längerer Zeil zeigte sich eine Besferung der Derhältmffe zwischen Vatikan und Quirinal. Sw iialienisch-oalilanische Frage schien, wenn nicht unvor­hergesehene Ereignisse dazwischen traten, etri.t fried- tichen Lösung nach und nach näher zu rücken. Solche Ereignisse sind nun in der Tat nicht eingeireten, wohl ober ist in der inneren Politik ein Faktor zu wachsen, der Bedeutung und Einfluß gekommen: das ist die Katholische Bolkspartei. Den großen Er­folg, den sie bei den Wahlen daoongetragen hat, r».r- dankl sie der Außerkraftsetzung des Non expedit, der Nichtmchronwendung des Verbotes der Beteiligung an den politrfchen Wahlen, und es ist bekannt, daß P- fehnlichst eine Versöhnung zwischen dem Hl. Stuhl un& Italien wünscht. Des ferneren hat in letzter Zeit derOsservatore Romano" wiederholt in einem einer Lösung der römischen Frage nicht ungünstigen Sinn« zu Artikeln desTrirpo" und Messa^ro" Stellung genommen; es war daraus zu erkennen, daß auch dem Vatikan eine Regelung der Verhältnisse zum Quirinal, di« das Garantiegeseg ebensowenig bietet, wie es die llnabhängigklit und Freihnt des Hl. Stuhles verbürgt, zum mindesten nicht unerwünscht sei.

Was die italienische Regierung anlangt, so rmter- hielt schon Nitli gute Beziehungen zum Hl. Stuhl, speziell zu dem ihm persönlich bekannten Kardinal- stamssekretär Gasparri, und unter Oioliiti dürfte das nicht anders gewesen sein, um so weniger Lils er sich, um eine parlamentarische Mehrheit zu haben, aus die Volkspartei stützen muß«. Daher hat die obige Mel- düng, daß Verhandlungen zwischen der italienischen Regierung und dem Hl. Stuhl im Gange seien, durch- aus die Wahrjcheinl,chkeit für sich. Rach den Dar­stellungen von Paris.r Blättern sollen sie schon fast abgeschlossen sein und man warte nur noch auf e i n e n günstigen Augenblick, um die Tatsache der Versöhnung offiziell bekanntzugeben.

Eigen die Verständigung ist von den italie­nischen Freimaurern in den letzten Jahren aufs eifrigste gearbeitet worden. Insbesondere hat sich die Giordano-Lrunoxejellschaft in kirchenfeindlicher Hetz- hervorgetan. Daß trotzdrm die Verhandlungen in Gang gekommen sind, weist auf die veränderten Verhältnisse in Italien hin, zugleich aber auch auf die hohe Bedeutung, die die italienische Regierung, die früher vor dem Großorient auf dem Bauche kroch, dem Friedensschluß mit dem Vatikan beimißt. Darin dürfte sich die neue Regierung, mag sie nun ein neues Kabinen Giolitti oder ein Kabinett de Nicola oder Vonomi sein, nicht von der bisherigen unterscheiden.

Einzelheiten der italienisch-vatikanischen Vereinba­rung, sofiern schon von einer solchen die Rede sein kann, entziehen sich noch der öffentlichen Kenntnis. Ver» muturtgen über ihren Inhalt anzustellen, ist wenig nütze. Nur darauf sei hingewiesen, daß die römische Frage fein« rein italienische Angelegenheit, sondern eine Frage von internationaler Beden- tu n g ist. Es gilt dabei vor allem der Sicherheit und dem Schutz der päpstlichen Freiheit und Unab­hängigkeit. Eine internationale Sanktion dürfte daher das Wenigste sein, was zur endgültigen Beilegung des mehr als 50jährigen Konflikts von den Mächten zu leisten fein würde.

Dor 50 Jahren, am 20. September 1870, verlor bekanntlich der Heilig« Stuhl sein letztes weltliches Herrschaftsgebiet. Von dem ganzen Kirchenstaat war damals nur noch die Stadt Rom und ihre nähere Uirgebung, das sog.Patrimonium Petri" übriggcblie- ben, während das ganze übrige Italien bereits unter dem Szepter Viktor Emanuels von Sardinien zum Königreich vereint war. Und Rom selbst verdankte seine Unabhängigkeit nur dem Schutze der Truppen Napoleons III. Als aber der deutsch-französische Krieg vusbrach, braucht: Frankreich feine Truppen jibft «nd so verließen die letzten Franzosen Rom. Sofort zogen die Italiener in Rom ein und machten es zur Hauptstadt des nun völlig geeinigten Italiens.

Seitdem datiert der Gegensatz zwischen dcm Vatikan and dem ttalienischen Königshouse. Der Papst verließ seither nie mehr die Höfe und Gärten des Vatikans, des einzigen Stück Landes, das fein unumschränktes Eigentum geblieben war.

Die deutschen Wkever-

gutmachungSleistungen.

Bei den Verhandlungen mit der interalliierten Earamiekommisiion wurde festgestellt, daß außer der bis zum 31. August zu zahlenden eine Milliarde Goldmark im ersten Reparalionsjahr bis zum 1. Mai 1922 an Devisen nur noch 300 Millionen Goldmark zu zahlen sind. Die übrigen Summen sollen durch Sachleistungen und die Erträgnisse der Lusfuhrabgabe beglichen weiden.

Die WiederaufSauverhandlungen in Paris.

Die deutschen unb französischen Sachverständigen setzten die in Wiesbaden zwischen den Wtederaufbau- ministern begonnenen Verbaridlnngen über die Restitutionsangelegenheiten fort und begannen mit der Besprechung über die Sachlieterringen.

Reichs-Etat und Ultimatum.

Die Aehlbelräge des Etats für 1921.

Sei der Erledigung der letzten Nachtragsetats im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde ein lieber- blick über den Reichshaushaltsplan für 1921 gegeben. Er schloßt im ordcitllichen Etat mit 48 Millionen Mk. in Einnahme und Ausgabe. Es fehlen an ordentlichen Einnahmen 4,25 Millionen Mark zur Herstellung

des Gleichgewichts zwischen Einnahmen und Ausga­ben. 49 Millionen Mark sind im außerordentlichen Haushalt ungedeckt und durch Anleihen zu be­schaffen.

Unter den außerordentlichen Einnahmen von 10,5 Milliarden Mark befindet sich ein Betrag von 7,8 Mil­liarden Mark aus dem Reichsnotopfer, der zur Deckung von Ausgaben des außerordentlichen Etats mit herangezogen werden soll. Aus dem Reichsnot­opfer wird für das Rechnungsjahr 1921 eine Ein­nahme von insgesamt 10 Milliarden Mark erwartet. Für die Reichspost- und Telegraphenoerwallung sind die Fehlbeträge für 1921 veranschlagt mit 4,5 Millionen Mark.

Die Auswirkung des Ultimatums in haushaltsv: chtlicher Beziehung ist im Haue halt für 1921 noch nicht zum Ausdruck gelomrien. Sie bleibt einem besonderen Nachtragshaushalt Vorbehalten. 3m außerordentlichen Haushalt sind für diesen Zweck ins- gesamt 14,6 Milliarden Mark veranschlagt.

Sollen di« Reparationsausgaben, wie es für eine ßeorbttte Finanzwirtschaft unbedingt gefordert wer­den muß, auf den ordenÄichen Hau.'haÜ übernommen werden, so müßten bi« ordentlichen Einnahmen um dies.n vollen Betrag erhöht werden. Außer den in den Haus half für 1921 eingestellten 4,250 Milliar­den Mark aus neuen Steuern ufw. wären dann durch ordentliche Einnahmen noch 3,3 Milliarden Goldmark ouhubringen, die je nach dem Kursstand« der Mark in Papiermark umzurechnen sind.

Hierzu treten schließlich noch di« Sesatzungskosten, deren Höh? noch nicht endgültig feststeht: für 1921 find sie auf n-nd 8.5 Milliarden Mark veranschlagt.

Die fundierte Re ich »schuld hat sich für dieses Jahr um 7.6 Milliarden aus 78,3 Millinr »en verringert. Die schwebrnden Schuld.:: belaufen sich au nmb 270 Milliarden Mark.

Hierzu tritt Mißlich iwch ^«paraffcm-schuld des Reicl-es. im Ultimatum festsesetzt auf 132 000 Millionen Goldmark.

Die Räumung der erste» Zone in Oberscklefien.

E8ie der olxrschi.fische Derlchle^jlalter desVor­wärts" meldet, ist die fristgemäße Räumung der vom Selbstschutz besetzten Gebiete ordmiilgsmäßig vor sich g-ganzen. Die Siudenten, die dem Selbst- «chlltz anHehörten, haben die Abteilungen verlassen und die Heimreise angetretrn. Der erste Transportzug mit «nttsffmen SeLsischutztrr.ben passiert; die mittelschle­sische Grenze. In dem von den Polen geräumten Gebiet« sind bisher nur die Städte von Entente- truppen besetzt worben, während die geräumten Dör- ser sich bisher noch nicht unter dem Schutz her aHikrten Truppen befinden. Es besteht daher die Gefahr, daß sich auf dem faul'« neue Verstöße gegen Leben und (f^entum der Deutschen ereignen, falls n'cht dir inter« alliierte Kommission reich der Lantt-rvSlkrunz den unörLinzt uoiwendi<>?!i Schuh angeHe'hen läßt. *

Neuer polnischer Angriff auf Deukheu.

Dlälleriurlduiwen aus Veuthrn zufoLgr hat m der ^acht zum 29. Juni erneut ein umfangreicher Angrlfs der Insurgenten auf die Statt Beuchen stattqestmden. Di« Iirsurgenten drangen unter dem Schutz von Mi- neiitoetfern und Maschivengewehrseuer bis in di- uiv Mittelbare Nähe der Ha-rptbahrchofcs vor. Zahlreiche Geschäfte wurden geplfinfcert und in di« Häuser Hanr- granni-n geworfen. Die Franzosen verhielten sich bei dem Angriff vollkommen passiv.

Attentat auf den Prinzregen!en von Serbien.

Nach einet Meldung der »Voss. Ztg.' ouB 93er grab wurde gestern, am Iaht «Stage beB Attentats von Serajewo, ein Rhentet auf den Prinzregenlen Alexander von Serbien verübt. Al» der Piinzregent nach der Elbesleistung auf die Verfassung die Na- lionalversammiung verließ, warf ein Mann von einem HauSgeriist herab eine Bombe gegen den Wagen, in dem bet Prinzregent und Ministerpräsi­dent Pasitfch saßen. Die Bombe schlug gegen eine Telegraphenstange und explodierte in der Luft. Prinz- regen! Alexander und Pasitfch blieben unverletzt.

Durch Sprengstücke wurden «int Person schwer und sechs Personen leicht verletzt. Der Attentäter wurde festgenommen.

Beendigung des engl. Bergarbeiterstrelks.

Die Bergarbeiter werden am nächsten Mon­tag die Arbeit wieder aufnehmen. Die Einigung wurde durch g egens ei ti ge Zugeständnisse erreicht. Tie Minister werden morgen darüber beraten, ob der früher angeboiene, bann aber wieder zurück­gezogene Zu chuß von 10 Millionen Pfund Sterling gewährt werden soll.

Der Friede mit Amerika.

Der von beiden Häusern des amerikanischen Kongresses eingesitzie Ausschuß ist jetzt zu einer voll ständigen E inigung über die Friedens- refolution gelangt. Der Ausschuß ftimmte den vom Senat gemachten Borbetzalten bezüglich der deutschen Eigentumsrechte zu. Im Falle der Ans» fühlung dieses Programmes soll die FriedenSrefo- lution noch vor dem 4. Juli in Kraft trete».

Der neue Orientkrieg.

Nach Konstantinopeler Melbungen werden auf türtiicber Seite die Vorbereilunten zur Abwege der griechischen Offensive mit großem Eilet bei,üben. JSmib Pa cha wurde zum OberbefehlSdaber der türkischen Truppen ernannt. Sieben Ar - «ekorps von inindeneiis 180000 Mann (!i wurden vollständig neu anSgeiiistet. Tie kemaltsttschen Truppen griffen griechische Streukräfle an, bte sich zutückziehen mußten.

Neue griechisch« Niederlage.

An der Jsmrd- und Bruffaslont haben die Türken einen großen Sieg errungen. Auch an Ubschakabfchniit haben dis Griechen eine Nieder­lage erlinen. Eine griechische Tivlsiou wurde voll­ständig zerstreut. Die Griechen werden von tüifi- fcher Kavallerie verfolgt.

Deutscher Reichstag.

Die LinkvopposMon gegen die Regierung.

Sn der Hauptsache beschäftigte sich der Reichstag am Dienstag mit dem Nachtrag zum Reichshaushaltsp.'a» für das Rechnungsjahr 1921 unb zwar zunächst mit dem Haushalt des Reichsmini st eriums des Innern.

Der Unabhängige Rosenfeld, der f.ll.s!r»rständlich bei feiner aKgcnu'.n bekannten Rel-s.i'.ckei. nicht schweigen kann, redet mit tiefen Worten Eber d!es:s r.rr) auch anderes. Daß es sich um den Nachlragsclat handelt und zwar um den TitelKanzieifekretäre" stör! Herrn Rosenfeld dutch- au3 nicht, feine hochpolitischen und parteipolitischen Schmer- zon vor dem Forum der Volksvertretung auch bei un­passender Gelegenheit vorzubvmgen. Daß Herr Lobe auf diese Talsache hinweist, erheitert zwar das Haus, war ober Herrn Rosensech nicht zum Bewußtsein gekommen. Er reitet gegen die AusrechtcchÄrung des Ausnahmezustand«» Attacke und macht sich ein Vergnügen daraus, dem ans der MehrheilssoziÄdemokratie stammenden Innenminister Dr. .Kradnauer verschiedene tüchtige Scitmhiebe zu ver­setzen. Er versteigt sich zu dem Ausruf, daß in der jetzigen Reichsregierung Dr. Wirth gegen Herrn Schiffer noch ein Revolutionär fei unb Herrn Schiffer gern Dr. Grad­nauer noch ein Borkämpftr der Arbeiterrechie. Wer die übertriebene Epradje des Herrn Rosenfeld kennt, wird sich darüber nicht wrmdern: daß er zu diesem Minister kein Vertrauen hat, werden ihm auch die Mehrheitssozia- liftcn sicherlich nicht Übelnehmen. Er schließt mit der Mah­nung, daß ein neuer Minister doch auch neue Besen hab«, daß also deshalb Herr Orr»)neuer diesen neuen Besen auch amvende.

Dies kann der Innenminister Dr. Grabnauer nicht un­widersprochen an sich vorübergehen lassen. Er polemisiert mit gutem Geschick gegen den unabhängigen Sprecher. Seine Ausführungen gelten alle der Rechtfertigung der Regie- rungsmaßnahmen über den Ausnahmezustand und über vernünftigen unb allmählichen Abbau derselben. Seinem Parteifreund springt der mehrheitssozialistische Abg. Mül­ler-Franken bei. Er weist daraus hin, daß die mehr- heitsfoztalistische Fraktion immer darauf hingearbeitet habe, wenn eine Uebereinftimmung mit den Einzelregieiringen nicht erzielt werden könne, müsse das Reich das Recht haben, einen Ausnahmezustand aufzuheben, aber bei dem föderativen Charakter der Verfassung feien dies« Dinge psteÄich zu behandeln.

Der Kommunist Geyer holt alle im kommunistischen Sprachlexikon verzeichneten Slurmausdrücke gegen d:n Ausnahmezustand aus der Versenkung hervor. Es Ist ]a klar, daß er von Partei- und Agitationswegen den Mund recht voll nimmt und feinen Leuten zu bsw ifen lucht, daß der Ausnahmezustand sich speziell gegen die kommunisti. schen Arbetter richte.

Recht temperamenwoll verteidigt Reichssustizminister Schiffer die von ihm getroffenen Maßnahmen. Aber Un. abhängige und Sozialisten können sich immer noch nicht beruhigen. Abwechselnd schleudern sie ihre klassenkämpferi- schen Anklagereden gegen die Regierungsbank. Aus den Abg. Mittwoch von der USPD, folgt sein Fraksirns- genosse Dr. Rosenfeld nun schon zum zweiten Mate. Und damst da» Kleeblatt voll wird, schließt sich ihm der ummt- bchrliche Adolf Hoffmann an. Es dreht sich um dsn F a l k Iagow. Indessen ist eine Entschließung der Unabhängi- gen einnepangen. Die Reichsregierung möge ersucht roer­ben ,auf Grund des Art. 48 der Reichsverfassung den in einzelnen Staaten bestehenden Ausnahmezustand auszu­heben. Der Rach'nagsetat des Innenministeriums wird ge» nehmigt, die Entschließung der Unabhängigem obgelehnt.

Das Haus fährt in der Beratung des Nachtrag setals zmn Haushatt des R-ichsministerrurns für Ernährung und Landwirtschaft som« der Reichsessenlmhnver- waltung fort. Vorher war noch e'n Gesetzentwurf über die Geltungsdauer des Gesetzes gegen die Kapitalflucht an­genommen worden.

Donnerstag: Interpellation über die Sanktionen.

Der Reichskag

wird aller Donnrrsicht natf) nicht fckwn am 2. Irrff bte Sommerpall.se beginnen können, sondern es wird damit zu rechnen sein, daß die Tagung des Reichs­tages sich noch nliiLestens bis zum Ende der nächsten Woche, vielleicht sogar darüber hinaus, erstrecken wird. Es liegen noch eine Reih« vsn Vor­lagen vor, deren Verabschiedung vor der Vertagung erforderlich ist.

Zudem besteht «ich die Absicht, noch di: Inirr- pellationüberdie Sanktionen im Reichs­tag zu verhandeln. Möglicherweise wird and), se nach dem Verlauf der Nämnrnrg-aklion in Oberschlesien auch die Interpellation über Oberfchlesicn im Reichs­tag zur Verhandlung kommen.

Das Strasverfahren gegen Erzderger eingestellt.

DaS Ende einer Verleumdung.

In der Sirafsache gegen den früheren Reichs­finanzminister Erzberger wegen Meineids, den dieser gelegentlich feiner Vernehmung im Helfferich- Broz.'ß geleistet haben sollte, ist aus übereinstimmenden Antrag des Generalstaatsc'nwalis und der Justizräte Dr. Loewenstein und Dr. Werthauer von der 10. Strafkammer des Landgerichts I beschlossen worden, den Bechuldigten Erzberger mangels Beweises auf Kosten der Staatskasse außer Ver­folgung zu setzen.

In dem Anträge des GeneralstaaiSanwaltS und der Vert idiger ist dargelegt, daß die Urieilsfeststellung im Helfferich.Piozeß, soweit sie Erzberger absichtliche Verletzung seiner EideSpsticht in diesem Prozeg vor- wirft, keine Stütze gefunden habe, teilweise sozar widerlegt worden ist. Auch die seitens des S-aats^ekreiärs a. D. Helfferich gelegenihdj feiner Vernehmung als Zeugen angeführten Punkte, in denen Helfferich eine Verletzung der Eidespflichi durch Erzderger finden zu können glaubte, sind seilens der Staatsanwalischoft und des Gerichts geprüft unb für unbegründet erklärt worden.

Der Reichraitsschtih

der oentrumrxartei

Hirst grstrrn In Bersin eine Sidnng ab. Sie befchäf- tigrr sich zunächst mit der politischen Laxe. Dar R:'e» rat hielt Reichrkanzler Dr. Wirth. In tin:i ein, stimmig angenommenen Entschließung wird mit oller Entschirderchrst dir Aufhebung der unerträg­lichen Zwangsmaßnahmen i m Westen gefordert. Das Zen-nun werde die bieichsrcgierung bei fedem Lchntte na.l>drücklich untersii'-tzen, der. ge- eignet fei, eine miverzii^liche Rinimimg von Düffel­dorf und Duirdurg-Ruhrort und gleichzeitig die Aus­hebung der Zollschranke» herceizusühren.

In einer zweiten Ncfclutio» wird das Serikiben eir.es ungeteilten Oberschlesiens bei Deutschland yesorderrt.

Zum Fall Erzberger wurde mit allen gegen eine Sttairr.e bei vier Enthaltungen eine N«sowft«r angenommen, in der mit Genugkmng davon Kenntnis renommen wird, daß dar Derfahren wegen Versetzung der Eideopflicht zuguirsten Erzbcrgerr eiüschirden sei. Erzberger erklärte, daß b:e Wiederaufnahme sei­ner plüschen Tätigkeit von der gesamtpolitischen nage abhange und baß er stets brrcit sein wrrdk, die tintg- teil iturerhaib der Partei und der Fraktion zu pflege»

Die Steuerfragen.

Das ReichSlabinelt be'chäsiigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit dem Problem der Be sitz ft euer. Wie die .Deuticke AÜgm. Zig.' hört touiOen die Beraiungen über die Steuert ranen im Kabinett fortgefiihrt. Sie werden vorausjichtlrch noch vor der Vertagung de» Reichstag» zu einer s or» muHerten Er 1 lärung über die Richtl'wen der Sieue>Politik der Regte.tmg führen, die der Netchs- kanzler im Reichstag abgeben w r

Trübe AuSstchten in der Kohlenverforg ung.

Nach Mittrilu:^:n des pr.'.iüWrn Ha:i?.si:a>inisters im Hauptansschuß des Landtags steht eine schwere Kohlenknappheit bevor.

Die Förderung betrug im 3tuwat 7,8 Mill, gleich 82,7 Praz. des Friedenequantum», im April 7,648 Miss., im Mai 6,7 Mill. Tontun. Sm Sommer fei noch ein größerer Ausfall zu erwarten. Hinzu komme» dag LX»erschtisim, das früher ein T-rittel liefene, jetzt ganz ausfalle. Di« Vorräte feien fast auf» gebranchl.

Ferner wirkten der Ausfall der enMchrn Kohlen infoige des Bergarbiitcrstre-ks und die Ersüll-uig de» Spa-Libko:rn'.sn mit, sodaß lsinfichtlich der Kohlen» rorräte trübe Zeiten beoorftenben.

Aehnlichr Au-fichten wurden such in der Bollver» faoinilimß des Re:chs-Ko^emLtes oc8uB:rt

Aus dem besetzten Gebiet.

Die liflgtelf bet politischen Parteien hn neu besetzte« Gebiet wirb durch eine neue Verfüg»uw des flommnnXe» renben General» im Brückenkopf Düsseldorf erheblich beschränkt werden. Künftig ist ieixin Gesuch für irie Abhaltung einer Versammlung die Niederschrift der zu haltenden Reden, wenn nichi vollständig, so doch wenigsten» im Entuuirf beifügen.

* Bestrafte Festredner. Megan einer Fesixbe mit dem ThemaSpart und Jugend", die er auf dem kürzlich in Düffslbovf abgehallenn, deutschen Fußball. Bundestag «hallen hatte, wurde der Düpcltorfcr Dr. Klein sowie drei andere Herren, die »n der Leitung her Tagung teifMnomnrrn hatten, mit 14 dezw. 8 Tagen Ge­fängnis und 2000 bezw. .KXX) Mk. Geir>fli»fe bestraft.

Der sechste Krkegsbeschnlvkqlen'Proietz.

Arn M.ttwvch hat der sechste Prozrsi vor dem Leip­ziger Reichsgericht begonnen. Gi ist der erste Prozeß, ber aus einer französischen A-ttl-ige beruht. Er richtet sich gegen den Kenerafleutnnnt a D Stenger und Major a. D Crufius. Die Anklage lautet aus Mord. Unter den 54 Zeugen befinden sich- keine Aus­länder. Unter den Vertretern der E"'"''" her Der» gen (un b im hn n, befind n sich 4 F anjo en.

Der Präsident bemerkt eingang- der teujung, daß der Oberreichsanwalt hinsichuich der von der sranzöst. scheu Liste erhobenen Beschuldigung wegen eines Be­fehls zum Erschießen von französischen Gefangenen keine Anklage erhoben habe. Die französischen Anklagen hat- ten bereit» 1914 dazu gedient, gegen Deutschland den Vorwurf der Barbarei zu erheben. General Stenger fall den Befehl gegeben haben, keine Gefangenen zu machen, sondern Verwundet- wie (Befangene nstderzumach-w.

Der General berichtet daraufhin, wie in der Schlacht bei Saarburg er und sein Stad von Franzosen, die sich lot oder ve-wnndet geftellt halten, von hinten beschossen worden sei. Daraufhin habe et vvrbinrnarschierenden Soldaten zugerufen, fie sollten sich vor den in den Bäumen sitzenden ober sich tat stellenden Soidaten Hälen. Es komme nicht darauf an. Gefangene zu machen, fo~be-n sich vor den F inden zu schützen. ..Schießt sie von den Bäumen wie die Spatzen!" Der General betont, daß er eine solche Reoensart nie in einem schriftlichen Best hl angewandt haben würde. Die Kampferweise der auf den Bäumen sitzenden Franzosen erklärt General Stenger auf Befragen de, Vorsitzenden (ür Völkerrecht!ich zulässig. Dann aber müsse es einem Okstzwr auch erlaubt sein, sich hiergegen mit ber Waffe zu wehren.

Peinlicher ist die Sach, mit dem Major (Tru- f u 5, seinerzeit .fiauphna-n der 58. Brigade. Er ist lchon m.hrmnl, ipervenkrank qcw ten und von der Front in bi? Heimat gesch ckt werden. I 'talge sei- N', anzegrisicnen Kesundheik-zustandes wurde er schliegitch ni* mehr auf dem westl. K.i zsschanplag rrrw-ndet, sondern nach Osten kommandiert Er kann sich nicht entsinnen, jemals zu Protokoll gegeben Zu ha- den, daß die Tatfachcn bee ?1. und 73. August wo er roe{)r(ofe_ 0cfaagciie und Verwundet? habe erschießen lassem müssen, schwer auf seinem Sewissen tasten

Motor Ervsiu, fchildcrt den Aukmarich fein, Regs- merts. Dor dem Angriff hob; der Brigode.-eneral die Otiiziere zusammenger-isen und ihnen den B 'eht qege. b?n, alle au f dem Schlachtfelde lieoende- Frauzofeg sind zu «rschtetzon. Dies» Besctz!